Godsend (VHS) Testbericht
ab 32,85 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2004
Auf yopi.de gelistet seit 11/2004
Erfahrungsbericht von Locke1771
Die Wahrheit ist schlimmer als der Tod
Pro:
Spannend, sehr interessantes Thema, sehr gute schauspielerische Leistung aller Darsteller
Kontra:
Das Ende ist unpassend und lässt die Geschichte unwirklich erscheinen
Empfehlung:
Ja
Hallo liebe Leserinnen und Leser!
Ich begebe mich heute auf Neuland und schreibe meinen ersten Filmbericht. Bitte habt ein bisschen Nachsehen mit mir, ich weiß ja gar nicht, ob ich das überhaupt kann...
Der Film, um den es in meinem heutigen Bericht geht, heißt „Godsend“ und er ist am 08.Juli in den Kinos angelaufen. Ich hatte davon im Programmheft des UCI-Kino gelesen. Die Filmbeschreibung hat mich sehr neugierig gemacht und so statteten mein Mann und ich vor einigen Wochen einem Hamburger Kino unseren Besuch ab.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Allgemeine Daten zum Film
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Titel: Godsend
Genre: Drama/Thriller
Land: USA/Kanada
Jahr: 2004
Dauer: 103 Min.
FSK: Feigegeben ab 16 Jahren
Regie: Nick Hamm
Drehbuch: Mark Bomback
Kamera: Kramer Morgenthau
Schnitt: Niven Howie, Steve Mirkovich
Musik: Brian Tyler
Produzenten: Marc Butan, Sean O\'Keefe, Cathy Schulman
Koproduzenten Steve Mitchell, Mark Bomback
Homapage: www.rtl.de/film/specials/godsend/
~~~~~~~~
Die Story
~~~~~~~~
Paul und Jessie Duncan lieben ihren Sohn Adam über alles. Nichts scheint das Glück der kleinen Familie trüben zu können.
Doch einen Tag nach Adams 8. Geburtstag schlägt das Schicksal mit erbarmungsloser Härte zu. Bei einem Einkaufsbummel mit seiner Mutter läuft der Junge auf die Straße und wird von einem Fahrzeug erfasst. Für ihn kommt jede Hilfe zu Spät.
Unendlich groß ist der Schmerz und die Verzweiflung über den tragischen Tod ihres Sohnes. Ausgerechnet in dieser Phase des Nicht-Fassen-Könnens tritt der Genforscher Dr. Richard Wells in das Leben von Paul und Jessie. Auf dem Friedhof spricht er die trauernden Eltern an, um ihnen wenig später ein höchst fragwürdiges Angebot zu unterbreiten. Der Vorschlag des Arztes, Adam in einem geheimen Experiment zu klonen, stößt zunächst bei den Duncans auf heftige Gegenwehr, die jedoch nur von kurzer Dauer ist. Zu groß ist ihre Trauer, zu groß ist der Wunsch, ihren geliebten Jungen zurück zu bekommen und dass wieder alles so wird wie früher.
Das Klonen von Menschen ist illegal und niemand darf jemals erfahren, worauf Paul und Jessie sich eingelassen haben. Sie brechen alle sozialen Kontakte ab und ziehen aufs Land, weit entfernt von ihrem bisherigen Zuhause. Ganz in der Nähe liegt auch Wells’ Klinik Godsend (Gottesgeschenk), in der der geheime Prozess durchgeführt wird.
Neun Monate später bringt Jessie Adam ein zweites Mal zur Welt. Der Junge entwickelt sich prächtig und bereitet seinen Eltern viel Freude. Das Experiment scheint geglückt.
Doch dann kommt der Tag, an dem Adam Nr.2 das 8. Lebensjahr vollendet. Den Jungen plagen plötzlich schwerste Albträume und er leidet immer häufiger unter Wahnvorstellungen. Die besorgten Eltern wenden sich ratsuchend an Richard, der inzwischen ein Freund der Familie geworden ist und auch eine besonders innige Beziehung zu dem kleinen Adam aufgebaut hat. Wells beschwichtigt Paul und Jessie jedoch und erklärt, dass derartige Verhaltensweisen von Kindern in Adams Alter durchaus vorkommen und nichts Außergewöhnliches darstellen. Sie sollten Geduld haben und erst einmal abwarten.
Doch Adams zustand verschlimmert sich. Er scheint ein bösartiges Wesen anzunehmen, verhält sich aggressiv gegenüber seinen Mitschülern und beginnt, sich selbst Verletzungen zuzufügen. Er spricht von merkwürdigen Dingen, mit denen seine Eltern nichts anzufangen wissen. Ahnt der Junge, dass er schon einmal gelebt hat? Die Lage spitzt sich zu, als plötzlich einer von Adams Schulkameraden spurlos verschwindet.
Vor allem Paul vermutet, dass Richard ihm und Jessie etwas verschweigt und er beginnt, eigene Nachforschungen über den Arzt mit dem ach so guten Ruf anzustellen. Nach und nach kommt die grausame Wahrheit ans Licht, eine Wahrheit, die schlimmer ist als der Tod...?
~~~~~~~~~~~~~~
Die Schauspieler
~~~~~~~~~~~~~~
GREG KINNEAR ~ Paul Duncan
begeisterte als Fernseh-Moderator der US-Show \"Talk Soup\" sowohl Kritiker als auch das Fernsehpublikum und errang somit Kultstatus. Sein Spielfilmdebüt an der Seite von Harrison Ford und Julia Omond in den von Sydney Pollack inszenierten Remake „Sabrina“ brachte ihn den Ruf des „Star of Tomorrow“ ein. Für seine Darstellung von Jack Nicholsons vom Pech verfolgten Nachbarn Simon in James L Brooks „Besser geht\'s nicht“ erhielt er eine Nominierung für den Academy Award.
REBECCA ROMIJN-STAMOS ~ Jessie Duncan
ist mit großem Erfolg der Sprung vom international gefragten Model zur weltweit bekannten Schauspielerin gelungen. Einen ihrer ersten Auftritte hatte sie in der Kultserie „Friends“, in der sie als „schönste Frau der Welt“ in einem schäbigen Apartment lebt. Es folgten diverse Nebenrollen in Streifen wie „Austin Power - Spion in geheimer Missionarsstellung“ und bald darauf Hauptrollen in „Rollerball“ und „Simone“, die ihr zum Durchbruch verhelfen sollten.
ROBERT DE NIRO ~ Dr. Richard Wells
gelang 1974 in der Rolle des jungen Vito Corleone in „der Pate II“ der Durchbruch und er bekam dafür seinen ersten Oscar. Den 2. erhielt er für sein außergewöhnliches Porträt des Jake LaMotte in „Wie ein Wilder Stier“. Weitere Academy Award Nominierungen folgten, u. a. für die Darstellung des Vietmam-Veteranen Travis Bickle in „Taxi Driver“ und „Die durch die Hölle gehen“. Auch mit über 60 Jahren gehört De Niro zu den gefragtesten Schauspielern Hollywoods.
CAMERON BRIGHT ~ Adam Duncan
Der zehnjährige Cameron Bright begann seine Schauspielerkarriere mit Werbesports in den USA und Kanada. Von dort gelang ihm schnell der Sprung ins TV-Seriengeschäft und er spielte u. a. in Serien wie „Dark Angel“, „Night Visions“ und „Higher Ground“
WEITERE DARSTELLER:
Merwin Mondesir - Sava Drayton - Jake Simons - Elle Downs - Edie Inksetter - Raoul Bhaneja - Jenny Levine - Thomas Chambers - Munro Chambers - Jeff Christensen - Deborah Odell - Janet Bailey - Marcia Bennett - Tracey Hoyt
~~~~~~~~~~~~
Der Regisseur
~~~~~~~~~~~~
Als einer von Englands meist beachteten Theater- und Filmregisseuren war NICK HAMM zwischen 1983 und 1988 fester Regisseur der Royal Shakespeare Company. Erste Erfahrungen im Film- und Fernsehbereich machte er als Regisseur von Dokumentationen und Kurzfilmen. Sein erster Kinofilm hieß \"Talk of Angels“ (1988) und war eine epische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkriegs. „Godsend“ ist Hamms erste US-amerikanische Produktion.
~~~~~~~~
Der Autor
~~~~~~~~
MARK BOMBACK studierte englische Literatur und Film. Er hat an einer Reihe von Projekten für verschiedene Studios gearbeitet - wie z. B. Constantine (2004) der von Francis Lawrence mit Keanu Reeves in der Hauptrolle inszeniert wird. Zur Zeit schreibt er am Drehbuch zu \"Stirb langsam 4\".
2002 wurde Bomback für die Teilnahme am berühmten Filmmakers Lab des Sundance Film Institute ausgewählt, wo er sein Drehbuch zu \"Disturbing The Piece\" entwickelte.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Meine Erwartungen an den Film
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Auf der Homepage wird dem Zuschauer ein „Mysterythriller der Sonderklasse“ angekündigt. Von einer düsteren Schattenwelt zwischen Leben und Tod, in der auch das Unvorstellbare möglich ist, ist dort die Rede.
„Godsend“ verzichtet auf platte Schockmomente und Gewalt, stattdessen setzt er auf psychologische Suspense und eine einzigartige pechschwarze Atmosphäre.
Nachdem ich die Filmbeschreibung und diesen Text auf der Internetseite gelesen hatte, fiel mir sofort mein erster Stephen King Roman ein, den ich gelesen hatte: „Friedhof der Kuscheltiere“, in dem der kleine Sohn der Familie bei einem Autounfall tödlich verunglückt, sein Vater ihn auf dem Friedhof der Micmac-Indianer begräbt, wonach der kleine als mordlüsternes Monster zu seiner Familie zurückkehrt. Wer den King-Roman kennt, der weiß, dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt, was ich bei dieser Thematik auch für realistisch und angemessen halte.
Von „Godsend“ erwartete ich somit eine Art „Friedhof der Kuscheltiere“ im modernen Zeitalter der Gentechnik, einen Film, der ganz harmlos anfängt, in dem die Spannung nach und nach gesteigert wird, es zur „großen Katastrophe“ kommt und das Ganze ein realistisches, aber nicht unbedingt gutes Ende nimmt.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Meine Meinung zum Film
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Um es gleich vorweg zu nehmen. Meine Erwartungen waren etwas zu hoch. Ich hätte mir von diesem Film wirklich mehr versprochen.
Paul und Jessie ist der Albtraum jeder Eltern widerfahren, ihr Kind durch den Tod zu verlieren. Sie stürzen danach in eine tiefe Depression. Der Zustand, in dem sie sich befinden, wird sehr gut dargestellt. Szenen, in denen sich Paul selbstaufgenommene Videos anschaut, auf denen sein Sohn lachend zu sehen ist oder Jessie - vor ihr liegen unzählige Fotos, die Adam zeigen - lassen diese Situation sehr realistisch erscheinen und man kann als Zuschauer sehr gut nachempfinden, was Paul und Jessie durchmachen müssen. Besonders überzeugend fand ich hier Rebecca Romijn-Stamos in der Rolle einer unendlich verzweifelten Mutter.
Der seelische Ausnahmezustand, in der sich die Duncans nach Adams Tod befinden, macht sich Richard Wells eiskalt zu Nutze. Robert De Niro spielt die Rolle des zwielichtigen Genforschers ganz ausgezeichnet und ich kann mir niemanden vorstellen, der das besser hinkriegen könnte. Er hat mir von allen Darstellern am besten gefallen. In Dr. Richard Wells spielt er einen älteren Herren, der im ersten Moment einen netten Eindruck macht und Verständnis für das Empfinden der trauernden Eltern aufzubringen scheint, andererseits aber auch sehr beharrlich ist und darauf drängt, dass sich Paul und Jessie möglichst schnell entscheiden. Er gibt vor, ihnen helfen zu wollen, in Wahrheit geht es ihm aber nur um seinen eigenen und ganz persönlichen Interessen.
Wer mit der Erwartung ins Kino geht, viel rote Farbe, sprich Blut zu sehen, der wird von „Godsend“ wohl enttäuscht sein. Blut fließt sehr wenig in dem Film, dafür gibt es aber einige Schockeffekte, die selbst mir, die sämtliche Geschichten Stephen Kings gelesen und auch einige Verfilmungen gesehen hat, einen gehörigen Schrecken eingejagt haben, und ich begann nicht nur einmal in dem nicht gerade niedrig temperierten Kinosaal zu frieren. Daher halte ich die Altersfreigabe ab 16 Jahren auch für angemessen.
Negativ aufgefallen sind mir die teilweise sehr großen Zeitsprünge. Z. B. sieht man Jessie in der Klinik, als sie Adam zum 2. Mal zur Welt bringt und nur wenig später ist der junge 8. Ich vermisse da eine Überleitung.
Und nun bin ich an dem Punkt angelangt, den ich am schärfsten kritisieren muss. Ich fand „Godsend“ wirklich sehr gut und noch während ich im Kino saß war mir klar, dass ich über diesen Film einen Bericht schreiben und dass meine Bewertung wohl auf 5 Sterne hinauslaufen würde. Doch dann kam das Filmende und ich war ziemlich enttäuscht um nicht zu sagen entsetzt.
Es ist ein Ende, das viele Fragen offen lässt, meiner Meinung nach völlig unpassend ist und die gesamte Geschichte unwirklich erscheinen lässt.
Es ist schwierig, das was ich jetzt denke nachvollziehbar darzustellen, ohne das Ende zu verraten. Der geklonte Adam hat meiner Ansicht nach nichts Menschliches und ist in der Zwischenzeit zu einer Bedrohung für seine Umwelt geworden. Wenn ich an den Film zurückdenke, sehe ich immer dieses verzerrte Gesicht mit dem starren, leeren Blick vor mir.
Ich muss an dieser Stelle noch einmal auf „Friedhof der Kuscheltiere“ zurückkommen, mit dem „Godsend“ im übrigen einige Parallelen hat. In dem King Roman wird der wieder lebendig gewordene Sohn, nachdem er einige Morde begangen hat, von seinem Vater durch eine Spritze getötet. Um nun die Geschichte von „Godsend“ einigermaßen realistisch wirken zu lassen müsste sie meiner Meinung nach - so hart das auch klingen mag - damit enden, dass der Junge nicht überlebt...
~~~~~~~~~~~~~~
Meine Gedanken
~~~~~~~~~~~~~~
Hat der Mensch das Recht dazu, sich alles zu erlauben, was er will, der Natur ins Handwerk zu pfuschen und über Leben und Tod zu richten? Der Film hat eine Erinnerung an einen Zeitungsbericht zurückgerufen, den ich schon vor längerer Zeit zum Thema Klonen gelesen hatte. Die Abbildungen dazu stellten eine Horrorvision dar: Lauter gleichaussehende Menschen, alle mit der gleichen Haarfarbe, Augenfarbe, derselben Körpergröße und Gesichtsform. Was für eine entsetzliche Vorstellung und ich dachte damals: „Wer übernimmt denn dafür eine Garantie, dass nicht auch bei einem Klonprozess Fehler unterlaufen könnten? Sind die in Stephen-King-Büchern oft vorkommenden bösartigen Kreaturen etwa gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt...?“
Der Tod eines geliebten Menschen hinterlässt eine große Lücke und gerade in der ersten Zeit danach denkt man als Hinterbliebener oft, dass es nicht mehr weiter geht und hat das Gefühl, vor einem Abgrund zu stehen und jeden Moment hinunterzustürzen. Die Natur hat es so vorgesehen, dass wir alle einmal sterben müssen und dies hat sicher seinen Grund. So schwer das auch ist, aber wir sollten lernen, den Tod als Teil unseres Lebens zu akzeptieren und nicht versuchen, verstorbene in Form einer 1:1 Kopie zu neuem Leben zu erwecken.
Dies sind keine Theorien aus irgendwelchen schlauen Büchern. Ich selbst bin in meinem Leben leider schon einige Male mit dem Tod konfrontiert worden und habe bereits mehrere, mir sehr nahestehende Menschen verloren. Ich vermisse sie sehr, aber die Vorstellung, nur einer von ihnen würde plötzlich wieder lebendig vor mir stehen... sie ist unheimlich, sie macht mir Angst, sogar sehr große Angst. Es ist besser so, wie es ist und sie sollen ihren Frieden haben...
~~~~~~~~~
Mein Fazit:
~~~~~~~~~
„Godsend“ ist ein durchaus sehenswerter Film mit einem leider unpassenden Ende. Mit meiner Bewertung tue ich mich sehr schwer. Um einmal vom Schulnotensystem auszugehen, würde ich dem Film eine 2- bis 3+ geben. Hier bei Yopi habe ich mich - nach längerem Überlegen -für 3 Sterne entschieden.
Die Story ist interessant, die Idee, ein sehr umstrittenes Thema aufzugreifen sehr gut. Der Film ist spannend und in allen Rollen mit guten Schauspielern besetzt, deren Darstellung durchweg überzeugend ist. Besonders hervorzuheben ist hier Robert De Niro als eiskalter und skrupelloser Halbgott in weiß.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ist die Handlung manchmal sehr sprunghaft und das ist schade. Ich finde der Film hätte lieber 10 Minuten länger andauern können und man hätte auf all zu große Zeitsprünge verzichtet.
Trotz der Kritikpunkte spreche ich für „Godsend“ meine Empfehlung aus. Er wird nicht zu meinen Lieblingsfilmen gehören und ich glaube, ich muss ihn auch nicht noch einmal anschauen. Bevor ich ins Kino ging, habe ich bereits einige vernichtende Kritiken von selbsternannten Fachleuten in verschiedenen Zeitschriften gelesen. Vielleicht fand ich den Film auch nur deshalb nicht ganz so schlecht, wie die Kritiker, weil ich sehr viel für dieses Genre übrig habe...
********
Das war er nun, mein erster Filmbericht. Ich hoffe, dass er mir einigermaßen gelungen ist. Ich bedanke mich fürs Lesen und freue mich auf euere Bewertungen.
Euere Locke :-)
Hamburg, 19.08.2004 ©Locke1771
--------------------------------------------------------------------
Diesen Bericht habe ich bereits am 19.07.2004 bei Ciao veröffentlicht.
Ich begebe mich heute auf Neuland und schreibe meinen ersten Filmbericht. Bitte habt ein bisschen Nachsehen mit mir, ich weiß ja gar nicht, ob ich das überhaupt kann...
Der Film, um den es in meinem heutigen Bericht geht, heißt „Godsend“ und er ist am 08.Juli in den Kinos angelaufen. Ich hatte davon im Programmheft des UCI-Kino gelesen. Die Filmbeschreibung hat mich sehr neugierig gemacht und so statteten mein Mann und ich vor einigen Wochen einem Hamburger Kino unseren Besuch ab.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Allgemeine Daten zum Film
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Titel: Godsend
Genre: Drama/Thriller
Land: USA/Kanada
Jahr: 2004
Dauer: 103 Min.
FSK: Feigegeben ab 16 Jahren
Regie: Nick Hamm
Drehbuch: Mark Bomback
Kamera: Kramer Morgenthau
Schnitt: Niven Howie, Steve Mirkovich
Musik: Brian Tyler
Produzenten: Marc Butan, Sean O\'Keefe, Cathy Schulman
Koproduzenten Steve Mitchell, Mark Bomback
Homapage: www.rtl.de/film/specials/godsend/
~~~~~~~~
Die Story
~~~~~~~~
Paul und Jessie Duncan lieben ihren Sohn Adam über alles. Nichts scheint das Glück der kleinen Familie trüben zu können.
Doch einen Tag nach Adams 8. Geburtstag schlägt das Schicksal mit erbarmungsloser Härte zu. Bei einem Einkaufsbummel mit seiner Mutter läuft der Junge auf die Straße und wird von einem Fahrzeug erfasst. Für ihn kommt jede Hilfe zu Spät.
Unendlich groß ist der Schmerz und die Verzweiflung über den tragischen Tod ihres Sohnes. Ausgerechnet in dieser Phase des Nicht-Fassen-Könnens tritt der Genforscher Dr. Richard Wells in das Leben von Paul und Jessie. Auf dem Friedhof spricht er die trauernden Eltern an, um ihnen wenig später ein höchst fragwürdiges Angebot zu unterbreiten. Der Vorschlag des Arztes, Adam in einem geheimen Experiment zu klonen, stößt zunächst bei den Duncans auf heftige Gegenwehr, die jedoch nur von kurzer Dauer ist. Zu groß ist ihre Trauer, zu groß ist der Wunsch, ihren geliebten Jungen zurück zu bekommen und dass wieder alles so wird wie früher.
Das Klonen von Menschen ist illegal und niemand darf jemals erfahren, worauf Paul und Jessie sich eingelassen haben. Sie brechen alle sozialen Kontakte ab und ziehen aufs Land, weit entfernt von ihrem bisherigen Zuhause. Ganz in der Nähe liegt auch Wells’ Klinik Godsend (Gottesgeschenk), in der der geheime Prozess durchgeführt wird.
Neun Monate später bringt Jessie Adam ein zweites Mal zur Welt. Der Junge entwickelt sich prächtig und bereitet seinen Eltern viel Freude. Das Experiment scheint geglückt.
Doch dann kommt der Tag, an dem Adam Nr.2 das 8. Lebensjahr vollendet. Den Jungen plagen plötzlich schwerste Albträume und er leidet immer häufiger unter Wahnvorstellungen. Die besorgten Eltern wenden sich ratsuchend an Richard, der inzwischen ein Freund der Familie geworden ist und auch eine besonders innige Beziehung zu dem kleinen Adam aufgebaut hat. Wells beschwichtigt Paul und Jessie jedoch und erklärt, dass derartige Verhaltensweisen von Kindern in Adams Alter durchaus vorkommen und nichts Außergewöhnliches darstellen. Sie sollten Geduld haben und erst einmal abwarten.
Doch Adams zustand verschlimmert sich. Er scheint ein bösartiges Wesen anzunehmen, verhält sich aggressiv gegenüber seinen Mitschülern und beginnt, sich selbst Verletzungen zuzufügen. Er spricht von merkwürdigen Dingen, mit denen seine Eltern nichts anzufangen wissen. Ahnt der Junge, dass er schon einmal gelebt hat? Die Lage spitzt sich zu, als plötzlich einer von Adams Schulkameraden spurlos verschwindet.
Vor allem Paul vermutet, dass Richard ihm und Jessie etwas verschweigt und er beginnt, eigene Nachforschungen über den Arzt mit dem ach so guten Ruf anzustellen. Nach und nach kommt die grausame Wahrheit ans Licht, eine Wahrheit, die schlimmer ist als der Tod...?
~~~~~~~~~~~~~~
Die Schauspieler
~~~~~~~~~~~~~~
GREG KINNEAR ~ Paul Duncan
begeisterte als Fernseh-Moderator der US-Show \"Talk Soup\" sowohl Kritiker als auch das Fernsehpublikum und errang somit Kultstatus. Sein Spielfilmdebüt an der Seite von Harrison Ford und Julia Omond in den von Sydney Pollack inszenierten Remake „Sabrina“ brachte ihn den Ruf des „Star of Tomorrow“ ein. Für seine Darstellung von Jack Nicholsons vom Pech verfolgten Nachbarn Simon in James L Brooks „Besser geht\'s nicht“ erhielt er eine Nominierung für den Academy Award.
REBECCA ROMIJN-STAMOS ~ Jessie Duncan
ist mit großem Erfolg der Sprung vom international gefragten Model zur weltweit bekannten Schauspielerin gelungen. Einen ihrer ersten Auftritte hatte sie in der Kultserie „Friends“, in der sie als „schönste Frau der Welt“ in einem schäbigen Apartment lebt. Es folgten diverse Nebenrollen in Streifen wie „Austin Power - Spion in geheimer Missionarsstellung“ und bald darauf Hauptrollen in „Rollerball“ und „Simone“, die ihr zum Durchbruch verhelfen sollten.
ROBERT DE NIRO ~ Dr. Richard Wells
gelang 1974 in der Rolle des jungen Vito Corleone in „der Pate II“ der Durchbruch und er bekam dafür seinen ersten Oscar. Den 2. erhielt er für sein außergewöhnliches Porträt des Jake LaMotte in „Wie ein Wilder Stier“. Weitere Academy Award Nominierungen folgten, u. a. für die Darstellung des Vietmam-Veteranen Travis Bickle in „Taxi Driver“ und „Die durch die Hölle gehen“. Auch mit über 60 Jahren gehört De Niro zu den gefragtesten Schauspielern Hollywoods.
CAMERON BRIGHT ~ Adam Duncan
Der zehnjährige Cameron Bright begann seine Schauspielerkarriere mit Werbesports in den USA und Kanada. Von dort gelang ihm schnell der Sprung ins TV-Seriengeschäft und er spielte u. a. in Serien wie „Dark Angel“, „Night Visions“ und „Higher Ground“
WEITERE DARSTELLER:
Merwin Mondesir - Sava Drayton - Jake Simons - Elle Downs - Edie Inksetter - Raoul Bhaneja - Jenny Levine - Thomas Chambers - Munro Chambers - Jeff Christensen - Deborah Odell - Janet Bailey - Marcia Bennett - Tracey Hoyt
~~~~~~~~~~~~
Der Regisseur
~~~~~~~~~~~~
Als einer von Englands meist beachteten Theater- und Filmregisseuren war NICK HAMM zwischen 1983 und 1988 fester Regisseur der Royal Shakespeare Company. Erste Erfahrungen im Film- und Fernsehbereich machte er als Regisseur von Dokumentationen und Kurzfilmen. Sein erster Kinofilm hieß \"Talk of Angels“ (1988) und war eine epische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkriegs. „Godsend“ ist Hamms erste US-amerikanische Produktion.
~~~~~~~~
Der Autor
~~~~~~~~
MARK BOMBACK studierte englische Literatur und Film. Er hat an einer Reihe von Projekten für verschiedene Studios gearbeitet - wie z. B. Constantine (2004) der von Francis Lawrence mit Keanu Reeves in der Hauptrolle inszeniert wird. Zur Zeit schreibt er am Drehbuch zu \"Stirb langsam 4\".
2002 wurde Bomback für die Teilnahme am berühmten Filmmakers Lab des Sundance Film Institute ausgewählt, wo er sein Drehbuch zu \"Disturbing The Piece\" entwickelte.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Meine Erwartungen an den Film
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Auf der Homepage wird dem Zuschauer ein „Mysterythriller der Sonderklasse“ angekündigt. Von einer düsteren Schattenwelt zwischen Leben und Tod, in der auch das Unvorstellbare möglich ist, ist dort die Rede.
„Godsend“ verzichtet auf platte Schockmomente und Gewalt, stattdessen setzt er auf psychologische Suspense und eine einzigartige pechschwarze Atmosphäre.
Nachdem ich die Filmbeschreibung und diesen Text auf der Internetseite gelesen hatte, fiel mir sofort mein erster Stephen King Roman ein, den ich gelesen hatte: „Friedhof der Kuscheltiere“, in dem der kleine Sohn der Familie bei einem Autounfall tödlich verunglückt, sein Vater ihn auf dem Friedhof der Micmac-Indianer begräbt, wonach der kleine als mordlüsternes Monster zu seiner Familie zurückkehrt. Wer den King-Roman kennt, der weiß, dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt, was ich bei dieser Thematik auch für realistisch und angemessen halte.
Von „Godsend“ erwartete ich somit eine Art „Friedhof der Kuscheltiere“ im modernen Zeitalter der Gentechnik, einen Film, der ganz harmlos anfängt, in dem die Spannung nach und nach gesteigert wird, es zur „großen Katastrophe“ kommt und das Ganze ein realistisches, aber nicht unbedingt gutes Ende nimmt.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Meine Meinung zum Film
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Um es gleich vorweg zu nehmen. Meine Erwartungen waren etwas zu hoch. Ich hätte mir von diesem Film wirklich mehr versprochen.
Paul und Jessie ist der Albtraum jeder Eltern widerfahren, ihr Kind durch den Tod zu verlieren. Sie stürzen danach in eine tiefe Depression. Der Zustand, in dem sie sich befinden, wird sehr gut dargestellt. Szenen, in denen sich Paul selbstaufgenommene Videos anschaut, auf denen sein Sohn lachend zu sehen ist oder Jessie - vor ihr liegen unzählige Fotos, die Adam zeigen - lassen diese Situation sehr realistisch erscheinen und man kann als Zuschauer sehr gut nachempfinden, was Paul und Jessie durchmachen müssen. Besonders überzeugend fand ich hier Rebecca Romijn-Stamos in der Rolle einer unendlich verzweifelten Mutter.
Der seelische Ausnahmezustand, in der sich die Duncans nach Adams Tod befinden, macht sich Richard Wells eiskalt zu Nutze. Robert De Niro spielt die Rolle des zwielichtigen Genforschers ganz ausgezeichnet und ich kann mir niemanden vorstellen, der das besser hinkriegen könnte. Er hat mir von allen Darstellern am besten gefallen. In Dr. Richard Wells spielt er einen älteren Herren, der im ersten Moment einen netten Eindruck macht und Verständnis für das Empfinden der trauernden Eltern aufzubringen scheint, andererseits aber auch sehr beharrlich ist und darauf drängt, dass sich Paul und Jessie möglichst schnell entscheiden. Er gibt vor, ihnen helfen zu wollen, in Wahrheit geht es ihm aber nur um seinen eigenen und ganz persönlichen Interessen.
Wer mit der Erwartung ins Kino geht, viel rote Farbe, sprich Blut zu sehen, der wird von „Godsend“ wohl enttäuscht sein. Blut fließt sehr wenig in dem Film, dafür gibt es aber einige Schockeffekte, die selbst mir, die sämtliche Geschichten Stephen Kings gelesen und auch einige Verfilmungen gesehen hat, einen gehörigen Schrecken eingejagt haben, und ich begann nicht nur einmal in dem nicht gerade niedrig temperierten Kinosaal zu frieren. Daher halte ich die Altersfreigabe ab 16 Jahren auch für angemessen.
Negativ aufgefallen sind mir die teilweise sehr großen Zeitsprünge. Z. B. sieht man Jessie in der Klinik, als sie Adam zum 2. Mal zur Welt bringt und nur wenig später ist der junge 8. Ich vermisse da eine Überleitung.
Und nun bin ich an dem Punkt angelangt, den ich am schärfsten kritisieren muss. Ich fand „Godsend“ wirklich sehr gut und noch während ich im Kino saß war mir klar, dass ich über diesen Film einen Bericht schreiben und dass meine Bewertung wohl auf 5 Sterne hinauslaufen würde. Doch dann kam das Filmende und ich war ziemlich enttäuscht um nicht zu sagen entsetzt.
Es ist ein Ende, das viele Fragen offen lässt, meiner Meinung nach völlig unpassend ist und die gesamte Geschichte unwirklich erscheinen lässt.
Es ist schwierig, das was ich jetzt denke nachvollziehbar darzustellen, ohne das Ende zu verraten. Der geklonte Adam hat meiner Ansicht nach nichts Menschliches und ist in der Zwischenzeit zu einer Bedrohung für seine Umwelt geworden. Wenn ich an den Film zurückdenke, sehe ich immer dieses verzerrte Gesicht mit dem starren, leeren Blick vor mir.
Ich muss an dieser Stelle noch einmal auf „Friedhof der Kuscheltiere“ zurückkommen, mit dem „Godsend“ im übrigen einige Parallelen hat. In dem King Roman wird der wieder lebendig gewordene Sohn, nachdem er einige Morde begangen hat, von seinem Vater durch eine Spritze getötet. Um nun die Geschichte von „Godsend“ einigermaßen realistisch wirken zu lassen müsste sie meiner Meinung nach - so hart das auch klingen mag - damit enden, dass der Junge nicht überlebt...
~~~~~~~~~~~~~~
Meine Gedanken
~~~~~~~~~~~~~~
Hat der Mensch das Recht dazu, sich alles zu erlauben, was er will, der Natur ins Handwerk zu pfuschen und über Leben und Tod zu richten? Der Film hat eine Erinnerung an einen Zeitungsbericht zurückgerufen, den ich schon vor längerer Zeit zum Thema Klonen gelesen hatte. Die Abbildungen dazu stellten eine Horrorvision dar: Lauter gleichaussehende Menschen, alle mit der gleichen Haarfarbe, Augenfarbe, derselben Körpergröße und Gesichtsform. Was für eine entsetzliche Vorstellung und ich dachte damals: „Wer übernimmt denn dafür eine Garantie, dass nicht auch bei einem Klonprozess Fehler unterlaufen könnten? Sind die in Stephen-King-Büchern oft vorkommenden bösartigen Kreaturen etwa gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt...?“
Der Tod eines geliebten Menschen hinterlässt eine große Lücke und gerade in der ersten Zeit danach denkt man als Hinterbliebener oft, dass es nicht mehr weiter geht und hat das Gefühl, vor einem Abgrund zu stehen und jeden Moment hinunterzustürzen. Die Natur hat es so vorgesehen, dass wir alle einmal sterben müssen und dies hat sicher seinen Grund. So schwer das auch ist, aber wir sollten lernen, den Tod als Teil unseres Lebens zu akzeptieren und nicht versuchen, verstorbene in Form einer 1:1 Kopie zu neuem Leben zu erwecken.
Dies sind keine Theorien aus irgendwelchen schlauen Büchern. Ich selbst bin in meinem Leben leider schon einige Male mit dem Tod konfrontiert worden und habe bereits mehrere, mir sehr nahestehende Menschen verloren. Ich vermisse sie sehr, aber die Vorstellung, nur einer von ihnen würde plötzlich wieder lebendig vor mir stehen... sie ist unheimlich, sie macht mir Angst, sogar sehr große Angst. Es ist besser so, wie es ist und sie sollen ihren Frieden haben...
~~~~~~~~~
Mein Fazit:
~~~~~~~~~
„Godsend“ ist ein durchaus sehenswerter Film mit einem leider unpassenden Ende. Mit meiner Bewertung tue ich mich sehr schwer. Um einmal vom Schulnotensystem auszugehen, würde ich dem Film eine 2- bis 3+ geben. Hier bei Yopi habe ich mich - nach längerem Überlegen -für 3 Sterne entschieden.
Die Story ist interessant, die Idee, ein sehr umstrittenes Thema aufzugreifen sehr gut. Der Film ist spannend und in allen Rollen mit guten Schauspielern besetzt, deren Darstellung durchweg überzeugend ist. Besonders hervorzuheben ist hier Robert De Niro als eiskalter und skrupelloser Halbgott in weiß.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ist die Handlung manchmal sehr sprunghaft und das ist schade. Ich finde der Film hätte lieber 10 Minuten länger andauern können und man hätte auf all zu große Zeitsprünge verzichtet.
Trotz der Kritikpunkte spreche ich für „Godsend“ meine Empfehlung aus. Er wird nicht zu meinen Lieblingsfilmen gehören und ich glaube, ich muss ihn auch nicht noch einmal anschauen. Bevor ich ins Kino ging, habe ich bereits einige vernichtende Kritiken von selbsternannten Fachleuten in verschiedenen Zeitschriften gelesen. Vielleicht fand ich den Film auch nur deshalb nicht ganz so schlecht, wie die Kritiker, weil ich sehr viel für dieses Genre übrig habe...
********
Das war er nun, mein erster Filmbericht. Ich hoffe, dass er mir einigermaßen gelungen ist. Ich bedanke mich fürs Lesen und freue mich auf euere Bewertungen.
Euere Locke :-)
Hamburg, 19.08.2004 ©Locke1771
--------------------------------------------------------------------
Diesen Bericht habe ich bereits am 19.07.2004 bei Ciao veröffentlicht.
Bewerten / Kommentar schreiben