Der Vorleser (Taschenbuch) / Bernhard Schlink Testbericht

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Erfahrungsbericht von Tooob
...Alte Liebe rostet nicht?...
Pro:
Interessante Verknüpfung mit anderen Problematiken, Lektüre zur Verarbeitung
Kontra:
Langatmigkeit der Prozessschilderung
Empfehlung:
Ja
Da ich dieses Buch vor kurzem gelesen habe, möchte ich auch mal meine eigene Meinung kundtun!
- Vorwort:
Der Roman "Der Vorleser", verfasst von Bernhard Schlink und im Jahre 1995 veröffentlicht vom Diogenes Verlag, befasst sich mit der Liebesbeziehung zwischen dem 16 jährigen Jugendlichen Michael und einer ehemaligen KZ-Aufseherin in der Nachkriegszeut vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus. - Inhalt:
Der gesamte Roman besteht aus drei Teilen.
1.Teil: Im ersten Teil macht der Protagonist Michael im Rahmen einer Liebesbeziehung zu Hanna, einer wesentlich älteren Straßenbahnschaffnerin, seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er wird Teil eines Rituals, welches aus dem Vorlesen, dem Duschen, dem Sex und anschließendem Beisammensein besteht. Doch die Beziehung nimmt ein jehes Ende, da Hanna scheinbar aus beruflichen Gründen die Stadt verlässt und jeglichen Kontakt zu Michael unterbindet.
2.Teil: Der zweite Teil befasst sich mit dem unverhofften Wiedersehen der beiden Protagonisten, da Michael im Verlauf seines Jurastudiums Hanna bei einer Gerichtsverhandlung begegnet. In Folfe dessen erfährt er von Hannas Verbrechen während des Nationalsozialismus und deckt ein ihr Leben prägendes Defizit auf...
3.Teil: Der dritte Teil, der direkt an den Urteilsspruch anschließt, wird von dem inneren KOnflikt Micheals mit seiner Schuldproblematik und seiner Beziehungsunfähigkeit dominiert. - Kurze Charakterisierung der Protagonisten:
Michael: Michael Berg, ein 16 jähriger Jugendlicher, stammt aus bürgerlichen Verhältnissen, sein Vater gehört der Berufsgruppe der Professoren an. Innerhalb der Beziehung zu Hanna ist er das eher schwächere Glied, da er als unreifer und unmündiger Teenager der reifen Hanna mit sehr ausgeprägten Charakterzügen unterliegt. Dies wird durch die Umstände ihres Kennenlernens deutlich: Michael übergibt sich und Hanna nimmt sich seiner an. Er ist auch im weiteren Verlauf der Beziehung nachgiebig und nimmt bei Streitgesprächen eine passive Haltung ein - er ist immer auf eine Versöhnung aus, um wieder Teil des Rituals zu werden.
Nach dem sexuellen Kontakt mit Hanna legt Michael an Selbstbewusstsein zu, die Abhängigkeit gegenüber ihr bleibt jedoch erhalten.
Hanna: Hanna Schmitz arbeitet als Straßenbahnschaffnerin. Sie lernt Michael als unreifen und schwachen Jugendlichen kennen und lebt in der Beziehung ihre dominante Ader aus. Dies wird bereits anfangs klar, als sie MIchael grob anfässt und ihm überlegen begegnet. Hanna bedient sich Michaels Fähigkeiten und seines Körpers. Somit ist Hanna eindeutig der dominantere Partner in der Beziehung. Sie hat jeodch ein ihr Leben prägendes Defizit. Dieses ist zu ihrer Lebenslüge geworden und sie versucht diese unter allen Umständen aufrecht zu erhalten, notfalls auch mit Gerwalt. - Problematik:
Das Buch beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, ob die Nachfolgegenerationen an der Schuld der Kriegsverbrecher des Nationalsozialismus beteiligt sind und entsprechend dieser Tatsache ein Schamgefühl aufweisen sollen. - Eigene Meinung:
Es wird auf eindrucksvolle Weise geschildert, wie die beiden Protagonisten zueinandern finden, wie sie Probleme in ihrer Beziehung lösen oder verdrängen und wie sich ihr Verhältnis zueinander verändert, nachdem der Prozess für Klarheit gesorgt hat.
Geringfügig negativ ist die unerwartete und ellenlange Schilderung der Gerichtsverhandlung, der viel trockene Materie enthält und somit dazu führen kann, dass das Interesse des Leser auf kurz oder lang verfliegt.
Aber! Weiterlesen lohnt sich, denn der darauf folgende Part betrifft einen jeden in irgendeiner Weise und kann zu besserem Umgang mit einem Schuldbewusstsein führen.
Meiner Meinung nach dient dieses Buch somit in großen Stücken zu einer sehr differenzierten Darstellung von verschiedenen Mechanismen der Verdrängung, des Verweigerns der Verantwortung und der Ich-Bezogenheit. Abschließend lässt sich also sagen, dass der Roman auf vielfältige Weise den Umgang mit der Schuld darstellt. - Fazit:
Das Buch weist eine interessante Thematik auf und ist zudem sehr kritisch und differenziert verfasst. Um mit der Verantwortung, eine der Nachfolgegenerationen der Kriegsverbrecher zu sein, besser umgehen zu können ist "Der Vorleser" sehr zum empfehlen!
Eine eigene Stellungnahme zu diese Thema spare ich mir, dies würde den Rahmen eines Testberichtes ja ein wenig sprengen ;-)
--> Pflichtlektüre für Jugendliche!
26 Bewertungen, 1 Kommentar
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09.05.2005, 22:19 Uhr von hoink123
Bewertung: sehr hilfreichdas Buch habe ich mir vor Kurzem gekauft. Will es nächste Woche lesen. lg hoink123
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