Erfahrungsbericht von LoMei
Ghana 7: Am Volta-Staudamm von Akosombo
Pro:
Landschaftlich sehr schön und beeindruckend
Kontra:
Nichts bekannt
Empfehlung:
Nein
Wir gehörten zu einer Delegation der Evangelischen Kirche der Pfalz, die auf Einladung der Presbyterian Church of Ghana im Februar 1986 das Land bereisen und die Arbeit der Kirche kennen lernen sollten. Diese Kirche geht auf die Arbeit der Baseler Mission zurück und wird von den älteren Leuten auch Basel Church oder wegen der vielen überwiegend schwäbischen Missionare German Church genannt.
INHALT
1. Die Stadt Akosombo
2. Der Akosombo-Damm
3. Der Volta-Stausee
4. Fazit
DIE STADT AKOSOMBO
An einem Wochentag fuhr unsere Reiseleiterin Akua (Pfarrerin) mit uns über Tema zum Volta-Fluss und weiter nach Akosombo. Wenn man in Ghana das Wort Akosombo hört, denkt man an den Volta-Stausee, den Volta-Damm mit seinem Kraftwerk und an eine relativ neue Stadt, die Anfang der 60er Jahre des gerade vergangenen Jahrhunderts im Schnellverfahren angelegt wurde, um hier die beim Dammbau erforderlichen Arbeitskräfte unterzubringen. Die Stadt entwickelt sich langsam zu einem Touristenort. Sie ist in die sehr schönen Akwamu-Berge am Ufer des Sees eingebettet. Von hier aus ist Wandern, Schwimmen, Angeln und Bootfahren möglich. Hotels und Unterkünfte sind vorhanden. Viele Besucher haben den Wunsch, sich den Staudamm aus der Nähe anzusehen. Dafür ist eine Genehmigung der Volta River Authority erforderlich. Wir konnten einfach durchfahren, weil Akua alles rechtzeitig geregelt hatte.
DER AKOSOMBO-DAMM
Die Turbinenanlage:
Die Staumauer hat bei Akosombo eine Höhe von 134 m, ist aber relativ kurz. Der Hauptzweck des Stausees ist die Stromerzeugung. Die 6 installierten Generatoren haben eine Kapazität von zusammen 912 MW. Er wurde nach längerer Planungszeit im Jahre 1965 fertiggestellt. Wenn am Oberlauf des Volta und seiner Zuflüsse der Regen ausbleibt, fällt der Wasserstand des Sees. Das gilt auch für jede Trockenzeit. Während unseres Besuches gegen Ende der Trockenzeit waren aus diesem Grunde nur 4 Generatoren in Betrieb. Die an der Dammbasis stehenden Transformatoren wurden bei den herrschenden Temperaturen zur besseren Kühlung zusätzlich mit Wasser besprüht.
Akua brachte es fertig, uns eine Erlaubnis zur Besichtigung der Turbinen-Anlage zu besorgen. Zwei der Generatoren wurden gerade von einheimischen Fachkräften gewartet. Sie waren gerne bereit, alle unsere Fragen zu beantworten und uns auch in Bereiche hineinzuführen, die normalerweise nicht für Besucher zugänglich sind.
Wirtschaftliche Aspekte:
Bei den Verhandlungen zur Finanzierung des Projektes mit dem US-amerikanischen Konzern „Kaiser Aluminium“ machte Ghana ungewöhnliche Konzessionen. Über eine Zeitspanne von 30 Jahren wurde der in Tema angesiedelten Aluminiumhütte der billigste Strompreis der Welt garantiert. Die Verarbeitungskosten waren hier deshalb vergleichsweise konkurrenzlos. Das führte allerdings zu dem Kuriosum, daß nicht die in Ghana bei Kumasi vorhandenen Bauxitvorkommen abgebaut wurden, sondern kostengünstiger gefördertes Bauxit aus Brasilien per Schiff angeliefert wurde. Uns wurde berichtet, „Kaiser Aluminium“ sei der größte Stromabnehmer des Akosombo-Wasserkraftwerkes. Nur was in der Aluminiumhütte nicht gebraucht wurde, konnte in das ghanaische Überlandnetz eingespeist werden. Davon wurde ein Teil devisenbringend nach Togo und Benin und im Westen in die Elfenbeinküste abgegeben. Eine Hochspannungsleitung nach Nordghana ist vorgesehen, war aber während unserer Reise nicht realisiert.
Die Staatsvilla am Staudamm:
Am östlichen Voltaufer liegt in den Bergen eine modern anmutende Villa. Wir hörten, es sei eine Staatsvilla. Hier hat der erste ghanaische Präsident Kwame Nkrumah öfter gewohnt. Das Haus ist eine Unterkunft für Staatsgäste. Akua hatte von irgendwoher die Erlaubnis erhalten, auf der Terrasse unser mitgebrachtes Mittagessen einzunehmen. Von hier oben hatte man einen wunderschönen Blick auf den Damm mit seinen verschiedenen Gebäuden, über ein Stück des Sees mit den ihn einrahmenden Bergen und in der anderen Richtung auf den Unterlauf des Volta. Vor den Fenstern der Villa hingen dichte Vorhänge. Man konnte nicht hineinsehen. Das brauchten wir auch nicht. Die Umgebung war viel interessanter. Die Berge waren jetzt am Ende der Trockenzeit braungefärbt. Die Sonne hatte alles Grün gründlich weggebrannt. Nur unten am Voltafluß waren die Uferstreifen saftig grün. Wir hörten, dort gäbe es auch Krokodile.
DER VOLTA-STAUSEE
Nutzung des Sees:
Der Volta-Stausee ist, was die Wasserfläche betrifft, der größte künstliche See der Erde. Wenn man das gestaute Wasservolumen betrachtet, ist er nach Kariba-, Bratsk- und Assuan-Staudamm der viertgrößte. Die Wasserfläche hat eine Größe von 8514 qkm. Die Uferlänge liegt bei 7200 km. Die Anlegebrücken für die Schiffahrt auf dem See waren anfangs für einen einigermaßen konstanten Wasserstand konzipiert. Die Schwankungen zwischen Regen- und Trockenzeit wurden unterschätzt. Die Schiffer hatten es anfangs nicht immer leicht sich dem jeweiligen Wasserstand anzupassen. Der Fischreichtum ist groß und bildet eine willkommene Ergänzung des Nahrungsangebotes.
Ökologische Veränderungen durch den See:
In der Bauphase wurden im Voltabecken großangelegte Umsiedlungsaktionen durchgeführt. Das ging nicht immer ganz reibungslos. In allen Umsiedlerorten kann man von den alten Bauern den folgenden Kommentar hören: „Seit der See da ist, regnet es weniger. Das bewirkt der Zorn der Ahnen, weil wir das Land unserer Väter aufgegeben haben und uns auf die Hochfläche umsiedeln ließen.“ Zu den Nebenwirkungen des Dammbaus gehört auch die unerwartet rasche Ausbreitung von zwei bedrohlichen Krankheiten: Flußblindheit (Onchocerciasis) und der Wurmkrankheit Bilharziose (Schistosomiasis).
FAZIT
Die großen Staudämme der Dritten Welt sind ins Gerede gekommen. Nicht alle „Nebenwirkungen“ auf bevölkerungspolitischem und ökologischen Gebiet wurden und werden von Anfang an richtig eingeschätzt. Der bei Akosombo errichtete Damm hat uns sehr beeindruckt. Er ist auf der einen Seite ein Segen für das Land und seine Entwicklung und bringt auf der anderen Seite Probleme, die erst in der Zukunft gelöst werden müssen. Wir waren unseren Gastgebern dankbar, daß wir den Damm besuchen und so viele Informationen erhalten konnten. Wer nach Ghana reist, sollte sich diesen Staudamm mit dem riesigen See unbedingt ansehen und vielleicht eine Bootsfahrt über den See einplanen. Detaillierte Informationen finden sich in dem Peter Meyer Reiseführer Ghana von Jojo Cobinah aus dem Jahr 1993.
INHALT
1. Die Stadt Akosombo
2. Der Akosombo-Damm
3. Der Volta-Stausee
4. Fazit
DIE STADT AKOSOMBO
An einem Wochentag fuhr unsere Reiseleiterin Akua (Pfarrerin) mit uns über Tema zum Volta-Fluss und weiter nach Akosombo. Wenn man in Ghana das Wort Akosombo hört, denkt man an den Volta-Stausee, den Volta-Damm mit seinem Kraftwerk und an eine relativ neue Stadt, die Anfang der 60er Jahre des gerade vergangenen Jahrhunderts im Schnellverfahren angelegt wurde, um hier die beim Dammbau erforderlichen Arbeitskräfte unterzubringen. Die Stadt entwickelt sich langsam zu einem Touristenort. Sie ist in die sehr schönen Akwamu-Berge am Ufer des Sees eingebettet. Von hier aus ist Wandern, Schwimmen, Angeln und Bootfahren möglich. Hotels und Unterkünfte sind vorhanden. Viele Besucher haben den Wunsch, sich den Staudamm aus der Nähe anzusehen. Dafür ist eine Genehmigung der Volta River Authority erforderlich. Wir konnten einfach durchfahren, weil Akua alles rechtzeitig geregelt hatte.
DER AKOSOMBO-DAMM
Die Turbinenanlage:
Die Staumauer hat bei Akosombo eine Höhe von 134 m, ist aber relativ kurz. Der Hauptzweck des Stausees ist die Stromerzeugung. Die 6 installierten Generatoren haben eine Kapazität von zusammen 912 MW. Er wurde nach längerer Planungszeit im Jahre 1965 fertiggestellt. Wenn am Oberlauf des Volta und seiner Zuflüsse der Regen ausbleibt, fällt der Wasserstand des Sees. Das gilt auch für jede Trockenzeit. Während unseres Besuches gegen Ende der Trockenzeit waren aus diesem Grunde nur 4 Generatoren in Betrieb. Die an der Dammbasis stehenden Transformatoren wurden bei den herrschenden Temperaturen zur besseren Kühlung zusätzlich mit Wasser besprüht.
Akua brachte es fertig, uns eine Erlaubnis zur Besichtigung der Turbinen-Anlage zu besorgen. Zwei der Generatoren wurden gerade von einheimischen Fachkräften gewartet. Sie waren gerne bereit, alle unsere Fragen zu beantworten und uns auch in Bereiche hineinzuführen, die normalerweise nicht für Besucher zugänglich sind.
Wirtschaftliche Aspekte:
Bei den Verhandlungen zur Finanzierung des Projektes mit dem US-amerikanischen Konzern „Kaiser Aluminium“ machte Ghana ungewöhnliche Konzessionen. Über eine Zeitspanne von 30 Jahren wurde der in Tema angesiedelten Aluminiumhütte der billigste Strompreis der Welt garantiert. Die Verarbeitungskosten waren hier deshalb vergleichsweise konkurrenzlos. Das führte allerdings zu dem Kuriosum, daß nicht die in Ghana bei Kumasi vorhandenen Bauxitvorkommen abgebaut wurden, sondern kostengünstiger gefördertes Bauxit aus Brasilien per Schiff angeliefert wurde. Uns wurde berichtet, „Kaiser Aluminium“ sei der größte Stromabnehmer des Akosombo-Wasserkraftwerkes. Nur was in der Aluminiumhütte nicht gebraucht wurde, konnte in das ghanaische Überlandnetz eingespeist werden. Davon wurde ein Teil devisenbringend nach Togo und Benin und im Westen in die Elfenbeinküste abgegeben. Eine Hochspannungsleitung nach Nordghana ist vorgesehen, war aber während unserer Reise nicht realisiert.
Die Staatsvilla am Staudamm:
Am östlichen Voltaufer liegt in den Bergen eine modern anmutende Villa. Wir hörten, es sei eine Staatsvilla. Hier hat der erste ghanaische Präsident Kwame Nkrumah öfter gewohnt. Das Haus ist eine Unterkunft für Staatsgäste. Akua hatte von irgendwoher die Erlaubnis erhalten, auf der Terrasse unser mitgebrachtes Mittagessen einzunehmen. Von hier oben hatte man einen wunderschönen Blick auf den Damm mit seinen verschiedenen Gebäuden, über ein Stück des Sees mit den ihn einrahmenden Bergen und in der anderen Richtung auf den Unterlauf des Volta. Vor den Fenstern der Villa hingen dichte Vorhänge. Man konnte nicht hineinsehen. Das brauchten wir auch nicht. Die Umgebung war viel interessanter. Die Berge waren jetzt am Ende der Trockenzeit braungefärbt. Die Sonne hatte alles Grün gründlich weggebrannt. Nur unten am Voltafluß waren die Uferstreifen saftig grün. Wir hörten, dort gäbe es auch Krokodile.
DER VOLTA-STAUSEE
Nutzung des Sees:
Der Volta-Stausee ist, was die Wasserfläche betrifft, der größte künstliche See der Erde. Wenn man das gestaute Wasservolumen betrachtet, ist er nach Kariba-, Bratsk- und Assuan-Staudamm der viertgrößte. Die Wasserfläche hat eine Größe von 8514 qkm. Die Uferlänge liegt bei 7200 km. Die Anlegebrücken für die Schiffahrt auf dem See waren anfangs für einen einigermaßen konstanten Wasserstand konzipiert. Die Schwankungen zwischen Regen- und Trockenzeit wurden unterschätzt. Die Schiffer hatten es anfangs nicht immer leicht sich dem jeweiligen Wasserstand anzupassen. Der Fischreichtum ist groß und bildet eine willkommene Ergänzung des Nahrungsangebotes.
Ökologische Veränderungen durch den See:
In der Bauphase wurden im Voltabecken großangelegte Umsiedlungsaktionen durchgeführt. Das ging nicht immer ganz reibungslos. In allen Umsiedlerorten kann man von den alten Bauern den folgenden Kommentar hören: „Seit der See da ist, regnet es weniger. Das bewirkt der Zorn der Ahnen, weil wir das Land unserer Väter aufgegeben haben und uns auf die Hochfläche umsiedeln ließen.“ Zu den Nebenwirkungen des Dammbaus gehört auch die unerwartet rasche Ausbreitung von zwei bedrohlichen Krankheiten: Flußblindheit (Onchocerciasis) und der Wurmkrankheit Bilharziose (Schistosomiasis).
FAZIT
Die großen Staudämme der Dritten Welt sind ins Gerede gekommen. Nicht alle „Nebenwirkungen“ auf bevölkerungspolitischem und ökologischen Gebiet wurden und werden von Anfang an richtig eingeschätzt. Der bei Akosombo errichtete Damm hat uns sehr beeindruckt. Er ist auf der einen Seite ein Segen für das Land und seine Entwicklung und bringt auf der anderen Seite Probleme, die erst in der Zukunft gelöst werden müssen. Wir waren unseren Gastgebern dankbar, daß wir den Damm besuchen und so viele Informationen erhalten konnten. Wer nach Ghana reist, sollte sich diesen Staudamm mit dem riesigen See unbedingt ansehen und vielleicht eine Bootsfahrt über den See einplanen. Detaillierte Informationen finden sich in dem Peter Meyer Reiseführer Ghana von Jojo Cobinah aus dem Jahr 1993.




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