Gartenpflege & Naturschutz im Garten Testbericht

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Erfahrungsbericht von Andreas68

Gartenpflege in Mietwohnanlagen - weniger wäre mehr!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Werte Leser,
jedes Frühjahr wiederholt sich ein trauriges Schauerstück: Der Winter ist vorbei, die Zeit der Kahlheit, des Schlamms u. Drecks in den Städten weicht der Zeit, in der sich alles wieder begrünt, das Leben wieder erwacht, kecke grüne Spitzen durch das geschundene Erdreich brechen. Die Menschen freuen sich an dem bei warmem Regen überall üppig wucherndem Grün, vergessen scheint das Grau in Grau von Herbst und Winter - bis die Kolonnen kommen: Schwärme unterbezahlter "Fachkräfte", ironischerweise oft aus Ländern, in denen die Vegetation schon vor 2000 Jahren der Überweidung u. dem römischen Flottenbau weichen musste, dringen in die Vorgärten u. Höfe der Wohnhäuser ein wie in die öffentlichen Grünanlagen, kratzen aus und schneiden alles kaputt. Schöner sieht es danach bestimmt nicht aus, es seie denn, man ist arg morbid u. nekrophil veranlagt.

Wir Mieter müssen diese Art der Pflege, die genau das erreicht, was jeder professionelle Gärtner vermeiden möchte, nämlich, dass es "gemacht" aussieht, auch noch als Mietnebenkosten bezahlen. Daher biete ich jedem an, den nachfolgenden Aufsatz, den ich unter dem Eindruck aktuellen Erlebens schrieb, auszudrucken u. zum Gegenstand seiner Beschwerde bei seiner Hausverwaltung zu machen. Er darf gerne, der jeweiligen Situation angepasst, verändert werden.

Am 1. Mai bemerkte ich, dass die Grünanlagen rings um das Mietshaus einer Bekannten wieder einmal in unsachgemäßer Weise "gepflegt" wurden. In den Vorgärten waren bodenbedeckende Stauden, u.a. Storchschnabel u. Immergrün, angepflanzt. Diese sollen sich, wie die Bezeichnung schon sagt, bodendeckend ausbreiten. Es wurden aber die unbewachsenen Stellen zwischen ihnen aufgekratzt u. umgewühlt. Die Stauden können sich daher nicht ausbreiten, weil sowohl ihre Wurzeltriebe und -schößlinge wie ggf. ihre Keimlinge durch das Aufreißen der Erde zerstört werden. Obendrein trocknet derartig aufgerissene Erde aus. Das Bodenleben, das Ernährungsgrundlage der Stauden ist, wird durch das vermutlich mit Gartenkralle vorgenommene Ausscharren beeinträchtigt - kein ausgewachsener Regenwurm überlebt eine solche Behandlung, die kleineren Lebewesen vertrocknen. In der Folge breiten die Stauden sich nicht aus, sondern mickern weiter vor sich hin, werden immer kleiner u. dürften in wenigen Jahren ganz eingegangen sein. Dann werden teure Neuanpflanzungen erforderlich. Obendrein haben Mieter Blumensamen in die Lücken zwischen den Stauden gesät, um die nackte Erde bis zur Ausbreitung der Stauden zu bedecken. Die Keimlinge dieser Blumen waren erkennbar u. wurden bei der Aufkratzerei totgepflügt.

Als Mieter hat man kein Interesse, über Nebenkosten eine derartig unfachmännische u. obendrein umwelt- und naturschädigende Gartenpflege zu bezahlen!
Ein Garten ist ein von Menschen umhegtes Stück Erde, auf dem üppiges Wachsen, Grünen u. Blühen herrschen soll. Die hergestellten Flächen nackter Erde entsprechen nicht den Ansprüchen an einen Garten, sondern sind typisch für Abraumhalden o. Wüste. Wo mit weniger Aufwand u. Kosten kleine Paradiese sein könnten, lassen Hausverwaltungen teuer gestalten, was häßlich aussieht - aber "gemacht"!

Seit Jahren beobachte ich mit Missbehagen die verfehlte Pflege der meisten Grünanlagen. So werden z.B. Sträucher viel zu häufig beschnitten u. das Laub zwischen ihnen wird ausgefegt, womit sie ihrer Lebensgrundlage beraubt u. eigentlich künstlich gedüngt werden müssten. Obendrein leben im Laub die meisten Nützlinge, z.B. Blattlausfresser. Viele Mieter teilen meine Auffassung u. regen sich über die Zerstörungen u. die dadurch entstehenden Kosten auf. Hausverwalter könnten sich selbst davon überzeugen, dass ihre Grünanlagen in Folge dieser verfehlten Behandlung immer steriler u. kärglicher werden, die begrünten Stellen spärlicher u. die Flächen nackter Erde immer größer.
Wenn sie ihren und meinen Beobachtungen dann nicht trauen, würde ihnen jeder Gärtner, Botaniker, Landschaft- u. Gartenbauingenieur bestätigen, dass Aufkratzen bzw. Umgraben zwischen Sträuchern u. Stauden sowie das Laubfegen keine Maßnahmen zur Pflege von Anpflanzungen sind, sondern schädlich für den Bewuchs. Im Fernsehen wird das in den Gartensendungen immer wieder erwähnt. Darüber hinaus würde jeder Naturschutzverein die Schädlichkeit solcher Eingriffe bestätigen.

Sparen ließe sich auch an der Rasenpflege. Durch zu häufiges Mähen, sich daraus ergebender Bodenverdichtung u. Abtransport des nährstoffbindenden Mahdgutes sind die Rasen oft völlig ausgemergelt u. stellen einen traurigen Anblick dar. Hier wäre entweder Düngung mit Naturdünger erforderlich u. höchstens monatliches Mähen o. die Umwandlung in eine Wildblumenwiese, die nur noch im frühen Sommer u. einmal im späten Herbst mit hoher Messereinstellung gemäht wird.

Unsere Mieten könnten sich senken, wir würden in einer schöneren u. lebendigeren Umgebung leben, für viele Tiere, Schmetterlinge, Vögel, Maikäfer u. Igel z.B. wäre wieder Lebensraum vorhanden. Unsere belebte Umgebung käme uns viel weniger langweilig vor, alltäglich gäbe es etwas zu entdecken. Menschen würden innehalten u. sich die Pracht ansehen; an den totgepflegten Vorgärten läuft jeder möglichst schnell vorbei. Sein Auge wäre ja nur beleidigt.

Mieter sollten ihre Verwaltungen dazu auffordern, wenigstens die angesprochenen, die Grünanlagen schädigenden Maßnahmen, also das Aufkratzen, Umgraben u. das Beseitigen des Rohkompostes zwischen den Sträuchern, einzustellen.
Es wäre sogar besser, gar nichts zu tun, dann könnten die Pflanzen wieder wachsen u. sich in den nächsten Jahren erholen.

Ich schrieb hier zwar selbst Erlebtes, doch nicht selbst Ausgedachtes. Die beanstandeten Kardinalfehler der Gartenpflege sind in Gartenbüchern nachlesbar u. z.B. in der Broschüre "Städtische Vorgärten naturnah gestalten", die der BUND herausgegeben hat.

Es sei mir erlaubt, abschließend auf eine Naturschutzinitiative hinzuweisen, die ich als Yahoo-Gruppe gegründet habe u. die sich u.a. die oben genannten Themen zum Schwerpunkt gesetzt hat. Ich wäre für neue Mitglieder dankbar, da eine höhere Mitgliederzahl für öffentlichkeitswirksame Aktionen und Meinungsäußerungen wichtig ist. Die Mitgliedschaft ist pflichtenfrei; die Anlage eines persönlichen Profils bei Yahoo ist erforderlich. Kosten entstehen dadurch nicht.
http://de.groups.yahoo.com/group/ANAD

33 Bewertungen, 3 Kommentare

  • diewicca

    30.08.2002, 13:35 Uhr von diewicca
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe neben meinen eigentlichen garten, noch ein kleines Beet vor meinem Haus. Da es niemanden (Nachbarn, Doppelhaus) interessierte, kümmerte ich micht darum. Hab ich doch Spaß im Umgang mit Natur. Allerdings, hab ich eine Art Wildgarten dara

  • SusanneRehbein

    25.05.2002, 13:04 Uhr von SusanneRehbein
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein Thema worüber ich mir noch nie Gedanken gemacht habe, aber Du scheinst recht zu haben. Bei uns in der Gegend kümmern sich die Mieter um die Gärten und Vorgärten, wobei dies oftmals auch nicht besser ist als das Werk bezahlter Ahnung

  • Alusru

    24.05.2002, 18:13 Uhr von Alusru
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ja genauso ist es, die machen alles kahl und wir dürfen noch die Kosten bezahlen, eine Sauerei ist das.Ganz lieben gruß Uschi.