PISA-Studie Testbericht

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Erfahrungsbericht von aroza

Reden wir doch mal über die Schule von morgen... Konsequenzen aus der PISA-Studie

Pro:

siehe Text

Kontra:

siehe Text

Empfehlung:

Nein

- - - - - - Situation - - - - - -

Es ist still geworden um die PISA-Studie. Erstaunlich, schließlich behauptet fast jeder, der etwas von sich hält, die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Bildung und Ausbildung erkannt zu haben. Trotzdem verwundern die Ergebnisse der PISA-Studie nicht wirklich, angesichts einer ausgeprägten Kleinstaaterei im Bildungssektor und angesichts einer demotivierten Lehrerschaft – viele Eltern vermitteln den Lehrerinnen und Lehrern schließlich auch, dass sie die Defizite, die ihnen von Seiten der Schule mitgeteilt werden, im Wesen der Schule und nicht in der mangelnden Qualität der Leistungen ihres Kindes zu erkennen glauben.

- - - - - - Umfeld - - - - - -

Ich denke also, dass zunächst einmal die Stellung der Schule gestärkt werden muss, sowohl im gesellschaftlichen Umfeld als auch in puncto finanzieller Ausstattung. Klassenstärken von über 30 Schülerinnen und Schülern behindern die effiziente Wissensvermittlung einschließlich des Eingehens auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden ungemein. Auf den baulichen Zustand braucht man an dieser Stelle genau so wenig einzugehen, wie auf die (unabhängig von der Coleur der regierenden Partei) in jedem Bundesland erschreckend hohen Ausfallstunden.

Diese Punkte sind in meinen Augen wesentlich und kommen vor allem anderen. Bevor grundsätzliche Fragen der Ausstattung nicht geklärt sind, handelt es sich bei der Veränderung von Lehrplänen und bei der Anpassung des Umganges mit Schülerinnen und Schülern an die jeweils herrschende Meinung nur um Doktorspielchen, um das Lavieren an Symptomen.

- - - - - - Inhalte und Methoden - - - - - -

Wenn dann also dereinst einmal geklärt sein sollte, dass das Lernumfeld stimmt, müssen wir dazu übergehen, unsere Vorstellungen von Inhalten einzubringen. Nur zu oft ist da von Straffung die Rede. Ich frage mich an dieser Stelle ganz besorgt, wie die denn aussehen soll. Denn wenn man auf der einen Seite das mangelnde Wissen von Schulabgängerinnen und Schulabgängern aller Schultypen bemängelt und mehr Kenntnisse auf technisch - naturwissenschaftlichen Gebiet, im Bereich der Fremdsprachen, aber auch in der deutschen Sprache und in der Mathematik fordert, dann bedeutet das ja ansich Ausweitung des Unterrichtes. Zu Recht wird bemängelt, dass bisher zu wenig Wert auf die Vermittlung zur Fähigkeit eines aktiven Wissenserwerbes gelegt wurde, dann darf das aber im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass die reine Wissensvermittlung beschnitten wird. Denn das, was in der Schule vermittelt wird, sind doch keine so fachspezifischen und tiefgründigen Güter, dass man sie nicht zur Allgemeinbildung – entsprechend dem angestrebten Abschluss – zählen darf. Es wäre doch schon ein wenig peinlich, wenn die Wissensvermittlung zu Gunsten des aktiven Wissenserwerb in den Hintergrund tritt, gemäß dem Motto: „Ich weiß zwar nicht, wer den „Freischütz“ geschrieben hat, wann das war und worum es darin geht, ich habe aber in der Schule gelernt, wo ich die Informationen darüber finden kann.“ Das sind studentische Tugenden, die erst im späteren Leben zur Ausprägung kommen sollten.

Wenn von einer Straffung die Rede ist, dann sollte vielmehr über ein intelligentes Schulsystem nachgedacht werden, also über ein Schulsystem, das die individuellen Stärken und Schwächen der einzelnen Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Das kann zum Beispiel die Einrichtung von besonders geförderten Kursen für Begabte zum Überspringen von Klassen sein – wie es in manchen Länden schon an Modellversuchen geübt wird – das sollte aber beispielsweise auch die Einbeziehung der vorschulischen Bildung in den Lernprozess sein, eventuell sogar eine frühere Einschulung, natürlich mit angepassten Lehrplänen. Es kann jedenfalls nicht schaden, wenn die Kinder bereits mit 6 zählen und ihre Namen schreiben können, statt mit dem Erwerb dieser Fähigkeiten das erste halbe Schuljahr zu verbringen.

Um der Forderung nach einer verstärkten Konzentration auf die Befähigung zum aktiven Wissenserwerb gerecht zu werden, sollte verstärkt an konkreten Projekten gearbeitet werden. Die Projektwochen in den Schulen sollten an dieser Stelle ihrem Namen gerecht werden und sich nicht bloß als pure Beschäftigungstherapie verstehen. Eine attraktive Möglichkeit sehe ich in einer teilweisen Verlagerung von Projekten aus der Schule auf öffentliche oder freie Träger der Jugendarbeit. Mit einem partiellen Freizeitausgleich könnte man so die Schulen entlasten, den Schülerinnen und Schülern das Gefühl der freien Wahl vermitteln und die für das Lernen konkret eingesetzte Zeit effektiv erhöhen.

All das sind Vorschläge, die vielleicht nicht sofort umsetzbar sind, über die wir alle, liebe YOPIs aber doch einmal nachdenken sollten, bevor wir uns auf pauschale Forderungen versteifen und eventuell dem Populismus aus Politik und Wirtschaft auf den Leim gehen.

28 Bewertungen, 8 Kommentare

  • Gabri

    09.05.2002, 20:35 Uhr von Gabri
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse ! Gabri

  • gay2gay24340

    07.04.2002, 21:54 Uhr von gay2gay24340
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nicht vergessen sollte man bei all dem PISA-Gesabbel: Finnland hat nur den ersten Platz belegt, weil jedes Kind, das eine finnische Schule besuchen will, ausreichend finnisch sprechen muß. Nichtfinnische Kinder müssen demnach erste ienen Sprachk

  • Mandinka

    28.03.2002, 14:40 Uhr von Mandinka
    Bewertung: sehr hilfreich

    Respekt du greifst das System nicht nur an sondern gibst auch Lösungsvorschläge

  • GuinnessMan

    24.03.2002, 22:39 Uhr von GuinnessMan
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Gruß Olli.S

  • anonym

    23.03.2002, 18:17 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wir lernen aber auch nicht viel nützliches in der Schule. Ich weiß nicht mal so genau, warum wir nicht "kochen" als Pflichtfach haben oder Polytechnik. Da würde man mal was fürs Leben lernen. Dieses Jahr ziehe ich mit meinem

  • Jakini

    20.03.2002, 10:39 Uhr von Jakini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse geschrieben.

  • witch_craft

    19.03.2002, 20:33 Uhr von witch_craft
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht! cu

  • Tinchen2222

    18.03.2002, 13:09 Uhr von Tinchen2222
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht!Ich finde über so was hätte sich der Staat früher Gedanken machen müssen. BYE