Wüstenblume (gebundene Ausgabe) / Waris Dirie, Cathleen Miller Testbericht

Schneekluth-verlag-kg-wuestenblume-gebundene-ausgabe
ab 9,12
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004

5 Sterne
(10)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(2)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Casyriade

Wüstenblume von Waris Dirie - ein Thema, das aufrütteln sollte!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Das Buch Wüstenblume, von Waris Dirie, erzählt über ihr eigenes Schicksal und behandelt ein Thema, das jeden etwas angehen sollte.

°°Story°°

Waris Dirie lebt in Somalia und stammt aus einem Nomadenstamm der von Wasserstelle zu Wasserstelle zieht. Sie lebt zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern mehr oder weniger unter dem freien Himmel und hütet die wenigen Tiere.
Mit Fünf Jahren wird Waris beschnitten. Sie überlebt, ihre Schwester stirbt dabei. Für Waris war es eine Schmerzhafte Prozedur und dennoch beißt sie die Zähne zusammen, damit ihre Mutter Stolz auf sie ist.
Als sie allerdings mit Vierzehn Jahren mit einem alten Greis verheiratet werden soll, flieht sie von zu Hause. Sie rennt durch die Wüste und wird anfangs noch von ihrem Vater verfolgt. Auf dem weg in die Hauptstadt Mogadischu, wird sie beinahe zwei Mal vergewaltigt - kann aber in letzter Sekunde entrinnen. In Mogadischu geht Waris zu ihrem Onkel, Ahmed Dirie - der sie zurück bringen möchte. Also geht Waris zu ihrer Schwester Aman, die ebenfalls in Mogadischu lebt. So geht es auch weiter, dann zieht sie zu einer Tante und dort gelingt es Waris, durch einen Somalischen Botschafter der ein Dienstmädchen sucht, nach England zu gelangen, um genauer zu sein, nach London. Vier Jahre dauert die Amtszeit des Botschafters und seine Frau ist die Schwester von Waris\' Mutter. Allerdings ist diese sehr Kühl und herrisch, in den vier Jahren hat Waris nicht einen einzigen Tag frei - das sagt schon alles denk ich. In der Zeit in London versterben ihr kleiner Bruder und ihre Schwester Aman. Waris fühlt sich einsam, und in London eingesperrt. Als die Amtszeit des Botschafters zu ende ist, beschließt Waris in London zu bleiben. Es liest sich sehr amüsant, wie es ihr gelingt, nicht nur in London zu bleiben, sondern auch noch Britische Bürgerin zu werden und wie Waris ihr Leben von nun an selbst in die Hand nimmt...


Also wenn ich jetzt noch mehr zum Inhalt schreibe, verderbe ich euch, denk ich mal, die Freude das Buch selbst zu Lesen.
Ich war von diesem Buch und der Person Waris Dirie sehr beeindruckt. Alleine der Schreibstil, die Erzählungen mit so viel Gefühl zu verbinden, hat mich regelrecht gefesselt. Es macht mir nichts aus, das Buch zwei, drei oder gar noch öfters zu Lesen und das macht denke ich ein gutes Buch aus.
Zum ersten Mal, las ich es in der Siebten Klasse. Und auch wenn es naiv klingt, bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass so etwas passiert.
Waris Dirie beschreibt in aller Deutlichkeit, ihre eigene Beschneidung und wie diese Brutale Art und Weise ihr Leben beeinflusste.
Der Tradition zur Folge werden Mädchen im alter von 4-8 Jahren beschnitten - denn unbeschnittene Mädchen sind nichts wert und werden dementsprechend behandelt. Das ist wirklich das letzte, wenn ich das jetzt einfach mal so anmerken darf.


Beschneidung

Die Beschneidung verläuft im allgemeinen durch eine Hebamme, Beschneiderin oder Barbieren. Eine Frau die eine anderen so etwas antut.. Das lass ich mal für sich sprechen. Sie benutzt eine Rasierklinge (oft mehrmals bis zur Stumpfheit), Scherben, die Deckel von Konserven oder, die eigenen Zähne.
Ich muss wohl nicht darauf hinweisen, dass der Vorgang ohne Betäubung und unter unhygienischen Bedingungen stattfindet. Oft mitten in der Wüste, damit die armen Männer nicht durch die Schreie belästigt werden.
Dann gibt es vier Formen der Beschneidung, um das \"schlechte Fleisch\" Wegzuschneiden. Entweder wird nur die haut der Klitoris entfernt, die gesamte Klitoris, oder es werden die kleineren Schamlippen ganz oder auch nur teilweise entfernt. Wovon das abhängt, ist mir allerdings unklar.
Anschließend werden die großen Schamlippen zusammengenäht, oft mit Dornen von Büschen und Fäden. Es wird allerdings eine kleine Öffnung gelassen, durch die Urin und das Menstruationsblut abfließen kann.

Mädchen oder Frauen die diese Prozedur nicht überleben, sind meiner Ansicht nach weitaus besser dran. Denn die eventuellen Folgeschäden und die allgemeine Zeit danach, sind die Hölle. Es ist nicht nur mit Vernarbung zu rechnen, sondern auch mit:
- schweren Blutungen
- Infektionen
- Schock
- Schädigungen an Harnröhre und After
- Tetanus
- Blasenentzündungen
- Blutvergiftungen
- Hepatitis
- chronische und wiederkehrende Harnröhren-, Blasen- und
Beckenentzündungen - die zu Sterilität, Zysten und Abszessen an der
Vulva führen können
- schmerzhafte Neurome
- Probleme beim Urinieren
- Stauungen von Menstruationsblut in der Bauchhöhle
- Frigidität
- Depressionen
- HIV, Aids

zu rechnen. Um nur einige zu nennen, von denen ich weiß.

Erst bei der Hochzeit darf der Mann seine Frau wieder aufschneiden, bzw. er kann auch einfach mit ein wenig Gewalt in sie eindringen und damit das Loch Aufreißen. Klingt jetzt ziemlich Brutal, aber das ist eher die gängigste Methode, die benutzt wird.

Wie man sehen kann ist das ein ernstzunehmendes Thema, das in diesem Buch größtenteils behandelt wird. Es bietet tatsächliche Fakten einer betroffenen und ich würde es auf alle Fälle jedem empfehlen. Es geht auch darum, wie ein einfaches Nomaden Mädchen aus der Wüste, es schaffte, sich gegen die Traditionen ihres Volkes zu stellen und sogar Karriere machte. Heute Kämpft Waris als Sonderbotschafterin für die UNO gegen diese Verstümmelungen an Mädchen und Frauen. Die auch heute noch in rund 28 Ländern trotz verbot gang und gebe ist. Sogar hier in Deutschland werden Mädchen nach alten Traditionen dieser Grausamkeit ausgesetzt und es kommt nur in den seltensten Fällen heraus.
Ungefähr zwischen 130 und 150 Millionen Beschnittene Frauen gibt es Weltweit, und das ist nur die Zahl derer, die es Überlebten. Jedes Jahr werden rund zwei Millionen Mädchen beschnitten, täglich sind es 6.000.

Ich möchte Meinen Beitrag mit Folgenden Sätzen von Waris schließen.

\"Meine Mutter hatte über meine Beschneidung nicht zu bestimmen, denn als Frau verfügt sie über keinerlei Mitspracherecht. Sie machte mit mir einfach das gleiche, was man mit ihr gemacht hatte und was vorher schon ihrer Mutter und wiederum deren Mutter widerfahren war. Und mein Vater hatte keinerlei Vorstellung von dem Leiden, das er mir damals zufügte; er wusste nur, dass in unserer somalischen Gesellschaft seine Tochter beschnitten sein musste, wenn sie heiraten wollte, [...] Es ist an der Zeit, mit der Tradition des Leidens zu brechen.\"


Liebe grüsse, Saskia