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Erfahrungsbericht von LosGatos

Zweig, Stefanie: Katze fürs Leben - Aus dem Leben eines Aristocat

Pro:

blumige Sprache, Leben aus Sicht einer Katze, amüsant

Kontra:

kurzes Vergnügen

Empfehlung:

Nein

Bücher? Darüber lese ich gern Berichte in Meinungsplattformen. Und wenn sich das ganze gut anhört, kann es durchaus sein, dass ich mir dann mal so ein Buch bestelle. Oder auch zwei. Dann landen diese Bücher im Regal oder auf dem Nachttisch und dienen erst mal als Staubfänger. Aber in letzter Zeit habe ich sogar mal einige gelesen. Dazu zählt auch das, über das ich heute schreiben möchte: „Katze fürs Leben" von Stefanie Zweig. Das Buch ist einfach so nett zu lesen, dass es verdient, noch mehr Abnehmer zu finden. Es ist ein Buch für Katzenliebhaber. Dadurch, dass es aus Sicht einer Katze erzählt wird, wird man in die Katzenphilosophie eingeführt.


DIE AUTORIN

Die gebürtige Oberschlesierin Stefanie Zweig lebt in Frankfurt, zusammen mit der Siamkatze Sissi, der Heldin dieses Romans. Die Schriftstellerin wurde mehrfach für Jugendbücher ausgezeichnet. Bekannt wurde sie u. a. durch ihre autobiographischen Romane „Nirgendwo in Afrika" und „Irgendwo in Deutschland".


DIE STORY

Die Siamkatze Cleo lebt zunächst bei vermeintlichen Tierfreunden, die sie aus einem Tierheim geholt haben. Die Wohnung, in der sie wohnt, und auch deren Bewohner findet Cleo jedoch einer Katze unwürdig. Dort muss sie sich auf „ehrverletzendem" Linoleumfußboden bewegen und sieht sich allzu häufig verschlossenen Türen ausgesetzt. Außerdem serviert man ihr dort stets unpünktlich Mahlzeiten niederster Qualität („Lammfleisch in Jelly" und anderes Dosenfutter), Trinkwasser ist selten frisch und wird womöglich neben die Katzentoilette plaziert. Sie ist viel allein, weil die Mitbewohner, die entweder nach Bier stinken, brettharte Jeans (sowas eignet sich höchstens als Kratzbaum-Ersatz) tragen oder provokant „Mausi" genannt werden, spät nach Hause kommen. Als schließlich die Idee aufkommt, Cleo aus der Wohnung zu verbannen und stattdessen in einer Gartenlaube unterzubringen, ergreift sie die Flucht. Schließlich möchte sie nicht das Leben einer gemeinen Dorfkatze führen, die sich Futter durch Mäusejagd besorgen muss.

Dieses Mal sucht sie sich ihr neues Heim selbst. Es liegt in einem Einfamilienhaus mit Garten und wird von Julia, einer 40jährigen Single-Frau bewohnt. Julia ist leicht mollig, was Cleo als positives Signal wertet. Schließlich deutet sowas darauf hin, dass die Speisekammer immer ausreichend gefüllt ist. Folglich setzt sie sich auf Julias Fensterbank und bittet um Einlass. Obwohl Julia ihre Unabhängigkeit eigentlich durch eine Katze nicht eingeschränkt sehen möchte, ist sie von Cleo so verzückt, dass die beiden fortan eine Wohngemeinschaft bilden. In ihrer neuen Umgebung heißt Cleo nun Sissi, ein Name, der der Katze wesentlich besser gefällt. Sie hat aber auch nichts dagegen, mit Prinzessin angeredet zu werden.
Julia hat in ihrem Haus auch eine Arztpraxis, sie ist Psychotherapeutin. Sissi nimmt an allen Sprechstunden teil, wo sie hilft, die Patienten zu „behandeln". Stefan, einer der Ratsuchenden, wird schließlich, sehr zu Sissis Gefallen, mehr als nur Julias Kundschaft.
Aus Sissis Sicht ist Julia sehr naiv und um kluge Ratschläge ihren Patienten gegenüber nie verlegen. Nur um ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen, dazu bedarf es Sissis Hilfe. So hat Sissi stets ein wenig Mitleid mit den ziemlich dummen Menschen, die einer Katze geistig in keinster Weise gewachsen sind. Wenn Sissi aber mal ausnahmsweise nicht recht haben sollte, sei sie stets bereit einzulenken. Julia wird von Sissi adoptiert und erzogen (und nicht etwa umgekehrt, wie es mit törichten Hunden möglich wäre). Die Siamkatze Sissi sieht sich selbst als Denker, die kein menschenverdummtes Tier sein möchte. Natürlich ist sie sanft, nicht nachtragend und sehr bescheiden. Verächtlich steht sie Hunden gegenüber, Ausdrücke wie „pfui" oder pudelwohl empfindet sie als taktlos.

Sissi entwickelt eine hervorragende Menschenkenntnis. Ein Patient, der ihr äußerst unsympathisch ist, entpuppt sich bald darauf als Einbrecher, der von dem kleinen Stubentiger sogar in die Flucht geschlagen wird. Harmonie und Liebe nehmen aber nicht nur in Julias Leben Einzug, sondern auch Sissi wird dank eines auserwählten Katers stolze Katzenmama.



DAS BUCH ALS KATZENLEHRBUCH

Dieser unterhaltsame Roman ist auch als Katzenlehrbuch hervorragend geeignet. Da Sissi nie ein Hehl daraus macht, was ihr gefällt und was nicht, kann man sich hier in die Vorlieben einer Katze bestens Einblick verschaffen.
Das geht mit der Umgebung los. Katzen mögen ausreichend Platz, keine verschlossenen Türen und vor allem bequeme und weiche Materialen zum Daraufliegen und zum Schmusen. Ein Haus mit Garten, wie es den meisten Menschen auch gefällt, ist ein angemessenes Domizil. Ab und zu muss halt mal ein Möbelstück daran glauben, wenn es als Kratzecke einlädt.
Katzen essen sehr gerne Fisch und schlecken mit Vorliebe Sahne, verabscheuen jedoch Gemüse. Der Genuss von Fettigem wie gebratenem Speck oder Buttertorte scheint mir bei Sissi etwas übertrieben stark ausgeprägt.
Außerdem reagieren sie stark auf Gerüche, wobei sie sich von Maiglöckchenduft und Baldrian stark angezogen fühlen.
Sissi gefällt der Name Sissi wesentlich besser als Cleo, weil Katzen lieber auf hohe, schrille Töne reagieren.
Katzen sind sehr stolze Tiere, die sich nicht wie Hunde dressieren lassen und es unter ihrer Würde ansehen, Bälle zu apportieren.
Katzen möchten auch nicht den Abschein erwecken, bestechlich zu sein, etwa indem sie Leckereien annehmen. Sie tun dann lieber so, als wenn sie das Angebotene gnädigerweise annehmen.


DAS BUCH AN SICH

Das Buch ist als Taschenbuch im Heyne Verlag unter der Bestellnummer ISBN: 3-453-15234-4 erschienen und kostet 16,90 DM. 256 Seiten sind auf 13 Kapitel aufgeteilt. Ich habe es per Internet bei BOL bestellt. Dort wird es versandkostenfrei innerhalb weniger Tage per Post geliefert.


FAZIT

Das Buch ist sehr unterhaltsam und witzig geschrieben und damit leicht und schnell zu lesen. Die von Sissi gewählte Sprache ist sehr blumig und übertrifft sich immer wieder. Diese Sprache annähernd zu beschreiben, möchte ich nicht versuchen. Ich empfehle einfach, selber lesen... Kurz, es ist schlichtweg ein Buch für Katzenliebhaber und alle, die es werden wollen.


Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 12.11.2001
Veröffentlicht bei Dooyoo, Ciao, eComments, YOPI

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