Mehr zum Thema Bücher über Religion Testbericht

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Erfahrungsbericht von liskailonka

Die Bibel: nur Ja und Amen?

Pro:

Kann eine Lebenshilfe in der Not sein.

Kontra:

Wird oft durch Religionsfanatikern mißbraucht um ihre Ziele zu erreichen.

Empfehlung:

Nein

Vor mir liegt ein Buch; ein dickes Buch. Die Ecken schon abgestoßen und die Seiten voller Notizen und Markierungen. Manche Seiten sehen richtig befummelt aus und auf manchen Seiten, sieht man die Spuren meiner Tränen. Das Buch worüber ich hier schreiben möchte, ist die Bibel; meine Bibel.

Schon früh kam ich in Berührung mit Gott und ich fand meine Religion immer sehr interessant. Ich war in der Kirche sehr aktiv und war sogar 2 Jahre auf einem Klosterinternat. Zu meiner Kommunion bekam ich meine erste Bibel; natürlich eine Kinderbibel, die ich auch verstehen konnte.

Später kaufte ich mir dann die Bibel die jetzt vor mir liegt. Sie begleitet mich schon sehr viele Jahre und wird es auch noch viele Jahre tun. Dieses Buch ist für mich kein festgefahrenes Dogma, sonder ein Buch das mir Trost spendet in den schweren Stunden meines Lebens. Abends lese ich gerne mal hier und dort und finde immer Passagen dich mich trösten.

Wenn ich meine Bibel aufschlage, dann sehe ich direkt auf der ersten Seite ein Datum stehen und eine alte Adresse. Ich erinnere mich immer an dieser Zeit zurück und daran wie unerfahren ich doch damals war. Ja, 1982 ist schon lange her. In dem Haus ist jetzt eine Sprachschule gefestigt. Seit 1982 habe ich einen langen Weg zurückgelegt und meine Bibel war immer dabei.

Auf der nächsten Seite habe ich eine Art Liste geschrieben; ich sehe dort genau wer gestorben ist und wer geboren wurde in meiner Familie. Alle wichtigen Daten stehen hier in kleinster Schrift vermerkt. Da steht eine Großtante von mir dazwischen; sie starb 3 Tage vor ihren hundertsten Geburtstag. Sie war eine liebe Frau und durch diese Notizen werde ich alle meine Lieben nie vergessen. Oft sehe ich mir diese Seite an und versinke in Erinnerungen an vergangenen Tage.

Ganz hinten in meiner Bibel geht es weiter; dort habe ich die Bildchen eingeklebt, die ich auf Beerdigungen bekommen habe. Alle Leute die vorne in der Liste stehen, sind hier zu finden. Die Bilder stimmen zum nachdenken; Bilder von Waldwege, Maria oder auch nur ein Porträitfoto. Innen dann immer den Nachruf zu dieser Person. Die nächste Seite meiner Bibel ist mit Gummibänder umfaßt; hier sitzen die Todesanzeigen und Todesbriefe drin, die ich im Laufe der Jahre bekommen habe. Hier sehe ich eigentlich nie rein; der Brief wird eingesteckt und damit hat es sich. Diese Briefe. will ich nicht lesen; einmal hat gereicht. Und manchmal, nur manchmal, stecke ich nur einen Zettel. dazwischen, weil ich keinen Todesbrief bekommen habe. Meine Oma starb letzten Dezember am Heiligabend; wegen Familienstress wurde ich ausdrücklich von der Beerdigung ausgeladen.

So ist meine Bibel für mich ein Tagebuch, ein Ratgeber, ein Almanach und manchmal auch spannende Lektüre.

Glaube ich denn was in meiner Bibel steht? Naja, ich bin da nicht ganz sicher. Teilweise ja und teilweise auch nein. Ich bin ein Mensch der auch die Logik hinter etwas sucht und somit kann man nicht alles glauben was in der Bibel steht. Sogar die Kirchenwissenschaftler nehmen die Bibel nicht wörtlich.

• Was ich persönlich denke über die Schöpfungsgeschichte.
° Zitat Anfang:
Genesis 1,3 - 1,5
Gott sprach: "Es werde Licht." Und es wurde Licht. Gott sah, daß das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis, und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.
° Zitat Ende.

Nirgendwo steht da geschrieben, das Gott auch die Stunden an diesem ersten Tag geschaffen hat. Nur das er den ersten Tag schuf. Der Zeitbegriff, ist etwas daß erst in unserem Denken entstanden ist. Für mich ist daher die Schöpfungsgeschichte durchaus zu vereinbaren mit der Evolutionstheorie von Darwin. Kann es nicht sein das der erste Tag Millionen von Jahren gedauert hat? Kann es nicht sein das es wirklich Millionen von Jahren dunkel war auf der Erde, vor das irgendein Leben entstand? Ich sehe das alles nicht gerade so verbissen und eng wie manche Sekten das tun, die Darwins Theorien absolut ablehnend gegenüber stehen. Und wenn die Schöpfungsgeschichte wirklich nicht so war, wie sie in der Bibel steht; was soll es? Sie ist doch schön. oder?

• Was gibt es in der Bibel zu lesen?
Man kann,verteilt über altes und neues Testament, lesen über die Entstehung der Welt, die Entstehung der Menschheit und die Geschichte des Volkes Israels Es wird vor allem erklärt, das die Welt entstanden ist durch das Wort Gottes und das der Mensch Gottes Ebenbild ist. Naja, inwiefern ich Gott ähnlich bin, bleibt dahin gestellt.

Weiter kann man in der Bibel lesen über die Geschichte Israels und wie sie sich vermehrten. Es wird hier berichtet über ganz normale Menschen die auserkoren wurden um das Wort von Gott über die Welt zu verbreiten. Natürlich wird man auch finden, das wir alle Sünder sind und das wir nur den Weg zu Gott finden können, wenn wir auf sein Wort hören. Teilweise sind diese Erzählungen geschichtlich und wissenschaftlich belegt worden; die diversen Wunder kann man glauben oder auch nicht. Ich glaube zwar nicht 100% daran, aber ich hoffe das es wahr ist was damals geschah.

Die politischen, sozialen, rechtlichen, kulturellen und religiösen Zustände, die man im Buch Genesis lesen kann, stimmen tatsächlich mit der heutigen Lage in Palästina und seine Umwelt überein. Die moderne Forschung benutz das Buch Genesis um die antike und moderne Geschichtsschreibung zu erforschen und auch um Ausgrabungen an verschiedensten Orten zu betreiben.
Und was man vor allem in der Bibel finden kann, ist die Hoffnung; überall kann man entdecken das Gott uns liebt und Gott liebt vor allem die Sünder, wenn sie bereit sind ihre Sünden zu bereuen und wieder zurückkehren auf dem Pfad der Gerechtigkeit.

• Wie sieht Gott aus?
Ich bin ein Mensch. mit einem sehr lebendigem und vielleicht auch naiven Glauben. Für mich lebt Gott als reale Person neben mir. Ein Mann mit Bart, gütige Augen, einen Hirtenstock in der Hand und Sandalen an den Füßen. Er trägt einen langen Umhang und geht etwas gebückt. So sieht Gott für mich aus; wie ein weiser alter Mann voller Güte.

• Was ist mit Geboten und Verboten?
Naja, das kann man sehen wie man will. Ich denke das man die Bibel nicht wörtlich nehmen soll. Viele Sachen kann man wirklich als Leitfaden nehmen. Die zehn Gebote sind da mal gar nicht falsch. Doch es gibt auch Sachen in der Bibel, die ich durchaus kritisch betrachte und nicht wie das Amen in der Kirche für Wahr nehme.

Im Buch Deuteronomium stehen zum Beispiel ziemlich viele Gesetze aus den letzten Tagen von Moses Leben. Wann das genau war, weis niemand so genau, aber es gab eben Gesetze für fast allen Lebensbereiche und Gott wurde damals gesehen als der Herrscher über das Volk; der König war eher unwichtig. Und eben in diesem Buch findet man Sachen, über die man erst mal nachdenken soll vor das man Ja und Amen dazu sagt. Mag sein das die Gesetze damals ihren Zuspruch fanden; heute kann man sie zum Teil nicht mehr anwenden.

• Welche Gesetze meine ich?
° Beispiel 1.
Deuteronomium 12,2-12,3
Ihr sollt alle Kultstätten zerstören, an denen die Völker, deren Besitz ihr übernehmt, ihren Göttern gedient haben: auf den hohen Bergen, auf den Hügeln und unter jedem üppigem Baum. Ihr sollt ihre Altäre niederreißen und ihre Steinmale zerschlagen. Ihre Kultpfähle sollt ihr im Feuer verbrennen und die Bilder ihrer Götter umhauen. Ihre Namen sollt ihr an jeder solchen Stätte tilgen.

Wow; heftiger Stoff. Der Aufruf zum heiligen Krieg geht hier eindeutig aus hervor. Leider denkt ein Großteil der Welt immer noch so; denken wir zurück am 11.09.2001.

° Beispiel 2.
Deuteronomium 2,5
Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen, und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder der das tut, ist dem Herrn, deinem Gott ein Greuel.

Ooops; dann können wir ja keine Travestieshows mehr besuchen und es wird keine Frauen mehr in der Bundeswehr geben. Schon im Mittelalter wurden in Theaterstücken alle Frauenrollen durch Männer gespielt, da es eine Frau nicht gestattet war sich auf einer Bühne dar zu stellen. Und wie würden die Frauen an der Waffe wohl zurechtkommen, wenn sie Spitzenhäubchen und Röcke tragen würden?

Auch sexuelle Vorschriften findet man in der Bibel, die ich nicht unbedingt für nachfolgenswert halte. Die Menschheit hat sich weiterentwickelt und ich weis nicht ob man alles nun als Sünde ansehen soll. Steht da nicht irgendwo, das wir sowieso alle Sünder sind? Dann macht es also auch nicht aus, wenn wir uns an die Gesetze halten oder auch nicht. Geht es nicht eher darum das wir ein friedliches Miteinander kreieren auf dieser Welt?

° Beispiel 3.
Levitikus 18,22 - 18,23
Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Greuel. Keinem vieh darfst du beiwohnen; du würdest dadurch unrein. Keine Frau darf vor einem Vieh hintreten, um sich mit ihm zu begatten; das wäre eine schandbare Tat.

Aus dem ersten Satz könnte man verstehen, das es einfach nur eklig ist, wenn ein ´Mann schwul ist. Über Lesben steht da sowieso nix. Das Homosexualität aber eine Sünde sein soll, steht da nicht. Es ist ein Greuel; nicht mehr und nicht weniger. Naja, das muß dann jeder eben so sehen wie er das möchte; ich finde daran nichts ekliges oder greuliches; soll doch jeder mit seinem Partner/in glücklich sein. Der Teil über die Tiere kann ich ja nun schon eher verstehen; Tatsache ist, das man Krankheiten bekommen kann von solche Sexualpraktiken.

Etwas erfreuliches in den Gesetzen habe ich auch gefunden und zwar über die Priesterehe. Das Priester heute nicht heiraten dürfen, ist etwas das erst vor einigen Jahrhunderten entstanden ist. Die Ehelosigkeit der Priester ist so gesehen, neueren Datums. Das Dogma der Kirche schreibt vor, das es schon in der Bibel verboten war für Priester um zu heiraten. Aber das ist nicht wahr.

° Beispiel 4.
Levitikus 21,7
Ehehindernisse für Priester. Sie dürfen weder eine Dirne noch eine Entehrte, noch eine Frau heiraten, die ihr Mann verstoßen hat; denn der Priester ist seinem Gott geweiht.

Also ich lese nur daraus, das der Priester eine Jungfrau heiraten soll. Wieso will die Kirche uns dann etwas anderes erzählen?

• Fazit:
Das wird jetzt ein schwieriger Teil. In der Bibel kann man Vieles lesen; schönes, böses, gruseliges, Mord und Totschlag, Gesetze und auch Ratschläge für das tägliche Leben.

Gerade die Gesetze die über das tägliche Leben gehen, können heute noch angewandt werden und sind auch leicht zu verstehen. Diese Gesetze gehen über Landwirtschaft, Umgang mit Lebensmittel, Hygiene usw. Damit kann man wirklich etwas tun.

Die zehn Gebote finde ich auch nicht schlecht; ist es nicht normal, das man seinen Nächsten nicht tötet? Und ist es nicht normal, das wir unsere Langfinger an uns halten? Schon prima die zehn Gebote.

Die Gesetze die sich befassen mit den sexuellen Vorschriften und den Umgang mit Tieropfern und Sklaven, dürften wohl absolut unpassend geworden sein im 21. Jahrhundert. Leider gibt es immer noch Gruppierungen und Sekten die jedes Wort in der Bibel für wahre Münze nehmen und somit einen Vorwand gefunden haben zu morden und zu töten. Gerade diese Bibelfanatiker verstoßen nicht selten selbst gegen die zehn Gebote.

Meine Bibel ist für mich etwas ganz persönliches und wichtig in meinem Leben; auch wenn ich nicht jedes Wort darin glaube oder akzeptiere. Ohne Bibel möchte ich aber auch nicht sein.

• Empfehlung:
Eine bedingte Empfehlung nur und das obwohl ich selbst Katholikin bin. Ich war sehr lange in de Kirche tätig und kenne das Buch fast auswendig. Als Trostspender und als Ratgeber, kann man die Bibel durchaus benutzen. Für Leute die zu Fanatismus neigen, ist dieses Buch eher ungeeignet. Die Bibel ist ein Buch, das verstanden werden will; aber wer versteht denn schon alles?
© Ilonka Liska, 2002.

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • enno59

    09.04.2002, 16:42 Uhr von enno59
    Bewertung: sehr hilfreich

    Es ist schon ziemlich schwierig: Einerseits sagen die Christen, man soll nach diesem Buch leben, andererseits kommen Aussagen, daß man manche Stellen nicht so wörtlich nehmen soll. Wer entscheidet das? Und ist das sinnvoll? Ich finde es problema