Erfahrungsbericht von ralf0816
"AUSLÖSCHUNG" VON THOMAS BERNHARD Letztes MEISTERWERK
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Der Roman "Auslöschung" ist einer der Romane, die über die Zeit hinweg Bestand in der Weltliteratur haben (sollten).
1986 erschienen ,ist er Thomas Bernhards letzter Roman, der Autor verstarb 1989.
Auch in diesem Buch kreist alles um ein zentrales Thema: Österreich .
Bernhards Lieblingsbesessenheit ist seine abgrundtiefe Abscheu vor diesem
Land, seiner Geschichte, seinen Bewohnern.
„Abgrundtief“ ist in seinem Fall ein relativer Begriff, seine Haßliebe fesselte ihn nicht nur geographisch an Österreich(diesem Problem konnte er noch zeitweise ausweichen), Österreich blieb lebenslänglich seine "Heimat" .
In der "Auslöschung" ist der Ich-Erzähler Franz Josef Murnau gezwungen, sein italienisches "Exil" zu verlassen und nach Österreich zurückzukehren, seine Eltern sind bei einem Unfall umgekommen, er muß sich um das weitere Schicksal Wolfeggs kümmern, dem Schloß seiner Eltern.
Für Murnau ist das eine Reise in seine verhaßte Kindheit, in eine ekelhafte österreichische Gegenwart, er wird auf seine Schwestern und allerlei Verwandtschaft treffen, schon allein dieser Gedanke ist ihm unerträglich.
Er faßt den Vorsatz, sich endgültig von diesem Ort (somit von Österreich) zu befreien,
sein Weg ist, alles über Wolfegg niederzuschreiben, es damit "auszulöschen", dieses Wolfsegg, das für Murnau alles verhaßte verkörpert, die verlogene bürgerliche Scheinmoral, Nationalsozialismus, Katholizismus, die ganze Palette der menschlichen Niedertracht.
Der Roman ist in der für Thomas Bernhard typischen Sprache verfaßt, vieleicht ist diese in der "Auslöschung" noch ergreifender als in seinen anderen Werken.
Für Leser, die mit diesem Schreibstil nicht vertraut sind, ist dieser leicht gewöhnungsbedürftig,
wenn man sich aber damit vertraut gemacht hat, wird man süchtig und verschlingt zumindest alles an Prosa von Bernhard, oder man kommt damit nicht zurecht und verpaßt einen der größten deutschsprachigen Autoren.
Für "Einsteiger" ist deshalb z.B. "der Keller" zu empfehlen, das Buch gehört zu einer Reihe von Jugenderinnerungen, erschienen bei dtv, kostet auch nur ein paar Mark.
Jede und Jeder ,die sich für Literatur interessieren und denen Thomas Bernhard bis jetzt nicht bekannt ist, kann ich nur ans Herz legen, das zu ändern.
Auch wenn das Bernhardsche Weltbild von Verzweiflung, Trauer, Haß und Einsamkeit geprägt ist, vermittelt er keinen oberflächlichen Zynismus, keinen scheinintellektuellen Mist,
keine Pseudo-Sozialkritik, die Hoffnung ist zwar weit entfernt, aber nicht endgültig verschwunden.
Wenn er das heutige Haider-Östereich erleben könnte, hätte ihn das umgebracht, aber nicht ohne eine große Abschiedsvorstellung, die sich mit dem aktuellem "Widerstand" der österreichischen Intellektuellen wohl nicht vergleichen ließe.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-08 13:46:07 mit dem Titel BUKOWSKY IST EIN KLASSE AUTOR
Bukowsky hat es nicht leicht,immer noch entsteht bei Nennung seines Names das immer gleiche Bild:
Der "dirty old man",ständig besoffen,immer nach der Suche nach dem nächsten F...,egal mit wem,dann noch eine ordentliche Prügelei.
Teils hat Bukowsky an diesem Klischee aktiv mitgebastelt,keine Lesung ohne Alkohol,keine angepaßt-schicke Kleidung,keine Versöhnlichkeiten mit der bürgerlichen Literaturwelt,die ihn in seinen letzten Lebensjahren hoffierte.
Dummerweise wird gerade in Deutschland Bukowskys Image durch eine Veröffentlichung geprägt,die nicht zu seinen besten gehört,in den 70ern erschien im Fischer Verlag "Fuckmachine" , das Buch enthält neben einigen guten viele Scheißstorys,viele F-Wörter und seltsame Sex und Alkohol Absurditäten sind teils recht sinnlos aneinandergereiht.
Brotliteratur nennt man sowas,bei Bukowsky dauerte es Jahrzehnte,bis er ein paar Mark mit seiner Literatur verdienen konnte,interessanterweise ist er letztendlich über Deutschland auch in den USA bekannt geworden.
"Fast eine Jugend" ist einer der Romane,die dieses Bild zurechtrücken,eine Art von Looser-Biographie,in einer leicht konsumierbaren Sprache verfasst,die trotzdem von hoher Kunstfertigkeit ist,keine Jammerei,keine Klischees,Bukowsky beklagt sich letztendlich nicht über sein Außenseiterdasein,er will halt nicht mitspielen und steht neben dem amerikanischen Traum,den er nicht nur nicht teilt,die bürgerlich-konservative Konsum und Erfolgsgesellschaft ist ihm bis ins Mark zuwider.
Über seine unverholene Bewunderung für Heningway läßt er zwar manchmal den "harten Kerl" raushängen,im Grunde ist das eine Attitüde,die er gelegentlich ironisiert,auch die ihm unterstellte "Frauenfeindlichkeit" beruht auf einem Mißverständniss.
Bukowsky ist (war) im Grunde seines Herzens zutiefst moralisch,ein zum Zyniker gewordener Humanist,der sich auch vom späten Erfolg nicht blenden ließ,eine Ausnahmegestalt in der Literaturscene.
Empfehlen kann ich alle Romane und die (weitgehend unbekannten) Gedichtbände,erschienen bei dtv.
Der WDR hat nach seinem Tod eine schöne Dokumentation produziert,ich hoffe auf Wiederholung.
1986 erschienen ,ist er Thomas Bernhards letzter Roman, der Autor verstarb 1989.
Auch in diesem Buch kreist alles um ein zentrales Thema: Österreich .
Bernhards Lieblingsbesessenheit ist seine abgrundtiefe Abscheu vor diesem
Land, seiner Geschichte, seinen Bewohnern.
„Abgrundtief“ ist in seinem Fall ein relativer Begriff, seine Haßliebe fesselte ihn nicht nur geographisch an Österreich(diesem Problem konnte er noch zeitweise ausweichen), Österreich blieb lebenslänglich seine "Heimat" .
In der "Auslöschung" ist der Ich-Erzähler Franz Josef Murnau gezwungen, sein italienisches "Exil" zu verlassen und nach Österreich zurückzukehren, seine Eltern sind bei einem Unfall umgekommen, er muß sich um das weitere Schicksal Wolfeggs kümmern, dem Schloß seiner Eltern.
Für Murnau ist das eine Reise in seine verhaßte Kindheit, in eine ekelhafte österreichische Gegenwart, er wird auf seine Schwestern und allerlei Verwandtschaft treffen, schon allein dieser Gedanke ist ihm unerträglich.
Er faßt den Vorsatz, sich endgültig von diesem Ort (somit von Österreich) zu befreien,
sein Weg ist, alles über Wolfegg niederzuschreiben, es damit "auszulöschen", dieses Wolfsegg, das für Murnau alles verhaßte verkörpert, die verlogene bürgerliche Scheinmoral, Nationalsozialismus, Katholizismus, die ganze Palette der menschlichen Niedertracht.
Der Roman ist in der für Thomas Bernhard typischen Sprache verfaßt, vieleicht ist diese in der "Auslöschung" noch ergreifender als in seinen anderen Werken.
Für Leser, die mit diesem Schreibstil nicht vertraut sind, ist dieser leicht gewöhnungsbedürftig,
wenn man sich aber damit vertraut gemacht hat, wird man süchtig und verschlingt zumindest alles an Prosa von Bernhard, oder man kommt damit nicht zurecht und verpaßt einen der größten deutschsprachigen Autoren.
Für "Einsteiger" ist deshalb z.B. "der Keller" zu empfehlen, das Buch gehört zu einer Reihe von Jugenderinnerungen, erschienen bei dtv, kostet auch nur ein paar Mark.
Jede und Jeder ,die sich für Literatur interessieren und denen Thomas Bernhard bis jetzt nicht bekannt ist, kann ich nur ans Herz legen, das zu ändern.
Auch wenn das Bernhardsche Weltbild von Verzweiflung, Trauer, Haß und Einsamkeit geprägt ist, vermittelt er keinen oberflächlichen Zynismus, keinen scheinintellektuellen Mist,
keine Pseudo-Sozialkritik, die Hoffnung ist zwar weit entfernt, aber nicht endgültig verschwunden.
Wenn er das heutige Haider-Östereich erleben könnte, hätte ihn das umgebracht, aber nicht ohne eine große Abschiedsvorstellung, die sich mit dem aktuellem "Widerstand" der österreichischen Intellektuellen wohl nicht vergleichen ließe.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-08 13:46:07 mit dem Titel BUKOWSKY IST EIN KLASSE AUTOR
Bukowsky hat es nicht leicht,immer noch entsteht bei Nennung seines Names das immer gleiche Bild:
Der "dirty old man",ständig besoffen,immer nach der Suche nach dem nächsten F...,egal mit wem,dann noch eine ordentliche Prügelei.
Teils hat Bukowsky an diesem Klischee aktiv mitgebastelt,keine Lesung ohne Alkohol,keine angepaßt-schicke Kleidung,keine Versöhnlichkeiten mit der bürgerlichen Literaturwelt,die ihn in seinen letzten Lebensjahren hoffierte.
Dummerweise wird gerade in Deutschland Bukowskys Image durch eine Veröffentlichung geprägt,die nicht zu seinen besten gehört,in den 70ern erschien im Fischer Verlag "Fuckmachine" , das Buch enthält neben einigen guten viele Scheißstorys,viele F-Wörter und seltsame Sex und Alkohol Absurditäten sind teils recht sinnlos aneinandergereiht.
Brotliteratur nennt man sowas,bei Bukowsky dauerte es Jahrzehnte,bis er ein paar Mark mit seiner Literatur verdienen konnte,interessanterweise ist er letztendlich über Deutschland auch in den USA bekannt geworden.
"Fast eine Jugend" ist einer der Romane,die dieses Bild zurechtrücken,eine Art von Looser-Biographie,in einer leicht konsumierbaren Sprache verfasst,die trotzdem von hoher Kunstfertigkeit ist,keine Jammerei,keine Klischees,Bukowsky beklagt sich letztendlich nicht über sein Außenseiterdasein,er will halt nicht mitspielen und steht neben dem amerikanischen Traum,den er nicht nur nicht teilt,die bürgerlich-konservative Konsum und Erfolgsgesellschaft ist ihm bis ins Mark zuwider.
Über seine unverholene Bewunderung für Heningway läßt er zwar manchmal den "harten Kerl" raushängen,im Grunde ist das eine Attitüde,die er gelegentlich ironisiert,auch die ihm unterstellte "Frauenfeindlichkeit" beruht auf einem Mißverständniss.
Bukowsky ist (war) im Grunde seines Herzens zutiefst moralisch,ein zum Zyniker gewordener Humanist,der sich auch vom späten Erfolg nicht blenden ließ,eine Ausnahmegestalt in der Literaturscene.
Empfehlen kann ich alle Romane und die (weitgehend unbekannten) Gedichtbände,erschienen bei dtv.
Der WDR hat nach seinem Tod eine schöne Dokumentation produziert,ich hoffe auf Wiederholung.
13 Bewertungen, 1 Kommentar
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02.10.2002, 18:29 Uhr von wiesenthal
Bewertung: sehr hilfreichmuss auch mal wieder reinschauen....
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