Erfahrungsbericht von vampire-lady
Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Es ist vollbracht! Nachdem ich 14 Jahre um dieses Buch herumschlich, habe ich die über 1100 Seiten des Wälzers „die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley hinter mich gebracht. Ich habe das Buch damals für DM 50,- als Sonderedition von drei Bänden gekauft. In dieser Edition erscheint „die Nebel von Avalon“ als letzter Teil einer Trilogie (Teil 1: die Wälder von Albion – Teil 2: die Herrin von Avalon). Von der chronologischen Blickweise her, ist es interessant zu wissen, daß Teil 1+2 nach „die Nebel von Avalon“ geschrieben wurden, und eigentlich an dessen Erfolg anknüpfen sollten. Des weiteren scheint es gerade im Fantasybereich unheimlich modern zu sein, ganze Chroniken aus mehreren Romanteilen zu schreiben – was ich nicht bedaure.
Ich habe „die Nebel von Avalon“ nun wirklich als dritten Teil der Sonderedition gelesen und war ausgesprochen überrascht. Teil 1+2 waren nicht schlecht, fallen aber nicht in die Kategorie der Bücher, wo ich sage: werde ich irgendwann noch einmal lesen – was Teil 3 aber ohne weiteres und trotz der 1000 Seiten gelingt.
Die Geschichte beschreibt die Artus-Sage aus einem anderen Blickwinkel. Häufig wird gesagt, „die Nebel von Avalon“ sei für Frauen geschrieben worden, weil es vorwiegend aus der Sichtweise von Frauen erzählt wird. Meiner Ansicht nach eine reichlich alberne Aussage. Vielmehr beschreibt das Buch die alte Sage aus der Sicht einer anderen als der christlichen Religion. Nämlich aus der Sicht der Priesterinnen von Avalon, die an die große Göttin und an das Feenreich glaubten und um den Erhalt ihrer Religion in einem Zeitalter kämpfen in der sich das Christentum mit seinen übleren Auswirkungen durchsetzt. Was das Buch vielleicht zur Frauenliteratur macht ist, dass diese Priesterinnen durchaus in der Lage sind, ihr Gehirn über Kinder, Küche und Keller hinaus zu nutzen.
Auf Basis der Artus-Sage erlebt der Leser so auch den Niedergang einer alten Religion, die sich mit ihren historischen Wurzeln aber in das Christentum integriert, was am Ende der letzte Trost sein wird, wenn der Ort Avalon im Nichts entschwindet.
Die Artus-Sage in Kürze:
Artus als Sohn aus dem Ehebruch zwischen Igraine und König Uther, eingefädelt durch den Druiden-Zauberer Merlin, wird mit Hilfe des magischen Schwertes Excalibur, das ihn beschützt, König von Britannien. Er gründet Camelot und die Tafelrunde, für das Land beginnt ein goldenes Zeitalter. Verheiratet ist Artus mit Gwenhyfar, die aber wiederum mit seinem besten Freund und Ritter Lancelot fremdgeht. Artus und Gwenhyfar bleiben kinderlos. Der König hat aber einen Sohn, Mordred, mit seiner Schwester Morgaine, die in der alten Sage als Hexe erscheint und den Thron will. Dieser Sohn outet Gwenhyfars Affäre, was damit endet, daß Artus und Mordred sich gegenseitig töten.
„die Nebel von Avalon“ betrachten die beschriebene Sage als die christliche Weitergabe. In der Welt des Buches aber ist Morgaine keine böse Hexe, sondern eine Priesterin die unwissentlich und zum Schutze der alten Religion. Die Priesterinnen wollen einen Sohn von Artus aus königlichem Geblüt, falls der König seinen Schwur, Avalon zu schützen nicht einhält. Diesen Schwur leistete der König im Gegenzug für den Erhalt des heiligen Schwertes Excalibur. Die Figuren geraten so in den Strudel aus Plänen, Intrigen und Wünschen anderer Figuren, die alle das Beste für Britannien wollen, aber dabei gegeneinander arbeiten – was am Ende alles irgendwo ins Verderben schickt.
Die Geschichte wird wechselnd aus den Blickwinkeln der starken Frauenfiguren erzählt, wobei die Autorin besonders die vorher bösartige Figur der Morgaine in das Zentrum des Geschehens gerückt hat. Die Figuren erscheinen dem Leser sehr lebendig und vertraut, was wiederum für Morgaine im besonderen Maße zutrifft. Ausgesprochen nervig ist Artus Frau Gwenhyfar, die zwar nicht wirklich doof ist, teilweise aber einfach nur unterbelichtet das daher betet, was ihr erzählt worden ist und sofort die Denktätigkeit einstellt, wenn sie an den Punkt gelangt an dem man eigentlich seine Gedanken hinterfragen würde. Dies gilt auch für ihre grenzenlose Religiosität, die Morgaine nervt – und auch den Leser. Im Zusammenhang mit der schönen Gwenhyfar fragt man sich bald, ob auch Sagenhelden, wie Lancelot und Artus, besser gucken konnten als denken.
Im wesentlich ist zu den Figuren zu sagen, dass die Autorin die bekannten Erscheinungen der Sage aus ihren recht einfachen Charakterisierungen reißt und ihnen Leben verleiht, indem sie gute und schlechte Eigenschaften erhalten. Einige der alten Figuren werden auch aufgeteilt. So gibt es nicht nur einen Merlin, sondern zwei. Es treten also wesentlich mehr Charaktere in Erscheinung als man eigentlich vermutet. Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem mir die einzelnen Figuren so bekannt wurden, wie in diesem Buch.
Was mich an dem Buch etwas störte, waren die häufig stattfindenden Diskussionen über Religion und Kirche. Teilweise wurden hier zwar recht interessante Denkanstöße gegeben, allerdings sind beide Themen nicht so ganz nach meinem Geschmack. Was ich leider nicht beurteilen kann, ist wie das Buch in den geschichtlichen Hintergrund eingeflochten ist, was die Autorin für sich beansprucht.
Ein guter Bekannter (Buchhändler) von mir, hat mich übrigens für bekloppt erklärt, weil ich das Buch in der deutschen Übersetzung gelesen habe – diese soll nämlich einigermaßen miserabel sein. Da ich es aber schon gekauft hatte, blieb ich bei der deutschen Version. Dieser Hinweis soll mal für die Leute gelten, die gern Bücher im Original lesen.
Das Buch hat mich insoweit begeistert, daß ich die ersten 700 Seiten nur so weggefressen habe. Danach verließ mich die Zeit, so daß ich doch eine Weile für den Rest brauchte. Bleibt man eisern dran, dürfte der Wälzer so in 16 bis 20 Stunden zu bewältigen sein.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-25 15:42:05 mit dem Titel Die Herrin von Avalon, Marion Zimmer Bradley
Wie bereits angedroht, habe ich nach „die Wälder von Albion“ nun den zweiten Teil der Avalon-Reihe mit dem Titel „die Herrin von Avalon“ gelesen. Beide Titel bilden zusammen mit dem bekannten Roman „die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley eine Trilogie, die mit einer Interpretation der Arthus-Sage enden werden. Wichtig ist zu sagen, daß der Erfolgsroman der 80er „die Nebel von Avalon“ zwar das dritte Buch der Trilogie ist, (daß demnach die anderen Bücher zeitlich vor dem Geschehen dieses Romans angesiedelt wurden,) aber trotzdem vor den anderen beiden Büchern geschrieben wurde. Da ich alle drei Bücher vorliegen habe, habe ich mich entschlossen, die Romanfolge auch in Form der Trilogie zu lesen und nicht mit „die Nebel von Avalon“ zu beginnen.
Ich habe seinerzeit die drei Bücher zusammen als Sonderedition für DM 50,- gekauft. „die Herrin von Avalon“ ist eine Schwarte von 589 Seiten und erschien im Krüger-Verlag. Das Original „the Lady of Avalon“ entstand im Jahr 1996, die deutsche Version erschien ein Jahr später. Der Roman entstand wieder unter Mitwirkung einer Diana L Paxson, die die Schwester der Autorin ist und die wohl für die historische Einbindung der Geschichte verantwortlich war. Zum Lesen der benötigte ich gute sieben Stunden.
Vorab will ich schon einmal sagen, daß mich dieses Buch weniger in den Bann gezogen hat, als sein Vorgänger. Einfach weil wieder und wieder die gleiche Geschichte erzählt wird: eine Hohepriesterin eines alten Druidenglaubens in Britannien versucht in die Geschicke des Landes einzugreifen, was auch zeitweise gelingt, sie hat was mit einem wichtigen Mann, selbiger stirbt, sie ist aber schwanger.
Die Geschichte „der Herrin von Avalon“ beginnt dort, wo der Vorgängerroman endete. Gawen, der Sohn einer verstorbenen Hohepriesterin und ihres Geliebten (gleichfalls verblichen) wird von der besten Freundin, gleichzeitig der neuen Hohepriesterin Caillean nach Avalon gebracht – ein magischer Ort an dem der Orden der Priesterinnen eine neue Heimat finden soll. Dem Jungen ist eine höhere Aufgabe prophezeit, als Sohn der 100 Könige blickt seine Blutlinie bis nach Atlantis zurück, er ist seit langem der erste Träger Excaliburs (des Sternenschwerts), liebt Siannah eine künftige Hohepriesterin und Tochter einer Fee, die den Priesterinnen eng verbunden ist und wird nach Erfüllung seiner Aufgabe jung sterben. Aus dem Grunde, weil er den alten Glauben gegen die Römer verteidigt, die diesen Glauben mittlerweile komplett verboten haben. Währenddessen hat sich das Christentum radikal durchgesetzt und wird fast ebenso radikal gegen die „Heiden“ verteidigt. Avalon steht als einsame Insel in dieser Situation, als Schutz wird Avalon nun mit Hilfe der Fee in eine Art Zwischenwelt verlagert. Den Weg dorthin kennen nur die Wissenden (Druiden und Priesterinnen).
Die Geschichte bricht und wird etwa 150 Jahre später neu aufgenommen. Britannien leidet unter stetigen Angriffen von barbarischen Piraten, hat aber keine eigenen kampffähigen Männer (diese wurden in der Vergangenheit von den Römern ausgerottet und befriedet). Das römische Reich pfeift auf dem letzten Loch, kassiert zwar gern in Britannien ab, tut aber nichts zu dessen Verteidigung. Mit der Hilfe der Hohepriesterin Dierna gelangt Carausius zu höchsten Ehren und ruft sich selbst zum Imperator Britanniens aus – wird aber wenig später verraten und stirbt auf dem Weg nach Avalon.
Aus beiden Buchteilen geht immer wieder ein Kind hervor, welches auch weiter das Fortbestehen Avalons sichert – wobei des öfteren das Thema von Seelenwanderung und Wiedergeburt aufgegriffen wird, weshalb sich die Figuren teilweise aus der Vergangenheit kennen.
Etwa an dieser Stelle, war ich zum ersten Male versucht, das Buch von dannen zu schleudern. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn eine Hauptfigur darnieder gemeuchelt wird, gerade zu dem Zeitpunkt an dem man sich erst an sie gewöhnt hat.
Etwas erheiternder war dann die folgende Geschichte der Viviane (noch mal etwa 150 Jahre später). Mittlerweile wird das Christentum in England sehr radikal vertreten, Ketzer gern mal gesteinigt. Die Priesterinnen haben sich innerhalb ihres Heiligtums Avalon zurückgezogen wie nie zuvor. Britannien wird von den erstarkten Germanen (Sachsen) immer wieder auf das Übelste angegriffen. Das Land selbst ist zerschlagen und benötigt dringend einen neuen Herrscher, der das Land eint. Der Sohn Vortigern (eines mächtigen Anführers) wendet sich an die Hohepriesterin Ana, bittet um eine Voraussage und deren Unterstützung. Ana sorgt dafür, daß dieser Sohn (Vortimer) eine Verbindung mit der zukünftigen Hohepriesterin Viviane (Ana’s Tochter) eingeht. Nachdem Vortimer eine entscheidende Schlacht gegen sie Germanen geschlagen hat, wird auch er das Zeitliche segnen und Viviane schwanger zurücklassen. Ana hat mittlerweile Igraine zur Welt gebracht (die wird später mal Arthus Mutter werden). Nachdem Vivianes Kind stirbt, kümmert sie sich um ein weiteres Kind ihrer Mutter, der Ana bei dessen Geburt ebenfalls stirbt. Dies treibt nun Anas zurückgebliebenen Geliebten dazu, seinen Körper als das Gefäß für den Merlin Britanniens zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit Viviane schwört Merlin für den kommenden König (also später mal Arthus) den Weg frei zu halten.
Das Buch endet mit dem Übergang der Fee in ihr Reich – diese sieht was die Geschichtsbücher erzählen, was nicht nur den Untergang des Arthus als auch den von Avalon als Symbol des alten Glaubens bedeutet. Hoffentlich hat die arme Fee nicht die Royals des 21. Jahrhunderts auch noch gesehen (die Ärmste *g).
So scheinen alle vergangenen Opfer als sinnlos erbracht. Und von Opfern spricht „die Herrin von Avalon“ gar zahlreich. Das Buch führt den Leser noch weiter in den mystischen Druidenglauben als „die Wälder von Albion“ – einfach weil man erkennt, daß sich die Priesterinnen von den Einschränkungen, die ihnen von den Römern auferlegt wurden, befreien konnten – sie haben ihre alte Religion neu definieren können. Während die Hohepriesterinnen des ersten Trilogieteils recht werkzeughaft agieren, treffen wir hier starke und sehr selbstbestimmte Persönlichkeiten, die ihre Macht durchaus nutzen und ausüben.
Das Buch muß natürlich einen Bogen schlagen, der einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren umfasst, was durch die Aufteilung der Geschichte in drei Teile prinzipiell recht gut gelöst ist. Trotzdem finde ich den Einsatz der zahlreichen Parallelen sehr übertrieben – eben weil mir die gewohnte Figur immer wieder genommen wird. Einen guten Einblick in historische Gegebenheiten erhält man allerdings auf diese Art und Weise. Interessant ist, wie die verstorbenen Figuren plötzlich in den Geschichten der Lebendigen wieder auftauchen – trotzdem bleiben sie verblasst. Was einst als großes Opfer dienen sollte, wird später eine einfache Geschichte. Je mehr eine Priesterin versucht, in das Geschehen einzugreifen, desto mehr laufen die Dinge aus dem Ruder – man beginnt wieder ans Schicksal zu glauben. Letztendlich muß man einfach hinnehmen, daß nicht die Menschen die Hauptfiguren der Geschichte sind, sondern daß Avalon das Zentrum der Geschichte ist – eine Lehre die der Leser annehmen muß, wie vor ihm die Priesterinnen, sonst wird man mit diesem Buch keineswegs glücklich werden.
Einige Längen zeigt das Buch bei der Schilderung der alten heidnischen Rituale und bei der Beschreibung des einen oder anderen Rituals – ebenso wie bei der Schilderung von Kriegs- und Kampfgeschehnissen. Wer es mag?!
Abschließend bleibt zu sagen, daß ich das Buch nicht so ganz besonders fand. Nach einem guten ersten Teil und einem von mir sehnsüchtig erwarteten Zeitpunkt, um mit dem Klassiker, also mit dem dritten Teil zu beginnen, kann ich einfach nur sagen, daß eine passable Lösung gefunden wurde, um beide Teile miteinander in zeitliche Relation zu setzen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-25 15:43:00 mit dem Titel Die Wälder von Albion, Marion Zimmer Bradley
„Die Nebel von Avalon“ dürfte wohl den meisten ein Begriff sein – zumindest ist dieses Buch seit Anfang der 80er Jahre ständig in Bücherläden zu finden und dürfte der bekannteste Titel von Marion Zimmer Bradley sein. Wahrscheinlich aus Erfolgsgründen hat die Autorin zwei weitere Romane um Avalon geschrieben, die zeitlich vor der Artus-Sage, die als Grundlage für „die Nebel von Avalon“, anzusiedeln sind. Der somit entstanden Dreiteiler beginnt mit „die Wälder von Albion“, gefolgt von „der Herrin von Avalon“. Ich habe alle drei Bücher vor etwa 18 Monaten als Sonderedition für damals (!!!) DM 50,- ergattert – kam aber erst gestern dazu mit dem Lesen anzufangen. Die 687 Seiten des Taschenbuchs „die Wälder von Albion“ habe ich in etwa acht Stunden gelesen, wofür ich gerade telefonisch für bekloppt erklärt wurde. Ich lese allerdings auch sehr schnell, fühlte mich nebenbei auch sehr gefesselt von der Geschichte.
Die Geschichte spielt in England und deckt etwa 15 Jahre ab. Das römische Reich befindet sich auf dem absteigenden Ast, Christen werden langsam akzeptiert. Noch halten sich die Römer und haben sich auch die britische Insel unter den Nagel gerissen. Mit typischer Haltung der Invasoren wollen die Römer den britischen Stämmen die Zivilisation nach römischer Art bringen. Die Invasoren leben mit ihren Familien auf der Insel, römische Siedlungen breiten sich aus – trotzdem ist eine Verbindung mit den Einheimischen unerwünscht, man blickt auf die Nichtrömer herab – verspricht aber den Frieden, solange die Stämme sich an die Gesetze der Römer halten. Schließlich wird deutlich, daß einige Römer auf der Insel bereits eine Heimat gefunden haben. Alles könnte so schön sein, gäbe es nicht die alte Legende um die Insel Mona – früher der Ort der Druiden und der Priesterinnen – an dem die einfallenden Legionäre ein Massaker veranstaltet hatten. Viele Druiden wurden niedergemetzelt, die Priesterinnen geschändet. Nur die männlichen Nachkommen (= die Raben)sollten diese Geschichte überleben. Auf der Seite der britischen Stämme findet man nun die besonnene Seite, die trotzdem mit den Römern Frieden halten wollen – zu ihnen gehört Ardanos, der höchste Druide. Im entgegen steht die Gruppe um seinen Schwiegersohn Bendeigid (auch Druide) und dessen Ziehsohn Cynric, einer der Raben. Diese Gruppe versucht alles, um Rache zu üben und die Römer niederzuringen.
Zwischen den Stühlen sitzen nun die Priesterinnen die nach alten Sitten immer noch eine wichtige Stellung in der Gesellschaft innehaben. Die Hohepriesterin ist das Orakel der Göttin und die Göttin spricht durch die Priesterin. Die Legende um Mona, im Zusammenspiel mit römischen Forderungen, die Ardanos als den Römern zugetan hinnimmt, hat das Leben der Priesterinnen stark eingeschränkt. Teile ihres alten Glaubens wurden verändert und sie verloren die Unabhängigkeit von den Druiden. Ardanos hat sogar aus der Hohepriesterin ein Werkzeug machen können, das seine Anweisungen ausführt, ohne dies aber zu wissen bzw. wissen zu wollen.
In diese Situation gerät der junge Römer Gaius, der den Briten zugetan ist – weil seine verstorbene Mutter eine Einheimische war. Allerdings ist Gaius einfach zum Römer erzogen und wird dies auch bleiben. Dummerweise verliebt er sich in Eilan, die Tochter von Bendeigid bzw. die Enkelin des Ardanos. Eine Hochzeit der beiden wird von den Familien abgelehnt. Ob es Schicksal ist oder göttliche Fügung, die beiden treffen sich trotzdem immer wieder, obwohl Gaius für die Römer gegen die Aufständischen Stämme vorgeht und Eilan zur Priesterin ausgebildet wird, für die Männer tabu sind. Da Eilan ausgesprochene seherische Kräfte besitzt erkennt sie, wie der alte Glauben und die Priesterinnen bisher manipuliert worden sind – nimmt aber weiterhin Ardanos’ Manipulationen hin, da sie mit ihm konform geht. Ein Traum sagt ihr aber, daß die Priesterin der Göttin Männern aber doch nicht ganz fern bleiben muß, weshalb sie bei ihrer Ernennung zur Hohepriesterin bereits mit Gaius Sohn Gawen schwanger ist. Die Geschichte wird zeigen, wie Gaius und Eilan voneinander getrennt ihren Lebensweg machen. Beide machen durchaus ansehnliche Karrieren, werden aber nie richtig glücklich sein, weil sie einfach zwischen allen Dingen stehen. Gaius entwickelt sich vorübergehend zum ehrgeizigen Ekelpaket, während Eilan den Priesterinnen die Unabhängigkeit von den Druiden zurückgeben kann, was sie auf den Weg nach Avalon, dem Sommerland bringt. Wozu der Sohn allerdings da ist, wird nicht verraten. Dieser wird mit Caillean Eilans engster Freundin und Nachfolgerin, sowie der einzigen wichtigen Figur, die überlebt hat, den Aufbau von Avalon weiter vorwärts bringen.
Interessant für den der die Oper „Norma“ kennt, ist es vielleicht zu wissen, daß die Autorin sich von der Geschichte dieser Oper hat inspirieren lassen.
Wie man schon daran erkennt, daß ich das Buch acht Stunden lang kaum aus der Hand gelegt habe, ist die Geschichte ohne Längen und flüssig geschrieben. Situationen und Orte sind zweckmäßig aber nicht langatmig oder schwelgerisch beschrieben. Zimmer Bradley gibt sich Mühe den Leser Einblicke in die mystische Welt der alten Druiden mit ihren Festen und Steinkreisen, ihren magischen Riten und Geheimnissen, aber auch in das römische Leben zu geben – wobei ich es immer schwierig finde zu beurteilen, welche Qualität derartige Informationen haben. Schließlich weiß man nie, wie viel künstlerische Freiheit sich ein Schreiberling gestattet hat. Allerdings verweist die Autorin auf eine Diana Paxson, die „dieses Buch fest in Raum und Zeit verankert“ hat – vielleicht eine Frau mit historischer Bildung?!
Überaus gelungen finde ich die Darstellung der Figuren. Auch wenn man (gerade wenn man andere Interpretationen der Artus-Sage kennt) geneigt ist, einzelnen Figuren den Stempel „gut/böse“ aufzudrücken, wird das nicht gelingen. Selbst die Römer (nach den ersten zwei Seiten, meint man eigentlich „aha, Römer: muß ich hassen“) sind nicht die bösen. Dies resultiert schon aus der Tatsachen, daß der Erzähler die Perspektiven häufig wechselt – und das dem Leser über kursiv gedruckte Textpassagen die Gedankenwelt der Figuren nahegebracht wird. Man wird schnell erkennen, daß die Figuren im Grunde genommen alle Charaktere mit Fehlern sind, die einem Ziel entgegenstreben von dem sie meinen das es das Beste für alle Beteiligten ist. Die Figuren handeln einfach menschlich, weshalb man ihre Taten nachvollziehen kann.
Leider hat man den englischen Titel „the Forest House“ mal wieder nicht ins Deutsche übernommen, da gerade ein kleines Haus im Wald auch eine Rolle innerhalb der Geschichte spielt. Der Titel erschien im Jahr 1993. Meine Sonderausgabe stammt aus dem Jahr 1997. Der Einband zeigt vorne eine Priesterin mit einer Schale, auf der Rückseite sieht man einen Steinkreis und drei Priesterinnen, die von einem Römer belauert werden. Über der Szene liegt Nebel.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 19:18:23 mit dem Titel nur der Pudding hörte mein Seufzen
Ein Buch, das zum diesjährigen Weihnachtsfest paßte, wie die Faust auf’s Auge: ich sagte zur Mutter >> koch’ keinen Pudding>liebe Freunde wir schenken uns nix!
Ich habe „die Nebel von Avalon“ nun wirklich als dritten Teil der Sonderedition gelesen und war ausgesprochen überrascht. Teil 1+2 waren nicht schlecht, fallen aber nicht in die Kategorie der Bücher, wo ich sage: werde ich irgendwann noch einmal lesen – was Teil 3 aber ohne weiteres und trotz der 1000 Seiten gelingt.
Die Geschichte beschreibt die Artus-Sage aus einem anderen Blickwinkel. Häufig wird gesagt, „die Nebel von Avalon“ sei für Frauen geschrieben worden, weil es vorwiegend aus der Sichtweise von Frauen erzählt wird. Meiner Ansicht nach eine reichlich alberne Aussage. Vielmehr beschreibt das Buch die alte Sage aus der Sicht einer anderen als der christlichen Religion. Nämlich aus der Sicht der Priesterinnen von Avalon, die an die große Göttin und an das Feenreich glaubten und um den Erhalt ihrer Religion in einem Zeitalter kämpfen in der sich das Christentum mit seinen übleren Auswirkungen durchsetzt. Was das Buch vielleicht zur Frauenliteratur macht ist, dass diese Priesterinnen durchaus in der Lage sind, ihr Gehirn über Kinder, Küche und Keller hinaus zu nutzen.
Auf Basis der Artus-Sage erlebt der Leser so auch den Niedergang einer alten Religion, die sich mit ihren historischen Wurzeln aber in das Christentum integriert, was am Ende der letzte Trost sein wird, wenn der Ort Avalon im Nichts entschwindet.
Die Artus-Sage in Kürze:
Artus als Sohn aus dem Ehebruch zwischen Igraine und König Uther, eingefädelt durch den Druiden-Zauberer Merlin, wird mit Hilfe des magischen Schwertes Excalibur, das ihn beschützt, König von Britannien. Er gründet Camelot und die Tafelrunde, für das Land beginnt ein goldenes Zeitalter. Verheiratet ist Artus mit Gwenhyfar, die aber wiederum mit seinem besten Freund und Ritter Lancelot fremdgeht. Artus und Gwenhyfar bleiben kinderlos. Der König hat aber einen Sohn, Mordred, mit seiner Schwester Morgaine, die in der alten Sage als Hexe erscheint und den Thron will. Dieser Sohn outet Gwenhyfars Affäre, was damit endet, daß Artus und Mordred sich gegenseitig töten.
„die Nebel von Avalon“ betrachten die beschriebene Sage als die christliche Weitergabe. In der Welt des Buches aber ist Morgaine keine böse Hexe, sondern eine Priesterin die unwissentlich und zum Schutze der alten Religion. Die Priesterinnen wollen einen Sohn von Artus aus königlichem Geblüt, falls der König seinen Schwur, Avalon zu schützen nicht einhält. Diesen Schwur leistete der König im Gegenzug für den Erhalt des heiligen Schwertes Excalibur. Die Figuren geraten so in den Strudel aus Plänen, Intrigen und Wünschen anderer Figuren, die alle das Beste für Britannien wollen, aber dabei gegeneinander arbeiten – was am Ende alles irgendwo ins Verderben schickt.
Die Geschichte wird wechselnd aus den Blickwinkeln der starken Frauenfiguren erzählt, wobei die Autorin besonders die vorher bösartige Figur der Morgaine in das Zentrum des Geschehens gerückt hat. Die Figuren erscheinen dem Leser sehr lebendig und vertraut, was wiederum für Morgaine im besonderen Maße zutrifft. Ausgesprochen nervig ist Artus Frau Gwenhyfar, die zwar nicht wirklich doof ist, teilweise aber einfach nur unterbelichtet das daher betet, was ihr erzählt worden ist und sofort die Denktätigkeit einstellt, wenn sie an den Punkt gelangt an dem man eigentlich seine Gedanken hinterfragen würde. Dies gilt auch für ihre grenzenlose Religiosität, die Morgaine nervt – und auch den Leser. Im Zusammenhang mit der schönen Gwenhyfar fragt man sich bald, ob auch Sagenhelden, wie Lancelot und Artus, besser gucken konnten als denken.
Im wesentlich ist zu den Figuren zu sagen, dass die Autorin die bekannten Erscheinungen der Sage aus ihren recht einfachen Charakterisierungen reißt und ihnen Leben verleiht, indem sie gute und schlechte Eigenschaften erhalten. Einige der alten Figuren werden auch aufgeteilt. So gibt es nicht nur einen Merlin, sondern zwei. Es treten also wesentlich mehr Charaktere in Erscheinung als man eigentlich vermutet. Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem mir die einzelnen Figuren so bekannt wurden, wie in diesem Buch.
Was mich an dem Buch etwas störte, waren die häufig stattfindenden Diskussionen über Religion und Kirche. Teilweise wurden hier zwar recht interessante Denkanstöße gegeben, allerdings sind beide Themen nicht so ganz nach meinem Geschmack. Was ich leider nicht beurteilen kann, ist wie das Buch in den geschichtlichen Hintergrund eingeflochten ist, was die Autorin für sich beansprucht.
Ein guter Bekannter (Buchhändler) von mir, hat mich übrigens für bekloppt erklärt, weil ich das Buch in der deutschen Übersetzung gelesen habe – diese soll nämlich einigermaßen miserabel sein. Da ich es aber schon gekauft hatte, blieb ich bei der deutschen Version. Dieser Hinweis soll mal für die Leute gelten, die gern Bücher im Original lesen.
Das Buch hat mich insoweit begeistert, daß ich die ersten 700 Seiten nur so weggefressen habe. Danach verließ mich die Zeit, so daß ich doch eine Weile für den Rest brauchte. Bleibt man eisern dran, dürfte der Wälzer so in 16 bis 20 Stunden zu bewältigen sein.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-25 15:42:05 mit dem Titel Die Herrin von Avalon, Marion Zimmer Bradley
Wie bereits angedroht, habe ich nach „die Wälder von Albion“ nun den zweiten Teil der Avalon-Reihe mit dem Titel „die Herrin von Avalon“ gelesen. Beide Titel bilden zusammen mit dem bekannten Roman „die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley eine Trilogie, die mit einer Interpretation der Arthus-Sage enden werden. Wichtig ist zu sagen, daß der Erfolgsroman der 80er „die Nebel von Avalon“ zwar das dritte Buch der Trilogie ist, (daß demnach die anderen Bücher zeitlich vor dem Geschehen dieses Romans angesiedelt wurden,) aber trotzdem vor den anderen beiden Büchern geschrieben wurde. Da ich alle drei Bücher vorliegen habe, habe ich mich entschlossen, die Romanfolge auch in Form der Trilogie zu lesen und nicht mit „die Nebel von Avalon“ zu beginnen.
Ich habe seinerzeit die drei Bücher zusammen als Sonderedition für DM 50,- gekauft. „die Herrin von Avalon“ ist eine Schwarte von 589 Seiten und erschien im Krüger-Verlag. Das Original „the Lady of Avalon“ entstand im Jahr 1996, die deutsche Version erschien ein Jahr später. Der Roman entstand wieder unter Mitwirkung einer Diana L Paxson, die die Schwester der Autorin ist und die wohl für die historische Einbindung der Geschichte verantwortlich war. Zum Lesen der benötigte ich gute sieben Stunden.
Vorab will ich schon einmal sagen, daß mich dieses Buch weniger in den Bann gezogen hat, als sein Vorgänger. Einfach weil wieder und wieder die gleiche Geschichte erzählt wird: eine Hohepriesterin eines alten Druidenglaubens in Britannien versucht in die Geschicke des Landes einzugreifen, was auch zeitweise gelingt, sie hat was mit einem wichtigen Mann, selbiger stirbt, sie ist aber schwanger.
Die Geschichte „der Herrin von Avalon“ beginnt dort, wo der Vorgängerroman endete. Gawen, der Sohn einer verstorbenen Hohepriesterin und ihres Geliebten (gleichfalls verblichen) wird von der besten Freundin, gleichzeitig der neuen Hohepriesterin Caillean nach Avalon gebracht – ein magischer Ort an dem der Orden der Priesterinnen eine neue Heimat finden soll. Dem Jungen ist eine höhere Aufgabe prophezeit, als Sohn der 100 Könige blickt seine Blutlinie bis nach Atlantis zurück, er ist seit langem der erste Träger Excaliburs (des Sternenschwerts), liebt Siannah eine künftige Hohepriesterin und Tochter einer Fee, die den Priesterinnen eng verbunden ist und wird nach Erfüllung seiner Aufgabe jung sterben. Aus dem Grunde, weil er den alten Glauben gegen die Römer verteidigt, die diesen Glauben mittlerweile komplett verboten haben. Währenddessen hat sich das Christentum radikal durchgesetzt und wird fast ebenso radikal gegen die „Heiden“ verteidigt. Avalon steht als einsame Insel in dieser Situation, als Schutz wird Avalon nun mit Hilfe der Fee in eine Art Zwischenwelt verlagert. Den Weg dorthin kennen nur die Wissenden (Druiden und Priesterinnen).
Die Geschichte bricht und wird etwa 150 Jahre später neu aufgenommen. Britannien leidet unter stetigen Angriffen von barbarischen Piraten, hat aber keine eigenen kampffähigen Männer (diese wurden in der Vergangenheit von den Römern ausgerottet und befriedet). Das römische Reich pfeift auf dem letzten Loch, kassiert zwar gern in Britannien ab, tut aber nichts zu dessen Verteidigung. Mit der Hilfe der Hohepriesterin Dierna gelangt Carausius zu höchsten Ehren und ruft sich selbst zum Imperator Britanniens aus – wird aber wenig später verraten und stirbt auf dem Weg nach Avalon.
Aus beiden Buchteilen geht immer wieder ein Kind hervor, welches auch weiter das Fortbestehen Avalons sichert – wobei des öfteren das Thema von Seelenwanderung und Wiedergeburt aufgegriffen wird, weshalb sich die Figuren teilweise aus der Vergangenheit kennen.
Etwa an dieser Stelle, war ich zum ersten Male versucht, das Buch von dannen zu schleudern. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn eine Hauptfigur darnieder gemeuchelt wird, gerade zu dem Zeitpunkt an dem man sich erst an sie gewöhnt hat.
Etwas erheiternder war dann die folgende Geschichte der Viviane (noch mal etwa 150 Jahre später). Mittlerweile wird das Christentum in England sehr radikal vertreten, Ketzer gern mal gesteinigt. Die Priesterinnen haben sich innerhalb ihres Heiligtums Avalon zurückgezogen wie nie zuvor. Britannien wird von den erstarkten Germanen (Sachsen) immer wieder auf das Übelste angegriffen. Das Land selbst ist zerschlagen und benötigt dringend einen neuen Herrscher, der das Land eint. Der Sohn Vortigern (eines mächtigen Anführers) wendet sich an die Hohepriesterin Ana, bittet um eine Voraussage und deren Unterstützung. Ana sorgt dafür, daß dieser Sohn (Vortimer) eine Verbindung mit der zukünftigen Hohepriesterin Viviane (Ana’s Tochter) eingeht. Nachdem Vortimer eine entscheidende Schlacht gegen sie Germanen geschlagen hat, wird auch er das Zeitliche segnen und Viviane schwanger zurücklassen. Ana hat mittlerweile Igraine zur Welt gebracht (die wird später mal Arthus Mutter werden). Nachdem Vivianes Kind stirbt, kümmert sie sich um ein weiteres Kind ihrer Mutter, der Ana bei dessen Geburt ebenfalls stirbt. Dies treibt nun Anas zurückgebliebenen Geliebten dazu, seinen Körper als das Gefäß für den Merlin Britanniens zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit Viviane schwört Merlin für den kommenden König (also später mal Arthus) den Weg frei zu halten.
Das Buch endet mit dem Übergang der Fee in ihr Reich – diese sieht was die Geschichtsbücher erzählen, was nicht nur den Untergang des Arthus als auch den von Avalon als Symbol des alten Glaubens bedeutet. Hoffentlich hat die arme Fee nicht die Royals des 21. Jahrhunderts auch noch gesehen (die Ärmste *g).
So scheinen alle vergangenen Opfer als sinnlos erbracht. Und von Opfern spricht „die Herrin von Avalon“ gar zahlreich. Das Buch führt den Leser noch weiter in den mystischen Druidenglauben als „die Wälder von Albion“ – einfach weil man erkennt, daß sich die Priesterinnen von den Einschränkungen, die ihnen von den Römern auferlegt wurden, befreien konnten – sie haben ihre alte Religion neu definieren können. Während die Hohepriesterinnen des ersten Trilogieteils recht werkzeughaft agieren, treffen wir hier starke und sehr selbstbestimmte Persönlichkeiten, die ihre Macht durchaus nutzen und ausüben.
Das Buch muß natürlich einen Bogen schlagen, der einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren umfasst, was durch die Aufteilung der Geschichte in drei Teile prinzipiell recht gut gelöst ist. Trotzdem finde ich den Einsatz der zahlreichen Parallelen sehr übertrieben – eben weil mir die gewohnte Figur immer wieder genommen wird. Einen guten Einblick in historische Gegebenheiten erhält man allerdings auf diese Art und Weise. Interessant ist, wie die verstorbenen Figuren plötzlich in den Geschichten der Lebendigen wieder auftauchen – trotzdem bleiben sie verblasst. Was einst als großes Opfer dienen sollte, wird später eine einfache Geschichte. Je mehr eine Priesterin versucht, in das Geschehen einzugreifen, desto mehr laufen die Dinge aus dem Ruder – man beginnt wieder ans Schicksal zu glauben. Letztendlich muß man einfach hinnehmen, daß nicht die Menschen die Hauptfiguren der Geschichte sind, sondern daß Avalon das Zentrum der Geschichte ist – eine Lehre die der Leser annehmen muß, wie vor ihm die Priesterinnen, sonst wird man mit diesem Buch keineswegs glücklich werden.
Einige Längen zeigt das Buch bei der Schilderung der alten heidnischen Rituale und bei der Beschreibung des einen oder anderen Rituals – ebenso wie bei der Schilderung von Kriegs- und Kampfgeschehnissen. Wer es mag?!
Abschließend bleibt zu sagen, daß ich das Buch nicht so ganz besonders fand. Nach einem guten ersten Teil und einem von mir sehnsüchtig erwarteten Zeitpunkt, um mit dem Klassiker, also mit dem dritten Teil zu beginnen, kann ich einfach nur sagen, daß eine passable Lösung gefunden wurde, um beide Teile miteinander in zeitliche Relation zu setzen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-25 15:43:00 mit dem Titel Die Wälder von Albion, Marion Zimmer Bradley
„Die Nebel von Avalon“ dürfte wohl den meisten ein Begriff sein – zumindest ist dieses Buch seit Anfang der 80er Jahre ständig in Bücherläden zu finden und dürfte der bekannteste Titel von Marion Zimmer Bradley sein. Wahrscheinlich aus Erfolgsgründen hat die Autorin zwei weitere Romane um Avalon geschrieben, die zeitlich vor der Artus-Sage, die als Grundlage für „die Nebel von Avalon“, anzusiedeln sind. Der somit entstanden Dreiteiler beginnt mit „die Wälder von Albion“, gefolgt von „der Herrin von Avalon“. Ich habe alle drei Bücher vor etwa 18 Monaten als Sonderedition für damals (!!!) DM 50,- ergattert – kam aber erst gestern dazu mit dem Lesen anzufangen. Die 687 Seiten des Taschenbuchs „die Wälder von Albion“ habe ich in etwa acht Stunden gelesen, wofür ich gerade telefonisch für bekloppt erklärt wurde. Ich lese allerdings auch sehr schnell, fühlte mich nebenbei auch sehr gefesselt von der Geschichte.
Die Geschichte spielt in England und deckt etwa 15 Jahre ab. Das römische Reich befindet sich auf dem absteigenden Ast, Christen werden langsam akzeptiert. Noch halten sich die Römer und haben sich auch die britische Insel unter den Nagel gerissen. Mit typischer Haltung der Invasoren wollen die Römer den britischen Stämmen die Zivilisation nach römischer Art bringen. Die Invasoren leben mit ihren Familien auf der Insel, römische Siedlungen breiten sich aus – trotzdem ist eine Verbindung mit den Einheimischen unerwünscht, man blickt auf die Nichtrömer herab – verspricht aber den Frieden, solange die Stämme sich an die Gesetze der Römer halten. Schließlich wird deutlich, daß einige Römer auf der Insel bereits eine Heimat gefunden haben. Alles könnte so schön sein, gäbe es nicht die alte Legende um die Insel Mona – früher der Ort der Druiden und der Priesterinnen – an dem die einfallenden Legionäre ein Massaker veranstaltet hatten. Viele Druiden wurden niedergemetzelt, die Priesterinnen geschändet. Nur die männlichen Nachkommen (= die Raben)sollten diese Geschichte überleben. Auf der Seite der britischen Stämme findet man nun die besonnene Seite, die trotzdem mit den Römern Frieden halten wollen – zu ihnen gehört Ardanos, der höchste Druide. Im entgegen steht die Gruppe um seinen Schwiegersohn Bendeigid (auch Druide) und dessen Ziehsohn Cynric, einer der Raben. Diese Gruppe versucht alles, um Rache zu üben und die Römer niederzuringen.
Zwischen den Stühlen sitzen nun die Priesterinnen die nach alten Sitten immer noch eine wichtige Stellung in der Gesellschaft innehaben. Die Hohepriesterin ist das Orakel der Göttin und die Göttin spricht durch die Priesterin. Die Legende um Mona, im Zusammenspiel mit römischen Forderungen, die Ardanos als den Römern zugetan hinnimmt, hat das Leben der Priesterinnen stark eingeschränkt. Teile ihres alten Glaubens wurden verändert und sie verloren die Unabhängigkeit von den Druiden. Ardanos hat sogar aus der Hohepriesterin ein Werkzeug machen können, das seine Anweisungen ausführt, ohne dies aber zu wissen bzw. wissen zu wollen.
In diese Situation gerät der junge Römer Gaius, der den Briten zugetan ist – weil seine verstorbene Mutter eine Einheimische war. Allerdings ist Gaius einfach zum Römer erzogen und wird dies auch bleiben. Dummerweise verliebt er sich in Eilan, die Tochter von Bendeigid bzw. die Enkelin des Ardanos. Eine Hochzeit der beiden wird von den Familien abgelehnt. Ob es Schicksal ist oder göttliche Fügung, die beiden treffen sich trotzdem immer wieder, obwohl Gaius für die Römer gegen die Aufständischen Stämme vorgeht und Eilan zur Priesterin ausgebildet wird, für die Männer tabu sind. Da Eilan ausgesprochene seherische Kräfte besitzt erkennt sie, wie der alte Glauben und die Priesterinnen bisher manipuliert worden sind – nimmt aber weiterhin Ardanos’ Manipulationen hin, da sie mit ihm konform geht. Ein Traum sagt ihr aber, daß die Priesterin der Göttin Männern aber doch nicht ganz fern bleiben muß, weshalb sie bei ihrer Ernennung zur Hohepriesterin bereits mit Gaius Sohn Gawen schwanger ist. Die Geschichte wird zeigen, wie Gaius und Eilan voneinander getrennt ihren Lebensweg machen. Beide machen durchaus ansehnliche Karrieren, werden aber nie richtig glücklich sein, weil sie einfach zwischen allen Dingen stehen. Gaius entwickelt sich vorübergehend zum ehrgeizigen Ekelpaket, während Eilan den Priesterinnen die Unabhängigkeit von den Druiden zurückgeben kann, was sie auf den Weg nach Avalon, dem Sommerland bringt. Wozu der Sohn allerdings da ist, wird nicht verraten. Dieser wird mit Caillean Eilans engster Freundin und Nachfolgerin, sowie der einzigen wichtigen Figur, die überlebt hat, den Aufbau von Avalon weiter vorwärts bringen.
Interessant für den der die Oper „Norma“ kennt, ist es vielleicht zu wissen, daß die Autorin sich von der Geschichte dieser Oper hat inspirieren lassen.
Wie man schon daran erkennt, daß ich das Buch acht Stunden lang kaum aus der Hand gelegt habe, ist die Geschichte ohne Längen und flüssig geschrieben. Situationen und Orte sind zweckmäßig aber nicht langatmig oder schwelgerisch beschrieben. Zimmer Bradley gibt sich Mühe den Leser Einblicke in die mystische Welt der alten Druiden mit ihren Festen und Steinkreisen, ihren magischen Riten und Geheimnissen, aber auch in das römische Leben zu geben – wobei ich es immer schwierig finde zu beurteilen, welche Qualität derartige Informationen haben. Schließlich weiß man nie, wie viel künstlerische Freiheit sich ein Schreiberling gestattet hat. Allerdings verweist die Autorin auf eine Diana Paxson, die „dieses Buch fest in Raum und Zeit verankert“ hat – vielleicht eine Frau mit historischer Bildung?!
Überaus gelungen finde ich die Darstellung der Figuren. Auch wenn man (gerade wenn man andere Interpretationen der Artus-Sage kennt) geneigt ist, einzelnen Figuren den Stempel „gut/böse“ aufzudrücken, wird das nicht gelingen. Selbst die Römer (nach den ersten zwei Seiten, meint man eigentlich „aha, Römer: muß ich hassen“) sind nicht die bösen. Dies resultiert schon aus der Tatsachen, daß der Erzähler die Perspektiven häufig wechselt – und das dem Leser über kursiv gedruckte Textpassagen die Gedankenwelt der Figuren nahegebracht wird. Man wird schnell erkennen, daß die Figuren im Grunde genommen alle Charaktere mit Fehlern sind, die einem Ziel entgegenstreben von dem sie meinen das es das Beste für alle Beteiligten ist. Die Figuren handeln einfach menschlich, weshalb man ihre Taten nachvollziehen kann.
Leider hat man den englischen Titel „the Forest House“ mal wieder nicht ins Deutsche übernommen, da gerade ein kleines Haus im Wald auch eine Rolle innerhalb der Geschichte spielt. Der Titel erschien im Jahr 1993. Meine Sonderausgabe stammt aus dem Jahr 1997. Der Einband zeigt vorne eine Priesterin mit einer Schale, auf der Rückseite sieht man einen Steinkreis und drei Priesterinnen, die von einem Römer belauert werden. Über der Szene liegt Nebel.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 19:18:23 mit dem Titel nur der Pudding hörte mein Seufzen
Ein Buch, das zum diesjährigen Weihnachtsfest paßte, wie die Faust auf’s Auge: ich sagte zur Mutter >> koch’ keinen Pudding>liebe Freunde wir schenken uns nix!
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