Der Vorleser (Taschenbuch) / Bernhard Schlink Testbericht

ab 3,37
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Erfahrungsbericht von blade22

Aufarbeitung von Geschichte

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Das Buch \"der Vorleser\" von Bernhard Schlink handelt von einem jungen Mann namens Michael, der in seinem fünfzehnten Lebensjahr die Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz kennen lernt und mit dieser 21 Jahre älteren Frau eine Beziehung anfängt. Die Beziehung basiert anfangs nur auf dem Geschlechtsverkehr und wird später durch das Ritual des Duschens, Vorlesens von Michael für Hanna und anschließendem Sex bestimmt. Als Hanna ihn im selben Jahr noch schlagartig verlässt macht er sich anfangs dafür verantwortlich, weil er glaubt, Hanna zu verleumdet zu haben. Anschließend beendet er seine Schule und beginnt sein Jurastudium. Während seiner Studienzeit wohnt er mehreren Sitzungen vor Gericht bei und trifft dabei Hanna wieder, die angeklagt wird unterlassene Hilfestellung und mehrfache Beihilfe zum Mord als eine Aufseherin in einem KZ in Auschwitz und später in Krakau begangen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt begreift Michael, dass Hanna Analphabetin ist, sagt es dem Richter jedoch aus Gewissenskonflikten nicht, als sie angeklagt wird ein bestimmtes Protokoll geschrieben zu haben. Hanna wird daraufhin zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Michael beendet sein Studium und heiratet die Juristin Gertrud und die beiden bekommen ein Kind, das sie Julia nennen. Doch nach sechs Jahren Ehe lassen sie sich wieder scheiden und Julia bleibt bei ihrer Mutter. Nach seinem Referendariat beginnt Michael als Rechtshistoriker und fängt ab dem Zeitpunkt an Hanna Kassetten zu schicken auf denen er Hanna vorliest. In vier Jahren lernt Hanna dann ohne das Wissen von Michael das Lesen und Schreiben. Als sie ihm einen Brief sendet ist er sehr überrascht und erfreut. Fünf Jahre später wird Michael ihre Entlassung angekündigt und er wird von der Gefängnisdirektorin gebeten sich nach der Entlassung um Hanna zu kümmern. Nach langem Zögern überwindet er sie und besucht Hanna außerdem auf Wunsch der Direktorin kurz vor ihrer Entlassung im Gefängnis. Einen Tag vor ihrer Entlassung bringt sich Hanna jedoch aus unerklärlichen Gründen um. Sie hinterlässt Michael eine Botschaft in der sie ihn darum bittet, ihr gespartes Geld von rund 7000 Deutschen Mark der überlebenden Tochter des Todeszuges aus Krakau nach New York zu überbringen, was er daraufhin auch tut.


Ich habe dieses Buch mit völliger Unvoreingenommenheit zur Hand genommen. Ich kannte weder Klappentext noch Inhalt, war also völlig unvorbereitet auf das, was auf mich zukam.
Fasziniert war ich von Beginn weg. Diese Liebesgeschichte zwischen der älteren Frau, dem pubertierenden Jüngling, die Abhängigkeit, in die er sich begibt, waren wunderbar zu lesen, und sehr erotisch geschildert. Vor allem waren auch die Veränderungen in seinem Verhalten gut spürbar - wie er plötzlich mit den Mädchen in seiner Klasse besser zurechtkommt, weil er ihnen gelassener gegenübertreten kann.

Deswegen hatte mich der Auftritt im Gerichtssaal genauso schockiert wie den Erzähler. Darauf war ich ganz einfach nicht gefaßt.

Aber was dann passiert - plötzlich empfand ich die Täterin Hanna als das unschuldige Opfer. Gut, sie war Aufseherin im KZ, aber sie war doch immer nur eine Mitläuferin... hat doch vor allem immer nur darauf geachtet, ihr Geheimnis nicht zu verraten.

Ich fand es wirklich erschreckend festzustellen, daß ich sofort bereit gewesen wäre, zu verzeihen, zu entschuldigen, zu beschwichtigen, die Schwere der Schuld geringzuhalten.

Mit ein Grund dafür war auch, daß Hanna dann im Gefängnis angefangen hat, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, sich ihrer Schuld bewußt zu werden und damit fertigzuwerden.

Der eigentliche Verlierer ist der Erzähler - der Zeit seines Lebens nicht von dieser Frau loskommt, dessen Ehe auch daran scheitert, und der es aber trotzdem auch nie schafft, wirklich zu ihr zu stehen. Bezeichnend dafür ist zB, daß er seinen ganzen Kassetten nie ein persönliches Wort hinzufügt.

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