Erfahrungsbericht von Corni
Und trampel es einfach tot....Gedanken zur Natur
Pro:
kostet kein Geld
Kontra:
kostet Zeit
Empfehlung:
Nein
Das Leben achten – das fängt im Kleinen kann. Nicht Du, anmaßendes Menschlein, bist die Krone der Schöpfung, es ist das Wunder LEBEN in seiner Komplexität.
Ich verachte Leute, die gedankenlos durch den Wald gehen (ach, die schöne Natur, sagen sie), hier einem Giftpilz einen Fußtritt versetzen, dort einer Ameise - sie schleppt gerade einen riesigen Halm für den Bau – den Garaus machen. Gottlob war das Laubfröschlein zu schnell, sonst wäre es wohl auch dran gewesen...
Ich hasse Leute, die beim Anblick einer Spinne zu Schlaginstrumenten oder zum Staubsauger greifen. An dieser Stelle muß ich gestehen, ich habe selbst eine Spinnenphobie; mein Bruder, der Bösewicht, schmuggelte mir, als ich gerade 2-3 Jahre alt war, ein recht fettes Spinnentier in mein Schürzentäschchen. Beim Auffinden derselben, brüllte ich minutenlang das Wohnviertel zusammen. Meine Spinnenphobie konnte ich bis jetzt nicht ganz ablegen, besonders Spinnen im Schlafzimmer lasse ich durch die Familie einsammeln und freisetzen...
Diese Spinnenphobie habe ich meinen Kindern gegenüber jahrelang erfolgreich unterdrückt und verborgen, so dass ich recht stolz war, als meine jüngste Tochter während ihres Praktikums in einer Naturkundeabteilung ein prächtiges Exemplar der Gattung Vogelspinne über ihren Arm krabbeln lies und berichtete: es ist niedlich und würde sich anfassen wie ein Hamster. Mich schauderte es von den Knöcheln aufwärts...
Was ich damit sagen möchte ist, dass man – auch wenn man so ein Krabbeltier, einen glitscherigen Frosch oder eine schwarzen Mistkäfer nicht leiden mag, kein Recht hat, ihn gedankenlos zu zertreten. (Ich spreche jetzt NICHT von Mücken, Ameisenplagen oder Schädlingsinvasionen in menschlichen Behausungen – hier geht selbstverständlich die Gesundheit des Menschen vor!)
Wie unglaublich interessant kann ein Waldspaziergang mit den Kindern sein – was da alles entdeckt wird: die Ameisenstrasse, die zu dem großen kunstvoll errichteten Ameisenhaufen führt, ein Springkraut, dessen Samenstände schon so prall sind, dass sie bei der nächsten Berührung meterweit davonspringen, ein winziger Laubfrosch, der auf den Finger genommen wird und dem verblüfften Sohnemann vorwitzig an die Nase fasst, eine borstige Raupe, die einmal ein bunter Schmetterling werden will. Wir haben sehr zeitig versucht, unseren Kindern die Liebe und Achtung zur Natur mitzugeben, bei unseren Spaziergängen kamen wir stets sehr langsam vorwärts, weil alles beguckt werden musste. Bitter enttäuscht waren alle drei, wenn von den Spiel- und Schulfreunden andere Reaktionen kamen als erwartet, teilweise waren die kleinen Kerle missionarisch tätig – durchaus mit Erfolg.
Kinder sind mit dem ganzen Herzen bei der Sache, und so erwartet die Eltern solcher naturbegeisterter Kinder auch so manche Überraschung.
Ein unvergessliches Erlebnis war die Rettung einer winzigen Maus aus dem Schnabel eines Storches auf dem Terrain der "Jungen Naturforscher", der bei den Kindern ob seiner Frechheiten nicht sonderlich beliebt war. Der Storch lies die Maus nur kurz aus dem Schnabel fallen, wo sie spontan von unseren beiden Großen an sich gerissen wurde. Der arme Storch war um eine Mahlzeit ärmer und wir um eine Maus reicher, denn dieses mickrige Mäusekind wurde mit nach Hause gebracht und sollte etwas aufgepäppelt werden, nach den Strapazen im Storchschnabel!
Die elterliche Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen. Um es kurz zu machen: die Maus genoß ein Leben in Saus und Braus mit viel Freilauf in Sohnemanns Zimmer, lies sich ausgiebig krabbeln, stellte viel Blödsinn an, wurde trotzdem heissgeliebt, verstand sich bestens mit dem Hamster und wurde stolze 7 Jahre alt (damals hatten wir noch keinen Kater).
Über die Jahre haben wir so manches Tierkind gepäppelt, allen voran Igelwinzlinge um die 300g, die den Winter bei uns verbrachten und im Frühjahr fettgefressen in den Garten entlassen wurden. Die Krönung aber war die erfolgreiche Aufzucht von 6 nestjungen ****** (verrate ich jetzt noch nicht, damit keiner oh weh schreit!), darüber berichte ich später einmal.
Die Liebe und das Interesse zur Natur haben aus unseren drei Kindern verantwortungsvolle, sensible und kritische Menschen gemacht, die dem Leben Achtung entgegenbringen.
Allen jungen Eltern empfehle ich: entdeckt mit Euren Kindern die Wunder und Geheimnisse der Natur. Laßt den Fernseher und den Videorekorder einfach mal ruhen, die Barbiepuppe und das Fernsteuerauto in der Ecke - das ist alles nicht halb so interessant, wie eine ausgiebige Entdeckungsreise durch den Park, den Wald, die Wiese. Nutzt die Zeit - auch wenn Ihr nur wenig davon habt - MIT Euren Kindern.
Baut aus Rinde und einer bunten Eichelhäherfeder ein Borkenschiffchen, sucht leckeren Bärlauch für die Butterschnitte daheim, beobachtet Kaulquappen im Tümpel - beim nächsten Besuch sind es schon Fröschchen.
Und, liebe Eltern, besorgt Euch besser einen kleinen Naturführer, damit Ihr gewappnet seid, für die Fragen Eurer Kinder. Es lohnt sich!
(c) Corni
24 Bewertungen, 5 Kommentare
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17.01.2006, 23:06 Uhr von Flute
Bewertung: sehr hilfreichIch fange auch Fliegen mit dem Glas und setzte sie raus, nur einige dicke Spinnen überleben in meinem Auftrag nicht, da niemand sie fangen kann. <br/>Lg. Dunja
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05.09.2002, 22:49 Uhr von Rioja
Bewertung: sehr hilfreichMan gut, dass auch du Mücken tot haust, ich hatte bis beinah zur Mitte ein fürchterliches Gefühl in der Magengegend
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10.06.2002, 01:10 Uhr von dreamweb
Bewertung: sehr hilfreichsehr guter Beitrag, völlig meine Meinung, Gruß Miara
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25.04.2002, 02:12 Uhr von retilein
Bewertung: sehr hilfreicheinfach einfühlsam und überzeugend geschrieben..
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23.04.2002, 12:00 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichgut geschrieben - auch wenn ich deine meinung nicht ganz teile. bei spinnen werde auch ich zu einem hysterisch kreischenden menschen dessen ziel es ist dieses tier zu beseitigen, da der ekel ( wohlwissend das eine spinne ein sehr nützliches und intell
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