Wir waren Helden (DVD) Testbericht

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Wir-waren-helden-dvd-antikriegsfilm
ab 7,97
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von Skoorb

Solider, aber konventioneller Kriegsfilm mit wenigen starken Momenten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So manchem ist allein schon beim Titel des neuen Kriegsfilms mit Mel Gibson der Kinobesuch vermiest worden, vom pathetischen Trailer ganz zu schweigen. Zu sehr riecht bei \"Wir waren Helden\", der auf den Memoiren des echten US-Colonels Hal Moore und den Tatsachenberichten des Journalisten Joe Galloway mit dem Titel \"We were Soldiers once ... and young\" basiert, alles nach dem üblich-patriotischen US-Militär-Gelobe, das viele, oftmals zu Recht, als Beinahe-Propaganda abtun. Und tatsächlich: Regisseur und Drehbuch-Autor Randall Wallace, zuletzt durch sein uninspiriertes, klischeehaftes Drehbuch zu \"Pearl Harbor\" negativ aufgefallen, inszeniert seinen Kriegsstreifen gerade zu Beginn gewohnt heroisch und stereotypisch, als er die Männer als durchweg gut, unschuldig, aber gehorsam und patriotisch charakterisiert. Wir haben hier Vorzeige-Familienväter vor uns, wie sie die Amerikaner lieben und verehren. Trotzdem Trompeten-Fanfaren und US-Flagge kaum oder nur dezent zum Einsatz kommen, schwingt in Wallace\'s Inszenierung leider der übliche Kriegs-Kitch mit: Kinder fragen ihren Papa \"Was ist Krieg?\", Mütter regen sich über die Diskriminierung von Schwarzen auf, die doch ebenso für ihr Land kämpfen wie die weißen Kollegen und die Soldaten haben beim letzten Gebet vor der Versetzung nach Vietnam immer noch \'nen lockeren Spruch an Gott auf Lager. In diesen Szenen nervt \"Wir waren Helden\", weil er eben absolut nichts Neues bietet und stattdessen das übliche Programm runterspult.

Besser wird es dann als sich die Soldaten doch relativ fix zum finalen Abflug nach Vietnam einfinden: effektvoll und sehr ehrlich bringt Wallace hier die Schwere des Abschieds der Männer von ihren Frauen und von zu Hause unter, verzichtet auf den letzten, tränenreichen Wortwechsel und versammelt die Soldaten schließlich auf einem leeren, von einem einzigen Scheinwerfer beleuchteten Platz von dem sie in wenigen Minuten von Militärbus abgeholt werden. Wie die Kameraden hier schweren Mutes und zögernd eintreffen, den möglichen Tod und somit nimmernde Wiederkehr vor Augen, gehört sicher zu den stärksten Momenten des Films.

Mit einer einzigen Überblendung wechselt das Geschehen aber dann auch schon zum Schauplatz in Vietnam und von da an fliegen die Kugeln ohne Unterlass. Sehr plötzlich und ohne taktischen Hintergrund wird der Zuschauer hier wie die Soldaten aufs Schlachtfeld geschickt und mit der -für Kinoverhältnisse spätestens seit \"Soldat James Ryan\"- schon üblichen Brutalität konfrontiert. Inwieweit Blutspritzer auf der Kamera nötig sind, fragt man sich im Laufe dieses Films immer öfter, und zum Rüberbringen einer Message sind diese Szenen nicht wirklich notwendig. Hier hätte Wallace durchaus Charakter bewiesen, wenn er die Tode zahlreicher Männer nur angedeutet hätte.

Das Problem, das den Film nun ab der Landung in Vietnam begleitet, ist deshalb der Schauwert, der hier offensichtlich noch immer als Abschrecker und damit Antikriegsmittel Nr.1 eingesetzt wird. Über eine Stunde bietet der Film nur noch Kriegs\"action\" und man konnte richtig sauer werden, ob der Sinnlosigkeit des Dargebotenen. Auch das Überbringen der Todesmeldungen zu Hause bei den Frauen entpuppt sich als zu kalkuliert, obwohl gerade die erste Szene mit dem Taxifahrer genau die Ehrlichkeit besitzt, die dem ganzen Film viel besser zu Gesicht gestanden hätte. Letzen Endes kann man auch seinem von der Kritik so gelobten Versuch, den Vietnamesen ein Gesicht zu geben, nur Alibi-Charakter zusprechen, etwa wenn er einem namenlosen Vietnamesen den anonymen Abschied von seiner Frau gönnt. Zumindest könnte man das bis zum tatsächlichen Endes des Films denken.

Dann nämlich kriegt Randall Wallace so gerade noch die Kurve. Dass die Schlacht absolut sinnfrei ablief, entwickelt sich nun zur einzigen, echten Stärke des Streifens: die US-Soldaten verlassen das Schlachtfeld ohne auch nur irgendetwas taktisch wertvolles erreicht zu haben. Sie lassen Berge von Leichen zurück, packen ihre Sachen und werden vom Hubschrauber abgeholt. Zurück bleibt die große Leere und vor allem das Gefühl, dass der gegenseitige Angriff zweier verfeindeter Parteien nur Opfer und eben keine Helden (wie der deutsche Titel fälschlicherweise nahelegt) zurücklässt. Die Vietnamesen betreten noch einmal das Feld, auf dem sie so unzählige Soldaten verloren haben und wenn ihr General die kleine, zurückgelassene amerikanische Flagge nimmt und sie vollkommen unpathetisch wieder an ihren Platz zurücksteckt, wird klar, dass hier Menschen vollkommen umsonst gestorben sind und im Grunde völlig gleichgültig ist, wessen Flagge am Ende im Winde weht.

Diese Schlusspointe macht aus \"Wir waren Helden\" letztlich noch einen guten Antikriegsfilm und eben keine hirnfreie Militärheroisierung, auch wenn die Inszenierung und die übliche Charakterzeichnung drumherum (vor allem beim Reporter) dem Film viel von seiner Intention nimmt. Sehr schade, dass stereotypische Hollywood-Formeln hier mal wieder die Oberhand behalten haben.

5 Bewertungen