Der Untergang (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von NoSoul

Hitler war doch nur ein Mensch!

4
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Altersgruppe:  ab 16 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  Kino-Version

Pro:

Gute Schauspieler, längst überfälliger Tabubruch!

Kontra:

manchmal zu pathetisch

Empfehlung:

Ja

Es ist nicht leicht einen Film über das dritte Reich zu machen. Jeder schaut ihn sich genau an, ob auch ja keine Verharmlosungen oder Falschdarstellungen enthalten sind. Wenn der Film auch noch einen Tabu-Bruch begeht und den Führer als einen Menschen darstellt und nicht als den Fleisch gewordenen Anti-Christen, dann wird es gefährlich. Dann wetzen die Kritiker und Moralisten die Messer. Bernd Eichingers „Der Untergang“ dürfte daher einer der umstrittensten Filme des Jahres sein.

Der Film erzählt in zwei Handlungssträngen die letzten Tage des Dritten Reiches. Diese beginnen mit dem ersten sowjetischen Artillerie-Feuer auf Berlin. Man sieht die von Bombenangriffen zertrümmerten Hausruinen unter Beschuss. Es folgt der Cut in den Bunker. Hitler regt sich am Telefon auf, dass die Russen Berlin mit ihrer Artillerie erreichen können. So funktioniert der gesamte Film. Abwechselnd wird von den Ereignissen im Bunker und dem Kampf um Berlin erzählt. Während im Bunker mit Silberbesteck und von Porzellantellern gegessen wird, sterben die letzten kampffähigen Deutschen in sinnlosen Gefechten. Immer wieder wird auf den Gegensatz zwischen der surrealen und völlig realitätsfernen Welt im Bunker und der schrecklichen Realität des Krieges gewiesen.
Die Szenen außerhalb des Bunkers werden vor allem aus der Sicht eines Jungen erzählt, der mit Panzerfäusten Jagd auf sowjetische Panzer macht. Dafür bekommt er einen Orden. Auf die Warnungen des Vaters hört er nicht, beschimpft ihn als Feigling. Seine gesamte Einheit glaubt noch an den Endsieg und will mit einer Flak einen Straßenzug halten. Als es zum Kampf kommt, wird die Einheit einfach überrannt. Der Junge rennt nach Hause und versteht nun, dass sein Vater ihn nur beschützen wollte.
Auch aus der Sicht eines Wehrmachtsarztes wird der Krieg gezeigt. Er muss mit ansehen wie alte Leute durch die Stadt gejagt werden, weil sie nicht kämpfen wollen. Als er eingreift werden die alten Leute einfach erschossen. Selbst kurz vor der Niederlage rennen noch fanatische Nazis durch die Straßen und erhängen jeden, der nicht mitkämpft.
Solche und ähnliche Szenen zeigen die blutige Realität. Die Szenen im Bunker wirken wie ein unwirklicher und absurder Kontrast. Eva Braun organisiert im Bunker eine Feier, Wehrmachtsoffiziere betrinken sich und unterhalten sich darüber wie man sich am sichersten in den Kopf schießt und die Führung des Reiches muss sich mit einem Führer rumschlagen, der Armeen Befehle gibt, die gar nicht mehr existieren. Die Höhepunkte des Filmes sind die Wutausbrüche Hitlers. Immer wenn die Realität zuschlägt und eine seiner imaginären Armeen ihre Aufgabe nicht erfüllt, beschimpft er die Generalität. Immer wenn etwas schief geht, findet er irgendeinen Sündenbock. Aber fast bis zum Schluss verliert er nie den Glauben an den Endsieg. Die Dialoge Hitlers mit Generälen oder anderen Untergebenen wirken einfach nur absurd. Ein Mal sitzt er vor einer Karte Europas als ein General rein kommt. Ohne zu fragen was dieser will, fängt er an, ihm zu erzählen, das Hauptproblem sei momentan die fehlenden Ressourcen. Wenn er „das hier in Berlin erledigt hätte, müsse man sich wieder der Eroberung der Ölfelder in Osteuropa zuwenden“. Der General stimmt unsicher zu und geht einfach wieder. Jeder im Bunker regt sich ständig über die unsinnigen Befehle des Führers auf. Jeder weiß, dass er am Ende ist und die Realität gar nicht mehr wahrnimmt. Dennoch wagt es niemand, sich gegen ihn aufzulehnen. Seine Autorität wird nicht ein Mal in Frage gestellt. Die Generäle lassen sich beleidigen und führen die Menschen verachtenden Halte-Befehle einfach aus.
Hitler dagegen sieht sich immer wieder aufs Neue verraten. Görings Vorschlag, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, wenn Hitler in Berlin eingekesselt sein sollte, empfindet er als Verrat. Als Himmler eigenmächtig die Kapitulation anbietet, fühlt er sich persönlich betrogen. Als Speer ihm gesteht, dass er seine Verbrannte-Erde-Befehle nicht ausgeführt habe, hat er Tränen im Gesicht. Er dachte, dass zumindest Speer, seine „großen Ideen“ verstehen würde.
Erst als Hitler per Telegramm übermittelt wird, dass die Armeen tatsächlich nicht mehr existieren, fängt er an die Realität zu akzeptieren. Doch das ist für ihn kein Grund zu kapitulieren. Er lässt weiter kämpfen und bereitet in aller Ruhe seinen Selbstmord vor. Er heiratet Eva, diktiert sein politisches Testament und sorgt dafür, dass seine Leiche verbrannt wird. Goebbels und seine Frau wollen es ihm gleich tun. Sie bringen sogar ihre Kinder mit um, da „ein Leben in einer Welt ohne Nationalsozialismus nicht lebenswert ist“. Diese Szene ist wahrscheinlich die schockierenste des Filmes.
Doch selbst nach dem sich Hitler umgebracht hat, funktioniert die morbide Logik weiter. Etliche Offiziere erschießen sich. Andere versuchen zu fliehen. Einige SS-Leute verschanzen sich zusammen mit dem schon oben erwähnten Arzt in einer Ruine. Sie beschließen den Sowjets einen letzten Kampf zu liefern und sich dann umzubringen. Alle Versuche des Arztes, sie davon abzuhalten scheitern. Als sie erfahren, dass es zu diesem letzten Kampf nicht kommen wird, da Berlin kapituliert hat, erschießen sich sofort einige von ihnen.


„Der Untergang“ will nicht erklären wie es so weit kommen konnte. Schon gar nicht besteht die Gefahr dafür, ein verharmlosendes Verständnis des dritten Reiches zu bekommen. Der Film will nur erzählen, was in den letzten Tagen des Krieges passiert ist. Das Hitler zum ersten Mal als das dargestellt wird, was er nun mal war, als ein ganz normaler Mann, machen die Ereignisse nicht weniger schlimm oder besser verständlich. Im Gegenteil, es macht sie unverständlicher denn je. Wie kann sich ein Mensch derart in eine schreckliche Idee verrennen und warum sind ihm so viele Menschen bis zum Ende gefolgt? Es ist einfach Hitler das Menschliche zu nehmen, ihn als einen Anti-Christ zu betrachten. Doch genau das führt zu Verharmlosung und zu dem Glauben, es könnte sich niemals wiederholen. Hitler war ein Mensch und eine klägliche Persönlichkeit. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Genau das ist die Aussage des Filmes. Es ist eine große Leistung der Filmmacher, dass sie diese Aussage rüber bringen, ohne das dritte Reich zu verharmlosen. Niemals empfindet man Mitleid mit Hitler, nirgends fiebert man mit ihm mit. Das macht den Film für mich zu einem der Besten, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Aber der Film hat auch Schwächen. Er entspricht zwar den historischen Tatsachen, aber einiges scheint mir zu pathetisch. Die Erlebnisse des Jungen werden sehr dramatisiert, dennoch scheint er am Ende alles ziemlich gut verkraftet zu haben. Als Die Goebbels-Kinder umgebracht werden und Schlafmittel trinken sollen, fängt ein Kind an, sich zu wehren. Auch diese Szene wirkt überdramatisiert. Das sind allerdings einzelne Szenen, die das Gesamtwerk kaum beeinträchtigen.

Die schauspielerischen Leistungen sind in einem solchen Film natürlich wichtig. Zu aller erst ist Bruno Ganz zu nennen. Seine Leistung ist großartig. Er hat die Bewegungen und die Sprache Hitlers hervorragend adaptiert. Wer viele Originalaufnahmen von Hitler kennt, und wer kennt diese dank Guido Knopp nicht, wird kaum Unterschiede erkennen.
Auch die meisten anderen Figuren werden gut gespielt. Himmler und Speer werden fantastisch gespielt. Goebbels hätte man vielleicht ein wenig besser besetzen können.

Am Ende kann ich nur jedem empfehlen, sich den Film anzuschauen. Auch wenn man ihn nicht so gut finden wird, wie ich, er wird sicher einiges verändern in der Sicht der Öffentlichkeit auf das dritte Reich. Die Diskussion um diesen Film wird wohl eine der Wichtigsten der letzten Jahre um die deutsche Geschichte sein. Allein deswegen sollte man ihn sich schon ansehen!

12 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Kjeldi

    31.08.2007, 02:16 Uhr von Kjeldi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hitler war und bleibt ein Unmensch, der nicht auf diese Welt gehörte, der aber den Wahnsinn und die Grausamkeit des Menschen in sich vereinte