eeqoo.de Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Hirn zwischen den Ohren
ein Testbericht von Milsch2004-09-27 12:37:06vom 27.09.2004Empfehlung: nein
Vorteile: Nette Idee...Nachteile/Kritik: Kein ernstzunehmendes Forum, da viele Beiträge einfach nicht hilfreich sind
eeQoo.de ist ein Nachhilfeforum. Hier können Schüler ihre Fragen stellen und online Nachhilfe suchen oder anbieten, das Ganze kategorisiert nach Fach und Schulart. Doch nicht nur das: supernützliche Funktionen wie das Einstellen der Hintergrundfarbe und tolle Formulare zum Ausdrucken gibt es auch (Stundenpläne zum Beispiel, die sind so schwer zu bekommen). Dazu bietet die Seite jede Menge Werbung.
Doch halten wir uns nicht mit Nebensächlichkeiten auf - der Schulalltag wirft jede Menge brennende Fragen auf, die auf Antworten warten. Wird eeQoo.de den Härtetest bestehen?
BEI EINFACHEN THEMEN GIBT ES OFT KOMPETENTE HILFE...
Manche Leute sind ja wirklich zu doof, um aus dem Bus zu winken. Die stellen Fragen, die wirklich jeder Depp beantworten kann. Für diese Schüler ist eeQoo eine echte Hilfe, denn Deppen laufen hier genügend rum und so gibt es auf einfache Fragen viele einfache Antworten.
Da will einer in der Kategorie Ethik mal eben was über "Ursache und Funktion von Religion" erfahren - eine Kleinigkeit, oder? Die Antwort: "der mensch versuch sich an irgendwas fest zu halten". Chapeau, dieses kompakte Wissen lässt sich ungefiltert in die nächste Abiturarbeit übernehmen.
Auch derjenige, der etwas zum Thema "Ich" sucht, wird reich beschenkt: "Ich bin ich und du bist du, und des müllers kuh macht muh" lautet der Schlüssel zu diesem Geheimnis des Wissens.
Hilfreich auch die Lösung der Kriegsmotive des Napoleon Bonaparte: "Bestimmt brauchte er Selbstbestätigung."
Doch manchmal sind die Antworten so differenziert, dass es schwierig wird. Obwohl die simple Frage "Gibt es einen Gott?" sicher jeder von uns zufriedenstellend beantworten kann, gibt es hier ein Problem. Die Antworten: 1) Nein. 2) Ja. 3) Ja. Jetzt bleibt nichts anderes übrig, als in der Kategorie Mathematik nachzufragen, wie man den Durchschnitt ausrechnet...
...DOCH ZU SPEZIFISCHE FACHFRAGEN MACHEN PROBLEME !
Da sind natürlich die Teilnehmer, die es ganz genau wissen wollen. Doch präzise Detailfragen überfordern dieses Forum, schliesslich heisst es ja nicht www.ich habepromoviert.de, und es wendet sich nicht an Nobelpreis-Nominierte, sondern an mittelmässige Schüler.
So bleibt der Kamerad, der den Unterschied zwischen hell und dunkel nicht kennt, mit dieser Frage ebenso ohne Antwort wie der Kollege, der in der Deutsch-Rubrik die bedeutenden Zeilen "wir brauchen übungen" gepostet hat.
Auch die Hilferufe "Rebung und Hebel???????" sowie "Symbole - Zeichen" verhallen ungehört in den Weiten des Netzes. Und "Immanuel Kant Mettaphysik" hat auch noch niemand beantwortet - vielleicht, weil "Mettaphysik" so wenig Treffer im Google hat, genau wie die "Schparkase", über die ein junger Kollege ein Referat schreiben will.
DURCH GROSSZÜGIGE AUSLEGUNG DER FRAGE ERÖFFNEN SICH NEUE ASPEKTE...
Harald Schmidt begann sein Buch "Tränen im Aquarium" mit einem völlig zusammenhanglosen Absatz über Geschlechtsverkehr mit einer Architektengattin. Im zweiten Absatz erklärte er, William Faulkner hätte gefordert, der erste Satz müsse so sein, dass der Leser gezwungen wird, weiter zu lesen.
Nun, auf eeQoo.de ist es für einige immer der letzte Satz, der sie zwingt, weiterzuschreiben, und spätestens beim dritten User hat sich die ursprüngliche Frage erübrigt - was soll das auch, schränken wir unsere Gedanken nicht ein und eröffnen wir dem Geist neue Perspektiven.
So will jemand
wissen, ob ein allmächtiger Gott einen Stein erschaffen könnte, der so schwer wäre, dass er ihn selbst nicht mehr heben könnte? Wenn man davon absieht, dass diese Frage überhaupt keinen Bezug zum Lehrplan im Fach Religion hat, offenbart sie doch eine gewisse lntelligenz beim Schreibenden oder mindestens die Vermutung, der Fragende habe "Per Anhalter durch die Galaxis" gelesen.
Während keiner so recht die Antwort weiss, meint einer, vielleicht habe auch Castaneda oder Wallraff heute an Brisanz verloren. Das hat zwar mit der Frage nix zu tun, inspiriert aber einen weiteren Kommentator, der heute in der BILD-Zeitung gelesen haben will, dass Wallraff IM war. Eine andere Dame pflichtet bei, dies habe auch in der Welt gestanden, die sie im Flugzeug umsonst bekommen habe ("hab querbeet alle mitgenommen die ich tragen konnte").
Noch einem Kollegen ist das aber zu hoch, er kontert mit einer Gegenfrage, die einem grammatikalischen Atombombeneinschlag gleich kommt: "Würden wir Grönemeyer kennen, würde er nur ein underground nichtssagender und oberflächlicher Musiker wär?" Ich persönlich weiss nicht so recht, was er meint, doch andere springen auf das Wort "Grönemeyer" an wie ein Stier auf das rote Tuch. Die erste erinnert sich an "Alkohol" im Zusammenhang mit der Chemieprüfung (bitte?) und genau auf diesem Niveau geht es fröhlich weiter...
...UND MANCHE LEGEN AUCH DIE KATEGORIEN GROSSZÜGIG AUS
Was man auf jeden Fall hier lernen kann, ist die Erkenntnis, dass die Schulfächer doch oft breitere und komplexere Anforderungen an das Wissen stellen, als allgemein angenommen. Man leidet mit den armen Schülern, die heute wohl viel mehr wissen müssen als noch vor 20 Jahren.
So kommt ein armer Tropf in Religion nicht mehr weiter, weil er nicht weiss, ob "die schwarze acht bei den billiardkugeln ein satans oder nazi zahl" ist. Doch dank einer prima Antwort kann er jetzt auch diese Aufgabe lösen: "da kann genauso gut ne 9 drauf stehn tuts aber nicht, weils nun mal die acht ist!!!"
Spätestens nach diesem Schriftwechsel brauchte ich dringend einen Schnaps...
UND NUN???
Auf die erschütternde Frage, ob der Reichstagsbrand von 1933 allgemein bekannt sei, hat ein Benutzer angemerkt, er sei zumindest "der Minderheit der Menschen mit einem Gehirn zwischen den Ohren" bekannt. Dem darf man hinzufügen, dass dieser Minderheit wohl auch Seiten wie Wikipedia, Altavista, Google oder Wissen.De bekannt sein dürften. Da etwa die Hälfte aller Antworten auf eeQoo ohnehin nur aus Internet-Links auf diese oder andere Seiten besteht, wird dieser kleine Teil der Menschheit wenig Mühe haben, sich dort direkt zu bedienen. Das ist schneller, richtiger, ergiebiger und effizienter.
Auch die Vermittlung von Online-Nachhilfe funktioniert nur äusserst schleppend, wie man an der Häufigkeit und dem Inhalt der entsprechenden Einträge sehen kann.
Selbst dem Verzweifelten kann man deshalb nur empfehlen: Hände weg von eeQoo.de, es ist reine Zeitverschwendung. Es sei denn, man ist auf der Suche nach einer unfreiwillig komischen Funsite...
********************************** ******
In diesem Bericht finden sich keinerlei Hinweise auf den Aufbau der Website, Navigationsmöglichkeiten, Betreiber, Aktualität etc. Auf ciao geht es darum, Entscheidungshilfen zu geben, also in diesem Fall, ob ein Nachhilfe suchender Schüler auf eeQoo.de Unterstützung erhält. Da das meiner Ansicht überhaupt nicht der Fall ist und diese Feststellung für ein solches Forum ein KO-Kriterium sein muss, verzichte ich auf weitere Erläuterungen, die am Gesamtbild nichts ändern würden. Bei einem Auto mit defektem Motor ist mir das Design des Armaturenbretts auch ziemlich egal...
(Dieser Bericht erschien unter gleichem Namen zuerst bei ciao.de)
...