Erfahrungsbericht von mima007
Naturkatastrophen im SF-Film
Pro:
Mal einfalls- und trickreich sowie kritisch gemachte Filme
Kontra:
mal schlecht gemachte, nationalistisch-chauvnistische Filme
Empfehlung:
Nein
Katastrophen gehören schon seit langem zum Repertoire der Science Fiction. Katastrophen unterscheiden sich im Science Fiction-Film von gewöhnlichen durch das Ausmaß oder die Ursache.
In dieser Übersicht soll es nur um Katastrophen gehen, die auf natürlichen Ursachen beruhen. Es geht also nicht um vom Menschen verursachte Unglücke, obwohl dies angesichts von Umweltverschmutzung, Radioaktivität und Atomunfällen ebenfalls häufige Motive für das Hereinbrechen von Unheil sind.
Man sollte sich vor Augen halten, dass Naturkatastrophen im SF-Film immer eine Aussage haben und Gelegenheiten bieten, die Menschheit auf die Probe zu stellen. Bei einer solchen Katastrophe begehren die verschiedenen Elemente gegen die Werke und das Wirken des Menschen auf. Diese Probe werden nur diejenigen bestehen, die - wie Altvater Noah in der Bibel - entweder heldenhaften Mutes sind, über große Kraft verfügen (körperlich oder auch geistig) oder die natürlich von ihrer Rechtschaffenheit überzeugt sind. In Hollywood-Filmen überleben daher meistens Russen und Farbige selten, weiße Amerikaner aber fast immer, solange sie für das kämpfen, was die jeweilige Regierung für gut erklärt hat, beispielsweise christliche Tugenden. \"Verrückte\" Wissenschaftler jedoch müssen schon aus Prinzip immer dran glauben.
Naturkatastrophen lassen sich demnach nach den wichtigsten Elementen einteilen, die in ihnen die zentrale Rolle spielen, so etwa ein Meteor oder eine Flut. Beginnen wir mit den klassischen vier Elementen: Erde, Feuer, Wasser und Luft.
Katastrophen des Elementes ERDE
Wer jemals ein Erdbeben erlebt hat, weiß, warum dieses Phänomen in Hollywood beliebt ist: Es ruft eine Urangst hervor, und es ist meist mit enormen Schäden verbunden. Es ist weise, für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Daher entstehen die meisten Erdbebebenfilme nicht nur an der US-Westküste, hier findet das Phänomen auch mit am häufigsten statt.
1974 drehte Mark Robson mit \"Erdbeben\" einen der ersten Katastrophenfilme, die Kassenschlager wurden. Für die visuellen Spezial- und die Toneffekte erhielt der Streifen gleich zwei Oscars: Der Sensurround-Sound brachte so manche Kinosaaldecke zum Erbeben und Rieseln. Das Szenario bildet noch heute im Universal Studio Vergnügungspark in Orlando/Florida eine Touristenattraktion. Mit der damals ersten Garde der Schauspieler zeigte Hollywood, dass nur die Beherzten und Aufrechten überleben.
Nachfolgende Streifen wurden nur vom Fernsehen produziert. Dazu gehören \"Das Große Erdbeben in L.A.\" (1990), \"Erdbeben in der Bucht von San Francisco\" (1993) und schließlich \"Erdbeben in New York\" (1998).
Dass auch Japan über seinen \"Feuergürtel\" verfügt, bewies 1973 die Nippon-Produktion \"Der Untergang Japans (O-Titel: Nippon chinbotsu) von Shiro Moritani, die auf dem bekannten Roman von Sakyo Komatsu \"Wenn Japan versinkt\" beruhte. Leider waren die Effekte so lausig wie in jeder billigen \"Godzilla\"-Produktion. Immer ist festzustellen, dass das Große beben von einem Vulkanausbruch angekündigt wird. Das bringt uns zur nächsten Katastrophenart.
Vulkanausbrüche
Vulkane waren zuletzt 1997 en vogue, als gleich zwei Filme über Vulkanausbrüche ins Kino kamen. In \"Volcano\" durfte Tommy Lee Jones seine Tochter und nebenbei auch Los Angeles vor einem heißen Grab bewahren. In \"Dante\'s Peak\" rettet Pierce \"James Bond\" Brosnan als Vulkanologe eine ganze Familie vor der unerwarteten Einäscherung. Terminator-Braut Linda Hamilton macht dabei ebenfalls eine gute Figur. In diesem Streifen kombinieren die Drehbuchschreiber Feuer von oben mit Wasser von unten, um die Menschen in die Zange zu nehmen: Die Lavamassen erschüttern einen Staudamm und lassen offenbar den ansonsten idyllischen Bergfluss der Stadt zu einem reißenden Ungeheuer werden.
Katastrophen des Elementes WASSER
Überflutungen sind ein wenig schwerer in Szene zu setzen als feurige Ereignisse. Sie geben auch optisch weniger her, denn hier sind pyrotechnische Effekte nicht gefragt. Dementsprechend geringer ist die Zahl entsprechender Hollywoodproduktionen. Der Untergang von Atlantis wurde häufig dargestellt, am eindrucksvollsten 1960 von George Pal in \"Atlantis, der verlorene Kontinent\".
Wasser ist darüber hinaus ein höchst mystisches Element, das für die fruchtbringenden Aspekte der Natur steht, die man nicht ohne weiteres dämonisiert. Eine heikle Sache. Es verwundert nicht, dass Überflutungen häufig mystische Gründe verliehen werden. Dies erfolgt etwa in den Streifen \"Der Smaragdwald\" von John Boorman - Indios singen die Flut der Großen Anakonda herbei, um einen Staudamm überfluten und zerbrechen zu lassen, der ihren Lebensraum bedroht - und in dem wesentlich unheimlicheren Film \"Die letzte Flut\" des Australiers Peter Weir (1977)...
Der junge Anwalt David Burton (gespielt vom jungen Richard \"Dornenvögel\" Chamberlain) erkennt in \"Die letzte Flut\", durch seltsame Träume, dass bestimmte Aborigines sich verschworen haben, den Untergang der weißen Eindringlinge in ihr Land herbeizuführen. Dazu manipulieren sie das Element Wasser. Sydney muss zunächst Hagelstürme und schwarzen Regen ertragen. Wie Burton erfährt, kann er als Nachfahre eines uralten Volkes die finale Katastrophe mit Hilfe des zweiten Gesichts voraussehen. Doch kann er sie auch verhindern, da ihm eh niemand unter den Weißen glauben würde?
Von der ersten Minute bis zum beklemmenden Ende zeichnet sich der Film durch eine höchst suggestive atmosphärische Dichte aus, mit Bildern voll hypnotischer und magischer Kraft und überraschenden, irritierenden Situationen. Schließlich glaubt man, die Vorstellungswelt der Ureinwohner zu verstehen und die resultierende Traumlogik erklärt das folgende alptraumhafte Geschehen. \'Die letzte Flut\' ist ein sehr schöner, vielschichtiger Film. Sein Stärke ist das erste Drittel, wohingegen dem Rest des Films die Ideen ein wenig ausgehen.
Katastrophen des Elementes FEUER
Das herausragende beispiel für die filmische Darstellung eine feurigen Katastrophe ist Irwin Allens umstrittener Streifen \"Unternehmen Feuergürtel\" von 1961. Hier brennt die Luft - buchstäblich. Denn der Van-allen-Gürtel, der in 500 km Höhe die Erde von der Glut der Sonnenhitze abschirmt (und dem Ansturm von Teilchen) ist zusammengebrochen. Folglich trägt die Temperatur an der Erdoberfläche um die 75 Grad. Admiral Nelson, der Kommandant des U-Bootes \'Seaview\'\', empfiehlt der UNO das Schißen einer Atomrakete in den brenneden Luftraum. Nicht ganz ungefährlich, findet die UNO und verbietet diese Maßnahme. Nelson, schon immer ein militärischer Sturkopf, behauptet sich gegen alle Widrigkeiten und schießt. Der Volltreffer beendet das Inferno, die USA haben dem Rest der Welt mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt. Das Verhalten Nelsons ist für viele Kritiker der Stein des Anstoßes.
Katastrophen des Elementes LUFT
In William Girdlers Streifen \"Panik in der Sierra Nova\" (\'Day of the Animals\') von 1977 führt die Verwendung von zuviel Aerosol-Spray zu einer schweren Schädigung der schützenden Ozonschicht. Als Ergebnis geben wilde Tiere ihre Zurückhaltung gegenüber dem Menschen auf und attackieren unschuldige, nichts ahnende Bergwanderer. Man reagiert verwirrt und trennt sich. Zum Glück ist das Phänomen 24 Stunden später wieder vorüber, wenn auch ohne eine Erklärung zu hinterlassen - zurückbleiben allerdings eine Reihe von fotogenen Leichen. Die Schockeffekte sind also Selbstzweck, die Umweltkatastrophe dient nur als Entschuldigung dafür.
EIS
Die deutsche TV-Produktion \"Eis - wenn die Welt erfriert\" von 1998 ist ebenso stümperhaft und selbstbefriedigend inszeniert. Mit Udo Kier als Darsteller versucht sich das Drehbuch aufgrund der wissenschaftlichen Hypothese über Wasser, pardon: Eis zu halten, dass nicht die Polkappen aufgrund des Treibhauseffektes abschmelzen und wir alle ersaufen, sondern dass im Gegenteil eine neue Eiszeit droht. Es gibt Science Fiction-Romane, die diese natürliche Katastrophe wesentlich effektvoller und intelligenter inszenieren.
Katastrophen aus dem WELTRAUM
Waren 1997 die Vulkane angesagt, so fanden im Jahr darauf gleich zwei Asteroideneinschläge statt. Das Schauspiel von Kometen, die auf dem Jupiter eingeschlagen waren, könnte die Drehbuchschreiber entsprechend inspiriert haben. Es sieht aber auch optisch sehr attraktiv aus, wenn so ein Riesenbrocken die Erdoberfläche trifft, vorzugsweise unweit der amerikanische Küste.
So geschieht es in Mimi Leders Streifen \"Deep Impact\" (1998), in dem der US-Präsident (Morgan Freeman), seine loyale Nation und eine couragierte Raumschiffbesatzung (Robert Duvall & Co.) es schaffen, einen Riesenkometen in kleinere Stücke zu sprengen, die weniger Schaden anrichten. Im Gegensatz zu dem monströsen Techno-Spektakel \"Armageddon\" ist Mimi Leder eine menschlich anrührende Geschichte für die ganze Familie gelungen, die man sich zehnmal lieber ansieht - es sei, man sucht lieber Action als emotion.
Im Vergleich dazu wendet sich \"Armageddon - Das jüngste Gericht\" (1998) eindeutig an ein jüngeres Publikum, das auf Action, harte Jungs und sexy Mädchen steht. Spektakelspezialist Jerry Bruckheimer produzierte die Mär von den Ölbohrern, die im Auftrag der USA einen Riesenmeteor sprengen müssen. Der Film zeichnet sich nicht nur durch überlebensgroße Figuren aus, sondern auch durch den Overkill an technischen Mätzchen und militärischem Spielzeug wie etwa Atomraketen.
Geradezu intelligent wirkt daneben der Streifen \"Meteor\", der 1977 mit Sean Connery in der Rolle des (andauernd fluchenden) Weltretters gedreht wurde. Die friedliche Message: Wenn Amis und Russen ihre Kräfte vereinen und ihre Atomraketen nicht gegeneinander, sondern gegen eine Bedrohung von außen einsetzen, hat die Menschheit noch eine Chance. Die Kritiker bescheinigten der Produktion zwar eine konsequente Story, aber leider hanebüchene Qaulität der Spezialeffekte, die zum Teil sogar wiederholt werden.
Keine Elemente, aber doch Rebellen
Die Vögel
Die Natur besteht nicht nur aus den vier klassischen Elementen, die für Ungemach sorgen. Fauna und Flora erfüllen sie mit Leben. Jeder Liebhaber von Hitchcock-Filmen dürfte sich schon einmal über den Einfall gewundert haben, Vögel zu einer Mordwaffe zu machen. \"Die Vögel\" (1963) dürfte zu den wenigen Werken des Meisters gehören, in dem für eine derartige Naturkatastrophe Tiere ohne jede vernünftige Provokation aktiv werden, natürlich gegen Menschen. Doch die Logik des Geschehens ist nicht die der Vernunft, sondern die des Traums und der Poesie. Um dies zu verstehen, hilft uns nur weiter, die Symbolsprache des Films zu untersuchen und zu interpretieren. Dies kann hier leider nicht erfolgen; der Hinweis auf Donald Spotos Buch \"Alfred Hitchcock und seine Filme\" (Heyne 1999) muss genügen.
Die Triffids
Man sollte es nicht glauben, aber auch Pflanzen haben sich bereits in einigen Science Fiction-Filmen gegen den Menschen und seine Herrschaft verschworen. In dem britischen Streifen \"The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens\" von 1963 hat ein Meteor eine neue Art von intelligenten Pflanzen auf die Erde gebracht. (Die literarische Vorlage von 1955 stammt von dem britischen Autor John Wyndham.) Wer nicht vom Meteor geblendet worden ist, fällt diesen fleischfressenden, giftigen Aliens zum Opfer. Das Ende der Zivilisation ist gekommen, doch eine Reihe von Überlebenden vermögen sich durchzuschlagen und sich und die jeweiligen Gefährten in Sicherheit zu bringen. Doch wie lange kann man den Triffids, den Blumen des Schreckens, standhalten? Das stellt sich heraus, dass Salzwasser den Biestern den Garaus macht... - Im Gegensatz dazu hat das Buch aber kein Happy-end, und die Triffids sind das Ergebnis einer verbotenen Waffenerprobung. Da sind die Probleme also hausgemacht.
Michael Matzer (c) 2002ff
In dieser Übersicht soll es nur um Katastrophen gehen, die auf natürlichen Ursachen beruhen. Es geht also nicht um vom Menschen verursachte Unglücke, obwohl dies angesichts von Umweltverschmutzung, Radioaktivität und Atomunfällen ebenfalls häufige Motive für das Hereinbrechen von Unheil sind.
Man sollte sich vor Augen halten, dass Naturkatastrophen im SF-Film immer eine Aussage haben und Gelegenheiten bieten, die Menschheit auf die Probe zu stellen. Bei einer solchen Katastrophe begehren die verschiedenen Elemente gegen die Werke und das Wirken des Menschen auf. Diese Probe werden nur diejenigen bestehen, die - wie Altvater Noah in der Bibel - entweder heldenhaften Mutes sind, über große Kraft verfügen (körperlich oder auch geistig) oder die natürlich von ihrer Rechtschaffenheit überzeugt sind. In Hollywood-Filmen überleben daher meistens Russen und Farbige selten, weiße Amerikaner aber fast immer, solange sie für das kämpfen, was die jeweilige Regierung für gut erklärt hat, beispielsweise christliche Tugenden. \"Verrückte\" Wissenschaftler jedoch müssen schon aus Prinzip immer dran glauben.
Naturkatastrophen lassen sich demnach nach den wichtigsten Elementen einteilen, die in ihnen die zentrale Rolle spielen, so etwa ein Meteor oder eine Flut. Beginnen wir mit den klassischen vier Elementen: Erde, Feuer, Wasser und Luft.
Katastrophen des Elementes ERDE
Wer jemals ein Erdbeben erlebt hat, weiß, warum dieses Phänomen in Hollywood beliebt ist: Es ruft eine Urangst hervor, und es ist meist mit enormen Schäden verbunden. Es ist weise, für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Daher entstehen die meisten Erdbebebenfilme nicht nur an der US-Westküste, hier findet das Phänomen auch mit am häufigsten statt.
1974 drehte Mark Robson mit \"Erdbeben\" einen der ersten Katastrophenfilme, die Kassenschlager wurden. Für die visuellen Spezial- und die Toneffekte erhielt der Streifen gleich zwei Oscars: Der Sensurround-Sound brachte so manche Kinosaaldecke zum Erbeben und Rieseln. Das Szenario bildet noch heute im Universal Studio Vergnügungspark in Orlando/Florida eine Touristenattraktion. Mit der damals ersten Garde der Schauspieler zeigte Hollywood, dass nur die Beherzten und Aufrechten überleben.
Nachfolgende Streifen wurden nur vom Fernsehen produziert. Dazu gehören \"Das Große Erdbeben in L.A.\" (1990), \"Erdbeben in der Bucht von San Francisco\" (1993) und schließlich \"Erdbeben in New York\" (1998).
Dass auch Japan über seinen \"Feuergürtel\" verfügt, bewies 1973 die Nippon-Produktion \"Der Untergang Japans (O-Titel: Nippon chinbotsu) von Shiro Moritani, die auf dem bekannten Roman von Sakyo Komatsu \"Wenn Japan versinkt\" beruhte. Leider waren die Effekte so lausig wie in jeder billigen \"Godzilla\"-Produktion. Immer ist festzustellen, dass das Große beben von einem Vulkanausbruch angekündigt wird. Das bringt uns zur nächsten Katastrophenart.
Vulkanausbrüche
Vulkane waren zuletzt 1997 en vogue, als gleich zwei Filme über Vulkanausbrüche ins Kino kamen. In \"Volcano\" durfte Tommy Lee Jones seine Tochter und nebenbei auch Los Angeles vor einem heißen Grab bewahren. In \"Dante\'s Peak\" rettet Pierce \"James Bond\" Brosnan als Vulkanologe eine ganze Familie vor der unerwarteten Einäscherung. Terminator-Braut Linda Hamilton macht dabei ebenfalls eine gute Figur. In diesem Streifen kombinieren die Drehbuchschreiber Feuer von oben mit Wasser von unten, um die Menschen in die Zange zu nehmen: Die Lavamassen erschüttern einen Staudamm und lassen offenbar den ansonsten idyllischen Bergfluss der Stadt zu einem reißenden Ungeheuer werden.
Katastrophen des Elementes WASSER
Überflutungen sind ein wenig schwerer in Szene zu setzen als feurige Ereignisse. Sie geben auch optisch weniger her, denn hier sind pyrotechnische Effekte nicht gefragt. Dementsprechend geringer ist die Zahl entsprechender Hollywoodproduktionen. Der Untergang von Atlantis wurde häufig dargestellt, am eindrucksvollsten 1960 von George Pal in \"Atlantis, der verlorene Kontinent\".
Wasser ist darüber hinaus ein höchst mystisches Element, das für die fruchtbringenden Aspekte der Natur steht, die man nicht ohne weiteres dämonisiert. Eine heikle Sache. Es verwundert nicht, dass Überflutungen häufig mystische Gründe verliehen werden. Dies erfolgt etwa in den Streifen \"Der Smaragdwald\" von John Boorman - Indios singen die Flut der Großen Anakonda herbei, um einen Staudamm überfluten und zerbrechen zu lassen, der ihren Lebensraum bedroht - und in dem wesentlich unheimlicheren Film \"Die letzte Flut\" des Australiers Peter Weir (1977)...
Der junge Anwalt David Burton (gespielt vom jungen Richard \"Dornenvögel\" Chamberlain) erkennt in \"Die letzte Flut\", durch seltsame Träume, dass bestimmte Aborigines sich verschworen haben, den Untergang der weißen Eindringlinge in ihr Land herbeizuführen. Dazu manipulieren sie das Element Wasser. Sydney muss zunächst Hagelstürme und schwarzen Regen ertragen. Wie Burton erfährt, kann er als Nachfahre eines uralten Volkes die finale Katastrophe mit Hilfe des zweiten Gesichts voraussehen. Doch kann er sie auch verhindern, da ihm eh niemand unter den Weißen glauben würde?
Von der ersten Minute bis zum beklemmenden Ende zeichnet sich der Film durch eine höchst suggestive atmosphärische Dichte aus, mit Bildern voll hypnotischer und magischer Kraft und überraschenden, irritierenden Situationen. Schließlich glaubt man, die Vorstellungswelt der Ureinwohner zu verstehen und die resultierende Traumlogik erklärt das folgende alptraumhafte Geschehen. \'Die letzte Flut\' ist ein sehr schöner, vielschichtiger Film. Sein Stärke ist das erste Drittel, wohingegen dem Rest des Films die Ideen ein wenig ausgehen.
Katastrophen des Elementes FEUER
Das herausragende beispiel für die filmische Darstellung eine feurigen Katastrophe ist Irwin Allens umstrittener Streifen \"Unternehmen Feuergürtel\" von 1961. Hier brennt die Luft - buchstäblich. Denn der Van-allen-Gürtel, der in 500 km Höhe die Erde von der Glut der Sonnenhitze abschirmt (und dem Ansturm von Teilchen) ist zusammengebrochen. Folglich trägt die Temperatur an der Erdoberfläche um die 75 Grad. Admiral Nelson, der Kommandant des U-Bootes \'Seaview\'\', empfiehlt der UNO das Schißen einer Atomrakete in den brenneden Luftraum. Nicht ganz ungefährlich, findet die UNO und verbietet diese Maßnahme. Nelson, schon immer ein militärischer Sturkopf, behauptet sich gegen alle Widrigkeiten und schießt. Der Volltreffer beendet das Inferno, die USA haben dem Rest der Welt mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt. Das Verhalten Nelsons ist für viele Kritiker der Stein des Anstoßes.
Katastrophen des Elementes LUFT
In William Girdlers Streifen \"Panik in der Sierra Nova\" (\'Day of the Animals\') von 1977 führt die Verwendung von zuviel Aerosol-Spray zu einer schweren Schädigung der schützenden Ozonschicht. Als Ergebnis geben wilde Tiere ihre Zurückhaltung gegenüber dem Menschen auf und attackieren unschuldige, nichts ahnende Bergwanderer. Man reagiert verwirrt und trennt sich. Zum Glück ist das Phänomen 24 Stunden später wieder vorüber, wenn auch ohne eine Erklärung zu hinterlassen - zurückbleiben allerdings eine Reihe von fotogenen Leichen. Die Schockeffekte sind also Selbstzweck, die Umweltkatastrophe dient nur als Entschuldigung dafür.
EIS
Die deutsche TV-Produktion \"Eis - wenn die Welt erfriert\" von 1998 ist ebenso stümperhaft und selbstbefriedigend inszeniert. Mit Udo Kier als Darsteller versucht sich das Drehbuch aufgrund der wissenschaftlichen Hypothese über Wasser, pardon: Eis zu halten, dass nicht die Polkappen aufgrund des Treibhauseffektes abschmelzen und wir alle ersaufen, sondern dass im Gegenteil eine neue Eiszeit droht. Es gibt Science Fiction-Romane, die diese natürliche Katastrophe wesentlich effektvoller und intelligenter inszenieren.
Katastrophen aus dem WELTRAUM
Waren 1997 die Vulkane angesagt, so fanden im Jahr darauf gleich zwei Asteroideneinschläge statt. Das Schauspiel von Kometen, die auf dem Jupiter eingeschlagen waren, könnte die Drehbuchschreiber entsprechend inspiriert haben. Es sieht aber auch optisch sehr attraktiv aus, wenn so ein Riesenbrocken die Erdoberfläche trifft, vorzugsweise unweit der amerikanische Küste.
So geschieht es in Mimi Leders Streifen \"Deep Impact\" (1998), in dem der US-Präsident (Morgan Freeman), seine loyale Nation und eine couragierte Raumschiffbesatzung (Robert Duvall & Co.) es schaffen, einen Riesenkometen in kleinere Stücke zu sprengen, die weniger Schaden anrichten. Im Gegensatz zu dem monströsen Techno-Spektakel \"Armageddon\" ist Mimi Leder eine menschlich anrührende Geschichte für die ganze Familie gelungen, die man sich zehnmal lieber ansieht - es sei, man sucht lieber Action als emotion.
Im Vergleich dazu wendet sich \"Armageddon - Das jüngste Gericht\" (1998) eindeutig an ein jüngeres Publikum, das auf Action, harte Jungs und sexy Mädchen steht. Spektakelspezialist Jerry Bruckheimer produzierte die Mär von den Ölbohrern, die im Auftrag der USA einen Riesenmeteor sprengen müssen. Der Film zeichnet sich nicht nur durch überlebensgroße Figuren aus, sondern auch durch den Overkill an technischen Mätzchen und militärischem Spielzeug wie etwa Atomraketen.
Geradezu intelligent wirkt daneben der Streifen \"Meteor\", der 1977 mit Sean Connery in der Rolle des (andauernd fluchenden) Weltretters gedreht wurde. Die friedliche Message: Wenn Amis und Russen ihre Kräfte vereinen und ihre Atomraketen nicht gegeneinander, sondern gegen eine Bedrohung von außen einsetzen, hat die Menschheit noch eine Chance. Die Kritiker bescheinigten der Produktion zwar eine konsequente Story, aber leider hanebüchene Qaulität der Spezialeffekte, die zum Teil sogar wiederholt werden.
Keine Elemente, aber doch Rebellen
Die Vögel
Die Natur besteht nicht nur aus den vier klassischen Elementen, die für Ungemach sorgen. Fauna und Flora erfüllen sie mit Leben. Jeder Liebhaber von Hitchcock-Filmen dürfte sich schon einmal über den Einfall gewundert haben, Vögel zu einer Mordwaffe zu machen. \"Die Vögel\" (1963) dürfte zu den wenigen Werken des Meisters gehören, in dem für eine derartige Naturkatastrophe Tiere ohne jede vernünftige Provokation aktiv werden, natürlich gegen Menschen. Doch die Logik des Geschehens ist nicht die der Vernunft, sondern die des Traums und der Poesie. Um dies zu verstehen, hilft uns nur weiter, die Symbolsprache des Films zu untersuchen und zu interpretieren. Dies kann hier leider nicht erfolgen; der Hinweis auf Donald Spotos Buch \"Alfred Hitchcock und seine Filme\" (Heyne 1999) muss genügen.
Die Triffids
Man sollte es nicht glauben, aber auch Pflanzen haben sich bereits in einigen Science Fiction-Filmen gegen den Menschen und seine Herrschaft verschworen. In dem britischen Streifen \"The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens\" von 1963 hat ein Meteor eine neue Art von intelligenten Pflanzen auf die Erde gebracht. (Die literarische Vorlage von 1955 stammt von dem britischen Autor John Wyndham.) Wer nicht vom Meteor geblendet worden ist, fällt diesen fleischfressenden, giftigen Aliens zum Opfer. Das Ende der Zivilisation ist gekommen, doch eine Reihe von Überlebenden vermögen sich durchzuschlagen und sich und die jeweiligen Gefährten in Sicherheit zu bringen. Doch wie lange kann man den Triffids, den Blumen des Schreckens, standhalten? Das stellt sich heraus, dass Salzwasser den Biestern den Garaus macht... - Im Gegensatz dazu hat das Buch aber kein Happy-end, und die Triffids sind das Ergebnis einer verbotenen Waffenerprobung. Da sind die Probleme also hausgemacht.
Michael Matzer (c) 2002ff
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