Frühgeburt & Frühgeburten-Vorsorge Testbericht

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Erfahrungsbericht von Mammamia

Kämpfe, kleiner Patrick, du musst kämpfen ...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

... das waren die Worte die ich meinem Sohn vor nun über 14 Jahren täglich ins Ohr flüsterte. Patrick war eine Frühgeburt und die Ärzte hatten nur wenig Hoffnung. Heute ist Patrick ein „fast“ ganz normaler Junge. Aber fangen wir mit meiner Schwangerschaft an und zwar der Schwangerschaft von Sascha meinem Ältesten.

Sascha war mein erstes Kind und die Schwangerschaft war traumhaft. Keine Übelkeit, keine Wassereinlagerungen mir ging es rundherum gut, er ließ sich sogar 2 Wochen mehr Zeit als nötig und wurde dann innerhalb von nur 3 Stunden geboren. Nach so einer tollen Schwangerschaft und schnellen Geburt ein kerngesundes Kind in den Armen zu halten ist das Größte. Für mich war klar, so schnell als möglich soll Sascha ein Geschwisterchen bekommen.

Knapp 2 Jahre nach Saschas Geburt wurde ich wieder schwanger, ich verlor das Kind leider. Ich war bitter enttäuscht, traurig und wütend zugleich. Die Ärzte rieten mir es einfach weiter zu versuchen und somit ließ eine erneute Schwangerschaft nicht lange auf sich warten. Laut Aussage der Ärzte sind die ersten 3 Monate die gefährlichsten und somit konnte ich es nicht erwarten diese hinter mich zu bringen. Der vierte Schwangerschaftsmonat kam und alles schien in Ordnung zu sein. Meine innere Anspannung legte sich so langsam aber sicher und ich begann die Schwangerschaft zu genießen, leider nur bis zur 15. Schwangerschaftswoche. Wir waren gerade mit Eltern und Schwiegereltern schön beim Essen, da ging es los. Der Bauch zog sich zusammen, Schmerzen im Rücken es wurde immer schlimmer. Mir schossen die Tränen in die Augen, wusste ich doch genau, „Wehen, mein Gott du hast Wehen“. Ab ins Auto und schnell ins nächste Krankenhaus.

Ich kam sofort in den Kreissaal und wurde ans CTG (Wehenmesser) angeschlossen und untersucht. 2 Ärzte und 3 Schwestern hüpften sehr aufgeregt um mich herum und machten mich noch nervöser als ich schon war. Ich begann am ganzen Körpern zu zittern, meine Nerven hielten dem Stress nicht mehr stand. Der Muttermund war inzwischen schon über 2 cm geöffnet und die Ärzte kämpften, die Geburt aufzuhalten. Nach mehreren Stunden war es geschafft, an Wehenhemmende Tropfs angehängt und mit Valium ruhiggestellt wurde ich in ein Einzelzimmer verlegt, ständiger Begleiter ein CTG.

So lag ich nun in eine Art Dämmerschlaf für über 3 Monate in meinem Bettchen und nahm kaum etwas war. Die Lungenreifung meines noch Ungeborenen wurde mittels Spitzen beschleunigt, der Wehentropf musste im Laufe der Zeit immer höher eingestellt werden. Ende der 30. Schwangerschaftswoche kam es durch die hohe Dosis des Tropfes sowohl bei mir wie auch bei Patrick zu Herzrhythmusstörungen. Die Blicke der Ärzte wurden immer besorgter, wie sich bald herausstellen sollte zurecht. In der 31. Schwangerschaftswoche, es war ein Samstag setzten die Herztöne von Patrick urplötzlich aus.

Panik auf Staion 3 macht sich breit, ein Oberarzt knetete auf meinem Bauch rum wie ein Irrer, ich dachte der bringt mein Kind um. Doch er hatte Erfolg und das kleine Herz begann wieder zu schlagen, langsam aber es schlug. Ehe ich richtig begriff was Geschehen war lag ich schon im OP und schlief dank der Narkose sofort ein.

Es sollte immerhin 2 Tage dauern bis ich wieder erwachte. Mangels Zeit wurde eine Notoperation gemacht und das Narkosemittel etwas zu stark dosiert.. So langsam aber sicher kam ich aber ins Leben zurück. Über diese Tage kann ich logischerweise nur aus Erzählungen berichten.

Patrick wurde um 11.59 Uhr mit einem Gewicht von 1800g und einer Größe von 42 cm per Kaiserschnitt geboren und hatte zu Beginn auch eine spontane Atmung. Leider hatte mein Krankenhaus keine Frühgeborenenstation, somit musste er mit einem speziellen Frühchentransport ins 12 Kilometer entfernte Kinderkrankenhaus gebracht werden. Auf der Fahrt dorthin setzte die Lungenfunktion aus, er musste beatmet werden. Durch den Zusammenfall der Lunge auf dem Transport verklebte diese und der Sauerstoffgehalt musste sehr hoch dosiert werden. Je höher aber der Sauerstoffgehalt und der Druck mit dem die Luft zugeführt wird, je größer die Gefahr von Folgeerkrankungen.

Ich lag nun 12 Kilometer von meinem Kind (inzwischen 4 Tage alt) entfernt hatte nichts als ein Foto, auf dem mehr Kabel und Apparate zu sehen waren als mein Baby. Ein Anruf aus der Kinderklinik erweichte meinen Arzt, er bestellte mir einen Transport und stellte mir eine Krankenschwester an die Seite. Patrick ging es sehr schlecht, die Ärzte hatten nur wenig Hoffnung, sein Gewicht betrug nur noch 1.500g, ich sollte ihn wenigstens einmal sehen. In der Kinderklinik warteten sie schon auf mich und brachten mich sofort zu meinem Baby.

Ich war entsetzt, ein gelbes Etwas noch mit Lammelenbehaarung überzogen, optisch eher ein Greis lag an Tausende Apparate angeschlossen in einem Glaskasten. Ein ständiges, pfffffff...pfffffffff...pffffffff , pumpte ihm unüberhörbar Luft in die Lungen. Auf den Arm nehmen war nicht drin, nur durch ein kleines Loch im Brutkasten konnte ich ihn berühren. Ich hatte Angst, kalter Schweiß auf meinen Händen machte sich breit, er sah so zerbrechlich aus. Mittels einer Nasensonde wurde im Nahrung zugeführt, die meist unverdaut oben oder unten wieder herauskam. Am Kopf eine Infusion, am Fuß eine und am Arm, der Arme Wurm war total zerstochen und hatte überall blaue Flecke. Eine Nottaufe war mit Einverständnis meines Mannes bereits organisiert, ich fühlte mich total überrumpelt aber er hatte es nur gut gemeint.

Täglich war ich nun bei meinem Sohn, ich bekam dafür immer Krankenhausurlaub, es ging ihm stetig besser. Patrick war inzwischen acht Tage alt und nahm langsam aber sicher zu. Es war wieder ein Anruf aus der Kinderklinik der mein Herz fast zum stehen brachte. Patrick leidet unter einer schweren Anämie und braucht dringend Blut. Durch einen plötzlichen Schneeeinbruch und Glatteis gab es Massenweise Unfälle und die Blutbank war praktisch leergeräumt. Ich selbst kam als Spender nicht in Frage, war ich doch immer noch vollgepumpt mit Medikamenten. Meine Mutter nicht zu erreichen, mein Mann kam nicht in Frage. Blutgruppe 0, Patrick warum nur hast du eine so seltene Blutgruppe?

Patrick bekam das dringend nötige Blut dann doch noch, und es ging wieder Bergauf.

Ich konnte nun endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden und besuchte Patrick so oft wie möglich. Trotz einiger Rückschläge ging es ihm von Tag zu Tag besser und ich konnte im Alter von 14 Tagen endlich das erste Mal auf den Arm nehmen. Heute wird den Frühchen dieser wichtige Körperkontakt schon viel früher ermöglicht, bei uns war das leider noch nicht so.

Anfang Dezember wurde Patrick vom Brutkasten in ein Wärmebett verlegt und somit auf eine andere Station. Endlich konnten auch Omas, Opas, Tanten, Onkel, Freunde, aber vor allem Sascha den Kleinen, getrennt durch eine Glasscheibe begrüßen. Für Sascha war es eine wirklich harte Zeit, erst ist die Mutter Monatelang nicht da, dann kommt sie nach Hause und ist ein Nervenbündel das ständig weint. An dieser Stelle möchte ich all meinen Freunden, ganz besonders aber meiner Familie danken. Sie haben sich rührend um Sascha bemüht um ihm die schwere Zeit so schön wie möglich zu gestalten.

Mit einem Gewicht von 2.470 g und inzwischen immerhin 49 cm wurde Patrick viel früher als erwartet am 24.12.1988 entlassen. Das schönste Weihnachtsgeschenk das ich je bekommen habe und bekommen werde.

Täglich Gymnastik und Massagen um die Motorik anzukurbeln gehörten ab da zum Pflichtprogramm. Auch konnte Patrick in den ersten Tagen zu Hause nur höchstens 20 g – 40 g am Stück trinken, das hieß alles 2 Stunden ob Tag, ob Nacht, müsste er gefüttert werden. Durch die lange Zeit der Beatmung litt Patrick dazu unter Asthma bronchiale, welches eine ständige Therapie notwendig machte und letztendlich auch einen Umzug.

Im Alter von 3 Monaten genehmigte unsere Krankenkasse Patrick einen 3 Monate dauernden Kuraufenthalt in Davos. Die dort ansässige Lungenklinik verbrachte wahre Wunder an ihm und er gilt heute als quasi geheilt. Dank unserer Krankenkasse und der Unterstützung des Caritasverbandes bekam ich in Davos eine Ferienwohnung gestellt und konnte die Zeit dort mit Patrick und seinem Bruder Sascha verbringen. Heute wäre eine so großzügige Handhabung von seitens der Krankenkasse wohl nicht mehr möglich, um so dankbarer bin ich um die unbürokratische Abwicklung im Fall von Patrick.

Heute ist Patrick ein „fast“ normaler Junge, gesundheitlich geht es ihm sehr gut, er steht auch seinen Klassenkameraden und Freunden in nichts nach. Mit „fast“ normal meine ich eigentlich, er ist ein wenig nachdenklicher als andere Kinder in seinem Alter. Er macht sich viele Gedanken um das Wohl und Weh der Menschen. Er genießt es mit Freunden zu spielen, aber mindestens ebenso genießt er die Einsamkeit, versunken in Gedanken sitzt er oft Stundenlang da und schein wie eingesunken in einen Traum. Er ist sehr hilfsbereit und trotz seinem Alter von 14 Jahren knuddelt er mich noch offen vor seinen Freunden. Jungs in diesem Alter tun das nur sehr selten, passt es doch so gar nicht in das Bild des „harten“ Jungen. Er lacht gerne mit uns, weint gerne mit uns, er freut sich mit uns und für uns, er ist ein Sonnenschein.

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