VW Polo Testbericht

Vw-polo
Schicker-tueroeffner-in-chromoptik-bei-den-fensterhebern-ist-handarbeit-gefragtNach-143-000-km-ist-die-schaltmanschette-kaum-abgewetztDie-blaue-instrumentenbeleuchtung-sieht-cool-ausRecht-schlichte-aber-hervorragend-ablesbare-instrumente
Abbildung beispielhaft
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  sehr gut
  • Fahrkomfort:  gut
  • Platzangebot:  großzügig
  • Zuverlässigkeit:  sehr gut

Erfahrungsbericht von koeter1097

Als 1.6er DIE Empfehlung

4
  • Fahreigenschaften:  gut
  • Fahrkomfort:  gut
  • Platzangebot:  durchschnittlich
  • Zuverlässigkeit:  sehr gut
  • Besitzen Sie das Produkt?:  nein
  • Dauer des Besitzes & der Nutzung:  länger als 1 Jahr

Pro:

Motor, Fahreigenschaften, Qualität

Kontra:

Preis, Verbrauch

Empfehlung:

Ja

1. Modellgeschichte

Der VW Polo III (interne Typenbezeichnung: 6N) erschien Ende 1994. Nach VW-Lesart handelt es sich als um das Modelljahr 1995 (MJ 95). Er war anfangs nur mir folgenden Benzinmotoren erhältlich:

1,0 – 45 PS
1,3 – 55 PS
1,6 – 75 PS

Im Dezember erschien dann bereits der Diesel als 1,9 D – 64 PS.

1,4 – 60 PS ersetzt 1,3 – 55 PS (MJ 96)
1,0 – 50 PS ersetzt 1,0 – 45 PS (MJ 97)
1,9 SDI – 64 PS erhältlich (MJ 97), also ein Direkteinspritzer, aber ohne Turbolader
1,4 - 100 PS erhältlich (MJ 97)
1,6 – 120 PS erhältlich (MJ 99), nur GTI

Das Modelljahr 2000 brachte ein umfangreiches Facelift mit sich. Erkennbar ist dies an der überarbeiteten Front mit etwas tiefer gezogener Motorhaube, neuen Stoßfängern vorn und hinten sowie einem neuen Armaturenbrett, das die grundsätzliche Architektur des Lupo übernimmt.

Nach den Werksferien 2002 erscheint die Ablösung in Gestalt des POLO IV.

2. Unser Polo

Im Oktober 1997 entscheiden wir uns für einen Polo in dunkelblau-metallic, 2 Türen, 1,6 Liter – 75 PS, Ausstattungsvariante „Sportline“. Diese Ausstattungslinie umfasst die sogenannten großen Stoßfänger, die Front und Heck „bis unten“ abdecken (bei den kleinen sieht man noch Blech), weiße Blinker vorn, getönte Heckleuchten, Sportsitze, Kopfstützen hinten. Außerdem gab’s noch Doppelairbags, das war’s dann.

Wer nun das seit dem MJ 97 serienmäßige ABS vermisst, hat gut aufgepasst und verdient eine Erklärung: Es handelte sich bei unserem Exemplar um einen EU-Import aus den Niederlanden. Wir hätten ABS als Extra ordern können, so wie wir’s bei den Airbags getan haben, haben auf darauf verzichtet.

Ein weiterer und letzter Unterschied zur deutschen Version, der sich leider mittels Extra-Liste nicht korrigieren ließ: 175/65 R 13 H- statt 185/55 R 14 H-Bereifung, natürlich auch ohne die meines Erachtens sehr gelungenen Radabdeckungen der Sportline-Ausstattung.

Kostenpunkt damals: 20.300 DM zzgl. Erstzulassung.

3. Erfahrungen

Es handelt sich beim Polo um einen modernen Kleinwagen mit durchschnittlichem Platzangebot. Demnach gibt’s vorne auch für Große nichts zu meckern, zumal sich beide Sportsitze auch in der Höhe verstellen lassen. Hinten ist die Bewegungsfreiheit naturgemäß etwas eingeschränkt, der Sitzkomfort als solcher aber dank langer Beinauflage und straffer Polsterung ausgesprochen gut.

Auch von den Sportsitzen haben wir uns überragenden Komfort erwartet, zumal die Fachpresse bei der Bewertung der VW-üblichen Sportsitze nie mit Lob gespart hat. Wir haben die Sitze nicht in ganz so guter Erinnerung.

Zwar sind sie angenehm straff gepolstert und verfügen über ebenso angenehme Stoffe, die seitlichen Wülste drücken aber unangenehm an den Oberschenkeln. Nach einigen Stunden Fahrt schlafen dann schon mal gern die Beine ein. Die Rückenlehne endet bei mir noch unterhalb der Schultern, die Kopfstütze lässt sich noch so eben weit genug herausziehen. Ich bin übrigens 1,79 m groß und wiege 75 kg.

Der Kofferraum hat eine kleinwagenüblich Größe, die für den Wochenendeinkauf reicht. Der Kofferraum ist allerdings ungewöhnlich hoch, so dass zwei Bierkästen übereinander reinpassen, ohne die Ablage zu entfernen. Hinter der Stoßstange geht’s erst mal ca. 30 cm richtig abwärts, unangenehm, wenn schwere Ladung zu verstauen ist (40 kg Mörtelsäcke – super).

Die Rücksitze unserer Version waren 1/3 zu 2/3 geteilt umklappbar, bei einem VW der 90er noch immer nicht selbstverständlich. Wird alles umgelegt, ist der mehrwöchige Campingurlaub gesichert.

Die Bedienung gibt keine Rätsel auf, alles ist übersichtlich und samt Kupplung/Schaltung leicht zu bedienen. Nachdem wir das 2000er Modelljahr gesehen hatten, waren wir über unseren „alten“ Innenraum sehr glücklich, aber so was ist ja Geschmackssache. (Für die Historiker: Das MJ 1998 hatte bereits überarbeitete Instrumente mit außenliegendem Tacho und Drehzahlmesser, oben dazwischen dann Tank- und Temperaturanzeige, so wie es bis heute bei VW/Audi üblich ist).

Die Karosserie gefiel mit guter und klapperfreier Verarbeitung, die riesigen Türen des Zweitürers schließen mit etwas billigem Klang, Motor- und Kofferraumhaube hören sich schon recht erwachsen an.

Das Fahrwerk ist für Kleinwagenmaßstäbe sehr komfortabel, dank Servolenkung dennoch sehr handlich. Die bei unserem Exemplar montierte Bereifung (s. „unser Polo“) stößt hier aber an ihre Grenzen. Wer’s schon mal gerne flotter angehen lässt, sollte auf breitere Bereifung achten oder ggf. umrüsten. In diesem Zusammenhang fällt unangenehm auf, dass VW beim Polo auf ungewöhnliche Zwischenformate setzt, die nicht jeder Hersteller im Angebot hat und die dann recht teuer ausfallen (welches Auto hat schon 195/45x15? Hier ist doch wohl 195/50x15 üblich).

Nun zu meinem Lieblingsthema, dem Motor unseres Polo. Der 1,6er mit 75 PS wurde mit dem MJ 2000 von einer 1,4-Liter Version gleicher Leistung abgelöst, die noch heute in Polo und Golf zu finden ist. Schade drum!

Dieser 1,6-Liter ist ausschließlich im Polo 6N zu finden und basiert auf der „kleinen“ VW-Motorenfamilie. Er hat nichts mit dem 1,6er zu tun, der noch im Golf III verbaut wurde!

Es handelt sich hier um eine ausgesprochen langhubig ausgelegte Maschine mit all den daraus resultierenden Vor- und Nachteilen, insbesondere Durchzugsstärke und etwas rauer Lauf.

Der Polo ist damit wirklich üppig motorisiert. Er beschleunigt kraftvoll aus niedrigsten Drehzahlen und lässt sich im 5. Gang durch die Innenstadt bewegen. Er verleiht dem ganzen Gefährt ein äußerst souveränes Fahrgefühl, nicht ganz so kraftvoll wie die modernen TDIs, aber auch ohne deren Anfahrschwäche. Das niedrige Drehzahlniveau (4.000 Touren entsprechen Tacho 160) verspricht ganz nebenbei noch eine lange Lebensdauer.

Nachteile: nicht sehr drehfreudig und bei hohen Drehzahlen etwas brummig, recht hoher Verbrauch zwischen 7 – 8,5 Liter Super bleifrei.

4. Kosten

Ein Polo war damals von der A-Klasse abgesehen die teuerste Möglichkeit, ein kleines Auto zu fahren, mittlerweile kann man ja schon für einen Mini richtig abkohlen.

Bei uns hat’s der EU-Import etwas gemildert, der Wiederverkauf nach 3 Jahren und 60.000 km hat noch 12.500 DM gebracht, mithin ein Verlust von unter 8.000 DM. Ich denke, der Polo hat damit seinen Ruf als wertstabiles Auto gerechtfertigt.

Die Kosten für Steuer und Versicherung sind klassenüblich, für diese Version sind (noch) keine GTI-Zuschläge zu entrichten.

Der Verbrauch ist nicht wirklich günstig, er lässt sich auch durch die hochwertige und daher recht schwere Karosserie allein nicht rechtfertigen. Zumindest das kann Opel besser!

Dafür sind Ersatzteile recht günstig, die größeren Sachen sind auch als Austauschteile lieferbar. Eine günstige VW-Markenwerkstatt habe ich leider noch nicht gefunden, ich lasse inzwischen die Freien schrauben.

5. Fazit

Wer ein kleines Auto mit „großen“ Eigenschaften wie Komfort, gutem Fahrwerk und eben souveräner Motorisierung sucht, kommt an dieser Kombination kaum vorbei. Beim Gebrauchtkauf auf die 1,6er Motorisierung achten!

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