Erfahrungsbericht von dreamweb
Empfindungen und Analysen zu den letzten Tagen
Pro:
bitte in diesem Fall im Text lesen
Kontra:
bitte in diesem Fall im Text lesen
Empfehlung:
Nein
Gestern nachmittag im Chat habe ich ja einigen schon gesagt, dass wir am Abend ein Unit Meeting also ein Treffen aller Düsseldorfer Abteilungen haben. Zuerst gibt es dann ein Abteilungsinternes Treffen, in dem über unsere Unit gesprochen wird. Aber auch über die Lage in der Firma wird da gesprochen und wie es weiter geht, nachdem uns unser Noch-Geschäftsstellenleiter Ende September verlässt. Mein Unit-Manger wird erst mal kommissarisch Geschäftsstellenleiter. Das wurde uns alles schon per EMail mitgeteilt.
Zu meinem Ärger geriet ich bei der Hinfahrt in zwei Staus. Das kommt Spätnachmittags selten Richtung Düsseldorf vor, daher hatte ich auch gar nicht damit gerechnet. Somit kam ich dann knapp 10 Minuten zu spät zum Treffen. Das interne Meeting hatte bereits begonnen. Was dort genau gesagt wurde, darf ich natürlich nicht nennen. Nur vielleicht den einen Satz, der mein momentanes Feeling nicht gerade verbessert. \"Die Geschäftleitung wird sämtliches Personal permanent dahingegend scannen, ob diese auch passend zur Firma seien. Sofern man zu anderer Ansicht käme, würde eine Lösung außerhalb unserer Firma gesucht.\" Ich finde das irgendwie faszinierend, wie da die Geschäftsführung umschreibt, dass man derzeit Personal abbaut. Nun gut, dann hoffe ich mal, dass ich zu Mummert passe und der dafür zuständige Vorstand das auch so sieht. Ansonsten kann ich gehen, wie auch drei andere Mitarbeiter unseres Bereiches bis spätestens 30.09.
Dann wurde darüber geredet, wie unsere eigenen Kennzahlen sind. Und da liegen wir in Düsseldorf weit über dem Schnitt, wir machen also ein weit aus besseres Ergebnis als unsere Firma gesamt. Auch die Auslastung ist bei uns höher als im Durchschnitt. Leider betonte dann der Unit-Manager, dass das aber kein Freibrief sei, da wir keine Insel innerhalb der Firma sind und auch alles für unser Unit gilt, was für die Firma gesamt gilt. Gut fand ich, dass wir alle Fragen stellen durften bzw. sollten und unsere direkten Chefs auch an unserer Stimmung und den Gerüchten innerhalb der Mitarbeiter interessiert waren. Bei so etwas werden oft auch Dinge klar gestellt, die man sonst nicht so mitbekommt.
Nach unserem internen Meeting dann kam es zu einer Rede des Noch-Geschäftsstellenleiters, der unsere Firma leider verlässt. Das finde nicht nur ich sehr schade. Denn er hat zusammen mit meinem Unit-Manager unsere Unit eben erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Auch persönlich finde ich den Mann sehr sympatisch. Er stellte dann noch die Zahlen für die Düsseldorfer Units Gesamt oder einige Besonderheiten vor. Auch über die Geschäftslage in der Firma gesamt sprach er, dabei konnte man dann deutlich sehen, wie gut dabei unsere Düsseldorfer Units waren. Eigentlich ein beruhigendes Gefühl. Denn wo alles gut läuft, wird auch weniger entlassen. Aber leider nicht immer, wie ich ja bei der Entlassungswelle im letzten Jahr gesehen hatte. Da mussten auf Druck der Geschäftsleitung eben auch bei uns Federn gelassen werden, bzw. ganz deutlich Mitarbeiter gehen.
Danach sprach unser Vorstandsvorsitzender. Er stellte auch noch mal die Gesamtsituation dar, allerdings andere Punkte und stellte präsentierte dann noch das ausgearbeitete Lösungsmodell. Auch hier kann und darf ich nichts näheres sagen. Aber was ich sagen kann und darf ist dass Mummert zwar von der Situation betroffen ist, es aber einige unserer Mitbewerber noch extremer getroffen hat. Und dass man seitens des Managements wohl auch etwas aus der nicht immer ganz so arbeitnehmerfreundlichen Art vor einem halben Jahr gelernt hatte. Es gibt auf alle Fälle noch Chancen und Möglichkeiten und auch wenn wir (wie alle in der Branche) unsere Ziele zurückstecken müssen, ist es wohl (nach den Angaben) nicht so negativ, dass man jetzt den Kopf in den Sand stecken müsste oder eben ganz schnell wechseln sollte. Irgendwie gab mir das trotz des Personalscannens irgendwie auch ein gutes Gefühl. Auf jeden Fall hat der Mann es geschafft, dass das Gefühl für die Firma und die Zukunft mit ihr verstärkt wurde.
Insgesamt ging das Treffen von 17.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr. Ein großer Teil ging da für Diskussionen mit dem Vorstandvorsitzenden drauf. Denn Fragen waren auch hier erwünscht und erwartet. Was man abklärt, führt nicht zu Gerüchten, so ist hier die Vorgehensweise. Nach dem Meeting gab es dann im Hotel ein Buffet. Es war das gleiche wie bei unserem letzten Treffen hier. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um auch mal mit meinem Unit-Manager, den ich so leider selten sehe, zu reden. Obwol es ein netter und sympatischer Mensch ist, bin ich dann doch total nervös, aber ich versuche ja auch einige gelernte Aspekte aus meinem neuesten Psychologie-Hilfsbuch zu verwirklichen. Und was ich nicht frage, macht mich noch nervöser. Somit habe ich ihn darauf angesprochen, was mir am Herzen liegt. Und das ist zum Einen die Tatsache, dass ich in keinem Projekt bin (und dadurch auch Angst vor Entlassung habe). Und weil ich nicht weiß, ob er mich auch weiter behalten möchte, selbst wenn ich bisher kaum Auslastung hatte, wollte ich das mal austesten. Er zeigte sich interessiert und meinte, dass ich sofort von ihm Bescheid bekäme, wenn er etwas für mich habe und sprach mich konkret auf mein Basel II Thema an. Und dass ich dort sehr hohe Chancen habe, in ein Projekt zu kommen, sofern Mummert da einen Auftrag bekommt. Dann fragte er mich, wie es mit der Ecommerce Umfrage läuft. Weiterhin sagte er mir, dass er es gut finde, dass ich mich direkt nach Projektende sowohl beim Basel II Team als auch beim ECommerceteam zurückgemeldet hatte. Ich hatte mir da Sorgen gemacht, weil ich von mir aus in einem der Teams Unterstützung angeboten hatte, ohne vorher bei ihm zurückzufragen. Auf alle Fälle weiß ich jetzt, dass das so in Ordnung ist. Insgesamt hatte ich nach der - wenn auch kurzen - Unterhaltung das Gefühl, dass er noch Wert auf die Zusammenarbeit mit mir legt und ich nicht im nächsten Quartal auch einen Aufhebungsvertrag erhalte. Eine Garantie kann da zwar momentan niemand abgeben, aber ein positives Gefühl tut schon mal gut.
Jetzt aber zu Heute. Ich sollte Gott danken, dass ich in keinem Projekt stecke. Anstatt dessen habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich Zuhause bin und nichts zu tun habe. Dabei brauche ich momentan auch die freie Zeit, denn meine Rückenbeschwerden sind nichts, was von einem auf den anderen Tag weggeht. Und ich habe mich entschlossen, dem neuen Arzt zu vertrauen, der mich am Samstag und am Sonntag behandelt hatte. Bei ihm komme ich mir vor wie ein Mensch, der ihn interessiert. Ich kann ihn bei Bedarf auch am Wochenende aufsuchen und er versucht den Ursachen auf den Grund zu gehen. Momentan bekomme ich aber auch bei jedem Besuch eine Infusion mit einer sogenannten Heidelberger Lösung. Da sind dann sowohl Schmerzmittel als auch Muskelentspannende Mittel und Vitamine enthalten. Die Vitamine schmeckt man übrigens während der Infusion. Ich mag den süßlichen Geschmack nicht, da wird mir fast schlecht von. Auf alle Fälle soll so bewirkt werden, dass meine Entzündungen in den Gelenken zurück gehen und auch alles lockerer wird. Und nur dann würde ich nicht mehr die Probleme haben.
Leider soll ich meine Lebensweise ändern, was mir nicht so gefällt und ich wegen meines inneren Schweinehundes auch nicht für machbar halte. Ich gehe ja schon mehrmals wöchentlich in ein Fitness-Center und laufe mehrmals wöchentlich mehrere Kilometer. Jetzt soll ich jeden Tag eine halbe Stunde früher aufstehen und Gymnastik mache. Ich soll viel schwimmen und jeden oder zumindestens fast jeden Tag mich körperlich Anstrengen. Ich kenne mich, das mache ich vielleicht ein oder zweimal. Aber öfters dann doch nicht.
Aber jetzt zu dem, dass ich mich freuen sollte, in keinem Projekt zu sein. Beispiel heute. Meinen Arzttermin hatte ich um 9.00 Uhr morgens. Beim Doc war ich dann bis fast 12.00 Uhr, der Vormittag war somit futsch. Denn eine halbe Stunde fahre ich ja auch noch bis Rheinbach oder zurück. Und da ich nach den Mitteln, die ich verabreicht bekommen habe und auch der Spritzen nicht so fit bin wie sonst, könnte ich wohl momentan während der Behandlung beruflich auch keine volle Leistung bringen. Da ist es doch schon besser, so unauffällig während der Nicht-Projekt-Phase dafür zu sorgen, dass es mir besser geht.
An drei verschiedenen Stellen hat mir der Chirotherapeuth diesmal wieder mehrere Wirbel eingerenkt. Aber immer noch konnte er nicht alle erwischen. Denn wenn man das schon mehrfach gemacht bekommen hat, dann versteift man sich manchmal. Mir passiert das jedenfalls. Lustig ist es fast, wenn ich mich selbst darüber ärger, es aber nicht verhindern kann. Denn irgendwo im Bewußtsein ist da das Wissen, gleich tut es kurz weh und knackst es. Und glaubt mir, dann bleibt man nicht immer so locker mit dem Kopf in den Händen eines Menschen, selbst wenn man weiß, der hilft einem damit.
Auf alle Fälle hat mir der Arzt klar gemacht, wie wichtig es ist, dass ich lockerer werde. Und das nicht nur auf körperlicher sondern auch auf psychischer Basis. Denn alles führt zu Verspannungen und in meinem Fall dann zu chronischen Gelenkverrenkungen und Entzündungen. Ich habe schon sehr lange meine Fehlstellungen und die dürfen nicht ganz chronisch werden. Daher müsse er auf die verschiedenen Mittel zurückgreifen. Er möchte aber auch, dass wir die Besuchsintervalle erhöhen. Ein Punkt, den ich auch gut finde, denn so ein Orthopädenbesuch ist nicht ganz billig.
Ich selbst habe gemerkt, dass ich zwar immer noch fast permanent Schmerzen habe, diese aber bewußter einzelnen Körperstellen zuordnen kann und sie nicht so extrem schmerzhaft sind wie vorher. Ich kann jetzt ganz gut damit umgehen, ohne so stark zu Iboprofen oder anderen Mitteln greifen zu müssen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich jetzt regelmässig ein pflanzliches Beruhigungsmedikament nehmen soll (Mischung aus Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume) und auch täglich ein pflanzliches Schmerzmittes auf Basis der Pestwurz zu mir nehme.
Trotz allem war aber heute der Besuch auch wieder sehr schmerzhaft. Denn nachdem mir der Arzt die Wirbel einrenkte, wollte er auch noch etwas an den Stellen unternehmen, an denen ich starke Schmerzen bei Berührung (Druck der Finger) empfinde und die mir auch manchmal so schmerzen. Er erklärte mir, dass ich an den zwei obersten Stellen der Wirbelsäule eine Gelenkentzündung habe. Ob chronisch oder nicht, da bin ich mir nicht mehr sicher. Und dass er mir da auch Spritzen setzen würden. Ich musste mich dazu auf die Liege setzen mit dem Rücken zu ihm. Und dann merkte ich erst einen leichten Pieks im Hinterkopf. Die obersten Wirbelsäulenansätze enden ja im Hinterkopf. Er fragte dann immer, wie ich es aushalte. Das war im Nachhinein lustig. Denn ich habe ja Angst vor Spritzen und es ist mein eigenes Training, dass ich eben die Schmerzen aushalten will und Schmerz dann selten zugebe. Auf alle Fälle ging das dann so: Arzt: \"Halten Sie das aus\" Miara (spürt einen kleinen Pieks) \"Ja\" Arzt wieder \"Halten Sie es aus\" Miara: \"Ja\" dann \"Au\" Das war schon fast lustig, zuerst das ja, denn da war es noch ein leichter auszuhaltender Schmerz. Dann aber direkt so in einem Zuge wurde alles extrem Schmerzhaft. So als ob einer mit einer glühenden Nadel durch die empfindlichsten Nervengegenden stößt. Dennoch habe ich dann auch noch eine zweite Spritze an dieser Stelle und dann zwei Spritzen an der zweiten Gelenkapsel ausgehalten. Total mulmig war mir danach. Der Arzt schaute mich an und frage, \"Ist ihnen nicht gut?\" Er muss mir wohl was angesehen habe, denn mir war kurm vorm umkippen. \"Nein, ein bischen benommen\" (nur nicht zu viel zugeben, sagt sich da der Stolz in der Miara, der hält mich sonst für eine verweichlichte Tussi) Tja. dann musste ich mich auf die Liege legen, auf der dann hinten alles hoch gestellt wurde, so dass die Beine auch hoch lagen. Damit verhindert man einen Kreislaufkollaps. Und so lag ich nicht sehr erfreut dann noch eine Weile da herum, bis ich mich wieder fit genug fühlte. Die Sache ist die, der Arzt wollte nicht, dass ich so Auto fahre, und 40 km sind in einem solchen Zustand kein Pappenstiel. Selbst als ich ging, sah ich ihm an, dass er lieber wollte, dass ich noch ein wenig auf der Liege bleibe. Aber es ging mir schon gut genug. Bis auf die Tatsache, dass meine Hand leicht schmerzte an der Stelle, wo die Fusionsnadel war, dass ich meinen Kopf wegen der Nackenspritzen kaum hin und herbewegen konnte und mir doch noch ein wenig flau war. Aber da war ja wieder mein innerer Kritiker bzw. mein schlechtes Gewissen. Denn anstatt Zuhause auf Arbeit zu warten, war ich beim Doc. Und das schon den halben Tag. Zurück bin ich sogar ein wenig vorsichtiger gefahren als sonst, denn den Kopf nicht drehen zu können, fand ich schon extrem.
Einen neuen Termin haben wir auch ausgemacht. Ich finde toll, dass er sich auch nach meinen Bedürfnissen richtet. Und so habe ich den nächsten Termin für Abends nach 18.00 Uhr ausgemacht. Da brauche ich auch kein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber haben. Zudem ist das sowieso nicht so angebracht, denn wenn ich dem Doc nicht erzählt hatte, wie unsere Situation ist und dass ich nur wenig im HomeOffice zu tun habe, dann hätte er mich auch krank geschrieben. Aber das will ich einfach nicht. So ist es mir dann doch lieber. Ich muss nur an mir arbeiten, dass ich mein schlechtes Gewissen dabei ein wenig verhindere. Aber irgendwo steht da immer die Angst, was man in der Firma wohl sagen würde, dass ich so oft Probleme mit dem Rücken und der Wirbelsäule habe. Ihr erfahrt hier eine meiner größten Ängste. Aber wer will schon einen chronisch Rückenkranken Mitarbeiter haben? Also versuche ich alles immer zwischendurch zu regeln. Was dann leider dazu führt, dass ich mich nicht so ausruhen und entspannen kann, wie ich es zur Gesundung müsste. Und dass ich dann zwischendurch eben solche stark belastetenden Projekte mit Zeiten von 10 bis 16 Stunden täglich habe, trägt ja auch nicht zur Förderung meiner Gesundheit dazu. Hinzu kommt noch, dass ich eben in Stress-Situationen meine Schmerzen nicht bemerke, teilweise ignoriere oder sie auch nicht so stark kommen, wie dann in den Momenten, in denen Mein Körper Zeit zur Regeneration hat oder gerne hätte. Laut meinem neuen Arzt habe ich ein extrem gestörtes vegetatives Nervensystem. Dagegen muss ich unbedingt arbeiten. Ob ich es schaffe, keine Ahnung. Ich werde das machen, was mir möglich erscheint und auf alle Fälle nicht mehr so tun, als sei ich Gesund, nur weil ich zwei Monate lang meine Beschwerden ignoriere. Denn das habe ich tatsächlich in meinen Projektphasen gemacht. Leider zählt hier die Devise. Immer verfügbar sein, wenn die Firma mich braucht. Und immer das Höchste zu leisten, was machbar ist. Wer das heute nicht macht, steht schnell auf der Abschussliste. Dann passt man nicht mehr zur Firma und ist seinen Job los. Und wer das macht, der ist wie ich selbst schuld, wenn der Körper dabei drauf geht, so heute fast wortwörtlich mein Arzt. Leider ist es leichter getan, über alles zu reden und Vorschläge zu machen, als es alles so im optimalen Sinn zu ändern. Denn - sorry - ich bin auf meine Arbeit und mein jetziges sehr hohes Gehalt angewiesen, weil ich Schulden habe und auch bestimmte Dinge in meinem Lebensstil nicht ändern möchte.
Das waren jetzt sehr viele Überlegungen zu den Geschehnissen der letzten Tage bzw. eigentlich liegt ja mein Total-Wochenend-Ausfall auch noch mit zugrunde.
Psychisch geht es mir wesentlich besser, als die letzten Tage, aber optimal ist natürlich auch da nicht alles. Nur freue ich mich eben wie ein Kind über jeden Hoffnungsschimmer. Und die letzten zwei Tage haben mir doch auch Hoffnung gemacht. Selbst wenn sie gezeigt haben, dass alles nicht so einfach ist, wie ich es gerne hätte. Ich bin da unverbesserlich, warum nur macht mein Körper nicht einfach alles mit, was ich von ihm abfordere, das wäre viel praktischer für mich....
In dem Sinne - vielen Dank fürs Lesen, das Schreiben tat mir gut.
Ich wünsche allen ein schönes, erholendes und schmerzfreies Wochenende - Miara
Zu meinem Ärger geriet ich bei der Hinfahrt in zwei Staus. Das kommt Spätnachmittags selten Richtung Düsseldorf vor, daher hatte ich auch gar nicht damit gerechnet. Somit kam ich dann knapp 10 Minuten zu spät zum Treffen. Das interne Meeting hatte bereits begonnen. Was dort genau gesagt wurde, darf ich natürlich nicht nennen. Nur vielleicht den einen Satz, der mein momentanes Feeling nicht gerade verbessert. \"Die Geschäftleitung wird sämtliches Personal permanent dahingegend scannen, ob diese auch passend zur Firma seien. Sofern man zu anderer Ansicht käme, würde eine Lösung außerhalb unserer Firma gesucht.\" Ich finde das irgendwie faszinierend, wie da die Geschäftsführung umschreibt, dass man derzeit Personal abbaut. Nun gut, dann hoffe ich mal, dass ich zu Mummert passe und der dafür zuständige Vorstand das auch so sieht. Ansonsten kann ich gehen, wie auch drei andere Mitarbeiter unseres Bereiches bis spätestens 30.09.
Dann wurde darüber geredet, wie unsere eigenen Kennzahlen sind. Und da liegen wir in Düsseldorf weit über dem Schnitt, wir machen also ein weit aus besseres Ergebnis als unsere Firma gesamt. Auch die Auslastung ist bei uns höher als im Durchschnitt. Leider betonte dann der Unit-Manager, dass das aber kein Freibrief sei, da wir keine Insel innerhalb der Firma sind und auch alles für unser Unit gilt, was für die Firma gesamt gilt. Gut fand ich, dass wir alle Fragen stellen durften bzw. sollten und unsere direkten Chefs auch an unserer Stimmung und den Gerüchten innerhalb der Mitarbeiter interessiert waren. Bei so etwas werden oft auch Dinge klar gestellt, die man sonst nicht so mitbekommt.
Nach unserem internen Meeting dann kam es zu einer Rede des Noch-Geschäftsstellenleiters, der unsere Firma leider verlässt. Das finde nicht nur ich sehr schade. Denn er hat zusammen mit meinem Unit-Manager unsere Unit eben erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Auch persönlich finde ich den Mann sehr sympatisch. Er stellte dann noch die Zahlen für die Düsseldorfer Units Gesamt oder einige Besonderheiten vor. Auch über die Geschäftslage in der Firma gesamt sprach er, dabei konnte man dann deutlich sehen, wie gut dabei unsere Düsseldorfer Units waren. Eigentlich ein beruhigendes Gefühl. Denn wo alles gut läuft, wird auch weniger entlassen. Aber leider nicht immer, wie ich ja bei der Entlassungswelle im letzten Jahr gesehen hatte. Da mussten auf Druck der Geschäftsleitung eben auch bei uns Federn gelassen werden, bzw. ganz deutlich Mitarbeiter gehen.
Danach sprach unser Vorstandsvorsitzender. Er stellte auch noch mal die Gesamtsituation dar, allerdings andere Punkte und stellte präsentierte dann noch das ausgearbeitete Lösungsmodell. Auch hier kann und darf ich nichts näheres sagen. Aber was ich sagen kann und darf ist dass Mummert zwar von der Situation betroffen ist, es aber einige unserer Mitbewerber noch extremer getroffen hat. Und dass man seitens des Managements wohl auch etwas aus der nicht immer ganz so arbeitnehmerfreundlichen Art vor einem halben Jahr gelernt hatte. Es gibt auf alle Fälle noch Chancen und Möglichkeiten und auch wenn wir (wie alle in der Branche) unsere Ziele zurückstecken müssen, ist es wohl (nach den Angaben) nicht so negativ, dass man jetzt den Kopf in den Sand stecken müsste oder eben ganz schnell wechseln sollte. Irgendwie gab mir das trotz des Personalscannens irgendwie auch ein gutes Gefühl. Auf jeden Fall hat der Mann es geschafft, dass das Gefühl für die Firma und die Zukunft mit ihr verstärkt wurde.
Insgesamt ging das Treffen von 17.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr. Ein großer Teil ging da für Diskussionen mit dem Vorstandvorsitzenden drauf. Denn Fragen waren auch hier erwünscht und erwartet. Was man abklärt, führt nicht zu Gerüchten, so ist hier die Vorgehensweise. Nach dem Meeting gab es dann im Hotel ein Buffet. Es war das gleiche wie bei unserem letzten Treffen hier. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um auch mal mit meinem Unit-Manager, den ich so leider selten sehe, zu reden. Obwol es ein netter und sympatischer Mensch ist, bin ich dann doch total nervös, aber ich versuche ja auch einige gelernte Aspekte aus meinem neuesten Psychologie-Hilfsbuch zu verwirklichen. Und was ich nicht frage, macht mich noch nervöser. Somit habe ich ihn darauf angesprochen, was mir am Herzen liegt. Und das ist zum Einen die Tatsache, dass ich in keinem Projekt bin (und dadurch auch Angst vor Entlassung habe). Und weil ich nicht weiß, ob er mich auch weiter behalten möchte, selbst wenn ich bisher kaum Auslastung hatte, wollte ich das mal austesten. Er zeigte sich interessiert und meinte, dass ich sofort von ihm Bescheid bekäme, wenn er etwas für mich habe und sprach mich konkret auf mein Basel II Thema an. Und dass ich dort sehr hohe Chancen habe, in ein Projekt zu kommen, sofern Mummert da einen Auftrag bekommt. Dann fragte er mich, wie es mit der Ecommerce Umfrage läuft. Weiterhin sagte er mir, dass er es gut finde, dass ich mich direkt nach Projektende sowohl beim Basel II Team als auch beim ECommerceteam zurückgemeldet hatte. Ich hatte mir da Sorgen gemacht, weil ich von mir aus in einem der Teams Unterstützung angeboten hatte, ohne vorher bei ihm zurückzufragen. Auf alle Fälle weiß ich jetzt, dass das so in Ordnung ist. Insgesamt hatte ich nach der - wenn auch kurzen - Unterhaltung das Gefühl, dass er noch Wert auf die Zusammenarbeit mit mir legt und ich nicht im nächsten Quartal auch einen Aufhebungsvertrag erhalte. Eine Garantie kann da zwar momentan niemand abgeben, aber ein positives Gefühl tut schon mal gut.
Jetzt aber zu Heute. Ich sollte Gott danken, dass ich in keinem Projekt stecke. Anstatt dessen habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich Zuhause bin und nichts zu tun habe. Dabei brauche ich momentan auch die freie Zeit, denn meine Rückenbeschwerden sind nichts, was von einem auf den anderen Tag weggeht. Und ich habe mich entschlossen, dem neuen Arzt zu vertrauen, der mich am Samstag und am Sonntag behandelt hatte. Bei ihm komme ich mir vor wie ein Mensch, der ihn interessiert. Ich kann ihn bei Bedarf auch am Wochenende aufsuchen und er versucht den Ursachen auf den Grund zu gehen. Momentan bekomme ich aber auch bei jedem Besuch eine Infusion mit einer sogenannten Heidelberger Lösung. Da sind dann sowohl Schmerzmittel als auch Muskelentspannende Mittel und Vitamine enthalten. Die Vitamine schmeckt man übrigens während der Infusion. Ich mag den süßlichen Geschmack nicht, da wird mir fast schlecht von. Auf alle Fälle soll so bewirkt werden, dass meine Entzündungen in den Gelenken zurück gehen und auch alles lockerer wird. Und nur dann würde ich nicht mehr die Probleme haben.
Leider soll ich meine Lebensweise ändern, was mir nicht so gefällt und ich wegen meines inneren Schweinehundes auch nicht für machbar halte. Ich gehe ja schon mehrmals wöchentlich in ein Fitness-Center und laufe mehrmals wöchentlich mehrere Kilometer. Jetzt soll ich jeden Tag eine halbe Stunde früher aufstehen und Gymnastik mache. Ich soll viel schwimmen und jeden oder zumindestens fast jeden Tag mich körperlich Anstrengen. Ich kenne mich, das mache ich vielleicht ein oder zweimal. Aber öfters dann doch nicht.
Aber jetzt zu dem, dass ich mich freuen sollte, in keinem Projekt zu sein. Beispiel heute. Meinen Arzttermin hatte ich um 9.00 Uhr morgens. Beim Doc war ich dann bis fast 12.00 Uhr, der Vormittag war somit futsch. Denn eine halbe Stunde fahre ich ja auch noch bis Rheinbach oder zurück. Und da ich nach den Mitteln, die ich verabreicht bekommen habe und auch der Spritzen nicht so fit bin wie sonst, könnte ich wohl momentan während der Behandlung beruflich auch keine volle Leistung bringen. Da ist es doch schon besser, so unauffällig während der Nicht-Projekt-Phase dafür zu sorgen, dass es mir besser geht.
An drei verschiedenen Stellen hat mir der Chirotherapeuth diesmal wieder mehrere Wirbel eingerenkt. Aber immer noch konnte er nicht alle erwischen. Denn wenn man das schon mehrfach gemacht bekommen hat, dann versteift man sich manchmal. Mir passiert das jedenfalls. Lustig ist es fast, wenn ich mich selbst darüber ärger, es aber nicht verhindern kann. Denn irgendwo im Bewußtsein ist da das Wissen, gleich tut es kurz weh und knackst es. Und glaubt mir, dann bleibt man nicht immer so locker mit dem Kopf in den Händen eines Menschen, selbst wenn man weiß, der hilft einem damit.
Auf alle Fälle hat mir der Arzt klar gemacht, wie wichtig es ist, dass ich lockerer werde. Und das nicht nur auf körperlicher sondern auch auf psychischer Basis. Denn alles führt zu Verspannungen und in meinem Fall dann zu chronischen Gelenkverrenkungen und Entzündungen. Ich habe schon sehr lange meine Fehlstellungen und die dürfen nicht ganz chronisch werden. Daher müsse er auf die verschiedenen Mittel zurückgreifen. Er möchte aber auch, dass wir die Besuchsintervalle erhöhen. Ein Punkt, den ich auch gut finde, denn so ein Orthopädenbesuch ist nicht ganz billig.
Ich selbst habe gemerkt, dass ich zwar immer noch fast permanent Schmerzen habe, diese aber bewußter einzelnen Körperstellen zuordnen kann und sie nicht so extrem schmerzhaft sind wie vorher. Ich kann jetzt ganz gut damit umgehen, ohne so stark zu Iboprofen oder anderen Mitteln greifen zu müssen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich jetzt regelmässig ein pflanzliches Beruhigungsmedikament nehmen soll (Mischung aus Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume) und auch täglich ein pflanzliches Schmerzmittes auf Basis der Pestwurz zu mir nehme.
Trotz allem war aber heute der Besuch auch wieder sehr schmerzhaft. Denn nachdem mir der Arzt die Wirbel einrenkte, wollte er auch noch etwas an den Stellen unternehmen, an denen ich starke Schmerzen bei Berührung (Druck der Finger) empfinde und die mir auch manchmal so schmerzen. Er erklärte mir, dass ich an den zwei obersten Stellen der Wirbelsäule eine Gelenkentzündung habe. Ob chronisch oder nicht, da bin ich mir nicht mehr sicher. Und dass er mir da auch Spritzen setzen würden. Ich musste mich dazu auf die Liege setzen mit dem Rücken zu ihm. Und dann merkte ich erst einen leichten Pieks im Hinterkopf. Die obersten Wirbelsäulenansätze enden ja im Hinterkopf. Er fragte dann immer, wie ich es aushalte. Das war im Nachhinein lustig. Denn ich habe ja Angst vor Spritzen und es ist mein eigenes Training, dass ich eben die Schmerzen aushalten will und Schmerz dann selten zugebe. Auf alle Fälle ging das dann so: Arzt: \"Halten Sie das aus\" Miara (spürt einen kleinen Pieks) \"Ja\" Arzt wieder \"Halten Sie es aus\" Miara: \"Ja\" dann \"Au\" Das war schon fast lustig, zuerst das ja, denn da war es noch ein leichter auszuhaltender Schmerz. Dann aber direkt so in einem Zuge wurde alles extrem Schmerzhaft. So als ob einer mit einer glühenden Nadel durch die empfindlichsten Nervengegenden stößt. Dennoch habe ich dann auch noch eine zweite Spritze an dieser Stelle und dann zwei Spritzen an der zweiten Gelenkapsel ausgehalten. Total mulmig war mir danach. Der Arzt schaute mich an und frage, \"Ist ihnen nicht gut?\" Er muss mir wohl was angesehen habe, denn mir war kurm vorm umkippen. \"Nein, ein bischen benommen\" (nur nicht zu viel zugeben, sagt sich da der Stolz in der Miara, der hält mich sonst für eine verweichlichte Tussi) Tja. dann musste ich mich auf die Liege legen, auf der dann hinten alles hoch gestellt wurde, so dass die Beine auch hoch lagen. Damit verhindert man einen Kreislaufkollaps. Und so lag ich nicht sehr erfreut dann noch eine Weile da herum, bis ich mich wieder fit genug fühlte. Die Sache ist die, der Arzt wollte nicht, dass ich so Auto fahre, und 40 km sind in einem solchen Zustand kein Pappenstiel. Selbst als ich ging, sah ich ihm an, dass er lieber wollte, dass ich noch ein wenig auf der Liege bleibe. Aber es ging mir schon gut genug. Bis auf die Tatsache, dass meine Hand leicht schmerzte an der Stelle, wo die Fusionsnadel war, dass ich meinen Kopf wegen der Nackenspritzen kaum hin und herbewegen konnte und mir doch noch ein wenig flau war. Aber da war ja wieder mein innerer Kritiker bzw. mein schlechtes Gewissen. Denn anstatt Zuhause auf Arbeit zu warten, war ich beim Doc. Und das schon den halben Tag. Zurück bin ich sogar ein wenig vorsichtiger gefahren als sonst, denn den Kopf nicht drehen zu können, fand ich schon extrem.
Einen neuen Termin haben wir auch ausgemacht. Ich finde toll, dass er sich auch nach meinen Bedürfnissen richtet. Und so habe ich den nächsten Termin für Abends nach 18.00 Uhr ausgemacht. Da brauche ich auch kein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber haben. Zudem ist das sowieso nicht so angebracht, denn wenn ich dem Doc nicht erzählt hatte, wie unsere Situation ist und dass ich nur wenig im HomeOffice zu tun habe, dann hätte er mich auch krank geschrieben. Aber das will ich einfach nicht. So ist es mir dann doch lieber. Ich muss nur an mir arbeiten, dass ich mein schlechtes Gewissen dabei ein wenig verhindere. Aber irgendwo steht da immer die Angst, was man in der Firma wohl sagen würde, dass ich so oft Probleme mit dem Rücken und der Wirbelsäule habe. Ihr erfahrt hier eine meiner größten Ängste. Aber wer will schon einen chronisch Rückenkranken Mitarbeiter haben? Also versuche ich alles immer zwischendurch zu regeln. Was dann leider dazu führt, dass ich mich nicht so ausruhen und entspannen kann, wie ich es zur Gesundung müsste. Und dass ich dann zwischendurch eben solche stark belastetenden Projekte mit Zeiten von 10 bis 16 Stunden täglich habe, trägt ja auch nicht zur Förderung meiner Gesundheit dazu. Hinzu kommt noch, dass ich eben in Stress-Situationen meine Schmerzen nicht bemerke, teilweise ignoriere oder sie auch nicht so stark kommen, wie dann in den Momenten, in denen Mein Körper Zeit zur Regeneration hat oder gerne hätte. Laut meinem neuen Arzt habe ich ein extrem gestörtes vegetatives Nervensystem. Dagegen muss ich unbedingt arbeiten. Ob ich es schaffe, keine Ahnung. Ich werde das machen, was mir möglich erscheint und auf alle Fälle nicht mehr so tun, als sei ich Gesund, nur weil ich zwei Monate lang meine Beschwerden ignoriere. Denn das habe ich tatsächlich in meinen Projektphasen gemacht. Leider zählt hier die Devise. Immer verfügbar sein, wenn die Firma mich braucht. Und immer das Höchste zu leisten, was machbar ist. Wer das heute nicht macht, steht schnell auf der Abschussliste. Dann passt man nicht mehr zur Firma und ist seinen Job los. Und wer das macht, der ist wie ich selbst schuld, wenn der Körper dabei drauf geht, so heute fast wortwörtlich mein Arzt. Leider ist es leichter getan, über alles zu reden und Vorschläge zu machen, als es alles so im optimalen Sinn zu ändern. Denn - sorry - ich bin auf meine Arbeit und mein jetziges sehr hohes Gehalt angewiesen, weil ich Schulden habe und auch bestimmte Dinge in meinem Lebensstil nicht ändern möchte.
Das waren jetzt sehr viele Überlegungen zu den Geschehnissen der letzten Tage bzw. eigentlich liegt ja mein Total-Wochenend-Ausfall auch noch mit zugrunde.
Psychisch geht es mir wesentlich besser, als die letzten Tage, aber optimal ist natürlich auch da nicht alles. Nur freue ich mich eben wie ein Kind über jeden Hoffnungsschimmer. Und die letzten zwei Tage haben mir doch auch Hoffnung gemacht. Selbst wenn sie gezeigt haben, dass alles nicht so einfach ist, wie ich es gerne hätte. Ich bin da unverbesserlich, warum nur macht mein Körper nicht einfach alles mit, was ich von ihm abfordere, das wäre viel praktischer für mich....
In dem Sinne - vielen Dank fürs Lesen, das Schreiben tat mir gut.
Ich wünsche allen ein schönes, erholendes und schmerzfreies Wochenende - Miara



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