Über Themen mit Z Testbericht

ab 59,07
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von tobi.birkner

Meine Erfahrungen mit dem Zivildienst.

Pro:

gutes Arbeitsklima, lockerer Job

Kontra:

Die Jungs an sich haben schon etas brutal nervendes und können auch mal richtig ausrasten

Empfehlung:

Nein

Am Anfang jedes Zivildienstes steht natürlich immer die obligatorische Musterung, es empfiehlt sich dort auch zu erscheinen und gleich seine Verweigerung mitzubringen. Wer will, schreibt mir einfach ein Gb- Eintrag, dem werde ich dann einen Vorschlag, wie man eine Verweigerung richtig schreibt per E-Mail zukommenlassen.
Natürlich sollte diese Verweigerung und vor allem die Begründung nicht wortwörtlich übernehmen, da auch der Bund, oder das Bundesamt für Zivildienst die Begründungen auf Authenzität überprüft.
Wer seine Verweigerung bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig hat, dem empfehle ich sie direkt ans Bundesamt für Zivildienst und nicht an das Kreiswehrersatzamt zu schicken, die Bearbeitungszeit ist dann wesentlich geringer.

Ist dieser Schritt getan und man ist nicht untauglich hießt es einige Wochen zu warten, bis die Anerkennung auf Wehrdienstverweigerung per Post kommt.
Dann ist es an der Zeit sich eine geeignete Zivildienststelle zu suchen, in meinem Fall war das recht schwierig, weil mein Vater Geschäftsführer der größten sozialen Einrichtung am Ort ist und ich dort deswegen natürlich meinen Dienst nicht ableisten konnte, der Verdacht auf Vetterleswirtschaft wäre unweigerlich aufgekommen.
Dann machte ich mich auf die Suche:
einige Vorgaben waren allerdings gegeben:
· Ich wollte meinen Dienst am liebsten zusammen mit Kindern oder Jugendlichen ableisten und auf keinen Fall im Altenheim. Genauso wenig wollte ich meinen Dienst bei extrem pflegebedürftigen Menschen ableisten, da mir damals der Gedanke anderen Leuten \"den Arsch zu putzen\" einfach zuwider war.
· Das Essensgeld sollte auf jeden Fall zu einem Teil ausbezahlt werden, damit der Lohn wenigstens nicht allzu gering ausfallen würde. Das würde ich übrigens jedem empfehlen vorher zu fragen, sonst liegt eurer Lohn nämlich weit unter 300 Euro im Monat.
· Und natürlich sollte such das Arbeitsklima stimmen, deshalb wollte ich mir die angebotenen auf jeden Fall je mindestens einen halben Tag anschauen.

Nach längerer erfolgloser Suche, meistens mit den oberen Vorraussetzungen zusammenhängend, brachte mich ein Freund auf eine Idee. Er hatte von einem Heim für gehörlose Kinder Jugendliche und junge Erwachsenen gehört. Also meinen Vater gefragt und der gab mir dann die Antwort dass das Heim eine Außenstelle der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn sei. Diese Stiftung kümmert sich vor allem um sinnesbehinderte Menschen, also Blinde und Gehörlose.
Dann hatte ich die Adresse in Erfahrung gebracht und der Zufall wollte es, dass das Heim nur ca.3 Autominuten von meiner Wohnstätte lag.
Dann rief ich dort an und vereinbarte mit meinem jetzigen Chef einen Termin zur Hospitation, da ich zu der Zeit berteits mit Abi fertig war, gab das überhaupt kein Problem.
Naja dann erschien ich dort halt einfach mal, mein Chef hatte mich so eingeladen dass ich zum Fußballspielen auf dem Heimeigenen Platz kam. Dort angekommen wurde ich von den Jugendlichen gleich freudig empfangen, ich hatte leider zwar überhaupt keine Kommunikationsmöglichkeit, da sich die Gehörlosen in Gebärdensprache unterhalten, zu der deutsche Normalbürger keinen Zugang hat.
Das Fußballspielen war toll, auch weil die Jungs genauso wie ich keine Vollprofis waren.
Nach meiner Hospitation, die übrigens noch das anschließende Abendessen und ein sehr informatives Gespräch mit meinem Vorgängerzivi einschloss war ich mir relativ sicher dass ich dort arbeiten wollte, das einzige Problem aus meiner damaligen Sich war die Kommunikation, weil ich erst die deutsche Gebärdensprache erlernen musste.
Also schrieb ich meine Bewerbung und wurde natürlich auch gleich genommen

Nun komme ich zu meinen Erfahrungen während meiner Arbeitszeit, die übrigens noch bis nächsten Dienstag dauert und ich wirklich einigermaßen froh bin sie gut überstanden zu haben. Was mein Vorgänger mir nämlich indem Gespräch verschwiegen hatte waren die schlechten Seiten dieses Jobs.
Der besteht nämlich nicht nur aus Fußballspielen, einkaufen, in die Stadt laufen, zum Arzt gehen usw. sondern auch aus der intensiven Spezialbetreuung der einzelnen Jugendlichen.
Die Jugendlichen sind nämlich nicht nur gehörlos sondern zum großen Teil auch noch schwer verhaltensgestört bzw. an der Grenze zu psychischen Krankheiten.

Jetzt jedoch etwas mehr zu meinem Arbeitsbereich:
Ich wurde in einer Wohngruppe mit 6 Jugendlichen zwischen 12 und 20 eingesetzt. Die Jungs wohnen dauerhaft im Heim und fahren mit wenigen Ausnahmen auch nicht am Wochenende oder in der Schulferien heim.
Auf der Gruppe arbeiten neben mir noch 2 Jugend- und Heimerzieher, 2 Erzieherinnen eine Heilerziehungspflegerin, ein Hep- Schüler und eine Praktikantin. Allein an diesem Personalstand lässt sich schon der Betreuungsaufwand erahnen, schließlich muss ein Teil, um genau zu sein zwei Brüder rund um die Uhr \"bewacht\" werden.
Wenn ich meine Stelle kurz beschreiben müsste würde ich sagen, \"Spiel und Sportanimateur im offenen Vollzug\".
Durch die Verhaltensstörungen brauchen wenigstens drei der Jungs aber ständige Betreuung und es kann auch sein dass sie ihre Aggressionen auf uns \"Erzieher verlagern und man dann mal eine übergebraten bekommt. Insofern war der Job mit Sicherheit auch stressig, weil man den zwei Brüdern ständig hinterherlaufen muss um zu schauen was sie machen.
Das kleinste Problem war wirklich die Gebärdensprache, nach einem Monat konnte ich ohne Kurs mit den Jungs kommunizieren und jetzt am Ende meiner Dienstzeit beherrsche ich sie fast fließend, natürlich mit kleinen Mängeln in der Grammatik und im Wortschatz, außerdem kann ich natürlich nur so gut gebärden wie die Jungs auch, und die sind zum Teil keine wirklich großen Leuchten.
Im großen und Ganzen würde ich aber sagen ich habe diese 10 Monate dauernde Zeit auf keinen Fall bereut, da ich ein ausgezeichnetes Arbeitsklima vorgefunden habe, die Jungs zum großen Teil auch erträglich waren, mittlerweile sogar alle meine Autorität akzeptiert haben und ich meistens wirklich Saß hatte mit den Gehörlosen zu arbeiten.

21 Bewertungen, 2 Kommentare

  • LeaofRafiki

    10.06.2002, 02:32 Uhr von LeaofRafiki
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hut ab! LiebeNgruß, Lea

  • LaMagra

    05.06.2002, 13:37 Uhr von LaMagra
    Bewertung: sehr hilfreich

    super Bericht! Sehr guter Stil!