Erfahrungsbericht von maertens
Wenn das russisch ist heiße ich Wladimir!
Pro:
günstige Lage
Kontra:
schlechte Küche
Empfehlung:
Nein
Chagall
Im Rahmen einer von 50 Berliner Restaurants veranstalteten Sonderaktion, bei der man bis Ende August in mindestens 6 verschiedenen Ländern auf kulinarische Weltreise gehen kann und dann die Chance auf vielerlei Gewinne hat, trieb uns der Zufall ins Chagall, welches russische Küche versprach. Unser russisches Stammrestaurant („Voland“ ) macht Ferien, also machten wir uns auf den Weg, um nunmehr Russland einen kulinarischen Besuch abzustatten.
Standort/Anfahrt:
Das Chagall befindet sich in der Kollwitzstraße 2 in Berlin. Damit befindet es sich im Einzugsbereich des überteuerten Kollwitzplatzes. Man findet das Chagall eigentlich ganz einfach: U-Bahn-Linie U2 Station Senefelder Platz aussteigen, Ausgang Richtung Alex links nehmen und schon ist man da. Im Sommer erkennt man das Chagall an den aufgebauten Bänken und Sonnenschirmen auf dem Trottoir. Momentan ist es etwas durch Bauzäune verstellt, da die Straße gebaut wird. Wer den „Pfefferberg“ kennt, es ist genau gegenüber auf der anderen Straßenseite.
Wir setzten uns also erwartungsfroh an einen Tisch auf dem holprigen Bürgersteig und harrten der Dinge. Bald kam auch ein Kellner, der auch gleich auf sehr kollegiale Weise („Na ihr zwei Hübschen, was kann ich Euch bringen...“). Nun gut, wer’s mag...
Karte:
Da das Chagall in erster Linie ein Café ist, überwiegen die Getränke auf der Karte. Da kriegt man alles, was man woanders auch kriegt. An Bieren gibt es ein böhmisches Schwarzbier, Pils, Hefe und alle Variationen davon. Außerdem stehen Drinks sowie heiße und alkoholfreie Getränke auf der Karte. Die Getränke sind nicht russisch, neben dem Wodka „Moskowskaja“ habe ich kein einziges russisches Getränk auf der Karte gefunden.
Das Angebot an „Russischen Speisen“ ist klein aber ausreichend. Ich habe das bewusst mit Anführungszeichen versehen, aber dazu später. Also zumindest gibt es auf der Karte, soweit ich mich erinnern kann, u.a. Knoblauchbrot, Botschtsch, Soljanka, Pelmeni, Blinis, TXXX und Salate.
Preise:
Sowohl Getränkepreise als auch die der Speisen liegen moderat. Ich kann mich nicht im Einzelnen an die Zahlen erinnern, aber für 2 Personen haben wir für Bier, Vorspeise und Hauptgericht inklusive des Trinkgeldes 25 Euro bezahlt. Ein durchaus akzeptable Bereich, wenn die Speisen unseren Erwartungen entsprochen hätten.
Service:
Der Kellner war recht schnell, obwohl das Gedächtnis nicht sehr ausgeprägt war und er öfter mehrfach an Tische gerannt kam, um sich noch einmal über die Bestellung zu vergewissern. Auf die Idee, alles aufzuschreiben, kam er nicht. Außerdem war das kumpelhafte und ziemlich übertriebene „Du“-Getue etwas nervig.
Qualität:
Mein Knoblauchbrot war in Ordnung, wenn auch wenig knoblauchig, der Boschtsch kann auch noch als akzeptabel bezeichnet werden. Eigentlich wollte ich ja Blinis essen, aber die waren gerade aus. Also entschied ich mich für Pelmeni „Ural“ um.
Meine Pelmeni „Ural“ mit unterschiedlichen Fleischfüllungen waren ein totaler Reinfall. Dass die Pelmeni aus der tiefgefrorenen Packung kamen, wie man sie überall in Berlin zu kaufen bekommt, hätte ich ja gerade noch akzeptiert. Es stand ja auch nicht auf der Karte: hausgemacht. Aber: Da waren weder unterschiedliche Fleischsorten drin noch hatte das Gericht irgendwas mit russisch zu tun. Das waren einfach nur gefrorene Pelmeni ins kochende Wasser gehauen (womöglich ungesalzen, denn so schmeckten sie), ein Kräuterdressing aus der Flasche drüber (russisch wäre mit Sauerrahm oder „Smetana“ gewesen) ein kleiner gemischter Salat (Mais aus der Dose etc..., so wenig russisch wie alles zuvor) und fertig.
Der Hit war, dass mein Freund, obwohl er ein ganz anderes Gericht bestellte, welches eigentlich vegetarisch mit Sauerkraut gefüllt sein sollte, genau das selbe Gericht bekam. Pelmeni mit undefinierbarer Fleischfüllung, Dressing, Salat. Auf Nachfrage wurde ihm noch einmal bestätigt, dass es sich um das richtige Gericht handelt. es sich bei der Füllung um ein Irrtum handeln könnte. Nun gut, er ließ es nicht zurückgehen, er ist kein Vegetarier und außerdem nicht rechthaberisch, grins.
Als wir dann so leidlich fertig waren, die Hälfte des Mahles blieb auf dem Teller, fragte der Kellner auch noch, ob es uns geschmeckt hätte. Nun ja, wahrheitsgemäß antworteten wir, „nee, nicht so doll, und mit russisch hat das überhaupt nix zu tun“. Antwort: „Wir haben russische Köche, wenn man nicht typisch russisch essen wolle, sollte man eben nicht ins Chagall gehen“. Am liebsten hätte ich den Kellner ja gefragt, ob er je in seinem Leben mal in Russland gewesen ist, denn dann würde er nicht solche dämlichen Sprüche klopfen. Ich zog es jedoch vor, die Rechnung zu bestellen. Noch zur Information, ich denke, mich etwas in russischer und angrenzender Küche auszukennen, habe immerhin 6 Monate dort studiert und die einheimische Küche lieben und hassen gelernt.
Das anwesende Publikum merkt offensichtlich von dem Pseudo-Anspruch, ja von dem Fake, russisch zu sein nix. 20 % Touristen und der Rest Jugendliche, die ohnehin keine Ahnung von russischer Küche haben. Einen Russen habe ich jedenfalls nicht gesehen, wohl aus gutem Grund.
Fazit:
Wer nur auf die Schnelle ein Bierchen, oder gemütlich auf dem Bürgersteig trinken will, bevor man sich in die Prenz’lberger Szene stürzt, der ist im Chagall richtig. Essen sollte man dort jedoch nicht! Schon gar nicht, wenn man „typisch russisch“ essen will. Dazu, und auch um russische Gastfreundschaft und sogar mit Lifemusik am Wochenende zu erleben, kann ich momentan nur wie schon oben schon erwähnt, das „Voland“ in der Wichertstraße in Berlin- Prenzlauer Berg empfehlen. Das ist so gut, da gehen dann sogar Landsleute hin. In diesem Sinne- Na Sdrowje!
Im Rahmen einer von 50 Berliner Restaurants veranstalteten Sonderaktion, bei der man bis Ende August in mindestens 6 verschiedenen Ländern auf kulinarische Weltreise gehen kann und dann die Chance auf vielerlei Gewinne hat, trieb uns der Zufall ins Chagall, welches russische Küche versprach. Unser russisches Stammrestaurant („Voland“ ) macht Ferien, also machten wir uns auf den Weg, um nunmehr Russland einen kulinarischen Besuch abzustatten.
Standort/Anfahrt:
Das Chagall befindet sich in der Kollwitzstraße 2 in Berlin. Damit befindet es sich im Einzugsbereich des überteuerten Kollwitzplatzes. Man findet das Chagall eigentlich ganz einfach: U-Bahn-Linie U2 Station Senefelder Platz aussteigen, Ausgang Richtung Alex links nehmen und schon ist man da. Im Sommer erkennt man das Chagall an den aufgebauten Bänken und Sonnenschirmen auf dem Trottoir. Momentan ist es etwas durch Bauzäune verstellt, da die Straße gebaut wird. Wer den „Pfefferberg“ kennt, es ist genau gegenüber auf der anderen Straßenseite.
Wir setzten uns also erwartungsfroh an einen Tisch auf dem holprigen Bürgersteig und harrten der Dinge. Bald kam auch ein Kellner, der auch gleich auf sehr kollegiale Weise („Na ihr zwei Hübschen, was kann ich Euch bringen...“). Nun gut, wer’s mag...
Karte:
Da das Chagall in erster Linie ein Café ist, überwiegen die Getränke auf der Karte. Da kriegt man alles, was man woanders auch kriegt. An Bieren gibt es ein böhmisches Schwarzbier, Pils, Hefe und alle Variationen davon. Außerdem stehen Drinks sowie heiße und alkoholfreie Getränke auf der Karte. Die Getränke sind nicht russisch, neben dem Wodka „Moskowskaja“ habe ich kein einziges russisches Getränk auf der Karte gefunden.
Das Angebot an „Russischen Speisen“ ist klein aber ausreichend. Ich habe das bewusst mit Anführungszeichen versehen, aber dazu später. Also zumindest gibt es auf der Karte, soweit ich mich erinnern kann, u.a. Knoblauchbrot, Botschtsch, Soljanka, Pelmeni, Blinis, TXXX und Salate.
Preise:
Sowohl Getränkepreise als auch die der Speisen liegen moderat. Ich kann mich nicht im Einzelnen an die Zahlen erinnern, aber für 2 Personen haben wir für Bier, Vorspeise und Hauptgericht inklusive des Trinkgeldes 25 Euro bezahlt. Ein durchaus akzeptable Bereich, wenn die Speisen unseren Erwartungen entsprochen hätten.
Service:
Der Kellner war recht schnell, obwohl das Gedächtnis nicht sehr ausgeprägt war und er öfter mehrfach an Tische gerannt kam, um sich noch einmal über die Bestellung zu vergewissern. Auf die Idee, alles aufzuschreiben, kam er nicht. Außerdem war das kumpelhafte und ziemlich übertriebene „Du“-Getue etwas nervig.
Qualität:
Mein Knoblauchbrot war in Ordnung, wenn auch wenig knoblauchig, der Boschtsch kann auch noch als akzeptabel bezeichnet werden. Eigentlich wollte ich ja Blinis essen, aber die waren gerade aus. Also entschied ich mich für Pelmeni „Ural“ um.
Meine Pelmeni „Ural“ mit unterschiedlichen Fleischfüllungen waren ein totaler Reinfall. Dass die Pelmeni aus der tiefgefrorenen Packung kamen, wie man sie überall in Berlin zu kaufen bekommt, hätte ich ja gerade noch akzeptiert. Es stand ja auch nicht auf der Karte: hausgemacht. Aber: Da waren weder unterschiedliche Fleischsorten drin noch hatte das Gericht irgendwas mit russisch zu tun. Das waren einfach nur gefrorene Pelmeni ins kochende Wasser gehauen (womöglich ungesalzen, denn so schmeckten sie), ein Kräuterdressing aus der Flasche drüber (russisch wäre mit Sauerrahm oder „Smetana“ gewesen) ein kleiner gemischter Salat (Mais aus der Dose etc..., so wenig russisch wie alles zuvor) und fertig.
Der Hit war, dass mein Freund, obwohl er ein ganz anderes Gericht bestellte, welches eigentlich vegetarisch mit Sauerkraut gefüllt sein sollte, genau das selbe Gericht bekam. Pelmeni mit undefinierbarer Fleischfüllung, Dressing, Salat. Auf Nachfrage wurde ihm noch einmal bestätigt, dass es sich um das richtige Gericht handelt. es sich bei der Füllung um ein Irrtum handeln könnte. Nun gut, er ließ es nicht zurückgehen, er ist kein Vegetarier und außerdem nicht rechthaberisch, grins.
Als wir dann so leidlich fertig waren, die Hälfte des Mahles blieb auf dem Teller, fragte der Kellner auch noch, ob es uns geschmeckt hätte. Nun ja, wahrheitsgemäß antworteten wir, „nee, nicht so doll, und mit russisch hat das überhaupt nix zu tun“. Antwort: „Wir haben russische Köche, wenn man nicht typisch russisch essen wolle, sollte man eben nicht ins Chagall gehen“. Am liebsten hätte ich den Kellner ja gefragt, ob er je in seinem Leben mal in Russland gewesen ist, denn dann würde er nicht solche dämlichen Sprüche klopfen. Ich zog es jedoch vor, die Rechnung zu bestellen. Noch zur Information, ich denke, mich etwas in russischer und angrenzender Küche auszukennen, habe immerhin 6 Monate dort studiert und die einheimische Küche lieben und hassen gelernt.
Das anwesende Publikum merkt offensichtlich von dem Pseudo-Anspruch, ja von dem Fake, russisch zu sein nix. 20 % Touristen und der Rest Jugendliche, die ohnehin keine Ahnung von russischer Küche haben. Einen Russen habe ich jedenfalls nicht gesehen, wohl aus gutem Grund.
Fazit:
Wer nur auf die Schnelle ein Bierchen, oder gemütlich auf dem Bürgersteig trinken will, bevor man sich in die Prenz’lberger Szene stürzt, der ist im Chagall richtig. Essen sollte man dort jedoch nicht! Schon gar nicht, wenn man „typisch russisch“ essen will. Dazu, und auch um russische Gastfreundschaft und sogar mit Lifemusik am Wochenende zu erleben, kann ich momentan nur wie schon oben schon erwähnt, das „Voland“ in der Wichertstraße in Berlin- Prenzlauer Berg empfehlen. Das ist so gut, da gehen dann sogar Landsleute hin. In diesem Sinne- Na Sdrowje!




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