Mensch Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2007
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von Daverigger
Tränen in der Stimme ...
Pro:
Ein Großteil der Songs ist wirklich gut und überzeugend, die Texte gehen größtenteils sehr tief und sind nicht so gedankenlos wie der meiste Mainstream-Müll
Kontra:
Ein paar nicht so tolle Tracks hat jedes Album ...
Empfehlung:
Ja
Herbert Grönemeyer ... für die einen ein Hassobjekt ob seiner oftmals unverständlichen Artikulation, für andere ein Gott. Für mich? Der mittlere Weg. Ein respektabler Musiker, der teils durch sehr gefällige Melodien und Rhythmen überzeugt, durch seine meist sehr tiefgehenden und ehrlichen Texte in Erstaunen und Ehrfurcht versetzt, in manchen Fällen jedoch leider durch seine sehr eigene Stimme verschreckt.
Ich besitze durch meine Freundin, ihres Zeichens ein wahrer Grönemeyer-Fan, momentan neun seiner CDs, darunter die Single und das Album „Mensch“.
Man mag sich nun fragen, was das Besondere an „Mensch“ darstellt. Das ist recht einfach zu erklären. Zum einen besiegelt es nach fast fünfjähriger musikalischer Abstinenz Grönemeyers sein bombastisches Comeback in die Musikwelt und damit auch in die richtige Welt. Denn aus dieser hat er sich abgekapselt, seitdem sein Bruder und seine Frau 1998 aus seinem Leben traten. Mit „Mensch“ verarbeitet er diese beiden herben Verluste und gibt einen Einblick in seine Gefühlswelt, der seine Fans reihenweise zu Tränen rührt, genauso wie auch ihn selbst, wenn er die Lieder bei Auftritten oder Konzerten spielt, die ihm selbst am meisten bedeuten. Darunter vornehmlich das Stück „Der Weg“, das er eigens seiner verstorbenen Frau gewidmet hat. Seine Kinder sollen im Studio geweint haben als er das Lied zum ersten Mal aufnahm, er selbst wurde bei den ersten Live-Auftritten von Gefühlswellen übermannt.
Das Album selbst präsentiert sich sehr modern. Cover sowie Booklet empfinde ich als sehr gelungen. Eine Dreidimensionale Grafik prang dem Betrachter entgegen, zentral der Schriftzug „Mensch“. Ich habe von vielen gehört und gelesen, die diese Aufmachung nicht gut finden und sich etwas anderes, vielleicht konventionelleres, gewünscht hätten. Ich selbst kann dem nicht zustimmen. Ich finde die Aufmachung sehr modern, stilvoll, ansprechend. Vielleicht ist sie ja ein Bruch mit alten Gewohnheiten, doch um das beurteilen zu können müsste ich alle Alben einmal gesehen haben. Aber selbst wenn es ein Bruch ist, vielleicht ist ja gerade das auch so beabsichtigt.
Das Booklet ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen und äußerst stimmungsvoll. Die erste Seite zeigt eine Art von Collage, ein „Patchwork“ verschiedenfarbiger Bildchen, die folgenden Seiten bieten die Songtexte in einer eher chaotischen Anordnung, zwischendurch gibt es auch Bilder von Herbert. Diese sind in sehr kalten Farben in Szene gesetzt, Kleidung und Umgebung gleichermaßen, was mehr als nur gut zu den Inhalten der meisten Songs passt.
Insgesamt enthält „Mensch“ die für Grönemeyer typischen 10 reguläre Songs, dazu gibt es das Stück „Demo – letzter Tag“ und ganz am Ende des Albums noch einen Track, den sein Sohn Felix eingespielt hat.
01 – Mensch – 4:28
02 – Neuland – 3:42
03 – Der Weg – 4:18
04 – Viertel vor – 4:23
05 – Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht – 4:42
06 – Unbewohnt – 5:04
07 – Dort und hier – 2:32
08 – Blick zurück – 5:54
09 – Kein Pokal – 4:33
10 – Zum Meer – 5:38
11 – Demo (Letzter Tag) – 3:27
[12 – nach ca. 17 Minuten Stille folgt „Falling“ von Felix Grönemeyer]
Da nicht jeder Song beschreibenswert ist und/oder etwas hergibt, bzw. mich beeindruckt hat, werde ich auch nicht stur jeden einzeln auseinandernehmen. Ich denke, das eine Auswahl das Album genauso gut, wenn nicht noch besser, zu repräsentieren vermag!
01 – Mensch – 4:28
[ Und der Mensch heißt Mensch weil er irrt und weil er kämpft, weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt, weil er lacht und weil er lebt ... Du fehlst ... ]
Ein recht synthetisch klingender Start, belebt durch Percussion-Elemente, lässt langsam aber sicher den Song anlaufen. Grönemeyer artikuliert sich während des gesamten Songs sehr klar, er versucht nur selten, wirklich zu singen, beschränkt sich auf mehr oder weniger melodiösen Sprechgesang, nur im Refrain bricht er regelmäßig aus dem Schema aus und klingt mit angehobener Stimme seltsamerweise nicht so fürchterlich wie bei älteren Alben. Seine ganz besondere kehlige Lautbildung ist jedoch erhalten geblieben. Die Instrumentierung ändert sich nur kurz, bei einigen Passagen addiert sich ein Piano hinzu, das dem ganzen Stück ein wenig mehr Tiefe gibt.
Textlich gesehen ist „Mensch“ für mich eine Ode an den Menschen. Aufzählungen, weiche Alliterationen (W und L z.B.) und Ellipsen machen den Text fast schon zu einem rhetorischen Genuss. Die vielen Eigenschaften, ob nun positiv oder negativ, sollen zeigen, was den Menschen auszeichnet, sie alle sind Teil eines Ganzen, genauso wie der Tod Teil des Lebens ist.
Insgesamt ein sehr schöner, nachdenklicher Song, der sich aber leider durch die unglaublich zahlreichen Wiederholungen in den Medien so gut wie verbraucht hat. Sehr schade!
03 – Der Weg – 4:18
[ Ich gehe nicht weg, hab meine Frist verlängert. Neue Zeitreise, offene Welt. Habe Dich sicher in meiner Seele, ich trag Dich bei mir bis der Vorhang fällt! ]
Da ist es wieder, das leise, gefühlvoll betonte Klavierspiel. Neben einigen Streichern, die später einsetzen, bleibt es das einzige Instrument. Sehr passend, diese instrumentale Einschränkung, unterstützt sie doch auf perfekte Art und Weise die ungeheuer starke Emotionalität des Stücks. Grönemeyers Stimme ist so unglaublich klar, dass es fast schon schmerzt. Leise, gefasst, ruhig und stellenweise wehmütig blickt er in diesem Lied auf seine verstorbene Frau zurück. Seine Gefühle für sie, ihr Charakter, ihr Wesen und die einzigartige Verbindung zwischen ihm und ihr sind Thema des Textes, der selbst einem Grönemeyer-Neutrum wie mir relativ nahe geht. Am Ende gelingt Grönemeyer eine Art von Konsens mit dem Leben. Er lässt seine Frau endgültig gehen, wird sie jedoch im Herzen mit sich tragen, bis auch für ihn „der Vorhang fällt“.
Sehr emotional, gleichzeitig jedoch gefasst verklingt dieser Höhepunkt des Albums. Für mich persönlich zwar nicht DER Höhepunkt, aber besser geht es kaum.
06 – Unbewohnt – 5:04
[ Führ Selbstgespräche, hör mich kaum. Bin mein Radio, schalt mich aus. Ich würd mich gern verstehn, aber ich weiß nicht wie das geht. Der Grundriss ist weg. Ooh, es tropft ins Herz ... ]
Ein wenig Synthetik, ein wenig leichte Drums, begleitet von simpler, melancholischer Melodie, so setzt „unbewohnt“ ein und gibt direkt den Haupt-Tenor an. Resigniert beginnt Grönemeyer seinen traurigen Sprechgesang und erzählt von Einsamkeit, Ausweglosigkeit, Machtlosigkeit gegenüber dem Leben. Er singt über die innere Leere, die äußere Leere, über Leere an sich. Den Vergleich zwischen ihm und einer fast leeren Wohnung setzt er sprachlich so unglaublich faszinierend wie wortgewandt um, dass ich nur staunen kann. Die Metaphorik dessen wirkt sehr stimmungsvoll, so dass mir beim Hören die Bilder durch den Kopf schießen, als würde ich einen Film sehen. Die Farbgebung muss er nicht extra erwähnen, sie ergibt sich von selbst. Kalt.
Für mich ist „Unbewohnt“ der unbestritten beste und absolut unerreichbare Track dieses Albums. Wie kein anderer geht er mir nahe und schnürt Herz sowie Kehle zu, lässt den Hörer auf einer Woge der Emotionen mitschwimmen. Ihn würde ich mir als Clip wünschen!
07 – Dort und hier – 2:32
[ Ich versuche, mir einen Traum vorzuprogrammieren und stell mir vor, Du kämst zu mir. Ich sollte aufhören, mein Hirn zu strapazieren. Du bist dort und ich bin hier ... ]
Die Nadel eines alten Grammophons setzt auf und das Gescharrre der Staubkörnchen in den schon viel zu oft abgespielten Rillen zerfetzt die Stille. Eine verzerrte E-Gitarre spielt die verspielte und verträumte, natürlich wieder melancholische Melodie, während Grönemeyers Stimme, genauso verfremdet, beginnt zu erzählen.
Mal wieder ist es die Einsamkeit, die er als Thema auserkoren hat, doch diesmal in einem anderen Gewand. Der Song selbst ist recht kurz, daher ist er auf wenige Sätze beschränkt. Mir kommt es vor, als habe er dieses Lied geschrieben, als er nachts wach lag. Der flehentliche Gedanke, sich die verlorene Geliebte wenigstens in Träumen zu sich zurückzuholen, sich in diese Träume zu flüchten, dort Halt und Genesung von der Welt zu finden.
Die zentrale Frage „Ist jemand da?“ lässt Grönemeyer am Ende im Raum stehen. Mir gefällt der Song sehr gut, da er den Verlust aus der Distanz betrachtet auf ein Minimum reduziert. Interessant und schön!
11 – Demo (Letzter Tag) – 3:27
[ Du holst mich aus dem grauen Tal der Tränen, Lässt alle Wunder auf einmal geschehen, dass mir hören und sehen vergeht ... ]
„Hymne an die Hoffnung“ würde ich den Inhalt des vorletzten Songs auf diesem Album einfach mal ganz pathetisch beschreiben. Ohne Instrumente im Hintergrund, nur mit einer Art von Raunen, beginnt der letzte Track des Albums. Nach einer Handvoll Sinnfragen zum Leben beginnt das Klavierspiel, um später noch durch Streicher und ein paar zögerliche Percussions ergänzt zu werden. Im Grunde genommen singt er davon, was diese ganz besondere Person für ihn bedeuten könnte, die ihn aus seinem Loch herausreißt und ihm ein neues Leben schenkt. Er gibt Versprechen, was er alles auf sich nehmen und tun würde, nur damit es passiert, damit „sie“ in sein Leben tritt.
Prinzipiell ein durchschnittlicher Song, doch als letzter des Albums ist er der Silberstrahl am Horizont. Nach dem ganzen Schmerz und dem Verdauen der Gefühle kommt der Blick auf die Zukunft. Es kann nur besser werden, und das Bessere soll JETZT beginnen! Genau das drückt der enthusiastische Tenor dieses Stücks für mich aus. Gut und passend umgesetzt.
Nach ungefähr 17 Minuten Stille beginnt jedoch noch ein weiterer Song ... ab 17:28 des 11ten Tracks setzt ein Stück ein, das aus der Feder von Felix Grönemeyer stammt, Herberts Sohn. Mir gefällt dieser ganz gut, stark elektronisch erinnert er ein wenig an zögerliche DarkWave. Für EBM fehlt eindeutig der starke Beat, aber immerhin, ein bisschen ruhig, die Stimme sowie die Instrumente werden synthetisch verzerrt und entfremdet ... nicht schlecht! Felix Stimme ist zwar noch stark entwicklungsfähig, aber das kommt noch mit der Zeit.
Mit „Falling“ also fast schon ein 12ter Track auf diesem Album. Für 14,99 Euro schon fast unglaublich für eine CD von Herbert Grönemeyer, aber wer weiß, vielleicht wird er ja auf seine alten Tage noch generös seinen Fans gegenüber.
Was bleibt nun am Ende? Ein unsicheres, flaues Gefühl in der Magengegend, beim ein oder anderen vielleicht ein benutztes Taschentuch, vielleicht auch ein Ekelgefühl und eine durchgebrochene CD. Was bleibt bei mir? Die Gewissheit, das Geld für „Mensch“ nicht aus dem Fenster geworfen zu haben. Mir fehlt als nicht-Fan natürlich die (emotionale!?) Bindung zum Star und Menschen Herbert Grönemeyer. Daher breche ich nicht in Tränen aus oder schluchze vor mich hin, wenn ich mir vorstelle, wie schlimm es um ihn gestanden hat, wie sehr er gelitten hat. Aber die Texte gehen trotzdem sehr nahe, aus dem ganz einfachen Grunde, dass Grönemeyer mit ihnen Gefühle und Situationen beschreibt, die jeder kennt und meist auch schon durchlebt hat. Lebenskrisen haben viele Menschen, gebrochene Herzen gibt es wie Sand am Meer. Diese Aufzählung ließe sich beliebig lange weiterführen.
Grönemeyer trifft mit „Mensch“ einen sensiblen Nerv bei seinen Zuhörern, so dass man sich, beschäftigt man sich auch mit den Inhalten seiner Lieder, einfach Gedanken machen MUSS.
Ich halte das Album für durchaus gelungen, auch wenn es sicherlich Songs enthält, die nicht so gut gelungen sind und die ich nicht erwähnt habe, weil mir einfach nichts zu ihnen einfällt. Manche Tracks geben mir einfach nichts, so dass ich auch nichts zu ihnen schreiben kann. Es ist trotz allem ein stabiles Album mit einem recht gleichmäßigen, qualitativen Schnitt, so dass ich gute 4 Sterne dafür vergeben kann.
Übrigens: Der Software-Player auf dem Album nervt mich genauso wie der auf der Single. Zwar bewirkt er keine Verschlechterung der Tonqualität, aber ich würde schon gerne WinAMP benutzen. Der Kopierschutz ist natürlich unwirksam, wer hätte das gedacht!?
Ich besitze durch meine Freundin, ihres Zeichens ein wahrer Grönemeyer-Fan, momentan neun seiner CDs, darunter die Single und das Album „Mensch“.
Man mag sich nun fragen, was das Besondere an „Mensch“ darstellt. Das ist recht einfach zu erklären. Zum einen besiegelt es nach fast fünfjähriger musikalischer Abstinenz Grönemeyers sein bombastisches Comeback in die Musikwelt und damit auch in die richtige Welt. Denn aus dieser hat er sich abgekapselt, seitdem sein Bruder und seine Frau 1998 aus seinem Leben traten. Mit „Mensch“ verarbeitet er diese beiden herben Verluste und gibt einen Einblick in seine Gefühlswelt, der seine Fans reihenweise zu Tränen rührt, genauso wie auch ihn selbst, wenn er die Lieder bei Auftritten oder Konzerten spielt, die ihm selbst am meisten bedeuten. Darunter vornehmlich das Stück „Der Weg“, das er eigens seiner verstorbenen Frau gewidmet hat. Seine Kinder sollen im Studio geweint haben als er das Lied zum ersten Mal aufnahm, er selbst wurde bei den ersten Live-Auftritten von Gefühlswellen übermannt.
Das Album selbst präsentiert sich sehr modern. Cover sowie Booklet empfinde ich als sehr gelungen. Eine Dreidimensionale Grafik prang dem Betrachter entgegen, zentral der Schriftzug „Mensch“. Ich habe von vielen gehört und gelesen, die diese Aufmachung nicht gut finden und sich etwas anderes, vielleicht konventionelleres, gewünscht hätten. Ich selbst kann dem nicht zustimmen. Ich finde die Aufmachung sehr modern, stilvoll, ansprechend. Vielleicht ist sie ja ein Bruch mit alten Gewohnheiten, doch um das beurteilen zu können müsste ich alle Alben einmal gesehen haben. Aber selbst wenn es ein Bruch ist, vielleicht ist ja gerade das auch so beabsichtigt.
Das Booklet ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen und äußerst stimmungsvoll. Die erste Seite zeigt eine Art von Collage, ein „Patchwork“ verschiedenfarbiger Bildchen, die folgenden Seiten bieten die Songtexte in einer eher chaotischen Anordnung, zwischendurch gibt es auch Bilder von Herbert. Diese sind in sehr kalten Farben in Szene gesetzt, Kleidung und Umgebung gleichermaßen, was mehr als nur gut zu den Inhalten der meisten Songs passt.
Insgesamt enthält „Mensch“ die für Grönemeyer typischen 10 reguläre Songs, dazu gibt es das Stück „Demo – letzter Tag“ und ganz am Ende des Albums noch einen Track, den sein Sohn Felix eingespielt hat.
01 – Mensch – 4:28
02 – Neuland – 3:42
03 – Der Weg – 4:18
04 – Viertel vor – 4:23
05 – Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht – 4:42
06 – Unbewohnt – 5:04
07 – Dort und hier – 2:32
08 – Blick zurück – 5:54
09 – Kein Pokal – 4:33
10 – Zum Meer – 5:38
11 – Demo (Letzter Tag) – 3:27
[12 – nach ca. 17 Minuten Stille folgt „Falling“ von Felix Grönemeyer]
Da nicht jeder Song beschreibenswert ist und/oder etwas hergibt, bzw. mich beeindruckt hat, werde ich auch nicht stur jeden einzeln auseinandernehmen. Ich denke, das eine Auswahl das Album genauso gut, wenn nicht noch besser, zu repräsentieren vermag!
01 – Mensch – 4:28
[ Und der Mensch heißt Mensch weil er irrt und weil er kämpft, weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt, weil er lacht und weil er lebt ... Du fehlst ... ]
Ein recht synthetisch klingender Start, belebt durch Percussion-Elemente, lässt langsam aber sicher den Song anlaufen. Grönemeyer artikuliert sich während des gesamten Songs sehr klar, er versucht nur selten, wirklich zu singen, beschränkt sich auf mehr oder weniger melodiösen Sprechgesang, nur im Refrain bricht er regelmäßig aus dem Schema aus und klingt mit angehobener Stimme seltsamerweise nicht so fürchterlich wie bei älteren Alben. Seine ganz besondere kehlige Lautbildung ist jedoch erhalten geblieben. Die Instrumentierung ändert sich nur kurz, bei einigen Passagen addiert sich ein Piano hinzu, das dem ganzen Stück ein wenig mehr Tiefe gibt.
Textlich gesehen ist „Mensch“ für mich eine Ode an den Menschen. Aufzählungen, weiche Alliterationen (W und L z.B.) und Ellipsen machen den Text fast schon zu einem rhetorischen Genuss. Die vielen Eigenschaften, ob nun positiv oder negativ, sollen zeigen, was den Menschen auszeichnet, sie alle sind Teil eines Ganzen, genauso wie der Tod Teil des Lebens ist.
Insgesamt ein sehr schöner, nachdenklicher Song, der sich aber leider durch die unglaublich zahlreichen Wiederholungen in den Medien so gut wie verbraucht hat. Sehr schade!
03 – Der Weg – 4:18
[ Ich gehe nicht weg, hab meine Frist verlängert. Neue Zeitreise, offene Welt. Habe Dich sicher in meiner Seele, ich trag Dich bei mir bis der Vorhang fällt! ]
Da ist es wieder, das leise, gefühlvoll betonte Klavierspiel. Neben einigen Streichern, die später einsetzen, bleibt es das einzige Instrument. Sehr passend, diese instrumentale Einschränkung, unterstützt sie doch auf perfekte Art und Weise die ungeheuer starke Emotionalität des Stücks. Grönemeyers Stimme ist so unglaublich klar, dass es fast schon schmerzt. Leise, gefasst, ruhig und stellenweise wehmütig blickt er in diesem Lied auf seine verstorbene Frau zurück. Seine Gefühle für sie, ihr Charakter, ihr Wesen und die einzigartige Verbindung zwischen ihm und ihr sind Thema des Textes, der selbst einem Grönemeyer-Neutrum wie mir relativ nahe geht. Am Ende gelingt Grönemeyer eine Art von Konsens mit dem Leben. Er lässt seine Frau endgültig gehen, wird sie jedoch im Herzen mit sich tragen, bis auch für ihn „der Vorhang fällt“.
Sehr emotional, gleichzeitig jedoch gefasst verklingt dieser Höhepunkt des Albums. Für mich persönlich zwar nicht DER Höhepunkt, aber besser geht es kaum.
06 – Unbewohnt – 5:04
[ Führ Selbstgespräche, hör mich kaum. Bin mein Radio, schalt mich aus. Ich würd mich gern verstehn, aber ich weiß nicht wie das geht. Der Grundriss ist weg. Ooh, es tropft ins Herz ... ]
Ein wenig Synthetik, ein wenig leichte Drums, begleitet von simpler, melancholischer Melodie, so setzt „unbewohnt“ ein und gibt direkt den Haupt-Tenor an. Resigniert beginnt Grönemeyer seinen traurigen Sprechgesang und erzählt von Einsamkeit, Ausweglosigkeit, Machtlosigkeit gegenüber dem Leben. Er singt über die innere Leere, die äußere Leere, über Leere an sich. Den Vergleich zwischen ihm und einer fast leeren Wohnung setzt er sprachlich so unglaublich faszinierend wie wortgewandt um, dass ich nur staunen kann. Die Metaphorik dessen wirkt sehr stimmungsvoll, so dass mir beim Hören die Bilder durch den Kopf schießen, als würde ich einen Film sehen. Die Farbgebung muss er nicht extra erwähnen, sie ergibt sich von selbst. Kalt.
Für mich ist „Unbewohnt“ der unbestritten beste und absolut unerreichbare Track dieses Albums. Wie kein anderer geht er mir nahe und schnürt Herz sowie Kehle zu, lässt den Hörer auf einer Woge der Emotionen mitschwimmen. Ihn würde ich mir als Clip wünschen!
07 – Dort und hier – 2:32
[ Ich versuche, mir einen Traum vorzuprogrammieren und stell mir vor, Du kämst zu mir. Ich sollte aufhören, mein Hirn zu strapazieren. Du bist dort und ich bin hier ... ]
Die Nadel eines alten Grammophons setzt auf und das Gescharrre der Staubkörnchen in den schon viel zu oft abgespielten Rillen zerfetzt die Stille. Eine verzerrte E-Gitarre spielt die verspielte und verträumte, natürlich wieder melancholische Melodie, während Grönemeyers Stimme, genauso verfremdet, beginnt zu erzählen.
Mal wieder ist es die Einsamkeit, die er als Thema auserkoren hat, doch diesmal in einem anderen Gewand. Der Song selbst ist recht kurz, daher ist er auf wenige Sätze beschränkt. Mir kommt es vor, als habe er dieses Lied geschrieben, als er nachts wach lag. Der flehentliche Gedanke, sich die verlorene Geliebte wenigstens in Träumen zu sich zurückzuholen, sich in diese Träume zu flüchten, dort Halt und Genesung von der Welt zu finden.
Die zentrale Frage „Ist jemand da?“ lässt Grönemeyer am Ende im Raum stehen. Mir gefällt der Song sehr gut, da er den Verlust aus der Distanz betrachtet auf ein Minimum reduziert. Interessant und schön!
11 – Demo (Letzter Tag) – 3:27
[ Du holst mich aus dem grauen Tal der Tränen, Lässt alle Wunder auf einmal geschehen, dass mir hören und sehen vergeht ... ]
„Hymne an die Hoffnung“ würde ich den Inhalt des vorletzten Songs auf diesem Album einfach mal ganz pathetisch beschreiben. Ohne Instrumente im Hintergrund, nur mit einer Art von Raunen, beginnt der letzte Track des Albums. Nach einer Handvoll Sinnfragen zum Leben beginnt das Klavierspiel, um später noch durch Streicher und ein paar zögerliche Percussions ergänzt zu werden. Im Grunde genommen singt er davon, was diese ganz besondere Person für ihn bedeuten könnte, die ihn aus seinem Loch herausreißt und ihm ein neues Leben schenkt. Er gibt Versprechen, was er alles auf sich nehmen und tun würde, nur damit es passiert, damit „sie“ in sein Leben tritt.
Prinzipiell ein durchschnittlicher Song, doch als letzter des Albums ist er der Silberstrahl am Horizont. Nach dem ganzen Schmerz und dem Verdauen der Gefühle kommt der Blick auf die Zukunft. Es kann nur besser werden, und das Bessere soll JETZT beginnen! Genau das drückt der enthusiastische Tenor dieses Stücks für mich aus. Gut und passend umgesetzt.
Nach ungefähr 17 Minuten Stille beginnt jedoch noch ein weiterer Song ... ab 17:28 des 11ten Tracks setzt ein Stück ein, das aus der Feder von Felix Grönemeyer stammt, Herberts Sohn. Mir gefällt dieser ganz gut, stark elektronisch erinnert er ein wenig an zögerliche DarkWave. Für EBM fehlt eindeutig der starke Beat, aber immerhin, ein bisschen ruhig, die Stimme sowie die Instrumente werden synthetisch verzerrt und entfremdet ... nicht schlecht! Felix Stimme ist zwar noch stark entwicklungsfähig, aber das kommt noch mit der Zeit.
Mit „Falling“ also fast schon ein 12ter Track auf diesem Album. Für 14,99 Euro schon fast unglaublich für eine CD von Herbert Grönemeyer, aber wer weiß, vielleicht wird er ja auf seine alten Tage noch generös seinen Fans gegenüber.
Was bleibt nun am Ende? Ein unsicheres, flaues Gefühl in der Magengegend, beim ein oder anderen vielleicht ein benutztes Taschentuch, vielleicht auch ein Ekelgefühl und eine durchgebrochene CD. Was bleibt bei mir? Die Gewissheit, das Geld für „Mensch“ nicht aus dem Fenster geworfen zu haben. Mir fehlt als nicht-Fan natürlich die (emotionale!?) Bindung zum Star und Menschen Herbert Grönemeyer. Daher breche ich nicht in Tränen aus oder schluchze vor mich hin, wenn ich mir vorstelle, wie schlimm es um ihn gestanden hat, wie sehr er gelitten hat. Aber die Texte gehen trotzdem sehr nahe, aus dem ganz einfachen Grunde, dass Grönemeyer mit ihnen Gefühle und Situationen beschreibt, die jeder kennt und meist auch schon durchlebt hat. Lebenskrisen haben viele Menschen, gebrochene Herzen gibt es wie Sand am Meer. Diese Aufzählung ließe sich beliebig lange weiterführen.
Grönemeyer trifft mit „Mensch“ einen sensiblen Nerv bei seinen Zuhörern, so dass man sich, beschäftigt man sich auch mit den Inhalten seiner Lieder, einfach Gedanken machen MUSS.
Ich halte das Album für durchaus gelungen, auch wenn es sicherlich Songs enthält, die nicht so gut gelungen sind und die ich nicht erwähnt habe, weil mir einfach nichts zu ihnen einfällt. Manche Tracks geben mir einfach nichts, so dass ich auch nichts zu ihnen schreiben kann. Es ist trotz allem ein stabiles Album mit einem recht gleichmäßigen, qualitativen Schnitt, so dass ich gute 4 Sterne dafür vergeben kann.
Übrigens: Der Software-Player auf dem Album nervt mich genauso wie der auf der Single. Zwar bewirkt er keine Verschlechterung der Tonqualität, aber ich würde schon gerne WinAMP benutzen. Der Kopierschutz ist natürlich unwirksam, wer hätte das gedacht!?
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