Eine Billion Dollar (gebundene Ausgabe) / Andreas Eschbach Testbericht

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Erfahrungsbericht von ChopSuey

Geld regiert eben doch die Welt ;)

Pro:

interessant, spannend, abwechslungsreich, realistisch

Kontra:

was hat sich der Autor nur beim Ende gedacht...

Empfehlung:

Ja

Was würde man tun wenn man soviel Geld hätte, dass ein einziges Leben nicht ausreicht um es auszugeben? Dieser Frage nimmt sich Andreas Eschbach in seinem aktuellen Werk ‚Eine Billion Dollar‘ an. Kein Buch für Freunde leichter Kost, denn es is en echter Wälzer :) Aber lesenswert..

Inhalt

John Salvatore Fontanelli ist ein wenig betuchter New Yorker, der sich von Job zu Job und von Monatsmiete zu Monatsmiete schleppt. Ein armer Schlucker eben, der gerade so über die Runden kommt. Doch da passiert ihm was man sonst nur aus Filmen kennt: er erbt Geld...viel Geld.

Denn John ist der Nachfahre eines florentinischen Geschäftsmannes der sich Giacomo Fontanelli nennt. Dieser hatte zu seinen Lebzeiten, vor 500 Jahren etwa 10.000 Dollar angelegt und in seinem Testament bestimmt, dass der jüngste männliche Nachfahre, der in 500 Jahren am 23. April noch lebt, sein Vermögen erben soll. Hintergrund dieses Testaments war Giacomos Vision, dass der Erbe dieses Vermögens der Menschheit damit die verlorene Zukunft wiedergeben sollte.

Die angelegten 10.000 Dollar wurden der Familie Vacchi zur Verwaltung anvertraut. Diese mehrten es innerhalb der besagten 500 Jahren bis in die heutige Zeit, durch Zins und Zinseszins, auf die unglaubliche Summe von fast einer Billion Dollar.

Für John ändert sich damit alles auf einen Schlag, wo er vor kurzem kaum genug Geld zu essen hatte, verdient er nun mit jedem Atemzug mehrere tausend Dollar, ohne dass er je wieder arbeiten muss. Die Vacchis nehmen John mit nach Italien, wo für ihn nun ein neues Leben beginnt. Alles scheint ihm zuzufliegen, denn er ist nun der reichste Mann der Welt. Er genießt seinen Reichtum, doch mit der Zeit kommen auch erste Zweifel wem er noch alles trauen kann...zudem macht ihm das Testament zu schaffen. Er ist schließlich DER Erbe und will seiner Bestimmung nachkommen, der Menschheit ihre Zukunft wieder zugeben. Doch wie? Und reicht sein ganzes Geld wirklich aus um die gesamte Menschheit zu retten?

Ebenso für Kopfzerbrechen sorgen die ominösen Anrufe, die er von Zeit zu Zeit erhält...der Anrufer behauptet, zu wissen was es mit dem Erbe auf sich hat. Und vor allem will er wissen, wie man die Prophezeiung Giacomo Fontanellis erfüllen kann..

Kritik

Andreas Eschbach beschreibt auf knapp 900 Seiten eindrucksvoll den Lebenswandel des Protagonisten. Von der ersten bis zur letzten Seite hatte er meine volle Aufmerksamkeit, mit diesem Werk, denn der Spannungsaufbau zieht sich durch das ganze Buch, ohne dass es zwischendurch eintönig erscheint. Ich habe es schon deshalb nicht aus der Hand legen können, um zu erfahren was es eigentlich mit dieser Prophezeiung auf sich hat. Und wie es gelingen soll, diese Aufgabe zu erfüllen. Ein einziger Mensch der uns alle retten soll? Und vor was überhaupt retten?

Man lernt unweigerlich, wie solch eine Menge Geld entsteht respektive wie die Wirtschaft funktioniert. Sowohl geschichtliche Hintergründe als auch aktuelle Fakten über das Geldwesen und steuerliche Aspekte. Der Autor geht sogar soweit John als eventuellen Nachfahren der Fuggers in Erwägung zu ziehen. Denn die Fugger-Familie war ja zur damaligen Zeit eine der reichsten Familien, ähnlich den Medici. Man bekommt ebenfalls Einblicke in die Konzernverflechtungen und welchen inneren Zusammenhang alles hat. Auch wird das immer aktueller werdende Thema der Globalisierung mit eingeflochten. Doch auch wenn viel von Geld und Zinsen geredet wird, sollte man nicht denken, dass es nur darum geht wie sich das Geld so vermehren konnte, viel mehr dient das Erbe als Mittel wie man es letztendlich einsetzen kann. Wie John es benutzen und seine Macht geltend machen kann. Da ist natürlich die Frage zu klären, für was er es denn einsetzen kann.

Für Andreas Eschbach ist die naheligendste und offensichtlichste Bedrohung die Zerstörung des Planeten. Sei es durch Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit, Überbevölkerung etc. Geschickt verknüpft er das zentrale Thema, der bevorstehenden Katastrophe mit dem Einfluss des Geldes das John zur Verfügung steht...und die daraus resultierende Macht die er erhält. Dennoch ist der Roman keiner dieser finsteren apokalyptischen Thesen, die es schon zur Genüge gab. Aber es ist eine wirksame Methode einem die Ausmaße der bevorstehenden Klimaveränderung und das Problem des Rohstoffverbrauchs wieder in Erinnerung zu rufen und sich damit auseinander zusetzen.

Zugleich werden auch diverse Theorien präsentiert und diskutiert wie das Unheil doch noch abzuwenden ist. Diese Theorien sind übrigens nicht erfunden oder aus der Luft gegriffen, denn die Grundlagen des Romans wurden sorgfältig durch Fachliteratur recherchiert. So werden beispielsweise auch tatsächlich existierende Personen in die Handlung mit eingebunden was einem die Geschichte noch realistischer erscheinen lässt.

Diese ökologischen Aspekte waren für mich mit das Interessanteste an dem Buch, doch werden einem nicht langweilige Fakten präsentiert. Alles bindet sich perfekt in die erzählte Geschichte ein und Hauptakteur bleibt weiterhin John Fontanelli, der oftmals so dargestellt wird, als läge die Last der Welt auf seinen Schultern. Dennoch ist die Prophezeihung lediglich das Gerüst um, welches sich alles andere aufbaut.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat war die Differenzierung der Charaktere, den Stereotypen sorgen schnell für Langeweile. John scheint zu Anfang ein Allerweltsmann zu sein, was es einem logischerweise einfacher macht sich mit ihm zu identifizieren..auch wenn er zu Anfang noch naiv und leicht zu beeinflussen scheint, merkt man zunehmend eine Wandlung seines Wesens im Verlauf des Buches. Er beweist Charakter und versucht seinen moralischen Ansprüchen gerecht zu werden, während sein Gegenpart (der mysteriöse Anrufer) jede Hürde ohne Skrupel nimmt, und alles daran setzt seine Ziele zu verwirklichen – ohne Rücksicht auf Verluste!

Rätselhaft bleibt fast bis zum Ende ob John tatsächlich der ‚wirkliche‘ Erbe ist. Denn es gab noch einen Cousin von ihm, der eigentlich das Vermögen erben sollte; komischerweise starb dieser wenige Wochen vor dem Termin der Testamentsverkündung....
Für John hat dies zur Folge, dass er sich nicht nur um die Menschheit sorgen muss, sondern dass ständige Zweifel an ihm nagen, ob er der geeignete ist diese Aufgabe zu bewältigen.

Auch wenn ich das Buch mit Begeisterung gelesen habe, gibt es doch einen Vermutstropfen, denn das Ende hatte ich mir anders vorgestellt...erheblich anders. Also ehrlich gesagt fand ich es soagr sehr enttäuschend, denn aufgrund des permanenten Spannungsaufbaus und dem Potential der Geschichte hatte ich DIE Lösung schlechthin erwartet. Leider endet alles ziemlich unspektakulär und ich hatte das Gefühl hinterher genauso schlau wie vorher zu sein. Letztendlich stellt sich sogar heraus, dass Johns jahrelanger Machtaufbau quasi Zeitverschwendung war, denn die nun eingeschlagene Lösung nimmt ganz andere Formen an, als man sie erwartet hätte. Der Autor hält leider auch nix von Happy-Ends. Aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen..bis man zum Ende kommt, hat man nämlich ganz schön viel Arbeit vor sich ;)

Fazit

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass man etwas verpasst hat wenn man dieses Buch nicht gelesen hat. Zumindest ist es spannend für alle die sich was aus unserem Fortbestehen machen ;) Aber auch generell, würde ich die Zielgruppe nicht sonderlich eingrenzen, da für jeden interessante Aspekte dabei sind, gerade auch was die Wirtschaftssituation, die aktuelle Lage und das oft gehörte Thema der Globalisierung angeht. Selbst die Romantiker gehen nicht leer aus. Mag sein, dass Eschbach an manchen stellen zu sehr ins Detail geht, was die Theorien und Fakten angeht.. für mich war es jedoch an keiner Stelle langweilig. Da es das erste Buch ist, dass ich von ihm gelesen habe kann ich auch keine Vergleiche zu anderen Werken ziehen, mir ist lediglich bekannt, dass er auch Autor von ‚Das Jesusvideo‘ ist.

Von mir gibt´s ne Empfehlung..aber zwei Sterne Abzug wegen dem Ende des Buches.

©ChopSuey

45 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Cicila

    26.11.2005, 12:34 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    Danke für den Tipp! Toller Bericht. <br/>LG Cicila

  • plötzlichpapa

    03.05.2005, 18:27 Uhr von plötzlichpapa
    Bewertung: sehr hilfreich

    soviel Geld zu haben. Überleg mal, welch Verantwortung das darstellt. Im Endeffekt hat man doch Verpflichtungen gegenüber seinem Heimatplaneten, den Menschen, den Tieren, der Wissenschaft, der Kultur, den Menschen welche einem nahe stehen, seinem

  • Asperula

    16.02.2005, 13:40 Uhr von Asperula
    Bewertung: sehr hilfreich

    ....TRÄUM gerade.... :-))

  • kleinvolli

    21.01.2005, 14:43 Uhr von kleinvolli
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wieviel Nuller sind das doch gleich?

  • stern.schnuppe

    29.08.2004, 00:50 Uhr von stern.schnuppe
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klingt sehr interessant. Mal abgesehen von der Vorstellung, mal eben eine Billion Dollar zur Verfügung zu haben ;-) Auch wenn das Ende jetzt nicht so prickelnd sein soll, bin ich trotzdem neugierig geworden!