Wir waren Helden (DVD) Testbericht

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ab 7,97
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von HaloB

God bless Hollywood

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Vorbemerkung:
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Diese Meinung wird für meine Verhältnisse unüblich werden. Ich werde keinen Wert auf eine geordnete Gliederung nehmen, ebenso wird mein Urteil in diesem Falle wohl sehr subjektiv und persönlich geprägt sein. Ich möchte vorab anmerken, dass ich an keiner Stelle beabsichtige, die Reputation und den Respekt vor dem Leben und Sterben jeglicher Soldaten in irgendeinem Krieg der Weltgeschichte zu verletzen. Mir ist das Ausmaß der persönlichen Tragödien bewußt, die ein jeder Krieg mit sich bringt. Ich möchte mein Mitgefühl ausdrücken für jene Menschen, die ihr eigenes oder das Leben eines Angehörigen in einem kriegerischen Konflikt verloren haben, in dem es um lobbyistische und politische Interessen ging. Ich ziehe meinen Hut vor jedem Menschen, der in Situationen eines Krieges zum Held in dem Augen der Welt oder seines Heimatlandes wurde.
Wenn mein Bericht an manchen Stellen sehr kritisch werden sollte, dann führe ich dies auf den unmittelbaren Eindruck des Filmes und der Machart einer Hollywoodproduktion zurück, die eben jenen Respekt vor dem menschlichen Leben an sich vermissen lässt und sich als Propagandamaschinerie mißbrauchen läßt.


Meine Meinung
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Ich weiß nicht genau, warum ich mir diesen Film angesehen habe.
Vielleicht war es der Name Mel Gibson, der mir Hoffnung gab. Vielleicht war es das Urteil von einer Bekannten, das mir einen ergreifenden und traurigen Film versprach, der ein Kriegsfilm nun einmal sein mag.
Vielleicht war es auch die Neugier, in welcher Art und Weise die Traumfabrik das Trauma Vietnam in unserer heutigen, angespannten Weltlage zu verarbeiten versucht. Letztendlich habe ich einen Film gesehen, der das Niveau eines Westerns aus dem kalten Krieg hatte, und der mich vollends enttäuscht und deprimiert hat.

Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Colonel Harold G. Moore (Mel Gibson) bildet in einem Trainingslager in Amerika Officer und Gruppenführer aus, die für den anstehenden Krieg in Vietnam ausgebildet und für ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet werden.
Diese jungen Männer, einigen von ihnen verleiht der Film sogar ein Gesicht und notwendigerweise auch eine junge Familie, werden hernach nach Vietnam verbracht, um die erste Schlacht für die USA zu schlagen und dem Feind erste Gebiete streitig zu machen.
Die nachfolgenden 90 Minuten sind ein Zusammenschnitt von Kriegsszenen, verwundeten und sterbenden Soldaten, die haltlos irgendeine Stellung zu verteidigen versuchen. Immer wieder schwenkt der Film um und zeigt die in Amerika verbliebenen Frauen in ihrer Hoffnung und ebensolcher Trauer, wenn die Nachricht über den Tod des Geliebten eintrifft.
Ich verrate sogar den Schluß, denn ein solcher Schluß ist nicht wirklich vertraulich.. Trotz immenser Opfer gelingt den US-Truppen der Durchbruch durch die feindlichen Linien, und Helikopter transportieren die müden Helden in das Headquarter.


Schnitt
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Hatte ich zu Anfang stets die Hoffnung, der Film möge sich wandeln und sich bald politisch fair verhalten, so verlor ich nach und nach jegliche Hoffnung. Ehrlich gesagt gibt es Western mit John Wayne, die ich für differenzierter und ehrlicher halte als diesen typischen Hollywoodschinken, der aber auch ALLE Klischees bedient, die das amerikanische Kino für den Vietnamkrieg bereithält.
Ob es nun ein texanischer Sergeant ist, der in lächerlichen Heroismus krude Heldensprüche von sich gibt, die Symbolik eines vietnamesischen Fahnenträgers, der natürlich erschossen werden muss und geschlagen in einem Baum hängen bleibt .. der Regisseur und Autor Randall Wallace ist sich an keiner Stelle zu schade, das patriotische Bedürfnis seines vorwiegend amerikanischen Publikums zu bedienen und gar zu übertreffen.
Geradezu albern wirken die Szenen, in denen Mel Gibson scheinbar unverwundbar und aufrecht stehend zwischen seinen im Gras kauernden Soldaten schreitet und Anweisungen gibt. Fast verletzend die Darstellung der wie Pappkameraden umfallenden und sofort sterbenden vietnamesichen Soldaten, während jeder einzelne US-Soldat langsam und dramaturgisch sterben darf, nicht ohne die letzten Worte gesprochen zu haben:
\"Sag meiner Frau, dass ich sie liebe\".

Wie ein Schlag ins kulturelle Gesicht der Vietnamesen muß es wohl sein, wenn der Colonel die Anweisung an einen Kriegberichterstatter gibt, ganz Amerika zu erzählen, was die Soldaten dort geleistet haben. Und das, ganz ohne auch nur ansatzweise das politische Ausmaß und die Sinnlosigkeit des ganzen Konflikts thematisiert zu haben.
Auch der Fokus auf die verbliebenen Frauen zu Hause, und die Darstellung der ganz persönlichen Schicksale eines Krieges kann darüber nicht hinwegtäuschen, dass hier offensichtlich ein ganz plakatives Stück
Propaganda gedreht wurde, bei dem es jedem kritischen Kinogänger einer mehr als schalen Nachgeschmack hinterlassen müsste. Und wenn ich eine gewagte These aufstellen darf .. es ist ein offenes Geheimnis, dass
die US Army nur allzu gerne auch Geldmittel aufwendet, um solche Filmvorhaben zu unterstützen .. im Falle von \"Wir waren Helden\" würde mich eine Erwähnung oder Werbung der US Army nicht wirklich überraschen.

Nicht gegeizt, wie ist es anders zu erwarten, wird mit Stars and Stripes und christlichem Pathos. Zum Kotzen, um es einmal ganz deutlich zu sagen, finde ich zB folgende Szene: Moore trifft in einer Kapelle noch vor dem Einsatz auf einen jungen Familienvater, den Zweifel quälen und er deshalb Hilfe in einem Gebet sucht. Gibson schaltet sich in dieses Gebet ein und bittet um den Beistand Gottes bei der bevorstehenden Mission .. um dann in einem harschen Cowboyton anzufügen:

\"Und mach, dass wir diese gelben Bastarde plattmachen\"

Wie tief kann ein Regisseur sinken, selbst wenn es sich um einen Amerikaner handelt? Wie unreflektiert kann man einen Krieg darstellen, der auf beiden Seiten unmenschliche Opfer und Menschenrechtsverletzungen mit sich brachte? Wie verharmlosen kann man eine Schlacht, in der das höllische Agent Orange von Regierungswegen mehr oder weniger zu Testzwecken eingesetzt wurde, genauso wie ein hochtoxisches Entlaubungsmittel, das bis in die heutige Zeit Schäden an Umwelt und Mensch in Vietnam anrichtet?

Irgendwie dachte ich, Amerika habe mittlerweile einen differenzierten Standpunkt zu diesem traurigen Geschichtsabschnitt gefunden. Ich hatte gehofft, dass die Filme von Oliver Stone und Stanley Kubrick zu einem Umdenken geführt hätten. Dieser Film enttäuscht alle diese Hoffnungen und setzt noch einen obendrauf:

Der Abspann zeigt eine Liste all der gefallenen US-Soldaten der Schlacht, ohne auch nur ansatzweise auf die zahlreichen Opfer der Gegenseite aufmerksam zu machen.
Letztlich versucht der Regisseur noch kurz und knapp, auch eine vietnamesische Frau in ihrer Trauer um den geliebten Ehemann zu zeigen, dessen Tagebuch sie in Händen hält. Wobei auch hier zu beachten ist, dass
dieses Tagebuch offensichtlich von einem heroischen amerikanischen Soldaten nach Vietnam gesendet worden ist.


Fazit
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\"Wir waren Helden\" ist nichts weiter als eine amerikanische Polit-Propaganda ohne geschichtliche Rückendeckung. Mit diesem Film hat sich der Regisseur, zumindest international gesehen, sehr unvorsichtig
hinter \"feindliche\" Linien begeben und hofft nun auf pathetische Rückendeckung der Grand Nation. Von mir bekommt er dafür eine klare Absage aufgrund nichtgemachter Hausaufgaben .. und es nährt meine Lust auf den ehrlichen europäischen Film, der mich von solchen Plattheiten verschonen mag ..

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