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Erfahrungsbericht von dj-44

Einkaufen oder der Horror Freitags halb vier

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Jeden Freitag dasselbe. Ich will fürs Wochenende einkaufen, weil ich sonst, bedingt durch Vorlesungen und andere Zeitverschwendungen nicht dazu komme. Also fix den leeren Kasten, Wasser natürlich, nicht was ihr denkt, nicht alle Studenten saufen nur den ganzen Tag, also wie gesagt, den Kasten Wasser aus der 5. Etage, da wohn ich, zum Auto gebuckelt und losgefahren.

Kaum am Kaufland angekommen, bekomm ich schon die erste Rastung. Nimmt mir doch einer frech die Vorfahrt, um sich einen Parkplatz nahe der Eingangstür zu sichern. Bloß keinen Meter zuviel laufen. Außerdem Verkehrsregeln? Regeln? So was haben doch eh nur Frauen. Der erste Zorn ist gerade so verraucht, da kommt schon neuer. Auf dem Dach, wo der Parkplatz ist (ja, so was gibt's) , schiebt gerade ein Ehepaar mit gemütlichen 3 km/h ihren Einkaufswagen. Ist ja nicht so schlimm, aber mitten auf dem Zufahrtsweg? Hat jemand schon mal probiert, mit einem Auto 3 km/h (wenn es überhaupt soviel waren) zu fahren. Nachdem ich dann schon so nahe herangefahren bin, das deren Sahne durch die Vibration meines Motors geschlagen wurde, haben Herr und Frau Schleicher dann auch bemerkt, das da wohl etwas hinter ihnen sein muß und Platz machten. Ich krieg noch mal ne Krise. Rechtsfahrgebot gilt doch auch für Fußgänger, oder? Sind um die Uhrzeit nur solche Pfeifenköppe beim Einkaufen? Wo soll das enden?

Ich also den Kasten, immer noch leer, aus dem Auto in den Wagen gewuchtet und Richtung Tür losgezogen. Dabei musste ich noch aufpassen, das mich Herr und Frau Schleicher mit ihrem Auto nicht umgenieteten, weil sie anscheinend ihr Geschwindigkeitsmanko zu Fuß mit einem gewaltigen Geschwindigkeitsüberschuß zu Auto ausgleichen wollten. Und der alten Kadett hat doch kein Servo!

Kaum noch mal mit dem Leben davongekommen, schreite ich durch die Tür und zur Rolltreppe, denn ich muß ja vom Parkdach runter und mich behindert der Einkaufswagen beim Springen. Wieso eigentlich der Stoppmechanismus des Wagens auf der Rolltreppe nicht so 100% funktioniert, frage ich mich jedes mal, wenn ich mit einem kleinen Zwischenspurt den entfleuchten Wagen wieder zurückerobern muß.

Den Wagen hatte ich gerade wieder, da entdecke ich noch größeres Übel. Oma Hilde und Oma Gertrud der örtlichen Altersheim-Gang. Die sind jeden Freitag um diese Zeit hier und stürzen sich ins Getümmel, weil sie ja sonst keine Zeit haben. Die stehen also da und quatschen. Dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden, weil man ist ja schon alt und weiß auch nicht , ob man noch so lange lebt, um sich in ca. 1 Stunde im Seniorenheim "Rostiges Kniegelenk" alles noch mal zu erzählen. (Der war fies, ich weiß) Also, die quatschen, nur das sie dabei mit ihren Einkaufswagen und auch mit sich selbst den halben Eingang blockieren. Die restliche Hälfte wird wie selbstverständlich vom Bartwurststand überragt. Und die beiden Quasselstrippen merken nicht mal, das sie stören. Rücksicht zählte wohl vor 70 Jahren nicht zur Erziehung. Kaum am qualmenden Rost und muffig riechenden Omas vorbeigekämpft, beschleicht mich eine dumpfe Vorahnung. Wo Oma Hilde und Oma Gertrud sind, kann der Rest der Gang nicht weit sein.

Und schon sehe ich ihn auch. In Gestalt von Oma Hannelore und Opa Helmut. Helmut war im Krieg Flieger und kommt in diesem Moment auf die Idee, mit Oma Formationsflug im Einkaufswagenschieben zu proben. So richtig schön seitlich versetzt, nach hinten auch noch ein wenig Platz, Manfred von Richthofen wäre stolz gewesen. Nur daß das Zurschaustellen fliegerischen Könnens den ganzen Gang blockiert, bemerken sie nicht. Überholen ist nicht möglich, hinterlaufen aber auch nicht, denn wenn ich dies täte, wäre ich mindestens genauso alt wie die, wenn ich den Laden wieder verlassen könnte. Also mit einem "Entschuldigung" die Formation aufgelöst und in dem Markt rein. Puuuuhhhhhh, endlich geschafft.

Was wollt ich eigentlich noch mal einkaufen? Ach ja, Weintrauben. Gut, Obst ist gleich neben dem Eingang. Den Wagen mal dahin gestellt, wo er keinen stört, und zu den Stiegen gestürzt. Neben mir, bemerkte ich, als ich die Weintrauben mit Mühe in eine Tüte zwang, stand eine Frau bei den Pfirsichen und hielt ein Prachtexemplar selbiger in der Hand, drehte es etwas, beschaute es von allen Seiten. Und drückte dann ca. 5 Minuten auf die Frucht ein. Inzwischen hatte ich meine Weintrauben eingetütet und verschwand. Im Gehen sah ich noch die Frau, der Pfirsich wieder zurücklegen und sich einen neuen nehmen. Der Erste war dann doch wohl zu matschig. Na ja, nach 5 Minuten Akupressur wird selbst eine Kartoffel weich. Soll doch jemand anders sich mit der labbrigen Frucht zufrieden geben.

So, was nun? Das Wochenende steht vor der Tür, da kann ich es mir auch mit ein paar Süßigkeiten gemütlich machen. Auf zum entsprechenden Regal! Voller Tatendrang, endlich mal voranzukommen, erreichte ich die Reihe meiner Begierde. Und wurde im Tatendrang auch schon wieder gebremst! Es dauert schon eine Weile, bis man sich durch 3 versetzt stehende Wagen bis zur Schokolade durchgekämpft hat, während der Besitzer von Wagen 1 bestimmt schon seit 10 Minuten überprüft, ob in der von ihm präferierten Smartiespackung auch von jeder Farbe mindestens 5 enthalten sind. Die Besitzerin von Wagen 2 versuchte in Wohnblocklautstärke, deshalb hörte man auch mein Fluchen und den Tritt gegen den einen Wagen nicht, ihrem verzogenen Balg zu erklären, das 4 Tafeln Pokemonschokolade reichen und er die restlichen Sammelbilder das nächste mal bekommen kann. Und Besitzer von Wagen 3 war unauffindbar. Ach ja, der Gang war keine 1,50 m breit. Nach einer Klettertour, gegenüber der das Überqueren der Hindernisbahn der Bundswehr ein Sonntagsspaziergang für schwangere Frührentner ist, mußte ich mit Entsetzen feststellen, das es meine Lieblingsschokolade mal gerade wieder nicht gab. Na klasse, ein zerschundenes Schienenbein umsonst.

Milch, ich brauch Milch!! Natürlich war die Kühlregalleiste auch zugeparkt und in der einzig freien Stelle schwammen die Scherben einer abgeschmierten Milchflasche 3 Lagen Brust. Und von hinten erreicht schon das nächste Klirren meine Ohren. Ich drehe mich um, peile kurz die Lage, und als dann plötzlich jemand aus einer Regalreihe geschossen kommt, meine ich nur wissend zu mir: "Aha, Marmeladenglas, das ist lecker", währenddessen schon die ersten Flüche derjenigen, welche gerade durch die Sauerei gelatscht sind, laut werden.

Halloho, warum hauen sie ab? Das ist doch nicht normal, oder? Sie könnten doch wenigstens der netten Frau mit dem weißen Kittel da vorne Bescheid geben. Es wird ihnen keiner gleich den Kopf abreißen.

Boaa, oh ne, warum sind die Leute nur so rücksichtslos, frage ich mich, als ich schmerzhaft einen Einkaufswagen in meinen Hacken spüre. Nachdem ich 30 Sekunden wie ein Indianer auf dem Kriegspfad an der Tiefkühlwurst vorbeigehüpft bin, bekomme ich auch wieder Luft und kann die herausgepresste Entschuldigung mit einem schmerzverzerrtem "Es geht schon" quittieren und Richtung Getränke humpeln. Einen vollen Kasten in den Wagen und dann nichts wie raus hier!

An den Kassen sind um diese Zeit immer Schlangen, ich suche mir natürlich die Kürzeste aus.
Oh nein, vorn steht Oma Hilde, welche ja nur 2 Dosen Katzenfutter wollte, weswegen es bei ihr auch schneller ging. "4,78 DM" trällert ihr die Kassiererin entgegen. Oma guckt plötzlich ganz entgeistert, und nach der dritten Wiederholung weiß Oma dann auch, was die nette Tante in dem weißen Kittel will. Und da sie jetzt ja was gut zu machen hat, denkt sich Oma Hilde: "Ich zahle passend". Nur das Oma Hilde nur minimal besser sehen kann als hören. Also kippt sie den Inhalt ihrer Geldbörse aufs Fliesband.

Oh Gott, warum tust du mir das an? Was hab ich dir getan? Ich bin doch immer so lieb!

Nach 20 Minuten bin ich dann auch durch die Kasse und fix und alle. Eigentlich wollte ich ja noch mehr kaufen, aber dazu würde mir die Kraft fehlen.

Also, fassen wir zusammen: "Ich war jetzt 1 ½ Stunden einkaufen, habe Weintrauben, Milch, einen Kasten Wasser, 3 blaue Flecken am Schienenbein und mindestens eine blutige Hacke. Nicht schlecht, für einen Freitag Nachmittag.

Meine Laune konnte sich gar nicht mehr verschlechtern, als der Typ, der mir vorhin die Vorfahrt nahm, nun als er sie hatte, sie nicht wollte. Ja, rechts vor links, ist schon schwer. Als mir dann noch einfiel, das ich ja den vollen Kasten Wasser noch wieder in die 5. Etage schleppen muß, machte ich mich auf die Suche nach einem Baum für mein Auto.

---- Ende ----



Anmerkung: Leute, könnt ihr nicht ein wenig Rücksicht auf einander nehmen. Es ist doch wirklich nicht zuviel verlangt, seinen Korb nicht mit bis in die letzte Ecke des Ganges zu nehmen und selbigen damit zu blockieren. Vor dem Gang ist genug Platz, und klauen wird den Korb schon keiner. Unterhaltet auch doch bitte nicht dort, wo es am engsten ist. Und passt ein wenig auf, wohin ihr einkaufkorbt, wir sind nicht beim Autoscooter. Das tut verdammt weh! Werte Rentner, sofern dies hier welche lesen. Ihr schimpft immer auf die rücksichtslose Jugend, aber, bitte, könntet ihr eure Gespräche aus dem Eingangsbereich verlagern. Viele Einkaufsmärkte haben einen Bäcker, meist kann man sich dort auch hinsetzen und wenn man ganz viel Glück hat, gibt's dort auch Kaffee und Kuchen zu kaufen.

Es wäre schön, wenn alle mal mit offenen Augen durch die Welt laufen würden und mal auf andere achten, nicht nur auf sich selbst. Danke, das wäre lieb.

22 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Samurai0815

    07.10.2002, 00:25 Uhr von Samurai0815
    Bewertung: sehr hilfreich

    Stimmt. Eines haste noch vergessen. An der Kasse machen Oma und Opa dann noch einen auf Hektik, auf das man sie vielleicht noch vor läßt und 5 Minuten später tratschen sie mit Heinrichs von nebenan und sind auch nicht weiter. Das Ganze spie

  • MichaelW97614

    21.02.2002, 18:06 Uhr von MichaelW97614
    Bewertung: sehr hilfreich

    Na dann wünsch ich dir morgen viel Spaß! *g*