Bertelsmann Der Club Testbericht

Bertelsmann-bertelsmann-der-club
ab 8,33
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Ein Kessel Buntes...mit gemischten Gefühlen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Da ich eine recht viel lesende Natur bin, hatte ich mir vor etwa einem Jahr überlegt, ob sich nicht doch der Beitritt zum Club Bertelsmann lohnt, schliesslich kaufe ich im Monat durchschnittlich 1-2 Bücher oder DVDs (mindestens) und die Abnahmeverpflichtung ist bei einem Artikel pro Quartal angesetzt – egal wie teuer, sprich: ich finde in den drei Monaten garantiert was aus dem recht reichhaltigen Angebot bei Bertelsmann, womit ich der Zusendung des Club-Vorschlags, die automatisch erfolgt, wenn man nicht fristgerecht einen anderen Artikel bestellt, entgehe (diese treffen in der Regel nämlich nie meinen Geschmack). Da die Bücher und zum Teil auch DVDs / Haushaltskram billiger, als im Laden zu bekommen sind, habe ich mich online registriert und dafür die damals ausgelobte Prämie in Form von 3 gnadenlos vergünstigten DVDs eingeheimst – mit Speck fängt man Mäuse...Zur Not kann man ja das Pflichtjahr einfach nur durchziehen und hernach wieder kündigen – schlimmstenfalls hat man drei Wälzer im Regal stehen, die man im Leben nicht gekauft hätte, geschweige denn ohne Gewaltandrohung lesen würde – alternativ kann man die Schmöker ja immer noch an unliebsame Zeitgenossen verschenken...

Das Konzept des Clubs
Dieses ist der klassische Fall von permanenter Kundenbindung an ein Unternehmen, gepaart mit einer Abnahmeverpflichtung, was realistisch betrachtet, von vorneherein schon mal den Duft eines Knebelvertrags mit sich trägt, keine Sache also, die für Gelegenheitskäufer empfehlenswert ist, die als Blendgranaten abgefeuerten günstigen Einstiegsangebote oder Prämien sollen über diese Tatsache natürlich erst einmal hinwegtäuschen. Bücher sind tatsächlich auch in der Laufzeit alle reduziert zu haben, bei anderen Artikeln lohnt in jedem Fall ein Preisvergleich, hier ist nicht alles Gold, was glänzt – es gilt für ein wirtschaftliches Unternehmen die auf der einen Seite eingesparten Kosten an anderer Stelle wieder reinzuholen, sonst ist es nicht weit her mit Shareholder-Value und der Gewinnmaximierung. Das aber nur am Rande, zurück zu den günstigen Preisen bei Büchern: Wie schafft man es die in Deutschland herrschende Buchpreisbindung zu unterlaufen?

Der Trick ist so simpel, wie er alt ist – man erwirbt die Lizenzen an Druckerzeugnissen und stellt sie als Club einer ausgesuchten, geschlossenen Leserschaft in Form einer - inhaltlich identischen, jedoch teils mit leichten Abweichungen beim Cover – deklarierten „Club-Ausgabe“ zur Verfügung/Verkauf. Ein ähnliches System kennt jeder, der schon mal beim Arzt die Zeitschriften im Wartezimmer inspiziert hat, diese stammen meist aus dem „Lesezirkel“, was vom Prinzip her ganz ähnlich funktioniert. Wie man sieht, alles eine Sache der Deklaration, damit wären wir wieder bei der Geschäftsidee eines Clubs. Damit das Ganze nämlich auch funktioniert und auch für die Betreiber lukrativ wird, braucht man halt fest gebundene Kundschaft, womit man letztendlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: zum Einen sorgt man definitiv für eine geschlossene Gruppe, um die Buchpreisbindung zu umgehen zum Anderen garantiert die Abnahmeverpflichtung zumindest einen Teil der Kostendeckung, weiterhin kann man den Kundenkreis gezielt mit Werbung oder anderen Angeboten bombardieren - denn die Kaufgewohnheiten jedes Einzelnen liegen ja offen - in der Hoffnung, dass das Gros der Zielgruppe eh mehr kauft als nur einen Artikel.

Das Angebot
Reichhaltig und für eigentlich jeden Geschmack was dabei – mindestens einmal im Quartal flattert der aktuelle Club-Katalog in den Postkasten, meist in Begleitung von diversen Extra-Heftchen (Club-Card Magazin, DVD Special u.ä.). Die Gliederung ist übersichtlich und themenmässig sortiert, den Anfang machen die Bücher, welche auch den grössten Teil des Kataloges ausmachen, dahinter folgen dann Video und DVD, Musik, eine Auswahl Computer- / Konsolengames und – last but not least – allerlei Krimskrams für Wellness bzw. den Haushalt. Die Bücher decken ein sehr weites Feld von Belletristik bis hin zum Sachbuch ab, wobei die Gewichtung dieser beiden Oberkategorien hier bei etwa fifty-fifty liegt. Es finden sich Lexika, Romane, Kochbücher ebenso, wie komplette Bildbände oder Begleitliteratur zu TV-Beiträgen (vorwiegend ZDF und ARD). Das Angebot besteht sowohl aus Neuerscheinungen, wie auch einigen „Club-Empfehlungen“, diversen anderen, beliebten und interessanten Büchern und beinahe obligatorisch die Top-Ten der SPIEGEL-Bestseller. Preislich liegen alle (wie bereits erwähnt) unter den aktuell gültigen Ladenverkaufspreisen, je nach Buchtitel, im Schnitt 2€ darunter, wohlgemerkt als sog. Club-Ausgabe mit identischem Inhalt aber teilweise leicht veränderten Covers.

Hinter den Büchern geht es mit Video und DVD weiter, wobei man sagen muss, dass die Auswahl im Hauptkatalog nicht besonders üppig ausfällt, hier finden sich nur wenige ausgewählte Titel, verschiedener Sparten (Action, Komödie, Kinderfilm, Klassiker etc.), die entweder top-aktuell auf dem Markt sind, oder sich anderweitig als Dauerbrenner entpuppt haben. Wer mehr Artikel dieser Sparte einsehen möchte, kann sich den Video/DVD Spezial Katalog gratis zukommen lassen, dieser ist schon wesentlich besser sortiert, aber keineswegs vollständig. Hat man einmal ein Video oder eine DVD bestellt kommt der Spezialkatalog bereits automatisch mit der nächsten Quartalsausgabe des Hauptkatalogs. Die Preise liegen hier auf marktüblichem Level und durchaus mal darüber – man sollte keine allzu grossen Schnäppchen erwarten, ab und zu ist mal was Reduziertes zu haben, handelt es sich dabei aber meist um Bundles nach dem – nicht wörtlich zu verstehendem - Motto: „3 Stück für 50€“ oder „kauf 5 bezahl 3“. Absolute Ladenhüter gehen auch manchmal zum Ramsch-Raus-Preis weg. Ein Preisvergleich lohnt sich immer, bevor man vorschnell bestellt.

Es folgt die Musik-Ecke, wo meiner Meinung nach das Alter der Zielgruppe, ein wenig zu hoch angesiedelt ist (zumindest in den letzten Ausgaben), verdammt viel Volksmusik, seichte Kost á la Roger Whittaker, André Rieu und dergleichen mehr (wer’s mag – also ich hab lieber schrammelnde E-Gitarren). Ein paar Hit-Sampler und mehr oder weniger aktuelle Alben vermeintlicher In-Bands / Pop-Gruppen / Einzelinterpreten gesellen sich zu den unvermeidlichen Boxen gesammelter Werke, sprich Hit-Compilations diverser Richtungen, Zeiten und Künstlern, also Best Ofs von ...80s, ...90s, ...Elvis, ...Rock’n Roll, ...James Last, ...meiner Oma (und so weiter und so weiter). Der einzige Vorteil dieser Sammlungen besteht im Preis, die kompletten Mehr-CD-Boxen sind recht günstig zu haben, im Gegensatz zu den anderen (und vor allem aktuelle) CDs, welche man genauso gut woanders direkt kaufen kann.

Auf den hinteren Seiten des Katalogs befindet sich allerlei Krimskrams für Wellness und Haushalt, so findet man von Reizstromgeräten, Bettwäsche bis zum CD- / Videorack eine kleine Auswahl von manchmal trendigen Produkten aus dem Heim-Bereich, das variiert von Zeit zu Zeit und manchmal sind sogar nützliche Sachen dabei, die man aber eigentlich auch in den allseits beliebten Ramschläden bestimmt für nen kleinen Euro ergattern kann, ich überfliege die Seiten meist einfach nur. Einen genaueren Überblick (und mit wesentlich mehr Artikeln als in der Print-Version) könnt Ihr euch auch auf der Website des Bertelsmann Clubs verschaffen (www.derclub.de). Einen Online Shop gibt es dort selbstverständlich auch, wer hätte das gedacht?

Der Service
Bestellen oder Neukunde werden kann man auf verschieden Arten: telefonisch per kostenpflichtiger 0180-5 Hotline, per Fax, portofrei per Postkarte/Brief oder wie bereits angeklungen im Netz per Online Shop. Neukunden erhalten verschiedenartige aktionsbedingte Sonderangebote, Vergünstigungen auf die bestellte Ware oder Warengutscheine / besondere Dienstleistungen von Partnerunternehmen, je nach Quartal/Aktionszeitraum alternierend. Jetzt kommen wir zum Knackpunkt und dem Grund für die nur mittelmässige Einstufung des Clubs: Bestellungen waren in der letzten Zeit bei mir immer nur sehr schleppend eingetroffen und 2 Mal bereits musste ich per Mail nachhaken, wo den die Bestellung bleibt – in einem Fall erhielt ich keine Antwort und mir wurde der aktuelle „Club-Vorschlag“ (wir erinnern uns, den MUSS man nehmen, wenn man nichts anderes in dem entsprechenden Quartal fristgerecht geordert hat) stattdessen fälschlicherweise zukommen gelassen...bis heute habe ich auf meinen Protest keinerlei Antwort erhalten – gleichwohl wurde die Rechnung („nee... ja... Murrat, is klaa!!) vom Konto gebucht. Jetzt hab ich hier einen dieser Wälzer, die man Leuten schenkt, die man nicht leiden mag, im Regal stehen. Die Verlautbarung im Begleitschreiben der letzten Kataloge sprach von: „Umstellungen in der EDV...mögliche Lieferschwierigkeiten...bla...bitten um Verständnis etc. pp.“ Ich bin ja gerne bereit zu glauben, dass ein EDV Umbau knifflig ist, aber warum antwortet man dann nicht auf (mehrfache) Mails? Ich hab sogar letztens per Vocatus (Online-Meinungsforum für Probleme mit Firmen ) nochmals, jetzt da diese Probleme angeblich beseitigt sind, zumindest eine Stellungnahme erbeten...Resultat nach weiteren 2 Wochen Wartezeit: NULL.

Fazit
Clubs, wie der Bertelsmann Club, eignen sich nur für Vielleser, Gelegenheits-Schnäppchenjäger lassen besser die Finger davon, so verlockend die Willkommensangebote auch immer sein mögen – Denkt immer dran, die machen das nicht aus Barmherzigkeit sondern verfolgen wirtschaftliche Interessen (was ihnen ja auch gegönnt ist). Die Abnahmeverpflichtung ist ein wiederkehrender Kostenfaktor, egal ob es einen Mindestbestellwert gibt oder nicht, die Verlockung mal eben noch dieses oder jenes dazu zu bestellen ist gross und manchmal (!) auch überteuert zu bezahlen. Preisvergleiche anstellen und nicht einfach was auf die Liste setzen, ist die Devise. Ich persönlich war das erste halbe Jahr zufrieden, das letzte dagegen überhaupt nicht, eine „Gnadenbestellung“ habe ich derzeit noch laufen, diese ist jetzt ne knappe Woche her – sollte ich auch diesmal wieder nachhaken müssen, werde ich auf jeden Fall die Reissleine beim Club ziehen, mein Pflichtjahr und auch meine Geduld ist am Ende.

26 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Rosen

    08.05.2002, 23:13 Uhr von Rosen
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen namen hast du dir ausgesucht