Wir waren Helden (DVD) Testbericht
Erfahrungsbericht von mima007
Wir waren Götter - und unsere Frauen Engel
Pro:
gute Darsteller, gute Inszenierung, erstklassiger Sound, gutes Bild, umfangreiche Extras auf Bonus-Disc
Kontra:
glorifizierend, stilisierend, nicht unbedingt *anti-krieg-film*
Empfehlung:
Ja
Der Film schildert das erste ernsthafte Aufeinandertreffen US-amerikanischer Truppen und der nordvietnamesischen Volksarmee (NVA) im November 1965 sowie dessen Folgen für die Angehörigen der amerikanischen und der vietnamesischen (!) Soldaten.
Filminfos
O-Titel: We were soldiers (USA); DVD: 2003
FSK: ab 16 (gekürzte dt. Kinofassung)
Länge: 114 Min. ohne 7 Min. Abspann
Regisseur/ Drehbuch/ Produzent: Randall Wallace
Musik: Nick Glennie-Smith; zudem ein schottisches Soldatenlied mit dem Titel \"Sgt. MacKenzie\", geschrieben und vorgetragen von Joseph Rizza Kilna MacKenzie
Darsteller:
Mel Gibson: Lt. Col. Harold Moore
Sam Elliott: Sgt. Major Plumley
Greg Kinnear: Major Bruce Crandall
Chris Klein: Lt. Jack Geoghehan (sprich: \'gägn oder \'gejgn)
Keri Russell: Barbara Geoghehan
Madeleine Stowe: Mrs. Julie Moore
Barry Pepper: Joe Galloway, Kriegsreporter für UPI
u.a.
Handlung
Der Beginn des Vietnam-Krieges: Die 7. US-Luftlandedivision unter Lt. Colonel Harold \'Hal\' Moore (Gibson) erhält im November 1965 den Auftrag, in das Tal von Ia Drang vorzustoßen und dort die nordvietnamesischen Truppen (NVA) zu \"eliminieren\". Moore war bis jetzt in der Fallschirmspringerausbildung tätig und verfolgt ein ungewöhnliches Führungsprinzip: Entgegen der klassischen Offiziershaltung, die auf Distanz zu den Mannschaftsdienstgraden achtet, fordert er keine Leistungen, die er nicht auch selbst tun würde. Diese Quasi-Verbrüderung kommt bei seinen Soldaten extrem gut an und fördert die Loyalität. Außerdem gilt bei ihm wie bei den Marines: \"Leave no man behind\". Das soll sich als verhängnisvoll erweisen.
Die 395 US-Soldaten werden per Helikopter in ein Hochlandtal transportiert, das bereits einen berüchtigten Namen trägt: In Ia Drang wurden 1954 französische Kolonialtruppen von der NVA massakriert. Moore ahnt nicht, dass er es mit dem gleichen General An zu tun hat, der damals die Franzosen niedermachte. Aber er hat das Massaker studiert und kennt das Gelände. Seinen 400 Leuten stehen an die 2000 Vietcong einer altgedienten Elitetruppe gegenüber, die sich in den Bergen in einem Tunnelsystem verschanzt haben und sich jederzeit über die kambodschanische Grenze zurückziehen können.
Binnen weniger Stunden ist Moores Truppe eingekesselt, die ersten Kompanien sind abgeschnitten, er selbst hat seinen Befehlsstand an einem Termitenhügel aufgeschlagen. Als die Luftkavallerie der Helikopter nicht mehr landen kann, um Männer und Munition zu bringen, erbittet Moore Luftangriffe. Die Napalmbomben sind absolut verheerend, aber leider trifft es nicht nur den Gegener, sondern auch die eigenen Leute. Beim Versuch, abgeschnittene Soldaten gemäß \"Leave no man behind\" zu retten, kommen weitere Soldaten ums Leben. Selbst der Kriegsreporter Galloway (Pepper) muss die Knarre in die Hand nehmen, um zu überleben.
Als sich der Gegner geschlagen zurückzieht, sind 1800 Vietcong tot, aber offiziell \"nur\" 40 US-Soldaten. Moore hatte noch weitere 235 Tage in Vietnam zu kämpfen. Die Armeeführung, so zeigt eine geschnittene Szene, beherzigte seine Warnungen nicht. Der Krieg dauerte noch weitere sieben Jahre und kostete Zehntausende von jungen Amerikanern (damals galt Wehrpflicht) das Leben, von den zerstörten Familien zu Hause ganz zu schweigen.
Mein Eindruck: der Film
Die Macher
Randall Wallace, der Drehbuchautor und Regisseur dieses Films, war schon für den OSCAR-prämiierten \"Braveheart\" verantwortlich. Wahrscheinlich wollte er diesen Erfolg wiederholen, aber einen ehrlichen Film über den Vietnamkrieg drehen. Er stützte sich auf eine literarische Vorlage, den Roman \"We were soldiers once... and young\" von Lt. General Harold G. Moore und dem Journalisten Joseph L. Galloway; sie berieten die Crew und die darsteller.
Galloway war Kriegsreporter für die Agentur UPI und, wie er Moore in einer Szene erzählt, reichen die Wurzeln seiner Familie bis zum US-Bürgerkrieg zurück. Er versteht es als seine Mission, den \"Menschen daheim zu helfen, den Vietnamkrieg zu verstehen\". Leider verhallte sein Wunsch in Hollywood relativ ungehört, denn wie er und Moore klagen (in der Presse und im Making.of), habe es bislang keinen Spielfilm gegeben, der die Tätigkeit der Soldaten in Vietnam angemessen realistisch dargestellt habe - bis zu \"We were soldiers\". Es ist fraglich, ob dem Regisseur Wallace diese naturalistische Schilderung wirklich gelungen ist. Das Making-of versucht dies jedenfalls von Anfang bis Ende zu beweisen.
Die Opfer
Zum einen bemühen sich das Drehbuch und die nicht entfallenen Szenen darum klarzumachen, dass diese Soldaten nicht auf Heldentum geeicht waren, sondern einfache Angestellte waren, die sich bemühten, ihren Auftrag zu erfüllen. Diese Angestellten haben in der Regel bereits eine Freundin oder Ehefrau, Moore als Offizier kann sich bereits ein eigenes Haus und mehrere Kinder leisten. Sein Kamerad Lt. Geoghegan (Chris Klein aus \"American Pie\") ist noch nicht soweit, aber das erste Baby ist unterwegs. Ehefrau Barbara (K. Russell) ist ebenso glücklich darüber wie er. Geoghegan fällt im Kampf - nur eine kleine Nebenhandlung, aber nicht unwichtig für die Botschaft, um die es Wallace geht: \"Soldaten sind menschliche Wesen, sie sind Ehemänner mit Gattinnen, sie sind Brüder, Väter usw.\" In den entfallenen Szenen sieht man die Soldaten mit ihren Kumpeln quatschen und in der Kirche mit ihren Angehörigen beten. Das soziale Umfeld ist hier viel deutlicher herausgearbeitet als in der Kinofassung.
Die Engel
Die Kampfhandlungen im Tal von Ia Drang werden kontrastiert mit ihren direkten Folgen: Eine nach der anderen erhalten die Familien der Gefallenen ein kurzes Telegramm mit der Todesnachricht. Allerdings nicht mit einem offiziellen Armeefahrzeug, sondern mit einem kostengünstigen anonymen Taxi, das gleich wieder wegfährt. Eine psychologische Betreuung fehlt völlig.
Nachdem sie angesichts eines Telegramms vor Angst schier durchgedreht ist, übernimmt Julie Moore, als Frau Oberst quasi die Ranghöchste im Soldatendorf, die schwere Aufgabe, zusammen mit Mrs. Geoghehan die Telegramme zuzustellen. Die Reaktionen auf die Todesnachricht fallen ebenso deutlich wie unterschiedlich aus. Eine Witwe etwa weigert sich rundweg, die Nachricht zur Kenntnis zu nehmen. Erst als die beiden Botschafterinnen des Todes sie in den Arm nehmen, bricht sie unter der Erkenntnis zusammen.
Engel ist das deutsche Wort für das griechische Wort \'angelos\', das im Wort \'evangelion/evangelium\' vorkommt, welches \'gute Nachricht\' bedeutet. \'angelos\' bedeutet also nichts anderes als Nachrichtenüberbringer. Julie Moore und Barbara Geoghehan sind in diesem Sinne zwei Engel, die Botschaften von der Heeresverwaltung zu überbringen haben, der höheren Instanz. Mit dem Unterschied, dass sie diese Aufgabe aus freiem Willen übernommen haben.
Die Götter
Ihre Ehemänner hingegen haben keine andere Wahl: Sie haben ihren Job zu erledigen. Während jedoch die meisten Männer fallen oder verwundet werden, bekommen Hal Moore und sein Sergeant Major keinen einzigen Kratzer ab. Sie sind offenbar unverwundbar wie Götter. Dies ist eine unrealistische Stilisierung seitens des Regisseurs, die nur auf Unglauben stoßen kann.
Verstärkt wird diese Emporhebung noch durch die Befehlsgewalt, die es Moore erlaubt, seine meist gesichtslosen Feinde durch einen Hilferuf um Luftangriffe zu vernichten. Wie göttliche Donnerkeile rasen die Napalmbomben auf die Vietcong zu und lassen alle in Flammen aufgehen. Diese Bomben kommen im Film aus dem Computer (aber das Feuer ist echt): Sie sind in jedem Detail und in Zeitlupe zu sehen. Das stilisiert sie selbst zu Darstellern empor, denen eine entscheidende Rolle zukommt. Man möchte wie Bruce Crandall einfach nur kotzen. Insbesondere dann, als diese Bomben auch noch die eigenen Reihen treffen. Dumm gelaufen - oder \"Kollateralschäden\"?
Nachhall
Während der Reporter Galloway wie einst Ishmael in \"Moby Dick\" einer der Überlebenden ist, um der Welt darüber zu berichten, so macht sich Hal Moore weniger Gedanken darum, was aus dieser Schlacht werden könnte. Er sorgt sich eher um seine Männer, die er als seine Brüder betrachtet, und um seine Familie daheim.
Insofern ist er keineswegs mit Leonidas zu vergleichen, dem antiken Feldherrn aus Sparta, der in der Schlacht am Pass der Thermopylen versuchte, die Invasionsarmee der Perser aufzuhalten. Der Hexameter \"Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl\" trifft auf Hal Moore weniger zu. Von der Tatsache mal ganz abgesehen, dass Moore lebendig und mit 350 Männern wieder von Ia Drang zurückkehrte, quasi siegreich, denn der Gegner ist abgezogen.
Die DVDs der Special Edition
Technische Infos:
Bildformate: 2,35:1, 16:9
Tonformate: DTS, DD 5.1, DD 2.0
Sprachen: D
Untertitel: D
Extras auf der Bonus-CD
- Regiekommentar nur bei den entfallenen Szenen
- 10 entfallene Szenen, kommentiert
- Making-of (25:30 Min.)
- Infos über Cast & Crew: Bio-/Filmografien von Gibson, Stowe, Klein, Kinnear, Russell, R. Wallace
- Produktionsnotizen (19 Seiten)
- Fotogalerie (25 Bilder)
- Interview mit Mel Gibson in Englisch (18:33 Min., mit Untertiteln): über seine Rolle, den Krieg, die Historie, den Regisseur, Vietnamfilme, die Dreharbeiten usw.
- Behind the scenes (2:26 Min.): Helikopter, Flugzeuge
- Dt. und US-Kinotrailer sowie TV-Spots
- Trailershow (auf Film-Disc): Hamburger Hill; The Mothman Prophecies; Die vier Federn; Birthday Girl; Der Schakal; 12 Monkeys; Lara Croft: Tomb Raider.
- DVD-Rom-Part: Weiterleitung zu Homepage von Concorde Entertainment
Mein Eindruck: die 2 DVDs
Was einem zuerst auffällt, ist der beeindruckende Sound. Nicht nur werden die fünf Lautsprecher separat und gut hörbar angesteuert, so dass ein dreidimensionaler Eindruck entsteht, wenn die Kugeln durch die gegend sausen. Nein, dies betrifft auch die Lautstärke. Wer den Fehler begeht, seinen Subwoofer zu stark anzusteuern, könnte schon mal das Familiengeschirr zerdeppern: Die Explosionen der Napalmbomben gehören zu den stärksten, die je auf DVD zu hören waren! Der Nachbar könnte den Eindruck eines mittleren Erdbebens gewinnen und die Feuerwehr rufen. Auch Autoalarmanlagen könnten allergisch auf solche Vibrationen reagieren. Fehler in der Bildwiedergabe konnte ich nicht feststellen.
In der Fülle der Extras auf der FSK18-Bonus-Disc ist es schwierig, die Goodies herauszufinden. Das Interview mit Mel Gibson gehört nicht dazu: Der Star bekommt die üblichen zaghaften Fragen gestellt. Mit entblößtem Oberkörper fläzt er lässig im Stuhl und schwallt drauflos, was das Tape hergibt (Inhalte siehe Liste der Extras). Im Making-of sind seine Aussagen gehaltvoller.
Nur unwesentlich informativer ist das Making-of \"Getting it right\", das immerhin fast eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, um die beinahe völlig unerwartete Botschaft vom guten amerikanischen Soldaten zu verbreiten und zu beweisen, dass \"man es endlich richtig gemacht hat\". Das erste und das letzte Wort hat der Lt. Gen. Hal Moore selbst. Neben den üblichen Filmausschnitten werden die Spezialeffekte erklärt, die geschichtlichen Hintergründe ausgebreitet und die Darsteller vorgestellt. Randall Wallace, der Regisseur und produzent, ist häufig im Bild, um als Moderator zu fungieren. (Im Hintergrund seines Zimmers ist das Breitschwert aus \"Braveheart\" zu sehen.) Er findet sich jedoch in der Kurzdoku \"Behind the scenes\", wo er die Ankunft mehrerer Helikopter und einige Flugzeuge dirigiert.
Etwas informativer sind die relativ kurz gehaltenen 19 Texttafeln der Produktionsnotizen. Hier bekommen wir erklärt, wie und warum und mit wem der Film entstand. Das ist durchaus lesenswertes Hintergrundmaterial. Besonders auf den NVA-General An wird hier verstärkt eingegangen: Er war ein Veteran des 2. Weltkriegs und ein großer Stratege. Auch in den entfallenen Szenen erklärt uns der Regisseur, worum es ihm bei diesem Projekt ging, denn er bedauert, dass mehrere Szenen, die ihm am Herzen lagen (das soziale Umfeld, aber auch der Helipilot Crandall), aus Gründen der Dynamik, des Rhythmus\' oder der Logik (es ist unnötig, zweimal das Gleiche zu sagen) herausgenommen werden mussten.
Eher Souvenircharakter hat wohl die Fotogalerie, die exakt 25 Bilder zeigt. Informativer sind die Filmografien zu Regisseur und Hauptdarstellern. Woran mag es wohl gelegen haben, dass Sam Elliott hier nicht aufgeführt ist?
Unterm Strich
Der Film hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Hauptfiguren, an deren Schicksal der Zuschauer anteilnehmen soll, werden im Vergleich etwa zu \"Der schmale Grat\" oder \"Die Nackten und die Toten\" nicht intensiv genug dargestellt. Vielleicht muss man selbst etwas für das Militär übrighaben oder gar ein Teil davon sein, um diese Schicksale nachvollziehen zu können. Der Heldenverehrung verdächtig macht sich der Film aber durch die Unverwundbarkeit von Moore und seines Sergeant Majors, die drei Tage lang zwar mitten im Feuer stehen, aber nicht den leisesten Kratzer abbekommen. Echten Offiziere erscheint es absolut unverantwortlich, dass Soldaten, die abgeschnitten wurden, auf Kosten weiterer Menschenleben gerettet wurden. Glaubwürdiger (und durch Aussagen belegt) erscheint dagegen die Aktion der Soldatenfrauen beim Zustellen der Beileidstelegramme: ein leiseres Heldentum an der Heimatfront.
Die Frage, ob dies ein Antikriegsfilm ist oder sein will, müsste man anhand der Behandlung des Gegners entscheiden. Durchaus liegen ein paar zerfetzte oder blutende Nordvietnamesen auf dem Schlachtfeld, doch meistens sind es amerikanische Soldaten, die schreien dürfen - vielleicht weil man sie dabei wenigstens versteht? Immerhin ist dies einer der wenigen Kriegsfilme, in denen der NVA-Soldat nicht ein gesichtsloser, schier unsichtbarer \"charlie\" oder \"gook\" ist, sondern ein militärisch intelligent geführter Truppenangehöriger, dem Achtung und Respekt zu zollen sind. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Haltung, die in Coppolas \"Apocalypse Now Redux\" zu sehen ist. Dort könnte \"Charlie\" ebenso gut eine Rothaut à la \"Lederstrumpf\" sein. An die Indianerkriege erinnert Moore selbst: Seine Einheit ist die gleiche wie jene, die General Armstrong Custer 1876 in der Schlacht am Little Big Horn in den Untergang führte.
Das Bonusmaterial der DVD enthält mehrere nützliche Beiträge, doch die muss man mit der Lupe suchen. Das Interview mit Gibson gehört eher nicht dazu. Auch dass bei der deutschen Kinofassung ein Regiekommentar fehlt, ist nicht gerade ein Ruhmesblatt.
Fazit: vier von fünf Sternen.
Michael Matzer (c) 2003ff
Filminfos
O-Titel: We were soldiers (USA); DVD: 2003
FSK: ab 16 (gekürzte dt. Kinofassung)
Länge: 114 Min. ohne 7 Min. Abspann
Regisseur/ Drehbuch/ Produzent: Randall Wallace
Musik: Nick Glennie-Smith; zudem ein schottisches Soldatenlied mit dem Titel \"Sgt. MacKenzie\", geschrieben und vorgetragen von Joseph Rizza Kilna MacKenzie
Darsteller:
Mel Gibson: Lt. Col. Harold Moore
Sam Elliott: Sgt. Major Plumley
Greg Kinnear: Major Bruce Crandall
Chris Klein: Lt. Jack Geoghehan (sprich: \'gägn oder \'gejgn)
Keri Russell: Barbara Geoghehan
Madeleine Stowe: Mrs. Julie Moore
Barry Pepper: Joe Galloway, Kriegsreporter für UPI
u.a.
Handlung
Der Beginn des Vietnam-Krieges: Die 7. US-Luftlandedivision unter Lt. Colonel Harold \'Hal\' Moore (Gibson) erhält im November 1965 den Auftrag, in das Tal von Ia Drang vorzustoßen und dort die nordvietnamesischen Truppen (NVA) zu \"eliminieren\". Moore war bis jetzt in der Fallschirmspringerausbildung tätig und verfolgt ein ungewöhnliches Führungsprinzip: Entgegen der klassischen Offiziershaltung, die auf Distanz zu den Mannschaftsdienstgraden achtet, fordert er keine Leistungen, die er nicht auch selbst tun würde. Diese Quasi-Verbrüderung kommt bei seinen Soldaten extrem gut an und fördert die Loyalität. Außerdem gilt bei ihm wie bei den Marines: \"Leave no man behind\". Das soll sich als verhängnisvoll erweisen.
Die 395 US-Soldaten werden per Helikopter in ein Hochlandtal transportiert, das bereits einen berüchtigten Namen trägt: In Ia Drang wurden 1954 französische Kolonialtruppen von der NVA massakriert. Moore ahnt nicht, dass er es mit dem gleichen General An zu tun hat, der damals die Franzosen niedermachte. Aber er hat das Massaker studiert und kennt das Gelände. Seinen 400 Leuten stehen an die 2000 Vietcong einer altgedienten Elitetruppe gegenüber, die sich in den Bergen in einem Tunnelsystem verschanzt haben und sich jederzeit über die kambodschanische Grenze zurückziehen können.
Binnen weniger Stunden ist Moores Truppe eingekesselt, die ersten Kompanien sind abgeschnitten, er selbst hat seinen Befehlsstand an einem Termitenhügel aufgeschlagen. Als die Luftkavallerie der Helikopter nicht mehr landen kann, um Männer und Munition zu bringen, erbittet Moore Luftangriffe. Die Napalmbomben sind absolut verheerend, aber leider trifft es nicht nur den Gegener, sondern auch die eigenen Leute. Beim Versuch, abgeschnittene Soldaten gemäß \"Leave no man behind\" zu retten, kommen weitere Soldaten ums Leben. Selbst der Kriegsreporter Galloway (Pepper) muss die Knarre in die Hand nehmen, um zu überleben.
Als sich der Gegner geschlagen zurückzieht, sind 1800 Vietcong tot, aber offiziell \"nur\" 40 US-Soldaten. Moore hatte noch weitere 235 Tage in Vietnam zu kämpfen. Die Armeeführung, so zeigt eine geschnittene Szene, beherzigte seine Warnungen nicht. Der Krieg dauerte noch weitere sieben Jahre und kostete Zehntausende von jungen Amerikanern (damals galt Wehrpflicht) das Leben, von den zerstörten Familien zu Hause ganz zu schweigen.
Mein Eindruck: der Film
Die Macher
Randall Wallace, der Drehbuchautor und Regisseur dieses Films, war schon für den OSCAR-prämiierten \"Braveheart\" verantwortlich. Wahrscheinlich wollte er diesen Erfolg wiederholen, aber einen ehrlichen Film über den Vietnamkrieg drehen. Er stützte sich auf eine literarische Vorlage, den Roman \"We were soldiers once... and young\" von Lt. General Harold G. Moore und dem Journalisten Joseph L. Galloway; sie berieten die Crew und die darsteller.
Galloway war Kriegsreporter für die Agentur UPI und, wie er Moore in einer Szene erzählt, reichen die Wurzeln seiner Familie bis zum US-Bürgerkrieg zurück. Er versteht es als seine Mission, den \"Menschen daheim zu helfen, den Vietnamkrieg zu verstehen\". Leider verhallte sein Wunsch in Hollywood relativ ungehört, denn wie er und Moore klagen (in der Presse und im Making.of), habe es bislang keinen Spielfilm gegeben, der die Tätigkeit der Soldaten in Vietnam angemessen realistisch dargestellt habe - bis zu \"We were soldiers\". Es ist fraglich, ob dem Regisseur Wallace diese naturalistische Schilderung wirklich gelungen ist. Das Making-of versucht dies jedenfalls von Anfang bis Ende zu beweisen.
Die Opfer
Zum einen bemühen sich das Drehbuch und die nicht entfallenen Szenen darum klarzumachen, dass diese Soldaten nicht auf Heldentum geeicht waren, sondern einfache Angestellte waren, die sich bemühten, ihren Auftrag zu erfüllen. Diese Angestellten haben in der Regel bereits eine Freundin oder Ehefrau, Moore als Offizier kann sich bereits ein eigenes Haus und mehrere Kinder leisten. Sein Kamerad Lt. Geoghegan (Chris Klein aus \"American Pie\") ist noch nicht soweit, aber das erste Baby ist unterwegs. Ehefrau Barbara (K. Russell) ist ebenso glücklich darüber wie er. Geoghegan fällt im Kampf - nur eine kleine Nebenhandlung, aber nicht unwichtig für die Botschaft, um die es Wallace geht: \"Soldaten sind menschliche Wesen, sie sind Ehemänner mit Gattinnen, sie sind Brüder, Väter usw.\" In den entfallenen Szenen sieht man die Soldaten mit ihren Kumpeln quatschen und in der Kirche mit ihren Angehörigen beten. Das soziale Umfeld ist hier viel deutlicher herausgearbeitet als in der Kinofassung.
Die Engel
Die Kampfhandlungen im Tal von Ia Drang werden kontrastiert mit ihren direkten Folgen: Eine nach der anderen erhalten die Familien der Gefallenen ein kurzes Telegramm mit der Todesnachricht. Allerdings nicht mit einem offiziellen Armeefahrzeug, sondern mit einem kostengünstigen anonymen Taxi, das gleich wieder wegfährt. Eine psychologische Betreuung fehlt völlig.
Nachdem sie angesichts eines Telegramms vor Angst schier durchgedreht ist, übernimmt Julie Moore, als Frau Oberst quasi die Ranghöchste im Soldatendorf, die schwere Aufgabe, zusammen mit Mrs. Geoghehan die Telegramme zuzustellen. Die Reaktionen auf die Todesnachricht fallen ebenso deutlich wie unterschiedlich aus. Eine Witwe etwa weigert sich rundweg, die Nachricht zur Kenntnis zu nehmen. Erst als die beiden Botschafterinnen des Todes sie in den Arm nehmen, bricht sie unter der Erkenntnis zusammen.
Engel ist das deutsche Wort für das griechische Wort \'angelos\', das im Wort \'evangelion/evangelium\' vorkommt, welches \'gute Nachricht\' bedeutet. \'angelos\' bedeutet also nichts anderes als Nachrichtenüberbringer. Julie Moore und Barbara Geoghehan sind in diesem Sinne zwei Engel, die Botschaften von der Heeresverwaltung zu überbringen haben, der höheren Instanz. Mit dem Unterschied, dass sie diese Aufgabe aus freiem Willen übernommen haben.
Die Götter
Ihre Ehemänner hingegen haben keine andere Wahl: Sie haben ihren Job zu erledigen. Während jedoch die meisten Männer fallen oder verwundet werden, bekommen Hal Moore und sein Sergeant Major keinen einzigen Kratzer ab. Sie sind offenbar unverwundbar wie Götter. Dies ist eine unrealistische Stilisierung seitens des Regisseurs, die nur auf Unglauben stoßen kann.
Verstärkt wird diese Emporhebung noch durch die Befehlsgewalt, die es Moore erlaubt, seine meist gesichtslosen Feinde durch einen Hilferuf um Luftangriffe zu vernichten. Wie göttliche Donnerkeile rasen die Napalmbomben auf die Vietcong zu und lassen alle in Flammen aufgehen. Diese Bomben kommen im Film aus dem Computer (aber das Feuer ist echt): Sie sind in jedem Detail und in Zeitlupe zu sehen. Das stilisiert sie selbst zu Darstellern empor, denen eine entscheidende Rolle zukommt. Man möchte wie Bruce Crandall einfach nur kotzen. Insbesondere dann, als diese Bomben auch noch die eigenen Reihen treffen. Dumm gelaufen - oder \"Kollateralschäden\"?
Nachhall
Während der Reporter Galloway wie einst Ishmael in \"Moby Dick\" einer der Überlebenden ist, um der Welt darüber zu berichten, so macht sich Hal Moore weniger Gedanken darum, was aus dieser Schlacht werden könnte. Er sorgt sich eher um seine Männer, die er als seine Brüder betrachtet, und um seine Familie daheim.
Insofern ist er keineswegs mit Leonidas zu vergleichen, dem antiken Feldherrn aus Sparta, der in der Schlacht am Pass der Thermopylen versuchte, die Invasionsarmee der Perser aufzuhalten. Der Hexameter \"Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl\" trifft auf Hal Moore weniger zu. Von der Tatsache mal ganz abgesehen, dass Moore lebendig und mit 350 Männern wieder von Ia Drang zurückkehrte, quasi siegreich, denn der Gegner ist abgezogen.
Die DVDs der Special Edition
Technische Infos:
Bildformate: 2,35:1, 16:9
Tonformate: DTS, DD 5.1, DD 2.0
Sprachen: D
Untertitel: D
Extras auf der Bonus-CD
- Regiekommentar nur bei den entfallenen Szenen
- 10 entfallene Szenen, kommentiert
- Making-of (25:30 Min.)
- Infos über Cast & Crew: Bio-/Filmografien von Gibson, Stowe, Klein, Kinnear, Russell, R. Wallace
- Produktionsnotizen (19 Seiten)
- Fotogalerie (25 Bilder)
- Interview mit Mel Gibson in Englisch (18:33 Min., mit Untertiteln): über seine Rolle, den Krieg, die Historie, den Regisseur, Vietnamfilme, die Dreharbeiten usw.
- Behind the scenes (2:26 Min.): Helikopter, Flugzeuge
- Dt. und US-Kinotrailer sowie TV-Spots
- Trailershow (auf Film-Disc): Hamburger Hill; The Mothman Prophecies; Die vier Federn; Birthday Girl; Der Schakal; 12 Monkeys; Lara Croft: Tomb Raider.
- DVD-Rom-Part: Weiterleitung zu Homepage von Concorde Entertainment
Mein Eindruck: die 2 DVDs
Was einem zuerst auffällt, ist der beeindruckende Sound. Nicht nur werden die fünf Lautsprecher separat und gut hörbar angesteuert, so dass ein dreidimensionaler Eindruck entsteht, wenn die Kugeln durch die gegend sausen. Nein, dies betrifft auch die Lautstärke. Wer den Fehler begeht, seinen Subwoofer zu stark anzusteuern, könnte schon mal das Familiengeschirr zerdeppern: Die Explosionen der Napalmbomben gehören zu den stärksten, die je auf DVD zu hören waren! Der Nachbar könnte den Eindruck eines mittleren Erdbebens gewinnen und die Feuerwehr rufen. Auch Autoalarmanlagen könnten allergisch auf solche Vibrationen reagieren. Fehler in der Bildwiedergabe konnte ich nicht feststellen.
In der Fülle der Extras auf der FSK18-Bonus-Disc ist es schwierig, die Goodies herauszufinden. Das Interview mit Mel Gibson gehört nicht dazu: Der Star bekommt die üblichen zaghaften Fragen gestellt. Mit entblößtem Oberkörper fläzt er lässig im Stuhl und schwallt drauflos, was das Tape hergibt (Inhalte siehe Liste der Extras). Im Making-of sind seine Aussagen gehaltvoller.
Nur unwesentlich informativer ist das Making-of \"Getting it right\", das immerhin fast eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, um die beinahe völlig unerwartete Botschaft vom guten amerikanischen Soldaten zu verbreiten und zu beweisen, dass \"man es endlich richtig gemacht hat\". Das erste und das letzte Wort hat der Lt. Gen. Hal Moore selbst. Neben den üblichen Filmausschnitten werden die Spezialeffekte erklärt, die geschichtlichen Hintergründe ausgebreitet und die Darsteller vorgestellt. Randall Wallace, der Regisseur und produzent, ist häufig im Bild, um als Moderator zu fungieren. (Im Hintergrund seines Zimmers ist das Breitschwert aus \"Braveheart\" zu sehen.) Er findet sich jedoch in der Kurzdoku \"Behind the scenes\", wo er die Ankunft mehrerer Helikopter und einige Flugzeuge dirigiert.
Etwas informativer sind die relativ kurz gehaltenen 19 Texttafeln der Produktionsnotizen. Hier bekommen wir erklärt, wie und warum und mit wem der Film entstand. Das ist durchaus lesenswertes Hintergrundmaterial. Besonders auf den NVA-General An wird hier verstärkt eingegangen: Er war ein Veteran des 2. Weltkriegs und ein großer Stratege. Auch in den entfallenen Szenen erklärt uns der Regisseur, worum es ihm bei diesem Projekt ging, denn er bedauert, dass mehrere Szenen, die ihm am Herzen lagen (das soziale Umfeld, aber auch der Helipilot Crandall), aus Gründen der Dynamik, des Rhythmus\' oder der Logik (es ist unnötig, zweimal das Gleiche zu sagen) herausgenommen werden mussten.
Eher Souvenircharakter hat wohl die Fotogalerie, die exakt 25 Bilder zeigt. Informativer sind die Filmografien zu Regisseur und Hauptdarstellern. Woran mag es wohl gelegen haben, dass Sam Elliott hier nicht aufgeführt ist?
Unterm Strich
Der Film hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Hauptfiguren, an deren Schicksal der Zuschauer anteilnehmen soll, werden im Vergleich etwa zu \"Der schmale Grat\" oder \"Die Nackten und die Toten\" nicht intensiv genug dargestellt. Vielleicht muss man selbst etwas für das Militär übrighaben oder gar ein Teil davon sein, um diese Schicksale nachvollziehen zu können. Der Heldenverehrung verdächtig macht sich der Film aber durch die Unverwundbarkeit von Moore und seines Sergeant Majors, die drei Tage lang zwar mitten im Feuer stehen, aber nicht den leisesten Kratzer abbekommen. Echten Offiziere erscheint es absolut unverantwortlich, dass Soldaten, die abgeschnitten wurden, auf Kosten weiterer Menschenleben gerettet wurden. Glaubwürdiger (und durch Aussagen belegt) erscheint dagegen die Aktion der Soldatenfrauen beim Zustellen der Beileidstelegramme: ein leiseres Heldentum an der Heimatfront.
Die Frage, ob dies ein Antikriegsfilm ist oder sein will, müsste man anhand der Behandlung des Gegners entscheiden. Durchaus liegen ein paar zerfetzte oder blutende Nordvietnamesen auf dem Schlachtfeld, doch meistens sind es amerikanische Soldaten, die schreien dürfen - vielleicht weil man sie dabei wenigstens versteht? Immerhin ist dies einer der wenigen Kriegsfilme, in denen der NVA-Soldat nicht ein gesichtsloser, schier unsichtbarer \"charlie\" oder \"gook\" ist, sondern ein militärisch intelligent geführter Truppenangehöriger, dem Achtung und Respekt zu zollen sind. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Haltung, die in Coppolas \"Apocalypse Now Redux\" zu sehen ist. Dort könnte \"Charlie\" ebenso gut eine Rothaut à la \"Lederstrumpf\" sein. An die Indianerkriege erinnert Moore selbst: Seine Einheit ist die gleiche wie jene, die General Armstrong Custer 1876 in der Schlacht am Little Big Horn in den Untergang führte.
Das Bonusmaterial der DVD enthält mehrere nützliche Beiträge, doch die muss man mit der Lupe suchen. Das Interview mit Gibson gehört eher nicht dazu. Auch dass bei der deutschen Kinofassung ein Regiekommentar fehlt, ist nicht gerade ein Ruhmesblatt.
Fazit: vier von fünf Sternen.
Michael Matzer (c) 2003ff
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