Erfahrungsbericht von firefly257
Borchert, Wolfgang - "Das Gesamtwerk"
Pro:
geht unter die Haut
Kontra:
--
Empfehlung:
Nein
Eigentlich hatte ich mir das Buch ja damals nur für die Schule zugelegt, ein Zwangskauf sozusagen. Aber als es dann so im Schrank rumlag, dacht ich mir, könnt ich’s ja ruhig auch lesen. Eine gute Entscheidung wie sich herausstellte. Mittlerweile gehört es zu meinen Lieblingsbüchern.
Nun aber zum Buch: ich habe mir eine einmalige Sonderausgabe gekauft (Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998. Hat ein dunkelgrünliches Cover.) für damals 14,00 DM. Gleich wenn man es aufschlägt blickt man in ein recht ausdrucksstarkes Portrait des Autors und auf den folgenden 2 Seiten findet sich eine Kurzbiographie. Das ist insofern praktisch, alldieweil ein gewisses Hintergrundwissen dazu beiträgt, noch mehr das Leben und Werk gerade dieses Autors zu verstehen, und wenn solche Informationen normalerweise am Ende des Buches stehen, dann liest man sie eh erst am Schluss, wenn es zu spät ist.
Die Geschichten und Gedichte selbst sind zum einen - soweit möglich - chronologisch gegliedert, und zum andern so zusammengefasst, wie sie erstveröffentlicht wurden. Es beginnt mit dem Gedichtzyklus „Laterne, Nacht und Sterne“, gefolgt von der Erzählungssammlung „Die Hundeblume“, und dann Borcherts Hauptwerk, das Drama „Draußen vor der Tür“. Danach folgen weitere Kurzgeschichten aus der Sammlung „An diesem Dienstag“ und den Schluss bilden einige „Nachgelassene Gedichte“ und „Nachgelassene Erzählungen“. Alles in allem finden sich knapp 70 literarische Werke in dem Buch, und als Ergänzung gibt es außerdem ein biographisches Nachwort von B. Meyer-Marwitz (ca. 30 Seiten).
Der einzige Nachteil ist, dass es keinen Alphabetischen Index aller Werke am Ende des Buches gibt, so dass man immer im Inhaltsverzeichnis suchen muss. Dieses ist jedoch sehr übersichtlich, und insofern kann man diesen Makel leicht verkraften.
Natürlich soll hier auch etwas zum Inhalt der Werke gesagt werden:
Im Prinzip ist es so, dass man nur ein beliebiges Werk von Borchert lesen muss, und dann auch alle anderen kennt. Aber – und das ist das Entscheidende – bei Borchert wird es trotzdem nie eintönig, und man ist irgendwie sogar froh, wenn man in seinen anderen Werken dieselben Themen wiedererkennt. Denn Borchert schreibt über Dinge die bewegen, über den Krieg (er selbst musste im 2. Wk. kämpfen und mehrmals an die Ostfront), über die Sinnlosigkeit des Todes unzähliger Soldaten, über die Willkür der Befehlshaber, die nur die Befehle geben, aber selbst den Schlachtfeldern fernbleiben, und über die Ohnmacht der Menschen wenn sie nach dem Krieg vor den Trümmern ihres Hauses – und ihres Lebens stehen.
Borcherts Stil ist kurz aber voller Aussagekraft. Er redet nicht um den heißen Brei herum sondern nutzt bestimmte typische Situationen (Soldaten, die sich im Schützengraben fragen, wer die Schuld hat und ob es Gott gibt, oder Menschen die in Trümmern oder Armut einen letzten Hoffnungsschimmer suchen, u.ä.), um dem Leser ohne falsche Beschönigungen das ganze Grauen des Krieges zu zeigen. Manchmal möchte man am liebsten das Buch in die Ecke werfen, so tiefbewegend sind einige Bilder, die einem beim Lesen unweigerlich durch den Kopf schwirren. Doch dann blättert man doch wieder zur nächsten Seite, und wieder geht es um verlorene Hoffnungen und eine Welt in Trümmern. Borcherts Stil ist vor allem darin begründet, dass er fast sein gesamtes Werk innerhalb von 2 Jahren im Wettlauf gegen den Tod schreiben musste. Nachdem er wegen Äußerungen, die angeblich den Willkürstaat gefährdeten, zu Haft und dann sogar zum Tod verurteilt worden war, ließ man ihn dann auf Bewährung wieder in Russland kämpfen. Als er 1945 zurückkehrte, war er chronisch krank und auch ein von Freunden ermöglichter Kuraufenthalt in der Schweiz konnte ihn nicht mehr retten. Jedoch konnte er in dieser Zeit sein kurzes Lebenswerk schreiben, und wurde damit zu einem der wichtigsten deutschen Nachkriegsliteraten.
Neben „Draußen vor der Tür“, in dem es um einen Soldaten geht, der mit einem Bein aus dem Krieg zurückkehrt und einen anderen Mann an der Seite seiner Frau findet, fand ich die Kurzgeschichte „Die Kegelbahn“ am bewegendsten. Schon wegen dieser Geschichte sollte man sich das Buch unbedingt zulegen. Auf nur zwei Seiten schildert Borchert einen Dialog zweier Soldaten, die im Graben sitzen und denen befohlen wurde, auf jeden feindlichen Kopf zu schießen. Und dann war „der Kopf kaputt. Er konnte nicht mehr Parfum riechen, keine Stadt mehr sehen und nicht mehr Inge sagen. Nie mehr. [..]“ Der Dialog gipfelt in der Frage, wer letztendlich die Schuld trägt und wie immer wird einem die Ohnmacht der einfachen Soldaten vor Auge geführt.
Bedauerlich dass Borchert so früh verstorben ist; so bleiben uns nur die wenigen Geschichten und Gedichte in diesem Buch. Diese sind aber bemerkenswerter als manch riesiges Lebenswerk anderer Autoren und ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen.
Nun aber zum Buch: ich habe mir eine einmalige Sonderausgabe gekauft (Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998. Hat ein dunkelgrünliches Cover.) für damals 14,00 DM. Gleich wenn man es aufschlägt blickt man in ein recht ausdrucksstarkes Portrait des Autors und auf den folgenden 2 Seiten findet sich eine Kurzbiographie. Das ist insofern praktisch, alldieweil ein gewisses Hintergrundwissen dazu beiträgt, noch mehr das Leben und Werk gerade dieses Autors zu verstehen, und wenn solche Informationen normalerweise am Ende des Buches stehen, dann liest man sie eh erst am Schluss, wenn es zu spät ist.
Die Geschichten und Gedichte selbst sind zum einen - soweit möglich - chronologisch gegliedert, und zum andern so zusammengefasst, wie sie erstveröffentlicht wurden. Es beginnt mit dem Gedichtzyklus „Laterne, Nacht und Sterne“, gefolgt von der Erzählungssammlung „Die Hundeblume“, und dann Borcherts Hauptwerk, das Drama „Draußen vor der Tür“. Danach folgen weitere Kurzgeschichten aus der Sammlung „An diesem Dienstag“ und den Schluss bilden einige „Nachgelassene Gedichte“ und „Nachgelassene Erzählungen“. Alles in allem finden sich knapp 70 literarische Werke in dem Buch, und als Ergänzung gibt es außerdem ein biographisches Nachwort von B. Meyer-Marwitz (ca. 30 Seiten).
Der einzige Nachteil ist, dass es keinen Alphabetischen Index aller Werke am Ende des Buches gibt, so dass man immer im Inhaltsverzeichnis suchen muss. Dieses ist jedoch sehr übersichtlich, und insofern kann man diesen Makel leicht verkraften.
Natürlich soll hier auch etwas zum Inhalt der Werke gesagt werden:
Im Prinzip ist es so, dass man nur ein beliebiges Werk von Borchert lesen muss, und dann auch alle anderen kennt. Aber – und das ist das Entscheidende – bei Borchert wird es trotzdem nie eintönig, und man ist irgendwie sogar froh, wenn man in seinen anderen Werken dieselben Themen wiedererkennt. Denn Borchert schreibt über Dinge die bewegen, über den Krieg (er selbst musste im 2. Wk. kämpfen und mehrmals an die Ostfront), über die Sinnlosigkeit des Todes unzähliger Soldaten, über die Willkür der Befehlshaber, die nur die Befehle geben, aber selbst den Schlachtfeldern fernbleiben, und über die Ohnmacht der Menschen wenn sie nach dem Krieg vor den Trümmern ihres Hauses – und ihres Lebens stehen.
Borcherts Stil ist kurz aber voller Aussagekraft. Er redet nicht um den heißen Brei herum sondern nutzt bestimmte typische Situationen (Soldaten, die sich im Schützengraben fragen, wer die Schuld hat und ob es Gott gibt, oder Menschen die in Trümmern oder Armut einen letzten Hoffnungsschimmer suchen, u.ä.), um dem Leser ohne falsche Beschönigungen das ganze Grauen des Krieges zu zeigen. Manchmal möchte man am liebsten das Buch in die Ecke werfen, so tiefbewegend sind einige Bilder, die einem beim Lesen unweigerlich durch den Kopf schwirren. Doch dann blättert man doch wieder zur nächsten Seite, und wieder geht es um verlorene Hoffnungen und eine Welt in Trümmern. Borcherts Stil ist vor allem darin begründet, dass er fast sein gesamtes Werk innerhalb von 2 Jahren im Wettlauf gegen den Tod schreiben musste. Nachdem er wegen Äußerungen, die angeblich den Willkürstaat gefährdeten, zu Haft und dann sogar zum Tod verurteilt worden war, ließ man ihn dann auf Bewährung wieder in Russland kämpfen. Als er 1945 zurückkehrte, war er chronisch krank und auch ein von Freunden ermöglichter Kuraufenthalt in der Schweiz konnte ihn nicht mehr retten. Jedoch konnte er in dieser Zeit sein kurzes Lebenswerk schreiben, und wurde damit zu einem der wichtigsten deutschen Nachkriegsliteraten.
Neben „Draußen vor der Tür“, in dem es um einen Soldaten geht, der mit einem Bein aus dem Krieg zurückkehrt und einen anderen Mann an der Seite seiner Frau findet, fand ich die Kurzgeschichte „Die Kegelbahn“ am bewegendsten. Schon wegen dieser Geschichte sollte man sich das Buch unbedingt zulegen. Auf nur zwei Seiten schildert Borchert einen Dialog zweier Soldaten, die im Graben sitzen und denen befohlen wurde, auf jeden feindlichen Kopf zu schießen. Und dann war „der Kopf kaputt. Er konnte nicht mehr Parfum riechen, keine Stadt mehr sehen und nicht mehr Inge sagen. Nie mehr. [..]“ Der Dialog gipfelt in der Frage, wer letztendlich die Schuld trägt und wie immer wird einem die Ohnmacht der einfachen Soldaten vor Auge geführt.
Bedauerlich dass Borchert so früh verstorben ist; so bleiben uns nur die wenigen Geschichten und Gedichte in diesem Buch. Diese sind aber bemerkenswerter als manch riesiges Lebenswerk anderer Autoren und ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen.
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