Veranstaltungen Testbericht

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Erfahrungsbericht von topfmops

Arsch huh - Zäng ussenander

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„selten hab' ich so viel geballtes faschistisches gedankengut, nein gedankenschlecht, auf einem misthaufen gesehen; wenn das die vorherrschende meinung ist, wird es wieder zeit zum auswandern.“

Dies war mein Kommentar zu einem "Bericht" von PatriciaP bei ciao.de in der Kategorie 'Wenn ich Politiker/in wäre' mit dem Titel 'Mein 10-Punkte-Plan', der von Mitstreitern abwechselnd als 'gequirlter Mist' oder sehr euphemistisch mit 'xenophob' bezeichnet wurde.
Aber lest dieses Elaborat selbst und macht euch den Titel dieser CD zu eigen:

Beugt euch vor, nehmt den Hintern hoch, die Zähne auseinander, damit ihr bequem kotzen könnt.

Dieser Bericht und der immer und ewig währende Kampf gegen den braunen Sumpf und die damit bewiesene Dummheit, meine Liebe zur Rockmusik und zur selbst gewählten Heimat und Lieblingsstadt Köln waren der Anlass zu diesem Bericht

Diese CD "Arsch huh - Zäng ussenander", was ich mal übersetzen möchte mit 'gerade machen - raus schreien', ist ein leuchtendes Beispiel für den immerwährenden Kampf gegen Rassismus und Neonazis, denn der braune Schoss ist fruchtbar noch und ebenso furchtbar.
Eine der beteiligten Gruppen 'Die Höhner' brachten es mit einem kleinen Liedchen, dessen Refrain ich zitieren möchte, auf den Punkt (in abgeschwächtem Dialekt für die Nicht-Kölner):

'ech bönn ene kleene mann,
un' hann se nemm'r all op d'r pann,
ävver e' deel hann ech joot kapeet:
möt de bruune funke wöt net meet mascheet'
(ich bin ein kleiner Mann,
und nicht sonderlich klug,
aber eine Sache hab' sogar ich kapiert,
mit den braunen Funken wird nicht mitmarschiert)

Die 'Funken' waren Stadtsoldaten und sind heutzutage Karnevalstruppen, die es in nahezu allen Farben gibt: blau, rot, grün, weiß, gelb, seit dem CSD (Christopher-Street-Day) auch in rosa und pink, aber in braun: unvorstellbar!!!!

Am 9. November 1992 kamen auf dem Chlodwigplatz über 100.000 Kölner zu einem Konzert zusammen. Sie haben ein Zeichen gesetzt:
Gegen Rassismus + Neonazis, so der Untertitel der CD.
Wir hatten mit 12.000 bis 15.000 gerechnet und wären bei 20.000 mit stolzgeschwellter Brust in die umliegenden Kneipen der Südstadt gezogen., aber dann kamen 100.000!!
Hunderttausend Bürger, die aufstanden gegen den brauen Mob, der in anderen Städten Asylantenheime anzündete und sich mit vollbepisster Hose und Hitlergruß fotografieren ließ, ein Bild, das leider um die Welt ging und auf das ich oft in anderen Staaten angesprochen wurde.
Ich sage bewusst nicht 'Ausland', denn jeder in Deutschland ist nach längstens 3 Stunden Autofahrt Ausländer und das Leben als Ausländer kann nur der beurteilen, der selber Ausländer ist oder als solcher gelebt und gearbeitet hat.

Aufgetreten ist alles, was in Köln Rang und Namen hat und das sind jede Menge hervorragende Künstler, hier in alphabetischer Reihenfolge genannt, damit erst gar nicht auch nur der Hauch einer Rangfolge entsteht.
Eine Kölner Besonderheit sollte noch erwähnt werden:
Die Bands sind alle untereinander befreundet und leihen sich auch ihre Frontleute gegenseitig aus, entweder aus Spaß an der Freud oder weil Not am Mann ist, denn um die unvergessene Trude Herr zu zitieren:
"Das mit der Heiterkeit nehmen wir ernst!"

Anke Schweitzer,

BAP,

Black Fööss,

Brings, und zwar Vater Rolli und seine Söhne,

Höhner,

Jürgen Becker, der Kabarettist und Mitbegründer der 'Stunksitzung',

L.S.E., Rolf Lammers, Arno Steffen und Tommy Engel, der ehemalige Frontmann der Black Fööss,

Nick Nikitakis, der kölsche Grieche, der musikalische 'Vater von’s Janze',

“The Piano has been drinking“ mit Gerd Köster, der kölsche Tom Waits und der 'Rock'n Roller-Himself' Frank Hocker,

Triviatas, 1. schwuler Männerchor Köln,

Viva La Diva, Marion Radtke,

Willi Millowitsch, der von Sami Orfgen auf die Bühne geleitet wurde,

Zeltinger Band

und viele andere mehr, die sich alle gegen den braunen Mob wehrten und sich mit Asylanten solidarisierten und natürlich die 100.000 Kölner Bürger, wobei jetzt auch alle aus den umliegenden Dörfern wie Bergisch Gladbach, Bergheim und Berg Karabach den Ehrentitel 'Kölner' zu Recht tragen.

Die Musik ist - bis auf wenige Ausnahmen - gute, alte, harte 'hand-made-rock'n- roll-music'.
Alles spielt und singt und klampft durcheinander und miteinander und manchmal sind bis zu vier verschiedene und dennoch komplette Bands auf der Bühne.
Mit zwei Ausnahmen:
Als Willi Millowitsch mit schon arg zittriger Stimme ein Zuckmayer-Stück deklamierte:
Aus seinen Memoiren 'Als wär's ein Stück von mir', in dem Zuckmayer seiner eigenen Herkunft gedenkt und an all die Völkerscharen erinnert, die den Rhein herauf und herunter gezogen sind und letztendlich in Köln sesshaft wurden.

Da verstummten die 100.000 und man konnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.
Und beim Schlusslied, das 'Triviatas' in Verbindung mit einem Kölner Schulchor vorbehalten war:
Die Kinderhymne von 1949 zur Musik von Joseph Haydn mit dem Text von Bertolt Brecht, den ich zitieren möchte:

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Dass die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andren Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andren Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das liebste mag's uns scheinen
so wie andren Völkern ihrs.

Was ein Text von Bertolt Brecht zu einer Melodie von Joseph Haydn, gesungen von einem schwulen Männer- und einem jugendlichen Schulchor auf einem Rock-Konzert zu suchen??
Auf einem anderen großen Rock-Konzert zerlegte einer der größten Gitarristen aller Zeiten - Jimi Hendrix - die us-amerikanische Nationalhymne.
Lest es euch noch mal durch und summt dazu die Melodie des Deutschlandliedes.
Die Gebrechlichen unter uns werden sich erinnern, dass es ernstzunehmende Bestrebungen gab, diesen Text zu dieser Melodie als Nationalhymne zu nehmen, ehe dann doch die dritte Strophe und die Becher-Hymne per Dekret in den jeweiligen Landesteilen durchgesetzt wurden.

Das mir ehelich anvertraute Weib meint zwar: "Das ist eine einzige musikalische Pampe!" und das ist teilweise richtig, denn es ist kein einheitlicher, musikalischer Stil zu erkennen und auch nicht gewollt.
Das ist bei über einem Dutzend - sehr eigenständiger - Bands auch schwierig, die mit- und durcheinander spielen.
Dennoch sind hier die Künstler, die Köln und diese Aktion vertreten, kongenial zu nennen, allerdings mit einer Ausnahme.
Zur Abschwächung des weiblichen Urteils sei noch daran erinnert, dass sie auch ein Fan der 'Beatles' war, ehe sie mich kennen lernte und zu wahrer Rockmusik bekehrt wurde.
Im Winter 192/93 wurde auch in anderen Städten - Hamburg, Frankfurt, München und Hannover - ähnliches versucht. Es blieb bei dem Versuch, dieser Erfolg wurde nie wieder erreicht.
Diese CD hat einen ungeheuren Nachteil: Sie ist viel zu kurz !!

Solidarität und Toleranz dürfen nicht allein in Sonntagsreden gefordert werden.
Dieses Konzert hat gezeigt, dass man mehr erreichen kann.
Alle wollten mitmachen und haben mitgemacht.
Deshalb: Schließt euch an und bildet ein dichtes Netz gegen Intoleranz und Rassismus!!

Diese CD vereinigt die Stücke der ersten Arsch huh-CD mit Live-Mitschnitten des Konzerts. Alle Erlöse der Künstler und Autoren werden der AG Arsch huh zur Verfügung gestellt, die weitere Aktionen plant.

Zu beziehen ist diese CD u.a. über www.jpc.de für 9,99 Euro, manchmal wird sie bei Ebay angeboten oder direkt bei der

AG Arsch huh
c/o SÜDBÜRO
Ubierring 9
5000 Köln 1
Tel.: 0221 - 31 20 14
Fax: 0221 - 32 21 37
und
CHLODWIG MUSIK
Luxemburgerstr. 42
5000 Köln 1
Tel.: 0221 - 23 4165-7
Fax: 0221 - 23 93 64

Ich habe als Beteiligter weder für CD, Audio-Kassette, Video noch DVD etwas ausgegeben, außer jeder Menge unbezahlter Arbeit.

topfmops, der auch auf anderen Plattformen und in etlichen Tageszeitungen zu Gange ist, bedankt sich fürs Lesen und Bewerten und freut sich auf viele lesenswerte Kommentare.

62 Bewertungen, 14 Kommentare

  • luxusklasse1

    23.10.2006, 08:44 Uhr von luxusklasse1
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + lg

  • sandraberg

    15.10.2006, 18:22 Uhr von sandraberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    hab endlich wieder mal zeit die infomails hier abzuarbeiten und finde deinen bericht echt toll - naja, wie immer eben ;-) lieben gruß u schönen sonntag noch. sandra

  • anonym

    09.10.2006, 23:36 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • energie3

    09.10.2006, 19:50 Uhr von energie3
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß Dani

  • Ibizagirl1977

    09.10.2006, 14:29 Uhr von Ibizagirl1977
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg sonja

  • anonym

    09.10.2006, 11:45 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß ‹(•¿•)› Marianne

  • Baby1

    09.10.2006, 00:46 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anita

  • snoopy202

    09.10.2006, 00:05 Uhr von snoopy202
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und lg. Udo

  • morla

    08.10.2006, 20:45 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • moddy

    08.10.2006, 18:12 Uhr von moddy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessant ! Gruß Moddy

  • anonym

    08.10.2006, 17:31 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • junior33

    08.10.2006, 16:50 Uhr von junior33
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und liebe Grüße, Ingo !

  • Gozo-Bernie

    08.10.2006, 16:49 Uhr von Gozo-Bernie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruss aus Catania - bernie

  • swissflyer

    08.10.2006, 16:34 Uhr von swissflyer
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr aufschlussreich. Und ich muss sagen, Du hast schon recht! Aber was ist man, wenn man sich in seinem EIGENEN Land nicht mehr wohl fühlt? Sich dort noch NIE wohl gefühlt hat? Weisst Du wie schlimm das ist, wenn man sich in seinem Land selber wie ein &qu