Über Themen mit E Testbericht

ab 43,00
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Jenni_Aurin

Erziehung

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Erziehung ist die soziale Interaktion zwischen Menschen, mit dem Ziel, zu Erziehende (zumeist Kinder und Jugendliche) an gültige gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen heranzuführen (siehe Sozialisation) und vor allem auch unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Erziehung zielt somit immer auf Verhaltenssteuerung, die gewährleisten soll, dass sich das Indivduum in seinem gesellschaftlichen Bezugssystem sicher bewegt. Nach modernem Verständnis beinhaltet Erziehung deshalb auch, eine freie und unabhängige Persönlichkeit herauszubilden. Normen und Wertvorstellungen und somit auch die Erziehungsideale unterliegen dem Wandel des Zeitgeistes: So propagierte beispielsweise das Erziehungsideal des Nationalsozialismus neben der Forderung absoluten Gehorsams u. a. die Verweigerung menschlicher Wärme, um einer „Verweichlichung“ des Kindes entgegenzuwirken. In jedem Fall übt der Erziehende Macht über das Objekt seiner Bemühungen aus, was ab den sechziger Jahren zur Formulierung einer psychoanalytisch begründeten Theorie der Antipädagogik führte, wie sie etwa von Ivan Illich, E. von Braunmühl und Alice Miller (Am Anfang war Erziehung, 1980; Du sollst nicht merken, 1981) formuliert wurde.
Man unterscheidet zwischen gewollten und unbeabsichtigten Erziehungswirkungen sowie zwischen verschiedenen Erziehungsinstanzen, die neben Schule und Elternhaus auch das weitere gesellschaftliche Umfeld umfassen. Diese Sozialisationsagenten (z. B. die Kirche, siehe religiöse Erziehung) nehmen Einfluss auf erzieherische Grundvorstellungen wie auch auf die konkrete Ausgestaltung derselben.
Planvolles und zielgerichtetes Erziehen eines jungen Menschen berücksichtigt im Idealfall vor allem persönliche Eigenarten des zu Erziehenden und fördert die Entfaltung seiner Fähigkeiten. Dieser Sozialisationsprozess findet in der Familie und innerhalb des staatlichen Bildungswesens statt und wird von vielen Umweltfaktoren beeinflusst. Erziehungsziel ist neben der sozialen Eingliederung auch die Entwicklung von Kritik- und Konfliktfähigkeit sowie die Fähigkeit, kreativ an gesellschaftlichem Handeln teilzunehmen. Alle Erziehungsmodelle sind einer ständigen Überprüfung durch prozessuale Veränderungen gesellschaftlicher Konventionen unterworfen. Erziehung im engeren Sinne umfasst drei Aufgaben: 1. Festlegung der Erziehungsziele, 2. Bereitstellen von Lernmöglichkeiten und 3. Bewertung und Kontrolle des Lernfortschritts. Siehe auch Bildung.
Geschichte der Erziehung
Erziehung als Heranführen der Kinder an die Werte und die Kultur der Erwachsenenwelt gibt es sicher schon seit der Frühgeschichte der Menschheit, etwa durch religiöse Initiationsriten. Erziehung als organisierte Vermittlung von Bildungsinhalten gibt es seit der Antike, in der durch mündliche Überlieferung und Privatunterricht Kinder meist reicher Familien u. a. in Philosophie, Wissenschaft und Staatslehre unterrichtet wurden. Berühmt wurden die als Erziehungsmethode durch Platon vermittelten „Dialoge“ des griechischen Philosophen Sokrates (470/469-399 v. Chr.), der durch gezielte Fragen seine Schüler zu neuen Erkenntnissen führen wollte. Eine Gegenbewegung zu dieser auf die Ausbildung von „Tugend“ ausgerichteten Methode war das Verfahren einer „eristischen Dialektik“ durch die Sophisten.
Im Mittelalter spielte in Europa die Kindererziehung keine eigenständige Rolle. Erst während der Renaissance und der Aufklärung, verstärkt auch im Biedermeier des 19. Jahrhunderts, erlangten Kindheit und Erziehung wieder einen neuen Stellenwert, der schließlich in der Formulierung von Ansprüchen wie der „Allgemeinbildung“ mündete. Diese Ansätze des frühen 19. Jahrhunderts stellen – neben Arbeiten einiger weniger Vordenker, wie Johan Amos Comenuis (1592-1670) – die Grundlagen zur Formulierung von gesellschaftlich bedeutsamen Erziehungszielen dar. Seit dieser Zeit spielen auch Schulen als weithin verfügbare und unter staatlicher Aufsicht stehende Bildungsinstitutionen die wichtigste Rolle (siehe Schulpflicht). Im Erziehungs- bzw. Bildungsroman des 19. Jahrhunderts stellten verschiedene Autoren mit literarischen Mitteln ihre Erziehungsmodelle oder -programme exemplarisch dar. Die Erziehungswissenschaft, ein Teilbereich der Pädagogik, untersucht empirisch die Erziehungsprozesse. Erziehungstheoretiker wie Fröbel oder Pestalozzi setzten auf die (durch geeignete pädagogische Maßnahmen zu fördernde) kindliche Einsicht in das sittlich Gute. Daran anknüpfend entwickelten sich die außerdem stark musisch orientierte Waldorf-Pädagogik und die Theorien der italienischen Ärztin Maria Montessori (siehe Montessori-Pädagogik).
Theorien der Erziehung
Die Theorie, die über die Darbietung von Lerninhalten Aussagen macht, ist die Didaktik. Inhalte und Darstellung von Lerninhalten sind wesentliche Forschungsgebiete der Erziehungswissenschaften. Die Bewertung und Kontrolle von Lernergebnissen ist zu einem Hauptinhalt der Erziehungspsychologie geworden. Um gesellschaftliche und historische Formen der Erziehung bemühen sich verschiedene Teilgebiete der Soziologie. Spezielle Formen der Erziehung, etwa bei körperlichen Behinderungen oder Verhaltensstörungen, sind Aufgaben der Heil-, Sonder- und Sozialpädagogik.
Frühe Versuche, das Fähigkeitsniveau von Kindern systematisch zu erfassen und im Schulunterricht praktisch nutzbar zu machen, stammen von Alfred Binet (1857-1911), der im Auftrag des staatlichen französischen Bildungswesens erste Leistungstests entwickelte. Grundlegend für die psychologische Beschäftigung mit der Erfassung und Steuerung des Lernprozesses wurden behavioristische Ansätze der amerikanischen Psychologie, dargestellt vor allem in dem 1903 erschienenen Buch Educational Psychology (Erziehungspsychologie) von Edward Lee Thorndike (1874-1949). Weitere Forschungsarbeiten befassten sich mit sozialen Bedingungen und genetischen Voraussetzungen des Lernvermögens, mit Erziehungsstilen in Familie und Schule sowie mit den gesellschaftlichen Folgen und Bedingungen der Erziehung.
Frühkindliche Erziehung
Den Einfluss der frühkindlichen Erziehung auf die Entwicklung der Persönlichkeit betonte vor allem die Psychoanalyse, die durch Sigmund Freud begründet wurde (siehe Kindheit). Auch Vertreter einer Tiefenpsychologie wie Alfred Adler und Eric Homburg Erikson untersuchten den Einfluss der frühkindlichen Erziehung auf die Persönlichkeitsentwicklung. Grundlegende Idee der Tiefenpsychologie ist es, dass die Kindheit in bestimmten, abgegrenzten Phasen verläuft, deren Erreichen durch Erziehung begünstigt oder behindert werden kann. Bei schweren Behinderungen kommt es zu so genannten Fixierungen in bestimmten Kindheitsphasen, wodurch bestimmte psychische Störungen hervorgerufen werden. Obwohl diese Modelle heute als überholt gelten, bilden sie vielfach noch die Grundlage von Kindererziehung und Kindertherapie.
Neuere Ansätze
Eher pragmatische Ansätze im Sinne des amerikanischen Philosophen und Psychologen William James versuchten, durch die Identifikation elementarer Lernprozesse unmittelbar messbare Lernerfolge zu erreichen. Durch eine erweiterte Sicht in der modernen pädagogischen Psychologie rückten Erziehungsstile, soziale Bedingungen sowie die emotionalen und geistigen Fähigkeiten des Einzelnen wieder mehr in den Mittelpunkt, wenn es um die Formulierung von Erziehungszielen, die Ermittlung optimaler Lernmethoden und geeignete Arten der Lernkontrolle ging. Vertreter radikaler Ansätze, die zumeist tiefenpsychologisch motiviert sind, diskutieren heute, ob Erziehung nicht generell schädlich sei (z. B. Alice Miller in ihrem Buch Am Anfang war Erziehung) und knüpfen so wieder an Ideen von Jean-Jacques Rousseau an. Eine zeitweilig populäre Episode im Zusammenhang mit der Studentenbewegung von 1968 war die auf den Grundsätzen der Antipädagogik aufbauende antiautoritäre Erziehung, die weitgehend der kindlichen Fähigkeit zur Selbsterziehung vertraute und sich in zum Teil spektakulären Erziehungsexperimenten wie dem (immer noch existierenden) Summerhill-Internat in England manifestierte.

7 Bewertungen