Wir waren Helden (DVD) Testbericht

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Wir-waren-helden-dvd-antikriegsfilm
ab 7,97
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von ET2000

Blutreich im Bild, blutarm im Charakter

Pro:

technische Umsetzung

Kontra:

Handlung

Empfehlung:

Nein

Vorabinfo

Da ich den Film geliehen hatte, stand mir nur die Film DVD zur Verfügung. Dem entsprechend kann ich über Features auf einer DVD2 natürlich nichts sagen. Diese Meinung gibt also die Meinung über den Film als solches wieder.



Film-Info


Schauspieler:

Mel Gibson
Madeleine Stowe
Greg Kinnear
Barry Pepper
Sam Elliott
Chris Klein
Ryan Hurst
Jsu Garcia
Marc Blucas
Blake Heron

Regie:

Randall Wallece
Laufzeit:

126 min

Buch: Lt. Gen. Harold G. Moore
Musik: Nick Glennie-Smith



Bildqualität / Tonqualität

Die Bildqualität ist als gut zu bezeichnen. Nicht brillant aber gut. Die Tonqualität in Dolby Digital ist einwandrei.


Handlung


Die neu gegründete 7. Luftlandedivison bekommt den Auftrag in Vietnam geschickt und soll dort in der Talebene „la Drang“ vietnamesiche Soldaten verfolgen.
Dieses Ereignis führte schliesslich zur Eskalation des Vietnamkrieges (wenn man darüber nur etwas mehr im Film berichtet hätte).
Geführt wurde die Division von dem erfahrenen Colonel Harold G.Moore (Mel Gibson), der sein Leben für seine Soldaten opfert und lieber selbst auf dem Schlachtfeld sterben würde als einen seiner Kameraden zurück zu lassen.
Die ca. 400 Mann starke Divison scheint der unterschätzen vietnamesichen Präsenz jedoch recht unterlegen, wie man schon bald feststellt. Schon nach kurzer Zeit wird man von der Aussenwelt abgeschnitten und es gibt scheinbar keine Chance aus dem Kessel herauszukommen. Eine Evakuierung ist ausgeschlossen.
Was folgt sind Tage und Nächte von Angriffen und Verteidigung. Beide Seiten versuchen sich taktisch zu überlisten (zumindest sollte das im Film so dargestellt werden, wird aber nur angedeutet).
Zwischen all den Ereignissen bangen zu Hause die Frauen der Soldaten und wissen nicht, was vor Ort in Vietnam passiert. Immer wieder werden ihnen Telegramme von gefallenen Soldaten zugestellt. Moores Frau (Madeleine Stowe) übernimmt die Zustellung der Todesbotschaften. Wie die Frauen reagieren, was in den Köpfen vorgeht bleibt überwiegend ein Geheimnis.
Ach ja, dann gibt es da noch den Kriegsreporter Galloway, der sich zunächst weigert eine Waffe in die Hand zu nehmen. Was er empfindet, was er denkt usw. bleibt aber auch weitgehend ein Geheimnis.
Tja und viel mehr bleibt zur Handlung auch nicht zu sagen.




Meine Meinung zum Film


Die Meinungen zu diesem Film sind ja überwiegend positiv. Aus diesem Grunde hab ich mich auf den Film gefreut und wurde masslos enttäuscht.

Doch der Reihe nach: Der Film fängt damit an, dass man französische Einheiten in Vietnam kämpfen sieht. Es folgt keine weitere grosse Erklärung und somit wird vorausgesetzt, dass Vietnam einmal von den Franzosen besetzt war.

Mel Gibson und seine Filmfrau spielen mit Sicherheit interessante Charaktere, jedoch kommen diese so gut wie garnicht zur Geltung.

Was eindeutig im Vordergrund steht ist Gemetzel. Es wird im Detail gezeigt, wie sterbende Menschen zucken, wie Kugeln im Körper eindringen, diesen zerfetzen, wie Phosphor grausame Brandschäden verursacht usw, usw. . Natürlich werden die Befürworter und vor allem die Verantwortlichen für diesen Film wieder sagen: So war der Krieg nun mal.

Das ist mit Sicherheit richtig, jedoch steht hinter jedem Opfer ein Mensch. Und sind die Bilder auch noch so blutreich, die Charaktere sind blutarm.

Nur andeutungsweise kommt so etwas wie Persönlichkeit ins Spiel. Aber reicht es, wenn gezeigt wird, das jemand seine Frau, seine Familie zurücklässt und dann stirbt ? Ich meine nein. Der ganze Film läuft nach dem Schema: Mann zieht in den Krieg, sagt tschüss, Frau kriegt Nachricht von verstorbenem Mann. Ende! Am wichtigsten scheint dem Regisseur dabei zu sein, den Eintritt des Todes in Zeitlupe und blutreich darzustellen.

Wie schaut es eigentlich mit ein wenig Kritik am Vietnamkrieg aus ? Lediglich am Anfang und am Schluss quasselt ein Sprecher ein paar Worte, die so etwas andeutungsweise erklären.
Auf Kritik, sei sie indirekt oder direkt, wird ansonsten komplett verzichtet.

Was geht eigentlich in den Köpfen der Soldaten vor ? Was in denen derer die kriegserfahren sind, was in denen die Angst haben ? Was haben sie für Ängste ? Worüber machen sie sich Gedanken ? All das bleibt ein Geheimnis.

Gibsons Filmfrau hat sich zur Aufgabe gemacht die Telegramme mit den Nachrichten der Verstorbenen selbst an die Witwen zu verteilen. Damit will man die Stärke der Frau zeigen. Was ist denn aber mit den Frauen ? Was fühlen sie ? Wie reagieren sie ? Es wird nur kurz gezeigt, wie die Telegramme übergeben werden (bis auf eine ca. 2 Minuten Ausnahme) um dann schnell wieder zu zeigen wie die nächsten 10 Soldaten blutreich zugrunde gehen.

Technisch ist der Film einwandfrei. Keine Frage. Und die Story selbst hätte mit Sicherheit auch einiges hergegeben. Anscheinend ist es aber wichtiger Leute realistisch beim Sterben zuzuschauen als einen Handlungsstrang aufzubauen.

Immerhin das wurde einwandfrei gemacht. Die Soldaten sterben sehr realistisch, die Explosionen wirken extrem echt.
Doch ganz frei von Kritik bleibt auch dieser Teil des Filmes nicht. Es bleibt nicht einmal Zeit die Angst der Personen zu zeigen. Sie werden eher auf Distanz gezeigt, gerade so um zu sehen wie effektvoll eine Kugel durch den Körper schiesst.
Schauspielerische Leistung


Mel Gibson spielt sehr bemüht, holt raus was das Drehbuch hergibt. Das ist nicht viel. Immerhin ist er noch derjenige welcher ansatzweise so etwas wie eine Persönlichkeit im Film darstellt. Die Rolle aber unterfordert Gibson eindeutig.

Sam Elliott spielt einen harten Sergeant Major namens Plumley. Der Typ ist eiskalt, extrem zuverlässig und ähm, ähm, ja, zumindest sollte er das darstellen. Ansatzweise wird der Charakter umrissen, aber ausser vielleicht 20 kalten Dialogen und 1 Dauergesichtsausdruck ist nichts zu sehen.

Lieutenant Geoghegan wird von Chris Klein gespielt. Ein junger Soldat mit dem sich Colonel Moore (Mel Gibson) irgendwie identifiziert, sich wohl irgendwie selbst in dem jungen Soldaten sieht. Mehr ist dazu nicht zu sagen, denn diese Verbindung wird nur angedeutet und Klein muss nicht viel sagen bzw. spielen.

So kann man eigentlich alle Darsteller weiter analysieren. Da kaum jemand sonst mehr als 3 Sätze zu sagen hat, ist eine Analyse kaum möglich.


Fazit:

Die Story die auf Tatsachen beruht hätte wohl einiges mehr hergegeben.
Umgesetzt wurde davon nichts. Nicht einmal die Bemühung war da.

Es geht nur um das Gemetzel. Dabei hatte gerade der Vietnamkrieg ganz andere Züge. Auf der einen Seite politisch umstritten gab es auf der anderen Seite nur wenige dieser offenen Schlachten, wie sie im Film dargestellt wird. Meist lag man tagelang im Graben und kaum hob man den Kopf kamen von irgendwo her Schüsse. Dauerbombardements und offenes Schlachtfeld waren selten.

Der Film hat in meinen Augen eine Aussage: Wie kann ich am effektvollsten darstellen, wie verschiedene Waffengattungen wirken, wenn sie einen Körper durchdringen.

Meiner Meinung nach einer schlechtesten Kriegs- oder meinetwegen Antikriegsfilme. Kein Vergleich zu „Der schmale Grad“ „Stalingrad“ „Die Brücke“ „Full Metal Jacket“ oder anderen Film. Ich glaub das selbst Rambo kritischer war.

Für mich zeigt die positive Kritik am Film aber auch, wie sehr man schon auf Blutbilder fixiert ist und wie sehr die Story in den Hintergrund rücken darf.

Ein gasförmiger Film, den die Welt nicht brauchte!


Letzte Anmerkung

Der Film beruht, wie erwähnt auf Tatsachen. Niedergeschrieben von Colonel Moore selbst. Allerdings habe ich dieses Buch nicht gelesen und meine ernsthaften Zweifel, dass ein Mensch seine Kriegserlebnisse so oberflächlich und charakterarm niederschreibt.

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