Deutschland sucht den Superstar (VHS) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Bohlen Superstar

Pro:

"Jeder blamiert sich so gut wie er kann ...

Kontra:

... der Dümmste meist zuerst."

Empfehlung:

Ja

Der Allwetterzoo in Münster lockt in diesen Tagen vor allem mit zwei reichlich kuriosen tierischen Stars. Der eine, ein Schwan, hat sich in ein Tretboot verguckt; Pinguin-Dame Sandy hat es ein Zoo-Angestellter angetan. Die beiden schrägen Vögel sind zwar keine Artgenossen, haben aber eines gemeinsam: fehlgeleitet sind sie alle beide.


Merendez, 21, lässt nicht locker. Immer wieder murmelt er etwas von einer Chance, die man ihm doch bitte geben müsse. Der junge Mann hat noch nicht begriffen, dass er seine Chance hatte und dass eine Chance zwar eine Aussicht auf den Erfolg bietet, aber eben keine Garantie für ihn ist. Gerade eben hat die Jury der neuesten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ ihm bescheinigt, er habe nicht das Zeug zum Sänger, aber das ficht Merendez nicht an. Der Tankwart hat sich etwas anderes in den Kopf gesetzt, und das soll da jetzt anscheinend auch erstmal bleiben.

Merendez ist kein Einzelfall. Auch für die vierte Staffel der 2002 zum ersten Mal über deutsche Bildschirme geflackerten Talentprobe haben sich wieder Tausende junger Superstar-Aspiranten beworben. Und auch diesmal dürfte das Vorsortieren der Bewerberinnen und Bewerber (Neudeutsch: „Castings“) mehr Unterhaltungswert bieten als das spätere Schausingen der wenigen, die sich nicht nur berufen fühlen, sondern die von der dreiköpfigen Jury wirklich ausgesucht worden sind. In der sitzen diesmal eine gewisse Anja Lukaseder, ein Rheinländer namens Heinz Henn und, wie eh und je, der unverwüstliche wie unvermeidliche Dieter Bohlen.

Er ist der eigentliche Star der Sendereihe und folglich auch die Figur, mit der RTL die Serie bewirbt. Das liegt vor allem an den launigen Sprüchen, mit denen die Rohnatur die meist talentfreien Kandidaten abkanzelt. Zumindest davon kann jetzt auch Nicole ein Lied singen. Partnervermittlungsinstitute bezeichnen Wuchtbrummen wie die 21-jährige Einzelhandelskauffrau gemeinhin als Rubensfrauen, einem wie Bohlen rutschen auch schon mal etwas uncharmantere Beschreibungen heraus. Und weil die reichlich unvorteilhaft angemusterte junge Frau auch akustisch eine ziemlich schlechte Figur macht, findet Bohlen nicht nur Nicoles Aussehen „scheiße“. Die lässt sich allerdings nicht verunsichern, sondern entgegnet schnippisch, das sei „eine Meinung von vielen.“ Nein, kontert der schlagfertige Bohlen da, das seien „drei Meinungen von dreien“.

Ein gewisser Andreas Ruscher stellt sich der Jury als jemand vor, der gern Comics liest, gern an der Playstation spielt und „am liebsten" fernsieht. Der Mann ist 25, wirkt aber sehr viel unvolljähriger. Was er mal werden will, weiß er aber schon: irgendwas „vor der Kamera“ wolle er machen, vielleicht Moderator werden wie seine Vorbilder Markus Lanz oder Alida Kurras. Leider findet Ruscher zunächst nicht einmal den Weg vor die Casting-Kamera, sondern verläuft sich, zur Gaudi der Jury und der Zuschauer daheim am Bildschirm, im Studio. Als er sich dann endlich auf die Bühne verirrt hat, trägt der Schlagerfan einen Sprechgesang in reichlich seltsamem Englisch vor, der vage an eine Strophe aus einer Edelschnulze von Bryan Adams erinnert. Und kündigt danach noch an, dass er „Verdammt, ich lieb’ dich“ von Matthias nicht singen werde. Das sei ihm nämlich „zu rockig“.

Bohlen fasst in Worte, was alle denken: Das mit der Karriere vor der Kamera sei ja kein Problem, setzt er an. Ruscher ruckt bereits zustimmend vogelartig mit dem Kopf, noch bevor Bohlen sein Urteil mit einer Starenkasten-Pointe gekrönt hat. Ruscher scheidet aus, doch zum Glück wartet draußen schon ein Fan auf ihn: Mama Ruscher hat ihren Großen zur Talentprobe begleitet und lobt Sohnemanns emotionale Stimme.

Man kann Rampensau Bohlen mögen oder nicht. Wer in diesen Tagen die aktuellen „DSDS“-Vorentscheide verfolgt, wird sich ihm aber zumindest im Gefühl des tiefen Erstaunens verbunden fühlen, das einen angesichts der Auftritte vieler Möchtegern-Stars ankommt.

Allen Angehörigen des 2007er DSDS-Jahrgang scheint die Erkenntnis gemein zu sein, worauf’s im Showgeschäft heute wirklich ankommt: nicht aufs Können, sondern aufs Weiterkommen. Damit outen sie sich zum einen als wahre Kinder ihrer Zeit, zum anderen als Mediennutzer, die die ersten Staffeln von „DSDS“ mit Gewinn gesehen haben. Denn nicht nur Merendez fordert selbstbewusst zweite, dritte und vierte Chancen ein. Auch die Rumänin, die offensichtlich nicht gut genug für die erste Runde ist, bittet die Jury flehentlich um eine Chance im zwoten Auswahlrennen und verspricht tränenüberströmt, im Gegenzug ganz, ganz hart an sich zu arbeiten. Ganz so als ob jemand, dem man gerade dem Zugang zum Gymnasium verwehrt hat, fordert, man möge ihn die Unterstufe doch bitte, bitte gleich überspringen lassen. Die Jury bleibt freilich unerbittlich, und das ist sicher auch gut so: Enden mit Schrecken sind meist immer noch besser als Schrecken ohne Ende.

Fachleute staunen, und Laien können sich nur wundern, wie selten in der breit angelegten Tonträger-Verkaufsförderungsaktion DSDS nicht Talent offenbar wird, sondern nur die geradezu grob fahrlässige Fehleinschätzung der eigenen Begabung. Oder ist es so, wie Bächereifachverkäuferin Johanna Malcherek („Ich hab die Möpse schön“) sagt, die in Windeseile zur neuen Trash-Ikone der Staffel avancierte? Die findet, dass sie mit ihren 43 Jahren eh nichts mehr zu verlieren hat, und deshalb scheint sie sich zum Ziel gesetzt zu haben, um jeden Preis aufzufallen. So lebt es sich, immerhin, jetzt ganz ungeniert. Nicht weniger auffällig ist das Verhalten eines Sechzehnjährigen, der sich schon nach dem ersten Vorsingen als neuer Stern am Musikerhimmel wähnt, auch der weibliche Twen mit Wiegenlied-Faible, der lauthals „Heidschi Bumbeidischi“ brüllt, verblüfft.

Sie alle bieten Bohlen Steilvorlagen für Urteile, die auf die fehlgeleiteten Kandidaten vernichtend wirken mögen, die in ihrer Bildhaftigkeit aber ihresgleichen suchen. „Wenn du deine Stimme in den Mülleimer wirfst, ist das artgerechte Haltung“, lästert Bohlen, einem anderen Teilnehmer bescheinigt er, der stehe „wie ein Schwanz in der Hochzeitsnacht“, aber es käme nichts dabei raus.

Das kann man gemein finden oder auch nicht. Solange die schrägen Vögel, die von sich glauben, sie könnten singen, freiwillig am „DSDS“-Spießrutenlauf teilnehmen, ist das eine reine Geschmacksfrage. Dass Bohlens sarkastische Sprüche das Salz in der „DSDS“-Suppe sind, dürfte, nach mittlerweile vier Jahren „DSDS“, den Superstar-Anwärtern auch nicht neu sein: „DSDS“ hat seinen Superstar längst gefunden. Er heißt Dieter Bohlen.

37 Bewertungen, 13 Kommentare

  • paula2

    30.01.2007, 20:47 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • crissy13

    18.01.2007, 09:54 Uhr von crissy13
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich, Gruß crissy13

  • Sayenna

    14.01.2007, 21:05 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :-)

  • Gozo-Bernie

    12.01.2007, 21:50 Uhr von Gozo-Bernie
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh aus Sizilien - bernie

  • anonym

    12.01.2007, 18:54 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • LittleSparko

    12.01.2007, 18:50 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela

  • sindimindi

    12.01.2007, 18:42 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Am Anfang dachte ich ja, wer sollte sich diesen Schwachsinn ernsthaft anschauen? - Witzig auch, dass die (F)rohnatur selbst ja auch nicht singen kann...ohne Synthesizer und Tonstudio, wäre seine Stimme ebenfalls für den Mülleimer!;-) RS

  • anonym

    12.01.2007, 18:25 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Biggi :-)

  • weeedyboy

    12.01.2007, 17:55 Uhr von weeedyboy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde solche Castingshos den letzen Dreck... einfach nur furchtbar ... aber naja es scheint auch Leute zu geben die das mögen ! Gruß weeedyboy

  • golubka

    12.01.2007, 14:33 Uhr von golubka
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen Gruß

  • doeter

    12.01.2007, 13:47 Uhr von doeter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tja, wenn diese "Talentprobe" überhaupt Unterhaltungswert hat, dann gewiss nur im ersten Durchgang. Mir reicht das allerdings nicht, um da gebannt vorm Bildschirm hocken zu bleiben. Aber beim Zappen bleibe ich durchaus mal bei den Sprüchen der &q

  • waikiki22

    12.01.2007, 13:44 Uhr von waikiki22
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller bericht ! Freue mich über gegenlesungen ! LG waikiki

  • Scigy

    12.01.2007, 13:20 Uhr von Scigy
    Bewertung: sehr hilfreich

    "Rohnatur" ... Freudscher Verschreiber oder Absicht? .... im Übrigen kann ich Dir nur beipflichten. Eines allerdings glaube ich. Der Unterhaltungs(wert?) von DSDS würde auch nicht geschmälert, wenn mehr positive als negative Beispiele präsentiert