Philosophie Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Psycho2081

Und Gott gibt es doch?

Pro:

Interessante Denkweise

Kontra:

Sehr schwer zu lesen

Empfehlung:

Nein

Inhaltverzeichnis

0.Vorwort
1.Biographie
2.Inhaltsangabe und Erklärung der wichtigsten Begriffe
2.1.Inhaltsangabe
2.2.Begriffserklärung
3.Interpretation und Kritik
3.1.Interpretation
3.2. Kritik
4.Quellenverzeichnis
4.1. Literaturverzeichnis


0. Vorwort

Ziel der vorliegende Arbeit ist es einen Überblick über den Inhalt des Kapitels "Zu einigen Erkenntnistheoretischen Grundproblemen" aus dem Werk "Grundkurs des Glaubens" von Karl Rahner zu geben mit Schwerpunkt auf die Erkenntnistheorie Rahners.

Eingeleitet wird die vorliegende Arbeit mit einer kurzen Biographie Rahners, die einen kleinen Einblick gewähren soll wer Karl Rahner war und welche Bedeutung dieser für die katholische Theologie hat. Anschließend wird der Inhalt des genannten Kapitels kurz wiedergegeben.

Den Schwerpunkt der Interpretation wird Karl Rahners Ansicht über die Voraussetzung für Erkenntnisse im Vergleich zu der Position der Evolutionstheorie bilden. Für den Vergleich werden die Menschenbestimmungen von Arnold Gehlen und Karl Marx herangezogen, diese sollen den wichtigsten Unterschied deutlich machen.


1. Biographie

Karl Rahner wurde am 5.März 1904 in Freiburg (in Breisgau) geboren.

Er machte 1922 sein Abitur. Im selben Jahr trat er in die Gesellschaft Jesu ein, wo er Philosophie und Theologie studierte (in Feldkirch, Pullach und Valkenburg). Zu seinen Professoren zählten unter anderem Martin Heidegger und Martin Honecker. Während seiner Studienzeit war er 3 Jahre lang Juniorat in Feldkirch.

1932 erhielt er die Priesterweihe. Nach seiner Habilitation 1937 in Innsbruck war er von 1939 bis 1944 Dozent in Wien.

Anschließend arbeitete Rahner ein Jahr als Seelensorger in Niederbayern. Von 1945 bis 1948 war er Dozent für Dogmatik in Pullach und von 1949 bis 1964 Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Innsbruck.

1962 spielte er eine große Rolle als Peritus beim II Vatikanum. In den darauf folgenden Jahren war er Professor für christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie in München und Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Münster.

1969 wurde Rahner Mitlgied der päpstllichen Theologenkommission. 1971 fand seine Emeritierung statt. Bevor 1984 in Innsbruck starb war er Honorarprofessor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Innsbruck.
Karl Rahners hat im Ausgang von der neuscholastischen Schulteheologie, die katholische Theologie neu durchdacht. Seine Theologie hat durch seine wissenschaftsorganisatorischen Arbeiten in vielen editorischen Großunternehmen (Lexikon für Theologie und Kirche, Handbuch der Pastoraltheologie, Quaestiones disputatae, Internationale Dialog-Zeitschrift, Concilium,...), seine Mitarbeit in wissenschaftlichen Vereinigungen (Paulus-Gesellschaft, Internationale Theologenkommision, Ökumenischer Arbeitskreis...) und bei zentralen kirchlichen Ereignissen (Vatikanum II, Synode der Bistümer in der BRD,...) großes Gewicht gewonnen und weite Verbreitung gefunden.


2. Inhaltsangabe und Begriffserklärung

2.1 Inhaltsangabe

Zu einigen Erkenntnistheoretischen Grundproblemen (Einleitung):
Rahner formuliert hier eine Einheit in Unterschiedenheit von ursprünglichen Selbstbesitz und Reflexion. Dies bedeutet, dass es einen Unterschied einerseits zwischen dem "An-Sich" einer Sache und andererseits deren "distinkten" Begriff gibt, die eine Einheit, wenn auch nicht die ursprünglichste, darstellen. Die ursprünglichste Einheit aber ist die der Wirklichkeit im menschlichen Daseinsvollzug und deren "Bei-sich-selber-Sein" im menschlichen Geiste. Dem ist so, weil hier eben der objektivierte wissenschaftliche Begriff wegfällt, wenn auch zu diesem "Bei-sich-selber-Sein" ein Moment der Reflexion, der geistigen Mittelbarkeit gehört.

Dies führt zu einem Spannungsverhältnis mit doppeltem Richtungssinn: Zum einen versucht das Subjekt dem Mitmenschen mitzuteilen, was es denn leide und um das zu erreichen muss es das "An-Sich" des Erfahrenen in einen objektivierten Begriff umzusetzen. Zum anderen hat eben diese Begrifflichkeit gezwungenermaßen auch den Richtungssinn auf dieses ursprünglich Erfahrene hin.
Dies ist für Rahner wichtig, da er in diesem Buch versucht, eine Einführung in den Begriff des Christentums auf einer "ersten Reflexionsstufe" zu geben. Hier handelt es sich also um den Begriff und nicht um die Sache selbst, auch wenn man sich hier wie nirgends sonst der Sache hinwenden muss, um den Begriff zu verstehen. Es ist für Rahner zwingend, dass diese Einführung in den Begriff des Christentums auf einer "ersten Reflexionsstufe" möglich ist, da ja nicht jeder schlechthin ein Fachtheologe sein kann, das Heilswissen aber jedem zugänglich sein muss.

Weiter fragt Rahner dann nach dem Wesen der Erkenntnis, die ja in der Erkenntnistheorie so dargestellt wird, als ob sich ein Gegenstand von außen meldet und als so erkannter "gehabt" wird. Wie aber kommt nun ein "An-Sich" einer Sache in die Erkenntnis“ Rahner geht hier einen anderen Weg und zeigt auf, dass das wissende Subjekt sich selbst und seine Erkenntnis wissend besitzt, auch wenn dies nicht der eigentliche Gegenstand des Wissens ist. Diese Bewusstheit des Wissens von etwas und die Bewusstheit des Subjekts für sich selber sind gleichsam am anderen Pol des einen Verhältnisses von wissendem Subjekt und gewusstem Gegenstand angesiedelt, wobei hier das "Sich-selbst-gegeben-Sein" des Subjekts immer unthematisch bleibt. Dem ist selbst dann noch so, wenn der Erkennende in einem Akt der Reflexion die Selbstgegebenheit des Subjekts thematisiert. Wie wir bereits an früherer Stelle gezeigt haben, kann die reflektierte Selbstgegebenheit des Subjekts das "An-Sich" des Subjekts inhaltlich niemals adäquat einholen.

Im folgenden Artikel zeigt Rahner auf, dass die Struktur der unthematischen, mitbewussten Selbstgegebenheit ein vorgängiges Gesetz dafür ist, wie sich etwas dem erkennendem Subjekt zeigen kann. Das bedeutet nicht, dass sich die andrängende Welt nicht so zeigen kann, wie sie "An-Sich" ist, denn so wie ein Schlüsselloch ein apriorisches Gesetz für den passenden Schlüssel ist, verrät es doch etwas über den passenden Schlüssel selbst. Beim Selbstbesitz ist diese apriorische Struktur die reine Geöffnetheit für schlechthin alles. Indem sich das Subjekt selbst als durch sinnliche Erfahrung begrenzt erfährt, hat es sich bereits von dieser Begrenztheit abgesetzt und den Horizont aller möglichen Gegenstände unendlicher Weite bereits umgriffen. Und gerade diese Entschränktheit ist für Rahner in Verbindung mit dem oben beschriebenen, unthematischem und bei jedem Erkenntnisakt notwendigem Mitbewusstsein eine transzendentale Erfahrung. In der transzendentalen Erfahrung kann die Transzendenz erfahren werden, insofern in jedem Erkenntnisakt die Struktur des Subjekts und somit die letzte denkbare Struktur überhaupt in einem gegeben ist. Diese transzendentale Erfahrung setzt auch noch einen Willen und Freiheit voraus, so das immer nach dem Woraufhin und Wovon her des Subjekts gefragt werden kann. Das Eigenartige an der transzendentalen Erfahrung ist, dass das Subjekt sich das "An-Sich" dieser transzendentalen Erfahrung nicht vorstellen kann und somit wiederum nur über einen abstrakten Begriff vergegenständlicht von ihr sprechen kann.

Für Rahner steht ferner fest, dass Gotteserkenntnis den Charakter einer transzendentalen Erfahrung hat und somit das Subjekt ein unthematisches Wissen von Gott besitzt. Alles reden über Gott verweist somit immer nur auf das "An-Sich" dieser ursprünglichen transzendentalen Erfahrung, in der sich Gott dem Menschen zeigt, als das Absolute und Unübergreifbare. Wenn nun der Mensch Wesen der Transzendenz ist und das Woraufhin und Wovon her das ursprüngliche Wesen als Subjekt, und somit das absolut seiende Geheimnis ist, dann ist dieses Geheimnis das einzige Selbstverständliche, denn alles andere Begreifen gründet dann erst auf der Transzendenz Gottes. Alles was wir erfahren wird erst dadurch verständlich, dass wir es einerseits in elementare Daten der sinnlichen Erfahrung und andererseits in Axiome, die erst im Absolut heiligem Geheimnis verständlich werden, zerlegen. Behält man sich die letzten Zeilen im Hinterkopf, dann muss man annehmen, dass man in letzter Tiefe nichts genaue weiß, dass das Wissen des Subjekts nur eine kleine Insel in dem unendlichem Ozean des absoluten Geheimnisses ist.

Nach Rahner ist die existenzielle Frage an den Erkennenden die, ob ihm das kleine Licht mit dem er die unendlich kleine Insel ableuchtet, man nennt es Wissenschaft, ein ewiges sein soll, oder ob er denn den das Meer des unendlichen Geheimnisses mehr liebe. Denn erst wenn man sich der Frage nach dem Fragen und dem Denken des Denkens zuwendet erfährt man sich als "homo religiosus" oder besser noch, als ein freies Wesen für und in Gott.


2.2. Begriffserklärung

Transzendenz ist die Bedingung für die Möglichkeit der Erfahrung, daher ist die Transzendenz vor der Erfahrung gegeben.
Kategorial ist das Gegenteil der Transzendenz, daher schließt es alles sinnlich erfahrbare ein. Dies ist für Rahner nur dann möglich, wenn die Transzendenz gegeben ist.

Unthematisch heißt, das etwas gewusst wird, es aber gerade nicht bewusst ist. Ein Beispiel dafür, ist die Selbstgegebenheit des Subjekts. Der Mensch ist bei jedem Denken und jedem Handeln Subjekt, ohne dass er sich dieses dafür bewusst macht (bzw. bewusst ist).

A priori ist lateinisch und bedeutet "im vorhinein". In der Erkenntnistheorie heißt a priori, jene Erkenntnis die von aller Erfahrung unabhängig ist.

A posteriori ist das Gegenteil von a priori und bedeutet aus dem Lateinischem übersetzt "im nachhinein". Unter a posteriori versteht man jene Erkenntnis, die ihren Ursprung in der Erfahrung hat.


3. Interpretation und Kritik

3.1. Interpretation

Rahner schreibt am Anfang seiner Arbeit Es kann nicht jeder in einem strengen Sinne Fachtheologe sein und dass Theologie nicht bloß ein nachträglicher Luxus für Fachleute ist. Dies kann leicht zu Missverständnissen führen. Rahner meint damit nicht, dass sein Werk von jedem Christen verstanden werden können soll, sondern die Lehren des Christentums selbst. Er schrieb „Grundkurs des Denkens“ nicht für Laienleser sondern bewusst für Fachtheologen.

Das Hauptthema des Kapitels „Zu einigen Erkenntnistheoretischen Grundproblemen“ ist die Erkenntnis. Hierbei unterscheidet er zwischen transzendentaler Erkenntnis und kategorialer Erkenntnis. Erstere ist für ihn a priori. Er sieht sie als von Gott gegeben.
Hierin widerspricht er radikal der Evolutionslehre. Diese geht davon aus, dass sich der Mensch in seiner Gesamtheit durch seine Entwicklung erklären lässt (und daher nichts an ihm Gottgeben ist). Dies bedeutet, dass der Mensch, das was er ist nur auf Grund von äußeren Faktoren ist, auf die der Mensch, so wie alle anderen Lebewesen, durch Weiterentwicklung reagiert hat. Dies gilt nicht nur für das äußere Erscheinungsbild, sondern auch für das Innere. Dies macht die Menschenbestimmung von Karl Marx besonders deutlich. Das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. Dies betrifft natürlich nicht nur die Psyche und den Leib des Menschen sondern auch den Logos. Unter anderem geht Arnold Gehlen davon aus, dass der Mensch deswegen sprechen lernte, weil er ein „Mängelwesen“ sei, dass ohne Sprache nicht überlebensfähig sei.

Diese beiden Positionen sagen kurz zusammen gefasst aus, dass alles was der Mensch ist durch die natürliche Entwicklung (Evolution) bestimmt ist. Dies betrifft auch die Sprache, die Karl Rahner als die Voraussetzung für jene Erkenntnis sieht, die den Menschen vom Tier unterscheidet.
Diese Erkenntnis ist für Rahner jene die voraussetzt, dass sich der Mensch selbstgegeben ist. Wenn man, so wie die Tiere, sich selbst nicht gegeben ist, dann ist man eins mit der Welt und nicht dazu im Stande Begriffe zu entwickeln, die für Erkenntnis und Wahrnehmung, die sich von der tierischen unterscheidet notwendig ist. Ein Beispiel hierfür ist, dass man einen Aschenbecher nur als solchen erkennen/wahrnehmen kann, wenn man sich bewusst ist, dass dieser von einem getrennt ist, also man nicht mit ihm eins ist. Selbstverständlich ist auch Reflexion über einen selbst, wie sie die Grundlage der Philosophie ist, ohne die Selbstgegebenheit nicht möglich.

Im Gegensatz dazu steht der Realismus, der die Ansicht vertritt, dass Wahrnehmung nichts anderes ist als, dass Sinnesorgane einen Reiz aufnehmen und diesen im Gehirn verarbeiten. Die Schwäche dieser Theorie ist offensichtlich, dass sie nicht erklärt, warum eine Form als diese erkennbar ist.


3.2. Kritik

Ich teile die Meinung Karl Rahners, dass für Erkenntnis, die den Menschen vom Tier unterscheidet Begriffe notwendig sind, denn ohne diese wäre es nicht möglich, das was wir sehen zu verarbeiten. Wir könnten wahrscheinlich wahrnehmen, dass eine Wurst gut riecht und essbar ist so wie ein Hund -, aber wir würden diese, wenn wir sie wahrnehmen, sofort essen, ohne über diese nachzudenken und in weiterer Folge als Wurst und nicht nur als essbar zu erkennen. Damit ist nicht gemeint, dass man jedes Mal, wenn man eine Wurst sieht, jedes mal reflektiert, was diese ausmacht sondern, dass erst wenn wir es geschafft haben einen Gegenstand, in diesem Fall eine Wurst, begriffen zu haben, erst dann einen Begriff (in diesem Fall Wurst) bilden können.

In dem Sinne, dass die Sprache bereits göttlich ist (natürlich könnte man andere Adjektive an dieser Stelle ebenfalls einfügen und damit anderes beweißen ...), hat er auf jede Fall recht, dass die Sprache einen Beweis dafür liefert, dass es Gott gibt. Seine Argumentation ist in sich sehr schlüssig. Obwohl sich für mich das Problem ergibt, dass er bewusst Gott sucht und nicht von alleine an das Ziel kommt, da ich der Ansicht bin, dass wenn man Sprache im oben genannten Sinne nicht als göttlich anerkannt auch zu einem anderen Ergebnis kommen kann, wodurch der „Beweis“ nicht zwingend ist, sondern besten Falls ein Indiz ist.

Mir gefällt der von mir gelesene Rahner Text sehr gut, weil er keine einfache Kost ist. Man muss ihn mehrmals lesen und vor allem ?nach denken? um ihn zu verstehen. Außerdem regt er sehr stark dazu an über ihn zu diskutieren. Ich glaube, dass es erst ihm Diskurs möglich ist den Text richtig zu begreifen.

4. Quellenverzeichnis
4.1. Literaturverzeichnis
K. Rahner, Grundkurs des Glaubens, Freiburg/Basel/Wien, 1984
K. Liessmann, G. Zenaty, Vom Denken ? Einführun in die Philosophie, Wien, 1998
Karl Rahner Akademie ? Biographie (Prof. Dr. K.-H. Neufeld SJ) vom 13.Jänner 2002 siehe: http://www.kath.de/akademie/rahner/rahner/biograph.htm

25 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Ingwer

    30.05.2002, 02:27 Uhr von Ingwer
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter und ausführlicher bericht!

  • Luckybrina

    19.05.2002, 13:23 Uhr von Luckybrina
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr ausführlich und übersichtlich