Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von Calistra

Brief eines Engels (Brief an einen Engel II)

Pro:

...

Kontra:

...

Empfehlung:

Nein

Liebste,

die letzte Nacht war ein einziger Traum. Ein Traum von Dir, mein Engel, ist es möglich? Seit einer Woche schon warte ich nun auf ein Zeichen von Dir, suche, schon bar jedes Verstandes, Dein wunderschönes Gesicht in jeder Wolke, Deine Wärme in jedem Sonnenstrahl. Dann, heute nacht, das Wunder: Ein weißes Blatt Papier, eng gefüllt mit Deiner kleinen, energischen Handschrift. Nach dem Aufwachen habe ich mich schleunigst daran gemacht, alles aufzuschreiben, was ich im Traum las, voller Angst, Deine Worte könnten wie Sand aus meinen Erinnerungen rinnen. Nun liegt er vor mir, Dein Brief, und ich glaube wieder an Wunder.....

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Mein Liebling,

bitte lächle mal wieder! Tu\'s für mich, auch wenn es Dir schwerfällt. Ich sehe Dich, Tag für Tag, wie Du trauerst und Dir selber immer unähnlicher wirst.

Ich bin nicht fort. Ich bin immer bei Dir, jede Sekunde. Ich schaue Dir zu, wie Du durch die Wohnung tigerst, höre Deine Gedanken, fühle Deine Tränen. Bitte höre auf, Dich so zu zerfleischen! Du hast mich nicht verloren, Du wirst mich nie verlieren. Das, was uns verbindet, überdauert selbst die Ewigkeit...

Hier, wo ich jetzt bin, ist es soviel anders, als ich dachte! Es ist schön, wunderschön, und auch Dir wird es hier eines Tages gefallen, da bin ich mir sicher. Aber erst, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Und das ist sie noch nicht, hörst Du?

Ich will, dass Du lebst, wieder lachst, wieder glücklich wirst. Für mich. Nichts habe ich am Leben so geliebt wie Dein lachendes Gesicht, Deine funkelnden Augen. Bitte, verwehre mir diesen Anblick nicht, nur, weil Du mich jetzt nicht mehr sehen kannst! Mach mir Deine Fröhlichkeit zum Geschenk, wenn Du mich liebst, aber weine weiter, wenn Du mich quälen willst!

Es tut mir unendlich leid, dass ich es nicht mehr geschafft habe, mich von Dir zu verabschieden! Ich weiß, das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, mein Liebster. Darum bete ich darum, dass Du diese Zeilen ernst nimmst, das ganze nicht als einen dummen Traum abtust und mir vertraust. Das hier ist real, und es ist für Dich bestimmt, glaub es nur!!!

Eigentlich habe ich jetzt, da ich eure Welt verlassen habe, kein Recht mehr, mich in Dein Leben einzumischen, aber ich kann nicht anders, solange Dein Herz so leidet. Bitte, mein Liebling, bitte glaube mir! Du hast mich um ein Zeichen gebeten, hier ist es!

Ich weiß, dass eine Deiner größten Ängste ist, ich sei mir Deiner Liebe nicht bewusst gewesen. Lass mich eines noch sagen: Noch nie war ich mir Deiner Liebe so sicher wie in den letzten Tagen. Und auch ich liebe Dich.....unendlich.

Deine C.

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Ein Geschenk möchtest Du also, meine Liebste? Die ganze Welt würde ich Dir schenken, aber Fröhlichsein.... Du kennst mich, Du weißt, dass ich alles für Dich täte. Aber ich kann Dir nicht versprechen, dass mich dieses leere Leben glücklich machen wird, selbst dann nicht, wenn ich weiß, dass Du noch bei mir bist.

Zu wissen, dass Du hier bist, aber Dich nicht in meinen Armen fühlen zu dürfen, ist Folter. Nun, ich bin nicht masochistisch veranlagt, also wirst Du mir nachsehen müssen, dass ich nun mehr denn je einen Weg suche, diese Folter zu beenden. Und wenn das bedeutet \"vor meiner Zeit\" zu Dir zu kommen, was macht das schon?

Ich weiß nicht, wer die Regeln aufstellt, wer derjenige ist, der entscheidet, wann der rechte Zeitpunkt gekommen ist, Dir zu folgen, aber mehr als meine Verachtung hat er nicht verdient, wenn er mir meinen Lebensinhalt nimmt und dann meint, die Zeit wäre noch nicht reif!

Du hast mir all Deine Zärtlichkeit geschenkt, mich mit ganzem Herzen geliebt - lass mich Dir nun meins zum Geschenk machen. Sei nicht traurig, mein Engel. Ich tue das, was ich nun tun werde, aus freien Stücken, um bei Dir zu sein. Und jetzt, da ich mich endlich entschieden habe, kann ich Dir, seitdem Du fort bist, endlich wieder mein Lächeln schenken...

Gleich werde ich bei Dir sein, meine Liebste, und Dich in meine Arme schließen....

Gleich.....






----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 02:24:22 mit dem Titel Spätherbsterwachen

Franz Rabe war 76 Jahre alt, als sein Herz erwachte. Ein Lächeln stahl sich auf das Gesicht des alten Mannes, so voller Lebensfreude, das es mit einem Mal all die Jahre ungeschehen machte, in denen er nur ein zynisches Grinsen übrig hatte für das, was die Anderen „das Leben“ nannten.

Franz legte die vergilbte Skizze beiseite, die er in der hintersten Ecke einer Schublade gefunden hatte, wo sie, absichtlich vergessen, viel zu lange darauf gewartet hatte, dass er sie wieder hervorholen möge. Mit einem Mal kehrte die unbändige Freude zurück, die er empfunden hatte, als er dieses Stück Papier mit seinen Bleistiftstrichen zum Leben erweckt hatte...

Franz Gesicht begann zu leuchten, und als er in den kleinen Spiegel auf der Kommode blickte, kannte er kein Halten mehr: Hinaus musste er, hinaus, um diesen wunderschönen Spätherbstnachmittag zu feiern, um ihn zu riechen und der Sonne zuzusehen, wie sie ihre Strahlen durch das bunte Laub schickte.

Die alten Beine vermochten sein junges Herz nicht schnell genug herauszutragen, zu groß war die Ungeduld, zu unbändig die Gier, die in ihm schlummerte. „Was so ein Bild alles anzurichten vermag“, lächelte er still in sich hinein und freute sich an der Kälte, die ihm bis in alle Glieder fuhr, erlaubte dem Wind, an ihm zu reißen, empfing die niederprasselnden Regentropfen wie eine Schar alter Freunde.

Da stand er nun, der „alte Kauz“, wie die Anderen ihn zu nennen pflegten, die Arme ausgebreitet, das Gesicht in die Höhe gestreckt, ohne Mantel, ohne Schirm und wiegte sich mit geschlossenen Augen sanft im Takt einer uralten Melodie, tanzte mit der Natur den eigenwilligen Tanz des Regens, des Sturmes und der unbändigen Lust zu leben.

Plötzlich konnte er sie wieder vor sich sehen, die dunklen Locken, die blitzenden braunen Augen, die zarten kleinen Hände. Er hörte ihre Stimme, wie sie, selbstvergessen, ein Liedchen vor sich hinsummte, hörte, wie sie nach ihm rief, wenn es Zeit war für den Nachmittagstee. Er sah sie eine ungebärdige Haarsträhne fortstreichen, wie sie das jeden Tag wohl tausendmal getan hatte. Und er hörte ihr Lachen. Emmas Lachen. Ein Lachen, das so voller Freude war, dass sie damit jeden Krieg hätte beenden können...

Bäche flossen endlich über das faltige Gesicht, aber Franz wischte sie nicht ab; er ließ die Tränen des Himmels sich mit den seinen vereinigen und erinnerte sich wieder. Emma. Er hatte gehofft, sie sich aus dem Herzen gerissen zu haben, hatte geglaubt, er hätte ihr Gesicht so weit von sich fortgeschoben, dass er es nicht mehr erkennen konnte. Jetzt erst, nach Jahren voller Kälte, Wut und Bitterkeit, erkannte er, dass es nicht nötig war, sie zu vergessen. Und ein Ding der Unmöglichkeit war es selbstredend, denn waren es nicht IHR Lebensmut und IHRE Stärke gewesen, von denen er gezehrt hatte in der endlos langen Zeit, die sie nun fort war?

Der Alte ließ die triefenden Arme sinken und öffnete die Augen. „Verzeih mir, mein Engel“, flüsterte er vor sich hin und begann endlich damit, ihr, die ihn mit Kraft und Leben erfüllt hatte, den einzigen Wunsch zu erfüllen, den sie jemals an ihn herangetragen hatte.

„Lebe, Franz“, hatte sie geflüstert, „begrüße jeden Tag mit einem Lächeln, auch, wenn es Dir vielleicht schwerfällt. Das Leben ist so etwas wunderbares, Du musst es nur sehen wollen. Sag mir, Liebling, willst Du das für mich tun?“. Natürlich hatte er, Franz, mit tränenerstickter Stimme ein „Ja“ herausgebracht und es war auch sein fester Wille gewesen, sein Versprechen zu erfüllen, für seine Liebe weiterzuleben. Aber hatte er auch noch nicht wissen können, dass sein junges, leichtes Herz nach Emmas Tod schwer und uralt werden würde...

So stand er im Regen, der alte Mann mit dem jungen Herzen, und murmelte leise vor sich hin. Er begrüßte die Sonne, den Wind und den Regen, sprach mit den Tauben und hörte dem Jammern des regenschweren Rasens voller Verständnis zu. Er betrachtete von weitem die Bank, die am Wegrand stand und die ihn einlud, sich einen Moment zu setzen. Franz nahm die Einladung dankend an und untersuchte die Kieselsteine, die den Weg bevölkerten. Er nahm einen Stein auf, betrachtete ihn eingehend und erklärte ihm: „Du allein kannst vielleicht nichts ausrichten, aber wenn mehr von Deiner Sorte zusammentreffen, entsteht ein gut begehbarer Untergrund und das, mein Lieber, ist eine gute Sache, wenn man so alt ist wie ich“.

Als schließlich die Dämmerung einsetzte, machte der Alte sich auf den Rückweg; er wusste aus Erfahrung, dass der Weg in seine Wohnung einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Bei jedem Schritt auf den nassen Kieselsteinen machte er sich bewusst, dass keiner dieser kleinen Steine unnütz war und musste unwillkürlich lachen, als er fast das Gleichgewicht verlor und ausrutschte. „Kein Wunder bei diesen wirren Gedanken“, schalt er sich selbst und setzte seinen Weg gemesseneren Schrittes fort.

Endlich vor dem kleinen Wohnhaus angekommen, grüßte er freundlich Herrn Reuner, der –wie jeden Tag – am Fenster saß und beobachtete, was draußen so vor sich ging. Herr Reuner grüßte, erstaunt über die Freundlichkeit, zurück und schüttelte ungläubig den Kopf.

Herr Reuner war es auch, der den „alten Kauz“, wie er ihn bislang immer genannt hatte, am nächsten Tag fand, ein rätselhaftes Lächeln im Gesicht.

Franz’ Herz hingegen hatte sich, während er Emmas Portrait betrachtete, klammheimlich auf den Weg zu ihr gemacht.

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