Das Leben des David Gale (DVD) Testbericht

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ab 6,43
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Erfahrungsbericht von NoSoul

David Gale- eine irreführende Kritik an der Todesstrafe

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Das Leben des David Gale





David Gale(Kevin Spacey) sitzt in einem texanischen Todestrakt und soll in vier Tagen vom Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Er wurde verurteilt, eine gute Freundin vergewaltigt und auf grausame Weise umgebracht zu haben. Die letzten Tage bietet er der Journalistin Bitsy Bloom(Kate Winslet) drei Exklusiv-Interviews. Er wählt gerades sie, weil sie sogar schon im Gefängnis war, um ihre Informanten zu schützen. Sie glaubt anfangs fest an die Schuld Gales, doch schnell ändert sich das während der Interviews. Gale erzählt ihr seine Geschichte. Er war Dozent an einer Universität und der führende Aktivist gegen die Todesstrafe in Texas. Er war beliebt bei Kollegen und Studenten, wurde von den Gegnern der Todesstrafe verehrt und von ihren Befürwortern gefürchtet. Er war voller Selbstvertrauen und hatte auch einen Drang zur arroganten Belehrung und Besserwisserei. Allerdings betrog ihn seine Frau. Eines Tages kam eine Studentin und bot Sex für eine gute Note. Gale lehnt ab. Auf einer Party trinkt er jedoch und lässt sich von ihr verführen. Daraufhin wirft sie ihm vor, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Er wird zwar für unschuldig befunden, aber seine Karriere ist vorbei, seine politische Glaubwürdigkeit dahin und seine Frau nimmt ihren gemeinsamen Sohn, verlässt ihn und zieht nach Spanien. Er wird zum Trinker, versucht immer wieder Kontakt zu seinem Sohn aufzunehmen, beruflich neu Fuß zu fassen und weiter gegen die Todesstrafe zu kämpfen. Alles scheitert mehr oder weniger hart. Als er einmal bei seiner Freundin und Mit-Aktivistin Constance Trost sucht, bricht sie zusammen. Er erfährt, dass sie an Leukämie leidet. Im Gegensatz zu ihm, hat sie ihre Probleme stets für sich behalten.
Eines Nachts kommt es, aus einer depressiven Stimmung heraus, dazu, dass sie miteinander schlafen. Am nächsten Morgen wird sie tot aufgefunden und er wird verhaftet.
Aufgrund dieser Geschichte fängt Bitsy an ihm seine Unschuldsbeteuerungen zu glauben. Sie beginnt ernsthaft zu recherchieren, um ihn vor der Todesstrafe zu retten. Dabei wird sie und ein Praktikant, der ihr zur Unterstützung mitgegeben wird, von einem Cowboy des öfteren verfolgt. Sie finden heraus, dass dieser Typ auch zu Deathwatch, der Anti-Todesstrafe-Organisation Gales gehört, radikale Ansichte vertritt und in enger Beziehung zu Constance stand. Nachdem ihr eine Videokassette in ihr Zimmer gehängt wird, auf der Constance Erstickungstod aufgezeichnet ist, und sie zwei mal den Tatort besucht hat, meint sie zu wissen, was wirklich passiert ist. Constance wollte nicht sinnlos an Leukämie sterben, sondern beweisen, dass die Todesstrafe falsch ist. Ein Streitpunkt in der Debatte ist im Film immer wieder die Möglichkeit, dass das System Unschuldige töten könnte. Einen beweisbaren Fall kann Deathwatch aber nicht aufbieten. Also hat Constance zusammen mit ihrem Cowboy-Freund einen arrangiert. Sie tötete sich selbst, aufgezeichnet von ihrem Freund. Als Beweis für die Schuld Gales dienen seine Spermaspuren von letzter Nacht und das Video, auf dem sie gefesselt mit einer Tüte über dem Kopf erstickt. Nachdem Gale vom System getötet worden ist, taucht dann das vollständige Video auf, dass zeigt, wie sie sich selbst die Tüte überzieht und fesselt und der Cowboy ihren Leichnam kontrolliert.
Ist Bitsys Theorie korrekt, muss der Cowboy das Video haben. Sie bricht in seine Hütte ein, findet das Video... Doch es ist zu spät. Ihr Wagen bleibt auf dem Weg zum Gefängnis liegen (welch mysteriöser und völlig unerklärt bleibender Zufall!). Gale, der führende Kritiker der Todesstrafe ist der erste nachweisbare Fall, bei dem das System einen Fehler beging.
Hier sollte der Film vielleicht enden, doch leider tut er es nicht! Bitsy bekommt ein weiteres Video zugeschickt. Auch die Version des Cowboys war geschnitten. Denn am Ende sieht man Gale, wie er nach dem Cowboy Constance Leiche betrachtet und die Kamera ausschaltet. Bitsy wurde benutzt. Gale, der alles im Leben durch eine Verkettung unglücklicher Umstände verloren hat, inszenierte seine eigene Hinrichtung, um das System bloß zu stellen.


Das Grundthema und die Handlungsidee sind gar nicht schlecht, leider ist die Verarbeitung des Themas nicht gelungen. Die Handlung wird oft von Zufällen und unlogischen Entscheidungen der Figur der Bitsy vorangetrieben. So ist beispielsweise nicht ersichtlich, warum sie ihre Meinung in Bezug auf Gales Schuld so frühzeitig im Handlungsgang revidiert. Sie geht ihm gegenüber fast feindselig in das erste Interview. Sie ist eine gute Journalistin. Und dennoch ändert sie nur aufgrund Gales Erzählungen ihre ganze Meinung, lange bevor sie auch nur einen echten Beweis seiner Unschuld in Händen hielt. Bitsy ist insgesamt die schwächste und unlogisch handelnste Figur im Film. Auf die Idee, dass Constance Selbstmord beging, kommt sie durch den beeindruckenden Beweis, dass die Küchenhandschuhe im Video ordentlich liegen. Ein Mann hätte sie einfach in die Ecke geworfen. Logisch, nicht war? Aber auch so nervt dieser Charakter. Als sie ihr Zimmer aufgebrochen vorfindet und die Videokassette in der Mitte des Zimmers hängt, bekommst sie einen Panikanfall, obwohl absolut keine Gefahr zu erwarten ist. Oder hängen einbrechende Mörder Kassetten auf und warten dann auf dem Klo? Sie soll schon im Knast gesessen haben und hatte mit Vergewaltigern zu tun. Und hier schreit sie wild um sich? Absolut unglaubwürdig!
Doch am meisten ist die innere Logik der Handlung und der Argumentation Gales und seiner Komplizen zu kritisieren. Warum schickt Gale ihr am Ende das alles beweisende Video? Er wollte zeigen, dass das System nicht perfekt funktioniert, indem er unschuldig vom Staat getötet wird. Das sollte zeigen, die Todesstrafe ist falsch. Nun hat Bitsy das Video. Er hat keine Sicherheit, dass sie es nicht veröffentlicht. Und selbst wenn nicht, könnte es durch irgendeinen Zufall mal public werden, allein weil es existiert. Er riskiert hierbei alles. Würde sich zeigen, dass er verurteilt werden wollte, wäre seine gesamte Argumentation dahin. Denn das System geht davon aus, dass der Beschuldigte alles tut, um seine Unschuld zu beweisen. Damit ist er kein Opfer des Systems, sondern seiner Verzweiflung. Es wirkt als hätte er keine Argumente mehr gegen die Todesstrafe. Also muss er zu einer getürkten Vorführung seiner Theorie greifen. Ein schöneres Geschenk könnte man einem republikanischen Senator in Texas wahrscheinlich gar nicht machen.
Doch der Film kann wahrscheinlich gar nicht anders enden. Das Ende ist vorhersehbar. Warum? Der Konfliktstoff der Todesstrafe wird in diesem Film nämlich auf die Frage reduziert, was ist wenn man Unschuldige verurteilt? Im Film wird die in der Realität schon längst falsche Prämisse vorausgesetzt, dass dies bisher kein einziges mal beweisbar vorgekommen sei. Fakt ist übrigens, dass es schon einige im Nachhinein bewiesene Fälle in den USA gegeben hat, in denen Unschuldige auf den elektrischen Stuhl kamen. Der Film verliert sich so in die vereinfachende Rechnung, dass die Todesstrafe sich allein daraus legitimiert, ob die Justiz perfekt funktioniert oder Fehler macht. Diese Debatte muss zwangsweise zu einem falschen Ende kommen. Die Todesstrafe wäre auch dann nicht gerechtfertigt, wenn ein perfektes, sich nie irrendes Rechtssystem existieren würde. Töten an sich ist falsch. Ein Leben zu beenden, egal welche Schuld es auf sich geladen hat ist nicht nur sinnlos, es führt zu neuem Leid, Leid im Täter, in seinem Umfeld, in seiner Familie. Ein Film, der sich mit diesem Thema beschäftigt, darf sich nicht derart in einem einzigen, sicher wichtigen, aber nicht entscheidenden, Aspekt verlieren. Denn denkt man den Film zu Ende, kann man sich nicht mehr absolut sicher sein, ob er nicht unfreiwillig den Befürwortern mehr nutzt als den Kritikern der Todesstrafe.
Ich persönlich halte es hier lieber mit „Dead Man Walking“. In diesem Film wird ein Schuldiger verurteilt. Man lernt ihn kennen, seine Familie. Es wird eindringlich gezeigt, dass es egal ist, ob schuldig oder unschuldig, töten, egal wer tötet, ist falsch. „Das Leben des David Gale“ schafft es leider nicht so eindeutig Stellung zu beziehen.
Positiv ist am Film sicher die Leistung Kevin Spaceys. Er spielt den selbstsicheren, fast arroganten Gale, dessen Leben zusammenbricht sehr glaubwürdig. Die Figur des David Gales ist an sich der Höhepunkt des Films. Sie sorgt für Unterhaltung, für die Tragödie, dafür das man am Ende des Films ihn nicht ganz beschissen findet. Constance ist die einzigen Figur, die neben Gale noch positiv auffällt. Diese beiden Figuren ergänzen sich sehr schön. Es ist das Interesse an den Schicksalen dieser beiden Menschen, die einem den Film über weite Teile angenehm zu schauen machen.
Alle anderen Charaktere, insbesondere Bitsy und ihr Praktikant sind nur schlecht gezeichnete Karikaturen, die nicht nach einem festen Charakterbild handeln, sondern danach, wie es für den Fortgang der Handlung erforderlich ist.


Fazit: Der Film ist nicht sehenswert. Das Thema Todesstrafe wird nur unvollständig, nicht in seiner ganzen Bandbreite behandelt. Wenn man sich ihn doch antun will, ist es aber auch nicht nur Zeitverschwendung. Allerdings kann man ruhig warten bis er im Fernsehen kommt. Eine Kinokarte würde ich dafür nicht lösen.





(The Life of David Gale, USA, Großbritannien 2002)

Darsteller:Kevin Spacey, Kate Winslet
Regie: Alan Parker
FSK: ab 12
Genre: Drama

14 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Kjeldi

    31.08.2007, 02:20 Uhr von Kjeldi
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse Bericht