Erfahrungsbericht von julian.k
Planlose Mörder
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wie viele klischeehafte Charaktere braucht man für einen Hollywoodfilm? Wenn es nach Tony Gayton, dem Drehbuchautor von „Mord nach Plan“ (Originaltitel „Murder By Numbers“. Dies erklärt den Vorspann.) geht, genau vier. Erstmal zwei Teenager. Das müssen natürlich der Musterschüler und der Sunnyboy sein. Dann zwei Polizisten. Hier nehmen wir einmal eine Frau, Detective natürlich, eigenbrötlerisch und unbeliebt. Und dann noch das introvertierte männliche Weichei, das von ihr unterdrückt werden kann. Fertig ist der Streifen. Ach, Mist, ne Story brauchen wir auch noch...
...und hier wirds interessant. Denn die Grundidee von „Mord nach Plan“ ist für meinen Geschmack gar nicht mal übel. Zwei Jungen wollen den „perfekten Mord“ begehen, ein Verbrechen, das zwar eigentlich keinen Sinn macht, da die beiden das Opfer gar nicht kennen, aber dafür so gut durchgeplant ist, dass es nie aufgedeckt wird. Justin (der Musterschüler...) liefert die philosophische Grundlage: Der Mord soll als Beweis der Freiheit dienen, er soll keine Konsequenzen für die Täter haben. Richard macht mit, weil er den Nervenkitzel liebt, er sieht das Ganze eher als Mutprobe an. So planen sie nun den Mord an einer ihnen beiden unbekannten Frau, führen ihn durch - und warten.
Auf wen? Natürlich auf unsere Superheldin. Sandra Bullock als Detective Cassie Mayweather. Von persönlichen Problemen geplagt nimmt sie die Ermittlungen auf, macht sich bei Kollegen und Vorgesetzten unbeliebt und kommt natürlich in null komma nix den Tätern auf die Spur. Dank weiblicher Intuition und einer großen Portion Dummheit beziehungsweise Leichtsinnigkeit der Täter ist ihr nach ca. 20 Minuten klar, dass Justin und Richard, die besagten gelangweilten Schüler, die Bösewichter waren. Diese Dummheit oder Leichtsinnigkeit ist das, was an „Mord nach Plan“ den Spaß verdirbt. Ohne nun zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Wer einen perfekten Mord plant, der muss auch an brechreizstillende Mittel denken. Nicht so Justin. Und damit wäre der Mord eigentlich aufgeklärt, denn dummerweise konnten es sich Justin und Richard nicht einmal verkneifen, am Tatort absichtlich zahlreiche Spuren zu legen, die an ihre Schule, teilweise sogar zu ihnen selbst führen. Hiermit wird die gesamte Idee des perfekten Mordes über den Haufen geworfen, und der Film wird mehr oder weniger zum gewöhnlichen Kriminalfall, nur dass die Motive der Täter nicht Neid, Hass oder Eifersucht sondern eher Langeweile und Unterforderung sind. Jedoch nicht mehr die philosophische Idee, den Mord als Freiheitsbeweis auszuführen, eben gerade keine Spuren zu hinterlassen und die Polizei dazu zu bringen, den Fall ungelöst zu den Akten zu legen.
In einer solchen Form, das muss ich gestehen, wäre der Film allerdings auch wenig hollywoodtauglich gewesen (was ich wiederum sehr begrüßt hätte). Ein unaufgeklärter Mord, ein Cop, der unfähig ist seinen Fall zu lösen? Nein, sowas gibts nicht. Am Ende muss doch wieder Recht und Ordnung herrschen, wo kämen wir sonst denn hin? Die Mörder haben die Wahl: Entweder sie lassen sich zum Guten bekehren oder sie sterben. Prinzipientreue ist, sofern sie nicht mit dem Ableben innerhalb der 120 Minuten des Films beendet wird, unmöglich. Sonst würde das unfehlbare amerikanische Rechtssystem ja gezwungen sein, die Jugendlichen zum Tode zu verurteilen, und das könnte Zweifel an eben diesem System aufkommen lassen. Somit wäre das Schicksal der ersten drei Charaktere also besiegelt. Cassie darf sowohl ihren Fall also auch ihre persönlichen Probleme erfolgreich lösen, der Streber lässt sich vom Guten überzeugen und dem arroganten Kind reicher Eltern bleibt wohl oder übel nichts anderes übrig als von der nächsten Klippe zu fallen, denn ein Sinneswandel hätte dem Klischee widersprochen und ein Ende in der Gaskammer... nein, das wäre unschön. Aber was wird aus Person Nummer 4, dem netten Kollegen Sam? Nun, eigentlich spielt er keine entscheidende Rolle. Seine Hauptaufgabe ist es, für die eine oder andere Sandra-Bullock-Sexszene zu sorgen.
Diesen Film zu bewerten fällt schwer. Die Grundidee ist zwar nicht neu, aber sie verspricht Spannung. Endlich mal kein langweiliger Serienkiller sondern einfach zwei Jugendliche, die scheinbar ohne Grund eine Frau ermorden. Abgesehen von dieser Grundidee hapert es in „Mord nach Plan“ allerdings an einigen Stellen. Eindimensionalere Charaktere als die vier Beschriebenen sind kaum denkbar, die Idee des perfekten Mordes wird auf halber Strecke fallen gelassen und durch ein Versteckspiel mit Spuren in Hülle und Fülle ersetzt, und die Geschichte um die Zusammenarbeit der zwei Mörder, die unterschiedlicher kaum sein könnten, ist unglaubwürdig, da die Charaktere sich schon vom Klischee her vollkommen widersprechen und wohl kaum gemeinsam eine solche Tat begehen würden. Ob sie nun befreundet oder verfeindet sind, erschließt sich während des gesamten Films kaum. Zudem treten einige Längen auf: Da von Anfang an klar ist, wer die Mörder sind, ist die schrittweise Rekonstruktion der Ereignisse durch die Polizei, filmisch durch zeitaufwändige Rückblenden umgesetzt, schlichtweg überflüssig, sie langweilt nur.
Mein Fazit lautet demnach: Gute Idee, schlecht umgesetzt. Mit ein paar überraschenden Wendungen oder auch nur mit mehr Konsequenz in der Umsetzung der Idee und mit ein paar interessanten Dialogen hätte sich fast zwangsläufig ein wirklich guter Film ergeben. Durch die aufgeführten Schwächen bleibt „Mord nach Plan“ im Mittelmaß stecken: Nicht schlecht, ganz gut anzusehen, aber alles in allem mehr verpasste als genutzte Chancen.
Danke fürs Lesen
Julian
...und hier wirds interessant. Denn die Grundidee von „Mord nach Plan“ ist für meinen Geschmack gar nicht mal übel. Zwei Jungen wollen den „perfekten Mord“ begehen, ein Verbrechen, das zwar eigentlich keinen Sinn macht, da die beiden das Opfer gar nicht kennen, aber dafür so gut durchgeplant ist, dass es nie aufgedeckt wird. Justin (der Musterschüler...) liefert die philosophische Grundlage: Der Mord soll als Beweis der Freiheit dienen, er soll keine Konsequenzen für die Täter haben. Richard macht mit, weil er den Nervenkitzel liebt, er sieht das Ganze eher als Mutprobe an. So planen sie nun den Mord an einer ihnen beiden unbekannten Frau, führen ihn durch - und warten.
Auf wen? Natürlich auf unsere Superheldin. Sandra Bullock als Detective Cassie Mayweather. Von persönlichen Problemen geplagt nimmt sie die Ermittlungen auf, macht sich bei Kollegen und Vorgesetzten unbeliebt und kommt natürlich in null komma nix den Tätern auf die Spur. Dank weiblicher Intuition und einer großen Portion Dummheit beziehungsweise Leichtsinnigkeit der Täter ist ihr nach ca. 20 Minuten klar, dass Justin und Richard, die besagten gelangweilten Schüler, die Bösewichter waren. Diese Dummheit oder Leichtsinnigkeit ist das, was an „Mord nach Plan“ den Spaß verdirbt. Ohne nun zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Wer einen perfekten Mord plant, der muss auch an brechreizstillende Mittel denken. Nicht so Justin. Und damit wäre der Mord eigentlich aufgeklärt, denn dummerweise konnten es sich Justin und Richard nicht einmal verkneifen, am Tatort absichtlich zahlreiche Spuren zu legen, die an ihre Schule, teilweise sogar zu ihnen selbst führen. Hiermit wird die gesamte Idee des perfekten Mordes über den Haufen geworfen, und der Film wird mehr oder weniger zum gewöhnlichen Kriminalfall, nur dass die Motive der Täter nicht Neid, Hass oder Eifersucht sondern eher Langeweile und Unterforderung sind. Jedoch nicht mehr die philosophische Idee, den Mord als Freiheitsbeweis auszuführen, eben gerade keine Spuren zu hinterlassen und die Polizei dazu zu bringen, den Fall ungelöst zu den Akten zu legen.
In einer solchen Form, das muss ich gestehen, wäre der Film allerdings auch wenig hollywoodtauglich gewesen (was ich wiederum sehr begrüßt hätte). Ein unaufgeklärter Mord, ein Cop, der unfähig ist seinen Fall zu lösen? Nein, sowas gibts nicht. Am Ende muss doch wieder Recht und Ordnung herrschen, wo kämen wir sonst denn hin? Die Mörder haben die Wahl: Entweder sie lassen sich zum Guten bekehren oder sie sterben. Prinzipientreue ist, sofern sie nicht mit dem Ableben innerhalb der 120 Minuten des Films beendet wird, unmöglich. Sonst würde das unfehlbare amerikanische Rechtssystem ja gezwungen sein, die Jugendlichen zum Tode zu verurteilen, und das könnte Zweifel an eben diesem System aufkommen lassen. Somit wäre das Schicksal der ersten drei Charaktere also besiegelt. Cassie darf sowohl ihren Fall also auch ihre persönlichen Probleme erfolgreich lösen, der Streber lässt sich vom Guten überzeugen und dem arroganten Kind reicher Eltern bleibt wohl oder übel nichts anderes übrig als von der nächsten Klippe zu fallen, denn ein Sinneswandel hätte dem Klischee widersprochen und ein Ende in der Gaskammer... nein, das wäre unschön. Aber was wird aus Person Nummer 4, dem netten Kollegen Sam? Nun, eigentlich spielt er keine entscheidende Rolle. Seine Hauptaufgabe ist es, für die eine oder andere Sandra-Bullock-Sexszene zu sorgen.
Diesen Film zu bewerten fällt schwer. Die Grundidee ist zwar nicht neu, aber sie verspricht Spannung. Endlich mal kein langweiliger Serienkiller sondern einfach zwei Jugendliche, die scheinbar ohne Grund eine Frau ermorden. Abgesehen von dieser Grundidee hapert es in „Mord nach Plan“ allerdings an einigen Stellen. Eindimensionalere Charaktere als die vier Beschriebenen sind kaum denkbar, die Idee des perfekten Mordes wird auf halber Strecke fallen gelassen und durch ein Versteckspiel mit Spuren in Hülle und Fülle ersetzt, und die Geschichte um die Zusammenarbeit der zwei Mörder, die unterschiedlicher kaum sein könnten, ist unglaubwürdig, da die Charaktere sich schon vom Klischee her vollkommen widersprechen und wohl kaum gemeinsam eine solche Tat begehen würden. Ob sie nun befreundet oder verfeindet sind, erschließt sich während des gesamten Films kaum. Zudem treten einige Längen auf: Da von Anfang an klar ist, wer die Mörder sind, ist die schrittweise Rekonstruktion der Ereignisse durch die Polizei, filmisch durch zeitaufwändige Rückblenden umgesetzt, schlichtweg überflüssig, sie langweilt nur.
Mein Fazit lautet demnach: Gute Idee, schlecht umgesetzt. Mit ein paar überraschenden Wendungen oder auch nur mit mehr Konsequenz in der Umsetzung der Idee und mit ein paar interessanten Dialogen hätte sich fast zwangsläufig ein wirklich guter Film ergeben. Durch die aufgeführten Schwächen bleibt „Mord nach Plan“ im Mittelmaß stecken: Nicht schlecht, ganz gut anzusehen, aber alles in allem mehr verpasste als genutzte Chancen.
Danke fürs Lesen
Julian
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