Erfahrungsbericht von suwesmile
Wenn mein Solarium mit mir spricht
Pro:
Schlaf-Feen???? ;)
Kontra:
Schlaf-Feen???? ;)
Empfehlung:
Nein
Das Solarium, das mich als treue Stammkundin kennt, wurde modernisiert. Es gibt neue Geräte hieß es da. Ich betrete den Laden und werde durch die Kabinen geführt, entscheide mich für ein Gerät, das dem alten, dem ich bislang vertraute, sehr ähnlich sein soll und lasse mir die Funktionen erklären.
Wunderbar. Schön viel Platz. Und ich kann vorher einstellen, welche Bräune mir vorschwebt. "Testen Sie man erst die mittlere Stufe. Wenn es nicht so richtig ist, dann nehmen wir das nächste mal die intensivere." wird mir empfohlen.
"Ah, Moment!" rufe ich noch, bevor ich mich in der Kabine einschließe. "Ich hätte gerne noch einen Kopfhörer zum Musik hören."
"Den gibt es nicht mehr."sagt die nette Mitarbeiterin. "Ist jetzt alles integriert. Nur bei diesem Gerät glaube ich, noch nicht. Habe ich zwar noch nicht selber darunter gelegen, aber..." derweil krabbelt sie in dem Gerät herum. "... aber nächste Woche ist das denn wohl auch drin." Na gut, denn ohne Musik. Werde ich auch überstehen.
Ich lege mich in dieses Monstrum. Natürlich habe ich zuerst ausprobiert, dass die Klappe nicht ganz zu fällt. Egal wie viel Platz da drin ist, auch wenn ich in dem Ding fast stehen könnte. Ein Spalt Luft muss frei bleiben.
Über mir funkeln Armaturen. Rote Knöpfe mit eindeutigen Bildern. Ein rotierender Ventilator zum Beispiel für die Luftzufuhr. Alles in Griffnähe. Ich muss mich nur ein ganz klein wenig strecken.
Schutzbrille habe ich natürlich auf der Nase. Dumm nur, dass ich durch die getönten Minifenster der Brille das rote Licht der Schalter kaum noch erkennen kann. Muss ich denn doch die Brille vorsichtig zur Seite schieben.
Ich versuche, den Startknopf zu betätigen. Bis ich den roten Pfeil auf rotem Untergrund einordnen kann, vergeht so einige Zeit. Plötzlich spricht eine Stimme zu mir: "Sie haben das Gerät manuell betätigt. Die automatische Startfähigkeit wurde somit nicht aktiviert." Aha.
Bin leicht irritiert. Immerhin bin ich im Solarium noch nie angesprochen worden. Das Gerät springt an und im selben Moment auch das Radio, das eigentlich gar nicht da ist. Im Verzeihen bin ich manchmal großzügig. So rege ich mich nicht weiter auf, freue mich an der Musikberieselung. Läuft auch grad keine Werbung oder Nachrichten auf dem Sender.
Mir wird schnell sehr warm. Und das auf mittlerer Stufe, geht es mir durch den Kopf. Ist ja merkwürdig. Da fällt mir auf, dass ich den Ventilator gar nicht angestellt habe! Ich ertappe blind den Knopf.
Da! Schon wieder die Stimme: "Sie haben die Luftzufuhr betätigt!"Ja, habe ich, denke ich kleinlaut. "Auf Plus, eine Stufe höher."höre ich weiter. Ich drücke noch einmal. Wieder höre ich: "Auf Plus, eine Stufe höher." Dann... Ruhe... Sekunden vergehen. Ich warte. Vielleicht kommt ja nun die Aufforderung die Rettungsweste anzulegen. Abrupt setzt die Musik wieder ein.
Ich zucke kurz zusammen.
Es ist immer noch zu warm. Ich tappe wieder nach dem Schalter. Damit mir aber nicht wieder der ganze Spruch des "Sie haben die Luftzufuhr betätigt. Auf Plus eine Stufe höher." entgegendröhnt, tippe ich schnell drei mal hintereinander auf den Knopf. Es kommt ein: "Sie haben die Luft... Sie haben die Luft... Sie haben die Luft..." und denn fast übergangslos wieder Musik. Toll! Man muss also nur schnell genug sein. Dann klappt das. Habe hier ja auch nicht endlos Zeit. 17 Minuten. Und ich weiß nicht, wie viel davon schon rum ist. Die Uhr über mir kann ich nicht erkennen. Auch rote Zahlen. Und die Brille auf meinen Augen schluckt das Rot immer noch sehr gut.
Man könnte fast sagen, dass ich nun entspannt liege. Ich streiche vorsichtig an meinen Beinen entlang. Mh, müsste ich auch mal wieder rasieren, denke ich so.
Mir fällt das Gespräch ein, das ich Tage zuvor mit einer Freundin führte. Ging um das Enthaaren. Dass Frauen aber auch immer soviel tun und machen müssen, um gut aus zu sehen, bzw. ihr gutes Aussehen auch zu pflegen.
Das mit dem Bräunen geht ja noch. Immerhin tut es nicht weh, man wird nur voll gequasselt. Aber das mit der Haarentfernung... Kennen Sie das? Ich habe das mal ausprobiert. Mit dem Wachs. Ist guuut!! Aber entschuldigt die Schmerzen auch nur, weil man Wochen ins Land ziehen lassen kann, bevor man nacharbeiten muss.
Wenn das man nur die Haare an den Beinen wären! Aber gibt ja noch mehr. Ich denke da so an das Schwimmbad, und dass mein neuer Bikini ganz schön knapp geschnitten ist. Sieht doch blöd aus, wenn er meine Figur vorteilhaft zur Geltung bringt und bei den Haaren keine Ausnahme macht. Da denn allerdings weniger vorteilhaft, sondern nur zur Geltung.
Wie gesagt, eine Freundin erzählte: "Wachs! Gar kein Thema. Alles sieht danach gut aus und du hast vier Wochen lang Ruhe."Na, toll! Für wie tapfer werde ich eigentlich gehalten? Scheinbar mehr, als ich mir jemals vorstellen konnte, rüber zu bringen.
Oder unter den Armen!? Ich schaudere! Tack, Wachs drauf, Klebepflaster drauf. Und dann? UH!!! Ne! Ich würde die restlichen Tage meines Lebens mit dem weißen Heftstreifen unter den Armen herumlaufen. Das tut doch weh!
"Aber du musst dir mal die Vorteile bewusst machen!" redete sie weiter. Mir egal, dachte ich mir. Da denk ich gar nicht weiter drüber nach.
Flupp! Macht es plötzlich, duster. Ich schrecke zusammen. Und schon wieder: Eine Stimme spricht: "Die Bräunungszeit ist beendet. Sie wurde automatisch nach 17 Minuten abgestellt. Wir hoffen, sie hatten einen angenehmen Aufenthalt. Besuchen Sie uns bald wieder."
Irritiert ist gar kein Ausdruck. Ich stehle mich, noch bevor die Stimme ihren Redefluss beendet, zu meinen Klamotten und sehe mich um. Werde ich vielleicht doch beobachtet? So ganz unbekleidet? Na, gebräunt bin ich ja.
Aber stellen Sie sich man vor, ich hätte die dusseligen Heftpflaster unter den Armen!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-16 22:10:26 mit dem Titel Marktforschung - Voll dabei
Geld ist immer knapp und als mich letztens so ein Marktforschungsinstitut anrief, sagte ich spontan zu. 50,- Euro für ein paar Fragen beantworten..... warum nicht? Es ging um eine Befragung zum Verkauf von Bier in Dosen an der Tankstelle. Da bringt eine Brauerei eine Bierflasche aus Kunststoff auf den Markt. Jetzt geht es um die Forschung, ob Bier in Plastik ankommt, ob es sich neben anderen Biersorten in Dosen behaupten kann und was die Vor- und Nachteile so einer Flasche sind. Ich soll mich also an einen riesigen Konferenztisch setzen und warten. Der Interviewer kommt gleich, heisst es. Ich sitze da ganz alleine im Raum. Schon kommt der nette junge Mann, schiebt eine Flasche Bier zu mir über den Tisch, setzt sich und meint: "Trinken" "Bitte? Ich dachte, ich soll hier ein paar Fragen beantworten und mir nicht einen hinter die Binde kippen. Nee, der meint das ernst. Also, Bierflasche auf.... und? Gar nicht so einfach, viel zu weich das Plastik. Ordentlich mit der Hand zugedrückt, am Schraubverschluß abgerutscht und schon schnackelt die Flasche das erste mal zurück zum Absender über den Tisch. Ähem! "Kann ich es nochmal probieren?" "Ja, klar, die Flasche kommt frisch aus dem Kühlschrank, ist ein bisschen glitschig, entschuldigen Sie bitte." Na macht nichts. Neuer Versuch, diesmal Flasche abgewischt und ein Papiertuch um den Verschluß gelegt.. und ordentlich drücken, fest umdrehen, den Verschluß natürlich, und schon läuft das Bier mir über den Ärmel und auf die Hose. Scheisse! Soviel schon mal zu den Nachteilen. "Und nun trinken Sie bitte und beantworten Sie die Fragen auf diesem Bogen." "Wie? Beides gleichzeitig?" "Nein, nein. Erst trinken Sie, dann beantworten Sie. Ok?" Habe verstanden. Skoll! Und die Fragen beantwortet. Und? Richtig, nächste Flasche auf den Tisch, rüber geschoben und "Wie schmeckt Ihnen dieses Bier? Und was sagen Sie zu dieser Flasche?" "Jooh, kipp ich auch weg, kein Problem." Fragen beantwortet. Wieder das nächste Bier auf dem Tisch. Puuh, habe nicht gedacht, dass das hier eine praktische Übung in Tankstellentrinken wird, ach! Hau weg die Scheisse! Fragen nicht mehr soooo ganz einfach beantwortet. Vorteile des Biertrinkens? Grins.... "Kost ja nix, prost!"
Dann stellt er so zehn Flaschen nebeneinander auf den Tisch.... "Sie wollen doch nicht etwa? Oder?" "Nein, nein. Welche gefällt Ihnen am besten, welche fällt Ihnen auf?" Joah, ischa nun nich mähr scho einfach, nee! Aber, isch jeb mein Beschtes, ups. Holsten knallt am dollsten!" lallt es aus mir heraus. Der Test gefällt mir langsam. "Darf ich Sie nun in einen anderen Raum bitten, wir haben da noch einen anderen Test aufgebaut." "Kein Problem. Durch welche Tür ist es?" "Nehmen Sie einfach die einzige." Peinlich, peinlich. Dann führen Sie mich am besten mal nach nebenan. Boooar hab ich einen sitzen, aber werde ja dafür bezahlt! So, letzte Hürde, letzter Schluck, 50,- Euro in der Tasche und lustig vor die Tür.
Es ist jetzt 18 Uhr, stehe mitten in der Stadt mit 50,- Euro in der Tasche, stinke nach Bier auf der Hose und bin stink besoffen. Paah, leicht verdientes Geld, rülps, geiler Job gewäsen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 21:47:35 mit dem Titel Festiger im Haar - wahre Begebenheiten
Es gibt so Dinge, die will ich einfach mal loswerden. Sagen wir mal so: ich schreibe lediglich mal auf, was mich so in letzter Zeit beflügelt hat. Wenn ich jetzt \'beflügelt\' schreibe, dann versuche ich schlicht und ergreifend ein Verniedlichungsform zu finden, um nicht ausfallend zu werden, okay?
Da kamen mir die Tage so zwei kleine Wesen entgegen, die ich in die Kategorie: ‚kenn ich irgendwoher, halten sich des öfteren in meiner Wohnung auf’ einordnete. Die Haare der beiden waren trocken, aber merkwürdig anzusehen. Es dauerte etwas, bis ich begriff, dass Haarfestiger auf ihren Häuptern klebte. Massenhaft und gut verteilt. Okay, okay, ich kann mir schließlich eine neue Tube von dem Zeug kaufen und kurzerhand das Problem der kleinen Wesen mit der Dusche lösen.
Doch was ist mit einer Tapete, die samt Isolierung zielgenau kaputt geschnitten wird? Und was machen die hyperteuren feuchten Domestostücher in der Schreibtischschublade eines kleinen Mädchens??? Mmh??! Sie lagern dort zum trocknen!
Sind ja nur ein paar klitzekleine Begebenheiten. Erlebe ich so dann und wann mal. Ha! Und letztens der Sprühkopf meines Deodorants : abmontiert und zweidrittel des Inhalts im Zimmer verteilt. Kann man gar nicht gegen an lüften. Und wenn meine Stimme daraufhin überreagiert, ist das mit dem offenen Fenster auch nicht so prall...
Sprechen wir man gar nicht von den diversen Kaugummis, die sorgfältig in
den Teppich gedrückt werden. Immer schön darauf bedacht, dass unterschiedliche Stellen als Klebepunkt verwendet werden, damit Abwechslung ins Spiel kommt.
Mal ehrlich, bin ich etwa pingelig? Habe keinen Sinn für Kinderhumor? Oder
besser ausgedrückt: dafür, dass Kinder sich \"entwickeln\" müssen und sollen;
und die Welt entdecken wichtig für sie ist? Mag ja alles sein, aber immer
auf meine Kosten!
Von den diversen Penatencreme-Veranstaltungen will ich ja gar nicht
sprechen! ... haben sie schon einmal versucht, das weiße Zeug aus den Haaren
zu bekommen? Das sollten sie einmal in der Werbung bringen! Wenn ein
Shampoo es auf Anhieb schafft, dagegen erfolgreich einzuwirken, das wäre d e r
Renner!
Kleine Mädchen und vorpubertäre Ansätze... fängt schon im ganz zarten
Kindesalter an. Da möchte zum Beispiel der Lippenstift ausprobiert werden! Er wird
um, nicht auf, die Lippen geschmiert. Und weil es eben so schön
schmiert, wird das restliche Zimmer gleich mitdekoriert. Zum Schluss
denn noch ordentlich den Reststummel Lippenstift fest in den Behälter gedrückt,
damit auch wirklich nichts mehr damit anzufangen ist, was auf den
ursprünglichen Sinn eines Lippenstiftes zurückzuführen ist.
Wenn ich denn daraufhin die restlichen Kosmetikartikel kindersicher verschließe, der Drang nach mehr aber nicht zu bremsen ist, denn wird statt Nagellack der dicke Edding 3000 verwendet. Natürlich der schwarze. Ist ja in! Und der hält! Vor allem so rund um den Fingernagel...
Sind ja nicht nur der Schönheitswahn und die Entdeckungslust. Nein, mitunter langweilen sie sich, solch kleine Wesen. Gaaaaanz gefährlich. Da ist doch so eine Kleiderstange, die harmlos in der Gegend herumsteht, um die frisch gebügelten Blazer, Kommunionskleidchen und diversen hochfeinen, empfindlichen Blusen aus dem zu engen Schrank fern zu halten, hervorragend dafür geeignet, um sich auch kreativ zu entwickeln. Wer ist am fingerfertigsten, und welche Ärmel passen farblich so gut zueinander, dass man sie fest miteinander verknoten muss? Schließlich braucht auch eine Mutter was zu tun, und bügelt natürlich gerne alles noch einmal... sofern sie alles wieder auseinander bekommt.
Ich hör schon wieder auf, sonst fallen mir noch die Slipeinlagen ein, die letztens an der Wand klebten. Weil da eben so ein leicht abziehbarer Klebestreifen dran ist.
Kinderleicht...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 23:02:39 mit dem Titel Funkenflug - ein rasanter Urlaub
Es gibt so Tage, da läuft irgendwie nichts so, wie ich mir das vorstelle. Das ist an sich schon übel aber noch übler finde ich, wenn mich so ein Tag im Urlaub erwischt. Nehmen wir mal meinen letzten Urlaub.
Wetter klasse, Strand herrlich weiß und das Meer.... einfach schön. Die Zeit zieht an mir vorüber, angefüllt mit Erholung, Spaß und Sonnenschein. Und so trifft es mich auch nicht all zu hart, als am zehnten Tag sich das Wetter nicht so urlaubsmäßig zeigt, wie ich es erwarte. Ich bin zwar ein Gewohnheitstier, kann mich aber auch unheimlich flexibel zeigen. Und so bleibe ich an diesem Morgen ganz spontan im Bett und beschließe, Wetter, Wetter sein zu lassen, mir ein Buch vor die Nase zu klemmen und zwischendurch ein Nickerchen einzulegen.
Ich lasse mich durch nichts stören. Wirklich durch nichts. Kein Radio dudelt, nicht einmal das Meeresrauschen dringt an meine Ohren und Frühstücksgelüste werden unterdrückt.
Ich beschäftige mich ausgiebig mit meinem Nichtstun....als es unangenehm pocht. Nein, nicht in meinem Kopf, von wegen der Abend vorher war süffig - nein es pocht an der Tür. Finde ich überhaupt nicht gut. Und ehrlich gesagt, es nervt. Nun wäre es ja ganz einfach dem Pochen ein Ende zu setzen. Ich müsste lediglich aufstehen und die Tür öffnen. Da es sich aber nur um das Zimmermädchen handeln kann, nehme ich es ihr nicht weiter übel. Sie will ja nur ihren Job tun. Irgendwann hört es auf und ich schlummere noch einmal ein.
Da klingelt plötzlich das Telefon. Wer hat diese Apparate nur erfunden, frage ich mich. Ich habe Urlaub!! Brummelig nehme ich den Hörer ab, weil sogar mir klar ist, dass das Klingeln somit schneller abgestellt wird. Die Rezeption. Na, klasse Hotel, denke ich, die sorgen sich um mich, weil ich noch nicht gefrühstückt habe. Schon setze ich mit meiner Bestellung an, da werde ich unterbrochen. Ob Senora nicht gedenkt, heute ab zu reisen. Die Frage als solche finde ich einfach nur unverschämt. Ich stelle unmissverständlich klar, dass mein Urlaub noch nicht zu Ende ist, und übermorgen kann das Zimmer gerne wieder belegt werden, füge ich noch großzügig hinzu. Ich höre eine Entschuldigung und lege zufrieden auf.
Doch irgendwie lässt es sich nicht mehr so ruhig herum gammeln. Nur, um dem Tag einen Sinn zu geben, stehe ich auf und suche das Ticket heraus. Ich lächele und suche siegessicher das Abflugdatum. Muss ich eigentlich noch berichten, dass mir sämtliche Gesichtszüge etwas unschön entgleiten?
In diesem Moment wird mir schlagartig bewusst, eine Zehn-Tage-Reise, statt der gewohnten Zwei-Wochen-Tour gebucht zu haben. Ich schlucke ...und schlucke noch heftiger, als mein Blick auf die Uhrzeit des Abflugs fällt; überlege blitzschnell, ob es möglich sei, in so jungen Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen. Zwei Stunden bis zum Abflug!!!!!
Ich schaue mich in meinem Zimmer um. Das sieht eigentlich aus wie immer, wenn ich im Urlaub bin. Sämtliche Klamotten flächendeckend verteilt, das Bad zeigt, dass es permanent benutzt wird, und...
...na ja, innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten stelle nicht nur einen Rekord im Packen auf, sondern auch darin, das Zimmer schneller auf zu räumen, als es mir jemals zu Hause möglich schien. Ich stopfe alles in meine Reisetasche, hechte zur Rezeption und verlange sofort ein Taxi. Das kommt denn auch ziemlich schnell. Es dauert gut eine Stunde Fahrzeit bis zum Flughafen. Allerdings nur unter der Bedingung mindestens 160 Stundenkilometer zu fahren und einer Motivationsvariante von umgerechnet 50,- Euro Trinkgeld.
Ich rase ins Flughafengebäude, erhalte meine Platzkarte und sprinte weiter ins Flugzeug. Erleichtert lasse ich mich auf meinen Sitz fallen. Na, das ist ja noch einmal gut gegangen. Eigentlich schade, den Urlaub so abrupt zu beenden,.... und dann, kurz bevor das Flugzeug beschleunigt, schießt mir noch durch den Kopf: wie ein Funken so schnell bin ich hierher gedüst, aber sind wir nicht zu zweit in den Urlaub geflogen........?????
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-18 13:41:53 mit dem Titel Außerirdische
Ein UFO, und das am frühen Morgen schoss es mir durch den Kopf. UFO? Hä? Denken Sie... na ja: Es dröhnte, es hämmerte, ich konnte es nicht einordnen. Ich fühlte mich bedrohte; eine unbekannte Macht. Was war das? Es schrillte und ich kam langsam zu mir. Öffnete meine Augen. Wurde ich entführt? Wo war ich?
Mein Wecker. Es war nur mein Wecker, der mich so grausam aus den Tiefen der schönsten Träume riss. Und das gnadenlos. Also ehrlich! Manchmal finde ich ihn einfach unverschämt. Ist ja man nicht so, dass ich grundsätzlich Schwierigkeiten hätte, morgens aus den Federn zu kommen. Aber mitunter habe ich das Gefühl, eine unbekannte Macht hat einfach die Zeit verkürzt und lässt mich schier verzweifeln, weil mein Körper, meine Augen mein ganzes ICH nicht darauf eingestellt sind, sich dieser unmöglichen Uhrzeit anzupassen.
Nun gut, ich will nicht übertreiben, und sicherlich kann so manch einer nachvollziehen, was mich manchmal an Außerirdische glauben lässt. Doch was ist, wenn sie mich permanent verfolgen? Zum Beispiel mein Toaster. Ich stecke ein harmloses Toast hinein, um es leicht zu rösten und mittels Einstellung den bräunlichen Ton zu programmieren, der mir vorschwebt. Und was passiert? Entweder es kommt blass zum Vorschein oder hüpft mir aggressiv und tiefschwarz entgegen. Dabei lasse ich den Regulierungsknopf immer auf der gleichen Stufe! Ist doch nicht normal! Nun will ich nichts davon hören, dass evtl. der Toaster hin ist. Habe ich erst ausgetauscht, gar nicht lange her! Und? neuer Toaster = gleiches Dilemma.
Oh nein! Ich bin nicht technisch unbegabt. So schwierig kann es ja wohl nicht sein, so einen ollen Toast zum Frühstück schmackhaft hinzubekommen. Außer... es ist ein außerirdischer Toaster. Ja! Hat sich mit meinem Wecker verbündet. Wollen mich fertig machen die zwei. Aber nicht mit mir! Ich habe dem Wecker getrotzt und bin aufgestanden. Und ich habe meinen Hunger gestillt... mit was für einem Toast auch immer!
Der Tag ist meiner, er kann nur besser werden. So denke ich mir und mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Portion Optimismus, soweit es die frühen Morgenstunden zulassen, trete ich ihm entgegen. Dem Tag.
Doch ich habe die Rechnung ohne die Außerirdischen gemacht. Wenn die nämlich einmal beschlossen haben, einen zu verfolgen, mich zu verfolgen, dann ziehen die das konsequent durch. Und erzählen Sie mir nicht, das gibt es nicht! So ein Blödsinn! Warum dann bitteschön, lässt der Akku meiner elektrischen Zahnbürste genau dann nach, wenn ich den Mund voll Zahnpasta habe? Obwohl das Biest, der Akku, die ganze Nacht auf dem Ladegerät steckte? Hm? Und mein Fön? Pufft nur, bevor ich einen unangenehmen Geruch wahrnehme, der mich ganz schnell die heiße Luft abstellen lässt.
Kann ich ja noch froh sein, dass die Dusche sich wohl in einem Streik gegen Außerirdische befand und mir ihr warmes Wasser nicht verwehrte. Muss man sich mal vorstellen: Alles an einem einzigen ganz frühen Morgen und ich lächele immer noch. Sollen sie mich doch mal, die Außerirdischen! Mit mir nicht! Es ist schließlich nicht Freitag, der 13.!
Mit einem trotzigen Blick in den Augen stolziere ich zur Arbeit. Da können sie mir nichts. Vorsichtig öffne ich die Bürotür, schaue zu meinem Schreibtisch. Na also! Alles wie immer. Harmlos lungern ein paar unbearbeitete Akten neben meinem Computer und ich beschließe den Trotz zu verdrängen, lasse mich auf den Stuhl gleiten und den Tag weiter angehen. Und es geht! Als ich Feierabend habe, atme ich tief durch, grinse gehässig und weiß, sie sind arbeitsscheu, die Außerirdischen. Da lassen sie mich in Ruhe. Ha!
Ich bewege mich behände Richtung Ausgang der Firma, als mir jemand den Teppich unter den Füssen wegreißt. Was heißt hier jemand? Außerirdische! Sie sind da! Sie verfolgen mich noch immer. Haben doch tatsächlich gewartet, bis ich mich in Sicherheit wähnte. Auch wenn die nette Frau am Empfang meinte, dass es wahrlich unmöglich sei, bei diesem nassen Wetter, so rutschunsichere Matten an die Tür zu legen. Sie weiß ja nicht, dass die Außerirdischen mich heute verfolgen. Sie haben mich auserkoren! Oh, mein Gott!
Hastig schlage ich den Weg nach Hause ein. Was ist, wenn sie dort schon auf mich lauern? Hämisch grinsend in Wartestellung. Sie wollen mich fertig machen! Nein! Nicht mit mir! Wie gesagt. So schaue ich nicht einfach unbedarft und nebenbei in meinen Briefkasten. Geduckt schleiche ich mich vorsichtig ran, stecke meinen Briefkastenschlüssel ganz langsam in das kleine Schloss... und schon fällt mir die Klappe des Kastens mit einem Ruck entgegen, klemmt mir den einen Finger ein und ein Außerirdischer pfeffert mir die Briefe und Reklamesendungen um die Ohren. Dieser gemeine Fiesling hat sich auch noch mit dem Wind verbündet. Meine Post flattert durch die Gegend, ich haste hinterher und als ihnen, den Außerirdischen, das Spiel zu langweilig wird, landet alles in einer großen Pfütze.
‚Verdammte Scheiße!’ schreie ich aus vollem Hals.
Mein Nachbar schaut aus der Tür, schüttelt den Kopf und murmelt etwas vor sich hin. Hört sich an, nach: ‚Die von nebenan spinnt schon wieder rum.’ und will wieder ins Haus gehen. Das finde ich gemein! ‚Das sind die Außerirdischen!’ rufe ich. ‚Sie verfolgen mich schon den ganzen Tag! Ich weiß nicht wie ich sie loswerden soll!’
‚Martha!’ höre ich ihn seine Frau rufen. ‚Das musst du dir mal ansehen.’
Schnell verschwinde ich in meiner Wohnung. Knalle die Tür hinter mir zu, lehne mich heftig atmend von innen gegen sie. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich muss sie loswerden. Hektisch blicke ich um mich. Nichts zu sehen. Ich schleiche in jeden Raum. In meinem Schlafzimmer kann ich meinen Wecker nicht entdecken. Sie haben ihn mitgenommen! Entführt! Einen einst harmlosen Wecker. Für 5,99 Euro mal vor Jahren bei Aldi gekauft. Oh nein, wie furchtbar.
Ich stutze. Was wollen die Außerirdischen mit meinem Wecker? Lösegeld erpressen? Mich jeden Morgen fertig machen, weil sie die Macht nun über mich haben? Ich hetze in die Küche. Auch mein Toaster ist weg. Sie wollen mich wahrhaftig verhungern lassen, schießt es mir durch den Kopf. Mein Blick irrt weiter herum. Ich raufe mir die Haare. Da kommt mir der Gedanke, dass die Außerirdischen wahrscheinlich auch meinen Fön mitgenommen haben. Damit sie ihn jeden Morgen, wenn ich mir die Haare zu fönen gedenke, soweit präparieren können, dass mir von dem unangenehm angebrannten Geruch ganz schwindelig wird und sie mich so langsam in ihre Gewalt bekommen. Nein! Nein! murmele ich immer wieder verzweifelt vor mich hin. Ich bin nicht mehr in der Lage aufrecht zu gehen, knie mich hin und robbe auf allen vieren durch meine Wohnung Richtung Tür. Ich muss hier raus. Ich muss die Leute warnen. Und ich werde mir einen anti-außerirdischen Toaster und einen anti-außerirdischen Wecker und einen anti-außerirdischen Fön kaufen. Dann werde ich mich hinter der Wohnungstür verschanzen, ihnen auflauern und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. ‚Ha! Ha!’ gröle ich vor mich hin. Sehe mich schon vollends ausgerüstet und bewaffnet sie überraschend zur Strecke bringend, als mich die Klingel auffahren lässt.
‚Oh Gott’, entfährt es mir ein weiteres mal. Sie sind schneller als ich, sie haben meine Gedanken gelesen, wissen, dass ich mich von ihnen nicht fertig machen lassen will und nun klingeln sie hier und fahren schweres Geschütz auf.
Ich rappele mich auf, versuche mein Haar ein wenig zu richten, streiche mir über mein Gesicht, setze den trotzigsten und willensstärksten Blick auf, der mir gelingt; reiße die Tür auf. Vor mir steht der Hausmeister. Und wieder: ‚Oh Gott!’ sage ich. Und denke blitzschnell: ‚Auch ihn haben sie bestimmt für sich vereinnahmt.’
‚Meine Jüte, Frau Schaluppe...’ sagt er zu mir. „Sie sehen aber jar nich jut aus. Dat Wetter, wa? Dat Pieselwetter macht einen ja auch janz schon mürbe. Wollte ihnen nur kurz Bescheid jeben, dat wir die Nacht nen Stromausfall hatten. Jetzt spinnt die janze Elektrik. Denken se sich ma nix dabei, wenn was nich janz so hinhaut heute. Wollte den Schaden reparieren. Bin noch nicht dazu jekommen. Aber morgen früh läuft dat alles wieder. Denn machen ses mal jut. Tschüüß.“
Ich schließe völlig fertig die Tür. Sinke in mich zusammen. Mein Blick fällt zur Ablage auf der Kommode. Dort liegen Wecker, Toaster, Fön. Hatte ich heute morgen dort abgelegt.
Ich glaube, mein hysterisches Lachen muss selbst bis zu Martha durchgedrungen sein.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-02 14:49:57 mit dem Titel Ein toller Tag
Ein toller Tag
\"Nu komm schon, Trude, trau dich!\" Herbert winkte seiner Gattin zu. Sie war skeptisch. Was sollte das denn? Ihr Herbert hatte sich einfach so mir-nix-dir-nix ein Auto ausgeliehen. Sollte eine Überraschung sein. Er kam nach Hause, trat in die Küche und meinte, es wäre Zeit, mal etwas verrücktes zu unternehmen. Nun ist die Tatsache an sich, sich ein Auto auszuleihen um damit den ganzen Tag in der Gegend herum zu fahren nichts besonderes. Für Herbert aber schon. Und für Trude erst recht. Beide waren nicht mehr die Jüngsten, teilten sich ihren Alltag miteinander und mieden jede Art von Aufregung. Will heißen: es gab weder Hochs noch Tiefs in ihrem Leben.
Und nun das. Trude sträubte sich. Das war etwas, das sie nicht einordnen konnte. Mit dem Küchentuch in der Hand strich sie nervös über den Tisch, dann sich wieder über die Stirn. Herbert stand strahlend vor ihr und fand, dass \"das überhaupt die genialste Idee sei, die er jemals gehabt hatte.\" Er schob Trude aus der Küche, bugsierte sie umständlich ins Schlafzimmer, öffnete ihren Kleiderschrank und sagte: \"Los, Trude, zieh dir was flottes an!\" Trude klappte der Unterkiefer herunter. Sie schaute an sich herunter, dann in den Spiegel, der neben dem Schrank hing. Dort blickte ihr ein etwas aus der Form geratener Frauenköper entgegen. Mächtiger Busen, eine wogende Hüfte, kurze dicke Beine und mindestens drei Taillen, so sehr sie sich auch streckte.
Trude lächelte gequält. \"Herbert!\" setzte sie an. \"Was meinst du denn was sich in diesem Schrank hier befinden sollte, das mich flott aussehen lässt?\"
Herbert schlug sich auf die Oberschenkel, er lachte. \"Du hast recht! Nichts kann dich flotter machen, als dein Küchentuch in der Hand!\" scherzte er. Trude verzog ihr Gesicht. Er aber nahm sie am Arm und schaute ihr liebevoll in die Augen. \"Komm! Dann haben wir wenigstens ein Ziel. Wenn du meinst, du hast hier nichts flottes anzuziehen, dann fahren wir los und kaufen wir dir etwas!\"
Und bevor sie sich eine Antwort überlegen konnte, schob er sie aus dem Schlafzimmer hinaus. Nach draußen vor das Haus. \"Schau!\" meinte Herbert. \"Wie findest du ihn?\"
Sie standen vor einem metallic grün glänzendem überdimensional großen Geländewagen; riesige Räder, eine Ladefläche, auf der man wahrscheinlich eine ganze Herde Tiere unterbringen konnte.
Wäre Trudes Unterkiefer in der Lage gewesen, noch weiter herunter zu klappen, hätte er es sicher getan. So aber hing er da unten, sehr weit unten, und Trude sagte gar nichts mehr. Sie schaute ihren Herbert an. Der nickte, machte eine einladende Handbewegung und öffnete galant die Beifahrertür. \"Bitte einsteigen.\" flötete er.
Unschlüssig drehte sich Trude vor der geöffneten Tür. Sie schaute zum Sitz, der sich ungefähr in der Höhe ihrer Hüfte befand. \"Wie soll ich denn da reinkommen?\" Herbert umfasste ihre breiten Hüften und meinte: \"Ich helfe dir.\" Trude griff nach einer Halterung, die an der Tür befestigt war und versuchte sich hoch zu ziehen. Herbert schob sie von hinten, wurde puterrot im Gesicht und ächzte verstohlen. Er drehte sich, stemmte seinen Rücken gegen ihr Hinterteil, wurde noch roter im Gesicht, ächzte nun hemmungslos und schob, als ginge es um sein Leben. \"Hepp!\" rief er mit letzter Kraft und Trude war im Wagen. Zwar nicht gerade in optimaler Sitzposition, sie hing bäuchlings über dem Polster, aber immerhin war sie drin. Schnell schlug Herbert die Tür zu und lief um den großen Wagen herum. Behände schwang er sich auf den Fahrersitz, griff Trude unter die Unterarme und zerrte sie weiter ins Wageninnere. Sie schlug mit der Stirn auf die Kupplung, stöhnte und wollte schon zu einem Fluch ansetzen, als Herbert ihr zurief: \"Du machst das richtig klasse! Ich bin stolz auf dich.\"
Nehmen wir es als Motivation, die Trude gerade jetzt nötig hatte, jedenfalls schaffte sie es, sich aufrecht hin zu setzen und einen Blick durch die Frontscheibe zu werfen. \"Boh!\" entfuhr es ihr ganz ungewohnt, \"ist das... also das ist ja...\" \"Geil!\" rief Herbert. \"Ich meinte hoch.\" Trude versuchte einen missbilligenden Blick aufzusetzen, schmunzelte aber dann und meinte: \"Jo! Es ist geil! Fahren wir jetzt los?\"
\"Ach Trude,\" lachte Herbert, während er den Zündschlüssel drehte, \"jetzt weiß ich auch wieder, warum ich dich vor 35 Jahren geheiratet habe.\"
Trude versuchte in einem Anflug von Kessheit die Beine übereinander zu schlagen. Sie stieß mit ihrem Knie gegen das Handschuhfach und zog ruckartig ihr Bein zurück. Herbert schaute kurz zur Seite. Er achtete auf die Straße, in die er gerade abbog, tätschelte dabei Trudes Bein. Nun war das gerade jenes, welches anfing leicht an zu schwellen. Trude litt schon Jahre unter Wasseransammlungen und der kurze Stoß trug schon ein wenig dazu bei, ihre gute Laune kurzfristig zu drosseln. Sie schob Herberts Hand weg, versuchte tapfer zu lächeln und schaute sich im Auto um.
\"Was ist denn das hier?\" Sie zeigte auf einen kleinen roten Hebel. \"Oh. Der ist zum... Halt! Stop! Warte!\" Da hatte ihn Trude auch schon in der Hand. \"Sorry, ich wollte ihn nicht abreißen. Habe doch wohl auf meine alten Tage noch mehr Power, als ich dachte. Was passiert denn jetzt?\" Herberts Mine verdüsterte sich ein wenig. Das Verdeck, eine einmalige Sonderausstattung des Geländewagens und absoluter Prototyp, fing an leicht zu surren und sich sachte zu öffnen. \"Wow!\" rief Trude. \"Ist das ein Cabrio?\" Sie staunte. Aber nur kurzfristig. Ihre Haare wirbelten auf, der Wind blies ihr ins Gesicht und sie kniff ihre Augen zusammen. Sie waren inzwischen auf der Schnellstraße, etwa bei Tempo 150. \"Mach das wieder zu!\" schrie sie. \"Ich fliege sonst weg!\" Leichte Hysterie schwang in ihrer Stimme mit.
\"Das geht nicht!\" schrie Herbert zurück. \"Du hast den Hebel in der Hand. Versuche, ihn wieder anzubringen, sonst bleibt das Verdeck offen.\" \"Ich?!\" Trude schaute auf den Hebel in ihrer Hand. Sie wusste nicht was sie machen sollte. Aber sie begriff, dass sie verantwortlich zeichnete für die ungewollte und heftige Frischluftzufuhr.
Mit der Zunge im Mundwinkel griff sie zur Mittelkonsole, dort wo kurz zuvor noch der Hebel steckte. Mühsam rückte sie ein Stück weiter nach vorne. Sie tastete mit ihren dicklichen Fingern an der Konsole entlang, fühlte ein Loch und versuchte, den Hebel dort hinein zu stecken. Es \"ploppte\" ein wenig dann rutschte der Hebel zwischen die Sitze. Trudes Finger steckte noch in dem Loch. \"Herbert! Halt sofort an!\" \"Was ist denn Trude? Funktioniert das nicht mit dem Hebel? Dann lass es eben. Fahren wir halt offen.\"
\"Mein Finger! Herbert! Dieser Scheiß Hebel interessiert mich nicht. Ich will meinen Finger wieder haben.\" Sie schluchzte auf. Das war zuviel. Herbert schaute kurz zur Seite, zu Trude, dann wieder nach vorne, konzentrierte sich auf die Straße. \"Ich kann jetzt hier nicht anhalten.\"
\"Herbert!\" Trude saß immer noch leicht nach vorne gebeugt, ihren Finger im Loch, die Haare flatterten unschön im Wind, Tränen liefen ihr die Wangen hinunter. Herbert hielt das große Lenkrad mit der linken Hand, mit der rechten griff er zu Trudes Arm und zog daran. \"Au!\" \"Ruhig.\" sprach er, den Blick weiter auf die Straße gerichtet. \"Ganz ruhig, Trude. Du darfst dich nur nicht aufregen. Dann haben wir deinen Finger gleich wieder raus.\"
\"Ich rege mich aber auf!\" Herbert zog weiter, Trude schrie und als Herbert nicht weiter wusste, ihm das Schreien aber anfing zu stören, da buffte er ihr einfach unsanft in die Seite. Trude hielt kurz inne, holte Luft und siehe da, der Finger löste sich, sie zog ihn hinaus, setzte sich wieder zurück und ein äußerst grimmiges Gesicht auf.
\"Schlimm?\" fragte Herbert vorsichtig. \"Lass mich in Ruhe!\" fauchte Trude. \"Ich will sofort wieder nach Hause. Was für eine dusselige Idee von dir mit diesem gefährlichen Auto zu fahren!\" Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
Schweigend fuhren sie weiter. Trudes Haare wirbelten heftig, Herbert demonstrierte gute Laune. \"Schau! Da vorne ist eine Tankstelle. Da halten wir an. Du machst dich wieder flott und ich erkundige mich nach dem nächsten Laden, da kannst du dir dann etwas aussuchen. Zum Anziehen.\" \"Mmh.\" grummelte Trude immer noch, aber nicht mehr gar zu grimmig. \"Und was ist mit dem Verdeck?\"
\"Ich werde gleich, wenn wir anhalten, den Hebel unter den Sitzen hervor holen und ihn wieder befestigen. Keine Sorge!\" Er lächelte und fand immer noch, dass es ein prima Tag sei.
Das mit dem Hebel war Fehlanzeige, zwar fand Herbert ihn wieder, er steckte ihn auch in das Loch, doch dass das Verdeck sich schloss, blieb ein frommer Wunsch.
Herbert ließ sich seine gute Laune nicht verderben. \"Es ist unser Hochzeitstag, Trude! Das Wetter ist fantastisch, die Sonne scheint und komm, ich helfe dir, wieder in das tolle Auto zu steigen.\"
Beim letzten Satz entglitt ihm das Lächeln denn doch ein wenig, zugegeben. Doch Herbert war Herbert. Er hievte seine Hilde ins Auto.
Kaum waren sie wieder auf der Schnellstraße, zog sich der Himmel zu, verdüsterte sich und ... Regenguss ist, - glaube ich -, gar kein Ausdruck. Es war also mehr nötig, als Trude flotte Sachen zu kaufen. So oder so.
Machen wir es kurz:
Zielstrebig steuerte Herbert eine Werkstatt an, um zu erfahren, dass das Trockenlegen des Wagens ein paar Tage in Anspruch nehmen würde und eine Vorauszahlung speziell des Hebels und des Verdecks wegen keine Ausnahme sei.
Nachmittags, in einer sehr teuren Boutique, wenn seine Trude strahlend aus der Kabine kam, um ihm die neuen Sachen vorzuführen, hielt er sich noch relativ wacker. Später meißelte sich ein leicht säuerliches Lächeln in sein Gesicht, als Trude ihm entzückt im Nobel-Schuhladen an der Kasse drei große Kartons in die Arme legte. Und die Stunden, die Trude sich im Frisiersalon gönnte, starrte er nur noch stumpf vor sich hin. Seine Scheckkarte zückte er schon automatisch.
Als sie gegen Abend mit dem Taxi in das Hotel fuhren, das er auf Bitten von Trude buchte, war der \"prima Tag\", in die Kategorie gerutscht: Tage, die man aus seinem Leben streicht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-06 14:51:46 mit dem Titel Heiß gemacht
Es war wirklich kein schöner Anblick, wie Rene da so lag. Seine Augen schauten verwundert, sie waren groß aufgerissen und brachten das blau gut zur Geltung. Nur, dass es in diesem Moment unwichtig schien. Seine dunkel blonden Haare waren zerzaust. So, als ob ihm jemand in seinem Schopf herum gewühlt hätte. Das helle T-Shirt harmonierte hervorragend mit der schwarzen Jeans. Alles in allem konnte man behaupten das Wort ordentlich passte zu Rene.
Was das Gesamtbild störte, war die Tatsache, dass er sich nicht bewegen konnte und Model hätte stehen können für eine perfekte Leiche. Nur das Blut an seinen Händen wirkte abstoßend.
Gesa ging langsam um ihn herum, besah ihn sich von allen Seiten, hob den Zettel auf, der neben ihm lag, nickte zufrieden mit dem Kopf, drehte sich um und ging. Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Diese Ära ihres Lebens war zu Ende.
Es war ein sonniger Sonntagmorgen, an dem Rene gut gelaunt in die Küche ging und sich einen Kaffee aufsetzte. Er war mit sich und der Welt zufrieden. Niemand störte ihn, er hatte sich ein kleines Reich geschaffen, in dem er lebte. An sich war er ausgeglichen. Allerdings nur, wenn er es auch wollte. An manchen Tagen musste er einfach leiden. Selbstmitleid. Oh ja, darin war er ganz perfekt. Ein langes Training lag hinter ihm. Ja, so konnte man es wohl nennen. Ging es ihm zu gut, dann legte er sich eine Pseudo-Depression zu und litt. Er litt, so gut konnte man wahrscheinlich nicht einmal in Hölle leiden. Alles, was zu einem ausgereiftem Selbstmitleid dazu gehörte trat auf. Tränen natürlich, sich Wunden hinzufügen, sentimentale Musik, sich ins Bett verkrümeln, um sich die Decke über den Kopf zu ziehen... aber nicht ganz... schließlich konnte das Telefon klingeln... und da war es die perfekte Abrundung, wenn man jemanden mitteilen konnte, wie schlecht es einem ging und deshalb nicht in der Lage sei, zu telefonieren.
An besonders intensiven Tagen des Selbstmitleids musste natürlich noch eine halbe Flasche Whiskey herhalten. Nur eine halbe, denn er wollte ja nicht übertreiben und sparsam war er in gewisser Hinsicht auch.
Es kam so, wie es kommen musste. Seine Selbstmitleidtage reichten ihm nicht mehr aus. Was tun? Da lief ihm Gesa über den Weg. Sie hatte eine gute Figur, war nett und hatte eine ansprechende Art. Kurz: fast etwas fürs Herz. Aber eben nur fast. Denn Rene hatte einen Plan.
Er umgarnte sie, schmeichelte ihr, machte Komplimente, gaukelte ihr tiefste Liebe vor. Sie war eine Frau, die mitten im Leben stand und nicht so einfach zu täuschen. Doch letztendlich siegte sein Charme. Sie verliebte sich und war glücklich, wie lange nicht mehr. Wieder einmal perfekt. Er spielte seine Rolle hervorragend. Sie für sich zu gewinnen war ein gefährliches Spiel. Er musste aufpassen, durfte sich keine Fehler erlauben.
Es gingen drei Monate ins Land, bis er sich sicher war, dass sie an die große Liebe glaubte. Das war es, was er wollte. Nun konnte er anfangen an ihr herum zu mäkeln, hielt Verabredungen nicht ein und zeigte sich plötzlich unsicher, ob er lieben könnte.
Stolz durchflutete ihn, wenn er darüber nachdachte, dass er dabei sehr geschickt vorging. Denn die ganze Dosis verabreichte er nicht. Stückchenweise ließ er sie leiden, stieß sie zurück und immer, wenn er meinte, nun würde sie aufgeben, dann holte er seine Rolle hervor, sendete Liebessignale vom feinsten, schickte ihr einen Brief, in dem er seine Liebe schwor, rief an, um ihre Stimme zu hören.
Und dann setzte er den Todesstoß. Auf einem Hoch, das, genährt von Hoffnung, sie glauben ließ, es würde letztendlich eine große Liebe werden, die voller Harmonie stecken könnte, da wurde er kalt.
Ein kurzer Anruf nur genügte. Mit einer Stimme aus Eis sagte er ihr, dass er wütend wäre, weil sie einfach nicht wahrhaben wollte, dass er nichts von ihr wollte. Er fragte, warum sie den Brief, geschrieben von vor drei Wochen, nicht beantwortet hätte. Schließlich stände da ja klar und deutlich, dass es vorbei wäre. Ein verächtlicher Laut noch kam aus dem Telefonhörer, dann war die \"Sache\" für ihn beendet.
Gesa war zunächst am Boden zerstört. Hilflosigkeit und Wut vermischten sich mit ihren Tränen. Sie hatte jemanden kennen gelernt, den es gar nicht gab. Ganz langsam formten sich die Erinnerungen zusammen. Nun, nachdem ihr Kopf klarer wurde, begriff sie, dass sie ein Spielzeug gewesen war.
Sie, die nie damit gerechnet hatte, dass ihr so etwas passieren könnte, war so perfekt hinein gezogen worden in dieses grausame Spiel, dass sie die Kulissen zu spät erkannte.
Es war fatal. Die Tatsache nämlich, dass Rene sich ausgerechnet Gesa ausgesucht hatte. Er, der stolz darauf war, seine Intelligenz für grausame Akte zu benutzen, hatte etwas ganz entscheidendes übersehen.
Gesa war die falsche Person in dem Stück. Er hätte eben genauer recherchieren sollen. So wiegte er sich in Sicherheit und genoss seine wieder gewonnene Zufriedenheit. Selbstverständlich leistete er sich weiterhin seine Selbstmitleidtage, die nun natürlich im Freundes- und Familienkreis noch besser ankamen. Der arme verlassene Mensch, der leider an die falsche Frau geraten war. Tja, man passte eben nicht zusammen, was wirklich schwer wiegte.
Gesa ließ ihm Zeit. Sehr lange. Geduld gehörte dazu. Sie wartete ein Jahr, bis sie der Meinung war, dass der richtige Zeitpunkt bevor stand. Er ließ sich so genau berechnen in seiner Art. Das war das hervorragende an ihm. Sich nicht berechnen lassen wollen, und somit berechenbarer zu sein, als er wusste.
Sie schickte das Päckchen mit der Post. Es war handlich, hübsch verpackt und ohne Absender. Sie beobachtete ihn heimlich, als er es abholte, ging ihm nach und betätigte, als er durch den einsamen Park den Weg nach Hause einschlug, einen Minisender. Das Päckchen in seinen Händen gab ein leises Klingeln von sich. Sie schmunzelte, als sie sein verwundertes Gesicht sah.
Auf das Klingeln folgte eine Stimme. Der kleine Rekorder in dem Päckchen funktionierte. Die Stimme forderte ihn auf, nach zu schauen. Wies auf den Inhalt hin. Das technische lag ihm schon immer am Herzen und dieses Päckchen weckte seine Neugierde. Er wollte wissen, welche Überraschung ihn da erwartete, setzte sich auf eine Bank, löste vorsichtig die Klebestreifen an den Seiten und öffnete den Deckel. Ein Blatt Papier lag oben auf. Mit den Worten: \"Du hast dir die Finger an mir verbrannt. Gesa.\"
Sie konnte sehen, wie er belustigt den Zettel zur Seite legte und mit beiden Händen nach dem eingepackten Rekorder griff. Auf diesen Moment hatte sie lange genug gewartet. Sie zitterte noch nicht einmal dabei, als sie einen weiteren Knopf an ihrem Minisender betätigte.
Kein lauter Knall, mehr ein Zischen ein anfangs leichtes Kribbeln in den Händen, er begriff nur langsam den Stromschlag; dann schoss eine Stichflamme hervor. Ungläubig schaute er auf seine blutigen Hände, dann nach oben, genau in ihre Augen. Er erhob sich, taumelte auf sie zu und fiel nach hinten.
Er würde überleben. Aber sich ewig an sie erinnern müssen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-09 21:06:55 mit dem Titel Ungeliebt
Hannas äußerliche Erscheinung war chic. Gepflegt, selbstbewusst, unaufdringlich. Durch ihre freundliche Art kam auch niemand auf den Gedanken ihr Arroganz oder dergleichen anzudichten. Sie versuchte gut zu sein, soweit möglich alles richtig zu machen und im Grunde ihres Herzen sehnte sie sich danach sich an einer starken Schulter anlehnen zu dürfen. Nicht, dass sie darunter litt, ihr Leben alleine zu meistern. Oh nein. Das wahrlich nicht. Nur von allen so eingeschätzt zu werden, dass ihr nichts fehlte, das belastete sie mitunter. Phasenweise kam es ganz stark durch. Dann lag sie in ihrem Bett. Abends. Abgekämpft und ausgepowert. Dann, wie gesagt, kam es mitunter ganz heftig über sie. Sie lag da, weinte, schluchzte und war froh, alleine zu sein.
Dann wieder kam die Zeit, die eigentlich überwiegte. Fröhlichkeit, Ausgelassenheit, Mut, Optimismus und viel viel Lachen. So mochte sie sich selbst am liebsten. Und das war ihr Sinn. Ihr Lebenssinn: Sei gut drauf und versuche, das Leben zu genießen.
Sie erreichte ein relativ beachtliches Alter. Ihr Tod kam sanft und sie hatte das Gefühl, der Lebenshauch glitt ihr vorsichtig von der Hand. Sie lächelte, schloss die Augen und die Ära Hanna war vorbei.
Ein langes Leben, in dem scheinbar alles in Ordnung war. Nun war der Nachlass zu ordnen. Es fanden sich Angehörige ein. Sie stritten sich. Nicht unbedingt um ein eventuell vorhandenes Erbe. Vielmehr hatte niemand so richtig Lust, ihren spärlichen Haushalt aufzulösen. Die Erwartung, dass sich etwas wertvolles darunter befand, war mehr als gering.
Schließlich tauchte eine alte Freundin auf. Ella. Sie übernahm die \"Auflösung\". Man zeigte sich dankbar, ging und vergaß. Die alte Freundin wusste, dass das ganze Leben, das Leben von Hanna, dessen Reste sie nun wegzuräumen die Aufgabe hatte, zum größten Teil in niedergeschriebenen Gedanken vor ihr lag.
Ella war verunsichert. Inwieweit durfte, sollte sie sich der \"Privatsphäre\" widmen? Doch um der guten alten Zeiten willen, schaute sie alles gründlich durch. Es waren unendlich viele schriftlich festgehaltene Gedanken, deren Erlebtes beeindruckte.
Viel Leid, viel Entbehrung und nie das, was sich Hanna erhofft hatte. Wenn andere von Reichtum träumten, so stach hier heraus, dass bis zum Tode daran geglaubt hatte, dass sie geliebt werden würde. Doch das schien Hanna nie vergönnt zu sein. Und das schlimmste daran war, dass sie nie verstanden hatte, warum dem so war. Wieder und wieder hatte sie rekonstruiert, was sie gemacht, gesagt, getan hatte. Ihr ganzes Leben lang. Sicherlich war nicht immer alles richtig, aber etwas schwerwiegendes war nicht dabei. Und dabei hatte sie so gehofft, dass ein einziges mal jemand, der sie aufrichtig liebt, ihr auch gesagt hätte, dass dem so ist.
Hannas letzter Tagebucheintrag lautete: Ich weiß, dass ich sehr bald die Augen für immer schließen werde. Ich habe vieles geschafft und erreicht in meinem Leben. Schwierigkeiten und Hürden gemeistert. Aber nie hat mich jemand geliebt und mir das voller Überzeugung geradeaus in die Augen schauend gesagt. Das finde ich bedauerlich. Führt mich aber zu der Erkenntnis, dass ich nun einmal nicht liebenswert war. Warum auch immer. Werde ich es in dem anderen Leben, das folgt, nachdem ich nicht mehr auf Erden weile, erfahren? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wenn nicht, dann sollte es eben nicht so sein.
Da wünschte ich mir, ich könnte an die Wiederauferstehung glauben und versuchen etwas besser zu machen. Denn tue einem Menschen alles Böse an. Er schafft es, damit klar zu kommen. Aber lass ihn sterben, ohne jemals von Herzen geliebt zu werden. Ohne, dass es ihm jemals gesagt wurde, dann hat er etwas falsch gemacht oder alles. Was auch immer.
Ella schloss Hannas Tagebuch. Sie hatte ihre Freundin geliebt. Es ihr auch gesagt. Aber sie wusste, das war es nicht, worum es Hanna ging.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-18 21:23:42 mit dem Titel Zu wenig Zeit - (Kassensyndrom?)
Eigentlich gehe ich gerne einkaufen. So auf einen Samstag herum bummeln. Mit Zeit und evtl. noch Geld im Portemonnaie, zwischendurch einen Kaffee schlürfen, Leute treffen. Das ist doch toll! Nur leider meistens Utopie.
Ehrlich gesagt, laufen meine \"normalen\" Einkaufstouren ganz anders ab. Immer unter Zeitdruck, weil Kind kommt aus der Schule oder ein Zahnarzttermin steht bevor. Unterwegs nur rote Ampeln, Einkaufszettel vergessen und Kühlschrank wieder mal leer, aber der Rest der Familie möchte ja etwas zu Mittag essen. Dann rase ich zum Supermarkt, der auf meiner Laufstrecke liegt, freue mich, wenn ich auf Anhieb einen Parkplatz kriege. Und meistens stehe ich atemlos vorm Einkaufswagen, friemele den Chip in denselbigen, damit ich starten kann.
Irgendwann kam für mich der Zeitpunkt, da stand ich, beide Hände am Griff des Einkaufswagens, mein Herz bubberte vor lauter Hektik, und dachte: Nö! Das kann es nicht sein. Shit auf wenig Zeit. Ich möchte in Ruhe einkaufen. Die Zeit nehme ich mir jetzt einfach und so schlenderte ich gemütlich durch die Gänge. Ich überlegte vor fast jedem Artikel, ob ich den brauche oder ob der wohl nicht auf meiner Einkaufsliste, die zuhause auf dem Küchentisch lag, steht. Es tat gut. Ich wurde immer ruhiger und kam mir schon fast gelassen vor.
So denn stellte ich mich mit meinem reichlich gefüllten Wagen an der Schlange der Kasse an. Es war eine lange Schlange. Doch ich hatte mir vorgenommen, Zeit zu haben und träumte vor mich hin. Bewunderte die Blumen, die vor dem Kassenlaufband in großen Wassereimern prächtig anzusehen waren und wurde plötzlich heftig in die Seite gebufft. \"He! Mach hin hier! Das Warenband ist frei. Pack die Waren drauf!\" Unerhört, dachte ich. Doch ich kam wieder in die Realität. Vor mir schaufelte eine Frau mit hochrotem Gesicht ihre Einkaufsbeute aufs Band. Die Sachen flitzten bei der Kassiererin über den Scanner, dass es pausenlos piepte. So denn flitzte die Frau um ihren großen Einkaufswagen herum, um rechtzeitig am anderen Ende des Laufbandes die Waren aufzufangen und zurück in den Wagen zu bugsieren. In wahrer Rekordzeit. Mir wurde ganz schwindelig beim zusehen. Doch ich stellte fest, dass das Stück zwischen Scanner und Ende des Laufbandes sehr kurz war. Sie musste sich also so beeilen.
Aber nicht mit mir, beschloss ich. Ich lasse mich nicht mehr hetzen. Ich atmete tief durch, ignorierte den Seitenbuffer hinter mir und legte meine Einkäufe in aller Seelenruhe auf das Band. War ein geiles Gefühl die Blicke der anderen Leute zu ignorieren und ganz konzentriert auf jede Tüte und jede Verpackung meines Wageninhalts zu starren. Die Kassiererin trommelte nervös mit ihren Fingern auf dem Kassendeckel herum. Ich schaute sie harmlos zwischendurch an und konzentrierte mich weiter auf mein Tun. Eine Tüte nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Packung nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Flasche nehmen, auf das Band legen. Die erste Tüte erreichte endlich die Kasse und schwupp eingescannt, es piepte, zack zum Ende des Bandes. Ich hatte meinen Wagen nicht annähernd bis zur Hälfte geleert. Das Gemurmel um mich herum wurde lauter, meine Ignoranz entschlossener. Die Waren am Ende stapelten sich bedenklich hoch. Aus dem Augenwinkel heraus konnte ich das beobachten und dachte mir so: na, bezahlt habe ich noch nicht, die soll es wagen, meine Sachen am Ende herunter fallen zu lassen. Denn stoppte das Gepiepe vom Scanner abrupt. Kein Platz mehr zum Stapeln. Aber ich stapelte noch. Eine Tüte nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Packung nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen. ..
Ich ließ mich nicht hetzen. Ich schaute hoch und lächelte der Kassiererin breit ins Gesicht. \"Schönes Wetter heute. Hat noch gar nicht geregnet.\" Setzte ich an. Sie schaute grimmig zurück, deutete mit ihrer linken Hand zum anderen Ende des Laufbandes. Ich ging behutsam um meinen Wagen herum, zog ihn ein Stück hinter mir her und begann in aller Seelenruhe, meine Sachen wieder in den Wagen zu legen. Das schwere zuerst. Dann die leichten Sachen obenauf. Das gefrorene in eine Ecke, die Knabbersachen in die andere, damit ich das mit System in meine Einkaufstüten sortieren konnte.
Das gab natürlich ein wenig durcheinander. Da die Waren an sich ja schon kaum Platz hatten und ich nun \"mit System\" einpackte, wurde der Stapel auch nicht kleiner, das Ende des Laufbandes aber auch nicht länger. Es verging eine ganze Weile, bis ich alles verstaut hatte. Der bitterböse Blick der Kassiererin, von den übrigen Kunden schaute ich niemanden so direkt an, traf mich denn doch. Meine sensible Ader kam ganz heftig zum Vorschein. Ich schluckte.
Aber ich fand es toll, so ruhig zu sein. Nachdem ich bezahlt hatte, zog ich meinen Wagen ein wenig von der Kasse weg und schaute mich um. Boh, was für eine Hektik. Die Leute mussten wohl meine Ruhezeit wieder aufarbeiten. Mensch Leute, macht langsam, dachte ich mir.
Ein paar Tage später betrat ich wieder den Laden. Ich ging wiederum gemütlich durch die Gänge und murmelte vor mich hin: \"Ich lasse mich nicht hetzten!\" Schließlich muss man sich mal überlegen, wie oft ich die Sachen hin- und herpacke! Vom Regal in den Wagen, vom Wagen auf das Laufband, vom Laufband wieder in den Wagen, vom Wagen in die Tüten, die Tüten in das Auto. Vom Auto die Tüten in das Haus. Im Haus jedes einzelne Teil wieder auspacken. Das ersetzt doch jedes Krafttraining. Wenn ich allein bedenke, wie oft ich den sechs-mal-1 ½ Liter-Pack Mineralwasser kaufe! Das sind Gewichte!
Als ich jedenfalls diesen Tag am Ende der Schlange auftauchte, die übrigens dieses mal gar nicht sooo lang war, wie beim letzten mal, sah ich das entsetzte Gesicht der Kassiererin, sie hatte wohl immer mittags Dienst, und denn hörte ich ein schrilles Klingeln. Sofort öffnete sich eine Tür hinter mir, eine Frau schoss heraus und zur anderen Kasse und alle Kunden stoben mit Hast hinüber. Ich schüttelte verwundert den Kopf. Was die das so eilig haben! Nun gut, als ich meinen Einkauf bezahlte, war die lange Schlange an der anderen Kasse bereits verschwunden. Ich zuckte mit den Schultern.
So behielt ich es bei. Den ganzen Tag Hektik und keine Zeit, beim Einkaufen machte ich eine Erholungspause ohne Stress. Das Knurren der Kassiererin beeindruckte mich überhaupt nicht und außerdem hatte ich mich so daran gewöhnt, dass ich immer zur gleichen ging. Ich grüßte freundlich und lächelte, sie knurrte.
Und dann eines schönen Tages, ich schaute wieder dösend die Blumenpracht vor der Kasse an, klingelte mein Handy. Ich erschrak. Was ist denn nun los? Meine Tochter stand zuhause vor der Tür. Sie hatte den Schlüssel vergessen und war völlig aufgelöst. Ich konnte nicht aus ihr heraus bekommen, was passiert war, hatte aber das Gefühl, dass ich schleunigst nach Hause sollte. Flugs packte ich die Sachen auf das Laufband und hechtete zum Ende desselbigen. Die Kassiererin staunte, dann lächelte sie mich breit an und meinte: \"Schönes Wetter heute. Es hat noch gar nicht geregnet.\" Ich knurrte. In aller Seelenruhe zog sie eine Ware nach der anderen über den Scanner. Es piepte. Ich trommelte nervös mit den Fingern auf dem Ende des Laufbandes herum. Konnte die nicht ein bisschen schneller machen? Ich habe keine Zeit! \"Oh.\" Meinte sie plötzlich. \"Ich glaube, die Kassenrolle ist zuende. Moment, ich schalte auf Zwischensumme, dann geht es gleich weiter.\" Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Sie entnahm –muss ich erwähnen in aller Seelenruhe? - die Rolle und schaute sie verwundert an. \"Die ist ja noch fast voll. Warum hakt sie denn?\" Sprach sie vor sich hin. \"Was machen wir denn da?\" \"Wechseln oder weiter probieren.\" Zischte ich. \"Ich habe es eilig!\" \"Ach!\" Kam es. \"Das tut mir aber leid. Warten Sie, ich frage nur meine Kollegin, ob sie mir einen Rat geben kann.\" Sie stand auf und verschwand.
\"So etwas gibt es doch nicht!\" Rief ich verzweifelt. Ich konnte auch nicht raus aus dem Laden. Der halbe Einkauf lagerte bereits im Wagen, natürlich unbezahlt und ich trippelte nervös von einem Fuß auf den anderen.
Nach einer mir endlos erscheinenden Zeit kam die Frau wieder, eine neue Rolle in der Hand, sie lächelte immer noch breit, und steckte sie umständlich in die Stelle, wo sie hingehörte. Was soll ich lange erzählen, ich befand mich um einiges länger an der Kasse als zu meinen besten Erholungszeiten.
Fazit: Da der Laden immer noch auf meiner Laufstrecke liegt, kaufe ich immer noch da ein. Wie läuft es ab? Nun, mal lächele ich und \"meine Kassiererin\" knurrt.
Meistens jedoch, muss ich ja zugeben, lächelt s i e und ich knurre.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 13:07:31 mit dem Titel Sockenschuss mit Mücke
Normalerweise stimmt mich das immer traurig, wenn der Sommer vorüber geht und der Herbst da ist. Ich mag den Sommer. Und dass er dieses mal mit erheblichen Regenfällen durchsetzt war und mitunter auch ganz schön kalt, mag ja stimmen, aber eines war er: hell. Nun werden die Tage wieder so ratzfatz kurz. Und so früh dunkel!!!
Aber! Ich hätte es ja nie für möglich gehalten: das ist mir dies mal scheiß egal. Ich freue mich auf den Herbst. Den kühlen dunklen Herbst. Wirklich! Dieser Sommer hat sich nämlich, so sehe ich das, von seiner übelsten Seite gezeigt. So kenne ich ihn gar nicht. Er kann zu heiß sein, er kann zu nass sein, er kann zu kurz sein, er kann zu windig sein... alles schon gehabt und mit einem na ja... schon in Ordnung abgetan. Und? Was regt mich dieses mal so auf?
Die Mücken! Übel, wirklich übel. Nicht nur, dass sich wohl alle Mücken dieser Erde grundsätzlich bei mir zuhause allabendlich ein Stelldichein geben, sie haben es sich auch noch zur Lebensaufgabe gemacht, mich rigoros zu zerstechen.
Und –das muss man sich mal vorstellen- sie sind Fetischisten, die Mücken. Fußfetischisten. Anfangs dachte ich ja noch: läufst du eben nicht mehr barfuss herum. Doch bei 30° im Schatten? Oder nachts. Wer schläft denn da mit langer Hose und Socken? Da kommt wohl der Ausspruch des Sockenschusses her. Aber, das nur nebenbei.
Meine Füße, bedeckt mit lauter hässlichen, roten, juckenden Flecken, teils mit Bläschen durchsetzt. Bah! Und denn, als ich meinen Blick dort hinwerfe, wo sich meine ansonsten wohlgeformten Fußgelenke befinden, muss ich feststellen, dass sie nicht mehr existieren! Einfach weg, verschwunden, nicht mehr zu sehen. Statt der Fußgelenke sehe ich dort eine unförmige angeschwollenen Masse, die immer dicker wird.
Das finde ich nicht gut.
Zu diesem Zeitpunkt muss ich eigentlich los, da ich eine Verabredung habe. Aber diese angeschwollenen Füße ärgern mich und jucken fürchterlich, und sie hindern mich außerdem daran, ein normales Paar Schuhe darüber zu ziehen. So denke ich mir: fährst du eben bei der Apotheke vorbei und holst dir was zum drauf schmieren. Dann geht das wieder weg. Bestimmt.
Doch der Apotheker schüttelt nur den Kopf und meint: \"Ich verkaufe Ihnen nichts. Gehen Sie man lieber zum Arzt. Das sieht ja furchtbar aus!\" Na toll! Will ich das hören? Ich bin zeitknapp und werde leicht säuerlich. Jetzt noch stundenlang im Wartezimmer einer Praxis sitzen ist nun das letzte was ich so in Planung habe. Doch kaum habe ich meine Füße zwecks Anschauung auf die Theke der Anmeldung gelegt, werde ich sogleich ins Sprechzimmer weiter geleitet. \"Oops!\" entfleucht es mir. Der Doktor kommt und verschreibt mir heftige Gegenmittel gegen meine Allergie.
Echt schwer gebeutelt humpele ich zurück zur Apotheke und denn nach Hause. Nix mehr mit meiner Verabredung. Die Aussage: \"Fuß hochlegen, kühlen, einsalben und Tropfen nehmen, sonst droht Krankenhaus.\" hat mich kleinlaut gemacht.
Muss ich noch erwähnen, dass das Wochenende vor der Tür steht? So ein Mist! Ich bringe also meine freien Tage in fuß-hoch-lagernder Haltung hinter mich. Und ich leide! Vor Schmerzen und vor Wut. \"Diese Viecher sollte man ausrotten. Wer hat die bloß erfunden?\" fluche ich drei Tage vor mich hin. \"Vielleicht gibt es die ja nur, damit Spinnen etwas zu fressen haben.\", denke ich und allein deswegen lasse ich die eine fette, die vor mir über den Boden kriecht, am Leben. Und nicht, wie manch einer denken mag, weil ich mich vor ihnen ekele.
Und nun freue ich mich auf den Herbst. Ohne Mücken! Meine Füße nehmen langsam wieder eine Form an, mit der ich mich anfreunden kann. Meine Verabredung kann ich zwar gänzlich aus meinem Terminplan streichen, aber ich versuche positiv zu denken:
Der Herbst ist gar nicht schlecht, er wird mir gefallen. Dunkel ist schön.
Und wenn ich nun mit Socken schlafe, dann stimmen wenigstens die Temperaturen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-19 23:26:29 mit dem Titel Das Gebiss
Diese kleine Geschichte ist ein Kurz-Sketch, den ich vor kurzem schrieb um ihn anschließend mit jemand zusammen vorzutragen, als Einlage. Kam sehr gut an.
Das Gebiss
Das Telefon klingelte. Erwin nahm den Hörer ab. \"Schlurf?!\"
\"Hier ist die Zahnarztpraxis Dr. Wurzel. Dr. Wurzel am Apparat. Herr Erwin Schlurf?\"
\"Ja.\" kam es langsam
\"Hören Sie, Herr Schlurf, wir haben heute in unserem Briefkasten ein Gebiss gefunden. Vermissen Sie Ihres?\"
\"Nein. Ich weiß ja wo meins ist.\" nuschelte Erwin in den Hörer.
\"So, ich denke, ich weiß auch wo Ihres ist. Nämlich hier bei mir in der Praxis. Es liegt vor mir. Und ich bin der Meinung, so geht das nicht.\"
\"Aber Sie wollten sich doch meine Zähne anschauen.\" meinte Erwin. \"Wo ist das Problem?\"
\"Sicher wollte ich mir Ihre Zähne anschauen, aber doch nicht nur ihr Gebiss, Herr Schlurf!\"
\"Na, mehr Zähne habe ich aber nicht.\"
\"Herr Schlurf... wenn Sie einen Termin bei mir haben, dann gehe ich davon aus, dass Sie auch erscheinen, und nicht nur Ihr Gebiss.\" Dr. Wurzel wurde ungehalten.
\"Nun regen Sie sich doch nicht so auf. Morgen hole ich mir meine Beißer wieder ab und denn ist doch gut.\"
\"Herr Schlurf! Ich habe Ihnen schon beim letzten Mal gesagt, dass das so nicht funktioniert.\"
\"Ich weiß, und da bin ich denn ja auch vorbei gekommen. Wollen Sie mich jetzt schon wieder sehen?\"
\"Herr Schlurf!\" Dr. Wurzels Stimme wurde bedrohlich leise. \"Nachdem wir letztes mal Ihre Zähne eine gute Woche hier beherbergt haben, Sie letztendlich in meiner Praxis auftauchten, da habe ich Ihnen ganz genau erklärt, warum Sie beide – Sie und ihr Gebiss - gemeinsam kommen sollten.\"
\"Ach, und dieses mal wieder?\" fragte Erwin verwundert.
\"Ich fasse es nicht! Wenn Sie morgen früh um 8 Uhr nicht hier sind...\"
\"Dann?\" wollte Erwin wissen.
\"Dann... dann... können Sie sich ihre Zähne sonst wo hin stecken!“
\"Aber Sie schauen Sie sich doch vorher an...\"
\"Herr Schlurf! Treiben Sie mich nicht in den Wahnsinn!\"
\"Aber nein.\" meinte Erwin, \"Ich will Ihnen doch nur die Arbeit erleichtern. Sie können mein Gebiss in Ruhe anschauen, wenn Sie zwischendurch mal Zeit haben und ich brauche nicht so lange im Wartezimmer zu warten. Wissen Sie...“
\"Herr Schlurf!\" Dr. Wurzel schrie durch den Hörer. Erwin hielt ihn etwas ab vom Ohr, dann, als nur noch ein Keuchen kam, nahm er das Gespräch wieder auf.
\"Wissen Sie...\" redete er einfach weiter. \"Das ist doch der einzige Vorteil, wenn man Gebissträger ist, man kann sein Ersatzteil abgeben, wenn es nötig ist.\"
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-23 22:48:35 mit dem Titel Makellos
\"Oh Engelchen, mein Engelchen.... komm her zu mir....\" sprach der Spiegel zu der Feder, die langsam auf ihn zuschwebte. \"Dir kann nichts passieren. Komm nur her, sieh, hier kannst du deine ganze Schönheit betrachten. Ich werde sie dir zeigen. Sei frei und fühle einfach so, wie du meinst.\"
Die Feder war wunderschön. Sie leuchtete in einem fast unbeschreibbar schönen blau. Zarte Tupfen glitzerten silbern im Sonnenlicht. Sie wusste, dass sie sich sehen lassen konnte. Aber sie wusste auch, dass sie einen kleinen Fehler hatte. Ein winziger schwarzer Punkt zerstörte das Gesamtbild. Sie musste sich sehr geschickt drehen, damit er nicht auffiel. Durch ihr graziöses Schweben lenkte sie gekonnt von zu genauen Blicken ab.
Behutsam und sehr zurückhaltend schwebte sie auf den Spiegel zu. Eine große Verlockung... sich zu betrachten und der Ruf des selbigen klang so süß.
Hinter dem großen Spiegel, der am Wege stand, war nichts. Verloren wirkte er, einsam und doch aufrecht und selbstbewusst. Es war die Mischung, die ihn anziehend machte. Kaum jemand konnte ihm widerstehen. Jeder schaute ihn an, sich an.... und er war in der Lage sich von seiner besten Seite zu zeigen. Dass hinter seiner dünnen Oberfläche der Geist der Zerstörung inne wohnte, das machte ihm nichts. Er war so und redete sich ein, dass es so sein musste.
\"Ich bewundere deine Schönheit.\" Sprach er zu der Feder, die sich hingebungsvoll vor ihm drehte. Sich von allen Seiten betrachtete und weiterhin darauf achtete, den dunklen Fleck zu verbergen.
Er aber wollte alles sehen. Jeder hat einen Fehler. Das wusste er und ich werde ihn finden. Sie kann nicht perfekt sein. Es machte nichts, dass gewisse Fehler nicht schlimm sind. Er bemerkte ihr Unwohlsein, das sie zu verbergen suchte. Es war nicht einfach für ihn. Eine Herausforderung... er musste Zeit investieren.
Da sie aber schon fast wieder am wegschweben war, musste er sich etwas einfallen lassen. \"Komm, Schöne..... bleibe... Lange habe ich nicht so etwas Vollendetes wie dich gesehen.\" Geschmeichelt drehte sich die Feder noch einmal. Da sah sie ihren schwarzen Fleck im Spiegel blitzen. Kurz nur, aber sie sackte in sich zusammen. Nein, das wollte sie nicht sehen. Verzweifelt drehte si
Wunderbar. Schön viel Platz. Und ich kann vorher einstellen, welche Bräune mir vorschwebt. "Testen Sie man erst die mittlere Stufe. Wenn es nicht so richtig ist, dann nehmen wir das nächste mal die intensivere." wird mir empfohlen.
"Ah, Moment!" rufe ich noch, bevor ich mich in der Kabine einschließe. "Ich hätte gerne noch einen Kopfhörer zum Musik hören."
"Den gibt es nicht mehr."sagt die nette Mitarbeiterin. "Ist jetzt alles integriert. Nur bei diesem Gerät glaube ich, noch nicht. Habe ich zwar noch nicht selber darunter gelegen, aber..." derweil krabbelt sie in dem Gerät herum. "... aber nächste Woche ist das denn wohl auch drin." Na gut, denn ohne Musik. Werde ich auch überstehen.
Ich lege mich in dieses Monstrum. Natürlich habe ich zuerst ausprobiert, dass die Klappe nicht ganz zu fällt. Egal wie viel Platz da drin ist, auch wenn ich in dem Ding fast stehen könnte. Ein Spalt Luft muss frei bleiben.
Über mir funkeln Armaturen. Rote Knöpfe mit eindeutigen Bildern. Ein rotierender Ventilator zum Beispiel für die Luftzufuhr. Alles in Griffnähe. Ich muss mich nur ein ganz klein wenig strecken.
Schutzbrille habe ich natürlich auf der Nase. Dumm nur, dass ich durch die getönten Minifenster der Brille das rote Licht der Schalter kaum noch erkennen kann. Muss ich denn doch die Brille vorsichtig zur Seite schieben.
Ich versuche, den Startknopf zu betätigen. Bis ich den roten Pfeil auf rotem Untergrund einordnen kann, vergeht so einige Zeit. Plötzlich spricht eine Stimme zu mir: "Sie haben das Gerät manuell betätigt. Die automatische Startfähigkeit wurde somit nicht aktiviert." Aha.
Bin leicht irritiert. Immerhin bin ich im Solarium noch nie angesprochen worden. Das Gerät springt an und im selben Moment auch das Radio, das eigentlich gar nicht da ist. Im Verzeihen bin ich manchmal großzügig. So rege ich mich nicht weiter auf, freue mich an der Musikberieselung. Läuft auch grad keine Werbung oder Nachrichten auf dem Sender.
Mir wird schnell sehr warm. Und das auf mittlerer Stufe, geht es mir durch den Kopf. Ist ja merkwürdig. Da fällt mir auf, dass ich den Ventilator gar nicht angestellt habe! Ich ertappe blind den Knopf.
Da! Schon wieder die Stimme: "Sie haben die Luftzufuhr betätigt!"Ja, habe ich, denke ich kleinlaut. "Auf Plus, eine Stufe höher."höre ich weiter. Ich drücke noch einmal. Wieder höre ich: "Auf Plus, eine Stufe höher." Dann... Ruhe... Sekunden vergehen. Ich warte. Vielleicht kommt ja nun die Aufforderung die Rettungsweste anzulegen. Abrupt setzt die Musik wieder ein.
Ich zucke kurz zusammen.
Es ist immer noch zu warm. Ich tappe wieder nach dem Schalter. Damit mir aber nicht wieder der ganze Spruch des "Sie haben die Luftzufuhr betätigt. Auf Plus eine Stufe höher." entgegendröhnt, tippe ich schnell drei mal hintereinander auf den Knopf. Es kommt ein: "Sie haben die Luft... Sie haben die Luft... Sie haben die Luft..." und denn fast übergangslos wieder Musik. Toll! Man muss also nur schnell genug sein. Dann klappt das. Habe hier ja auch nicht endlos Zeit. 17 Minuten. Und ich weiß nicht, wie viel davon schon rum ist. Die Uhr über mir kann ich nicht erkennen. Auch rote Zahlen. Und die Brille auf meinen Augen schluckt das Rot immer noch sehr gut.
Man könnte fast sagen, dass ich nun entspannt liege. Ich streiche vorsichtig an meinen Beinen entlang. Mh, müsste ich auch mal wieder rasieren, denke ich so.
Mir fällt das Gespräch ein, das ich Tage zuvor mit einer Freundin führte. Ging um das Enthaaren. Dass Frauen aber auch immer soviel tun und machen müssen, um gut aus zu sehen, bzw. ihr gutes Aussehen auch zu pflegen.
Das mit dem Bräunen geht ja noch. Immerhin tut es nicht weh, man wird nur voll gequasselt. Aber das mit der Haarentfernung... Kennen Sie das? Ich habe das mal ausprobiert. Mit dem Wachs. Ist guuut!! Aber entschuldigt die Schmerzen auch nur, weil man Wochen ins Land ziehen lassen kann, bevor man nacharbeiten muss.
Wenn das man nur die Haare an den Beinen wären! Aber gibt ja noch mehr. Ich denke da so an das Schwimmbad, und dass mein neuer Bikini ganz schön knapp geschnitten ist. Sieht doch blöd aus, wenn er meine Figur vorteilhaft zur Geltung bringt und bei den Haaren keine Ausnahme macht. Da denn allerdings weniger vorteilhaft, sondern nur zur Geltung.
Wie gesagt, eine Freundin erzählte: "Wachs! Gar kein Thema. Alles sieht danach gut aus und du hast vier Wochen lang Ruhe."Na, toll! Für wie tapfer werde ich eigentlich gehalten? Scheinbar mehr, als ich mir jemals vorstellen konnte, rüber zu bringen.
Oder unter den Armen!? Ich schaudere! Tack, Wachs drauf, Klebepflaster drauf. Und dann? UH!!! Ne! Ich würde die restlichen Tage meines Lebens mit dem weißen Heftstreifen unter den Armen herumlaufen. Das tut doch weh!
"Aber du musst dir mal die Vorteile bewusst machen!" redete sie weiter. Mir egal, dachte ich mir. Da denk ich gar nicht weiter drüber nach.
Flupp! Macht es plötzlich, duster. Ich schrecke zusammen. Und schon wieder: Eine Stimme spricht: "Die Bräunungszeit ist beendet. Sie wurde automatisch nach 17 Minuten abgestellt. Wir hoffen, sie hatten einen angenehmen Aufenthalt. Besuchen Sie uns bald wieder."
Irritiert ist gar kein Ausdruck. Ich stehle mich, noch bevor die Stimme ihren Redefluss beendet, zu meinen Klamotten und sehe mich um. Werde ich vielleicht doch beobachtet? So ganz unbekleidet? Na, gebräunt bin ich ja.
Aber stellen Sie sich man vor, ich hätte die dusseligen Heftpflaster unter den Armen!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-16 22:10:26 mit dem Titel Marktforschung - Voll dabei
Geld ist immer knapp und als mich letztens so ein Marktforschungsinstitut anrief, sagte ich spontan zu. 50,- Euro für ein paar Fragen beantworten..... warum nicht? Es ging um eine Befragung zum Verkauf von Bier in Dosen an der Tankstelle. Da bringt eine Brauerei eine Bierflasche aus Kunststoff auf den Markt. Jetzt geht es um die Forschung, ob Bier in Plastik ankommt, ob es sich neben anderen Biersorten in Dosen behaupten kann und was die Vor- und Nachteile so einer Flasche sind. Ich soll mich also an einen riesigen Konferenztisch setzen und warten. Der Interviewer kommt gleich, heisst es. Ich sitze da ganz alleine im Raum. Schon kommt der nette junge Mann, schiebt eine Flasche Bier zu mir über den Tisch, setzt sich und meint: "Trinken" "Bitte? Ich dachte, ich soll hier ein paar Fragen beantworten und mir nicht einen hinter die Binde kippen. Nee, der meint das ernst. Also, Bierflasche auf.... und? Gar nicht so einfach, viel zu weich das Plastik. Ordentlich mit der Hand zugedrückt, am Schraubverschluß abgerutscht und schon schnackelt die Flasche das erste mal zurück zum Absender über den Tisch. Ähem! "Kann ich es nochmal probieren?" "Ja, klar, die Flasche kommt frisch aus dem Kühlschrank, ist ein bisschen glitschig, entschuldigen Sie bitte." Na macht nichts. Neuer Versuch, diesmal Flasche abgewischt und ein Papiertuch um den Verschluß gelegt.. und ordentlich drücken, fest umdrehen, den Verschluß natürlich, und schon läuft das Bier mir über den Ärmel und auf die Hose. Scheisse! Soviel schon mal zu den Nachteilen. "Und nun trinken Sie bitte und beantworten Sie die Fragen auf diesem Bogen." "Wie? Beides gleichzeitig?" "Nein, nein. Erst trinken Sie, dann beantworten Sie. Ok?" Habe verstanden. Skoll! Und die Fragen beantwortet. Und? Richtig, nächste Flasche auf den Tisch, rüber geschoben und "Wie schmeckt Ihnen dieses Bier? Und was sagen Sie zu dieser Flasche?" "Jooh, kipp ich auch weg, kein Problem." Fragen beantwortet. Wieder das nächste Bier auf dem Tisch. Puuh, habe nicht gedacht, dass das hier eine praktische Übung in Tankstellentrinken wird, ach! Hau weg die Scheisse! Fragen nicht mehr soooo ganz einfach beantwortet. Vorteile des Biertrinkens? Grins.... "Kost ja nix, prost!"
Dann stellt er so zehn Flaschen nebeneinander auf den Tisch.... "Sie wollen doch nicht etwa? Oder?" "Nein, nein. Welche gefällt Ihnen am besten, welche fällt Ihnen auf?" Joah, ischa nun nich mähr scho einfach, nee! Aber, isch jeb mein Beschtes, ups. Holsten knallt am dollsten!" lallt es aus mir heraus. Der Test gefällt mir langsam. "Darf ich Sie nun in einen anderen Raum bitten, wir haben da noch einen anderen Test aufgebaut." "Kein Problem. Durch welche Tür ist es?" "Nehmen Sie einfach die einzige." Peinlich, peinlich. Dann führen Sie mich am besten mal nach nebenan. Boooar hab ich einen sitzen, aber werde ja dafür bezahlt! So, letzte Hürde, letzter Schluck, 50,- Euro in der Tasche und lustig vor die Tür.
Es ist jetzt 18 Uhr, stehe mitten in der Stadt mit 50,- Euro in der Tasche, stinke nach Bier auf der Hose und bin stink besoffen. Paah, leicht verdientes Geld, rülps, geiler Job gewäsen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 21:47:35 mit dem Titel Festiger im Haar - wahre Begebenheiten
Es gibt so Dinge, die will ich einfach mal loswerden. Sagen wir mal so: ich schreibe lediglich mal auf, was mich so in letzter Zeit beflügelt hat. Wenn ich jetzt \'beflügelt\' schreibe, dann versuche ich schlicht und ergreifend ein Verniedlichungsform zu finden, um nicht ausfallend zu werden, okay?
Da kamen mir die Tage so zwei kleine Wesen entgegen, die ich in die Kategorie: ‚kenn ich irgendwoher, halten sich des öfteren in meiner Wohnung auf’ einordnete. Die Haare der beiden waren trocken, aber merkwürdig anzusehen. Es dauerte etwas, bis ich begriff, dass Haarfestiger auf ihren Häuptern klebte. Massenhaft und gut verteilt. Okay, okay, ich kann mir schließlich eine neue Tube von dem Zeug kaufen und kurzerhand das Problem der kleinen Wesen mit der Dusche lösen.
Doch was ist mit einer Tapete, die samt Isolierung zielgenau kaputt geschnitten wird? Und was machen die hyperteuren feuchten Domestostücher in der Schreibtischschublade eines kleinen Mädchens??? Mmh??! Sie lagern dort zum trocknen!
Sind ja nur ein paar klitzekleine Begebenheiten. Erlebe ich so dann und wann mal. Ha! Und letztens der Sprühkopf meines Deodorants : abmontiert und zweidrittel des Inhalts im Zimmer verteilt. Kann man gar nicht gegen an lüften. Und wenn meine Stimme daraufhin überreagiert, ist das mit dem offenen Fenster auch nicht so prall...
Sprechen wir man gar nicht von den diversen Kaugummis, die sorgfältig in
den Teppich gedrückt werden. Immer schön darauf bedacht, dass unterschiedliche Stellen als Klebepunkt verwendet werden, damit Abwechslung ins Spiel kommt.
Mal ehrlich, bin ich etwa pingelig? Habe keinen Sinn für Kinderhumor? Oder
besser ausgedrückt: dafür, dass Kinder sich \"entwickeln\" müssen und sollen;
und die Welt entdecken wichtig für sie ist? Mag ja alles sein, aber immer
auf meine Kosten!
Von den diversen Penatencreme-Veranstaltungen will ich ja gar nicht
sprechen! ... haben sie schon einmal versucht, das weiße Zeug aus den Haaren
zu bekommen? Das sollten sie einmal in der Werbung bringen! Wenn ein
Shampoo es auf Anhieb schafft, dagegen erfolgreich einzuwirken, das wäre d e r
Renner!
Kleine Mädchen und vorpubertäre Ansätze... fängt schon im ganz zarten
Kindesalter an. Da möchte zum Beispiel der Lippenstift ausprobiert werden! Er wird
um, nicht auf, die Lippen geschmiert. Und weil es eben so schön
schmiert, wird das restliche Zimmer gleich mitdekoriert. Zum Schluss
denn noch ordentlich den Reststummel Lippenstift fest in den Behälter gedrückt,
damit auch wirklich nichts mehr damit anzufangen ist, was auf den
ursprünglichen Sinn eines Lippenstiftes zurückzuführen ist.
Wenn ich denn daraufhin die restlichen Kosmetikartikel kindersicher verschließe, der Drang nach mehr aber nicht zu bremsen ist, denn wird statt Nagellack der dicke Edding 3000 verwendet. Natürlich der schwarze. Ist ja in! Und der hält! Vor allem so rund um den Fingernagel...
Sind ja nicht nur der Schönheitswahn und die Entdeckungslust. Nein, mitunter langweilen sie sich, solch kleine Wesen. Gaaaaanz gefährlich. Da ist doch so eine Kleiderstange, die harmlos in der Gegend herumsteht, um die frisch gebügelten Blazer, Kommunionskleidchen und diversen hochfeinen, empfindlichen Blusen aus dem zu engen Schrank fern zu halten, hervorragend dafür geeignet, um sich auch kreativ zu entwickeln. Wer ist am fingerfertigsten, und welche Ärmel passen farblich so gut zueinander, dass man sie fest miteinander verknoten muss? Schließlich braucht auch eine Mutter was zu tun, und bügelt natürlich gerne alles noch einmal... sofern sie alles wieder auseinander bekommt.
Ich hör schon wieder auf, sonst fallen mir noch die Slipeinlagen ein, die letztens an der Wand klebten. Weil da eben so ein leicht abziehbarer Klebestreifen dran ist.
Kinderleicht...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 23:02:39 mit dem Titel Funkenflug - ein rasanter Urlaub
Es gibt so Tage, da läuft irgendwie nichts so, wie ich mir das vorstelle. Das ist an sich schon übel aber noch übler finde ich, wenn mich so ein Tag im Urlaub erwischt. Nehmen wir mal meinen letzten Urlaub.
Wetter klasse, Strand herrlich weiß und das Meer.... einfach schön. Die Zeit zieht an mir vorüber, angefüllt mit Erholung, Spaß und Sonnenschein. Und so trifft es mich auch nicht all zu hart, als am zehnten Tag sich das Wetter nicht so urlaubsmäßig zeigt, wie ich es erwarte. Ich bin zwar ein Gewohnheitstier, kann mich aber auch unheimlich flexibel zeigen. Und so bleibe ich an diesem Morgen ganz spontan im Bett und beschließe, Wetter, Wetter sein zu lassen, mir ein Buch vor die Nase zu klemmen und zwischendurch ein Nickerchen einzulegen.
Ich lasse mich durch nichts stören. Wirklich durch nichts. Kein Radio dudelt, nicht einmal das Meeresrauschen dringt an meine Ohren und Frühstücksgelüste werden unterdrückt.
Ich beschäftige mich ausgiebig mit meinem Nichtstun....als es unangenehm pocht. Nein, nicht in meinem Kopf, von wegen der Abend vorher war süffig - nein es pocht an der Tür. Finde ich überhaupt nicht gut. Und ehrlich gesagt, es nervt. Nun wäre es ja ganz einfach dem Pochen ein Ende zu setzen. Ich müsste lediglich aufstehen und die Tür öffnen. Da es sich aber nur um das Zimmermädchen handeln kann, nehme ich es ihr nicht weiter übel. Sie will ja nur ihren Job tun. Irgendwann hört es auf und ich schlummere noch einmal ein.
Da klingelt plötzlich das Telefon. Wer hat diese Apparate nur erfunden, frage ich mich. Ich habe Urlaub!! Brummelig nehme ich den Hörer ab, weil sogar mir klar ist, dass das Klingeln somit schneller abgestellt wird. Die Rezeption. Na, klasse Hotel, denke ich, die sorgen sich um mich, weil ich noch nicht gefrühstückt habe. Schon setze ich mit meiner Bestellung an, da werde ich unterbrochen. Ob Senora nicht gedenkt, heute ab zu reisen. Die Frage als solche finde ich einfach nur unverschämt. Ich stelle unmissverständlich klar, dass mein Urlaub noch nicht zu Ende ist, und übermorgen kann das Zimmer gerne wieder belegt werden, füge ich noch großzügig hinzu. Ich höre eine Entschuldigung und lege zufrieden auf.
Doch irgendwie lässt es sich nicht mehr so ruhig herum gammeln. Nur, um dem Tag einen Sinn zu geben, stehe ich auf und suche das Ticket heraus. Ich lächele und suche siegessicher das Abflugdatum. Muss ich eigentlich noch berichten, dass mir sämtliche Gesichtszüge etwas unschön entgleiten?
In diesem Moment wird mir schlagartig bewusst, eine Zehn-Tage-Reise, statt der gewohnten Zwei-Wochen-Tour gebucht zu haben. Ich schlucke ...und schlucke noch heftiger, als mein Blick auf die Uhrzeit des Abflugs fällt; überlege blitzschnell, ob es möglich sei, in so jungen Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen. Zwei Stunden bis zum Abflug!!!!!
Ich schaue mich in meinem Zimmer um. Das sieht eigentlich aus wie immer, wenn ich im Urlaub bin. Sämtliche Klamotten flächendeckend verteilt, das Bad zeigt, dass es permanent benutzt wird, und...
...na ja, innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten stelle nicht nur einen Rekord im Packen auf, sondern auch darin, das Zimmer schneller auf zu räumen, als es mir jemals zu Hause möglich schien. Ich stopfe alles in meine Reisetasche, hechte zur Rezeption und verlange sofort ein Taxi. Das kommt denn auch ziemlich schnell. Es dauert gut eine Stunde Fahrzeit bis zum Flughafen. Allerdings nur unter der Bedingung mindestens 160 Stundenkilometer zu fahren und einer Motivationsvariante von umgerechnet 50,- Euro Trinkgeld.
Ich rase ins Flughafengebäude, erhalte meine Platzkarte und sprinte weiter ins Flugzeug. Erleichtert lasse ich mich auf meinen Sitz fallen. Na, das ist ja noch einmal gut gegangen. Eigentlich schade, den Urlaub so abrupt zu beenden,.... und dann, kurz bevor das Flugzeug beschleunigt, schießt mir noch durch den Kopf: wie ein Funken so schnell bin ich hierher gedüst, aber sind wir nicht zu zweit in den Urlaub geflogen........?????
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-18 13:41:53 mit dem Titel Außerirdische
Ein UFO, und das am frühen Morgen schoss es mir durch den Kopf. UFO? Hä? Denken Sie... na ja: Es dröhnte, es hämmerte, ich konnte es nicht einordnen. Ich fühlte mich bedrohte; eine unbekannte Macht. Was war das? Es schrillte und ich kam langsam zu mir. Öffnete meine Augen. Wurde ich entführt? Wo war ich?
Mein Wecker. Es war nur mein Wecker, der mich so grausam aus den Tiefen der schönsten Träume riss. Und das gnadenlos. Also ehrlich! Manchmal finde ich ihn einfach unverschämt. Ist ja man nicht so, dass ich grundsätzlich Schwierigkeiten hätte, morgens aus den Federn zu kommen. Aber mitunter habe ich das Gefühl, eine unbekannte Macht hat einfach die Zeit verkürzt und lässt mich schier verzweifeln, weil mein Körper, meine Augen mein ganzes ICH nicht darauf eingestellt sind, sich dieser unmöglichen Uhrzeit anzupassen.
Nun gut, ich will nicht übertreiben, und sicherlich kann so manch einer nachvollziehen, was mich manchmal an Außerirdische glauben lässt. Doch was ist, wenn sie mich permanent verfolgen? Zum Beispiel mein Toaster. Ich stecke ein harmloses Toast hinein, um es leicht zu rösten und mittels Einstellung den bräunlichen Ton zu programmieren, der mir vorschwebt. Und was passiert? Entweder es kommt blass zum Vorschein oder hüpft mir aggressiv und tiefschwarz entgegen. Dabei lasse ich den Regulierungsknopf immer auf der gleichen Stufe! Ist doch nicht normal! Nun will ich nichts davon hören, dass evtl. der Toaster hin ist. Habe ich erst ausgetauscht, gar nicht lange her! Und? neuer Toaster = gleiches Dilemma.
Oh nein! Ich bin nicht technisch unbegabt. So schwierig kann es ja wohl nicht sein, so einen ollen Toast zum Frühstück schmackhaft hinzubekommen. Außer... es ist ein außerirdischer Toaster. Ja! Hat sich mit meinem Wecker verbündet. Wollen mich fertig machen die zwei. Aber nicht mit mir! Ich habe dem Wecker getrotzt und bin aufgestanden. Und ich habe meinen Hunger gestillt... mit was für einem Toast auch immer!
Der Tag ist meiner, er kann nur besser werden. So denke ich mir und mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Portion Optimismus, soweit es die frühen Morgenstunden zulassen, trete ich ihm entgegen. Dem Tag.
Doch ich habe die Rechnung ohne die Außerirdischen gemacht. Wenn die nämlich einmal beschlossen haben, einen zu verfolgen, mich zu verfolgen, dann ziehen die das konsequent durch. Und erzählen Sie mir nicht, das gibt es nicht! So ein Blödsinn! Warum dann bitteschön, lässt der Akku meiner elektrischen Zahnbürste genau dann nach, wenn ich den Mund voll Zahnpasta habe? Obwohl das Biest, der Akku, die ganze Nacht auf dem Ladegerät steckte? Hm? Und mein Fön? Pufft nur, bevor ich einen unangenehmen Geruch wahrnehme, der mich ganz schnell die heiße Luft abstellen lässt.
Kann ich ja noch froh sein, dass die Dusche sich wohl in einem Streik gegen Außerirdische befand und mir ihr warmes Wasser nicht verwehrte. Muss man sich mal vorstellen: Alles an einem einzigen ganz frühen Morgen und ich lächele immer noch. Sollen sie mich doch mal, die Außerirdischen! Mit mir nicht! Es ist schließlich nicht Freitag, der 13.!
Mit einem trotzigen Blick in den Augen stolziere ich zur Arbeit. Da können sie mir nichts. Vorsichtig öffne ich die Bürotür, schaue zu meinem Schreibtisch. Na also! Alles wie immer. Harmlos lungern ein paar unbearbeitete Akten neben meinem Computer und ich beschließe den Trotz zu verdrängen, lasse mich auf den Stuhl gleiten und den Tag weiter angehen. Und es geht! Als ich Feierabend habe, atme ich tief durch, grinse gehässig und weiß, sie sind arbeitsscheu, die Außerirdischen. Da lassen sie mich in Ruhe. Ha!
Ich bewege mich behände Richtung Ausgang der Firma, als mir jemand den Teppich unter den Füssen wegreißt. Was heißt hier jemand? Außerirdische! Sie sind da! Sie verfolgen mich noch immer. Haben doch tatsächlich gewartet, bis ich mich in Sicherheit wähnte. Auch wenn die nette Frau am Empfang meinte, dass es wahrlich unmöglich sei, bei diesem nassen Wetter, so rutschunsichere Matten an die Tür zu legen. Sie weiß ja nicht, dass die Außerirdischen mich heute verfolgen. Sie haben mich auserkoren! Oh, mein Gott!
Hastig schlage ich den Weg nach Hause ein. Was ist, wenn sie dort schon auf mich lauern? Hämisch grinsend in Wartestellung. Sie wollen mich fertig machen! Nein! Nicht mit mir! Wie gesagt. So schaue ich nicht einfach unbedarft und nebenbei in meinen Briefkasten. Geduckt schleiche ich mich vorsichtig ran, stecke meinen Briefkastenschlüssel ganz langsam in das kleine Schloss... und schon fällt mir die Klappe des Kastens mit einem Ruck entgegen, klemmt mir den einen Finger ein und ein Außerirdischer pfeffert mir die Briefe und Reklamesendungen um die Ohren. Dieser gemeine Fiesling hat sich auch noch mit dem Wind verbündet. Meine Post flattert durch die Gegend, ich haste hinterher und als ihnen, den Außerirdischen, das Spiel zu langweilig wird, landet alles in einer großen Pfütze.
‚Verdammte Scheiße!’ schreie ich aus vollem Hals.
Mein Nachbar schaut aus der Tür, schüttelt den Kopf und murmelt etwas vor sich hin. Hört sich an, nach: ‚Die von nebenan spinnt schon wieder rum.’ und will wieder ins Haus gehen. Das finde ich gemein! ‚Das sind die Außerirdischen!’ rufe ich. ‚Sie verfolgen mich schon den ganzen Tag! Ich weiß nicht wie ich sie loswerden soll!’
‚Martha!’ höre ich ihn seine Frau rufen. ‚Das musst du dir mal ansehen.’
Schnell verschwinde ich in meiner Wohnung. Knalle die Tür hinter mir zu, lehne mich heftig atmend von innen gegen sie. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich muss sie loswerden. Hektisch blicke ich um mich. Nichts zu sehen. Ich schleiche in jeden Raum. In meinem Schlafzimmer kann ich meinen Wecker nicht entdecken. Sie haben ihn mitgenommen! Entführt! Einen einst harmlosen Wecker. Für 5,99 Euro mal vor Jahren bei Aldi gekauft. Oh nein, wie furchtbar.
Ich stutze. Was wollen die Außerirdischen mit meinem Wecker? Lösegeld erpressen? Mich jeden Morgen fertig machen, weil sie die Macht nun über mich haben? Ich hetze in die Küche. Auch mein Toaster ist weg. Sie wollen mich wahrhaftig verhungern lassen, schießt es mir durch den Kopf. Mein Blick irrt weiter herum. Ich raufe mir die Haare. Da kommt mir der Gedanke, dass die Außerirdischen wahrscheinlich auch meinen Fön mitgenommen haben. Damit sie ihn jeden Morgen, wenn ich mir die Haare zu fönen gedenke, soweit präparieren können, dass mir von dem unangenehm angebrannten Geruch ganz schwindelig wird und sie mich so langsam in ihre Gewalt bekommen. Nein! Nein! murmele ich immer wieder verzweifelt vor mich hin. Ich bin nicht mehr in der Lage aufrecht zu gehen, knie mich hin und robbe auf allen vieren durch meine Wohnung Richtung Tür. Ich muss hier raus. Ich muss die Leute warnen. Und ich werde mir einen anti-außerirdischen Toaster und einen anti-außerirdischen Wecker und einen anti-außerirdischen Fön kaufen. Dann werde ich mich hinter der Wohnungstür verschanzen, ihnen auflauern und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. ‚Ha! Ha!’ gröle ich vor mich hin. Sehe mich schon vollends ausgerüstet und bewaffnet sie überraschend zur Strecke bringend, als mich die Klingel auffahren lässt.
‚Oh Gott’, entfährt es mir ein weiteres mal. Sie sind schneller als ich, sie haben meine Gedanken gelesen, wissen, dass ich mich von ihnen nicht fertig machen lassen will und nun klingeln sie hier und fahren schweres Geschütz auf.
Ich rappele mich auf, versuche mein Haar ein wenig zu richten, streiche mir über mein Gesicht, setze den trotzigsten und willensstärksten Blick auf, der mir gelingt; reiße die Tür auf. Vor mir steht der Hausmeister. Und wieder: ‚Oh Gott!’ sage ich. Und denke blitzschnell: ‚Auch ihn haben sie bestimmt für sich vereinnahmt.’
‚Meine Jüte, Frau Schaluppe...’ sagt er zu mir. „Sie sehen aber jar nich jut aus. Dat Wetter, wa? Dat Pieselwetter macht einen ja auch janz schon mürbe. Wollte ihnen nur kurz Bescheid jeben, dat wir die Nacht nen Stromausfall hatten. Jetzt spinnt die janze Elektrik. Denken se sich ma nix dabei, wenn was nich janz so hinhaut heute. Wollte den Schaden reparieren. Bin noch nicht dazu jekommen. Aber morgen früh läuft dat alles wieder. Denn machen ses mal jut. Tschüüß.“
Ich schließe völlig fertig die Tür. Sinke in mich zusammen. Mein Blick fällt zur Ablage auf der Kommode. Dort liegen Wecker, Toaster, Fön. Hatte ich heute morgen dort abgelegt.
Ich glaube, mein hysterisches Lachen muss selbst bis zu Martha durchgedrungen sein.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-02 14:49:57 mit dem Titel Ein toller Tag
Ein toller Tag
\"Nu komm schon, Trude, trau dich!\" Herbert winkte seiner Gattin zu. Sie war skeptisch. Was sollte das denn? Ihr Herbert hatte sich einfach so mir-nix-dir-nix ein Auto ausgeliehen. Sollte eine Überraschung sein. Er kam nach Hause, trat in die Küche und meinte, es wäre Zeit, mal etwas verrücktes zu unternehmen. Nun ist die Tatsache an sich, sich ein Auto auszuleihen um damit den ganzen Tag in der Gegend herum zu fahren nichts besonderes. Für Herbert aber schon. Und für Trude erst recht. Beide waren nicht mehr die Jüngsten, teilten sich ihren Alltag miteinander und mieden jede Art von Aufregung. Will heißen: es gab weder Hochs noch Tiefs in ihrem Leben.
Und nun das. Trude sträubte sich. Das war etwas, das sie nicht einordnen konnte. Mit dem Küchentuch in der Hand strich sie nervös über den Tisch, dann sich wieder über die Stirn. Herbert stand strahlend vor ihr und fand, dass \"das überhaupt die genialste Idee sei, die er jemals gehabt hatte.\" Er schob Trude aus der Küche, bugsierte sie umständlich ins Schlafzimmer, öffnete ihren Kleiderschrank und sagte: \"Los, Trude, zieh dir was flottes an!\" Trude klappte der Unterkiefer herunter. Sie schaute an sich herunter, dann in den Spiegel, der neben dem Schrank hing. Dort blickte ihr ein etwas aus der Form geratener Frauenköper entgegen. Mächtiger Busen, eine wogende Hüfte, kurze dicke Beine und mindestens drei Taillen, so sehr sie sich auch streckte.
Trude lächelte gequält. \"Herbert!\" setzte sie an. \"Was meinst du denn was sich in diesem Schrank hier befinden sollte, das mich flott aussehen lässt?\"
Herbert schlug sich auf die Oberschenkel, er lachte. \"Du hast recht! Nichts kann dich flotter machen, als dein Küchentuch in der Hand!\" scherzte er. Trude verzog ihr Gesicht. Er aber nahm sie am Arm und schaute ihr liebevoll in die Augen. \"Komm! Dann haben wir wenigstens ein Ziel. Wenn du meinst, du hast hier nichts flottes anzuziehen, dann fahren wir los und kaufen wir dir etwas!\"
Und bevor sie sich eine Antwort überlegen konnte, schob er sie aus dem Schlafzimmer hinaus. Nach draußen vor das Haus. \"Schau!\" meinte Herbert. \"Wie findest du ihn?\"
Sie standen vor einem metallic grün glänzendem überdimensional großen Geländewagen; riesige Räder, eine Ladefläche, auf der man wahrscheinlich eine ganze Herde Tiere unterbringen konnte.
Wäre Trudes Unterkiefer in der Lage gewesen, noch weiter herunter zu klappen, hätte er es sicher getan. So aber hing er da unten, sehr weit unten, und Trude sagte gar nichts mehr. Sie schaute ihren Herbert an. Der nickte, machte eine einladende Handbewegung und öffnete galant die Beifahrertür. \"Bitte einsteigen.\" flötete er.
Unschlüssig drehte sich Trude vor der geöffneten Tür. Sie schaute zum Sitz, der sich ungefähr in der Höhe ihrer Hüfte befand. \"Wie soll ich denn da reinkommen?\" Herbert umfasste ihre breiten Hüften und meinte: \"Ich helfe dir.\" Trude griff nach einer Halterung, die an der Tür befestigt war und versuchte sich hoch zu ziehen. Herbert schob sie von hinten, wurde puterrot im Gesicht und ächzte verstohlen. Er drehte sich, stemmte seinen Rücken gegen ihr Hinterteil, wurde noch roter im Gesicht, ächzte nun hemmungslos und schob, als ginge es um sein Leben. \"Hepp!\" rief er mit letzter Kraft und Trude war im Wagen. Zwar nicht gerade in optimaler Sitzposition, sie hing bäuchlings über dem Polster, aber immerhin war sie drin. Schnell schlug Herbert die Tür zu und lief um den großen Wagen herum. Behände schwang er sich auf den Fahrersitz, griff Trude unter die Unterarme und zerrte sie weiter ins Wageninnere. Sie schlug mit der Stirn auf die Kupplung, stöhnte und wollte schon zu einem Fluch ansetzen, als Herbert ihr zurief: \"Du machst das richtig klasse! Ich bin stolz auf dich.\"
Nehmen wir es als Motivation, die Trude gerade jetzt nötig hatte, jedenfalls schaffte sie es, sich aufrecht hin zu setzen und einen Blick durch die Frontscheibe zu werfen. \"Boh!\" entfuhr es ihr ganz ungewohnt, \"ist das... also das ist ja...\" \"Geil!\" rief Herbert. \"Ich meinte hoch.\" Trude versuchte einen missbilligenden Blick aufzusetzen, schmunzelte aber dann und meinte: \"Jo! Es ist geil! Fahren wir jetzt los?\"
\"Ach Trude,\" lachte Herbert, während er den Zündschlüssel drehte, \"jetzt weiß ich auch wieder, warum ich dich vor 35 Jahren geheiratet habe.\"
Trude versuchte in einem Anflug von Kessheit die Beine übereinander zu schlagen. Sie stieß mit ihrem Knie gegen das Handschuhfach und zog ruckartig ihr Bein zurück. Herbert schaute kurz zur Seite. Er achtete auf die Straße, in die er gerade abbog, tätschelte dabei Trudes Bein. Nun war das gerade jenes, welches anfing leicht an zu schwellen. Trude litt schon Jahre unter Wasseransammlungen und der kurze Stoß trug schon ein wenig dazu bei, ihre gute Laune kurzfristig zu drosseln. Sie schob Herberts Hand weg, versuchte tapfer zu lächeln und schaute sich im Auto um.
\"Was ist denn das hier?\" Sie zeigte auf einen kleinen roten Hebel. \"Oh. Der ist zum... Halt! Stop! Warte!\" Da hatte ihn Trude auch schon in der Hand. \"Sorry, ich wollte ihn nicht abreißen. Habe doch wohl auf meine alten Tage noch mehr Power, als ich dachte. Was passiert denn jetzt?\" Herberts Mine verdüsterte sich ein wenig. Das Verdeck, eine einmalige Sonderausstattung des Geländewagens und absoluter Prototyp, fing an leicht zu surren und sich sachte zu öffnen. \"Wow!\" rief Trude. \"Ist das ein Cabrio?\" Sie staunte. Aber nur kurzfristig. Ihre Haare wirbelten auf, der Wind blies ihr ins Gesicht und sie kniff ihre Augen zusammen. Sie waren inzwischen auf der Schnellstraße, etwa bei Tempo 150. \"Mach das wieder zu!\" schrie sie. \"Ich fliege sonst weg!\" Leichte Hysterie schwang in ihrer Stimme mit.
\"Das geht nicht!\" schrie Herbert zurück. \"Du hast den Hebel in der Hand. Versuche, ihn wieder anzubringen, sonst bleibt das Verdeck offen.\" \"Ich?!\" Trude schaute auf den Hebel in ihrer Hand. Sie wusste nicht was sie machen sollte. Aber sie begriff, dass sie verantwortlich zeichnete für die ungewollte und heftige Frischluftzufuhr.
Mit der Zunge im Mundwinkel griff sie zur Mittelkonsole, dort wo kurz zuvor noch der Hebel steckte. Mühsam rückte sie ein Stück weiter nach vorne. Sie tastete mit ihren dicklichen Fingern an der Konsole entlang, fühlte ein Loch und versuchte, den Hebel dort hinein zu stecken. Es \"ploppte\" ein wenig dann rutschte der Hebel zwischen die Sitze. Trudes Finger steckte noch in dem Loch. \"Herbert! Halt sofort an!\" \"Was ist denn Trude? Funktioniert das nicht mit dem Hebel? Dann lass es eben. Fahren wir halt offen.\"
\"Mein Finger! Herbert! Dieser Scheiß Hebel interessiert mich nicht. Ich will meinen Finger wieder haben.\" Sie schluchzte auf. Das war zuviel. Herbert schaute kurz zur Seite, zu Trude, dann wieder nach vorne, konzentrierte sich auf die Straße. \"Ich kann jetzt hier nicht anhalten.\"
\"Herbert!\" Trude saß immer noch leicht nach vorne gebeugt, ihren Finger im Loch, die Haare flatterten unschön im Wind, Tränen liefen ihr die Wangen hinunter. Herbert hielt das große Lenkrad mit der linken Hand, mit der rechten griff er zu Trudes Arm und zog daran. \"Au!\" \"Ruhig.\" sprach er, den Blick weiter auf die Straße gerichtet. \"Ganz ruhig, Trude. Du darfst dich nur nicht aufregen. Dann haben wir deinen Finger gleich wieder raus.\"
\"Ich rege mich aber auf!\" Herbert zog weiter, Trude schrie und als Herbert nicht weiter wusste, ihm das Schreien aber anfing zu stören, da buffte er ihr einfach unsanft in die Seite. Trude hielt kurz inne, holte Luft und siehe da, der Finger löste sich, sie zog ihn hinaus, setzte sich wieder zurück und ein äußerst grimmiges Gesicht auf.
\"Schlimm?\" fragte Herbert vorsichtig. \"Lass mich in Ruhe!\" fauchte Trude. \"Ich will sofort wieder nach Hause. Was für eine dusselige Idee von dir mit diesem gefährlichen Auto zu fahren!\" Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
Schweigend fuhren sie weiter. Trudes Haare wirbelten heftig, Herbert demonstrierte gute Laune. \"Schau! Da vorne ist eine Tankstelle. Da halten wir an. Du machst dich wieder flott und ich erkundige mich nach dem nächsten Laden, da kannst du dir dann etwas aussuchen. Zum Anziehen.\" \"Mmh.\" grummelte Trude immer noch, aber nicht mehr gar zu grimmig. \"Und was ist mit dem Verdeck?\"
\"Ich werde gleich, wenn wir anhalten, den Hebel unter den Sitzen hervor holen und ihn wieder befestigen. Keine Sorge!\" Er lächelte und fand immer noch, dass es ein prima Tag sei.
Das mit dem Hebel war Fehlanzeige, zwar fand Herbert ihn wieder, er steckte ihn auch in das Loch, doch dass das Verdeck sich schloss, blieb ein frommer Wunsch.
Herbert ließ sich seine gute Laune nicht verderben. \"Es ist unser Hochzeitstag, Trude! Das Wetter ist fantastisch, die Sonne scheint und komm, ich helfe dir, wieder in das tolle Auto zu steigen.\"
Beim letzten Satz entglitt ihm das Lächeln denn doch ein wenig, zugegeben. Doch Herbert war Herbert. Er hievte seine Hilde ins Auto.
Kaum waren sie wieder auf der Schnellstraße, zog sich der Himmel zu, verdüsterte sich und ... Regenguss ist, - glaube ich -, gar kein Ausdruck. Es war also mehr nötig, als Trude flotte Sachen zu kaufen. So oder so.
Machen wir es kurz:
Zielstrebig steuerte Herbert eine Werkstatt an, um zu erfahren, dass das Trockenlegen des Wagens ein paar Tage in Anspruch nehmen würde und eine Vorauszahlung speziell des Hebels und des Verdecks wegen keine Ausnahme sei.
Nachmittags, in einer sehr teuren Boutique, wenn seine Trude strahlend aus der Kabine kam, um ihm die neuen Sachen vorzuführen, hielt er sich noch relativ wacker. Später meißelte sich ein leicht säuerliches Lächeln in sein Gesicht, als Trude ihm entzückt im Nobel-Schuhladen an der Kasse drei große Kartons in die Arme legte. Und die Stunden, die Trude sich im Frisiersalon gönnte, starrte er nur noch stumpf vor sich hin. Seine Scheckkarte zückte er schon automatisch.
Als sie gegen Abend mit dem Taxi in das Hotel fuhren, das er auf Bitten von Trude buchte, war der \"prima Tag\", in die Kategorie gerutscht: Tage, die man aus seinem Leben streicht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-06 14:51:46 mit dem Titel Heiß gemacht
Es war wirklich kein schöner Anblick, wie Rene da so lag. Seine Augen schauten verwundert, sie waren groß aufgerissen und brachten das blau gut zur Geltung. Nur, dass es in diesem Moment unwichtig schien. Seine dunkel blonden Haare waren zerzaust. So, als ob ihm jemand in seinem Schopf herum gewühlt hätte. Das helle T-Shirt harmonierte hervorragend mit der schwarzen Jeans. Alles in allem konnte man behaupten das Wort ordentlich passte zu Rene.
Was das Gesamtbild störte, war die Tatsache, dass er sich nicht bewegen konnte und Model hätte stehen können für eine perfekte Leiche. Nur das Blut an seinen Händen wirkte abstoßend.
Gesa ging langsam um ihn herum, besah ihn sich von allen Seiten, hob den Zettel auf, der neben ihm lag, nickte zufrieden mit dem Kopf, drehte sich um und ging. Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Diese Ära ihres Lebens war zu Ende.
Es war ein sonniger Sonntagmorgen, an dem Rene gut gelaunt in die Küche ging und sich einen Kaffee aufsetzte. Er war mit sich und der Welt zufrieden. Niemand störte ihn, er hatte sich ein kleines Reich geschaffen, in dem er lebte. An sich war er ausgeglichen. Allerdings nur, wenn er es auch wollte. An manchen Tagen musste er einfach leiden. Selbstmitleid. Oh ja, darin war er ganz perfekt. Ein langes Training lag hinter ihm. Ja, so konnte man es wohl nennen. Ging es ihm zu gut, dann legte er sich eine Pseudo-Depression zu und litt. Er litt, so gut konnte man wahrscheinlich nicht einmal in Hölle leiden. Alles, was zu einem ausgereiftem Selbstmitleid dazu gehörte trat auf. Tränen natürlich, sich Wunden hinzufügen, sentimentale Musik, sich ins Bett verkrümeln, um sich die Decke über den Kopf zu ziehen... aber nicht ganz... schließlich konnte das Telefon klingeln... und da war es die perfekte Abrundung, wenn man jemanden mitteilen konnte, wie schlecht es einem ging und deshalb nicht in der Lage sei, zu telefonieren.
An besonders intensiven Tagen des Selbstmitleids musste natürlich noch eine halbe Flasche Whiskey herhalten. Nur eine halbe, denn er wollte ja nicht übertreiben und sparsam war er in gewisser Hinsicht auch.
Es kam so, wie es kommen musste. Seine Selbstmitleidtage reichten ihm nicht mehr aus. Was tun? Da lief ihm Gesa über den Weg. Sie hatte eine gute Figur, war nett und hatte eine ansprechende Art. Kurz: fast etwas fürs Herz. Aber eben nur fast. Denn Rene hatte einen Plan.
Er umgarnte sie, schmeichelte ihr, machte Komplimente, gaukelte ihr tiefste Liebe vor. Sie war eine Frau, die mitten im Leben stand und nicht so einfach zu täuschen. Doch letztendlich siegte sein Charme. Sie verliebte sich und war glücklich, wie lange nicht mehr. Wieder einmal perfekt. Er spielte seine Rolle hervorragend. Sie für sich zu gewinnen war ein gefährliches Spiel. Er musste aufpassen, durfte sich keine Fehler erlauben.
Es gingen drei Monate ins Land, bis er sich sicher war, dass sie an die große Liebe glaubte. Das war es, was er wollte. Nun konnte er anfangen an ihr herum zu mäkeln, hielt Verabredungen nicht ein und zeigte sich plötzlich unsicher, ob er lieben könnte.
Stolz durchflutete ihn, wenn er darüber nachdachte, dass er dabei sehr geschickt vorging. Denn die ganze Dosis verabreichte er nicht. Stückchenweise ließ er sie leiden, stieß sie zurück und immer, wenn er meinte, nun würde sie aufgeben, dann holte er seine Rolle hervor, sendete Liebessignale vom feinsten, schickte ihr einen Brief, in dem er seine Liebe schwor, rief an, um ihre Stimme zu hören.
Und dann setzte er den Todesstoß. Auf einem Hoch, das, genährt von Hoffnung, sie glauben ließ, es würde letztendlich eine große Liebe werden, die voller Harmonie stecken könnte, da wurde er kalt.
Ein kurzer Anruf nur genügte. Mit einer Stimme aus Eis sagte er ihr, dass er wütend wäre, weil sie einfach nicht wahrhaben wollte, dass er nichts von ihr wollte. Er fragte, warum sie den Brief, geschrieben von vor drei Wochen, nicht beantwortet hätte. Schließlich stände da ja klar und deutlich, dass es vorbei wäre. Ein verächtlicher Laut noch kam aus dem Telefonhörer, dann war die \"Sache\" für ihn beendet.
Gesa war zunächst am Boden zerstört. Hilflosigkeit und Wut vermischten sich mit ihren Tränen. Sie hatte jemanden kennen gelernt, den es gar nicht gab. Ganz langsam formten sich die Erinnerungen zusammen. Nun, nachdem ihr Kopf klarer wurde, begriff sie, dass sie ein Spielzeug gewesen war.
Sie, die nie damit gerechnet hatte, dass ihr so etwas passieren könnte, war so perfekt hinein gezogen worden in dieses grausame Spiel, dass sie die Kulissen zu spät erkannte.
Es war fatal. Die Tatsache nämlich, dass Rene sich ausgerechnet Gesa ausgesucht hatte. Er, der stolz darauf war, seine Intelligenz für grausame Akte zu benutzen, hatte etwas ganz entscheidendes übersehen.
Gesa war die falsche Person in dem Stück. Er hätte eben genauer recherchieren sollen. So wiegte er sich in Sicherheit und genoss seine wieder gewonnene Zufriedenheit. Selbstverständlich leistete er sich weiterhin seine Selbstmitleidtage, die nun natürlich im Freundes- und Familienkreis noch besser ankamen. Der arme verlassene Mensch, der leider an die falsche Frau geraten war. Tja, man passte eben nicht zusammen, was wirklich schwer wiegte.
Gesa ließ ihm Zeit. Sehr lange. Geduld gehörte dazu. Sie wartete ein Jahr, bis sie der Meinung war, dass der richtige Zeitpunkt bevor stand. Er ließ sich so genau berechnen in seiner Art. Das war das hervorragende an ihm. Sich nicht berechnen lassen wollen, und somit berechenbarer zu sein, als er wusste.
Sie schickte das Päckchen mit der Post. Es war handlich, hübsch verpackt und ohne Absender. Sie beobachtete ihn heimlich, als er es abholte, ging ihm nach und betätigte, als er durch den einsamen Park den Weg nach Hause einschlug, einen Minisender. Das Päckchen in seinen Händen gab ein leises Klingeln von sich. Sie schmunzelte, als sie sein verwundertes Gesicht sah.
Auf das Klingeln folgte eine Stimme. Der kleine Rekorder in dem Päckchen funktionierte. Die Stimme forderte ihn auf, nach zu schauen. Wies auf den Inhalt hin. Das technische lag ihm schon immer am Herzen und dieses Päckchen weckte seine Neugierde. Er wollte wissen, welche Überraschung ihn da erwartete, setzte sich auf eine Bank, löste vorsichtig die Klebestreifen an den Seiten und öffnete den Deckel. Ein Blatt Papier lag oben auf. Mit den Worten: \"Du hast dir die Finger an mir verbrannt. Gesa.\"
Sie konnte sehen, wie er belustigt den Zettel zur Seite legte und mit beiden Händen nach dem eingepackten Rekorder griff. Auf diesen Moment hatte sie lange genug gewartet. Sie zitterte noch nicht einmal dabei, als sie einen weiteren Knopf an ihrem Minisender betätigte.
Kein lauter Knall, mehr ein Zischen ein anfangs leichtes Kribbeln in den Händen, er begriff nur langsam den Stromschlag; dann schoss eine Stichflamme hervor. Ungläubig schaute er auf seine blutigen Hände, dann nach oben, genau in ihre Augen. Er erhob sich, taumelte auf sie zu und fiel nach hinten.
Er würde überleben. Aber sich ewig an sie erinnern müssen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-09 21:06:55 mit dem Titel Ungeliebt
Hannas äußerliche Erscheinung war chic. Gepflegt, selbstbewusst, unaufdringlich. Durch ihre freundliche Art kam auch niemand auf den Gedanken ihr Arroganz oder dergleichen anzudichten. Sie versuchte gut zu sein, soweit möglich alles richtig zu machen und im Grunde ihres Herzen sehnte sie sich danach sich an einer starken Schulter anlehnen zu dürfen. Nicht, dass sie darunter litt, ihr Leben alleine zu meistern. Oh nein. Das wahrlich nicht. Nur von allen so eingeschätzt zu werden, dass ihr nichts fehlte, das belastete sie mitunter. Phasenweise kam es ganz stark durch. Dann lag sie in ihrem Bett. Abends. Abgekämpft und ausgepowert. Dann, wie gesagt, kam es mitunter ganz heftig über sie. Sie lag da, weinte, schluchzte und war froh, alleine zu sein.
Dann wieder kam die Zeit, die eigentlich überwiegte. Fröhlichkeit, Ausgelassenheit, Mut, Optimismus und viel viel Lachen. So mochte sie sich selbst am liebsten. Und das war ihr Sinn. Ihr Lebenssinn: Sei gut drauf und versuche, das Leben zu genießen.
Sie erreichte ein relativ beachtliches Alter. Ihr Tod kam sanft und sie hatte das Gefühl, der Lebenshauch glitt ihr vorsichtig von der Hand. Sie lächelte, schloss die Augen und die Ära Hanna war vorbei.
Ein langes Leben, in dem scheinbar alles in Ordnung war. Nun war der Nachlass zu ordnen. Es fanden sich Angehörige ein. Sie stritten sich. Nicht unbedingt um ein eventuell vorhandenes Erbe. Vielmehr hatte niemand so richtig Lust, ihren spärlichen Haushalt aufzulösen. Die Erwartung, dass sich etwas wertvolles darunter befand, war mehr als gering.
Schließlich tauchte eine alte Freundin auf. Ella. Sie übernahm die \"Auflösung\". Man zeigte sich dankbar, ging und vergaß. Die alte Freundin wusste, dass das ganze Leben, das Leben von Hanna, dessen Reste sie nun wegzuräumen die Aufgabe hatte, zum größten Teil in niedergeschriebenen Gedanken vor ihr lag.
Ella war verunsichert. Inwieweit durfte, sollte sie sich der \"Privatsphäre\" widmen? Doch um der guten alten Zeiten willen, schaute sie alles gründlich durch. Es waren unendlich viele schriftlich festgehaltene Gedanken, deren Erlebtes beeindruckte.
Viel Leid, viel Entbehrung und nie das, was sich Hanna erhofft hatte. Wenn andere von Reichtum träumten, so stach hier heraus, dass bis zum Tode daran geglaubt hatte, dass sie geliebt werden würde. Doch das schien Hanna nie vergönnt zu sein. Und das schlimmste daran war, dass sie nie verstanden hatte, warum dem so war. Wieder und wieder hatte sie rekonstruiert, was sie gemacht, gesagt, getan hatte. Ihr ganzes Leben lang. Sicherlich war nicht immer alles richtig, aber etwas schwerwiegendes war nicht dabei. Und dabei hatte sie so gehofft, dass ein einziges mal jemand, der sie aufrichtig liebt, ihr auch gesagt hätte, dass dem so ist.
Hannas letzter Tagebucheintrag lautete: Ich weiß, dass ich sehr bald die Augen für immer schließen werde. Ich habe vieles geschafft und erreicht in meinem Leben. Schwierigkeiten und Hürden gemeistert. Aber nie hat mich jemand geliebt und mir das voller Überzeugung geradeaus in die Augen schauend gesagt. Das finde ich bedauerlich. Führt mich aber zu der Erkenntnis, dass ich nun einmal nicht liebenswert war. Warum auch immer. Werde ich es in dem anderen Leben, das folgt, nachdem ich nicht mehr auf Erden weile, erfahren? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wenn nicht, dann sollte es eben nicht so sein.
Da wünschte ich mir, ich könnte an die Wiederauferstehung glauben und versuchen etwas besser zu machen. Denn tue einem Menschen alles Böse an. Er schafft es, damit klar zu kommen. Aber lass ihn sterben, ohne jemals von Herzen geliebt zu werden. Ohne, dass es ihm jemals gesagt wurde, dann hat er etwas falsch gemacht oder alles. Was auch immer.
Ella schloss Hannas Tagebuch. Sie hatte ihre Freundin geliebt. Es ihr auch gesagt. Aber sie wusste, das war es nicht, worum es Hanna ging.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-18 21:23:42 mit dem Titel Zu wenig Zeit - (Kassensyndrom?)
Eigentlich gehe ich gerne einkaufen. So auf einen Samstag herum bummeln. Mit Zeit und evtl. noch Geld im Portemonnaie, zwischendurch einen Kaffee schlürfen, Leute treffen. Das ist doch toll! Nur leider meistens Utopie.
Ehrlich gesagt, laufen meine \"normalen\" Einkaufstouren ganz anders ab. Immer unter Zeitdruck, weil Kind kommt aus der Schule oder ein Zahnarzttermin steht bevor. Unterwegs nur rote Ampeln, Einkaufszettel vergessen und Kühlschrank wieder mal leer, aber der Rest der Familie möchte ja etwas zu Mittag essen. Dann rase ich zum Supermarkt, der auf meiner Laufstrecke liegt, freue mich, wenn ich auf Anhieb einen Parkplatz kriege. Und meistens stehe ich atemlos vorm Einkaufswagen, friemele den Chip in denselbigen, damit ich starten kann.
Irgendwann kam für mich der Zeitpunkt, da stand ich, beide Hände am Griff des Einkaufswagens, mein Herz bubberte vor lauter Hektik, und dachte: Nö! Das kann es nicht sein. Shit auf wenig Zeit. Ich möchte in Ruhe einkaufen. Die Zeit nehme ich mir jetzt einfach und so schlenderte ich gemütlich durch die Gänge. Ich überlegte vor fast jedem Artikel, ob ich den brauche oder ob der wohl nicht auf meiner Einkaufsliste, die zuhause auf dem Küchentisch lag, steht. Es tat gut. Ich wurde immer ruhiger und kam mir schon fast gelassen vor.
So denn stellte ich mich mit meinem reichlich gefüllten Wagen an der Schlange der Kasse an. Es war eine lange Schlange. Doch ich hatte mir vorgenommen, Zeit zu haben und träumte vor mich hin. Bewunderte die Blumen, die vor dem Kassenlaufband in großen Wassereimern prächtig anzusehen waren und wurde plötzlich heftig in die Seite gebufft. \"He! Mach hin hier! Das Warenband ist frei. Pack die Waren drauf!\" Unerhört, dachte ich. Doch ich kam wieder in die Realität. Vor mir schaufelte eine Frau mit hochrotem Gesicht ihre Einkaufsbeute aufs Band. Die Sachen flitzten bei der Kassiererin über den Scanner, dass es pausenlos piepte. So denn flitzte die Frau um ihren großen Einkaufswagen herum, um rechtzeitig am anderen Ende des Laufbandes die Waren aufzufangen und zurück in den Wagen zu bugsieren. In wahrer Rekordzeit. Mir wurde ganz schwindelig beim zusehen. Doch ich stellte fest, dass das Stück zwischen Scanner und Ende des Laufbandes sehr kurz war. Sie musste sich also so beeilen.
Aber nicht mit mir, beschloss ich. Ich lasse mich nicht mehr hetzen. Ich atmete tief durch, ignorierte den Seitenbuffer hinter mir und legte meine Einkäufe in aller Seelenruhe auf das Band. War ein geiles Gefühl die Blicke der anderen Leute zu ignorieren und ganz konzentriert auf jede Tüte und jede Verpackung meines Wageninhalts zu starren. Die Kassiererin trommelte nervös mit ihren Fingern auf dem Kassendeckel herum. Ich schaute sie harmlos zwischendurch an und konzentrierte mich weiter auf mein Tun. Eine Tüte nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Packung nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Flasche nehmen, auf das Band legen. Die erste Tüte erreichte endlich die Kasse und schwupp eingescannt, es piepte, zack zum Ende des Bandes. Ich hatte meinen Wagen nicht annähernd bis zur Hälfte geleert. Das Gemurmel um mich herum wurde lauter, meine Ignoranz entschlossener. Die Waren am Ende stapelten sich bedenklich hoch. Aus dem Augenwinkel heraus konnte ich das beobachten und dachte mir so: na, bezahlt habe ich noch nicht, die soll es wagen, meine Sachen am Ende herunter fallen zu lassen. Denn stoppte das Gepiepe vom Scanner abrupt. Kein Platz mehr zum Stapeln. Aber ich stapelte noch. Eine Tüte nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen, eine Packung nehmen, auf das Band legen, wieder umdrehen. ..
Ich ließ mich nicht hetzen. Ich schaute hoch und lächelte der Kassiererin breit ins Gesicht. \"Schönes Wetter heute. Hat noch gar nicht geregnet.\" Setzte ich an. Sie schaute grimmig zurück, deutete mit ihrer linken Hand zum anderen Ende des Laufbandes. Ich ging behutsam um meinen Wagen herum, zog ihn ein Stück hinter mir her und begann in aller Seelenruhe, meine Sachen wieder in den Wagen zu legen. Das schwere zuerst. Dann die leichten Sachen obenauf. Das gefrorene in eine Ecke, die Knabbersachen in die andere, damit ich das mit System in meine Einkaufstüten sortieren konnte.
Das gab natürlich ein wenig durcheinander. Da die Waren an sich ja schon kaum Platz hatten und ich nun \"mit System\" einpackte, wurde der Stapel auch nicht kleiner, das Ende des Laufbandes aber auch nicht länger. Es verging eine ganze Weile, bis ich alles verstaut hatte. Der bitterböse Blick der Kassiererin, von den übrigen Kunden schaute ich niemanden so direkt an, traf mich denn doch. Meine sensible Ader kam ganz heftig zum Vorschein. Ich schluckte.
Aber ich fand es toll, so ruhig zu sein. Nachdem ich bezahlt hatte, zog ich meinen Wagen ein wenig von der Kasse weg und schaute mich um. Boh, was für eine Hektik. Die Leute mussten wohl meine Ruhezeit wieder aufarbeiten. Mensch Leute, macht langsam, dachte ich mir.
Ein paar Tage später betrat ich wieder den Laden. Ich ging wiederum gemütlich durch die Gänge und murmelte vor mich hin: \"Ich lasse mich nicht hetzten!\" Schließlich muss man sich mal überlegen, wie oft ich die Sachen hin- und herpacke! Vom Regal in den Wagen, vom Wagen auf das Laufband, vom Laufband wieder in den Wagen, vom Wagen in die Tüten, die Tüten in das Auto. Vom Auto die Tüten in das Haus. Im Haus jedes einzelne Teil wieder auspacken. Das ersetzt doch jedes Krafttraining. Wenn ich allein bedenke, wie oft ich den sechs-mal-1 ½ Liter-Pack Mineralwasser kaufe! Das sind Gewichte!
Als ich jedenfalls diesen Tag am Ende der Schlange auftauchte, die übrigens dieses mal gar nicht sooo lang war, wie beim letzten mal, sah ich das entsetzte Gesicht der Kassiererin, sie hatte wohl immer mittags Dienst, und denn hörte ich ein schrilles Klingeln. Sofort öffnete sich eine Tür hinter mir, eine Frau schoss heraus und zur anderen Kasse und alle Kunden stoben mit Hast hinüber. Ich schüttelte verwundert den Kopf. Was die das so eilig haben! Nun gut, als ich meinen Einkauf bezahlte, war die lange Schlange an der anderen Kasse bereits verschwunden. Ich zuckte mit den Schultern.
So behielt ich es bei. Den ganzen Tag Hektik und keine Zeit, beim Einkaufen machte ich eine Erholungspause ohne Stress. Das Knurren der Kassiererin beeindruckte mich überhaupt nicht und außerdem hatte ich mich so daran gewöhnt, dass ich immer zur gleichen ging. Ich grüßte freundlich und lächelte, sie knurrte.
Und dann eines schönen Tages, ich schaute wieder dösend die Blumenpracht vor der Kasse an, klingelte mein Handy. Ich erschrak. Was ist denn nun los? Meine Tochter stand zuhause vor der Tür. Sie hatte den Schlüssel vergessen und war völlig aufgelöst. Ich konnte nicht aus ihr heraus bekommen, was passiert war, hatte aber das Gefühl, dass ich schleunigst nach Hause sollte. Flugs packte ich die Sachen auf das Laufband und hechtete zum Ende desselbigen. Die Kassiererin staunte, dann lächelte sie mich breit an und meinte: \"Schönes Wetter heute. Es hat noch gar nicht geregnet.\" Ich knurrte. In aller Seelenruhe zog sie eine Ware nach der anderen über den Scanner. Es piepte. Ich trommelte nervös mit den Fingern auf dem Ende des Laufbandes herum. Konnte die nicht ein bisschen schneller machen? Ich habe keine Zeit! \"Oh.\" Meinte sie plötzlich. \"Ich glaube, die Kassenrolle ist zuende. Moment, ich schalte auf Zwischensumme, dann geht es gleich weiter.\" Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Sie entnahm –muss ich erwähnen in aller Seelenruhe? - die Rolle und schaute sie verwundert an. \"Die ist ja noch fast voll. Warum hakt sie denn?\" Sprach sie vor sich hin. \"Was machen wir denn da?\" \"Wechseln oder weiter probieren.\" Zischte ich. \"Ich habe es eilig!\" \"Ach!\" Kam es. \"Das tut mir aber leid. Warten Sie, ich frage nur meine Kollegin, ob sie mir einen Rat geben kann.\" Sie stand auf und verschwand.
\"So etwas gibt es doch nicht!\" Rief ich verzweifelt. Ich konnte auch nicht raus aus dem Laden. Der halbe Einkauf lagerte bereits im Wagen, natürlich unbezahlt und ich trippelte nervös von einem Fuß auf den anderen.
Nach einer mir endlos erscheinenden Zeit kam die Frau wieder, eine neue Rolle in der Hand, sie lächelte immer noch breit, und steckte sie umständlich in die Stelle, wo sie hingehörte. Was soll ich lange erzählen, ich befand mich um einiges länger an der Kasse als zu meinen besten Erholungszeiten.
Fazit: Da der Laden immer noch auf meiner Laufstrecke liegt, kaufe ich immer noch da ein. Wie läuft es ab? Nun, mal lächele ich und \"meine Kassiererin\" knurrt.
Meistens jedoch, muss ich ja zugeben, lächelt s i e und ich knurre.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 13:07:31 mit dem Titel Sockenschuss mit Mücke
Normalerweise stimmt mich das immer traurig, wenn der Sommer vorüber geht und der Herbst da ist. Ich mag den Sommer. Und dass er dieses mal mit erheblichen Regenfällen durchsetzt war und mitunter auch ganz schön kalt, mag ja stimmen, aber eines war er: hell. Nun werden die Tage wieder so ratzfatz kurz. Und so früh dunkel!!!
Aber! Ich hätte es ja nie für möglich gehalten: das ist mir dies mal scheiß egal. Ich freue mich auf den Herbst. Den kühlen dunklen Herbst. Wirklich! Dieser Sommer hat sich nämlich, so sehe ich das, von seiner übelsten Seite gezeigt. So kenne ich ihn gar nicht. Er kann zu heiß sein, er kann zu nass sein, er kann zu kurz sein, er kann zu windig sein... alles schon gehabt und mit einem na ja... schon in Ordnung abgetan. Und? Was regt mich dieses mal so auf?
Die Mücken! Übel, wirklich übel. Nicht nur, dass sich wohl alle Mücken dieser Erde grundsätzlich bei mir zuhause allabendlich ein Stelldichein geben, sie haben es sich auch noch zur Lebensaufgabe gemacht, mich rigoros zu zerstechen.
Und –das muss man sich mal vorstellen- sie sind Fetischisten, die Mücken. Fußfetischisten. Anfangs dachte ich ja noch: läufst du eben nicht mehr barfuss herum. Doch bei 30° im Schatten? Oder nachts. Wer schläft denn da mit langer Hose und Socken? Da kommt wohl der Ausspruch des Sockenschusses her. Aber, das nur nebenbei.
Meine Füße, bedeckt mit lauter hässlichen, roten, juckenden Flecken, teils mit Bläschen durchsetzt. Bah! Und denn, als ich meinen Blick dort hinwerfe, wo sich meine ansonsten wohlgeformten Fußgelenke befinden, muss ich feststellen, dass sie nicht mehr existieren! Einfach weg, verschwunden, nicht mehr zu sehen. Statt der Fußgelenke sehe ich dort eine unförmige angeschwollenen Masse, die immer dicker wird.
Das finde ich nicht gut.
Zu diesem Zeitpunkt muss ich eigentlich los, da ich eine Verabredung habe. Aber diese angeschwollenen Füße ärgern mich und jucken fürchterlich, und sie hindern mich außerdem daran, ein normales Paar Schuhe darüber zu ziehen. So denke ich mir: fährst du eben bei der Apotheke vorbei und holst dir was zum drauf schmieren. Dann geht das wieder weg. Bestimmt.
Doch der Apotheker schüttelt nur den Kopf und meint: \"Ich verkaufe Ihnen nichts. Gehen Sie man lieber zum Arzt. Das sieht ja furchtbar aus!\" Na toll! Will ich das hören? Ich bin zeitknapp und werde leicht säuerlich. Jetzt noch stundenlang im Wartezimmer einer Praxis sitzen ist nun das letzte was ich so in Planung habe. Doch kaum habe ich meine Füße zwecks Anschauung auf die Theke der Anmeldung gelegt, werde ich sogleich ins Sprechzimmer weiter geleitet. \"Oops!\" entfleucht es mir. Der Doktor kommt und verschreibt mir heftige Gegenmittel gegen meine Allergie.
Echt schwer gebeutelt humpele ich zurück zur Apotheke und denn nach Hause. Nix mehr mit meiner Verabredung. Die Aussage: \"Fuß hochlegen, kühlen, einsalben und Tropfen nehmen, sonst droht Krankenhaus.\" hat mich kleinlaut gemacht.
Muss ich noch erwähnen, dass das Wochenende vor der Tür steht? So ein Mist! Ich bringe also meine freien Tage in fuß-hoch-lagernder Haltung hinter mich. Und ich leide! Vor Schmerzen und vor Wut. \"Diese Viecher sollte man ausrotten. Wer hat die bloß erfunden?\" fluche ich drei Tage vor mich hin. \"Vielleicht gibt es die ja nur, damit Spinnen etwas zu fressen haben.\", denke ich und allein deswegen lasse ich die eine fette, die vor mir über den Boden kriecht, am Leben. Und nicht, wie manch einer denken mag, weil ich mich vor ihnen ekele.
Und nun freue ich mich auf den Herbst. Ohne Mücken! Meine Füße nehmen langsam wieder eine Form an, mit der ich mich anfreunden kann. Meine Verabredung kann ich zwar gänzlich aus meinem Terminplan streichen, aber ich versuche positiv zu denken:
Der Herbst ist gar nicht schlecht, er wird mir gefallen. Dunkel ist schön.
Und wenn ich nun mit Socken schlafe, dann stimmen wenigstens die Temperaturen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-19 23:26:29 mit dem Titel Das Gebiss
Diese kleine Geschichte ist ein Kurz-Sketch, den ich vor kurzem schrieb um ihn anschließend mit jemand zusammen vorzutragen, als Einlage. Kam sehr gut an.
Das Gebiss
Das Telefon klingelte. Erwin nahm den Hörer ab. \"Schlurf?!\"
\"Hier ist die Zahnarztpraxis Dr. Wurzel. Dr. Wurzel am Apparat. Herr Erwin Schlurf?\"
\"Ja.\" kam es langsam
\"Hören Sie, Herr Schlurf, wir haben heute in unserem Briefkasten ein Gebiss gefunden. Vermissen Sie Ihres?\"
\"Nein. Ich weiß ja wo meins ist.\" nuschelte Erwin in den Hörer.
\"So, ich denke, ich weiß auch wo Ihres ist. Nämlich hier bei mir in der Praxis. Es liegt vor mir. Und ich bin der Meinung, so geht das nicht.\"
\"Aber Sie wollten sich doch meine Zähne anschauen.\" meinte Erwin. \"Wo ist das Problem?\"
\"Sicher wollte ich mir Ihre Zähne anschauen, aber doch nicht nur ihr Gebiss, Herr Schlurf!\"
\"Na, mehr Zähne habe ich aber nicht.\"
\"Herr Schlurf... wenn Sie einen Termin bei mir haben, dann gehe ich davon aus, dass Sie auch erscheinen, und nicht nur Ihr Gebiss.\" Dr. Wurzel wurde ungehalten.
\"Nun regen Sie sich doch nicht so auf. Morgen hole ich mir meine Beißer wieder ab und denn ist doch gut.\"
\"Herr Schlurf! Ich habe Ihnen schon beim letzten Mal gesagt, dass das so nicht funktioniert.\"
\"Ich weiß, und da bin ich denn ja auch vorbei gekommen. Wollen Sie mich jetzt schon wieder sehen?\"
\"Herr Schlurf!\" Dr. Wurzels Stimme wurde bedrohlich leise. \"Nachdem wir letztes mal Ihre Zähne eine gute Woche hier beherbergt haben, Sie letztendlich in meiner Praxis auftauchten, da habe ich Ihnen ganz genau erklärt, warum Sie beide – Sie und ihr Gebiss - gemeinsam kommen sollten.\"
\"Ach, und dieses mal wieder?\" fragte Erwin verwundert.
\"Ich fasse es nicht! Wenn Sie morgen früh um 8 Uhr nicht hier sind...\"
\"Dann?\" wollte Erwin wissen.
\"Dann... dann... können Sie sich ihre Zähne sonst wo hin stecken!“
\"Aber Sie schauen Sie sich doch vorher an...\"
\"Herr Schlurf! Treiben Sie mich nicht in den Wahnsinn!\"
\"Aber nein.\" meinte Erwin, \"Ich will Ihnen doch nur die Arbeit erleichtern. Sie können mein Gebiss in Ruhe anschauen, wenn Sie zwischendurch mal Zeit haben und ich brauche nicht so lange im Wartezimmer zu warten. Wissen Sie...“
\"Herr Schlurf!\" Dr. Wurzel schrie durch den Hörer. Erwin hielt ihn etwas ab vom Ohr, dann, als nur noch ein Keuchen kam, nahm er das Gespräch wieder auf.
\"Wissen Sie...\" redete er einfach weiter. \"Das ist doch der einzige Vorteil, wenn man Gebissträger ist, man kann sein Ersatzteil abgeben, wenn es nötig ist.\"
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-23 22:48:35 mit dem Titel Makellos
\"Oh Engelchen, mein Engelchen.... komm her zu mir....\" sprach der Spiegel zu der Feder, die langsam auf ihn zuschwebte. \"Dir kann nichts passieren. Komm nur her, sieh, hier kannst du deine ganze Schönheit betrachten. Ich werde sie dir zeigen. Sei frei und fühle einfach so, wie du meinst.\"
Die Feder war wunderschön. Sie leuchtete in einem fast unbeschreibbar schönen blau. Zarte Tupfen glitzerten silbern im Sonnenlicht. Sie wusste, dass sie sich sehen lassen konnte. Aber sie wusste auch, dass sie einen kleinen Fehler hatte. Ein winziger schwarzer Punkt zerstörte das Gesamtbild. Sie musste sich sehr geschickt drehen, damit er nicht auffiel. Durch ihr graziöses Schweben lenkte sie gekonnt von zu genauen Blicken ab.
Behutsam und sehr zurückhaltend schwebte sie auf den Spiegel zu. Eine große Verlockung... sich zu betrachten und der Ruf des selbigen klang so süß.
Hinter dem großen Spiegel, der am Wege stand, war nichts. Verloren wirkte er, einsam und doch aufrecht und selbstbewusst. Es war die Mischung, die ihn anziehend machte. Kaum jemand konnte ihm widerstehen. Jeder schaute ihn an, sich an.... und er war in der Lage sich von seiner besten Seite zu zeigen. Dass hinter seiner dünnen Oberfläche der Geist der Zerstörung inne wohnte, das machte ihm nichts. Er war so und redete sich ein, dass es so sein musste.
\"Ich bewundere deine Schönheit.\" Sprach er zu der Feder, die sich hingebungsvoll vor ihm drehte. Sich von allen Seiten betrachtete und weiterhin darauf achtete, den dunklen Fleck zu verbergen.
Er aber wollte alles sehen. Jeder hat einen Fehler. Das wusste er und ich werde ihn finden. Sie kann nicht perfekt sein. Es machte nichts, dass gewisse Fehler nicht schlimm sind. Er bemerkte ihr Unwohlsein, das sie zu verbergen suchte. Es war nicht einfach für ihn. Eine Herausforderung... er musste Zeit investieren.
Da sie aber schon fast wieder am wegschweben war, musste er sich etwas einfallen lassen. \"Komm, Schöne..... bleibe... Lange habe ich nicht so etwas Vollendetes wie dich gesehen.\" Geschmeichelt drehte sich die Feder noch einmal. Da sah sie ihren schwarzen Fleck im Spiegel blitzen. Kurz nur, aber sie sackte in sich zusammen. Nein, das wollte sie nicht sehen. Verzweifelt drehte si
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