Paycheck - Die Abrechnung (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von CiscoGianino
Nichts im Kopf
Pro:
Story, Musik
Kontra:
öde Action (und das von John Woo!!!), Uma Thurman verschenkt, Film besitzt nicht den nötigen Tiefgang
Empfehlung:
Nein
In den 80er Jahren revolutionierte John Woo mit Filmen wie „A Better Tomorrow“ oder „The Killer“ das Actiongenre quasi im Alleingang. Nachdem er 1992 mit „Hard Boiled“ wohl den ultimativen Actionfilm drehte, der scheinbar keine weitere Steigerung mehr zuließ, wandte sich Woo neuen Aufgaben zu, verließ Hongkong und machte fortan Filme in Hollywood, die hauptsächlich nicht so recht zu begeistern wussten. Auch sein neues Werk „Paycheck“ bildet da keine Ausnahme:
Die Story spielt in einer nicht näher datierten Zukunft, in der Michael Jennings (Ben Affleck) als Industriespion tätig ist. Seine Erinnerungen werden nach jedem Auftrag gelöscht, was meist ein Dauer von einigen Monaten beträgt.
Sein Freund Rethrick (Aaron Eckhart), ein mächtiger Konzernchef, bietet ihm einen Auftrag an, der ihn drei Jahre seiner Erinnerungen kosten soll – dafür bekäme er soviel Geld, dass er für den Rest seines Lebens ausgesorgt hätte. In seiner Gier nimmt Jennings natürlich an und nach drei Jahren begibt er sich schnurstracks zur Bank um seine 90 Millionen Dollar in Empfang zu nehmen. Doch er erlebt eine böse Überraschung: Angeblich hätte er auf das komplette Geld verzichtet und nur einen Umschlag mit 20 ganz alltäglichen Gegenständen hinterlegt.
Plötzlich heftet sich das FBI an seine Fersen und klagt ihn des Hochverrats an und auch Rethricks Killer haben es auf ihn abgesehen. Zusammen mit der Biologin Rachel (Uma Thurman) versucht Jennings seine Vergangenheit mit Hilfe der Gegenstände zu rekonstruieren...
Ist der Film wirklich von John Woo? „Paycheck“ ist ein Musterbeispiel für Hollywoods Verschleiß von ausländischen Ausnahmeregisseuren. Der Film mutet wie eine seelenlose Auftragsarbeit an: Kaum Szenen, die an den Action-Virtuosen Woo erinnern. Die wenigen Action-Szenen sind routiniert inszenierte, aber langweilige Prügeleien und Schießereien – nur bei einigen hübschen Bild-Kompositionen bei der Motorrad-Verfolgungsjagd blitzt Woos Genie durch und es gibt eine nette Variation seiner berühmten Stand-offs (zwei Männer stehen sich mit gezogener Waffe in einer Pattsituation gegenüber) zu sehen.
Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick, dessen Schaffen schon Sci-Fi-Klassiker wie „Blade Runner“ zu verdanken sind. Auch „Paycheck“ verfügt über eine interessante Story, die Drehbuchautor Dean Georgaris leider nicht mit dem nötigen Tiefgang behandelt und so einiges Potential verschenkt. Trotzdem bleibt der Plot, der mit Motiven von Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ spielt, eine der Stärken des Films, da das Geschehen nie wirklich langweilig wird.
John Woo wusste noch nie viel mit den Frauenfiguren seiner Werke anzufangen und so wird auch Uma Thurman („Kill Bill“) unter Wert verkauft: Zwar wird sie nicht in die Klischee-Rolle des schutzbedürftigen Weibchens gedrängt, aber dennoch bleibt sie nur die Stichwortgeberin für Ben Affleck. Somit verschenkt der Film seine potentiell beste Darstellerin.
Schon immer standen bei Woo die Freundschaften zweier Männer im Mittelpunkt des Geschehens und so überlässt er auch in „Paycheck“ die Bühne dem Gespann Affleck/Eckhart. Ersterer stapft mit unbeweglicher Mine durch den gesamten Film und besitzt die Ausstrahlung und das Charisma eines Steins. Ihm in nichts nach steht Aaron Eckhart („Thursday“), dessen selbstgefälliges Grinsen wohl etwas diabolisches in seine Schurkenrolle bringen sollte, doch erinnert er mehr an einen gealterten Gigolo – das Glanzvollste seiner Performance ist die halbe Tube Gel, die er sich anscheinend in die Haare geschmiert hat.
Auch der sonst sehr charismatische Paul Giamatti („Man on the Moon“) wird in einer undankbaren Nebenrolle als comical sidekick verheizt. Immerhin liefert Joe Morton eine solide Leistung als freundlich gesinnter FBI-Agent ab, obwohl die Rolle, wie eigentlich alle, sehr substanzlos ist. Es mag ja sein, dass in einem Actionthriller keine unglaublich nuancierten Charakterporträts von Nöten sind, aber ein paar Facetten mehr hätten den platten Charakteren doch sehr gut getan.
Angenehm wohltuend präsentiert sich der Soundtrack, der im Gegensatz zu den meisten Actionfilmen neueren Datums auf Hip-Hop- und Rock-Musik verzichtet und das Geschehen mit klassischen, teilweise schon orchestralen Klängen sehr schön untermalt.
Jemand, der einen soliden Actionthriller sehen will, wird anständig bedient – jemand, der einen John-Woo-Film sehen will, wird enttäuscht. Eine weiße Taube, die ziemlich plump eingesetzt wird, weckt sehnsüchtige Erinnerungen an alte Zeiten, in denen Woo noch große Filme drehte. Mittlerweile scheint er unter einer Art Stil-Verlust zu leiden: Schon sein Kriegsfilm „Windtalkers“ hatte wenig Woo-Elemente. „Mission: Impossible 2“ mag ja ein hyperstilisiertes Kommerzprodukt gewesen sein, doch konnte man wenigstens noch sehen, wer hier das Regiezepter geschwungen hat – „Paycheck“ ist dermaßen 08/15, dass er von jedem Regisseur stammen könnte.
Originaltitel: Paycheck
Produktionsland & -jahr: USA 2003
Regie: John Woo
Darsteller: Ben Affleck, Uma Thurman, Aaron Eckhart, Paul Giamatti, Joe Morton, Michael C. Hall, Emily Holmes, Richard Cummins, John Cassini
Die Story spielt in einer nicht näher datierten Zukunft, in der Michael Jennings (Ben Affleck) als Industriespion tätig ist. Seine Erinnerungen werden nach jedem Auftrag gelöscht, was meist ein Dauer von einigen Monaten beträgt.
Sein Freund Rethrick (Aaron Eckhart), ein mächtiger Konzernchef, bietet ihm einen Auftrag an, der ihn drei Jahre seiner Erinnerungen kosten soll – dafür bekäme er soviel Geld, dass er für den Rest seines Lebens ausgesorgt hätte. In seiner Gier nimmt Jennings natürlich an und nach drei Jahren begibt er sich schnurstracks zur Bank um seine 90 Millionen Dollar in Empfang zu nehmen. Doch er erlebt eine böse Überraschung: Angeblich hätte er auf das komplette Geld verzichtet und nur einen Umschlag mit 20 ganz alltäglichen Gegenständen hinterlegt.
Plötzlich heftet sich das FBI an seine Fersen und klagt ihn des Hochverrats an und auch Rethricks Killer haben es auf ihn abgesehen. Zusammen mit der Biologin Rachel (Uma Thurman) versucht Jennings seine Vergangenheit mit Hilfe der Gegenstände zu rekonstruieren...
Ist der Film wirklich von John Woo? „Paycheck“ ist ein Musterbeispiel für Hollywoods Verschleiß von ausländischen Ausnahmeregisseuren. Der Film mutet wie eine seelenlose Auftragsarbeit an: Kaum Szenen, die an den Action-Virtuosen Woo erinnern. Die wenigen Action-Szenen sind routiniert inszenierte, aber langweilige Prügeleien und Schießereien – nur bei einigen hübschen Bild-Kompositionen bei der Motorrad-Verfolgungsjagd blitzt Woos Genie durch und es gibt eine nette Variation seiner berühmten Stand-offs (zwei Männer stehen sich mit gezogener Waffe in einer Pattsituation gegenüber) zu sehen.
Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick, dessen Schaffen schon Sci-Fi-Klassiker wie „Blade Runner“ zu verdanken sind. Auch „Paycheck“ verfügt über eine interessante Story, die Drehbuchautor Dean Georgaris leider nicht mit dem nötigen Tiefgang behandelt und so einiges Potential verschenkt. Trotzdem bleibt der Plot, der mit Motiven von Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ spielt, eine der Stärken des Films, da das Geschehen nie wirklich langweilig wird.
John Woo wusste noch nie viel mit den Frauenfiguren seiner Werke anzufangen und so wird auch Uma Thurman („Kill Bill“) unter Wert verkauft: Zwar wird sie nicht in die Klischee-Rolle des schutzbedürftigen Weibchens gedrängt, aber dennoch bleibt sie nur die Stichwortgeberin für Ben Affleck. Somit verschenkt der Film seine potentiell beste Darstellerin.
Schon immer standen bei Woo die Freundschaften zweier Männer im Mittelpunkt des Geschehens und so überlässt er auch in „Paycheck“ die Bühne dem Gespann Affleck/Eckhart. Ersterer stapft mit unbeweglicher Mine durch den gesamten Film und besitzt die Ausstrahlung und das Charisma eines Steins. Ihm in nichts nach steht Aaron Eckhart („Thursday“), dessen selbstgefälliges Grinsen wohl etwas diabolisches in seine Schurkenrolle bringen sollte, doch erinnert er mehr an einen gealterten Gigolo – das Glanzvollste seiner Performance ist die halbe Tube Gel, die er sich anscheinend in die Haare geschmiert hat.
Auch der sonst sehr charismatische Paul Giamatti („Man on the Moon“) wird in einer undankbaren Nebenrolle als comical sidekick verheizt. Immerhin liefert Joe Morton eine solide Leistung als freundlich gesinnter FBI-Agent ab, obwohl die Rolle, wie eigentlich alle, sehr substanzlos ist. Es mag ja sein, dass in einem Actionthriller keine unglaublich nuancierten Charakterporträts von Nöten sind, aber ein paar Facetten mehr hätten den platten Charakteren doch sehr gut getan.
Angenehm wohltuend präsentiert sich der Soundtrack, der im Gegensatz zu den meisten Actionfilmen neueren Datums auf Hip-Hop- und Rock-Musik verzichtet und das Geschehen mit klassischen, teilweise schon orchestralen Klängen sehr schön untermalt.
Jemand, der einen soliden Actionthriller sehen will, wird anständig bedient – jemand, der einen John-Woo-Film sehen will, wird enttäuscht. Eine weiße Taube, die ziemlich plump eingesetzt wird, weckt sehnsüchtige Erinnerungen an alte Zeiten, in denen Woo noch große Filme drehte. Mittlerweile scheint er unter einer Art Stil-Verlust zu leiden: Schon sein Kriegsfilm „Windtalkers“ hatte wenig Woo-Elemente. „Mission: Impossible 2“ mag ja ein hyperstilisiertes Kommerzprodukt gewesen sein, doch konnte man wenigstens noch sehen, wer hier das Regiezepter geschwungen hat – „Paycheck“ ist dermaßen 08/15, dass er von jedem Regisseur stammen könnte.
Originaltitel: Paycheck
Produktionsland & -jahr: USA 2003
Regie: John Woo
Darsteller: Ben Affleck, Uma Thurman, Aaron Eckhart, Paul Giamatti, Joe Morton, Michael C. Hall, Emily Holmes, Richard Cummins, John Cassini
19 Bewertungen, 1 Kommentar
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13.06.2004, 20:27 Uhr von leyla220275
Bewertung: sehr hilfreichFand' den Film nicht so prickelnd ...
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