Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von Schattenesserin

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Pro:

s. Text

Kontra:

s. Text

Empfehlung:

Nein

Rammstein dröhnt aus den Boxen. Im Raum schwebt ein Gemisch aus Salbei, Eucalyptus, Vanille-Räucherstäbchen und kaltem Zigarttenqualm. Eine Kerze ist angezündet und verleiht dem Raum einen Touch vom Geheimnisvollen. Ich liege auf meinem Sofa und lasse die Stimmung auf mich wirken. Meine Wohnung sieht wieder einmal aus wie Chaos mit so vielen CD´s und Plastiktüten und Illustrierten und schmutzigen Socken und Tellern, dass ich den Fußboden nicht mehr sehen kann. Allmählich glaube ich, dass mit mir ernsthaft etwas nicht stimmt. Ich komme mir vor wie eine Montagsproduktion; so, als wäre ich völlig vermurkst vom Fließband gestiegen und meine Eltern mich besser reklamieren sollen. Aber das ist ewig her...
Was ich spüre, ist das Beängstigende des Erwachsensein, des Alleinseins in diesem riesengroßen Loft. Ich bin mir sicher, dass es keinen Fluchtweg gibt, dass ich nicht mal gehen kann ohne zu stolpern und hinzufallen und ich weiß, dass ich aus diesem Chaos raus will. Keiner wird mich jemals lieben, ich werde alleine leben und sterben, ich werde nirgendwohin gehen, ich werde nichts sein. Nichts wird gut werden. Die Verheißung, dass nach der Depression etwas Wunderbares beginnt, für das es sich lohnt, den Selbstmord zu überleben wird nicht in Erfüllung gehen. Alles nur ein großer Beschiss................

Scheiße, was ist denn jetzt los. Es ist doch noch dunkel draußen. Ich hasse es, wenn ich mitten in der Nacht aufwache. Dreh dich noch mal rum und penn wieder ein ... denk ich.
- `Wach auf!´
Was ist denn jetzt... hier ist doch keiner. Ach egal. Hallos hat man ab und zu.
- `Wach auf!´
Mensch, was soll das?? Ich schau auf die Uhr. 2 Uhr nachts. Ich taumel ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch brennt ne Kerze und eine schwarze Gestalt sitzt auf dem Sessel und schaut zu mir hoch. Spinn ich jetzt total oder was?
- `Wie lange willst du dein beschissenes Leben weiterführen? Was bist du denn? Eine Tusse, die nichts auf die Reihe kriegt. Du baust nur Scheiße! Wer will denn noch was mit dir zu tun haben?´
Er redet weiter auf mich ein. Er beschimpft mich. Er macht alles schlecht, was ich mache, worauf ich stolz war... Ich bin fertig, kann nichts sagen, höre ihm zu. Wer ist das? Was läuft hier? Bin ich im falschen Film? Ich falle auf die Knie, fange an zu schreien er soll aufhören! HÖR AUF!!!!!!!!!!!!!!!
Ich schlag um mich, während er weiterredet. Er redet ruhig und ich schrei ihn an, er soll seine verdammte Klappe halten. Ich liege auf dem Boden meiner Wohnung. Ganz allein. Ich bin schweißgebadet und draußen fangen die Vögel an zu zwitschern.
Ein ganz normaler Tag beginnt für ganz normale Leute. Leute, die für das ganz normale Leben geboren sind. Keine großen Probleme außer vielleicht, wie sie ihre Hypothekenraten abbezahlen und wer ihre Waschmaschine repariert oder wer in der nächsten nervtötenden Gameshow gewinnt. Und oberflächlich sind sie auch noch... Das nenne ich Probleme!
Der Kerzenhalter steht neben mir, ein kleiner Kerzenstummel ist noch vorhanden und ist jeden Moment soweit zu verglühen. Ich halte eine Karte in meiner Hand. Es ist eine Tarot-Karte. Darauf ist ein Schimmel zu sehen. Auf dem Zaumzeug sind Totenköpfe abgebildet. Der Reiter ist in einer schwarzen Ritterrüstung. Das Gesicht des Reiters ist ein Totenschädel. Die Karte \"Tod\"!!

Mein Wecker klingelt wie verrückt und ich öffne die Augen. Meine Wohnung ist still abgesehen von dem Getöse meines Weckers. Ich richte mich auf. Die Karte liegt neben mir. Ich versuche mich zu erinnern, was passiert war...! Aber ich kann mich nicht erinnern. Ich kann es nicht. Warum liegt die Karte neben mir? Warum bin ich von Schweiß und Tränen durchnäßt?
Ich stehe auf, lasse Wasser in die Badewanne laufen und lege mich hinein. Das Wasser umspült meinen durchgeschwitzten Körper und die Kälte des Wassers läßt mich wieder einigermaßen klar sehen. Ich trockne mich ab, zieh mein schwarzes, langes Kleid an und stecke mir meine nassen Haare hoch. Als ich in den Spiegel schaue erschrecke ich. Ich sehe nicht mich. Ich sehe eine total angespannte, nervöse, kleine Tussi, die am ganzen Leib zittert... Ich brauch ne Zigarette!
Im Wohnzimmer liegt mein Buch auf dem Boden, daneben mein Füller. Ich zünde mir ne Zigarette an und nehme das Buch in die Hand. Dieses Buch ist das Einzige, worin ich meine Gedanken niederschreibe, ob ich Leid oder Kummer habe oder einfach nur sorgenfrei bin (was aber selten vorkommt). Meine Gedichte sind meine Schätze. Ich schlage das Buch auf und fang an zu blättern. Auf den letzten beschriebenen Seiten finde ich ein Gedicht, obwohl ich mich nicht entsinnen kann, wann und wo ich dieses geschrieben habe:

Gute Gründe gibt es nicht
wenn man sagt:
\"Ich wär am liebsten TOT!\"

Keiner kann sagen,
dass es normal ist,
wenn man sich umbringt.

Ich würde am liebsten aufhören,
meinen letzten Vorhang fallen lassen,
einfach ein Ende setzen.

Ich weine, obwohl ich nicht weiß warum!
Warum weine ich?
Weil ich nicht das habe, was ich will?
Weil ich nirgends akzeptiert werde?
Weil das Leben beschissen ist?

Meine Traurigkeit überspiele ich
mit einem Lächeln.
Meine Traurigkeit überspiele ich
mit meiner gestellten guten Laune.

Ich muss erst mit mir fertig werden
bevor ich neu anfangen kann zu leben,
aber ich werde nicht mit mir fertig.

Der Hass und die Liebe
sollten im Gleichgewicht sein.
Der Hass besiegt in mir die Liebe.
Der Hass auf mich
und meinen Mitmenschen.

Wieder weine ich!
Tue ich mir selber leid?
Habe ich Mitleid?
Ja, ich habe Mitleid mit mir.
Weil ich nicht anders kann.

Keiner kann mir helfen,
wenn ich mir nicht helfen lassen will.

Meine Sehnsucht nach dem Tod
ist schon viel zu groß.
Ich will noch eine faire Chance,
in der ich geliebt und akzeptiert werde
wie ich bin.


Ich habe das Gedicht signiert. Darunter ist klein geschrieben:

Schwarzer Mann, der Du mich in den Wahnsinn treibst.
Ich kann dir nicht ewig widerstehen
auch wenn ich es versuche....
Meine Trauer über mich selbst
und meine Sehnsucht nach Dir
wird irgendwann meine Willenskraft brechen
und mich zu dir bringen!


Ich nehme die Tarot-Karte in die Hand. Der \"Tod\" bedeutet nichts schlechtes, er bedeutet Veränderung. Vielleicht soll mir das ganze sagen, dass ich mein Leben ändern muss, bevor ich wieder glücklich sein kann. Wenn es das überhaupt für mich gibt.

33 Bewertungen, 5 Kommentare

  • frankensteins

    08.01.2009, 16:39 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    super geschrieben, macht sehr nachdenklich lg

  • blackangel63

    18.08.2008, 22:12 Uhr von blackangel63
    Bewertung: sehr hilfreich

    LiEbE GrUeSsE uNd EiNeN sChOeNeN aBeNd WuEnScHe IcH dIr..AnJa

  • miko1960

    08.08.2008, 21:01 Uhr von miko1960
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schöner Bericht von dir. Vlg, Michael

  • bambie34

    14.06.2008, 23:33 Uhr von bambie34
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich,lg Tanja

  • Baby1

    18.08.2007, 22:16 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.