BILD gegen tz, welche ist schlimmer? Beide sind in München zu 50 Cent zu haben, auffälligster Unterschied ist der erheblich größere Umfang der tz, wobei dies allerdings schon der größte und wohl auch einzige Unterschied ist. Während BILD bundesweit verschiedene Redaktionen besitzt, hat die tz ihren Stammsitz in München und erscheint im selben Verlag wie der „Münchner Merkur“, der große und seriösere „Bruder“ der tz.
Thema hier aber ist die tz, „Münchens beliebtestes Boulevardblatt“ – so jedenfalls nach eigenem Bekunden.
Für alle näher Interessierten bietet sich evtl. ein Besuch von www.tz-online.de an, spezifische Beschreibungen von layout, Papierqualität und ähnlich Belanglosem wird es in meinem Bericht nicht geben.
Sollte es bis hierher noch nicht deutlich durchgeklungen sein: gute Seiten (sprichwörtlich zu verstehen!) gibt es in dieser Zeitung nicht zu entdecken.
Exemplarisch will ich dies an der Ausgabe vom 12.03.2003 darstellen.
Aufhänger an diesem Tag war die Geschichte eines kriminellen Fahrkartenfälschers. Wie so oft bei diesem Blatt wurde offensichtlich auch hier versucht, eine „olle Kamelle“ als die heißeste Nachricht des Tages darzustellen. Wie fast immer erstreckt sich der Text auf dem Titelblatt auf maximal drei oder vier Zeilen, der eigentliche Artikel ist oft weiter hinten in der Zeitung versteckt. Diese Schlagzeile vom Fahrkartenfälscher entpuppt sich beim Lesen als Fälschungsfall von geradezu biblischem Ausmaß, der Schaden für die Verkehrsbetrieben (Münchner Verkehrsbetriebe und Deutsche Bahn AG) wird auf ca. € 3000 geschätzt.
Gerade bei der tz finden sich immer wieder Schlagzeilen in den dicksten Lettern, die getreu dem Motto „Sex and Crime“ von Begebenheiten und Kriminalfällen berichten, die bei genauerem Lesen oftmals schon Jahre zurückliegen und wo es aktuell zur Eröffnung der Hauptklage oder ähnlich pseudo-aktuellem Bezug kam. Offensichtlich scheint diese Masche aber nachhaltig zu ziehen, wie sonst wird die tz immer bzw. immer wieder zu „Münchens beliebtester..... (s.o.)“?
Weitergeblättert in der Ausgabe vom 12.03.2003, auf Seite 2 das einzig lobenswerte an dieser Zeitung: die wirklich zu Recht preisgerühmten und allerseits hochgelobten Karikaturen von Horst Haitzinger. Schon lange frage ich mich, wieso hier schon seit vielen Jahren solche großen und wunderschönen Perlen vor die Säue geworfen werden. Ein Künstler wie Haitzinger wirkt in diesem Blatt einfach deplatziert!
Auf Seite zwei wird dann das aktuelle politische Weltgeschehen in der Berichterstattung dieser Zeigung abschließend abgehandelt, dieses muss sich aber noch den Platz mit zwei Kommentaren (hier: zur CeBIT und zu Möllemanns „Enthüllungen“) sowie zwei Leserbriefen und einem Interview mit einem Wirtschaftsexperten des Kölner Instituts für Wirtschaft zum Thema „Einschnitte beim Arbeitslosengeld“ teilen.
Die Seite drei (keine Sorge, nicht alle Seiten werde ich so ausführlich beschreiben) offenbart bereits eines, wenn nicht sogar DAS „Schmankerl“ dieser Ausgabe:
Rote Fettschrift: „Gemeinster Blitzer der Stadt geklauft!“, darüber in weißer Schrift auf schwarzem Balken: „Raser hat die Anlage samt Film weggeflext“
Darunter ein großes Foto einer intakten Blitzanlage (wohl aus dem Archiv), ein Bild der tatsächlich betroffenen Örtlichkeit mit dem kahlen Stummel der stationären Überwachungsanlage und einem Detailfoto derselben, die zeigt, wo der Täter zugange war. Allerdings: sogar technisch Unbeschlagene (meine Frau zum Beispiel) kann auf dieser Detailaufnahme erkennen, dass hier nicht mit einem Trennschleifer (einer „Flex“) operiert wurde. Heftige
aschweiße bis rußschwarze Verfärbungen am „Stumpf“ der Anlage lassen erkennen, dass hier ein Schweißgerät am Werk war.
Solche Falschdarstellungen sind bei dieser Zeitung nach meiner Erfahrung nicht die Ausnahme, eher die Regel.
Da ich nicht zu den wirklich regelmäßigen Lesern (und erst recht nicht Käufern, an meiner Arbeitstelle besteht die Möglichkeit, die wichtigsten deutschen Tageszeitungen zur Informationsgewinnung heranzuziehen, DANKE, oh Arbeitgeber!) der tz gehöre, kann ich jetzt auch zur möglichen Ehrenrettung der tz-Leserschaft weder behaupten noch bestreiten, dass ein aufmerksamer, informierter tz-Leser (meines Erachtens ein Widerspruch per se!) oder gar die Redaktion in einer der nachfolgenden Ausgaben hier eine Richtigstellung vorgenommen hat.
Zur Vollständigkeit: der Text zu diesem Beitrag spricht dem armen, aufgelauerten und ausgebeuteten Deutschen Autofahrer aus der Seele und zeigt augenzwinkerndes Verständnis für die Tat des „Flexers“ (der keiner war).
Die nächsten sechs Seiten berichten aus München, ein ordentlicher Anteil mit Berichten aus der „Society“, ein paar Veranstaltungshinweise, danach eine Seite Bayern-Teil, Werbung, eine Seite Report: „Das aufregende Leben einer MÜNCHNERIN (klar!) bei den Touaregs“, auf der nächsten Seite dann die Kleinanzeigen aus dem Rotlicht-Milieu. Hier nimmt die tz tatsächlich eine Spitzenstellung ein. In München informiert sich der entspannungssuchende Einsame am besten in diesem Blatt über das aktuelle Angebot aus dem Bereich „käufliche Liebe“ und Sex-Hotlines.
Die Seite 13 nun teilen sich die Kategorie „Geld+Markt“ und weitere Erotik-Kleinanzeigen.
Es folgen „Boulevard“ (Schicki-Micki-Flitter-Glitter von Roberto Benigni, Anke Engelke, Robbie Williams...), dann „Fernsehen“ (drei Seiten mit Tagesprogramm) und Hörfunk.
Dahinter findet sich dann doch tatsächlich eine Seite „Kultur“ (Combeback der „Bangles“, Paul Kuhn wird 75, Hanne Hiobs 80. Geburtstag , der Pianist Yefim Bronfman im Münchner Herkulessaal....), eine Seite weiter das Kino- und Theaterprogramm.
Weiter geht es mit „Bunt gemischt“ , hier zu finden sind Horoskop und Daten zum Tag (Namenstag, Historisches) ein Witz und das Leserfoto.
Seite 21 nun befasst sich mit dem Tagesthema „Computer“, es geht um die CeBIT und wieder präsentiert uns die tz ähnlich Schlampiges wie auf Seite drei. Hier jetzt wird im Bild ein Camcorder der neuesten Generation vorgestellt. Das Gerät heißt „DCR-DVD200“ und zeichnet Filme angeblich direkt auf CD auf. Ich habe das jetzt wörtlich und schon fast komplett zitiert. Welcher Hersteller dieses Gerät baut, verrät uns die tz nicht. Allerdings will der Autor sicherlich nicht Schleichwerbung vermeiden, bei drei anderen Bildbeschreibungen wird nicht mit dem Herstellernamen gegeizt. Außerdem zeichnet der genannte Camcorder nicht auf CD, sondern auf Mini-DVD auf, aber vielleicht ist das für einen tz-Leser nicht wirklich wichtig.
Auf der selben Seite gibt uns der tz-Ratgeber noch Lebenshilfe und Tipps zu Wechseljahren, Wohnungsübergabe etc... mit auf den Weg.
Hoppla, auf Seite 22 finde ich ja direkt noch etwas Lobenswertes! Die Comics passen, ebenso wie die Haitzinger-Karikaturen, nicht wirklich zum Rest-Niveau (wie beschönigend!) der Zeitung, u.a. gibt es Hägar-Strips und oft bitterböse und zynische Cartoons von „Hermann“.
Vier Seiten Sport, bestehend zu drei Seiten mit Berichten zum FC Bayern und dem TSV 1860 München, eine Seite Anni Fresinger („Annnis wilde Sex-Beichte“ plus eine Drittel-Seite Anni im Bikini) und ein bisschen Formel 1, gefolgt von „Verschiedene-Anzeigen“ (witzig, witzig, es handelt sich um die Todesanzeigen) und zuletzt noch das „Panorama“ mit Berichten über die eine Million Internet-süchtigen Deutschen (Ciao-Leser und Vielschreiber, merket auf!) und einem weiteren Ärgernis, hier in Form von „Die kuriose Nachricht“, in der von einem Konzert der norwegischen Death-Metal-Band „Mayhem“ berichtet wird, bei dem der Kopf eines live von der Band zerhackten Schafs ins Publikum geflogen sein soll und einem 25jährigem Fan den Schädel gebrochen haben soll. Wie bei so vielen anderen Artikeln erspart und die Zeitung solche Unwichtigkeiten wie evtl. den Veranstaltungsort etc. Bei dem hier erwähnten Artikel beschleichen mich zusätzliche Zweifel, ein Bericht desselben Inhalts fand sich nämlich auch in der Ausgabe der „taz“ vom selben Tag, auch dort auf der letzten Seite, die bei der „taz“ die sehr bezeichnende Überschrift „Die Wahrheit“ trägt, tatsächlich aber ca. zur Hälfte aus „Geschichten in der Verkleidung von Nachrichten“, sprich Dichtung besteht. Wenigstens teilt die „taz“ mit, dass dieses Konzert, wenn es denn wirklich stattgefunden haben sollte, in Bergen in Norwegen stattgefunden hat.
Mein Eindruck zu diesem „Bericht“ in der tz ist allerdings tatsächlich der, dass hier vermutlich ungeprüft eine Meldung übernommen wurde, die vielleicht gar keine „Meldung“ war, sondern vielleicht eher aus dem Bereich der „Mythen“ stammt.
Wie in den Wochenend-Ausgaben (auch des „Münchner Merkur“) versöhnt die tz mittwochs den geneigten Leser noch mit den Auto-Kleinanzeigen, diesmal ca. 19 Seiten stark sowie einer Seite redaktioneller Autoberichte bzw. –tests.
In der Donnerstags-Ausgabe gibt es dann noch eine Beilage mit den wichtigsten Veranstaltungen im Umland und am Dienstag kann man in der tz noch ein Wochen-TV-Programm finden.
Ich habe mich jetzt redlich bemüht, so viel neutrale Info rüberzubringen, wie es mir trotz meiner andauernden Empörung über diese Zeitung möglich war.
Wie nicht zu leugnen und wohl auch nicht zu überlesen, halte ich von diesem Blatt nicht viel, sogar noch weniger als von der BILD-Zeitung. Bei dieser weiß ich, woran ich bin. Die tz ist, allenfalls (ausgenommen die Cartoons, so fair muss man bleiben) bei entsprechender Dickhäutigkeit für die Zuführung von rückwärtigen Zwecken zu empfehlen.
Es sei eingeräumt, dass ich mich hier mit einer Momentaufnahme befasst habe, aber meine Erfahrung zeigt, dass ich keine einzelnen Ausrutscher beschrieben habe, sondern dass diese unvollständig, falsch und entstellend dargestellten Beiträge in dieser Zeitung leider nicht die Ausnahme sind.
Und: dass die tz die behauptet vielen Leser findet, kann wohl nicht nur am günstigen Preis (außer BILD kosten alle anderen Zeitungen mehr) liegen. Gehe ich davon aus, dass die geltend gemachten Leserzahlen entgegen der sonstigen Art des Blattes auf korrekt wiedergegebenen Tatsachen beruhen, muss man feststellen: armes München, armes Bayern....!
Aber irgendwoher müssen ja auch die Zuseher sämtlicher noch existierender Nachmittags-Talk-Shows und des Senders Neun Live herkommen, auch aus unserem Freistaat.
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