Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von Hexe1962

Traum oder Wahrheit

Pro:

es kann nichts mehr passieren

Kontra:

es kann nichts mehr passieren

Empfehlung:

Nein

Sally und Steven waren schon den ganzen Tag unterwegs gewesen. Sie hatten ihren Urlaub genutzt, die Gegend zu erforschen in die sie erst vor kurzem gezogen waren. Jetzt am frühen Abend waren sie hungrig und auf der Suche nach dem berühmten Landgasthaus, in welchem man angeblich die besten Spezialitäten zu einem sehr günstigen Preis bekommen sollte. Aber irgendwie waren sie vom Weg abgekommen.

Plötzlich schrie Sally auf. Steven hatte das Lenkrad ganz plötzlich herum gerissen und der Wagen war ins Schleudern geraten. Es war auf einmal auch ganz dunkel und als Sally sich beruhigt hatte, konnte sie ein kleines Mädchen mit ganz starrem Blick auf das Auto erkennen. Obwohl es mittlerweile regnete, war kein einziger Regentropfen auf dem Mädchen zu sehen. Es war, als würde der Regen einen großen Bogen um es machen.

Das Mädchen kam näher und Sally klammerte sich leichenblass an Steven fest. \"Lucy, Lucy - das ist meine kleine Lucy\", stammelte sie. \"Jetzt beruhige Dich doch\", meinte Steven, der selber wie Espenlaub zitterte. \"Das kann doch gar nicht sein. Als Lucy von den Außerirdischen entführt wurde, war sie doch erst drei Jahre alt und es war über 500 Meilen von hier entfernt. Dieses Mädchen ist aber mindestens zehn Jahre alt.\" \"Aber es ist doch auch sieben Jahre her, seit meine Schwester verschwunden ist\", rechnete Sally nach.

Je näher das kleine Mädchen kam, um so mehr schien sich der Himmel zu verdunkeln. Fast so, damit das Licht, welches das kleine Mädchen umgab, besser zur Geltung kommen konnte. Sally stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Es war einfach zuviel im letzten Jahr passiert. Zuerst der Autounfall, bei dem ihre geliebten Eltern ums Leben kamen und dann die Fehlgeburt. Und jetzt, .....

Jetzt stand da im totalen Dunkeln und Regen ein Mädchen, dass aussah wie die kleine Lucy!

Ohne nach rechts oder links zu schauen, völlig unbeeindruckt von der seltsamen Stimmung, ging das Mädchen auf Sally zu und tippte ihr mit dem Finger auf deren Herz. Zuerst wollte Sally davon laufen. Aber irgendetwas hielt sie davon ab. Letztendlich ließ sie es doch zu und eine wohltuende Wärme umgab Sally, so dass sie das Gefühl hatte, als würde sie schweben. Ja, sie wollte schweben. Leicht und ohne Sorgen dahinfliegen in dem Bewusstsein, keine Probleme mehr zu haben. \"Nimm mich mit Lucy, nimm mich mit in das ferne Land ohne Sorgen\", wimmerte sie. \"Ich bin bereit, die Erde zu verlassen!\"

NEIN, nein bitte verlasse mich nicht\", schrie Steven total verzweifelt. \"Wie soll ich denn ohne Dich leben?\" \"Wie soll unser Kind ohne Dich leben?\" Total fertig schlug er um sich, nicht darauf achtend, was und wen er alles traf. Kurz darauf hielten ihn zwei starke Hände fest.

\"Geben Sie ihm eine Beruhigungsspritze, Schwester Nancy\", ordnete Doktor Holyway an. \"Und dann bringen Sie ihn in den Schwesternraum und sorgen bitte dafür, dass immer eine Schwester um ihn herum ist.\" \"Sobald wir mehr über den Zustand seiner Frau sagen können, informiere ich Sie.\"

Doktor Holyway wandte sich wieder seiner Patientin, Sally Walker zu. Ein Autounfall auf gerader Strecke, ohne Erklärung. Es gab nur äußere Verletzungen. Aus unbekanntem Grund war Sally immer noch bewusstlos und Sally war hochschwanger. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass dem Kind nichts passiert war und im Prinzip stand Sally kurz vor der Entbindung. \"Komm Mädchen, wach auf und stehe es durch! Dein Mann braucht Dich, und auch Dein kleines Baby wird Dich brauchen.\"

\"Doktor, bitte Doktor, ich möchte helfen!\" Steven war wieder aufgetaucht. \"Verdammt noch mal, Schwester! Warum ist er nicht im Schwesternzimmer?\" \"Tut mir leid Doktor, ich konnte ihn nicht aufhalten.\" \"Bitte Dokotor Holyway, ich bin jetzt ganz ruhig und ich habe eine Idee. Ich würde ihr gerne auf der Gitarre vorspielen und dazu singen. Vielleicht wacht sie ja dadurch auf.\" Scheinbar hatte er diesen Vorschlag auch schon Schwester Nancy gemacht, denn sie hatte bereits eine Gitarre in der Hand. \"Bitte Doktor, es ist doch zumindest einen Versuch wert.\"

Doktor Holyway gab nach. Im Grunde genommen war er ja auch um jede Hilfe dankbar. Er hatte noch nie eine Patientin gehabt, die grundlos bewusstlos war. \"In Ordnung, ich gebe Ihnen 15 Minuten. Ich lasse sie alleine, wenn Sie irgend etwas bemerken, dann drücken Sie sofort diese Taste.\" \"Vielen Dank\", murmelte Steven.

Als er mit Sally alleine im Zimmer war, begann Steven auf der Gitarre zu spielen und leise Sallys Lieblingslied zu singen. Er war total in seinem Spiel versunken. So merkte er nicht, dass es im Zimmer immer dunkler wurde und nur Sally von einem hellen Licht umgeben war. Er wurde sehr müde und schlief ein.

\"Nimm mich mit, nimm mich mit Lucy\", wimmerte Sally noch immer. \"Das kann ich nicht, große Schwester. Dein kleines Mädchen wird bald da sein und Dich brauchen. Auch Steven kann nicht ohne Dich leben.\" \"Dann komme zurück zu uns, Lucy\", bat Sally. \"Nein Sally, meine Aufgabe ist es, aus der Ferne auf Dich aufzupassen. Ich habe es versprochen. Du wirst jetzt aufwachen Sally. Und Du wirst bereit sein für das Neue Leben, dass aus Dir kommt. Es ist mein Geschenk an Dich. Behüte es gut! Dies wird Dein einziges Kind sein. Nenne es Kucy, nach mir\", bat si noch, bevor sie davon schwebte.

\"Aufmachen, verdammt noch mal, machen Sie die Tür auf, Steven!\" Doktor Holyway und Schwester Nancy trommelten seit fünf Minuten verzweifelt auf die Tür ein. \"Hey, was ist denn los?\" Steven rieb sich verwundert die Augen. Hatte er geträumt? Er hatte das Gefühl, dass gerade ein Engel im Zimmer gewesen war und ihm sanft über die Haare gestrichen hatte. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ein total wütender Doktor Holyway und eine verängstigte Schwester Nancy standen im Raum. \"Warum haben Sie uns ausgesperrt?\" fragte der Doktor.

\"Ausgesperrt? Was ist denn überhaupt los?\" Steven verstand überhaupt nichts mehr. \"Ich habe die Tür überhaupt nicht angefasst.\"

\"Doktor, sehen Sie!\" Schwester Nancy deutete auf Sally, die plötzlich die Augen öffnete. \"Wo bin ich?\" fragte sie. \"Sie hatten einen Autounfall und sind im Krankenhaus\", antwortete Doktor Holyway.

\"Ich habe Lucy gesehen. Sie haben sie kurz zu mir auf die Erde gelassen\", stammelte Sally.

\"Lucy, wer ist Lucy?\" Doktor Holyway schaute Steven verwundert an. Dieser machte ihm ein Zeichen, dass er mit ihm unter vier Augen sprechen möchte. \"Schwester Nancy wird sich weiter um Sie kümmern. Ihr Mann muss bei mir noch einige Formblätter ausfüllen. Wir werden gleich wieder zu Ihnen kommen\", sprach Doktor Holyway beruhigend auf Sally ein.

\"Lucy ist Sallys kleine Schwester. Sie ist mit drei Jahren gestorben. Sally war damals in einem Ferienlager und als sie nach Hause kam, war Lucy schon begraben. Seitdem redet sich Sally ein, dass Lucy nicht gestorben ist, sondern von Außerirdischen entführt wurde.\"

Das Telefon klingelt. \"Doktor Holyway am Apparat. Ja, ist in Ordnung. Bringen Sie sie in den Kreissaal.\" \"Es geht los, Ihr kleines Baby möchte auf die Welt. Wir werden hier warten. Das macht meine Kollegin, Doktor Baxter.\"

Nach Stunden, oder waren es nur Minuten, klingelte es wieder.

Sally und Steven haben eine kleine Tochter, Lucy ....


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 20:32:20 mit dem Titel Die Sternenhüterin

***** Ein Märchen für Erwachsene *****

Es war einmal eine junge Frau. Sie war so sanftmütig und durchscheinend, als wäre sie nicht von dieser Welt. Sie schwebte mehr, als sie ging und um ihre Lippen sah man ständig ein mildes Lächeln. Ihre Augen waren klar und blau wie ein Bergsee und man konnte sich in ihnen verlieren. Mit ihrer anmutigen Haltung, dem immer klaren Blick und stets Wärme ausstrahlend, fiel sie auch den Göttern auf.

Bei der nächsten Götterversammlung wurde dann über Shalaya gesprochen. Die Götter suchten einen reinen, unschuldigen Menschen, um diesem eine wichtige Aufgabe zu übertragen. Und Shalaya schien ihnen sehr geeignet.

Es wurde der junge Feneto, welcher halb Gott und halb Mensch war, beauftragt, Shalaya zur Götterversammlung zu holen. Feneto freute sich über diese, seine erste wichtige, Aufgabe. So schwebte er durch die Wolken herab, über die Meere hinweg, hin zur Küste, wo Shalaya in ihrer kleinen Hütte am Rande des Küstendorfes lebte.

Shalaya war nicht zu Hause, als Feneto vor ihrer Hütte stand. Sie war in den Wald gegangen, in dem sich auch ein kleiner Teich befand. Sie war gerne an dem Teich, um mit den Fischen zu sprechen. Feneto traute sich zuerst gar nicht Shalaya anzusprechen, so verzaubert war er von ihrem Anblick. Schließlich sah Shalaya das Spiegelbild Fenetos im Teich und schrak leicht zusammen.
\"Wer bist Du, und woher kommst Du?\" \"Ich bin Feneto, ich komme von den Göttern um Dich zu holen. Du bist auserwählt, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen\". Nur zitternd kamen ihm diese Worte über die Lippen. Er hatte sich auf Anhieb in Shalaya verliebt. Da er wusste, das dies nie in Erfüllung gehen durfte, war er den Tränen nah. Shalaya, die davon natürlich nichts wusste, sah in ihm nur einen verwirrten, jungen Mann.

\"So lass und denn gehen\", meinte Feneto, nachdem er sich wieder gefangen hatte. Er öffnete einen kleinen Beutel mit goldenem Pulver. \"Was ist das Feneto?\" fragte Shalaya neugierig. \"Das ist Mondpulver. Das hilft Dir als Sterbliche, mit mir zu fliegen.\" Shalaya war jetzt doch ziemlich aufgeregt.

\"Tritt näher, Shalaya. Du musst keine Angst haben\", sprach Xonochas. \"Ich bin das Oberhaupt der Götter und wir haben gemeinsam beschlossen, Dir eine sehr wichtige Aufgabe zu übertragen.\" \"Was, was ist denn das für eine Aufgabe\", fragte stammelnd die immer nervöser werdende Shalaya.
\"Wir haben beschlossen, den Menschen vier Sterne zu schenken. Nur ein Mensch kann diese Sterne zu ihrer Bestimmung erwecken, sie pflegen und behüten. Und dieser Mensch bist Du!\" \"Oh!\" Mehr brachte Shalaya nicht raus.

\"Allerdings musst Du für diese Aufgabe ein großes Opfer bringen\", meinte Xonochas mit einem scharfen Seitenblick auf Feneto. \"Du wirst immer eine reine, unschuldige Jungfrau bleiben müssen. Dafür wirst Du von uns unsterblich gemacht. Wenn Du Dich nicht an diese Regel hältst, gehen die Sterne für immer verloren und es wird dunkel in den Herzen der Menschen werden!\" Feneto wandte sich schluchzend ab. Seine erste große Liebe und diese war ihm versagt. \"Nimmst Du die Aufgabe an Shalaya?\" fragte Xonochas mit ernster Stimme. \"Ja, ich nehme die Aufgabe an!\"

Und so legte Shalaya in einer feierlichen Zeremonie den heiligen Schwur ab, für immer die Hüterin der Sterne zu sein. Vollkommen eingehüllt in ein samtblaues Gewand, stand Shalaya bereit, die Sterne zu empfangen.

Zuerst trag Ilimirasa zu ihr. \"Ich bin die Wärterin des Friedens und überreiche Dir den Stern TRANQUILLAS. Du musst selbst herausfinden, wie Du diesen Stern des Friedens am besten den Menschen nahe bringst.\" Shalaya verbeugte sich ehrfürchtig vor der alten Göttin und nahm den Stern entgegen.

Als zweiter trat Renegato vor. \"Ich bin der vom Glück gesegnete und überreiche Dir den Stern FELICILLAS. Auch hier ist es Deine eigene Entscheidung, wie Du diesen Stern des Glücks den Menschen überreichst.\" Und Shalaya verbeugte sich vor dem gütig wirkenden Gott und nahm den Stern entgegen.

Der dritte im Bunde war Paridos. \"Ich sorge bei den Göttern für die Harmonie und überreiche Dir den Stern LEVARSE. Wie die anderen vertraue ich Dir, dass Du den richtigen Weg findest, wie Du den Stern der Harmonie am besten einsetzen wirst!\" Wieder verneigte sich Shalaya vor dem schon leicht ergrauten Paridos und nahm den Stern entgegen.

Am Schluss trat Lubilaja zu Shalaya. \"Ich war und bin und werde immer die Liebe sein und darstellen. Ich überreiche Dir denSter ACARICIA mit der tiefsten Hoffnung, dass Du ihn richtig weitergibst!\" Ein letztes Mal verbeugte sich Shalaya und nahm von der liebevollen Lubilaja den Stern entgegen.

\"Nun mache Dich auf Deinen Weg und erfülle Deine Aufgabe\", verabschiedete Xonochas sich von Shalaya.

Zuhause in ihrer Hütte angekommen, verstaute Shalaya die Sterne ACARICIA, LEVARSE und FELICILLAS. Mit dem Stern TRANQUILLAS im Gepäck flog sie nach dem fernen Land Kroslowia, in dem gerade ein erbitterter Krieg herrschte. Nachts, als alle schliefen besuchte sie nacheinander alle Krieger in ihren Zelten. Sie nahm deren Schwerter und rieb jedes an dem Stern TRANQUILLAS. Danach packte sie den Stern wieder ein und kehrte in ihre Hütte zurück.
So kam es, dass am nächsten Tag niemand sein Schwert gegen den anderen erheben konnte. Nachdem alles versucht worden war, trafen sich die Oberhäupter der Länder und schlossen Frieden. Sie gingen sogar soweit, Botschafter in alle Länder zu schicken um allen von einem Wunder, namens FRIEDEN zu erzählen.

Als nächstes machte sich Shalaya mit dem Stern FELICILLAS auf den Weg. Dieses Mal besuchte sie alle schlafenden Menschen in ihren Träumen. Sie brannte Ihnen mit FELICILLAS ein unsichtbares Mal auf die Stirn und sobald die Menschen am Tag darauf sich ihr Gesicht wuschen, bekamen sie den Gedanken, dass ihnen jede gute Tat Glück bringt. Seit diesem Tag waren alle Menschen bemüht, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen, damit ihnen das Glück hold blieb.

Shalaya war ziemlich erschöpft und machte sich erst wieder nach einer Woche auf den Weg. Dieses mal mit dem Stern LEVARSE. Sie hatte von Menschen gehört, die sich paaren und dann nicht mehr verstehen. Danach trifen sich diese Menschen vor Gericht, um sich zu trennen. Sie beschloss, dieses Mal alle Richter und Richterinnen zu besuchen. Diesen schreib sie in deren Terminkalender mit der unsichtbaren Tinte, die sie aus LEVARSE gepresst hatte, eine geheime Botschaft. So geschah es, dass die Richter und Richterinnen ab sofort eine wohltuende, harmonische Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlten. Das hatte zur Folge, dass sich niemand mehr in ihrer Gegenwart streiten mochte. Die Richter und Richterinnen wurden alle Harmonietherapeuten und nach kurzer Zeit verstanden sich alle streitenden Menschen wieder.

ACARICIA bereitete Shalaya am meisten Kopfzerbrechen. Die Menschen neigten zu dieser Zeit dazu, das am wenigsten anzunehmen, was sie an meisten brauchten. Also musste sie einen Weg finden, den Stern so zu überreichen, dass es keiner merkt. Sie machte sich auf, zu ihrer schwierigsten Aufgabe und besuchte jeden Menschen - jung und alt - auf der ganzen Welt. Jedes Mal tat sie dem jeweiligen Menschen einen Tropfen von ACARICIA in ein Getränk. Sobald es geschluckt wurde, setzte sich der Tropfen in den Herzen der Menschen fest, so dass er daraus nicht mehr vertrieben werden konnte.

Es dauerte Jahre, bis Shalaya mit dieser Aufgabe fertig wurde. Sie selbst ist in diesen Jahren jedoch nicht gealtert, sondern noch schöner geworden.

Schöner geworden, in dem sie FRIEDEN, GLÜCK, HARMONIE und LIEBE in sich vereinbart hatte.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-21 10:37:48 mit dem Titel Claire kommt nach Hause

***** ***** ***** ***** ***** ***** ***** ***** *****


„Wohin bringst Du mich?“ „Nach Hause!“


Nach Hause, Nach Hause – wie lange hatte Claire das nicht mehr gehört. Eigentlich weiß Claire überhaupt nicht, was ein richtiges Zuhause ist. Claire kann sich kaum an ihre Eltern erinnern. Sie weiß nur noch, dass es da einen schlimmen Autounfall gab und sie als einzige überlebt hat. Damals war Claire fünf Jahre alt.


Die letzten sieben Jahre waren eine ziemlich schlimme Zeit für Claire. Hin und her geschoben zwischen Verwandten, die sie nicht haben wollten, Pflegeeltern bei denen sie sich nicht wohl fühlte, um letztendlich doch wieder in einem Heim zu landen. Jeder Neuanfang war schwieriger als der vorherige und jedes Mal wurde Claire trotziger. Trotzig aus dem Gefühl der Einsamkeit heraus und bezogen auf das Wissen, von niemandem geliebt zu werden.


Die wenigen Stunden am Tag, an denen sich Claire wohl fühlte, war die Zeit während sie malen konnte. Eine Schwester im Heim hatte ziemlich zeitig Claire’s Talent erkannt und es gefördert. Alle Gefühle von Claire spiegelten sich in ihren Bildern: Trauer, Wut, Angst und unerfüllte Liebe. Am liebsten malte Claire im Freien. Gleich neben dem Kinderheim war ihr Lieblingspark.


Seit einigen Tagen malte dort auch ein älterer, graumelierter Herr. Er fiel Claire dadurch angenehm auf, weil er nichts zu ihr sagte. Das war sie nicht gewohnt. Sonst wollten sie immer alle belehren oder ausfragen. Dieser Mann jedoch stellte seine Staffelei einfach nur neben ihre und malte genauso wortlos und intensiv wie sie selbst. Dass er sie aber trotzdem beobachtete, merkte Claire nicht.


Es dauerte nicht lange, und Claire machte den ersten Schritt und fragte ganz zaghaft, ob sie seine Bilder ansehen könne. Danach freundeten sich der alte Mann und das kleine Mädchen langsam immer mehr an. Nach einer Weile hielten sie vor dem Malen immer erst einen kleinen Plausch und teilten sich auch ihr Essen. Claire erzählte niemanden von Rénard, dem tollen Maler. Das sollte ihr kleines Geheimnis bleiben.


So vergingen fast zwei Monate, bis Rénard eines Tages nicht im Park erschien. Claire wartete den ganzen Nachmittag und ging dann ganz enttäuscht und verloren zurück in das Kinderheim. Dort wartete schon eine Schwester auf sie. „Was ist denn los Claire? Du schaust so traurig?“ „Nichts“, murmelte Claire und wollte sich auf ihr Zimmer stehlen. „Nein, nein, Du kannst jetzt nicht auf Dein Zimmer. Die Schwester Oberin wartet auf Dich.“


Trotzig und mit verheulten Augen folgte Claire der Schwester. Dann traute sie ihren Augen kaum, denn Rénard saß im Zimmer. „Aber, was, wie ...“ stammelte sie.


„Möchtest Du mit mir kommen, Claire? Ich bin Dein Onkel Rénard und war lange Zeit im Ausland. Leider habe ich erst jetzt von Dir erfahren.“ „Ja!“ rief Claire glücklich. Schnell waren ihre Sachen zusammengepackt. Als sie das Heim Hand in Hand verließen, fragte Claire:

„Wohin bringst Du mich?“


„Nach Hause!“ . . .



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-21 20:13:12 mit dem Titel Anna

Wieder einmal sitzt die alte Anna auf ihrer Bank am Waldsee. Zeit spielt für sie schon lange keine Rolle mehr. Nein, nicht mehr, seit Rudolf von ihr gegangen ist. Mit ihren müden Augen sucht sie auf der Lehne der Bank nach. Ja, da ist es, das Herz dass ihr Rudolf in die Bank geschnitzt hatte. Für immer und ewig, Rudolf und Anna – 55 Jahre ist das jetzt her.


Die 80-jährige Anna schließt die Augen und versucht wieder einmal sich zu erinnern. Es ist ja auch ihre einzige Beschäftigung. Den großen Haushalt führt mittlerweile ihre Enkeltochter perfekt und der Enkelsohn hat das große Gut übernommen.


Anna erinnert sich an die Zeit der erblühenden Liebe zu Rudolf. Sie war schon 25 Jahre, als sie ihn kennen lernte. Rudolf kam damals zur Sommerfrische in ihr kleines Dorf. Er war lange krank gewesen und sollte sich nun restlich von der überstandenen Krankheit erholen. Hier an diesem Waldsee hatten sie sich zum ersten Mal in die Augen geschaut und die Liebe hatte sofort wie ein Blitz eingeschlagen.


Anna holt sich die Szene von damals deutlicher heran. Es war ein sehr heisser Tag gewesen und alle waren am See zum Baden. Als sie prustend aus dem Wasser raus wollte, stand ihr auf einmal Rudolf gegenüber. Sie schauten sich beide nur an. Keiner sprach ein Wort und doch wussten es beide sofort. Sie gehören zusammen.


Ja, denkt sie so vor sich hin. So war das damals. Einfach und klar. Natürlich dauerte es seine Zeit, bis sich Rudolf erklärte. Schließlich war es nicht einfach für ihn. Er kam aus einem einfachen Hause und sie war schließlich die Gutstochter. Aber Rudolf überzeugte auch ihre Eltern durch seine ehrliche und anständige Art. Der Gedanke, dass er ein Erbschleicher sein könnte, war schnell abgetan. Vor allem, nachdem alle sahen wie sehr er doch mit zupackte. Er scheute wirklich keine Arbeit und hatte vor allem einen großen Pferdeverstand. So übernahm er auch gleich nach der Hochzeit die Pferdezucht.


Bald waren zwei Kinder geboren und die Familie war komplett. Anna und Rudolf hatten immer viel zu arbeiten, aber sie führten ein glückliches Leben. Sie hatten beide die Gabe, sich auch an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen.


Rudolf ist vor zwei Jahren gestorben. Aber in Annas Herzen lebt Rudolf weiter. Immer, wenn sie auf der Bank an ihrem Waldsee sitzt, spricht Anna mit Rudolf. Und Anna ist sich sicher, dass er ihr zuhört und auch antwortet.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-29 14:10:13 mit dem Titel ohne Titel

„Ich habe keine Angst mehr vor Dir. Es ist in Ordnung, drücke ruhig ab!“

. . .

Und er schoss . . .


Deutlich sieht sie sich selbst am Boden liegen. Das Gesicht ist wächsern, nur von einem kleinen Einschussloch auf der Stirn entstellt. Im Zimmer ist es vollkommen ruhig. Nichts regt sich und kein Geräusch mag aufkommen. Der Todesschütze ist längst verschwunden.

Ist es nun das, was ich wollte? Fast glaube ich schon. Die letzten Jahre war es mir nie gegönnt, so friedlich einzuschlafen. Und nun darf ich für immer schlafen.

Doch was ist das? Die doch so offensichtlich Tote öffnet die Augen und spricht zu mir, ihrer Seele.

„Willst Du mich wirklich schon verlassen? Ist es jetzt so weit?“

„Aber Du hast es doch so gewollt!“

„Ich habe es gewollt, aber ich habe mich auch davor gefürchtet. Und nun hat es ein anderer für mich erledigt. Des Lebens war ich müde, des Sterbens zu feige, zu einer Entscheidung nicht fähig. Ich war nicht in der Lage mich für oder gegen das Leben zu entscheiden und fühle mich jetzt noch schwächer, weil mir jemand die Entscheidung abgenommen hat.
Wo gehst Du jetzt hin, Seele?“

„Frage nicht, ich bin jetzt eine verlorene Seele und muss in das Tal aller verlorenen Seelen.“

„Aber warum? Du hast doch nicht die Entscheidung getroffen, ja nicht einmal ich selbst war in der Lage dazu!“

„Da irrst Du Dich aber. Wir sind eins, Du und ich. Und auch wenn nur alleine Dein Kopf sich damit beschäftigt, so bin ich doch beteiligt. Jede Überlegung Deiner bzw. unseres Verstandes reisst eine Wunde in mich hinein und wenn die Wunden überhand nehmen, wird uns die Entscheidung, welche im Prinzip schon getroffen ist, aus der Hand genommen. Und deshalb hat heute jemand auf Dich geschossen.“

. . .

Montag morgen um 06.00 Uhr klingelt der Wecker.

. . .

Sie wacht auf und wundert sich, dass sie lebt. Neben ihr liegt ihr Seelentagebuch und lächelt sie an . . .



Erklärung: Mir ging und geht es die letze Zeit nicht besonders. Heute nacht träumte mir, dass mich jemand mit einem Kopfschuss \"erledigte\". Meine derzeitige Verfassung und dieser Traum haben mich zu dieser kurzen (Aufarbeitungs-)Geschichte inspiriert.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 01:46:53 mit dem Titel Von einem, den man nie nach seiner Meinung gefragt hat

Der Pfarrer spricht die letzten Worte. Der Sarg wird ins Grab hinabgelassen. Die Angehörigen werfen weinend ihre mitgebrachten Blumen auf den Sarg. Betroffenheit, Trauer, Unverständnis tauchen in den Wortfetzen der leisen Unterhaltungen auf.


Der erst 20jährige Hararld hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Einfach so ist der allgemeine Konsens, ohne Rücksichtnahme auf die Angehörigen, die Freunde und die ganzen Bekannten.


Niemand versteht es, bzw. niemand möchte es verstehen.


Der Journalist des kleinen Dorfes möchte einen Artikel im Tagesblatt bringen. Deshalb interviewt er nach und nach die Menschen im Dorf. Folgende Aussagen hat er nun zusammengetragen und weiß nicht so recht, wie er sie verwenden soll.


DIE ELTERN:


Er war so ein guter Junge unser Harald. Nie war er frech oder böse. Er hat nie etwas angestellt und sich eigentlich immer gefügt. Er war ein so pflegeleichtes Kind. Wir waren so furchtbar stolz auf ihn, meinte die Mutter mit Tränen in den Augen. Dabei streicht sie mit zitternder Hand über das Bild von ihrem Großen. Gleichzeitig nimmt sie den Kleinen, Manfred in den Hand. Er ist nun unsere ganze Hoffnung. Wir wissen, dass er unsere Familientradition fortführt.


Manfred sah übrigens bei diesen Worten ziemlich gequält aus.


DIE FREUNDE:


Harald war immer für uns da. Er war unser Tröster, unser Helfer, aber auch unsere Stimmungskanone. Er hat auf keiner Party gefehlt. Harald konnte man einfach alles fragen, er fand immer Antworten und Lösungen.


Hat Harald denn viel gelacht?

Jetzt wurden die Freunde doch nachdenklich, nach dieser Frage des Journalisten. Ja, schon . . .

. . . aber wenn man genau hingeschaut hatte, die Augen lachten eigentlich nie so richtig mit.


SEINE FREUNDIN:


Harald hat mich immer gut behandelt. Wir haben eigentlich nie gestritten. Er hat mich nie zu etwas gedrängt und war immer verständnisvoll. Er hat mich geliebt.


SEIN CHEF:


Harald war immer pünktlich. Er war ein sehr ordentlicher, gewissenhafter Arbeiter und war der Einzige, der nie über Überstunden geklagt hat. Er war sehr kollegial und deshalb im Betrieb sehr beliebt.


Der Journalist ist ziemlich verwirrt. Diese ganzen Aussagen passen nicht zu einem Selbstmord. Was soll er nun schreiben?


Er erinnert sich an den kleinen Bruder, Manfred. Der Junge mit dem gequälten Gesichtsausdruck. Der 14jährige Manfred ist bereit, sich mit ihm zu treffen.


Er sieht ziemlich unglücklich aus und plötzlich platzt alles aus ihm raus.


DER BRUDER:


Harald war immer der Vorzeigesohn. Er wurde von meinen Eltern ziemlich unter Druck gesetzt. Harald sollte später einmal unsere Werkstatt übernehmen. Nur aus diesem Grund waren die Eltern einverstanden, daß er nur die Realschule machte. Jetzt soll ich vom Gymnasium abgehen und wie Harald eine KFZ-Lehre beginnen um später den Betrieb der Eltern zu übernehmen. Ich möchte mich aber nicht so einsperren lassen wie Harald.


Ich habe das Tagebuch von Harald gefunden.


HARALD SELBST, IN FORM SEINES TAGEBUCHES


Liebes Tagebuch,


ich habe dieses spießbürgerliche Leben gründlich satt. Am liebsten möchte ich weglaufen, meine Fesseln sprengen. Meine Eltern sind absolut bieder und nicht in der Lage aus ihrem Rahmen raus zu schauen. Meine Freunde sind ständig besoffen und haben nur Blödsinn im Kopf. Keiner von denen denkt an die Zukunft. Meine Freundin ist absolut oberflächlich und hat nur ihre Frisur und ihre Figur im Kopf. Der Job als Mechaniker kotzt mich an und die Werkstatt meiner Eltern ist für mich ein Gefängnis, in dem ich zu lebenslang verurteilt wurde.


Der Journalist ist zu betroffen, um einen Beitrag zu schreiben. Er versucht mit den Eltern darüber zu reden, aber die reagieren unwirsch. Unsere Söhne haben das beste Leben bei uns.


Der Journalist hat auch Angst um Manfred. . .


Anmerkung:

Die Geschichte ist frei erfunden.
Die Bewertung bezieht sich auf das Verhalten der Eltern in der Geschichte.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-28 01:18:05 mit dem Titel Robert

Robert K., ein junger Mann aus guter Familie ist auf der Flucht erschossen worden, nachdem er die Hauptfiliale der Sparkasse in Berlin überfallen hatte.

Immer wieder las ich diese Zeilen, als hätte ich damit die Tatsache aus der Welt schaffen können - die Tatsache, daß mein bester Freund aus Kindertagen nicht mehr unter uns weilt.

Robert ein Bankräuber - Robert ein toter Bankräuber. Ich konnte es nicht fassen. Es war doch noch gar nicht so lange her, daß unsere Familien zusammen einen Ausflug in die Berge gemacht hatten. Das Bild war so deutlich vor mir, Robert den Rucksack übergeworfen und den Wanderstab in der Hand. Sein Lächeln gab seine Zahnlücke frei. Es war ein fröhlicher, siegessicherer Blick. Robert war bereit, die Welt zu erobern.


Was war passiert?


Erinnerungen tauchten auf:

Robert der Angepaßte, Robert der Musterschüler! Rober, der immer lieber zu uns zum Essen kam, weil es bei uns viel lustiger war. War er nicht mit den Erwartungen, welche alle an ihn stellten, fertig geworden? Die Mutter - eine Ärztig, der Vater (welche Ironie) - ein Bankdirektor, die Schwester - eine Lehrerin und der kleine Bruder stand kurz vor dem Abitur.

Robert, der sich in ein Jurastudium hatte drängen lassen, obwohl er ein begnadeter Künstler war. Seine Bilder zeugten von einer extremen Sensibilität und Sinnlichkeit. Wie kein anderer verliebte er sich in seine Motive und wurde eins mit ihnen.


Ich konnte mich noch an den Blick erinnern, mit dem er sich damals von mir verabschiedet hatte, um nach Berlin zu ziehen. Eine einzige Frage stand darin: \'Warum?\' Hätte ich etwas verhindern können?


Ziemlich bald nach Beginn seines Studiums und nach seinem Eintritt in eine etwas umstrittene Studentenverbindung, mußte er zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt gekommen sein. Kaum zu glauben, daß er sie aus Leichtsinn getestet hatte.


Ein Kommilitone von ihm hatte mir einmal erzählt, daß Robert allen immer ein bißchen unheimlich war. Irgendwie war er ein Widerspruch in sich selbst. Einersetis war Robert sehr ruhig und konzentriert während der Vorlesungen und machte fast den Eindruck eines Langweilers. Andererseits aber war er immer der Erste bei den kuriosen Mutproben der Verbindung. Die Studentinnen waren fasziniert von ihm - dieses Lächeln und der Glanz in seinen Augen.


Aber jetzt glänzten seine Augen nicht mehr. Ich hatte es gesehen, seine Augen waren tot. Robert war tot.


Der Bankräuber wurde auf der Flucht erschossen und der Staat hatte seine Gerechtigkeit. Die Bank hatte ihr Geld zurückbekommen. Alles ging wieder seinen gewohnten Gang.


Und ich?


Ich hatte meinen besten Freund verloren. Verloren weil ich ihm nicht helfen konnte, seinen Traum zu leben. Verloren, weil ich ihm nicht die Hand gehalten hatte, als er Hilfe gebraucht hatte.


Der Pfarrer sagte bei der Beerdigung, \'Die Drogen haben ihn kaputt gemacht!\' \'Robert hatte ein Bank überfallen, weil er Geld für seine Sucht gebraucht hatte.\' \'NEIN!\' wollte ich laut rufen. Ihr alle habt ihn kaputt gemacht, weil ihr ihn nicht sein Leben leben lassen habt. Ihr musstet ihn unbedingt in Eure Norm pressen.

Doch warum sollte ich rufen? Hätte mich denn jemand gehört und wäre denn endlich jemand aufgewacht, aus der allgemeinen Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit. Hätte jemand den Mut gehabt zu bekennen, zu sagen: \'Ja, auch ich hatte Schuld!?\'


Alle standen sie da, mit versteinerten Gesichtern und alle fragten sie sich: \'Robert, wie hast Du uns das antun können?\' \'Warum warst Du nicht in der Lage, so zu leben wie wir?\' Ja, alle wunderten sich und konnten es nicht verstehen. Sie hatten es doch nur gut gemeint. Er war doch auch so ein kluger Junge.


Warum habt Ihr Euch nicht mal angeschaut? Eucht hätte man fragen sollen, warum Ihr nicht lebt? Warum Ihr immer dahin geplätschert seid, im abgestandenen Wasser der Belanglosigkeiten?


Einmal wenn ich noch mit Robert den Gipfel hätte erklimmen können, die klare saubere Luft hätte einatmen können. Die Luft, die man nur ertragen kann, wenn man im Einklang mit sich selbst ist. Auf dem Gipfel der Welt das Mark des Lebens in sich aufsaugen, ja das konnte ich nur mit Robert.


Als die Beerdigung vorbei war, drängten alle Trauergäste danach, schnell ins Lokal zum Leichenschmaus zu kommen. Es war kalt draußen und viele hatten Hunger. Auch der Pfarrer kam mit und verlangte, daß alle vor dem Essen beteten.


Viele haten sich jahrelang nicht gesehen und drängten danach, sich einander mitzuteilen. Jeder war der Größte und Beste. Lachen kam bereits nach kurzer Zeit auf. Man verstand sich eben.

Mir wurde übel. Ich verließ das Lokal und ging zum Friedhof zurück.


Nur ein Grabstein - Robert K. 1978 bis 1998 - es ist nur ein Grabstein. Vielleicht werden Fremde einmal nachfragen: \'Wer war denn Robert und warum ist er so früh gestorben?\' Und die Einheimischen werden verlegen den Kopf zur Seite drehen und sich nicht mehr daran erinnern wollen. Ein Bankräuber aus ihren Reihen, nein das gab es nicht und wird es nie geben. Hier sind doch alle anständig und ehrlich.


Robert - nur in meiner Erinnerung lebt er weiter.

Der Robert mit der Zahnlücke und der Gewißheit, die Welt erobern zu können.



PS: Die Geschichte ist frei erfunden.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-12 02:39:47 mit dem Titel Petrina

Doktor Herz war erst kurz in der Stadt, aber er konnte sich bereits jetzt nicht mehr vor Patienten retten. Egal, ob Mann oder Frau oder Kind, alle wollten sie zu Doktor Herz. Die einzige Frau, die den Schritt noch nicht gewagt hatte, war Petrina.


Petrina hatte große Probleme. In allen möglichen und unmöglichen Situationen hatte sie starke Herzschmerzen, extreme Nackenschmerzen und dann auch noch ziemlich üble Kopfschmerzen, nicht zu vergessen dass unregelmäßige Stechen in der Nierengegend.


Petrina hatte Angst zum Arzt zu gehen. Sie hatte Angst vor der Wahrheit. Und so stürzte sie sich stattdessen in die Arbeit. Außer ihrem Job gab es für sie nichts mehr. Ein Wunder, dass sie noch daran dachte, ab und zu etwas zu essen und zu trinken.


Petrina hatte wohl einige Menschen um sich, die sich Freunde nannten. Aber die waren nur Freund, wenn sie Petrina anpumpen konnten oder ihren Rat brauchten. Mit ihr ausgehen wollten sie nicht. Petrina war ihnen zu dick und nicht flippig genug.


Nur Bobby, ein kleiner 8-jähriger Junge aus der Nachbarschaft, schaute ab und zu bei Petrina vorbei. Er mochte Petrina einfach, ohne jeglichen Vorbehalt. Bobby war für sein Alter schon recht klug, da er wegen seiner berufstätigen Eltern sehr viel auf sich gestellt war.


Eines Tages fand Bobby wieder einmal eine schmerzgequälte Petrina vor. Bobby war auch schon bei Doktor Herz gewesen. Dieser hatte ihm geholfen, die Angst vor dem Alleinsein zu nehmen. Also nahm er seinen ganzen Mut zusammen und rief den Doktor an.


Bobby hatte Glück. Es war die Mittagspause und er erwischte den Arzt selbst. Dieser versprach, sofort vorbei zu kommen.


Es war eine lange Untersuchung und ein langes Gespräch. Bobby musste draußen im Garten warten. Als Doktor Herz endlich heraus kam, wollte Bobby wissen, was denn los sei. „Muss Petrina ins Krankenhaus?“, fragte er ängstlich.


Der Arzt konnte ihn beruhigen. „Nein, nein – es ist alles wieder in Ordnung, Bobby!“


Wieder im Haus fand Bobby eine total veränderte Petrina vor. Es war eine Petrina mit leuchtenden Augen und einem glücklichen Lächeln.


„Ach, Bobby – das Leben ist so schön!“ Mit diesen Worten nahm sie den kleinen Jungen in den Arm. Dies hatte sie vorher nie getan.


Bobby verstand nichts mehr. Petrina versprach ihm alles aufzuschreiben. Er sollte es dann lesen, wenn er erwachsen sei und auch einmal nicht mehr weiter wüsste. Da Bobby Geheimnisvolles liebte, ging er auf das Spiel ein.


...


20 Jahre später, als Bobby in einer schweren Lebenskrise war, erinnerte er sich an den Brief und beschloss, ihn zu öffnen.


„Lieber Bobby,


Doktor Herz hat mir geholfen, mein Herz wieder zu öffnen.


Ich hatte im Prinzip nur ein Problem. Ich war so oft enttäuscht worden, habe mich so oft nicht angenommen gefühlt, dass ich dadurch sehr stur geworden bin und es nicht mehr zugelassen habe, jemanden in mein Herz zu lassen. Nicht einmal mehr mir selbst, habe ich erlaubt, in Momenten mit mir alleine glücklich zu sein.


Das hat mir Doktor Herz klar gemacht.


Denke immer daran, wie schön das Leben ist. Gerade dann, wenn es Dir mal schlecht geht.


Denke immer daran, auch für Dich gibt es Menschen, die zu Dir stehen.


Denke immer daran, Du bist einmalig.


Denke immer daran, nur wer bereit ist, Liebe zu empfangen, kann sie auch erhalten.


Diese Worte, die mir Doktor Herz damals gesagt hat, sollen heute Dir helfen.


In Liebe,


Deine Petrina


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-10 06:44:57 mit dem Titel Maria

Jedem, der zu diesem Ort kam, fiel sie auf. Und es waren viele, die kamen. Irgendwie passte sie einfach nicht zu den anderen. Sie war nicht in dem Alter, sie zog sich anders an, sprach anders und passte einfach nicht dazu.


Gewiss, sie war freundlich und höflich wenn sie angesprochen wurde und sie erledigte ihren Job gewissenhaft und ordentlich. Aber wenn sie sich unbeobachtet fühlte, strahlte sie eine wissende Traurigkeit aus und schien mit ihren Gedanken in einer anderen Welt zu sein.


Wurden die Kolleginnen nach ihr gefragt, erfuhr man nicht viel. Sie ist neu hier. Sie spricht nicht viel, hält sich aus allem raus und geht nach Feierabend nie mit uns weg. Aber wenn jemand Hilfe braucht, oder jemanden zum Zuhören, dann ist sie sofort bereit. Nur über sich selbst erzählt sie nichts. Es ist fast so, als hätte sie Angst von sich zu erzählen.


Und doch war sie es, die am Ende der Schicht die meisten Münzen sammeln konnte. Irgendwie hatte sie etwas, dass die Leute nicht an ihr vorbei gehen konnten. Und das, obwohl die meisten in Eile waren. Denn wer hält sich schon länger als nötig in einer Toilette an einer Autobahnraststätte auf. Diese sind zwar in der Regel sauber, aber nicht unbedingt gemütlich. Seit sie jedoch dort arbeitete, war es irgendwie anders geworden. Die Leute drängten nicht mehr so. Der intensive, traurige Blick der neuen Toilettenfrau beschäftigte nicht nur die Kolleginnen, sondern auch die Besucher dieses so notwendigen Ortes.


„Wie kommt sie wohl zu so einer Arbeit, an so einem Ort?“ fragten sich viele. Sie sieht nicht so aus, als hätte sie nichts anderes gefunden oder als sei es ihr Traumberuf. Wobei sich sowieso keiner vorstellen konnte, dass Toilettenfrau ein Traumberuf ist.


Alle überaus vorsichtigen Annäherungs- und Freundschaftsversuche wurden von ihr höflich, aber strikt abgeblockt. So wurde sie, trotz ihres freundlichen Wesens und ihrer Hilfsbereitschaft recht schnell zum Außenseiter, ohne dass die anderen dies wollten. Auch der Chef der Truppe machte sich so seine Gedanken und versetzte sie auf die Herrentoilette. Er dachte sich, vielleicht ist sie bei Männern ja gesprächiger. Aber auch hier täglich das gleiche Spiel. Sie war freundlich, nett, und hilfsbereit, aber was ihre eigene Person betraf völlig unverbindlich.


„So geht das mit Maria nicht weiter“, besprachen sie untereinander und beschlossen, Vera auf sie anzusetzen. Vera war die quasi wie eine Mutter zu allen Kolleginnen und Maria kannte sie noch nicht, weil Vera auf Kur war. Am Wochenende vor Veras Rückkehr besprachen sich die Kolleginnen mit ihr. Sie schilderten ihr Marias Verhalten und auch ihre Sorgen, dass mit Maria etwas nicht in Ordnung wäre. Vera versprach ihr Bestes zu tun und ließ sich für die gleiche Schicht wie Maria einteilen.


Nach zwei Stunden höflichen Geplänkels über die Banalitäten des Lebens und zwischendurch harmonischen Schweigens, beschloss Vera einen Frontalangriff. „Weißt Du eigentlich Maria, dass sich alle etwas um Dich sorgen?“ „Ja schon, aber das müssen sie nicht“, war die etwas abweisende Antwort. Und wieder begann ein Schweigen, indem sich Wellen der wortlosen Verständigung schlugen. „Bist Du einsam?“ versuchte es Vera erneut. „Ja und zwar gerne“, antwortete Maria. „Weißt Du, Du bist wirklich ein harter Brocken. Willst Du mir denn gar nichts über Dich erzählen. Nur etwas, was Du möchtest. Vielleicht was Du vorher gemacht hast.“


Maria dachte nach. Ihr war klar, dass Vera nicht so schnell nachgeben würde, wie die anderen Kolleginnen. Sie hatte auch wirklich etwas Mütterliches an sich, etwas was Maria schon lange nicht mehr gespürt hatte. „Ach, ich hab mal dies und mal das gemacht. Wie es gerade gekommen ist. Mal hatte ich viel Erfolg und mal war es weniger Erfolg. Zum Schluss habe ich Freundschaftsbänder verkauft.“ „Du hast Freundschaftsbänder verkauft? Schenkt man die nicht eigentlich her? fragte Vera ganz verblüfft.


„Ja, eigentlich schon“ meinte Maria. „Aber weißt Du, ich habe festgestellt dass diejenigen, denen ich sogar immer wieder mehrere Freundschaftsbänder geschenkt habe, meine Bänder und die dazugehörige Freundschaft nichts wert war. Nur meine Hilfe war ihnen etwas wert, sonst nichts. Also hatte ich beschlossen, sie zu verkaufen. Denn wenn man für etwas bezahlen muss, ist es für die meisten Leute mehr wert. Aber dann habe ich damit auch aufgehört.“ „Und warum“? Vera war nun ganz gespannt. „Ach, in der heutigen Zeit ist es sogar so, dass die meisten so im Überfluss leben und so viele Wahl- und Ausweichmöglichkeiten haben, dass ihnen auch ein gekauftes Band der Freundschaft nicht mehr das bedeutet, was es eigentlich wert ist. Und deshalb bin ich Toilettenfrau geworden.“


Vera spürte, dass dies erste die halbe Antwort war. „Willst Du mir nicht den Rest erzählen?“ Sie merkte, dass Maria sich schwer tat und hoffte wirklich auf eine Antwort. Nach einigen Minuten des Schweigens kam schließlich doch noch die Antwort.


„Ich bin Toilettenfrau geworden, weil es der einzige Job und der einzige Ort ist, wo ich ganz bewusst in die Scheiße lange und nicht mehr aus Versehen!“


Darauf fiel Vera nun auch keine Antwort mehr ein. Schließlich war sie ja selbst irgendwann Toilettenfrau geworden.