Violator - Depeche Mode Testbericht

Violator-depeche-mode
ab 9,07
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von ewka78

Der Beginn einer Affäre (die immer noch andauert)

Pro:

Ein grandioses Album, was nie langweilig wird

Kontra:

Gar nichts

Empfehlung:

Ja

Manche werfen mir auch schon manchmal vor, im Tiefsten doch ein bisschen ein Mode zu sein, doch Depeche Mode ist aber eine Band, der ich schon vor sehr langer Zeit verfallen bin und auch währt diese Vorliebe am längsten von allen Bands, die ich überhaupt kenne - und das sind schon verdammt viele :) An Tonträgern gibt\'s auch nichts, was ich nicht sammeln würde - und hier bin ich besonders stolz darauf einige Single- und Maxi-Single-Auskopplungen aus den Achzigern zu haben, von denen es viele gar nicht mehr zu kaufen gibt. Tja, irgendwann entwickelte es sich einfach so, dass ich alles haben wollte, was es tonträgermässig zu haben gibt, und besonders klasse finde ich dabei immer, dass auf den Depeche Mode - Singles es teilweise richtig gute Songs als B-Side gepresst wurden und diese Titel eben nur da sind - das ist auch wahrscheinlich auch der einzige Grund, warum ich überhaupt hier Singles kaufe.

Depeche Mode ist klar - Synth Pop der feinsten Art - oft kopiert, nie erreicht. Jedes Album hat seinen eigenen Charakter und zeichnet auch eine gewisse Phase in der Bandgeschichte. Anfangs sehr geprägt durch den poppigen Sound von Vincent Clark, der die Band 1982 verlassen hatte und sich eigenen Projekten zuwidmete. Erst Yazoo und dann später Erasure - erst vor ein paar Monaten ist eine neue Scheibe erschienen, denn auch Erasure ist nicht tot zu kriegen. Später wurde der Sound durch das Songwriting von Martin L. Gore etwas dunkler und kalter - und immer wieder fanden sich hier Perlen wie der Song \'Shake The Desease\' - bis heute einer meiner Lieblingstitel. Depeche Mode kamen aber auch ein bisschen in die Jahre, wie auch das letzte Album \'Exciter\' beweist. Die Musik hat nur relativ wenig mit dem Synth Pop der Achziger zu tun, sie ist nachdenklicher und manchmal auch etwas gewöhnungsbedürftig geworden, selbst für jemandem, der alles schon von Depeche Mode kennt. An \'Exciter\' kann ich mich nämlich auch nach 2 Jahren (ja, so alt ist die Scheibe schon) nicht wirklich gewöhnen. Es sind vielmehr die älteren Platten, die ich vorziehe, allen voran die \'Some Great Reward\' und \'Violator\', auf die ich auch hier genauer eingehen möchte.

\'Violator\' war eigentlich mein Einstieg in die Depeche Mode Musik gewesen. Zwar waren mir einige der früheren Titel bekannt, aber ich war einfach zu dem Zeitpunkt noch zu jung gewesen, um da irgendwie überhaupt hinein zu kommen. Damals aber gefiel mir schon die vorab Singleauskopplung \'Personal Jesus\' und dann auch noch durch mysteriöse Umstände bin ich richtig reingekommen. \'Violator\' war auch somit eigentlich meine erste Platte, die ich mir wirklich sehr bewusst gekauft habe und auch die einzige aus dieser Zeit, die ich heute über 12 Jahre später immer noch gelegentlich hören kann. Die Vinylplatte liegt allerdings heute im Keller, denn mangels eines Plattenspielers kaufte ich mir die auch auf CD. Kein grosser Verlust auch - denn auch wenn ich eigentlich Vinylliebhaber bin und je zerkratzer und be-rauschender die Platten sind, desto besser gefällt es mir - bei dieser Platte hingegen aber vermisse ich es nicht.

Allgemein ist das Album eher ruhig bis ziemlich düster, auch gewisse Anspielungen gibt es hier, die erst aber Jahre später nicht mehr dementiert wurden. Die Platte ist eigentlich so ein kleiner Stilbruch, denn wenn man noch von dem \'101\' Live-Album absieht, ist das das erste Album nach dreijähriger Pause gewesen, wo noch die Fans bis 1987 jedes Jahr mit einem Album beglückt wurden. Im Vergleich zu den Vorgängern war das Album weniger poppig, enthielt aber dafür Songs, die klangmässig einfach nur anders waren als alles andere zu damaliger Zeit - eben typisch Depeche Mode.

#01 - World in my eyes [4:26]
\'Let me take you on a trip...\'

Ich glaube, diesen Song kennt jeder, eine etwas seltsame Begleitung, sehr elektronisch und eigentlich doch recht rhythmisch. Das Lied macht mich irgendwie jedes Mal ein bisschen hippelig, liegt wohl daran, dass es doch ein bisschen unkoordiniert klingt.

Am 17.09.1990 erschien es als Single - zusammen mit den Stücken Happiest Girl und Sea of Sin. Allerdings kann ich zu den beiden Songs nichts sagen, weil ich die Single nicht habe.

#02 - Sweetest perfection [4:43]
\'... reaches so deeply...\'

Samtig weich schwingt sich dieser Song in die Ohren der Hörer, diese Melodie hat es einfach in sich... yeah, ich liebe diesen Song! Mag sein, dass er einigen Leuten ein bisschen monoton vorkommen würde, weil er bietet etwas wenig Abwechslung, aber mir gefällt er.

#03 - Personal Jesus [4:56]
\'Reach out and touch faith!\'

Ich glaube, wenn ich meine Lieblingssongs aller Zeiten küren sollte, dann wäre dieser Song sicherlich dabei. Noch heute, wenn es mich überfällt, dann kann ich den Song immer wieder auf Repeat hören mit voll aufgedrehtem Bass, damit ich ihn nicht nur höre, sondern auch spüre.

Hier wird der Elektrohammer der feinsten Sorte herausgeholt - ein Song ohne eigentliche Melodie, es gibt kaum eine richtige Begleitung, sondern nur dumpfen Beat und die vom Echo unterlegenen Vocals von Dave. Ein Song, den es einfach in der Art nie vorher und niemals danach gab - es ist noch nicht mal eine bestimmte Musikrichtung, es ist einfach nur Depeche Mode.

Auf der B-Side der Single, die am 29.08.1989 erschien befindet sich der Song \'Dangerous\' - ein sehr passender Song, denn auch sehr rhythmisch, allerdings auch etwas melodiöser.

#04 - Halo [4:30]
\'Can\'t you see - all love\'s luxuries - are here for you and me\'

Der Song ist wieder Elektro pur, aber es hat einfach alles, eine angenehme Melodie, mal gibt es Tiefen, mal Höhen, mal klingt es ziemlich pathetisch, mal lebhaft. Es hört sich einfach nur richtig rund und ausgereift an. Wahrscheinlich auch eines der angenehmsten Lieder von Depeche Mode überhaupt.

#05 - Waiting for the night [6:07]
\'I\'m waiting for the night to fall...\'

Für die einen ist das einer der schönsten Lovesongs, für mich eher ein richtiger Sommertitel, wenn man sperrweit das Fenster aufmacht, das Zimmer vom roten Licht der untergehenden Sonne durchflutet wird und man sitzt nur da, trinkt Tee, schaut dem Spektakel zu und wartet bis die Sonne untergeht und die Nacht einbricht. Schöne Bilder gehen dann einem durch den Kopf bei einer Musik, die leichter hätte nicht sein können. Man hat einfach das Gefühl, als würde es tief in einen eindringen und man würde mit der Musik mitschweben ...

#06 - Enjoy the silence [6:12]
\'Word are very unnecessary...\'

Ich glaube, so einige erinnern sich noch an das Video dazu - ein Mann geht durch Berge bekleidet mit einem roten Umhang, auf dem Kopf eine Krone und mit einer Liege, bis er an einem Berggipfel ankommt, seine Liege ausspannt und die Ruhe geniesst.

\'Enjoy the Silence\' ist eigentlich gar nicht ruhig, ist eher ein Song, der sehr gern auf Depeche Mode - Parties gespielt wird, und auch manchmal in einigen Clubs, die eher alte Disco-Klassiker spielen. Doch irgendwie ist das Stück sehr leicht, ziemlich melodiös und sehr poppig und hat durch seine Melodie einen ziemlich hohen Ohrwurmfaktor. Auf dem Album folgt dann auf den Song selbst noch eine ca. einminütige instrumentalle Sequence, die wahrscheinlich die Ruhe unterstreichen soll und die dann fast nahtlos in das nächste Stück übergeht.

Dieser Song war die zweite und die erfolgreichste Singleauskopplung aus diesem Album, er erschien zusammen mit dem Song \'Mephisto\', einem Instrumentalstück, der ziemlich unter die Haut geht.

#07 - Policy of truth [4:55]
\'... and tell what you have to tell...\'

Die dritte Single auf diesem Album ist ein richtig angenehmes Elektrostück. Es klingt ein wenig düster, hat aber einen sehr angenehmen, aber etwas monotonen, Rhythmus, zu dem man aber nach einer kurzen Weile mitwippt. Es ist aber auch eines meiner Lieblingssongs von Depeche Mode, weil es einfach so typisch ist, aber wiederum doch anders, wie eigentlich aber doch das meiste von denen :)

#08 - Blue dress [5:42]
\'Put it on - please don\'t question why\'

Ich glaube, das ist das seltsamste Stück, was ich je gehört habe - und es ist auch eines der wenigen Stücke, mit denen ich gar nichts anfangen kann und ich kann auch nach 12 Jahren keinen Draht dazu finden. Viele Songs von Depeche Mode sind vielleicht etwas monoton, aber dieses ist einfach zu monoton - es ist nämlich ein ziemlich elektronisches und langsames Stück, aber alles in einem gibt\'s viel zu wenig Abwechslung. Im Anschluss kommt aber wieder ein kleines Synthie-Intermezzo, was wieder nahtlos in das nächste Stück übergeht und es heisst:

#09 - Clean [5:28]
\'Now that\'s I\'m clean - you know what I mean\'

Auch wenn dieser Song darauf schon damals angedeutet hat, was etwa 2-3 Jahre später die Welt erfahren sollte, allein schon durch seinen recht düsteren Charakter, ist es dennoch einer meiner Lieblingstitel.

Klar und durchdringend ist der Song, er kommt ohne viele klangliche Spielereien aus, im Vordergrund hört man eigentlich nur einen markanten Beat und die Stimme von Dave. Er ist ziemlich düster, kommt stimmungsmässig ziemlich gut an das Album \'Ultra\' heran, von dem ich immer gern sage, noch nie hörten sich Depeche Mode so dunkel an - aber alles, was danach kam, ist auch schon Geschichte - wenn auch nicht unbedingt eine besonders rühmliche.

Fazit:
\'Violator\' war sicherlich bis heute die bekannteste und auch vielleicht die beste Scheibe von Depeche Mode, wobei ich allerdings immer ein bisschen davon Abstand nehmen würde bei Depeche Mode von schlechten oder guten Alben zu reden, denn wie ich schon oben erwähnte, hat einfach jedes Album seine Eigenart, die es zu etwas besonderem macht. Depeche Mode Alben kann man auch eigentlich nur empfehlen, wobei dabei scheiden sich einfach die Geister, entweder man mag sie oder man mag sie halt nicht - sie ist allerdings für mich nicht nur eine besondere Scheibe, sondern gehört auch noch zu meinen ewigen Lieblingsalben und ich werde sie wahrscheinlich auch in 20 Jahren genauso gut finden, wie vor über 12 Jahren.






©ewka - 09.05.2003 

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