Amoklauf in Erfurt Testbericht

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Erfahrungsbericht von strawberrymouse

Warum drehen nicht mehr durch? Ein Statement

Pro:

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Kontra:

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Empfehlung:

Nein

Normalerweise halte ich mich aus aktuellen Debatten eher raus, aber nachdem ich jetzt schon soviel darüber gelesen habe, muss ich mich auch mal dazu äußern. Kommentare dazu sind willkommen, Bewertungen eher nicht, da dies nur meine eigene Meinung darstellt und ich keine Fakten des Falles aufzählen/aufführen werde.

~ ein Massenspektakel ~

Langsam frage ich mich, ob solche Geschehnisse (wie auch der 11. Sept., Vergewaltigungen, etc.) nicht praktisch sind *vorironiestrotz*.
Ist es nicht super, die Massenmedien haben was davon, Politiker und ihr Wahlkampf sowieso und wir haben endlich mal wieder was zu erzählen. Für die Betroffenen ist es schlimm, keine Frage, aber was ist mit dem Rest? Plötzlich rückt Deutschland wieder zusammen, ein Kopfschütteln geht durch die Reihen, die Frage nach dem Warum spukt in den Köpfen, Übeltäter werden gesucht, Täter angekreidet. Stichwort: Solidarität. Was danach kommt? Nichts. Entweder wird sich auf ein neues Phänomen gestürzt oder jeder ist erstmal mit den eigenen Problemen beschäftigt.

~ Warum nur? ~

Diese Frage habe ich für mich schon lange gestrichen.
Natürlich ist es falsch einen Menschen zu töten, natürlich ist es falsch vorsätzlich so etwas durchzuführen, natürlich ist es falsch!
Aber unverständlich? Ich denke nicht. Jeder sollte mal sein Umfeld genauer betrachten, und dass nicht nur als Schüler. Was mich nur wundert; warum drehen nicht mehr Leute durch? In einer Gesellschaft in der nur der Stärkste zählt, in der auf den einzelnen keine Rücksicht genommen wird, frei nach dem sozialdarwinistischen Prinzip. Wer nicht konform geht, wer sich abhebt, ist der Schwächste und fliegt. Nicht der Einzelne zählt, nur die Masse. Wer die Leistungen nicht bringt, nach dem Hintergrund wird nicht gefragt, "schafft" eben nichts.

~ Schule ~

Für Menschen die aus der Schule heraus sind, ist es einfach die Schuld auf Medien, Computerspiele und Versagen zu schieben. Wer erinnert sich denn noch daran wie es "damals" war? Der Leistungsdruck der auf einem lastet. Lehrer mit denen man einfach nicht zurecht kommt, die einen für blöd und nichtsnutzig erklären. Man will und kann nicht, zweifelt schon an sich selbst. Doch der Lehrer ist der Richter, er verteilt die Noten, wer sich auflehnt wird bestraft. Schleimen hilft, doch wer kann sich ständig verstellen?
Und nicht nur schulischer Druck, auch gesellschaftlicher. Man kann sich nicht etablieren, wird nur geduldet oder weggedrängt. Und wer nicht "in" ist, nicht dazugehört, wird ausgestossen. Wer kümmert sich dann noch um die, die nicht dazu gehören? Niemand, denn wer sich mit denen "abgibt" ist auch bald draußen. Und selbst wer dazu gehört, muss sich behaupten. Ist man auf der Party nicht dabei, wird gelästert. Außenseiter= no chance.
Und niemand kann sich von seinen Taten frei sprechen. Nur wer ohne Sünden ist, werfe den ersten Stein. Doch wer kann das? Wer hat noch nie gelästert, nie jemanden geschnitten, sich stets um alle gekümmert?

~ Die Schuldfrage ~

Schlimmer Computerspiele? Böse Musik? Versagen? Druck? Familie? Einen Übeltäter hat man schnell gefunden. Irgendwas ist immer nicht richtig, nicht normal. Doch was bedeutet das schon?

~ Die Massenmedien sind Schuld ~

Computerspiele, Filme und Musik um das Gewaltpotential zu fördern? Diskutiert wurde schon viel darüber. Stimulanz- und Karthasitheorie als Schlagworte hierfür. Die Karthasistheorie geht davon aus, dass wer sich soetwas ansieht, geläutert ist, das Gewaltpotential gemindert wird, man es nicht ausüben muss. Die Stimulanztheorie betrachtet solche Dinge als Gewaltfördernd, soweit Aggressionspotential vorhanden ist. In den seltensten Fällen zieht jemand nach dem "Genuss" von Freitag dem 13ten oder anderen Horrorfilmen los und verrichtet ein Blutbad. Möglich, dass sowas als Vorlage dienen kann, psychisch labile Menschen dieses nutzen, aber reicht es nicht in der Welt herumzuschauen und wirkliche Kriege als Vorbild zu nehmen? Wenn jemand 17 Menschen erschießt ist das schlimm, klar, es passiert ja in Deutschland. Aber dass in Afghanistan tausende von Menschen durch Bomben umkommen, ist das weniger schlimm? Nur namenlose, unbekannte Opfer...
Die Realität ist weitaus schlimmer als Fiction.

~ die Sühne ~

Gut, diskutieren wir über ein Waffengesetz - es wird einem ja zu leicht gemacht, gut diskutieren wir über das warum, gut diskutieren wir über Detektoren am Schuleingang.
Für mich ist die einzige Maßnahme Prävention und die beginnt in der Schule, mit einem vernünftigen System und in der Gesellschaft selbst.
Das man eine instabile Persönlichkeit besitzt um so etwas zu tun, steht für mich außer Frage. Aber das Warum ist für mich nachvollziehbar. Ich brauche mich nur an den Schulen umzusehen, die ich kenne, und frage mich warum nicht mehr durchdrehen.

Wer Schuld ist? Wir alle.

sourgirl, 30.04.2002

18 Bewertungen, 2 Kommentare

  • anonym

    06.05.2002, 12:11 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    The death of one is a tragedy. The death of millions is just a statistic. - - Tja, schön finde ich allerdings, dass du auf die Labilität anspielst, denn das vergessen viele. Und schon gar nicht will man sich als ordentlicher Bürger einer Le

  • sandwarrior

    05.05.2002, 17:26 Uhr von sandwarrior
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das Geschrei ist hinterher groß und jeder will etwas dafür als Schuld suchen, aber wenn man nur Geld sparen will und den Kindern nicht hilft und ihre Hilfeschreie nicht hört, oder hören will weil es Geld kostet psychologische Anlaufste