Wir waren Helden (DVD) Testbericht

D
Wir-waren-helden-dvd-antikriegsfilm
ab 7,97
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 02/2011
Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Der Pharao in Vietnam

Pro:

Trotz allem immerhin sehenswert, tricktechnisch gut, Bombast-Sound, fordert die Rübe...

Kontra:

...allein um die ganzen Verdrehungen und Geschichtsverfälschungen aufzuspüren *g*, Bild nicht optimal.

Empfehlung:

Ja

Und der DVD-Berg schmilzt weiter...eigentlich ist die Osterzeit ja nicht unbedingt dazu angetan sich Kriegsfilme rein zu hauen, doch „Wir waren Helden“ ist mir von allen Seiten aus dem Bekannten- und Freundeskreis als Anti-Kriegsfilm anempfohlen worden (und das schon weit VOR Ostern *g*), sodass ich mir gedacht habe, dass ich mir den nun endlich mal in der ungeschnittenen Fassung ansehen werde, wo er schon geraume Zeit hier rumliegt. Zudem hab ich es mit dem ganzen christlichen TamTam eh nicht besonders, da wird mir der Herrgott – so es ihn gibt – hoffentlich verzeihen, dass ich damit etwas für meine politische und geschichtliche Bildung zu tun hoffte. Um die heutige Weltsituation zu verstehen muss man in die Vergangenheit zurückkehren und eins der dunkelsten Kapitel des amerikanischen Militärs, ja der gesamten Aussenpolitik, zeigt sich nirgendwo deutlicher, als in Vietnam. Dort fingen sich die bis dato mit dem Ruf der Unbesiegbarkeit gesegneten amerikanischen Truppen eine schwere Schlappe ein, die bekanntermassen mit der regelrechten Flucht aus Saigon in den frühen Siebzigern endete. Kein anderer Krieg hat das Volk derart traumatisiert und war in der Heimat so umstritten, wie dieser jahrelange Konflikt bei dem unzählige Vietnamesen und fast 60.000 amerikanische Soldaten ihr Leben liessen...genau betrachtet: für nix und wieder nix. Ich war also gespannt auf die Doppel-DVD, die massig Bonusmaterial verspricht und auf deren Cover „Der beste Anti-Kriegsfilm seit 20 Jahren“ prangt, neben dem FSK18-Label versteht sich. Na da war ich jetzt mal echt gespannt, was mich für ungeschnittene 22,99 € erwartete...

Der Steckbrief
-------------------
  • Original-Titel : „We Were Soldiers (Once..And Young)“
  • Nach wahren Begebenheiten
  • Ersterscheinungsjahr & Land: 2001 – USA
  • Label: Paramount / Concorde (DVD 2003)
  • Lauflänge: ca. 133 Min. + ca. 90 Min. Bonus
  • Genre: Vietnam Kriegsfilm
  • DVD-Art: Typ 9 (Hauptfilm) und 5 (Bonus)
  • Version & Altersfreigabe: Uncut / FSK 18
  • Bildformat: Widescreen 16:9 (2,35 : 1)
  • Tonformat: DTS und DD 2.0 (nur D), DD 5.1 (D und E)
  • Sprachen: Deutsch und Englisch
  • Untertitel : Deutsch (auch für Hörgeschädigte), Englisch
  • Bonusmaterial: Ja (plus Extra-DVD)
  • Menü: teilanimiert / musikunterlegt
  • Produktion: Bruce Davey, Stephen McEveety, Randall Wallace
  • Regie & Drehbuch: Randall Wallace
  • Musik: Nick Glennie-Smith
  • Darsteller: Mel Gibson, Sam Elliot, Madeleine Stowe, Greg Kinnear, Chris Klein, Keri Russel, Barry Pepper

    Bonusmaterial
  • Audiokommentar (Disc 1)
  • Cast und Crew Biographien (Disc 2)
  • Interview mit Mel Gibson (Disc 2)
  • Making Of und Produktionsnotizen (Disc 2)
  • 9 entfallene Szenen (Disc 2)
  • Behind-the-Scenes, Fotogalerie, diverse Trailer & Spots (Disc2)
  • PC-ROM-Teil (Disc2)

    Die Story & historischer Kontext
    ------------------------------------------
    Ende 1954 holten sich die Franzosen in ihrer Kolonie Indochina eine blutige Nase und wurden von den dortigen Vietcong-Soldaten unter General Li Ngyen An vernichtend geschlagen, teils wegen grober Selbstüberschätzung und frevelhafter Unkenntnis des Geländes und der Mentalität ihres Gegners. Der finale Todesstoss für das französische Korps fand im La-Drang-Tal nahe der kambodschanischen Grenze statt – weswegen es später auch den Beinamen „Todes-Tal“ bekam. Ein Jahrzehnt später ist das ehemalige Indochina nach dem Sieg der nordvietnamesischen Truppen in zwei Staaten aufgeteilt: Das kommunistisch regierte Nord-Vietnam und dem eher pro-westlichen eingestellten Süd-Vietnam. Da die Amerikaner zu dieser Epoche das Gespenst des globalen Kommunismus zurückdrängen wollen, haben sie Interventionstruppen in diesem Gebiet stationiert, doch zu grösseren Gefechten ist es bis dato noch nie gekommen, man laboriert auf der US Seite immer noch am Korea-Krieg. Zu dieser Zeit existiert in den USA immer noch die Wehrpflicht, was sich in schlecht ausgebildeten Truppen und Kommandostrukturen wiederspiegelt. Ein glänzender Stratege dieser Ära, ist jedoch Ex-Fallschirmspringer Lt.Col. (entspricht im Deutschen dem Rang eines Oberstleutnants) Harold „Hal“ Moore, der zudem Militärgeschichte studiert hat – ihn sieht man im Generalsstab dazu aus eine neue Art der Kriegsführung zu testen und dementsprechende Kader auszubilden. Diese neue Form der Kavallerie wird mit Hubschraubern eingeflogen und versorgt, er legte damit den Grundstein für das, was wir heute gemeinhin als „Luftlandetruppen“ verstehen & bezeichnen.Moore (Mel Gibson) muss also für diese Kampf-Taktik erst einmal Männer und Equipment zusammenstellen, er braucht sowohl fähige Piloten, sowie Offiziere des Heeres, die in der Lage sind selbstständig zu handeln und zu denken.

    Dabei unternimmt er in der Hierarchie zunächst eine Änderung der alten, dogmatischen Befehls-Kette: Jeder Soldat muss den Job seines Vorgesetzten tun können und gleichzeitig seinen angestammten Job den niederen Rängen beibringen, damit bei den zu erwartenden Verlusten keine Lücken in der Kommandostruktur entstehen. Ein klarer Bruch mit traditionellen Vorgehensweisen in sämtlichen Streitkräften rund um den Erdball, der sich seither aber als äusserst praktikabel und effektiv erwiesen hat. Ihm zur Seite steht sein langjähriger, raubeiniger Stabsfeldwebel (im Deutschen würde man „Spiess“ sagen) und Veteran vieler Kriege: Sgt.Maj. Plumley (Sam Elliot).Es kommt natürlich, wie es kommen muss – nachdem man sich ein wenig mit den Personen und Familien der Figuren angefreundet hat, ergeht der Einsatzbefehl an das neu gegründete 7. Kavallerie-Regiment, jedoch nicht ohne Einschnitte, denn ein Drittel der erfahrenen Offiziere fallen aus, da deren Dienstzeit abgelaufen ist und eine Verlängerung nur dann möglich ist, wenn der Präsident den nationalen Notstand ausruft. Das geschieht aus politischen Gründen jedoch nicht, wie man weiss, sondern Moore und seine vorwiegend „grünen“ 400 Leute werden fast stickum nach Vietnam verlegt. Dort kommt er zur historisch berühmten ersten Schlacht zwischen der 2000 Mann starken regulären NVA ( North Vietnamese Army aka „Vietcong“), die aus ortskundigen, kriegserfahrenen Veteranen unter General An bestanden und Moores Haufen von 385 Luftlandetruppen, die noch weitesgehend unerfahren sind. Dieser (real stattgefundene) Kampf begann am 14.November 1965, dauerte volle 3 Tage & Nächte und endete trotz der NVA-Übermacht mit einem „Sieg“ für die 7th Cav unter Moore...

    Umsetzung
    --------------
    Puh! Wo fange ich an? Gar nicht so einfach...Sezieren wir den Film mal vom Beginn her: Es ist klar, dass erstmal die Figuren vorgestellt werden müssen, daher plätschern (bis auf die schon heftig-blutige Eröffnungssequenz) die ersten 40 Minuten des Streifens seicht vor sich hin und zeigen uns, wie gottesfürchtig und tüchtig Hal Moore als Offizier und Familienvater ist. Beten & Ballern ist angesagt, logischerweise ist er auch gleichzeitig ein guter Kommandeur und Menschenfreund (zumindest, was seine Soldaten angeht), gewürzt mit ein paar patriotisch einwandfreien Statements. Sorry, der Charakter scheint nur oberflächlich tiefsinnig, kratzt man an der Pathos-Patina bleibt ein fader Beigeschmack platter Rekrutierungsstreifen der US-Army bzw. der Marines. Als Counterpart dient der etwas brummbärige und ultra-harte Plumley, der mir gespielt von Sam Elliot dagegen sehr gut gefällt, doch auch seine Rolle ist nicht einwandfrei, wofür er als Schauspieler aber nicht viel kann – immerhin ist er einer der wenigen glaubwürdigeren Charaktere des Werkes. Beide Hauptfiguren („Guter Bulle / Böser Bulle“) haben den Bonus des Unzerstörbaren augenscheinlich auf Lebenszeit gepachtet, so wie die aufrecht stehend und laufend übers Schlachfeld spazieren und massenhaft Vietcongs metzeln ist es ein gottverdammtes Wunder (oder sagen wir besser: es stand im Drehbuch), dass die keine Kugel oder Granate vor den Latz geballert bekommen. Dabei sondern beide absolut coole und zutiefst philosophische Dampfblasen (hauptsächlich Mel Gibson salbadert, während Sam Elliot sowas von arschkalten Sprüche reinhaut) ab, dass mir die Ohren bluten, so heroisch (und hatte ich schon erwähnt: kugelsicher?) KANN kein Mensch sein – da hat Randall Wallace etwas zu sehr übertrieben, bei „Braveheart“ passt das noch ins Bild, doch hier ist das Ganze viel zu schwülstig und übernatürlich ehrenhaft.

    Wo wir gerade bei platter Darstellung sind: Die Vietcong werden nicht ganz so als tumbe und grausame Schlächter dargestellt, wie in anderen Machwerken über den Vietnamkrieg, doch ist diese Darstellung auch hier allenfalls als Alibi zu betrachten. Weder bedauert Moore im Film die gefallenen Gegner noch ist es den Filmemachern im Abspann eine gesonderte Erwähnung wert, dass auch Vietnamesen, die tapfer ihr Land verteidigt haben den Tod fanden. Den Soldaten der NVA Respekt zu zollen fällt ihnen nicht im Traum ein...natürlich werden die gefallenen Amerikaner namentlich erwähnt und dafür dem Umstand umso mehr Wichtigkeit beigemessen, dass die Verhältnisse 2000 : 385 waren – Hurra Hurra Hurra! Gods Own Country won the war!...naja, wohl eher nicht. Übrigens, noch eins fällt in diesem Zusammenhang auf: Die Vietcong sterben zum grösstenteils „sauber“, das heisst im Klartext, dass sie zwar von Kugeln durchsiebt, zerfetzt und blutüberströmt zusammenbrechen „dürfen“ (was én detail auch gezeigt wird), doch das Leid der amerikanischen Phosphor- und Napalmbomben und das Jammern übernehmen fast ausschliesslich die Darsteller der AMERIKANISCHEN Seite – Achtet mal drauf, es werden nur stöhnende und schreiende GIs verwundet/verstümmelt gezeigt, doch keine NVAs!. Bei den gemetzelten Vietcong hat man dagegen den Eindruck, als liefe es nach dem Motto: „Ey, der hat\'s verdient, die Sau!“. Und wenn dann doch mal ein Vietnamese etwas mehr Leinwandzeit bekommt, dann nur um tricktechnisch spektakulär ins Gras zu beissen. Das bringt uns nun zur FSK 18, diese ist absolut gerechtfertigt, denn übermässige Gewalt als Stilmittel wird hier gross geschrieben und auch die einseitige Darstellung, dass nur die Amis grausamste Verwundungen (noch dazu oftmals aufgrund von „Friendly Fire“) eingefahren haben, mag Jugendlichen ein verzerrtes geschichtliches Bild indoktrinieren, welches SO nicht stimmt aber aufgrund der glaubhaften Machart durchaus für bare Münze genommen werden könnte. Wie immer entscheidet der Blickwinkel über die Realität und die „Sieger“ sind meist in der Lage den Blickwinkel (respektive die Kameraführung) festzulegen und die Geschichte zu ihren Zwecken umzuschreiben...

    Militärisch gesehen sind auch einige Patzer zu verzeichnen. Als ehemaliger Soldat und der entsprechenden Ausbildung denke ich kann ich mir da ein Urteil drüber erlauben, zwar hab ich „nur“ als Wehrpflichtiger gedient, doch manche Dinge sind mir sofort ins Auge gefallen, die reinen Zivilisten eventuell nicht auffallen aber auch der gesunde Menschenverstand und Beobachtungsgabe reichen vollkommen aus. So sind neben dem aufrechten und demonstrativen Umherlatschen auf dem Feld der Ehre – das würde nicht mal der dümmste Soldat machen und erst recht kein Veteran/Offizier! - andere Sachen zu bekriteln. Ersteres sieht zwar cool aus und unterstreicht den heroischen Status, doch glaubt mir: wenn die ersten Kugeln heulen ist „der Arsch unten!“, wie mein Ausbilder immer gesagt hat – somit ist das schon mal reine Show und unrealistisch, selbst wenn man bedenkt, dass ein Kommandeur im Range eines Obersts (oder auch eines Stabsfeldwebels, wie Plumley) ein leuchtendes Beispiel an Tapferkeit für seine Truppe sein soll. Das ist hier aber keine Tapferkeit, sondern pure selbstmörderische, plakativ-filmische Idiotie und dermassen übertrieben, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Dann schickt ein väterlicher Moore seine Soldaten (mehrfach!) stürmend und ohne Deckung über eine Ebene, um einen Zug zu verstärken, der wegen Dilettantismus (den ich genauso wenig glauben kann) abgeschnitten ist. Schwachfug! - bei den zahlenmässigen Truppenverhältnissen jage ich nicht einfach meine ohnehin wenigen Soldaten in ein todsicheres Sperrfeuer auf dem Präsentierteller, da igel ich mich mit der gesamten Mannschaft ein und versuch die Stellung zu halten – wenn der Zug wirklich so bescheuert war sich von einem einzelnen (!) gegnerischen Scout versprengen zu lassen, dann ist das alleine ein Problem des unfähigen Zugführers. Jedenfalls opfer ich doch als leitender Offizier nicht sehenden Auges noch meinen kümmerlichen Rest an Soldaten um diese Schwachköpfe (ganze 2 GIs haben diese Torheit überlebt) da raus zu boxen, wo sie sich selbst hinein manöveriert haben.

    DVD und Bonusmaterial
    ------------------------------
    Die Bildqualität erreicht nicht ganz den gewohnten Standard des Mediums, was verwunderlich ist, denn angeblich ist „Wir waren Helden“ komplett nach dem Dreh digitalisiert worden, davon merkt man aber nicht viel. Immerhin ist das Bild wesentlich besser, als das, was man von VHS gewohnt ist und manchem wird das leicht matschig wirkende Geschehen auf dem Schirm weniger ins Auge fallen, es sei denn man besitzt einen 100 Hz Fernseher oder guggt den Film auf dem PC-Monitor – beide lösen grundsätzlich etwas schärfer auf und da sind solche Fiesemattenten deutlicher sichtbar – ganz besonders sieht man das in den oft gebrauchten SloMo-Einstellungen. Anders verhält es sich beim Ton, der ist nun wirklich erstklassig, solcherlei donnernden Explosionen und akustisch ortbaren Effekte – beispielsweise Projektile oder rasselnde Patronenhülsen - hab ich in letzter Zeit selten gehört, auch die Hubschrauberrotoren wummern mächtig böse durch den Raum und dürften meinen Nachbarn so langsam in den Wahnsinn getrieben haben. Untermalt wird das Ganze von dem hervorragend stimmungsvollen Soundtrack, der mal wuchtig, mal dezent im Hintergrund die visuellen und akustischen Eindrücke unterstützt. Die Sektorisierung ist mit 13 Kapiteln mehr als armselig zu bezeichnen, üblich sind mindestens 20 wenn nicht gar über 30 Kapitel heutzutage. Das teilweise animierte Menü findet wieder meine Zustimmung, als Leckerli ist es nicht nur im 4:3 Modus des Fernsehers zu bedienen, selbst im 16:9 Format klappt das – leider immer noch ZU oft eine Seltenheit! Die Untertitel sind für Hörgeschädigte wieder im relativ neuen Color-System gehalten, auch dieser behindertengerechte Umstand ist begrüssenswert.

    Das Bonusmaterial ist reichhaltig und einigermassen sehenswert, wenn mich auch ein gewisses Gefühl beschleicht, dass man hier ein wenig arg eine Erklärung zu bieten versucht, warum man diesen Film so und überhaupt gedreht hat. Das ewige herunterleiern von wegen „wir wollten die unglaubliche Kameradschaft darstellen“ ist genauso nervtötend, wie die Beteuerungen von Hal Moore (Ja, der lebt sogar noch!), dass dieser Film sowas von toll, realistisch und innovativ ist - und wer bitteschön soll das glauben? Ich nicht! Wie immer interessiert mich besonders der Teil mit den Visuals und den ganzen anderen Tricks, denn davor strotzt der Film ja wirklich. Die Interviews sind hingegen wieder der übliche WischiWaschi-Einheitsbrei, wie supi man das doch alles fand und wie sehr man sich nun in die Rolle der Soldaten einfühlen konnte, nachdem man eine abgespeckte Grundausbildung gemacht hat – Patriotischer Schwachsinn und geradezu lachhaft! Gerade Mel Gibson ist im Interview manchmal grotesk peinlich, in meinem Ansehen ist der gute Mel seither einige Punkte gefallen, was aber nicht nur an seiner hier gebotenen schauspielerischen Leistung liegt, sondern daran, dass er sich dermassen vor den Propaganda-Karren spannen liess. Die entfallenen Szenen, die hier gezeigt werden wären nur bedingt eine Bereicherung für den sowieso recht langatmigen Film gewesen und hätten noch mehr auf die pathetische Tränendrüse gedrückt, als dies ohnehin der Fall ist. 1 bis 2 dieser Szenen wären noch akzeptabel gewesen im Film aufzutauchen, doch wer weiss? Vielleicht beglückt uns der Regisseur ja bald doch noch mit einem zusätzlichen Director\'s Cut – den werd ich mir aber keinesfalls zulegen ;-)

    Fazit
    -------
    Schauspielerisch ist das Gesamtbild sehr durchwachsen, zwar nehme ich Mel Gibson den Oberst nicht im entferntesten ab, doch dafür springen Sam Elliot und Barry Pepper gut in die Bresche. Madeleine Stowe als Moores Frau darf an der Heimatfront „Gutes“ tun und die Todes-Telegramme, die tatsächlich anfangs verstohlen per Taxi zugestellt wurden, verteilen – sie ist halt eine brave, amerikanische Offiziersfrau. Ich halte solche Filme für einen gewissen Personenkreis für gefährlich, denn hier wird mit technischer Perfektion eine Realität vorgegaukelt, die man den Machern gerne abnimmt, die aber mit der wahren geschichtlichen Realität nicht viel gemein hat. Trotzdem ist man geneigt diese geschickten Manipulationsversuche beinahe zu glauben. Durch Einstreuen von Teil- und Halbwahrheiten gibt sich das Produktionsteam einen historischen Anstrich, doch blickt man ein wenig hinter die Kulissen ist das Gezeigte einfach nur verdammt einseitig und illustriert deutlich, wie sehr die amerikanische Volks-Seele nach dem verpatzten Feldzug in Vietnam nach Heldentum und Absolution lechzt. Ich denke das war auch genau SO beabsichtigt, als man diesen Streifen machte.

    Zur Erinnerung: Das gleiche Produktionsteam und die militärischen „Consultants“ haben uns schon den grottenschlechten Streifen „Pearl Harbor“ beschert, der ähnlich verwerfliche Geschichtsverzerrung betreibt – Ein Schuft, wer Schlimmes (oder gar ABSICHT) dahinter vermutet *g*. Sehenswert ist der Film aber dennoch, er ist spannend gemacht und hat alles, was ein Heldenepos braucht (Drama, Coolness, Tricks, massenhaft Blut & Gekröse und nicht zuletzt den stimmungsvollen Soundtrack), nur sollte man nicht dem Fehler unterliegen das Gehirn auszuschalten oder das Gesehene undifferenziert als bare Münze zu nehmen, so gut es auch in Szene gesetzt sein mag. Ein Blick in die Geschichtsbücher davor und/oder danach ist ratsam, allein schon um die Verdrehung der Tatsachen in diesem Film zu entlarven. Unter Zuhilfenahme des Gripses ist „Wir waren Helden“ dann sogar ein wirklicher Anti-Kriegsfilm und kein propagandistischer Rekrutierungsstreifen mehr...aber auch NUR dann! 3 Generals-Sterne und ne Guck-Empfehlung an Leute, die nicht jeden Mist kritiklos konsumieren und glauben ;-)

    SoLong

    Der Helden-Pharao
    *“Star Spangled Banner“ summ*

    Warnhinweis:
    Schnellklicker sollen degradiert und unehrenhaft entlassen werden...
  • 33 Bewertungen