Eine Billion Dollar (gebundene Ausgabe) / Andreas Eschbach Testbericht

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Erfahrungsbericht von vampire-lady

wo der Teufel hinschei.......!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich nu ein schon ein paar Monate mit dem Bericht herumgetrieft habe, werde ich ihn heute in all meiner großen Konsequenz auch schon heruntertippen. Irgendetwas von Andreas Eschbachs Buch „Eine Billion Dollar“ dürfte doch noch hängen geblieben sein. Leider nicht in Geldscheinen.

Detailliertere Angaben zum Buch muß ich leider schuldig bleiben, da ich es mir lediglich ausgeliehen hatte. Zumindest aber hat es um die 800 Seiten und ist für ein Taschenbuch irgendwo unhandlich gewesen. Ein echter Schinken.

Faszinierend an der Geschichte ist Eschbach-typisch die außergewöhnliche Idee. Vor 500 Jahren legte ein Italiener einen Geldbetrag an, der in der Folge von der Rechtsanwaltsdynastie der Familie Vacchi verwaltet werden sollte. Das gute Geld sollte genau 500 Jahre auf irgendwelchen Bankkonten vor sich hin gammeln und sich per Zins und Zinseszins eifrig fortpflanzen. Das Vermächtnis lautet, daß der jüngste männliche Verwandte des Erblassers nach genau diesem Zeitraum diese Summe erhält. Verbunden ist das ganze mit dem Orakelspruch, jener Erbe würde die verlorene Zukunft der Menschheit retten. (jeder nur ein Kreuz! *gg)

Dabei nimmt der Autor sich wirklich Zeit und Muße auch dem letzten verdödelten RTL-Zuschauer unter den Lesern ausführlich zu erklären, wie durch den Zinseszinseffekt eine Summe von einer Billion zusammen kommen kann. Hätte er das nicht getan, wäre der Wälzer bestimmt 50 Seiten kürzer gewesen. Viel interessanter war, wie er dem Leser nahe bringt, was überhaupt eine Billion Dollar ist. Schließlich ist die Zahl schnell dahingeworfen. Ok ist ne Menge Geld. Schlucken muß man vielleicht, wenn man sie dann anders beschreibt: eine eins mit zwölf Nullen, was dann eine ziemlich lange Zahl wird: 1000000000000. Trotzdem bleibt die Ziffer immer noch abstrakt bis ins äußerste. Eschbach liefert in der Folge aber viele lebhafte Beispiele, was man mit einer derartigen Summe alles machen kann, um dann immer noch eine Umsumme auf dem Bankkonto zu haben, da bekommt man schon mal runde Augen – und fängt ziemlich an zu spinnen.

Eigentlich – um nun von der Idee zum Inhalt zu kommen – ist man ja schon ein wenig neidisch auf John Fontanelli, den amerikanischen Hauptcharakter des Buches. Fontanelli trifft sich ganz harmlos mit den akuten Abkömmlingen der Vacchis und ist um eine Billion Dollar reicher. Zunächst reist er dann nach Italien, um sein Erbe abzugreifen, wo er mit dem Orakelspruch konfrontiert wird. Nach anfänglichen Spielereien: ich kaufe mein Haus, mein Auto, meine Jacht... kommt Fontanelli ins Grübeln. Wie soll er jetzt den Messias heraushängen lassen, und die Welt retten? Warum auch nicht? Er hat ja sonst nichts zu tun. Da die Vacchis von Natur aus reiche Geldsäcke sind, die ihren Reichtum als selbstverständlich nehmen, kann er aus dieser Ecke keine Beratung erwarten. Auf die Idee alte Bekannte zu kontaktieren, kommt Fontanelli erstaunlicherweise nicht, sondern erliegt vielmehr lieber den merkwürdigen Ansichten des Geschäftemachers McCaine. McCaine wird zu Fontanellis Geschäftsführer mit der Absicht die Weltwirtschaft zu übernehmen und so Einfluss auf die Politik der Staaten zu nehmen. Fontanellis kleine feine Firma entwickelt sich zu einer wahren Geldmaschine. John merkt zu spät, daß er McCaine intellektuell nichts entgegen zu setzen hat. McCaine benutzt ihn für seine Zwecke und lenkt ihn mit Nebensächlichkeiten vom selbständigen Denken ab. Als John munter wird, sitzt McCaine bereits dick im Geschäft. Trotzdem soll dieser Umweg Fontanelli doch zu einem eigenen Lösungsweg führen. Er entwickelt wirklich eine Weltrettungsidee, die in einem etwas diffusen und für meinen Geschmack vorhersehbaren Ende zwar dargestellt, aber nicht umgesetzt wird. (Erlöserfiguren haben eine geringe Mindesthaltbarkeit)

Wie gesagt ist die Idee quasi aus dem vollen schöpfen zu können einfach nur genial. Eine Billion Dollar sind ein Wunsch- und ein Alptraum. Es ist großartig zu beobachten, wie McCaine aus dem Nichts einer simplen, wenn auch großen Zahl, ein Imperium aus dem Erdboden stampft. Was dabei leider nervt ist die kostenlose Unterrichtsstunde in Sachen Wirtschaftswissenschaften, mit der man die Unterstufe einer Handelsschule nicht wirklich hinter dem Ofen hervorlocken kann. Ähnlich wie bei der Aufklärung in Sachen Zinsrechnung, muß man sich durch ellenlange Dialoge ackern in denen Fontanelli und der Leser wirtschaftlich aufgeklärt werden. Später werden diese wirtschaftlichen Aspekte durch mögliche Weltrettungsideen ersetzt, die eben so langwierig dargestellt werden und die eben so oft wiederholt werden. Die Ideen dahinter bieten interessante Denkansätze, die seitenweisen Auslassungen darüber habe ich notgedrungen überblättert, um wach zu bleiben.

Wenig glücklich war ich mit den Charakteren des Buches. Trotz der 800 Seiten bleiben diese ausgesprochen platt. Sympathien konnte man kaum aufbauen – außer evtl. zur Hauptfigur und was soll ich sagen: ich kann John Fontanelli einfach nicht leiden. Besser ausgedrückt, er ist mir vollkommen egal und in einigen Teilen völlig unverständlich. Selbst hat er nicht viel mehr auf dem Kasten als mit dem Mofa Pizza auszufahren. Dann erbt er richtig viel Asche, und haut ohne darüber nachzudenken mit völlig Fremden nach Italien ab, um dort in Rekordzeit auch noch Italiener zu werden – aus erbschaftssteuerlichen Gründen. Warum bezieht er in der Folge nicht seinen besten Kumpel in diesen Umstand mit ein? Schließlich hat der einen Wirtschaftsabschluss und einiges in der Rübe... nein, Fontanelli fällt auf den erstbesten Blender (McCaine) rein, auch wenn ihm von den eigentlich ziemlich netten Vacchis dringend eine Zusammenarbeit mit dieser Type abgeraten wird. Fontanelli ist für meinen Geschmack einfach nur dämlich – und ein Weichei noch dazu, das sich im Laufe der Geschichte auch noch sehenden Auges über den Tisch ziehen lässt. Einfach aus Angst vor den Konsequenzen – und das mit einer Billion im Kreuz! Der Blödmann! Zu Gute halten muß man ihm dennoch, daß er irgendwann die Kurve bekommt, und feststellt, daß man ein Hirn nicht nur dazu hat, um das Gleichgewicht in der Birne zu halten, nein, man kann damit denken. Leider nimmt die Geschichte aber ab diesem Zeitpunkt einen schnelleren Verlauf, so daß das Buch zu Ende ist, bevor Fontanelli allzu viele Pluspunkte bei mir sammeln kann.

Richtig glücklich war ich mit dem Buch im Endeffekt nicht. Dafür habe ich immerhin so 150-200 Seiten stinklangweiligen Gelabers einfach überblättern müssen. Die Geschichte gibt im Grunde nicht viel her, die Charaktere auch nicht, außerdem verhält sich insbes. Fontanelli nicht wirklich logisch. Die Grundlagen in Sachen Wirtschaftslehre sind naturgemäß nicht wirklich neu und in jeden x-beliebigen Vwl/Bwl-Buch nachzulesen. Was am Ende herausragt, ist und bleibt aber die Idee dahinter. Die geballte Darstellung dessen, was man mit einer Geldmaschine von einer Billion Dollar alles anstellen kann, nämlich mal eben den Erdball so richtig rocken – egal in welche Richtung.

52 Bewertungen, 1 Kommentar

  • feldhase

    22.08.2005, 12:14 Uhr von feldhase
    Bewertung: sehr hilfreich

    nur leider noch nicht gelesen. Es hat 887 Seiten und die ISBN ist 3-404-15040-6 für 9,90 Euro. ;-) Bin mal gespannt, was ich dazu sage. LG vom Feldhasen