Erfahrungsbericht von tempoaw
Mein Tag, der Halbfinalstag der Deutschen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ich schreibe heute mal nicht eine Kurzgeschichte im eigentlichen Sinne, sondern einen Tagesablauf von mir in Auszügen...
25.06.2002 – Der Tag des Halbfinales....
Gegen 11:00h erwachte der liebe Jürgen und begab sich für die erste Zigarette auf seinen geliebten Balkon. Es folgte der gewöhnliche Blick zum Himmel, denn wer traut schon den Vorraussagen vom Kachelmann... Da ich keine Wolken am blauen Himmel erkennen konnte, musste dies ein Freibadtag sein. Doch gab es ein gewaltiges Problem. Es ist der Tag des Halbfinales, um 13:30h soll es gegen Südkorea um den Einzug ins Finale gehen und ich kann doch nicht gegen eine der deutschen Tugenden verstoßen. Es ist mittlerweile eine kultureller Zwang der Deutschen, sich Fußballspiele Live im Fernsehen zu betrachten.
Gegen diese kulturellen Werte meines Landes wollte ich natürlich nicht verstoßen und so geriet ich in eine Zwickmühle. Schließlich kam ich mit mir überein, dass ich nach der regulären Spielzeit ins Freibad fahre. Sollte eine Verlängerung folgen, so werde ich sie mir im Freibad anschauen. Ja, so werde ich es machen.
Irgendwie verging die Zeit bis zum Anstoß überhaupt nicht. Stetig schaute ich auf die Uhr, doch die Zeiger schienen sich nicht zu bewegen. So lauschte ich also den Kommentaren und Analysen des Mannes mit dem fiesen Scheitel (Günther Netzer). Meine Uhr zeigte jetzt 13:00h, noch eine halbe Stunde. Auf die Schnelle musste dann noch ein Teller Nudeln daran glauben, denn Kohlenhydrate sind doch das A und O für Sportler. Pünktlich zur Nationalhymne fand ich mich auf meinem Tribünenplatz, dem Sessel ein. Mir fiel auf, dass die meisten Stadien ein besseres Rahmenprogramm vorweisen können und diverse Leckereien anbieten. Dagegen hat mein Tribünenplatz eher das Niveau einer Hobbymannschaft, denn mir fehlte der Antrieb, mir Leckereien bereitzustellen.
Der Anpfiff, die Show begann und ich kauerte erwartungsvoll auf dem Sessel. Diesen verließ ich in der ersten Halbzeit nur zweimal und könnte mir eine Zigarettenpause auf dem Balkon. Dabei stellte ich fest, dass man vom Balkon aus auch hervorragend das Spiel verfolgen konnte. Für die zweite Halbzeit sollte dies meine VIP Lounge sein.
Die Halbzeit, was mache ich jetzt, außer dem üblichen Toilettengang? Ich entschied mich schon mal meine Badesachen zu packen und sie Abflugbereit an die Haustür zu stellen. Ich stellte in diesem Moment auch fest, dass das Wetter immer besser wurde. Das Thermometer zeigte 26°C im Schatten...
Die zweite Halbzeit begann und für mich spielten die Deutschen immer noch den besseren Fußball. Mittlerweile war ich mir auch sicher, dass wir dieses Spiel nach Hause bringen würden. Die ersten Glückshormone strömten aus meinen Körper, jedoch nur wieder kurze Zeit, wofür eindeutig Heribert Fassbender verantwortlich war. Die zweite Aufregung erfolgte in der 70 Minute des Spiels, uns Rudi brachte Oliver Bierhoff. Lautstark äußerte ich meinen Unmut über diese Entscheidung, was auch meine Nachbarn registrierten, denn ich befand mich immer noch auf dem Balkon.
Die Sonne beruhigte mich jedoch wieder sofort, in dem sie zärtlich über meine Schulter strich und mir so etwas Wärme schenkte.
Fast hätte ich vor soviel Wärme in der 75 Minute des Spieles das wichtige Tor versäumt. Doch rechtzeitig stieß ich es raus „Toooooooooooorrrrrrrrrrrrrrrrrrrr“.... am liebsten hätte ich gleich gebrüllt „...Deutschland ist Weltmeister“, aber darauf muss ich jetzt wohl bis Sonntag warten. Mich erstaunte aber, aus wie vielen Haushalten der Torschrei erklang. Dies war aber logisch, denn auf der Straße herrschte gähnende Leere. Ich könnte sogar schwören, dass keine Bahn fuhr und ich keinen Flieger am Himmel erblickte, jedoch tue ich dies als Mutmaßung ab.
Die restlichen Spielminuten vergingen wie im Fluge und gedanklich war ich schon im Schwimmbad, zu welchem ich pünktlich zum Spielschluss fuhr.
Schon auf dem Weg ins Schwimmbad fiel mir auf, dass die Strassen sich jetzt erst langsam wieder füllten. Vielen Gesichtern war eine Erleichterung und Freude anzusehen, was auch sehr verständlich ist.
Der Schwimmbadparkplatz, welcher normal bei so einem Wetter aus den Nähten platzt, war halb verwaist. Genau vor dem Eingang fand ich noch ein schattiges Plätzchen für mein motorisiertes Gefährt. Nachdem ich auch den lästigen Eintritt bezahlt hatte und die Tür durchschritt, traf mich fast der Schlag. Das Schwimmerbecken war fast leer. An den beiden anderen Becken war es nicht anders. Auch die Wiesen waren nur spärlich gefüllt. Man sah nur Kinder und Frauen, die Herren der Schöpfung suchte man vergebens, was auch ungewöhnlich war.
Nach einem 30 minütigen Sonnenbad ereilte mich ein größerer Durst. Schwups schwang ich mich in ein T-Shirt und machte mich zur Außenterrasse des Kiosk auf. Dort wählte ich mir einen Platz am Becken und bestellte ein „3 Schlüssel“ Bier, was einige auch „Franziskaner Hefeweizen“ nennen. In der Zeit meines Verweilens schweifte mein Blick rund um das Becken. Hierbei fiel mir erschreckend auf, dass immer mehr Kinder im Alter von 4-10 unter Fettsucht leiden. Nicht genug das sie erhebliches Übergewicht haben, was wohl die Eltern nicht stört, sie äßen auch noch lustig drauf los. Ein Junge kam drei Mal an mir vorbei. In diesem 30 Minuten kaufte er sich ein Eis, eine Cola und eine Portion Fritten. Ein Blick auf seinen Körper verriet, dass er dies nicht zum ersten Mal machte.
Denke ich meine Zeit als Kind im Schwimmbad zurück, stelle ich fest das es so was nicht gab. Ab und an mal ein Eis oder eine Wurst, doch fielen diese Tage meistens auf Feiertage.... Eventuell ist das auch einer der Gründe, warum es in meiner Kindheit nicht soviel dicke Kinder gab. Ehrlich gesagt kann ich mich an kein einziges erinnern.
Heute machen es sich bestimmt viele Eltern zu einfach mit der Ernährung. Dazu noch die mangelnde Bewegung und einen inkonsequenten Kinderarzt, der derartiges sofort erkennen müsste und dementsprechend handeln müsste. Dieses Thema beschäftigte mich noch lange am Beckenrand. Ablenkt wurde ich nur von einem anderen, eher amüsanteren Thema.
Badenmoden, für einige wohl das unwichtigste was es gibt, denn bei einigen passte nichts zusammen, addiert man mal Badekleidung und Figur. Da war der Bierbäuchige Opa mit einem modischen Slip, den man eigentlich nur erahnen konnte und die super Schlanke Mutter, welche einen Badeanzug in Kastenform trägt. Dazu noch einige Farben aus den vergangenen Jahrzehnten. Dagegen wirkte ich mit einer oliven Short noch recht modisch. Oder liegt es vielleicht daran, dass ich weiß welche Farben und Schnitte mir stehen und es mich auch interessiert? Es wird wohl so sein... Wäre es zu einer Wahl der widerlichsten Badekleidung gekommen, so hätte die Jury sehr viele Modelle bewerten müssen, was aber auch zur Erheiterung des Publikums beigetragen hätte.
Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich solche Menschen verachte oder nicht mag. Ich frage mich nur ernsthaft, ob sie überhaupt von ihren Probleme wissen oder ob sie etwas dagegen unternehmen wollen oder würden... Diese Frage beschäftigte mich auch weiter auf dem Handtuch. Erst durch die Abkühlung des Wassers legten sich meine Gedanken.
Plötzlich erschallte auch die Durchsage, dass das Schwimmbad in einer Stunde schließen würde, es war also schon 19h. Für mich das sichere Zeichen des Aufbruches. Zuhause angekommen folgte dann die Dusche und die abschließende Ziggi auf meinem Balkon. Anschließend begab ich mich wieder zu Euch, zu den Lesern........
Jetzt wisst Ihr, was mich an diesem Tage, dem Halbfinalstag der Deutschen so bewegt hat.........
Es grüßt Euch Jürgen oder auch TempoAW
25.06.2002 – Der Tag des Halbfinales....
Gegen 11:00h erwachte der liebe Jürgen und begab sich für die erste Zigarette auf seinen geliebten Balkon. Es folgte der gewöhnliche Blick zum Himmel, denn wer traut schon den Vorraussagen vom Kachelmann... Da ich keine Wolken am blauen Himmel erkennen konnte, musste dies ein Freibadtag sein. Doch gab es ein gewaltiges Problem. Es ist der Tag des Halbfinales, um 13:30h soll es gegen Südkorea um den Einzug ins Finale gehen und ich kann doch nicht gegen eine der deutschen Tugenden verstoßen. Es ist mittlerweile eine kultureller Zwang der Deutschen, sich Fußballspiele Live im Fernsehen zu betrachten.
Gegen diese kulturellen Werte meines Landes wollte ich natürlich nicht verstoßen und so geriet ich in eine Zwickmühle. Schließlich kam ich mit mir überein, dass ich nach der regulären Spielzeit ins Freibad fahre. Sollte eine Verlängerung folgen, so werde ich sie mir im Freibad anschauen. Ja, so werde ich es machen.
Irgendwie verging die Zeit bis zum Anstoß überhaupt nicht. Stetig schaute ich auf die Uhr, doch die Zeiger schienen sich nicht zu bewegen. So lauschte ich also den Kommentaren und Analysen des Mannes mit dem fiesen Scheitel (Günther Netzer). Meine Uhr zeigte jetzt 13:00h, noch eine halbe Stunde. Auf die Schnelle musste dann noch ein Teller Nudeln daran glauben, denn Kohlenhydrate sind doch das A und O für Sportler. Pünktlich zur Nationalhymne fand ich mich auf meinem Tribünenplatz, dem Sessel ein. Mir fiel auf, dass die meisten Stadien ein besseres Rahmenprogramm vorweisen können und diverse Leckereien anbieten. Dagegen hat mein Tribünenplatz eher das Niveau einer Hobbymannschaft, denn mir fehlte der Antrieb, mir Leckereien bereitzustellen.
Der Anpfiff, die Show begann und ich kauerte erwartungsvoll auf dem Sessel. Diesen verließ ich in der ersten Halbzeit nur zweimal und könnte mir eine Zigarettenpause auf dem Balkon. Dabei stellte ich fest, dass man vom Balkon aus auch hervorragend das Spiel verfolgen konnte. Für die zweite Halbzeit sollte dies meine VIP Lounge sein.
Die Halbzeit, was mache ich jetzt, außer dem üblichen Toilettengang? Ich entschied mich schon mal meine Badesachen zu packen und sie Abflugbereit an die Haustür zu stellen. Ich stellte in diesem Moment auch fest, dass das Wetter immer besser wurde. Das Thermometer zeigte 26°C im Schatten...
Die zweite Halbzeit begann und für mich spielten die Deutschen immer noch den besseren Fußball. Mittlerweile war ich mir auch sicher, dass wir dieses Spiel nach Hause bringen würden. Die ersten Glückshormone strömten aus meinen Körper, jedoch nur wieder kurze Zeit, wofür eindeutig Heribert Fassbender verantwortlich war. Die zweite Aufregung erfolgte in der 70 Minute des Spiels, uns Rudi brachte Oliver Bierhoff. Lautstark äußerte ich meinen Unmut über diese Entscheidung, was auch meine Nachbarn registrierten, denn ich befand mich immer noch auf dem Balkon.
Die Sonne beruhigte mich jedoch wieder sofort, in dem sie zärtlich über meine Schulter strich und mir so etwas Wärme schenkte.
Fast hätte ich vor soviel Wärme in der 75 Minute des Spieles das wichtige Tor versäumt. Doch rechtzeitig stieß ich es raus „Toooooooooooorrrrrrrrrrrrrrrrrrrr“.... am liebsten hätte ich gleich gebrüllt „...Deutschland ist Weltmeister“, aber darauf muss ich jetzt wohl bis Sonntag warten. Mich erstaunte aber, aus wie vielen Haushalten der Torschrei erklang. Dies war aber logisch, denn auf der Straße herrschte gähnende Leere. Ich könnte sogar schwören, dass keine Bahn fuhr und ich keinen Flieger am Himmel erblickte, jedoch tue ich dies als Mutmaßung ab.
Die restlichen Spielminuten vergingen wie im Fluge und gedanklich war ich schon im Schwimmbad, zu welchem ich pünktlich zum Spielschluss fuhr.
Schon auf dem Weg ins Schwimmbad fiel mir auf, dass die Strassen sich jetzt erst langsam wieder füllten. Vielen Gesichtern war eine Erleichterung und Freude anzusehen, was auch sehr verständlich ist.
Der Schwimmbadparkplatz, welcher normal bei so einem Wetter aus den Nähten platzt, war halb verwaist. Genau vor dem Eingang fand ich noch ein schattiges Plätzchen für mein motorisiertes Gefährt. Nachdem ich auch den lästigen Eintritt bezahlt hatte und die Tür durchschritt, traf mich fast der Schlag. Das Schwimmerbecken war fast leer. An den beiden anderen Becken war es nicht anders. Auch die Wiesen waren nur spärlich gefüllt. Man sah nur Kinder und Frauen, die Herren der Schöpfung suchte man vergebens, was auch ungewöhnlich war.
Nach einem 30 minütigen Sonnenbad ereilte mich ein größerer Durst. Schwups schwang ich mich in ein T-Shirt und machte mich zur Außenterrasse des Kiosk auf. Dort wählte ich mir einen Platz am Becken und bestellte ein „3 Schlüssel“ Bier, was einige auch „Franziskaner Hefeweizen“ nennen. In der Zeit meines Verweilens schweifte mein Blick rund um das Becken. Hierbei fiel mir erschreckend auf, dass immer mehr Kinder im Alter von 4-10 unter Fettsucht leiden. Nicht genug das sie erhebliches Übergewicht haben, was wohl die Eltern nicht stört, sie äßen auch noch lustig drauf los. Ein Junge kam drei Mal an mir vorbei. In diesem 30 Minuten kaufte er sich ein Eis, eine Cola und eine Portion Fritten. Ein Blick auf seinen Körper verriet, dass er dies nicht zum ersten Mal machte.
Denke ich meine Zeit als Kind im Schwimmbad zurück, stelle ich fest das es so was nicht gab. Ab und an mal ein Eis oder eine Wurst, doch fielen diese Tage meistens auf Feiertage.... Eventuell ist das auch einer der Gründe, warum es in meiner Kindheit nicht soviel dicke Kinder gab. Ehrlich gesagt kann ich mich an kein einziges erinnern.
Heute machen es sich bestimmt viele Eltern zu einfach mit der Ernährung. Dazu noch die mangelnde Bewegung und einen inkonsequenten Kinderarzt, der derartiges sofort erkennen müsste und dementsprechend handeln müsste. Dieses Thema beschäftigte mich noch lange am Beckenrand. Ablenkt wurde ich nur von einem anderen, eher amüsanteren Thema.
Badenmoden, für einige wohl das unwichtigste was es gibt, denn bei einigen passte nichts zusammen, addiert man mal Badekleidung und Figur. Da war der Bierbäuchige Opa mit einem modischen Slip, den man eigentlich nur erahnen konnte und die super Schlanke Mutter, welche einen Badeanzug in Kastenform trägt. Dazu noch einige Farben aus den vergangenen Jahrzehnten. Dagegen wirkte ich mit einer oliven Short noch recht modisch. Oder liegt es vielleicht daran, dass ich weiß welche Farben und Schnitte mir stehen und es mich auch interessiert? Es wird wohl so sein... Wäre es zu einer Wahl der widerlichsten Badekleidung gekommen, so hätte die Jury sehr viele Modelle bewerten müssen, was aber auch zur Erheiterung des Publikums beigetragen hätte.
Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich solche Menschen verachte oder nicht mag. Ich frage mich nur ernsthaft, ob sie überhaupt von ihren Probleme wissen oder ob sie etwas dagegen unternehmen wollen oder würden... Diese Frage beschäftigte mich auch weiter auf dem Handtuch. Erst durch die Abkühlung des Wassers legten sich meine Gedanken.
Plötzlich erschallte auch die Durchsage, dass das Schwimmbad in einer Stunde schließen würde, es war also schon 19h. Für mich das sichere Zeichen des Aufbruches. Zuhause angekommen folgte dann die Dusche und die abschließende Ziggi auf meinem Balkon. Anschließend begab ich mich wieder zu Euch, zu den Lesern........
Jetzt wisst Ihr, was mich an diesem Tage, dem Halbfinalstag der Deutschen so bewegt hat.........
Es grüßt Euch Jürgen oder auch TempoAW
Bewerten / Kommentar schreiben