Philosophie Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Nietzsche

Macintyre, Ben: Vergessenes Vaterland "Nietzsches kleiner Schatten"

Pro:

Neue Aspekte, spannend geschrieben

Kontra:

nix

Empfehlung:

Nein

Wer sich mit Nietzsche auseinandersetzt, wird früher oder später auch auf seine Schwester stoßen, die sich vor allem dadurch auszeichnete, daß sie seine Werke verfälschte, um sie den Antisemiten für ihre Zwecke schmackhaft zu machen.
Doch Elisabeth "vollbrachte" noch viel mehr in ihrem Leben: Sie heiratete den Antisemiten Bernhard Förster, mit dem sie in Paraguay ein neues "Vaterland" gründen wollte.

Das Buch von Ben Macintyre berichtet in erster Linie genau davon. Dabei stellt es eine Kombination aus Reisebuch, Kulturgeschichte, philosophisch-kulturkritischer Reflexion und gleichzeitig eine Biographie zum Leben der Elisabeth Nietzsche dar. Zwingend ist es natürlich auch gleichzeitig eine Biographie zu Nietzsche, wenn auch aus einem völlig anderem und neuen Blickwinkel.

Das Buch beginnt mit einem Reisebericht Macintyres, der 1991 nach Paraguay reiste, um zu sehen, was von der 1886 gegründeten Kolonie in Paraguay noch übrig ist. Gibt es sie überhaupt noch? Wissen die Menschen warum sie dort sind? Hängen sie noch den alten antisemitischen Idealen an?
Macintyre findet tatsächlich die Kolonie!

In den nächsten Kapiteln folgt jedoch zunächst eine ausführliche Biographie Elisabeths. Ihr Leben in Naumburg, ihr Verhältnis zu ihrem Bruder. Von einem Buch wird berichtet, daß 1951 in New York erschien: "My Sister and I". Es soll eine angebliche Biographie Nietzsches darstellen, die er nach seinem Zusammenbruch in geistiger Verwirrung schrieb und die von seinem inzestuösen Verhältnis zu seiner Schwester berichtet. Später gab jedoch ein Berufsfälscher zu, daß er es für Geld in Auftrag geschrieben hatte. Wieder ein Beispiel dafür, welch Schindluder um Nietzsche getrieben wurde!

Ausführlich wird auch von der sich anbahnenden Beziehung zu Förster berichtet und vom Sart, der Durchführung und dem Scheitern des Projektes in Paraguay. Förster nimmt sich schließlich das Leben, als sein Projekt an Geldnot leidet und verunglimpft wird. Nietzsche hielt nichts von Förster. Selbst bei der Hochzeit war er trotz Einladung nicht anwesend.
Das Buch berichtet auch von Elisabeths Bemühungen, Nietzsches Schriften zusammenzutragen und sein Werk der Öffentlichkeit publik zu machen. Dies gelingt. Plötzlich liest eine breite Masse seine Werke(eigentlich aber ja eher die von Elisabeth, da sie vieles umschrieb, weglies oder einfügte) und man strömt in Scharen in das von Elisabeth gegründete Nietzsche-Archiv in Weimar, in dem Nietzsche von 1897, nach dem Tod seiner Mutter, bis zu seinem Tod 1900 von der Schwester gepflegt und ausgesuchten Gästen vorgeführt wird.

Am Ende greift das Buch die Fragen vom ersten Kapitel auf. Nochmals wird vom Trffen der SIedlernachkommen berichtet und darüber, wie diese ihr Leben verbringen und welchen Idealen sie anhängen.

Das Buch ist ungemein interesant und spannend zu lesen. Für jeden, der sich für Nietzsche interessiert werden sich hier neue Aspekte öffnen. Ich habe das Buch in drei Tagen verschlungen und was voller neuer Informationen. Bisher hat sich kein Buch so intensiv mit dem Einfluß und dem Leben von Elisabeth Nietzsche auseinandergesetzt, obwohl man sie, wenn man sich mit Nietzsche befaßt, nicht außen vorlassen sollte und kann.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen und jedem ans Herz legen, der sich ausführlich mit Nietzsche befassen will!

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Ingwer

    14.05.2002, 10:58 Uhr von Ingwer
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr interessanter Bericht- ich glaube, ich muss mal wieder in die Buchhandlung :-)