Samaria Schlucht Testbericht

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Erfahrungsbericht von MONETIX

Die Samaria-Schlucht -Faszination und Qual !

Pro:

Natur pur

Kontra:

Blasen, Gelenkreizung

Empfehlung:

Ja

Hallo aus Chaniá vom völlig ausgepumpten Günter, der heute zum 4. Male die Samaria-Schlucht bezwungen hat. Diesmal war es besonders schlimm für mich, da ich meinen Körper noch nicht auf volle Drehzahl eingestellt hatte –ganz im Gegenteil, die Tage vorher glichen eher einem Trainigslager für Alkoholiker und jene die es werden wollen.
Naja, ganz so schlimm war es wohl nicht, aber der Kondition –die bei mir nach dem „langen und harten“ Winter noch schlummert- war es wohl nicht sonderlich zuträglich.
Nach all den Geschäftsessen (Gelagen/Orgien) kam ein Freund von mir –auf Kreta ansässig als Deutsch-Lehrer- auf die glorreiche Idee etwas für die Gesundheit zu tun.
Alle waren hellauf begeistert, bis er mit dem Vorschlag kam, die Samaria-Schlucht entgegengesetzt, also vom Libyschen Meer her zu durchwandern. Sofort wurde Protest laut, dass dies wohl nichts mit Gesundheit zu tun hätte, zumal dies auch noch stetigen berganstieg bedeutete. Da wir ja alles Kreta-Fachleute sind, kam sofort der Einwand, dass die Schlucht sowieso erst am 01. Mai für Wanderer freigegeben würde.
Lange Rede, kurzer Sinn: durch Beziehungen des Vorschlagenden war dies kein unlösbares Problem; wir konnten ihn allerdings überzeugen den normalen Weg von oben nach unten ; sprich von Xyloskalo nach Ajia Roumelí zu durchwandern.

Wir fuhren mit einem VW-Bus, der den deutschen TÜV wohl nicht mehr verlassen hätte, nach Ajia und von dort zum Dorf Phourmes. Die Strasse geht an den Nordwestausläufern der Lefka Ori (Weissen Berge) entlang undkamen zu dem historischen Dorf Lakki, das ruhmvoll an allen kretischen Aufständen teilgenommen hat. Diese Erklärungen unseres „Samaria-Besessenen“, konnte ich schon fast nicht mehr zuhören, -sprachen doch die Blasen der drei vorangegangenen Durchwanderungen, im Unterbewusstsein zu mir. Die karge Omalos-Hochebene die wir nun erreichten, entsprach schon mehr meiner Stimmung. Diese Hochebene ist von den Lefka Ori vollkommen umgeben. Wir fahren in die Hochebene hinein und sehen rechterhand die Höhle Tzani, ein kilometerlanger Schlund, in dem die Wasser der Hochebene versickern. In der Mitte der Hochebene ist eine kleine Siedlung, die völlig verlassen wirkt. Hier gibt es zu dieser Jahreszeit vielleicht 5 Einwohner, die sich in den nächsten Wochen aber auf so ca. 40 bis 60 Personen erhöhen wird, um hier Schafe und Ziegen zu weiden, sowie um Gemüse und Obst anzubauen. Ende Oktober verschwinden diese Leute dann wieder und wohnen in ihren Häusern in Chaniá, Tavroniti oder Platanías.
Wir fahren noch ca. 5 km weiter durch die Ebene und kommen nach Xyloskalo in 1200 m Höhe.
Hier gibt es ausser einem kleinen Gästehaus und einem Touristenpavillon sonst fast gar nichts.

Von hier steigen wir in die Samaria-Schlucht hinunter. Hier unterbreche ich den Bericht mal etwas, um einige Fakten zu besagter Schlucht loszuwerden:
Die Samaria-Schlucht ist mit 18 Kilometern die längste und tiefste Schlucht in Europa. Sie durchschneidet Felswände von einer Höhe von 200 bis 1000 Metern. An der breitesten Stelle ist sie 300 und an der schmalsten –der „Pforte“ ein berühmtes Fotomotiv übrigens- drei Meter breit. Hier ragen die Felsen bis zu 600 Metern empor.

Wer, wie wir, und der Rest der normalen Menschen, die Samaria-Schlucht talwärts in Richtung Libysches Meer durchwandert, legt einen Höhenunterschied von etwa 1200 Metern zurück.
Die Wanderungsdauer wird meist zwischen 6 und 7 Stunden angegeben. Ich kann nur sagen, es kommt auf das „Verkehrsaufkommen“ und die eigene Kondition an. Bei meiner ersten Wanderung vor 11 Jahren, mit meiner Frau benötigten wir 5 Stunden, allerdings fast noch in der Morgendämmerung und weit und breit niemand zu sehen. 3 Jahre später waren es dann 7 Stunden, in einer Gruppe mit Freunden und einigem Touristenaufkommen. 1999 brauchte ich dann zusammen mit einem kretischen Freund so ca. 6 Stunden, bei hoher „Verkehrsdichte“ durch viele Wanderer.

Wer ohne Auto auf Kreta auskommen möchte –was ich persönlich nicht raten würde- kann ganz früh morgens –nicht nur für Kreter zu nachtschlafender Zeit um 5.00 Uhr von Chaniá aus mit dem Bus zum Schluchteingang nach Xyloskalo fahren. Die normalen Touristenbusse fahren später. Dies bringt das Problem der Hitze bei einer Durchquerung natürlich mit sich, denn je später man losmaschiert, desto qualvoller wird die Durchwanderung. Es kann im engeren Teil der Schlucht, durch Hitzestau mal locker bis 40°C kommen –deshalb immer schön auf den Kreislauf achten.

Von dem Ausgangspunkt Xyloskalo, was übgriges Holztreppe heisst, gehen wir die ersten dreieinhalb Kilometer, bestehend aus einem Steilpfad, 800 Meter in die Tiefe. Für diesen Abschnitt benötigt man normalerweise 2 Stunden, wir schafften es diesmal in gut eineinhalb Stunden. Dabei hat man keineswegs den Eindruck in eine Schlucht zu steigen, eher Impressionen wie in Oberbayern. Der Baumbestand allerdings verrät den Süden. Schönere Zypressen als in der Samaria-Schlucht sieht man kaum.
Da soviele Touristen im Sommer –wir sahen gottseidank keinen, wie auch : die Schlucht ist offiziell noch geschlossen- eine enorme Brandgefahr bedeuten, bildet nach jedem Kilometer eine kleine Hütte einen Feuerposten, von der aus erste Massnahmen gegen einen Waldbrand unternommen werden können. Erfreulich ist, dass man mittlerweile in der Schlucht eine Menge Papierkörbe findet (das gibt es aber erst seit ein paar Jahren). Und seit einiger Zeit wird zum Trost der fussmüden Wanderer jeder Kilometer, den man gesachafft hat, auf einer Tafel angezeigt. Aber wer, wie ich zum 4. Mal diese Prozedur auf sich nimmt glaubt sowieso jeden Stein persönlich zu kennen.
Rast- und Picknickplätze gibt es reichlich, auch Quellen mit klarem Wasser findet man auf den ersten Kilometern (hier ein Tipp: Trinkflasche nicht vergessen-und keinen Wein einfüllen).

Nach ca. 7 Kilometern kommt man an den Ort Samaria, der der Schlucht den Namen gab. Zu diesem Ort gibt es soviel zu berichten, von der Mythologie bis zum Widerstand im 2. Weltkrieg, das ich später eventuell ein gesonderten Bericht darüber verfasse.

Die meisten Samaria-Wanderer halten den Ort Samaria für eine wichtige Etappe, so als habe man die Hälfte des Weges geschafft. Entsprechende Picknick-Stimmung kommt auf (auch bei mir, beim erstenmal, jetzt weiss ich das Besser). Denn bei Samaria ist noch längst nicht Halbzeit: Der Weg bis zum Libyschen Meer zieht sich nun endlos hin. Glücklich ist wer etwas zu trinken mitgenommen hat (Trinkflasche!), denn die letzte Quelle sprudelt bei Kilometer „7“.
Und glücklich ist wohl auch, wer Wanderschuhe hat –vorrausgesetzt sie sind nicht neu und ungetragen. Alle Erfahrungen muss man auf Kreta umsetzen, so grinse ich nur, wenn mich Freunde und Bekannte in Deutschland fragen warum ich Wanderschuhe mit ans Meer nehme. Nicht beim Abstieg, sondern im Bett der Schlucht gibt es die ersten Ausfälle der „Turnschuh-Touristen“.
Kein Wunder. Der Weg ist zwar- abgesehen von seiner Länge- ohne grosse körperliche Anstregung zu schaffen (bei guter Kondition versteht sich), aber keineswegs planiert

Nach weiteren endlosen Kilometern die am Schluss unter glühender Sonne dahinführen steht man dann am Libyschen Meer in dem Ort Agia Roumeli.
Hier wurde dann erstmals ein Ouzo inhaliert, der eigentlich als „Erste Hilfe“-Mittel mitgenommen worden war. Während wir auf die Fähre nach Paläochora warteten und unsere Füsse massierten und ins Meer hielten, wurde der weitere Verlauf des Tages besprochen.

Kurz-Abriss:
05.30 Uhr Abfahrt von Chaniá nach Xyloskalo
06.45 Uhr Abstieg in die Samaria-Schlucht
13.00 Uhr Ankunft der Wanderer in Agia Roumeli
14.00 Uhr Fähre nach Paläochora
14.45 Uhr Ankunft in Paläochora (VW-Bus wartete schon)
15.00 Uhr zurück nach Chaniá
16.45 Uhr Chaniá bis
21.00 Uhr ruhen und Fusspflege
21.30 Uhr Ausklang im alten Hafen bis ..........


So, dass war mein Oster-Sonntag, der auf Kreta aber erst nächsten Sonntag stattfindet, weil Ostern auf Kreta immer eine Woche später als in Deutschland stattfindet.

Ich hoffe ihr habt jeine Blasen vom lesen bekommen und sage Danke fürs lesen und bewerten, jassu Günter
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