Erfahrungsbericht von Eat_This
Captain Pansi, die Menschheit braucht Sie!
Pro:
Captain Pansi, welch schillernder Held!
Kontra:
Seine Crew
Empfehlung:
Nein
Sehen Sie nun aus der Serie \"Captain Pansi und seine Crew\" Folge 342 \"Alles in Essich\"
Captain Pansi, Entdecker und Erforscher unzähliger Welten, Sieger zahlloser Weltraumgefechte, wurde neben Rheuma auch von gähnender Langeweile geplagt.
\"Mir ist nach Entdecken zumute! Fähnrich!\"
\"Ja, Captain Pansi?\"
\"Beschleunigen Sie die PS Modena auf Worbgeschwindichkeit, setzen Sie einen Kurs auf das Balsamicosystem!\"
\"Zu Befehl, Captain.\"
\"Energie!\"
Breitbeinig stand der Captain auf der Brücke, darüber sinnierend, ob er nicht lieber statt Entdecken Tischdecken sollte.
Während er so vor sich hinsinnierte, zwirbelte sich die PS Modena, das Flaggschiff der Plötflotte, mit ihrem Spaghetti-Tentakel-Antrieb durch die unendlichen Weiten des Plötiversums. Rainer Zufall (der Drehbuchautor) wollte es, dass just in diesem Moment die Warnlampen angingen und der Bordcomputer mit seiner unnachahmlichen Schlafzimmerstimme säuselte:
\"Kollisionsalarm\"
\"Unbekanntes Flugobjekt auf Kollisionskurs mit der PS Modena\"
Der Captain konnte sich zwar nicht erinnern, jemals mit einem unbekannten Flugobjekt einen Kollisionskurs besucht zu haben, aber eines hatte man ihm auf der Schule für plöte Kinder von reichen Leuten eingepleut:
\"Fass nichts an! Putz Dir die Finger und mach Deinen Hosenstall zu! Hör immer auf den Bordcomputer!\"
Diesen Ratschlag vor Augen wandte sich der Captain an den Fähnrich, welcher ihn bereits erwartungsvoll und ein bisschen ängstlich anstarrte.
\"Fähnrich?\"
\"Ja, oh mein Captain?\"
\"Fähnrich, was jetzt?\"
\"Wenn ich, oh Captain, mir einen Ratschlag erlauben darf?\"
\"So rede er!\"
\"Wir könnten das unbekannte Objekt erstmal identifizieren!\"
\"Potzblitz! Welch kühner Vorschlag! Schalte er die Langstreckensensoren ein!\"
Ängstlicher Blick des Fähnrichs.
\"Ähm, Captain... die Langstreckensensoren...\"
\"Ja, Fähnrich?\" Dem Captain schwante bereits Übles, er kannte den unterwürfigen Unterton in Fähnrichs Stimme bereits.
\"Die Langstreckensensoren sind nicht da!\"
\"Was soll das heißen, sie sind nicht da?\"
\"Die stecken doch im Whirlpool!\"
\"Whirlpool? Was soll denn das hei.. Verdammt, ich erinnere mich!\"
Vage Erinnerungen keimten in der Ödnis seines Gedächtnisses hoch. Ja, der Fähnrich hatte recht, die Langstreckensensoren steckten tatsächlich im Whirlpool. Und die Schuld lag allein bei ihm. Als die Sensoren der Whirlpoolheizung ausgefallen waren, hatte er sie eigenhändig eingebaut. Und der kleine Notizzettel, auf dem er vermerkt hatte, bei der nächsten Raumbasis neue zu besorgen, fristete sein Dasein jetzt wohl als Weltraummüll irgendwo zwischen hier und Alpha Ceti Prime. Alpha Ceti Prime. Was für ein System! Ein Paradies für gestresste Weltraumkapitäne und läufige Druckereiutensilienwiederverkäufer.
\"Captain?\"
Die Stimme des Fähnrichs riss Captain Pansi aus seinen Gedanken.
\"Was jetzt, Captain?\"
\"Funktionieren die Kurzstreckensensoren?\"
\"Ähm, Captain... die Kurzstreckensensoren...\"
\"Fähnrich, sagen Sie mir jetzt nicht, dass die Kurzstreckensensoren auch im Whirlpool stecken!\"
\"Ähm, nein, Captain.\"
\"Na, wenigstens etwas. Schalte er sie ein!\"
\"Ähm, Captain... die Kurzstreckensensoren, sie sind in der Mikrowelle!\"
\"Wie meinen Sie, in der Mikrowelle? Habe ich gestern versucht, sie zu verspeisen?\"
Verschwommen nur konnte er sich an den gestrigen Abend erinnern. Er versuchte, die Gedankenfetzen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Nach dem Abendmahl in der Offiziersmesse hatte sich der Offiziersstab zu einem kleinen Pokerspielchen im Quartier von Admiral Snyder getroffen. Und wie üblich hatte der Chefingenieur, Huxley Pubert Resellerchen, eine Flasche Jack Dooyooels dabei, nebst den üblichen vier Kästen Urpi aus dem kostbaren Geheimvorrat von Heino F., seinem Schatzmeister, der einzigen nonhumanoiden Lebensform an Bord der PS Modena.
Er konnte sich noch daran erinnern, dass sie zu viert einen armen einheimischen Monarchen, Göthi oder so ähnlich, nach allen Regeln der Kunst ausnehmen wollten, dieser jedoch so gewieft war, dass er jeden Bluff durchschaute. Er hatte fast alle Studentenkochbücher verspielt, als H.P. bemerkte, dass der König nach Strich und Faden beschiss. Das war ein großes Trara. Nachdem der König, standesgemäß geteert und gefedert, das Schiff mit leeren Taschen verließ, begann das große Gelage. Er konnte sich noch verschwommen an die niedlichen kleinen Hostessen mit den plonden Haaren und den großen T..
\"Captain?\"
\"Was ist denn nun schon wieder? Ach ja, die Kurzstreckensensoren. Was machen sie in der Mikrowelle?\"
\"Sie wollten nicht auf warmes Essen verzichten!\"
\"Ich schon wieder? Logbucheintrag: \'Der Fähnrich nimmt nie was auf seine Kappe.\'\"
\"Ähm, Captain... das Logbuch...\"
\"NEIN! NEIN! Sag nichts! Das Logbuch steckt im Fernseher!\"
Der Fähnrich hasste Montag. Der Captain war zwar kein allzu gestrenger Vorgesetzter, aber seine Zerstreutheit und seine Vergeßlichkeit waren am ersten Arbeitstag der interstellaren Woche durch die Wochenendgelage meist noch größer als sonst. Aber nicht mehr lange, und er würde die Offiziersprüfung ablegen und sein eigenes Schiff durch die Gegend steuern. Vielleicht nicht so stattlich wie die PS Modena, aber dafür ordentlich. Jawohl. Ordnung. Für die würde er sorgen. Er würde nicht wichtige Bestandteile des Elektroniksystems dafür benutzen, um die Whirlpooheizung zu reparieren. Oder die Temperaturanzeige in der Mikrowelle. Oder den Buck Rogers-Flipper im Aufenthaltsraum. Oder die Discokugel in der schiffseigenen Tanzbar. Das einzige Privatvergnügen, das er sich gönnen würde, wäre ein gynäkologischer Stuhl für aufregende Spielchen mit
\"FÄHNRICH!\"
\"Ja, mon captain?\"
\"Sie sollen mir gefälligst sagen wo Kurzstreckensensoren und Logbuch sind!\"
Der Fähnrich seufzte.
\"Die Kurzstreckensensoren dienen inzwischen als Temperaturanzeige in der Mikrowelle und das Logbuch haben Sie einer der Hostessen als Andenken an Sie mitgegeben. Handsigniert!\"
\"So? Habe ich das? Haben wir noch Ersatzteile an Bord?\"
\"Nein, die haben Sie vor zwei Wochen gegen ein ungezähmtes Leberwursttier auf Proxus III getauscht.\"
\"Verdammt! Verdammtverdammtverdammt!\"
\"Kollisionsalarm! Ein nicht identifiziertes Flugobjekt befindet sich auf direktem Kollisionskurs mit der Modena. Geschätzter Zeitraum bis zur Kollision 13 Minuten, 34 Sekunden, 60 Hunderstel und 27 Tausendstel!\"
Die wie schon erwähnt aufreizende Stimme des Bordcomputers verursachte heftige Wallungen in der Leistengegend des Captains. Jetzt galt es, besonnen zu handeln. Besonnen und überlegt. Er, Captain Pansi, würde die Situation schon unter Kontrolle bekommen. Er versuchte, sich an die Notfallsimulationen auf der Akademie zu erinnern. Er konnte noch die Worte seines Ausbilders hören: \"Ich hoffe bloß, dass Sie nie im Leben Captain werden. Und falls doch, nehmen Sie dies Buch als Geschenk!\" Das Buch! Siedendheiß fiel es ihm ein. \'Tipps und Tricks für Captains ohne Plan\' von einem gewissen F. Jott. Er trug das Buch ständig in seiner Unterbuchse, um es immer mit sich zu führen. Blitzschnell zauberte er das Buch aus den Untiefen seiner Unterwäsche hervor, verscheuchte die kleinen Käferchen mit einer Handbewegung und begann zu blättern. 25 Sätze für Notsituationen. Genau diese brauchte er. Seite 27. Ja, das sah gut aus.
\"Fähnrich?\"
Der Fähnrich, schon wieder aus den Träumereien von seinem eigenen Schiff gerissen, richtete sich mit einem Ruck auf.
\"Ja, oh Befehlshaber dieses Schiffes?\"
\"Auf den Schirm!\"
\"Sofort.\"
Das Dunkel des kleinen Taschenfernsehers in der Mitte der Brücke begann zu verschwimmen und ein riesiger Würfel wurde sichtbar, ein Würfel von imposanter Größe, der einer Waschmaschine ohne Außenverkleidung glich, ein Wirrwarr von Leitungen und Röhren, von Drähten und Datenleitungen. Der Schirm begann zu flimmern und ein Gesicht tauchte auf.
\"Wir sind die Bork! Widerstand ist zwecklos! Die technologischen und biologischen Besonderheiten unserer Rasse werden der Ihren hinzugefügt! Wir senken unsere Schilde!\"
Der Captain blätterte zum Kapitel \'Identifikation feindlicher Raumschiffe\' und siehe da, das Bild auf dem Schirm glich genau dem.. Nein! Ausgerechnet jetzt, wo die PS Modena in so desolatem Zustand war, musste er, Captain Pansi, die Welt mal wieder vor den Bork retten, ein Haufen mieser kleiner Käfer, die nichts anderes als Rinde im Kopf hatten. Erst ergaben sie sich, um anschließend alle Topfpflanzen ihres Gefängnisses zu entrinden und daraus bewusstseinserweiternde Tees zu brauen.
\"Haben wir noch Photonentorpedos?\"
\"Nein, die haben Sie gegen...\"
\"Ja, ich weiß, ich habe sie gegen ein Kinderfahrrad mit Korb und Hupe eingetauscht.\"
Pansi hasste es nämlich, zu Fuß durch die endlos langen Gänge seines Schiffes zu gehen.
\"Haben wir noch genügend Energie für die Phäser?\"
\"Ääh, nein, mein Captain. Meinen Sie nicht, es würde langen, Gewalt anzudrohen?\"
\"Fähnrich, das sind die Bork! Haben Sie Lust auf wild ejakulierende kleine Teetrinker, die die gesamte Flora dieses Schiffes zu Grunde richten?\"
\"Öhm, also, das würde doch bedeuten, dass ich nie wieder Gießdienst haben wü\" \"FÄHNRICH!\"
\"Ja, mein Captain?\"
\"Sie wissen, was Sie zu tun haben!\"
\"Ja, oh weiser Steuermann dieses Schiffes!\"
\"Dann walte er seines Amtes!\"
Mühsam erhob sich der namenlose Fähnrich aus dem Sessel. Er hasste Weltraumgefechte. Und wie er sie hasste. Widerwillig nahm er seinen Platz auf dem Laufband ein, dessen Dynamo mit der Phäserphalanx verbunden war. Wenn sich der Captain wieder in Trance ballerte, würde er sich vor lauter Muskelkater drei Wochen krank schreiben lassen können.
\"Und jetzt lauf, Du Wurm!\"
Der Captain saß bereits an der taktischen Konsole, die manuelle Bedienung für die Zielvorrichtung in der Hand. Mühsam setzte der Fähnrich seine Beine in Bewegung.
\"Sie dahinten, mit den plonten Haaren und dem plöten Blick, Ihren Namen und Ihren Rang!\"
\"Sylverl, Dikteuse des Captains!\"
\"Seit wann das denn?\"
\"Seit gestern!\"
\"Öhm, aha. Gut. Ich sollte mir abgewöhnen, solche Fragen zu stellen! Nehmen Sie die Bullenpeitsche und machen Sie dem Fähnrich Beine, ich brauche volle Leistung!\"
Die Dame nahm die Bullenpeitsche und schlug damit auf den Fähnrich ein, der, motiviert durch diese physischen Zärtlichkeiten, zur Höchstform auflief.
\"Feuer!\"
\"Feuer!\"
\"Und nochmal!\"
\"Verdammt! Daneben! Fähnrich, schneller!\"
Die Phäserstrahlen zuckten links und rechts am Würfel der Bork vorbei, ohne erkennbaren Schaden anzurichten und bewirkten heftige Kopfschmerzen bei ihrem Verursacher. Captain Pansi, noch etwas berauscht von den gegorenen Getränken des Vortages, wünschte sich seine Lieblingssonnenbrille, ein Geschenk seines Vaters, herbei. Sein Kopf dröhnte und die bunten Lichtblitze waren seinem Zustand nicht gerade zuträglich. Was sollte er tun? Mit seiner freien Hand blätterte er wieder im Notfallbüchlein. \'Verteidungstaktiken gegen Bork\'. Wieso hatte er diese Seite nicht schon früher gefunden?
\"Fähnrich?\"
\"Ja... mein... direkter... Vor.. ge.. setz.. ter..?\"
\"Er kann aufhören!\"
Der Fähnrich brach erschöpft auf dem Laufband zusammen. Der Captain glitt aus dem Sitz und brachte seine imposante Erscheinung mit einer für seine Körpergröße erstaunliche Behendigkeit zum Waffenschrank. Blitzschnell gab er seinen Sicherheitskot ein, woraufhin die Verschlussplatte zurückwich. Er riß das Insektenspray aus der Halterung, rannte auf die Brückentür zu, öffnete selbige und stürmte auf den Balkon, welcher die Brücke der PS Modena umgab.
Nachdem der zwei Meter große Würfel der Bork das Schiff bis auf wenige Zentimeter erreicht hatte, fiel dem Captain selbst in seinem alkoholgeschwängerten Zustand das Zielen nicht schwer. Mit einem Zischen entlud er den gesamten Inhalt der Spraydose in Richtung des feindlichen Objekts, welches zu einem grünen Klumpen zusammenschmolz. Nachdem der Captain seine Blase, die ihn die ganze Zeit schon gedrückt hatte, auf die Überreste des Borkwürfels entleerte, kehrte er erleichtert auf die Brücke zurück.
\"Werte Dame, Sie können jetzt aufhören, den Fähnrich zu motivieren!\"
\"Oh, Entschuldigung.\"
\"Nicht so schlimm, der Fähnrich ist Masochist. Sehen Sie den Fleck?\"
\"Oh!\"
\"Richtig!\"
Captain Pansi lehnte sich entspannt in seinem Kommandostuhl zurück, wischte sich den Sicherheitskot von den Fingern und schlürfte genüßlich am wohlverdienten Urmelpils. Wieder einmal hatte er das Plötiversum gerettet. Diese Woche fing gut an und dabei hatte er noch nicht einmal beim Pokern geschummelt.
Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt \"Captain Pansi, die Menschheit praucht Sie!\"
Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder bereits dahingerafften Personen sind gewollt und waren leider unvermeidbar. Diejenigen, die sich nun angesprochen fühlen, dürfen dies als Hommage betrachten :-)
Captain Pansi, Entdecker und Erforscher unzähliger Welten, Sieger zahlloser Weltraumgefechte, wurde neben Rheuma auch von gähnender Langeweile geplagt.
\"Mir ist nach Entdecken zumute! Fähnrich!\"
\"Ja, Captain Pansi?\"
\"Beschleunigen Sie die PS Modena auf Worbgeschwindichkeit, setzen Sie einen Kurs auf das Balsamicosystem!\"
\"Zu Befehl, Captain.\"
\"Energie!\"
Breitbeinig stand der Captain auf der Brücke, darüber sinnierend, ob er nicht lieber statt Entdecken Tischdecken sollte.
Während er so vor sich hinsinnierte, zwirbelte sich die PS Modena, das Flaggschiff der Plötflotte, mit ihrem Spaghetti-Tentakel-Antrieb durch die unendlichen Weiten des Plötiversums. Rainer Zufall (der Drehbuchautor) wollte es, dass just in diesem Moment die Warnlampen angingen und der Bordcomputer mit seiner unnachahmlichen Schlafzimmerstimme säuselte:
\"Kollisionsalarm\"
\"Unbekanntes Flugobjekt auf Kollisionskurs mit der PS Modena\"
Der Captain konnte sich zwar nicht erinnern, jemals mit einem unbekannten Flugobjekt einen Kollisionskurs besucht zu haben, aber eines hatte man ihm auf der Schule für plöte Kinder von reichen Leuten eingepleut:
\"Fass nichts an! Putz Dir die Finger und mach Deinen Hosenstall zu! Hör immer auf den Bordcomputer!\"
Diesen Ratschlag vor Augen wandte sich der Captain an den Fähnrich, welcher ihn bereits erwartungsvoll und ein bisschen ängstlich anstarrte.
\"Fähnrich?\"
\"Ja, oh mein Captain?\"
\"Fähnrich, was jetzt?\"
\"Wenn ich, oh Captain, mir einen Ratschlag erlauben darf?\"
\"So rede er!\"
\"Wir könnten das unbekannte Objekt erstmal identifizieren!\"
\"Potzblitz! Welch kühner Vorschlag! Schalte er die Langstreckensensoren ein!\"
Ängstlicher Blick des Fähnrichs.
\"Ähm, Captain... die Langstreckensensoren...\"
\"Ja, Fähnrich?\" Dem Captain schwante bereits Übles, er kannte den unterwürfigen Unterton in Fähnrichs Stimme bereits.
\"Die Langstreckensensoren sind nicht da!\"
\"Was soll das heißen, sie sind nicht da?\"
\"Die stecken doch im Whirlpool!\"
\"Whirlpool? Was soll denn das hei.. Verdammt, ich erinnere mich!\"
Vage Erinnerungen keimten in der Ödnis seines Gedächtnisses hoch. Ja, der Fähnrich hatte recht, die Langstreckensensoren steckten tatsächlich im Whirlpool. Und die Schuld lag allein bei ihm. Als die Sensoren der Whirlpoolheizung ausgefallen waren, hatte er sie eigenhändig eingebaut. Und der kleine Notizzettel, auf dem er vermerkt hatte, bei der nächsten Raumbasis neue zu besorgen, fristete sein Dasein jetzt wohl als Weltraummüll irgendwo zwischen hier und Alpha Ceti Prime. Alpha Ceti Prime. Was für ein System! Ein Paradies für gestresste Weltraumkapitäne und läufige Druckereiutensilienwiederverkäufer.
\"Captain?\"
Die Stimme des Fähnrichs riss Captain Pansi aus seinen Gedanken.
\"Was jetzt, Captain?\"
\"Funktionieren die Kurzstreckensensoren?\"
\"Ähm, Captain... die Kurzstreckensensoren...\"
\"Fähnrich, sagen Sie mir jetzt nicht, dass die Kurzstreckensensoren auch im Whirlpool stecken!\"
\"Ähm, nein, Captain.\"
\"Na, wenigstens etwas. Schalte er sie ein!\"
\"Ähm, Captain... die Kurzstreckensensoren, sie sind in der Mikrowelle!\"
\"Wie meinen Sie, in der Mikrowelle? Habe ich gestern versucht, sie zu verspeisen?\"
Verschwommen nur konnte er sich an den gestrigen Abend erinnern. Er versuchte, die Gedankenfetzen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Nach dem Abendmahl in der Offiziersmesse hatte sich der Offiziersstab zu einem kleinen Pokerspielchen im Quartier von Admiral Snyder getroffen. Und wie üblich hatte der Chefingenieur, Huxley Pubert Resellerchen, eine Flasche Jack Dooyooels dabei, nebst den üblichen vier Kästen Urpi aus dem kostbaren Geheimvorrat von Heino F., seinem Schatzmeister, der einzigen nonhumanoiden Lebensform an Bord der PS Modena.
Er konnte sich noch daran erinnern, dass sie zu viert einen armen einheimischen Monarchen, Göthi oder so ähnlich, nach allen Regeln der Kunst ausnehmen wollten, dieser jedoch so gewieft war, dass er jeden Bluff durchschaute. Er hatte fast alle Studentenkochbücher verspielt, als H.P. bemerkte, dass der König nach Strich und Faden beschiss. Das war ein großes Trara. Nachdem der König, standesgemäß geteert und gefedert, das Schiff mit leeren Taschen verließ, begann das große Gelage. Er konnte sich noch verschwommen an die niedlichen kleinen Hostessen mit den plonden Haaren und den großen T..
\"Captain?\"
\"Was ist denn nun schon wieder? Ach ja, die Kurzstreckensensoren. Was machen sie in der Mikrowelle?\"
\"Sie wollten nicht auf warmes Essen verzichten!\"
\"Ich schon wieder? Logbucheintrag: \'Der Fähnrich nimmt nie was auf seine Kappe.\'\"
\"Ähm, Captain... das Logbuch...\"
\"NEIN! NEIN! Sag nichts! Das Logbuch steckt im Fernseher!\"
Der Fähnrich hasste Montag. Der Captain war zwar kein allzu gestrenger Vorgesetzter, aber seine Zerstreutheit und seine Vergeßlichkeit waren am ersten Arbeitstag der interstellaren Woche durch die Wochenendgelage meist noch größer als sonst. Aber nicht mehr lange, und er würde die Offiziersprüfung ablegen und sein eigenes Schiff durch die Gegend steuern. Vielleicht nicht so stattlich wie die PS Modena, aber dafür ordentlich. Jawohl. Ordnung. Für die würde er sorgen. Er würde nicht wichtige Bestandteile des Elektroniksystems dafür benutzen, um die Whirlpooheizung zu reparieren. Oder die Temperaturanzeige in der Mikrowelle. Oder den Buck Rogers-Flipper im Aufenthaltsraum. Oder die Discokugel in der schiffseigenen Tanzbar. Das einzige Privatvergnügen, das er sich gönnen würde, wäre ein gynäkologischer Stuhl für aufregende Spielchen mit
\"FÄHNRICH!\"
\"Ja, mon captain?\"
\"Sie sollen mir gefälligst sagen wo Kurzstreckensensoren und Logbuch sind!\"
Der Fähnrich seufzte.
\"Die Kurzstreckensensoren dienen inzwischen als Temperaturanzeige in der Mikrowelle und das Logbuch haben Sie einer der Hostessen als Andenken an Sie mitgegeben. Handsigniert!\"
\"So? Habe ich das? Haben wir noch Ersatzteile an Bord?\"
\"Nein, die haben Sie vor zwei Wochen gegen ein ungezähmtes Leberwursttier auf Proxus III getauscht.\"
\"Verdammt! Verdammtverdammtverdammt!\"
\"Kollisionsalarm! Ein nicht identifiziertes Flugobjekt befindet sich auf direktem Kollisionskurs mit der Modena. Geschätzter Zeitraum bis zur Kollision 13 Minuten, 34 Sekunden, 60 Hunderstel und 27 Tausendstel!\"
Die wie schon erwähnt aufreizende Stimme des Bordcomputers verursachte heftige Wallungen in der Leistengegend des Captains. Jetzt galt es, besonnen zu handeln. Besonnen und überlegt. Er, Captain Pansi, würde die Situation schon unter Kontrolle bekommen. Er versuchte, sich an die Notfallsimulationen auf der Akademie zu erinnern. Er konnte noch die Worte seines Ausbilders hören: \"Ich hoffe bloß, dass Sie nie im Leben Captain werden. Und falls doch, nehmen Sie dies Buch als Geschenk!\" Das Buch! Siedendheiß fiel es ihm ein. \'Tipps und Tricks für Captains ohne Plan\' von einem gewissen F. Jott. Er trug das Buch ständig in seiner Unterbuchse, um es immer mit sich zu führen. Blitzschnell zauberte er das Buch aus den Untiefen seiner Unterwäsche hervor, verscheuchte die kleinen Käferchen mit einer Handbewegung und begann zu blättern. 25 Sätze für Notsituationen. Genau diese brauchte er. Seite 27. Ja, das sah gut aus.
\"Fähnrich?\"
Der Fähnrich, schon wieder aus den Träumereien von seinem eigenen Schiff gerissen, richtete sich mit einem Ruck auf.
\"Ja, oh Befehlshaber dieses Schiffes?\"
\"Auf den Schirm!\"
\"Sofort.\"
Das Dunkel des kleinen Taschenfernsehers in der Mitte der Brücke begann zu verschwimmen und ein riesiger Würfel wurde sichtbar, ein Würfel von imposanter Größe, der einer Waschmaschine ohne Außenverkleidung glich, ein Wirrwarr von Leitungen und Röhren, von Drähten und Datenleitungen. Der Schirm begann zu flimmern und ein Gesicht tauchte auf.
\"Wir sind die Bork! Widerstand ist zwecklos! Die technologischen und biologischen Besonderheiten unserer Rasse werden der Ihren hinzugefügt! Wir senken unsere Schilde!\"
Der Captain blätterte zum Kapitel \'Identifikation feindlicher Raumschiffe\' und siehe da, das Bild auf dem Schirm glich genau dem.. Nein! Ausgerechnet jetzt, wo die PS Modena in so desolatem Zustand war, musste er, Captain Pansi, die Welt mal wieder vor den Bork retten, ein Haufen mieser kleiner Käfer, die nichts anderes als Rinde im Kopf hatten. Erst ergaben sie sich, um anschließend alle Topfpflanzen ihres Gefängnisses zu entrinden und daraus bewusstseinserweiternde Tees zu brauen.
\"Haben wir noch Photonentorpedos?\"
\"Nein, die haben Sie gegen...\"
\"Ja, ich weiß, ich habe sie gegen ein Kinderfahrrad mit Korb und Hupe eingetauscht.\"
Pansi hasste es nämlich, zu Fuß durch die endlos langen Gänge seines Schiffes zu gehen.
\"Haben wir noch genügend Energie für die Phäser?\"
\"Ääh, nein, mein Captain. Meinen Sie nicht, es würde langen, Gewalt anzudrohen?\"
\"Fähnrich, das sind die Bork! Haben Sie Lust auf wild ejakulierende kleine Teetrinker, die die gesamte Flora dieses Schiffes zu Grunde richten?\"
\"Öhm, also, das würde doch bedeuten, dass ich nie wieder Gießdienst haben wü\" \"FÄHNRICH!\"
\"Ja, mein Captain?\"
\"Sie wissen, was Sie zu tun haben!\"
\"Ja, oh weiser Steuermann dieses Schiffes!\"
\"Dann walte er seines Amtes!\"
Mühsam erhob sich der namenlose Fähnrich aus dem Sessel. Er hasste Weltraumgefechte. Und wie er sie hasste. Widerwillig nahm er seinen Platz auf dem Laufband ein, dessen Dynamo mit der Phäserphalanx verbunden war. Wenn sich der Captain wieder in Trance ballerte, würde er sich vor lauter Muskelkater drei Wochen krank schreiben lassen können.
\"Und jetzt lauf, Du Wurm!\"
Der Captain saß bereits an der taktischen Konsole, die manuelle Bedienung für die Zielvorrichtung in der Hand. Mühsam setzte der Fähnrich seine Beine in Bewegung.
\"Sie dahinten, mit den plonten Haaren und dem plöten Blick, Ihren Namen und Ihren Rang!\"
\"Sylverl, Dikteuse des Captains!\"
\"Seit wann das denn?\"
\"Seit gestern!\"
\"Öhm, aha. Gut. Ich sollte mir abgewöhnen, solche Fragen zu stellen! Nehmen Sie die Bullenpeitsche und machen Sie dem Fähnrich Beine, ich brauche volle Leistung!\"
Die Dame nahm die Bullenpeitsche und schlug damit auf den Fähnrich ein, der, motiviert durch diese physischen Zärtlichkeiten, zur Höchstform auflief.
\"Feuer!\"
\"Feuer!\"
\"Und nochmal!\"
\"Verdammt! Daneben! Fähnrich, schneller!\"
Die Phäserstrahlen zuckten links und rechts am Würfel der Bork vorbei, ohne erkennbaren Schaden anzurichten und bewirkten heftige Kopfschmerzen bei ihrem Verursacher. Captain Pansi, noch etwas berauscht von den gegorenen Getränken des Vortages, wünschte sich seine Lieblingssonnenbrille, ein Geschenk seines Vaters, herbei. Sein Kopf dröhnte und die bunten Lichtblitze waren seinem Zustand nicht gerade zuträglich. Was sollte er tun? Mit seiner freien Hand blätterte er wieder im Notfallbüchlein. \'Verteidungstaktiken gegen Bork\'. Wieso hatte er diese Seite nicht schon früher gefunden?
\"Fähnrich?\"
\"Ja... mein... direkter... Vor.. ge.. setz.. ter..?\"
\"Er kann aufhören!\"
Der Fähnrich brach erschöpft auf dem Laufband zusammen. Der Captain glitt aus dem Sitz und brachte seine imposante Erscheinung mit einer für seine Körpergröße erstaunliche Behendigkeit zum Waffenschrank. Blitzschnell gab er seinen Sicherheitskot ein, woraufhin die Verschlussplatte zurückwich. Er riß das Insektenspray aus der Halterung, rannte auf die Brückentür zu, öffnete selbige und stürmte auf den Balkon, welcher die Brücke der PS Modena umgab.
Nachdem der zwei Meter große Würfel der Bork das Schiff bis auf wenige Zentimeter erreicht hatte, fiel dem Captain selbst in seinem alkoholgeschwängerten Zustand das Zielen nicht schwer. Mit einem Zischen entlud er den gesamten Inhalt der Spraydose in Richtung des feindlichen Objekts, welches zu einem grünen Klumpen zusammenschmolz. Nachdem der Captain seine Blase, die ihn die ganze Zeit schon gedrückt hatte, auf die Überreste des Borkwürfels entleerte, kehrte er erleichtert auf die Brücke zurück.
\"Werte Dame, Sie können jetzt aufhören, den Fähnrich zu motivieren!\"
\"Oh, Entschuldigung.\"
\"Nicht so schlimm, der Fähnrich ist Masochist. Sehen Sie den Fleck?\"
\"Oh!\"
\"Richtig!\"
Captain Pansi lehnte sich entspannt in seinem Kommandostuhl zurück, wischte sich den Sicherheitskot von den Fingern und schlürfte genüßlich am wohlverdienten Urmelpils. Wieder einmal hatte er das Plötiversum gerettet. Diese Woche fing gut an und dabei hatte er noch nicht einmal beim Pokern geschummelt.
Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt \"Captain Pansi, die Menschheit praucht Sie!\"
Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder bereits dahingerafften Personen sind gewollt und waren leider unvermeidbar. Diejenigen, die sich nun angesprochen fühlen, dürfen dies als Hommage betrachten :-)




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