Rotenburg ob der Tauber Testbericht

Rotenburg-ob-der-tauber
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Erfahrungsbericht von Allgäuer

700 Jahre zurück in einem Tag

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Rothenburg ob der Tauber war, nach langen Diskussionen endlich als Ziel unseres Betriebsausfluges festgelegt. Es ist gut zu erreichen, denn die A 7 geht praktisch bis vor die vollständig erhaltene Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Unsere rund 300 Teilnehmer können dort einen Tag nach eigenem Gusteau verbringen, egal ob sportlich mit dem Fahrrad an der Tauber entlang, ob kulturell mit Stadtführung und danach mit dem Besuch der vielen Sehenswürdigkeiten und Museen, ob mit shopping oder im Biergarten. Hier war für jeden etwas, auch für mich, denn ich zog, nach langer Zeit wieder einmal mit meiner Fotoausrüstung los um ungestört auf Motivsuche zu gehen.

Schon nach der Autobahnausfahrt beeindruckte uns die mittelalterliche Silhouette des weltberühmten Touristenzieles für die Kultur- und Geschichtsintressierten aus aller Welt.

Die Stadtführer holten uns direkt am Rödertor ab und erzählten uns begeistert etwas über die bewegte Geschichte des kleinen Städtchens, das noch heute davon profitiert, dass seine Stadtväter im Dreißigjährigen Krieg verhindern konnten, dass die Belagerer die Stadt niederbrannten. Der Meistertrunk erinnert heute noch daran, dass der damalige Bürgermeister Nusch zur Begrüßung der Belagerer einen Humpen mit 3 ¼ Liter Wein auf einen Zug geleert hatte um die Bedingung des Feldherrn Tilly zu erfüllen, damit dieser die Stadt verschonte.

Durch viele verwinkelte und enge Gassen wurden wir gut 1 ½ Stunden lang mit ausführlichen Erklärungen durch die Stadt geführt. Ich empfehle bequemes Schuhwerk, denn die Wege sind weitgehend mit Kopfsteinpfalster belegt, das wohl auch aus dem Mittelalter stammt. Jedenfalls ist dieser Strassenbelag nichts für hochhackige Schuhe.

Ich kann hier nicht alle interessanten Sehenswürdigkeiten Rothenburgs aufzählen, denn das würde sicher den Rahmen eines kurzen Berichts für Ciao sprengen. Über Rothenburg könnte man locker ein Buch schreiben.
Nur einige touristische Pflichtübungen will ich nennen.

Den besten Blick über die Stadt hat man vom rund 50 Meter hohen Rathausturm. Wer den Wehrgang an der Stadtmauer begeht, der sollte entweder körperlich nicht zu groß sein, oder immer darauf achten, dass die Menschen ausgangs des 13. Jahrhunderts einfach kleiner waren, sonst gibts Beulen. Aber so eine kleine Beule wird belohnt von herrlichen Ansichten auf die Rothenburger Altstadt. Man entdeckt beim Begehen der rund 3 km langen Stadtmauer immer wieder ein Fenster, eine Schießscharte, einen Mauervorsprung oder ein Gässchen, das zum Schauen zum Fotografieren oder einfach zum Verweilen einlädt, weil man sich dieser mittelalterlichen Romantik nicht entziehen kann.

Das Plönlein, ein kleiner Platz, der optisch von einem Fachwerkbau dominiert wird ist so eine besondere Stelle. Der Marktplatz als Zentrum der Stadt ist stark frequentiert. Trotzdem kann man das Rathaus, das aus 2 verschiedenen Epochen stammt (13. Und 16. Jahrhundert) von dort am Besten auf sich wirken lassen. Die Stadtpfarrkirche St. Jakob mit einem weltberühmten Riemenschneider-Altar ist nicht weit weg, wie eigentlich alles in Rothenburg.

Mich hat Rothenburg auch deswegen so fasziniert, weil trotz des immensen Touristenrummels eine Ruhe von diesen Gassen ausgeht, die den Besucher so in ihren Bann zieht, dass der tägliche Stress ganz in Vergessenheit gerät.

Der schönste Fleck in Rothenburg ist für mich der Burgplatz. In einem kleinen Park kann man sich die Sonneauf den „Pelz“ scheinen lassen und irgendwie scheint die Zeit stehenzubleiben – oder läuft sie rüchwärts? Man geniest einen herrlichen Blick auf das Taubertal und das sogenannte Topplerschloß, das sich der aus heutiger Sicht bedeutendste Bürgermeister der Stadt in exponierter Lage unten im Taubertal gebaut hat.

Der Weg dort hinunter lohnt sich, denn er führt über die steile Böschung zur Tauber, bietet gemütliche schattige Sitzplätze, einige ruhige Wiesen zum Ausruhen und immer wieder beeindruckende optische Reize. Dazu immer wieder diese mittelalterliche Ruhe

Wer sich für die Lebensumstände im Mittelalter interessiert, der sollte das Handwerkerhaus besuchen. Für sensible Naturen ist das Kriminalmuseum nicht das richtige, denn dort werden die Methoden des mittelalterlichen Strafvollzugs dokumentiert und dargestellt. Wem das alles zu brutal ist, der ist vielleicht im Reichstadtmuseum besser aufgehoben oder besucht lieber noch einige Kirchen, obwohl die Kirchengeschichte ja auch nicht gerade unblutig ist. Rothenburg ist überwiegend evangelisch und hat auch hier eine turbulente Vergangenheit.

Zur romantischen Umgebung Rothenburgs mag das Weihnachtsdorf gut passen. Ich fand bei 29°C diese Sehenswürdigkeit allerdings mehr wegen der klimatisierten Räume interessant.

Ich war nur einen knappen Tag in Rothenburg ob der Tauber, d.h. ich habe noch lange nicht alles gesehen und schon gar nicht die reizvolle Umgebung, das Tal in dem ruhig die Tauber vor sich hinfließt und das zum Radeln einlädt oder Schillingsfürst, dem höchsten Ort auf der Frankenhöhe. Auch in den meisten Museen war ich noch nicht, aber die alte Bausubstanz und die dadurch entstehende Atmosphäre haben mich sehr beeindruckt.

Ich weiß nun, warum Besucher aus aller Welt nach Rothenburg kommen. Sicher nicht wegen einiger Ausstellungen und Museen, sondern weil dieser Ort einfach einmalig ist . Und ich werde genau deswegen wieder einmal einen Tag dort verbringen. Es lohnt sich der weiteste Weg.

Wer es sich aussuchen kann sollte die Hochsaison meiden.

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Gemeinwesen

    24.11.2006, 15:02 Uhr von Gemeinwesen
    Bewertung: sehr hilfreich

    "Gusteau"? Etwa Jack Gusteau, der weltbekannte, franko-amerikanische Taucher? Is'n Ding! Beste Grüße vom Gemeinwesen.